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Der Schatten des Giganten – Die Straße nach Jerusalem

Cast a Giant Shadow

Von Ansgar Skulme

Kriegsdrama // Der angehende Staat Israel steht nur wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs kurz vor der Unabhängigkeit, muss sich jedoch gegen energische Widerstände – vor allem aus der arabischen Welt – behaupten. Es fehlt den Emporkömmlingen an militärischem Wissen und einer wirklichen Armee, zudem an ausreichender Bewaffnung. Die Bewegung droht zu scheitern – Israel ist in Gefahr. Der Mut und Willen der im Weltkrieg so sehr gepeinigten Juden ist allerdings unerschütterlich, und in David „Mickey“ Marcus (Kirk Douglas) finden sie einen erfahrenen militärischen Berater, der mit Entschlossenheit alle Kräfte der Menschen zu bündeln versteht, mögen sie für sich genommen noch so gering sein. Die ersten Erfolge werden davon überschattet, dass Jerusalem in feindliche Hand zu fallen droht. Militärisch scheint die Stadt zwar relativ bedeutungslos zu sein, doch ihr symbolischer Wert ist für den Staat Israel geradezu unermesslich. Marcus muss sich dem Willen seiner Auftraggeber beugen, zur Rettung Jerusalems viele Leben zu riskieren.

Mit Waffen kennt sich Mickey (l.) aus

„Der Schatten des Giganten“ ist routiniert gefilmtes Star-Kino, das mit seinen politischen Aussagen auch heute noch stark polarisieren kann – vielleicht sogar noch mehr als zum Zeitpunkt des Kinostarts. Einerseits ist die geschilderte aufopferungsvolle Bewegung mit dem Ziel der Gründung eines Staates in gewisser Weise beeindruckend und auch bewegend, andererseits enttäuscht der Film immer wieder mit Eindimensionalität. Die Geschichte hat eine ähnliche Dynamik als würde man Noah beim Bau seiner Arche und der waghalsigen Fahrt zusehen. Leider bleibt der Film aber selbst bei der Schilderung des Verhältnisses von Marcus zu den vielen Menschen, mit denen er es zu tun bekommt und die letztlich für ihn und mit ihm kämpfen, viel zu oberflächlich. Kirk Douglas macht sich als moderner Noah eigentlich gar nicht schlecht; sowieso passte der mittlerweile 101 Lebensjahre zählende Mime immer wieder gut in voranpreschende, energiegeladene Rollen. Der Film hat zweifelsohne Potenzial, leider gelang es Melville Shavelson nicht, das Ganze wenigstens richtig spannend und mitreißend in Szene zu setzen – wenn schon die eindimensionale Botschaft mehr als diskutabel ist, dass die Israelis unzweifelhaft die Guten und alle Araber die Bösen sind. Aber wenn man zumindest Elmer Bernstein als Komponisten im Boot hat, ist die Musik immerhin die halbe Miete.

Fragen aufwerfendes Konzept

Eine Frage, die ich mir während der Sichtung immer wieder stellte, ist, warum man ausgerechnet für diesen Stoff, ausgerechnet für diesen Film den recht merkwürdigen Weg ging, mit Yul Brynner, Frank Sinatra und John Wayne gleich drei damalige Superstars als sogenannten „Special Appearance Cast“ in Nebenrollen zu verpflichten, der im Vorspann und auch schon im Trailer ausdrücklich dementsprechend gekennzeichnet ist. In Rollen, die allesamt recht beliebig wirken, aber wiederum auch mehr als bloße Cameos sind. Das Ganze erweckt ein wenig den Eindruck, als hätte man krampfhaft versucht, über Schwachstellen des Konzepts hinwegzutäuschen und das Publikum zu ködern, frei nach dem Motto: „Wenn die alle mitspielen, dann muss es ja stimmen!“ Es gab zwar damals ein paar andere Filmprojekte, die mit enorm vielen Stars aufwarteten, wie vor allem der Kriegsfilm „Der längste Tag“ und der Western „Das war der Wilde Westen“ – beide 1962 erschienen –, eine Variante mit einer Handvoll Stars in ganz normalen Nebenrollen wie in „Der Schatten des Giganten“ ist jedoch ziemlich ungewöhnlich.

Asher (r.) ist skeptisch, doch lässt sich beraten

Dass das wie eine Anbiederung wirkt, ist allerdings der Story geschuldet, denn wäre der Film wirklich gut, würde sich das Problem nicht stellen und man würde sich über die Stars freuen und dieses Stelldichein feiern, statt sich fast schon zu ärgern, dass sie sich dafür hergegeben haben. Besonders enttäuschend ist, dass die Geschichte dieses Films ein Bild arabischer Völker vermittelt, das beim besten Willen eindeutig oberflächlicher ist als das Indianerbild in den meisten US-Western der 50er-Jahre – B-Filme eingeschlossen. Und das, obwohl wir es bei „Der Schatten des Giganten“ mit einer sehr teuren, aufwendigen Produktion zu tun haben. Albern ist zudem, dass man hier zwar Werbung für den Staat Israel macht, eine internationale Besetzung zusammentrommelte und in teure Stars investierte, es aber ausgerechnet nicht für nötig hielt, wenigstens einen einzigen israelischen Schauspieler in einer einigermaßen großen Rolle zu besetzen. Mit einer Ausnahme: Topol, der allerdings einen Araber spielt und das zudem wild chargierend und klischeebeladen, wie es extremer kaum geht. Das ist dann leider wirklich der Gipfel aller Absurditäten dieses Films.

Wayne interessiert’s!

