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Phantastische Tierwesen – Grindelwalds Verbrechen: Die dunkle Seite der Macht

Fantastic Beasts – The Crimes of Grindelwald

Kinostart: 15. November 2018

Von Andreas Eckenfels

Fantasy-Abenteuer // Der November 2018 ist zwar noch nicht so kalt, wie er sein sollte – die Temperaturen halten sich recht wacker im zweistelligen Bereich –, dennoch ist nun die perfekte Jahreszeit gekommen, um endlich wieder in die wohlig warme Wizarding World von J. K. Rowling abzutauchen. Zwei Jahre nachdem wir in „Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ erstmals Newt Scamander (Eddie Redmayne) begegnet sind, steht für den magiebegabten Zoologen das nächste Abenteuer an. Es wird nicht sein letztes sein, insgesamt soll die Reihe fünf Filme mit fortlaufender Handlung umfassen.

Tina und Newt treffen in Paris wieder aufeinander

1927: Unter Newts Mithilfe konnte der dunkle Zauberer Gellert Grindelwald (Johnny Depp) in New York enttarnt und vom Magischen Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika – kurz MACUSA – festgenommen werden. Doch trotz Hochsicherheitsverwahrung gelingt dem Schurken die Flucht. Grindelwald taucht in Paris unter, wo er seine Gefolgschaft um sich schart und hofft, einen wichtigen Verbündeten auf die dunkle Seite der Macht zu locken: den Waisenjungen Credence Barebone (Ezra Miller), der bereits im ersten Teil aufgrund seiner unterdrückten Zauberkräfte als Obscurus ungewollt allerhand Chaos stiftete und nun in der französischen Hauptstadt nach seiner Mutter sucht. Mit Credences Fähigkeiten will Grindelwald seinen Plan in die Tat umsetzen: die Herrschaft reinblütiger Zauberer über alle nichtmagischen Wesen.

Grindelwald schart seine Gefolgsleute um sich

Albus Dumbledore (Jude Law) erkennt die Gefahr, die von Grindelwald ausgeht, allerdings kann er aufgrund eines alten Schwurs nicht selbst aktiv werden. Aus diesem Grund entsendet er seinen ehemaligen Hogwarts-Schüler Newt nach Paris, um dem magischen Schwerverbrecher Einhalt zu gebieten. Newt kommt dieser Wunsch gerade recht. Er kann etwas Ablenkung gebrauchen, denn seine große Liebe Leta Lestrange (Zoë Kravitz) hat sich mit seinem Bruder Theseus (Callum Turner) verlobt. Unterstützung erhält Newt erneut von den zauberhaften Schwestern Tina (Katherine Waterston) und Queenie (Alison Sudol), dem Muggel Jacob (Dan Fogler) sowie von zahlreichen Tierwesen, die er in seinen Koffer gepackt hat.

Konkurrenz für Lord Voldemort

Schon nach den ersten Minuten, in denen sich Grindelwald im tosenden Unwetter aus seiner fliegenden Gefängniskutsche befreit, wird klar: Die dunklen Wolken werden sich nicht so schnell verziehen. Johnny Depp, dessen Besetzung im Vorfeld für viel Kritik sorgte, ist drauf und dran, eine ernsthafte Konkurrenz für Lord Voldemort als Bösewicht zu werden. Es ist schön, den Star endlich mal wieder außerhalb seiner „Jack Sparrow“-Routine zu sehen. Hier spielt er durchaus ernsthaft und furchteinflößend. Vielleicht kann Depp durch die Rolle seinen tiefen Fall von der Karriereleiter doch noch aufhalten. Bedenkt man die Zeit, in dem die „Phantastische Tierwesen“-Reihe angesiedelt ist, sind die Parallelen zur Naziherrschaft durch Grindelwalds „Arier“-Pläne, seine blonden Haare und seinen Ledermantel offensichtlich. Ebenso wie sein deutsch klingender Name ist dies kein Zufall. J. K. Rowling lässt häufig reale historische Ereignisse in die Handlung miteinfließen. Die Auswirkungen des bevorstehenden Kriegs der Zauberer und der bald beginnende Krieg der Muggel werden im Verlauf der nächsten drei Filme näher beleuchtet werden.