Filme dürfen meinetwegen oberflächlich sein, wenn sie wenigstens das Handwerk guter Unterhaltung verstehen, spannend gemacht sind und dabei den Mund nicht zu voll nehmen, was ihren Anspruch und die Botschaften, die sie zu vermitteln versuchen, betrifft; doch „Der Schatten des Giganten“ scheitert hinsichtlich dieser Aspekte. Der Film ist nicht mehr als solider Standard im Gewand eines Epos – unverhältnismäßig teuer mit großen Namen in nicht-großen Rollen besetzt und mit langer Laufzeit versehen, die bei dem Thema auch fast unumgänglich ist –, man kann sich an den vielen bekannten Gesichtern freuen, aber am Ende bleibt das Gefühl, dass der Streifen für seine Ambitionen, seine Länge, seine Geschichte, seine Stars und sein Potenzial schlichtweg unfassbar beliebig und durchschnittlich ist. Nicht haarsträubend schlecht oder unprofessionell, sondern einfach ziemlich belanglos – und das ist angesichts des behandelten Themenkomplexes nicht nur bedauerlich, sondern ärgerlich. Ich tu mich sogar schwer damit zu glauben, dass dieser Film wenigstens den Menschen zum überwiegenden Teil gefällt, für die er überdeutlich Partei ergreift. Auch als Israeli oder ganz allgemein als Jude würde ich mir hier, aufgrund der einfachen Sichtweisen auf die Dinge, vermutlich sehr oberflächlich dargestellt vorkommen – da täuschen auch einige tragische Szenen und die Momente, in denen das moderne „Volk Israel“ als starke Gemeinschaft buchstäblich über Nacht eine Straße baut, nicht wirklich darüber hinweg. Die Geschichte fühlt sich auf ganz seltsame Weise blutleer und überflüssig an, was bei dieser Länge und der Präsenz bestimmter Schauspieler wirklich erstaunlich ist. Einige verärgerte Kritiker und Historiker bezeichneten das Werk als anti-arabische oder auch anti-palästinensische Propaganda. Mag man das nun teilen oder auch nicht, so ist es zumindest nicht sonderlich schwierig nachzuvollziehen, warum sie zu dieser Ansicht gelangten.

Die Beteiligung des als oberflächlicher US-Patriot berüchtigten John Wayne macht einen Film, der die Araber ohne kritisches Hinterfragen als Feindbild heraufbeschwört, bei Licht betrachtet zudem nicht unbedingt glaubwürdiger in seinen Ansinnen. Waynes flapsiger Jargon, der sogar gegenüber Vorgesetzten keinen Halt macht, womit er dem Militär eine Art besonders menschliche Note zu verleihen versuchte, wirkt zumeist auch eher absurd übertrieben als alles andere – man kauft ihm einen ernsthaften General nicht ab, sondern nur den Schauspieler, der in den 40ern vor der Kamera Soldaten darstellte und vom Militärdienst befreit war, während andere wirklich in den Krieg mussten. Sein kauziges Gehabe ist zugegebenermaßen in der Regel ganz lustig und kann zuweilen sogar ganze Filme – auch Kriegsfilme – tragen, wenn der legendäre Mime die Hauptrolle spielt, aber wirkt in „Der Schatten des Giganten“ doch recht deplatziert. Ob es eine Szene gebraucht hätte, in der der „Duke“ an der Seite von Kirk Douglas sogar noch der Befreiung eines Konzentrations- oder auch Vernichtungslagers beiwohnen und dies mit sichtlich entsetzter Miene quittieren darf, sei ganz besonders in Frage gestellt. Man stelle sich vor, Chuck Norris hätte in einem heutigen Film einen Cameo bei der Befreiung von Auschwitz – mag er die Rolle in dieser Szene plötzlich noch so bemüht ernsthaft spielen, muss das in der Form nicht sein. Man sieht die Szene und hat das Gefühl, dass John Wayne dort einfach nichts zu suchen hat, aufgrund seiner gesamten Vorgeschichte als Person wie auch als Schauspieler – es hat etwas Pietätloses, Anmaßendes, das Gezeigte unangemessen Vereinfachendes, obwohl es natürlich genau umgekehrt gemeint ist.

General Randolph hasst idiotische Befehle

Man fragt sich bei dem Film, vor allem in den Szenen mit John Wayne, so oft „Was soll das?“ und womit diese eigentlich historisch durchaus relevante Story das alles verdient hat, dass man irgendwann gedanklich die Stimme von Herbert Grönemeyer zu hören glaubt. Letzten Endes sind die Figuren des Films fast durch die Bank viel zu oberflächlich, wodurch eine Einfühlung enorm erschwert wird. „Der Schatten des Giganten“ wird so zu einem Paradebeispiel dafür, dass noch so viele Stars nichts helfen, wenn sich ein schwaches Drehbuch an beeindruckenden historischen Begebenheiten – der wahren Geschichte des David Marcus – entlanghangelt. Mehr als bestenfalls der Schatten von etwas Großem ist dieser Film einfach nicht – und John Waynes Präsenz ist hier vergleichbar mit der eines betrunkenen Fußballfans, der sich durch eine nicht erklärbare Wildcard plötzlich in der Startaufstellung eines bedeutenden Spiels seiner Lieblingsmannschaft wiederfindet. Auch ein Schatten – seiner selbst.

Der Mann, der die Stars an die Wand spielte

Der einzige Aspekt, der mich an „Der Schatten des Giganten“ wirklich positiv beeindruckte, ist die schauspielerische Leistung von Luther Adler in der Rolle des Jacob Zion – zudem grandios synchronisiert vom damals bereits 74 Jahre alten Robert Klupp. Ohne Luther Adler wäre die Botschaft dieses Films hoffnungslos verloren, ihm gelingt es, den händeringenden Willen dieses Volkes nach einem eigenen Staat greifbar und fühlbar zu machen. Adler schafft es, dass man eine Offenheit entwickelt, sich auch angesichts der Gräuel des heutigen Palästina-Konflikts näher mit der Thematik zu befassen und weder die eine noch die andere Seite pauschal zu verurteilen. Da wurden nun keine Kosten und Mühen gescheut, einen Haufen internationaler Schauspieler und US-amerikanischer Stars zu engagieren, aber der eine, der dann so richtig überzeugt, ist der einzige US-Schauspieler in einer größeren Rolle, der vergleichsweise eher unbekannt ist, also weder in die Kategorie „international“ noch „US-Star“ fällt – man weiß nicht so recht, ob man darüber nun lachen oder weinen soll.