Niffler darf ordentlich mitmischen

Aber auch, wenn es noch so düster in der Fortsetzung zugeht, für die die FSK im Gegensatz zum Erstling eine FSK-12- statt einer FSK-6-Einstufung vergab, gibt es natürlich wieder einige heitere Momente, die für Licht in dunklen Zeiten sorgen. Endlich sehen wir etwas mehr von Newts Arbeitsumfeld und lernen dabei jede Menge neue phantastische Tierwesen kennen. Allerdings: So toll die neuen Wesen auch animiert sein mögen, den süßen Niffler schlägt keines von ihnen. Das maulwurfartige Tier mit dem Entenschnabel, welches eine besondere Vorliebe für Glitzerkram besitzt, erweicht auch diesmal am meisten unser Herz. Schön, dass ihm im Film sogar eine entscheidende Rolle zukommt.

Theseus (l.) hat sich mit Leta Lestrange verlobt

Viele neue Locations, wie das französische Zaubereiministerium, fügen sich mit ihrer Detailfreude bestens in die „Wizard World“ ein. In jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Eine kurze Rückkehr nach Hogwarts versprüht zusammen mit dem klassischen „Harry Potter“-Thema von John Williams nostalgische Gefühle. Dennoch ist dem zweiten Teil ein wenig die Verspieltheit abhandengekommen. Nur selten, etwa wenn Newt einen Windzauber auf einen Verfolger oder Queenie einen Liebeszauber auf Jacob ausspricht, fühlt man sich zum Beispiel an die wunderbare Kochszene aus dem Erstling erinnert. Auch um die Ernsthaftigkeit noch etwas herunterzuschrauben, hätten ein paar mehr neue Zaubersprüche zusätzliche Auflockerung gebracht.

Experten-Wissen gefragt

Mit Newt werde ich allerdings noch immer nicht ganz warm. Nicht falsch verstehen: An Eddie Redmaynes liebenswert-verhuschter Darstellung ist nichts auszusetzen. Er wirkt nur nicht wie eine echte Heldenfigur. Das mag sich in den weiteren Fortsetzungen noch ändern. Aber in „Grindelwalds Verbrechen“ ist dies wohl auch dem Drehbuch von J. K. Rowling zuzuschreiben, welches sich mehr als der Erstling darum bemüht, sich in die historische „Harry Potter“-Zeitlinie einzuordnen und so häufig den Fokus auf seinen Hauptcharakter verliert.

Der Niffler muss von seinen Abenteuern etwas verschnaufen

Damit kommen wir zum für mich größten Problem des zweiten Teils: Wo echte „Harry Potter“-Experten wahrscheinlich mit der Zunge schnalzen, werden die normalen Zuschauer schnell überfordert sein. Die Geschichte verzettelt sich in einer Vielzahl von Nebenhandlungen und stellt zu viele Figuren vor, die einfach schwer einzuordnen sind, wenn man all die Zauberer-Stammbäume nicht auswendig kennt. So hätte ich nicht mehr gewusst, dass Alchemist Nicolas Flamel, gespielt übrigens von Brontis Jodorowsky, dem Sohn von „El Topo“-Regisseur Alejandro Jodorowsky, der Schöpfer des berühmten Steins der Weisen ist, der im ersten „Harry Potter“-Abenteuer eine große Rolle spielt. Vielleicht fügen sich die Nebenstränge in den weiteren drei Filmen zu einem großen Ganzen zusammen, sodass wir nach dem Finale sagen werden: J. K. Rowling hat alles richtig gemacht. Aktuell spürt man allerdings, dass der Film eben einen Mittelteil bildet und noch nicht alle Karten ausspielt, sodass auch der überraschende Cliffhanger ein wenig an Zauberkraft einbüßt.

Zeit für eine Wachablösung?