Wenn man sich allerdings eine Weile mit dem US-amerikanischen Kino und Fernsehen der 40er bis 70er beschäftigt hat, kennt man Luther Adler bereits als verlässlichen, wandlungsfähigen Charakterdarsteller, der seine Rollen stets mit Hingabe ausfüllte. Es kommt nicht von ungefähr, dass es Luther Adler war, dem man das Vertrauen aussprach, Adolf Hitler in „Rommel, der Wüstenfuchs“ (1951) zu spielen, obwohl Hitler im US-Kino bis dato meist von Darstellern verkörpert worden war, die ihm möglichst besonders ähnlich sahen, weniger mit Blick auf schauspielerischen Tiefgang. Ebenso wenig überrascht es, dass die Wahl auf Adler fiel, als es darum ging, im US-Remake von Fritz Langs „M“ (ebenfalls von 1951) die Rolle des alkoholkranken Anwalts zu besetzen, die im Remake wesentlich umfangreicher als im Original ist. Bis ins hohe Alter wusste Luther Adler immer wieder zu überzeugen und ganz unterschiedliche, des Öfteren auch recht schräge Figuren sehr intensiv mit Leben zu erfüllen, darunter beispielsweise eine tolle Gastrolle in der alten „Mission: Impossible“-Serie, wo er einen Diktator spielte, dem Halluzinationen vorgegaukelt werden, oder einen kriminellen Patriarchen in einer dreiteiligen Spezialepisode der langlebigen Kultserie „Hawaii Fünf-Null“.

Nur für Blu-ray-Fans wirklich lohnend

Der Film ist vor über zehn Jahren bereits in Deutschland auf DVD veröffentlicht worden. Die damaligen Editionen enthielten sowohl mehr unterschiedliche Sprachfassungen als auch mehr Untertiteloptionen. Die jetzige Veröffentlichung hat ein verbessertes Bild auf HD-Niveau und daher nun auch eine Blu-ray zu bieten – die diesem Artikel beigefügten Fotos bieten einen guten Eindruck der Bildqualität. Abgesehen von den technischen Aspekten bringt die neuerliche Auswertung aber leider keinen wirklichen Mehrwert mit sich – der Bonus ist mit lediglich einer Bildergalerie sowie den Kinotrailern aus Deutschland und den USA, die vor allem durch die hohlen, unbeholfenen Phrasen des Erzählers im Gedächtnis bleiben, recht knapp bemessen. Auf dem Cover sind auf der Frontseite, direkt neben dem Titelbild, zu allem Überfluss auch noch zwei Schreibfehler (das Wort „die“ ist fälschlich großgeschrieben, obwohl es nicht durch das Format zu rechtfertigen ist, und in „verblüffte“ fehlt ein Buchstabe), was irgendwie gut zur Oberflächlichkeit des gesamten Films passt. Auch wenn man diese Fehler in dem Slogan von einem Kinoplakat übernommen haben sollte, hätte man sie dennoch korrigieren können. Sowas kann passieren, klar, aber führt im Gesamtbild letztlich zu dem Urteil, dass sowohl an diesem Film als auch der Veröffentlichung einfach so gut wie gar nichts wirklich rund ist.

Zudem spiegelt der Film eine Tendenz wider, dass neuerdings vermehrt klassische Produktionen in zweiter oder dritter DVD-Auflage auf den deutschen Markt gelangen. Dies wird vor allem damit gerechtfertigt, dass man sie nun „erstmals auf Blu-ray“ veröffentlichen kann. Ich würde es allerdings begrüßen, wenn man stattdessen mehr Filme auf den Markt bringen würde, die es hierzulande bisher noch nicht einmal auf DVD gibt. Eine Blu-ray macht die Filme nicht besser, sondern nur das Bild und gegebenenfalls den Ton. Es ist zu früh, um mit dieser Art des Recyclings den Markt zu überschwemmen und damit Ressourcen zu blocken, die verhindern, dass es viele andere Filme überhaupt einmal auf den Markt schaffen, denn lohnende Produktionen schlummern noch zu Hunderten oder Tausenden – allein schon was das Hollywoodkino der 30er bis 60er und dabei Produktionen anbelangt, deren deutsche Synchronfassungen definitiv greifbar sind.

Na, wenigstens etwas!

Immerhin ist die deutsche Synchronfassung recht gelungen. Senta Berger synchronisierte sich in „Der Schatten des Giganten“ selbst und gehörte zweifelsohne zu den deutschsprachigen Schauspielerinnen und Schauspielern, die sich auch hinter dem Mikrofon gut zu verkaufen wussten, wenn es ans Synchronisieren der eigenen Person ging. Interessant ist die Synchronfassung auch dahingehend, weil Arnold Marquis damals der Stammsprecher von Kirk Douglas war, aber auch gerade als Stammsprecher von John Wayne aufgebaut wurde, weshalb man ihn als Stimme von Wayne hier durch Wolfgang Lukschy ersetzte. Der hatte Wayne zuvor bereits immer mal wieder gesprochen und gehörte zudem schon wesentlich länger zu John Waynes Stimmen als Marquis. Lukschy geht – vor allem in den 60ern, weil seine Stimme da erheblich tiefer und kräftiger als Anfang der 50er klang – als Wayne-Stimme durchaus in Ordnung, aber an Heinz Engelmann, der vor allem in den 50ern die große Stammkraft als Stimme von John Wayne war, führt aus meiner Sicht qualitativ kein Weg vorbei. Engelmann war Mitte der 60er als Wayne-Sprecher aber leider bereits so gut wie abgelöst.

Die Liebe zu seiner Frau ist Mickeys letzte Bindung an die Heimat

Es gab in den 60ern mehrere Filme, in denen Arnold Marquis als Stimme von Kirk Douglas auf andere Schauspieler traf, die er seinerzeit ebenfalls regelmäßig synchronisierte – weshalb es immer wieder zu Umbesetzungen kam, da Marquis nicht mehrere große Rollen in einem Film sprechen konnte, gipfelnd in „Der Weg nach Westen“ (1967), wo mit Kirk Douglas, Richard Widmark und Robert Mitchum gleich drei Schauspieler zu sehen sind, die zum damaligen Zeitpunkt vorrangig von Marquis synchronisiert wurden.