Ebenfalls sollten sich die Produzenten Gedanken machen, ob David Yates wie geplant auch die nächsten „Phantastische Tierwesen“-Filme dreht, da seine Arbeit mehr und mehr zur Routine verkommt. Seit „Harry Potter und der Orden des Phoenix“ (2007) ist er am Ruder, somit hat er bis jetzt sechs Filme des Franchises am Stück abgedreht. Gerade der großartige „Harry Potter und der Gefangene von Askaban“ (2004) von Alfonso Cuarón („Gravity“) hat doch gezeigt, dass ein frischer Wind auf dem Regiestuhl der Reihe durchaus guttut.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Johnny Depp, Jude Law und Eddie Redmayne sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Albus Dumbledore kennt Grindelwald aus früheren Tagen

Länge: 134 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Fantastic Beasts – The Crimes of Grindelwald
GB/USA 2018
Regie: David Yates
Drehbuch: J. K. Rowling
Besetzung: Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Dan Fogler, Jude Law, Johnny Depp, Alison Sudol, Ezra Miller, Zoë Kravitz, Claudia Kim, Callum Turner, Wolf Roth
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 Warner Bros. Ent. All rights reserved. Wizarding World™ Publishing Rights © J.K. Rowling, WIZARDING WORLD and all related characters and elements are trademarks of and © Warner Bros. Entertainment Inc.

 

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Gewinnspiel: 2 x Platoon auf Blu-ray im Mediabook

Verlosung

Mit Charlie Sheen, Willem Dafoe, Tom Berenger, Johnny Depp und Forest Whitaker famos besetzt, gehört „Platoon“ (1986) zu den großen filmischen Aufarbeitungen des Vietnamkriegs. FilmConfect Home Entertainment hat den Auftakt von Oliver Stones Vietnam-Trilogie kürzlich exklusiv für eine Drogeriekette als Blu-ray im Mediabook veröffentlicht. Wer keine Filiale in der Nähe hat, muss nicht verzagen: Das Label hat uns zwei Exemplare zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns dafür herzlich im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Weil die Preise recht wertig sind, ist diesmal zwecks Teilnahme am Gewinnspiel zweierlei zu erledigen:

1. Bitte begebt euch zu meiner „Platoon“-Rezension und beantwortet dort im Kommentarfeld die beiden Fragen am Ende des Textes.

2. Bitte begebt euch zur Rubrik Krieg/Militär und tragt dort ins Kommentarfeld eure persönliche Top 3 der Kriegsfilme ein.

Die Frist zur Teilnahme endet am Sonntag, 24. Juni, um 22 Uhr. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert, bislang sind noch alle Sendungen bei den Empfängern eingetroffen). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Gewonnen haben

– Lilly,
– Rainer Pampuch.

Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Die Rezension von „Platoon“ findet Ihr auch hier, unsere Rubrik Krieg/Militär auch hier.

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

 

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Platoon – Oliver Stones Vietnamkriegs-Trauma

Platoon

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Zu den tragenden Klängen von Samuel Barbers „Adagio for Strings“ verlässt eine Schar junger Soldaten nach langem Überseeflug den Truppentransporter in Vietnam. Unter ihnen Chris Taylor (Charlie Sheen), der sich doch tatsächlich freiwillig als Infanterist – sprich: Kanonenfutter – zum Militäreinsatz in Fernost gemeldet hat. Zur Begrüßung gibt’s gleich ein paar gut gefüllte Leichensäcke zu sehen, die den Weg in die Heimat antreten, und spöttische Sprüche erfahrener GIs.

Kein Cleverle: Chris Taylor hat sich freiwillig nach Vietnam gemeldet

Kurz darauf findet sich Taylor auf kräftezehrender Patrouille im undurchdringlichen Dickicht des Dschungels wieder. Sein Sergeant Robert Barnes (Tom Berenger) zeigt sich als harter Hund, während Sergeant Elias Grodin (Willem Dafoe) Taylor immerhin fürsorglich von etwas Übergepäck befreit. Bereits nach einer Woche bereut der Freiwillige, nach Vietnam gegangen zu sein – und dabei ist er noch nicht mal einem Vietcong begegnet.