Interessant ist die Synchronfassung von „Der Schatten des Giganten“ auch, als Gernot Duda hier überraschend zu seinem einzigen Einsatz als Stimme von Yul Brynner kam, obwohl dieser damals mit Klaus Miedel und Heinz Giese zwei gängige Optionen mitbrachte, die auch beide sonst nicht im Film zu hören sind. Duda kommt Brynners Stimme rein klanglich wahrscheinlich näher als jeder sonstige deutsche Sprecher, der ihn im Laufe der Jahre synchronisieren durfte, vielleicht sogar noch näher als Heinz Giese, schauspielerisch jedoch fehlt ihm hier das Charisma, um Brynner die notwendige spezielle Note zu geben. Dadurch ist die Rolle am Ende dann eben in der Synchronfassung erst recht genau das, was sie eigentlich auch ist: ein Nebenpart, ohne wirklich besondere Kennzeichen – Star-Effekt hin oder her. Demgegenüber hatte wenigstens Frank Sinatra das Glück, hier mit einem seiner besten und treffendsten Sprecher, Herbert Stass, aufwarten zu können, obwohl Sinatra die kleinste Rolle unter den Stars dieses Films hat. Eine sehr gute Besetzung für Sinatra war sicherlich auch Wolfgang Kieling. Da ich diesen aber absolut für Kirk Douglas favorisiere, wäre ich hier spätestens an zweiter Stelle dann auch bei Herbert Stass als Stimme von Frank Sinatra gelandet – und hätte trotz Kirk Douglas und John Wayne letztlich komplett auf Arnold Marquis verzichtet, der hier aber dennoch einen guten Job machte.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Yul Brynner, Kirk Douglas und John Wayne sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Der Berater scheut auch den Einsatz des eigenen Lebens nicht

Veröffentlichung: 8. Februar 2018 als Blu-ray und DVD, 9. Oktober 2009 und 21. Mai 2007 als DVD (in der „John-Wayne-Collection 2“), 15. September 2003 als DVD

Länge: 138 Min. (Blu-ray), 133 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch – frühere dt. VÖ außerdem: Französisch, Spanisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch – frühere dt. VÖ außerdem: Französisch, Spanisch, Italienisch, Niederländisch
Originaltitel: Cast a Giant Shadow
USA 1966
Regie: Melville Shavelson
Drehbuch: Melville Shavelson, nach einem Roman von Ted Berkman
Besetzung: Kirk Douglas, Senta Berger, Angie Dickinson, Luther Adler, Yul Brynner, James Donald, Stathis Giallelis, John Wayne, Gordon Jackson, Frank Sinatra
Zusatzmaterial: Deutscher Kinotrailer, US-Kinotrailer, Bildergalerie
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2018 by Ansgar Skulme
Fotos & Packshot: © 2018 Koch Films

 

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Marihuana – John Wayne jagt Kiffer-Kommunisten

Big Jim McLain

Von Ansgar Skulme

Krimi // Ein versierter Schmugglerring überflutet den amerikanischen Drogenmarkt mit Marihuana. Der Ermittler Jim McLain (John Wayne) und sein Partner Mal Baxter (James Arness) werden nach Hawaii geschickt, um die Drahtzieher zu finden und zu stoppen. Sommer, Sonne, Strand, Meer und schöne Frauen, eine idyllische Ruhe – gestört von Tätern, Mittätern und Opfern. McLain und Baxter führen Dutzende Gespräche und recherchieren was das Zeug hält, doch es wird weitere Opfer geben, bevor McLain endlich den Kopf der Bande stellt.

Als ich „Marihuana“ vor gut zehn Jahren das erste Mal gesichtet habe, war mir noch nicht bekannt, dass es sich eigentlich um einen Propagandafilm handelt, in dem gar keine Marihuana-Händler, sondern Kommunisten gejagt werden. Ein Film, wie er damals gut zu einem Zeitgeist passte, der von den Machenschaften des Komitees für unamerikanische Umtriebe, unter Federführung von Joseph McCarthy, geprägt war. Erst in der Synchronfassung wurden aus den Kommunistenjägern plötzlich Drogenfahnder – und das auch nicht nur in Deutschland, sondern zumindest auch in der italienischen Fassung.

Wenn man drüber lachen kann …

Für sich genommen, ohne die Hintergründe zu kennen, funktioniert die deutsche Fassung einigermaßen gut. Auch wenn die Erklärungen mit zunehmender Dauer des Films immer kurioser anmuten. Generalstabsmäßig organisierte Marihuana-Einfuhr, organisiert von feinen, älteren Herren in Anzügen – nur ein Faktor, der dem wachen Zuschauer komisch vorkommen müsste. Der Schauplatz Hawaii und die Regie von Edward Ludwig machen den Film aber zumindest ansehnlich. Zu Ludwig jedoch später mehr. Da sich John Wayne vom Film noir ansonsten bemerkenswerterweise völlig fernhielt, ist „Marihuana“ auch unter diesem Gesichtspunkt in gewisser Weise interessant, da die Gelegenheiten recht rar gesät sind, ihn in Krimis oder Thrillern zu sehen. Ein Faktor zumindest wenn man Fan des „Dukes“ ist, was einem angesichts solcher Produktionen wie „Big Jim McLain“ jedoch leicht vergehen kann. Wayne hatte zuvor zwar schon viele Westernhelden aus der angeblichen US-Geschichte, aber noch nie einen zeitgenössischen Gesetzeshüter in einem Film gespielt. Auch danach folgten seine nächsten Polizistenrollen erst in den 70er-Jahren, kurz vor Ende seiner Karriere.

Wenn man einmal weiß, was es mit diesem Werk eigentlich auf sich hat, gesellt sich der Faktor hinzu, dass manche Szenen ins Komische umschlagen, die eigentlich ernst gemeint waren, und dass andere Szenen ihre schon vorhandene Absurdität noch steigern. Unbezahlbar ist beispielsweise der Gastauftritt von Hans Conried als schräger, geistig etwas neben der Spur umherirrender Autor, der in der Originalversion davon berichtet, wie er angeblich vor Jahren selbst in die Kommunistische Partei eingetreten ist, um mehr über sie zu lernen, während er in der deutschen Version in herrlich abstruser, fahriger Weise davon berichtet, wie er anfing Marihuana zu rauchen, um die Wirkung der Droge an sich zu testen. Während diese Szene allerdings auch schon im Original komisch gemeint ist – im Deutschen lediglich noch wesentlich absurder wirkt –, gestaltet sich das bei dem Gastauftritt von Paul Hurst in der Rolle des Mr. Lexiter schon etwas anders: In seiner Szene im Original berichtet Lexiter davon, sein Sohn sei der Kommunistischen Partei beigetreten, er verrate den Sprössling deswegen an Jim McLain. Der Vater liefert den Sohn aus und rechtfertigt das mit seiner angeblichen Bürgerpflicht. McCarthy war bestimmt sehr stolz auf diese Szene!

In der Synchronfassung wird aus dem Sohn allerdings ein Opfer gemacht: Er soll Selbstmord begangen haben und dazu gezwungen worden sein, da er in den Drogenhändler-Kreisen an die falschen Leute geraten sei. Als der Vater in dieser Version vom Wiedersehen mit seinem Sohn, nachdem dieser drogenabhängig geworden war, berichtet, entspannt sich ein Dialog zwischen Paul Hurst und John Wayne, der in beiden Versionen in gewisser Weise sicherlich dramatisch wirken mag, allerdings ziemlich komisch ist, wenn man weiß, dass die deutsche Fassung inhaltlich improvisiert wurde: Als John Wayne sich näher nach dem Vater/Sohn-Treffen erkundigt, bekommt er alberne Antworten wie, dass auffällig gewesen sei, dass der Sohn während des Beisammenseins sehr viel geraucht habe; als Wayne nachhakt, wird über den merkwürdigen Geruch des Rauchs philosophiert. Die Szene ist unter diesem Gesichtspunkt ein Paradebeispiel für unfreiwillige Komik – die in dem Falle noch nicht einmal in der deutschen Fassung so intendiert war, letztlich aber trotzdem entsteht.

Wie umständlich man in der deutschen Fassung versuchte, der neuen Story irgendwie Sinn zu geben, erweist sich unter anderem, als Paul Hurst den Ermittlern ein Foto in der Zeitung präsentiert, das im Original seinen filmischen Sohn zeigt, der sich nun für die Kommunistische Partei engagiert, aber seinen Namen geändert hat, woraufhin sein Filmvater beteuert, dass er ohnehin nicht mehr denselben Namen wie dieser Kommunist tragen will. Pathos und Patriotismus bis zum Abwinken. In der deutschen Fassung, wo der Sohn aber ein bereits totes Drogenopfer ist, hieß Edwin White – der Mann auf dem Foto – plötzlich nicht mehr früher Lexiter, sondern ist eine andere Person, die für den Tod des Sohnes verantwortlich sein soll.

Law & Order: Honolulu

Rückwirkend auch ziemlich albern und unfreiwillig amüsant ist es, Dan Liu, der damals wirklich Polizeichef von Honolulu war, inmitten all der vielen Widersinnigkeiten dieses Films zu sehen. Ein aufrechter, stolzer Gesetzeshüter, der heroisch als großer Amerikaner durchs Dorf getrieben wird, aber letztlich dabei mithilft, dass Kommunisten und – auch wenn er das nicht ahnen konnte – Kiffer in einer so oder so hanebüchenen Geschichte dämonisiert werden; wie so ein Möchtegern-Sheriff, der sich mit goldenem Stern und polierten Stiefeln auf die Schwächsten der Stadt stürzt und sich besonders stolz dafür feiern lässt, indem er auf Schauspieler macht und dabei obendrein keinen Geringeren als sich selbst verkörpert. Der Film schadet seinem Image als ernst zu nehmender Polizist aus heutiger Sicht definitiv und macht ihn zu einer Witzfigur, zumal sein schauspielerisches Talent überschaubar ist. Schade, dass sich der erste chinesisch-amerikanische Polizeichef einer Stadt in der Geschichte der USA dafür hergegeben hat. Es mag aber sein, dass er kaum eine andere Wahl hatte, denn Senator McCarthy mochte Menschen bekanntlich nicht besonders, die nicht so dachten wie er oder nicht taten, was er für richtig hielt. Neben Liu wurden weitere auf Hawaii bekannte Persönlichkeiten wie der Newsreporter „Red“ McQueen, der Bischof Kinai Ikuma und der Universitätsprofessor Joel Trapido für Rollen engagiert, um dem verbreiteten Gedankengut einen ebenso authentisch greifbaren wie durch die Realität legitimierten Charakter zu verleihen.

Wie genau es der Film mit Gesetzestreue und aufrechten Männern, die ihr Land beschützen, wirklich nimmt, sieht man in einer Szene, als „Big Jim McLain“ beim Ausparken beinahe in den Gegenverkehr rast, weil er damit beschäftigt ist, einer Frau hinterherzuschauen, ihr zuzuwinken und daher zunächst auf der Gegenspur fährt, die er erst verlässt, als ihn von dem nächsten auf dieser Spur in die richtige Richtung steuernden Auto gefühlt nur noch etwa ein Meter trennt. Der Gesetzeshüter schrammt hier so knapp an einem von ihm unnötig verschuldeten Frontalunfall mit zudem überzogener Geschwindigkeit beim Ausparken vorbei, dass man sich nicht ganz sicher ist, ob dieser Ablauf der Szene in der Form geplant war. Im Film wurde diese Aufnahme jedenfalls belassen. Solche Vorbilder brauchte das Land!

Wettstreit der Dämonisierungen

Während man für die ersten deutschen Synchronfassungen von Michael Curtiz‘ „Casablanca“ (1942) und Alfred Hitchcocks „Notorious“ (1946 – deutscher Titel der Fassung: „Weißes Gift“) noch die Möglichkeit der Verfälschung nutzte, um die eigene Nazi-Vergangenheit des Landes zu verschweigen, indem man aus Nazis Drogenhändler machte oder sie gleich ganz zu unterschlagen versuchte, drehte man bei „Marihuana“ nun also den Spieß um: Man versuchte einer Hetze entgegenzuwirken, indem man sich in der deutschen Fassung nicht daran beteiligte und aus den politisch verfolgten Kommunisten gewissenlose Drogenhändler machte. Dies mag ein edles Bestreben sein, doch aus heutiger Sicht scheitert das Ansinnen, da die deutsche Fassung letzten Endes lediglich eine eigene Dämonisierung anstelle der Dämonisierung im Original setzt, indem Marihuana-Konsumenten wie schwerste Junkies und die Folgen des Marihuana-Konsums in etwa wie das Rauchen von Heroin dargestellt werden. Das ist wissenschaftlich kaum sinnvoller als die politischen Ansichten von Joseph „Joe“ McCarthy zum Kommunismus, zum damaligen Zeitpunkt mag es immerhin dem Stand der Dinge entsprochen haben.

Wenn man den Film mit genügend Naivität betrachtet, geht er in der deutschen Fassung als einigermaßen unterhaltsamer Noir mit ein paar bekannten Gesichtern und ein paar guten Schauspielern – wie etwa dem großartigen Alan Napier in einer äußerst undankbaren Rolle als Chef der Kommunisten-Bande – durch. Vor allem die beschwingten Auftritte von Nancy Olson und Veda Ann Borg in den einzigen beiden einigermaßen großen weiblichen Rollen, helfen dem Werk mehrfach über die Zeit, während sich die Männer am laufenden Meter gegenseitig mit hochgradigem Politschwachsinn belegen.

Es ist überliefert, dass Nancy Olson das Drehbuch überhaupt nicht mochte und nur einwilligte, mitzuwirken, da sie gern mit John Wayne arbeiten wollte und obendrein damit die Chance bekam, sechs Wochen auf Hawaii zu verbringen. Sie spekulierte darauf, dass der Film sowieso floppen würde, übersah jedoch den Image-Schaden durch die wiederkehrenden Fernsehausstrahlungen in späteren Jahren. Olson war – und ist womöglich immer noch – eine liberale Demokratin. Am Set soll sie sich diverse politische Diskussionen mit Wayne geliefert haben, ohne jedoch die Eskalation zu provozieren, obwohl Wayne einer der Gründe gewesen war, warum sie in die Rolle eingewilligt hatte.

Ein interessanter Randaspekt des Films ist zudem der Verweis auf die Lepra-Kolonie Kalaupapa – gewissermaßen das einzig wirklich dokumentarisch Wertvolle an diesem Film, auch wenn er gern ein Politlehrfilm gewesen wäre. Die Existenz solcher Orte wird schnell einmal vergessen. Die Insel – zunächst nur wie ein dunkler Vorbote in einer Luftaufnahme zu sehen – schließlich sogar als Schauplatz zu nutzen und John Wayne persönlich den Schritt wagen zu lassen, verleiht dem Film einige beklemmende, reflektierende, gut inszenierte Momente, und als die Krankenschwester erklärt, wie die Bewohner von ihren Neugeborenen getrennt werden, damit diese sich nicht anstecken, kommt sogar kurz ein Moment der Rührung auf. Angeblich wurden sogar wirklich Außenaufnahmen direkt auf Kalaupapa gedreht und es heißt, John Wayne sei persönlich vor Ort gewesen.

Ein eher putziger Propagandafilm

„Marihuana“ war der erste von John Waynes unabhängiger Produktionsfirma Wayne-Fellows Productions (später: Batjac Productions) realisierte Film und wurde mittels eines Deals von den Warner Brothers in die Kinos gebracht. Wer nun allerdings behaupten wollte, dass dies Warner von der Verantwortung für den Propaganda-Inhalt weitestgehend befreit, sollte nicht vergessen, dass der Verleih bereits im Vorjahr „Ich war FBI-Mann M. C.“ (Originaltitel: „I Was a Communist for the F.B.I.“) in die Lichtspielhäuser gebracht hatte und es sich hierbei sogar um eine hauseigene Produktion handelte, die das spektakuläre, kaum fassbare Kunststück fertigbrachte als Propagandafilm in der Kategorie „Bester Dokumentarspielfilm“ für den Oscar nominiert zu werden. Das allein beweist schon recht eindrücklich, wie es um die USA seinerzeit bestellt war und wie sich auch die Academy politisch kompromittieren ließ. Im Vergleich zu diesem üblen Hetz- und Hasswerk, dessen Protagonist den Hass seines eigenen Sohnes auf sich zieht, da er sich zur Tarnung als Kommunist ausgibt, um damit seinem Land zu helfen, während der Bursche „natürlich“ keinen dreckigen „Kommi“ als Vater haben will, mutet „Marihuana“ sogar noch recht putzig an. Wer darüber hinaus noch Bedarf an derartigen Schinken hat, wird mit Republic Pictures‘ „The Red Menace“ (1949) und dem von Howard Hughes produzierten RKO-Film „The Whip Hand“ (1951) fündig. Letztgenannter Film ist tatsächlich sogar ziemlich lange spannend und schaurig, bis sich herausstellt, dass die gruselige Bedrohung von Kommunisten unter Führung eines mit massivem deutschem (Nazi-)Akzent Englisch sprechenden Irren verursacht wird, der alle nur denkbaren Klischees erfüllt. Dann ist es vorbei – und man kommt aus dem Kopfschütteln und Lachen nicht mehr heraus. Zunächst sollten die Täter Nazis sein und im Film verblieben letztlich auch Verweise darauf, dass die gezeigten Kommunisten früher Nazis gewesen sind, doch Nazis allein reichten Howard Hughes nicht, da Kommunisten als Bedrohung gerade voll im Trend waren. Daher wurde das Drehbuch rechtzeitig entsprechend modifiziert und umfangreiche Nachdrehs wurden angesetzt. Was für eine Geldverschwendung! Der Charakterdarsteller Peter Brocco, der in den 50er-Jahren kurzzeitig selbst auf der Schwarzen Liste stand und entsprechend politisch beäugt wurde, spielte übrigens sowohl in „Marihuana“ als auch „The Whip Hand“ mit. Manche Dinge im Leben muss man nicht verstehen.

Special Edition für einen solchen Film?

Edward Ludwig als Regisseur auf einen Film wie „Marihuana“ zu reduzieren, wäre ein Fehler. Niemand würde auf die Idee kommen, dies mit Gordon Douglas („Formicula“) wegen seiner Regietätigkeit bei „Ich war FBI-Mann M. C.“ oder mit dem zweifach Oscar-prämierten William Cameron Menzies („Invasion vom Mars“) wegen „The Whip Hand“ zu tun. Ludwig mag der weniger bekannte Regisseur sein, hat in den 50er-Jahren aber mehrere wirklich sehenswerte B-Abenteuerfilme unterschiedlicher Sub-Genres gedreht, wie etwa den Piratenfilm „Die Geliebte des Korsaren“ (1952), den von einer Waldbrandkatastrophe handelnden „Flucht vor dem Feuer“ (1952) und das in 3D gedrehte Brasilien-Abenteuer „Der Schaz der Jivaro“ (1954). Hierbei erwies er sich mitsamt seiner Kamera-Crews als Versteher von in satten Farben getränkten Technicolor-Bildern und clever eingeflochtenen, farblich überwältigenden Studioaufnahmen, die manche 50er-Abenteuer erst so richtig reizvoll machen. Seine Abenteuerfilme jenes Jahrzehnts sind, so scheint es mir immer, handwerklich-stilistisch sehr dicht mit den etwa zeitgleich im Genre entstandenen Arbeiten von Lewis R. Foster („Gold in Neuguinea“) verwandt. Ähnliches gilt für seine 50er-Jahre-Western. Man sollte auch hinsichtlich Ludwigs Zusammenarbeiten mit John Wayne nicht durcheinanderkommen, da Edward Ludwig sowohl mit John Wayne als auch mit dessen Beiname-Namensvetter John Payne jeweils drei Spielfilme drehte. Payne war in den 50ern als Hauptdarsteller ebenfalls sehr erfolgreich und von ebendiesem John Payne wurde Ludwig später auch noch regelmäßig als Regisseur von Episoden der Westernserie „The Restless Gun“ engagiert, die für Payne maßgeschneidert worden war. Eine enge Bindung zwischen dem Regisseur Edward Ludwig und dem „Duke“ John Wayne als Schauspieler bestand hingegen in jedem Fall nicht.

Ich persönlich würde mich schon allein deswegen über eine deutsche DVD von „Marihuana“ freuen, da es ein Film von Edward Ludwig ist. In Italien ist die dortige „Marihuana“-Synchronadaption schon lange auf dem Markt und die entsprechende DVD enthält zudem auch die politisch mehr als fragwürdige Originaltonspur. Problematisch mag sein, dass die deutsche Synchronfassung offenbar einige Minuten gekürzt ist und ein paar besonders pathetische Momente ausspart, die im Kontext von Marihuana und Drogentoten kaum zu erklären sind; darunter etwa das militärverherrlichende Ende. Die italienische „Marihuana“-Synchronisation ist interessanterweise länger. Den Film nun in einer Form zu veröffentlichen, dass bis dato fehlende Passagen im Original mit Untertiteln eingegliedert werden, ist aufgrund der abweichenden Handlungen beider Fassungen kaum sinnvoll. Die deutsche Bildfassung braucht man zudem schon allein deswegen, weil sonst die weiter oben beschriebene Szene mit Paul Hurst nicht mehr funktioniert, da aus dem Zeitungsartikel in der englischen Fassung der Kommunisten-Kontext hervorgeht und in der deutschen Version aufwendig ein anderes Insert mit inhaltlich abweichendem deutschen Text und demselben Foto von Edwin White eingefügt wurde. All dies können, neben der Story an sich, Erklärungen sein, warum der Film zu den eher wenigen Wayne-Streifen ab den 40er- und 50er-Jahren gehört, die bisher noch keine deutsche DVD spendiert bekommen haben. Es müsste eine Art Special Edition her, die die gekürzte deutsche Bildfassung enthält. Ob ein solcher Film diesen Aufwand verdient hat, scheint dann allerdings auch wieder diskutabel. Wenn man sieht, welche Billig-Western aus den 30ern es bereits nach Deutschland auf DVD geschafft haben, nur weil John Wayne darin mitspielt, obwohl es Hunderte andere Western derselben Qualität aus dieser Zeit ohne Wayne gibt, gilt das Argument, dass der Film nicht auf DVD erscheinen darf, weil er Schrott ist, aber zumindest schon einmal nicht. Ich hätte einen Vorschlag hinsichtlich einer DVD-Veröffentlichung, der all den Absurditäten dieses Films irgendwie sogar gerecht werden würde: Wie wäre es damit, neben der deutschen Bildfassung, auch die ungekürzte Fassung auf Deutsch vorzulegen, die fehlenden Passagen einfach neu zu synchronisieren und dabei den Marihuana-Kontext beizubehalten? Das bietet Raum für sehr viel Spaß – mit all den pathetischen Bildern dazu, die bisher nicht umsonst fehlten. Mit so einer Neusynchro ließe sich sicherlich auch die Einblendung des Kommunisten in der Zeitung irgendwie umschiffen. Das ist freilich Blödsinn, aber „Joe“ McCarthy hätte es verdient.

Was genau die Kommunisten in diesem Film oder auch generell überhaupt so Böses im Schilde führen, was ihre Pläne im Gesamten sind, um an die Weltherrschaft oder woran auch immer zu gelangen oder was Kommunismus in den Augen eines Jim McLain oder „Joe“ McCarthy konkret bedeutet, kurzum: was es überhaupt zu verhindern gilt und wovor ganz Amerika gerettet werden muss, klärt der Film übrigens nie auf – die Handlung eiert dahingehend zunehmend fadenscheinig um den heißen Brei. Die Unsachlichkeit des Films folgt einer simplen Logik: „Die Kommis sind halt einfach böse und haben Schlimmes vor.“ Die Drahtzieher hängen den ganzen Film über nur in einem einzigen schicken Anwesen am Strand herum und der Chef verteilt aus dem Zusammenhang gerissene, teils auch offenkundig recht belanglose Anweisungen. So sieht sie also aus: die Bedrohung! Wahrscheinlich ist alles, was sie planen, so schlimm, dass es geradezu unaussprechlich ist und deswegen nicht erwähnt wird. Diese peinliche Oberflächlichkeit und das pseudo-selbstverständliche Getue hinter all den Vorwürfen und der Hetze sind das Verwerflichste an „Big Jim McLain“.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit John Wayne sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Für die Genehmigung zur Nutzung des restaurierten Plakatmotivs bedanken wir uns bei Jerry Murbach, dem Betreiber der Seite Dr. Macro’s High Quality Movie Scans.

Veröffentlichung (USA): 22. Mai 2007 als DVD in „The John Wayne Film Collection“

Länge: 90 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Big Jim McLain
USA 1952
Regie: Edward Ludwig
Drehbuch: James Edward Grant, Richard English & Eric Taylor
Besetzung: John Wayne, Nancy Olson, James Arness, Alan Napier, Veda Ann Borg, Hans Conried, Hal Baylor, Gayne Whitman, Gordon Jones, Robert Keys
Verleih: Warner Brothers

Copyright 2017 by Ansgar Skulme
Filmplakat: Fair Use

 

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Robert Mitchum (III) / Howard Hawks (IV): El Dorado – Klasse auch im zweiten Aufguss

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El Dorado

Von Simon Kyprianou

Western // Der Stoff von „Rio Bravo“ gefiel Howard Hawks offenbar so gut, dass er ihn gleich drei Mal bearbeitet hat: acht Jahre nach „Rio Bravo“ in „El Dorado“, weitere drei Jahre später in seinem letzten Kinofilm „Rio Lobo“. Und er ist in der Tat wunderbar, es ist eine Story, die es erlaubt, große Dramen auf kleinem Raum verdichtet intim auszutragen. In „El Dorado“ sind die Protagonisten Cole Thornton (John Wayne), der versoffene Sheriff J. P. Harrah (Robert Mitchum) und der junge Mississippi (James Caan), den Thornton auf einer seiner Reisen aufgegabelt hat. Dieses Trio muss die Stadt El Dorado und den kleinen Farmer MacDonald (R. G. Armstrong) vor den Revolvermännern beschützen, die der große Farmer Bart Jason (Edward Asner), angeheuert hat – der ist scharf auf MacDonalds Land.

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Thornton (l.) und der Sheriff verbarrikadieren sich

Auch in seinen Komödien hat Hawks ja ähnliche Stoffe wiederholt verfilmt, so folgen zum Beispiel „Leoparden küsst man nicht“ (1938) und „His Girl Friday – Sein Mädchen für besondere Fälle“ (1940) ähnlichen Strukturen und verhandeln dieselben Themen. Nicht umsonst haben die Filmkritiker der Nouvelle Vague ihre sogenannte Auteur-Theorie im Hinblick auf Studiosystem-Regisseure, unter anderem Hawks, aufgestellt, da diese Regisseure, auch wenn sie nicht ihre eigenen Stoffe geschrieben haben und innerhalb eines mächtigen Studiosystems arbeiteten, eine prägnante Handschrift in ihren Filmen hinterließen.

Dabei variiert Hawks in den Western aber auch die Schwerpunkte: „Rio Bravo“ ist, obwohl er länger ist, der vertikaler erzählte, stringentere, „nacktere“, anmutigere Film, „El Dorado“ erzählt mehr in die Breite, ist verspielter. Hawks erzählt zuerst eine ausladende, tragische Exposition, gefolgt von einem Zeitsprung, an den sich die Haupthandlung anschließt, die mehr oder weniger identisch mit der von „Rio Bravo“ ist. John Wayne spielt wie gehabt die Hauptrolle, die Rolle von Dean Martin spielt jetzt Robert Mitchum, die Rolle von Ricky Nelson der junge James Caan. Schauspielerischer Gottesdienst also.

Kraftvoll und mit schmutzigem Finale

Hawks inszeniert die Geschichte der in die Enge getriebenen Männer wie gehabt kraftvoll. Durch die Risse im lustigen, verspielten Tonfall blitzen auch in „El Dorado“ immer wieder die Verzweiflung und Angst der Männer durch. Das finale Duell in „El Dorado“ hingegen ist wesentlich schmutziger geraten als in „Rio Bravo“: John Waynes Thornton ballert sein Gegenüber – der glaubt, es komme zu einem fairen Duell – einfach so weg, ohne ihm eine Chance zu lassen, weil er zu gut sei, als dass Thornton ein Risiko eingehen könne. Das ist ungewöhnlich kalt und hart.

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Mississippi bandelt mit der Tochter von Rancher MacDonald an …

„El Dorado“ ist ein hervorragender Western, auch wieder über Männer, diesmal sogar schon ziemlich alte Männer, am Ende des Wegs. Ein sehr guter Film der immer im Schatten seines Vorgängers steht, aber der ist ja auch ein Meisterwerk. „Rio Lobo“ ist solide, fällt aber doch etwas mehr ab, weshalb wir ihn vorerst nicht rezensieren werden.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Howard Hawks sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, die mit James Caan, Robert Mitchum und John Wayne in der Rubrik Schauspieler.

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… und gerät mit ihr in Schwierigkeiten

Veröffentlichung: 7. November 2013 als Blu-ray, 26. November 2003 als DVD

Länge: 127 Min. (Blu-ray), 122 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch
Originaltitel: El Dorado
USA 1967
Regie: Howard Hawks
Drehbuch: Leigh Brackett, nach einem Roman von Harry Brown
Besetzung: John Wayne, Robert Mitchum, James Caan, Charlene Holt, Paul Fix, Arthur Hunnicutt, Michele Carey, R. G. Armstrong, Edward Asner, Christopher George, Marina Ghane, Robert Donner
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2017 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © Paramount / Universal Pictures Germany GmbH

 

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