Briefe an Oma

Von Taylors Gedanken und Gefühlen erfahren wir mittels der Briefe, die er an seine Großmutter schreibt und die das Publikum per Stimme aus dem Off rezitiert bekommt. Kein abwegiger Gedanke, dass Oliver Stone dort seine eigenen Gedanken wiedergibt – der Regisseur und Drehbuchautor von „Platoon“ war als junger Mann wiederholt in Vietnam, erst als Aushilfslehrer, später in Uniform zum Kampfeinsatz, bei dem er auch Vietcong-Soldaten tötete.

Keine Gnade: Ein Dorf wird niedergebrannt

Auf den Philippinen gedreht, bildete „Platoon“ 1986 den Auftakt zu Oliver Stones Vietnam-Trilogie, die er 1989 mit „Geboren am 4. Juli“ („Born on the Fourth of July“) fortsetzte und 1993 mit „Zwischen Himmel und Hölle“ („Heaven & Earth“) beendete. Natürlich kann sich der Regisseur nicht freimachen von faszinierenden Kriegsbildern und ikonischen Motiven, dafür ist der Polit-Aktivist dann doch auch zu sehr Filmemacher – und zwar ein hochbegabter. Davon zeugt auch die vorzügliche Musikauswahl. Barber erwähnte ich bereits, das 1938 von ihm komponierte „Adagio for Strings“ erklingt mehrfach. Wenn Stone zum vietnamesischen Sonnenaufgang „White Rabbit“ von Jefferson Airplane erklingen lässt und Taylor zum ersten Mal die Kifferhöhle der „Potheads“ seiner Einheit („Platoon“) betritt, sind wir tief in soldatischer Romantik von Kameradschaft und Coolness angelangt. Wenn man gemeinsam zu „Tracks of My Tears“ von Smokey Robinson & The Miracles mitsingt, entstehen eben Männerfreundschaften, und die Schrecken des Krieges sind für eine Weile weit weg. Doch schnell holt der Tod die Soldaten wieder ins Leben zurück.

Von der Zwangsläufigkeit von Kriegsverbrechen

Krieg gebiert Kriegsverbrechen, so viel wird schnell klar – als wüssten wir das nicht sowieso schon. Nachdem die Einheit von Taylor, Elias und Barnes die ersten Todesopfer zu beklagen hat, gibt es kein Halten mehr. Mit Sergeant Barnes in vorderster Front. Männer zerbrechen. Andere werden härter und härter. Auch nicht gut. Am Ende – ein Napalm-Inferno.

Keine Freunde: Barnes (l.) und Elias

Hubschrauber, die über dem Dschungel ihre Bahnen ziehen und tödliche Geschosse ins Grün abfeuern, Menschen, die dort unten sterben wie nichts. Darübergelegt erneut Barbers Klänge. Helikopter, die bei der Landung Staub und Rauchschwaden aufwirbeln. Der Sogwirkung solcher ikonischer Motive konnte sich Olvier Stone offenbar nicht entziehen. Er wollte es wohl auch nicht. Vielleicht ist es diese gewisse Ambivalenz, die die Klasse von „Platoon“ ausmacht. Einerseits setzt er zumindest den anständigen oder vermeintlich anständigen US-Soldaten in Vietnam ein Denkmal – etwas, das jede Antikriegsbotschaft konterkariert, zumal die feindlichen nordvietnamesischen Truppen komplett gesichtslos bleiben (und sie hatten weitaus mehr Opfer zu beklagen als die US-Streitkräfte). Was die GIs in Fernost eigentlich zu suchen haben, geht dabei unter, immerhin erkennen sie die Sinnlosigkeit ihres Tuns. Andererseits zeigt Stone schonungslos und brutal die Verrohung, die der Krieg für die Menschen in ihm mit sich bringt, eine Verrohung, der einige von ihnen nur zu gern nachgeben. Der Regisseur muss dafür kein Massaker von Mỹ Lai nachstellen, aber im Kopf wird es ihm bei der Ausarbeitung einiger Szenen herumgespukt haben.

Mit vier Oscars prämiert

Vier Oscars gab’s 1987 für „Platoon“: als bester Film, für Oliver Stones Regie, den Ton und den Schnitt. Zuvor hatte das Kriegsdrama bereits drei Golden Globes als bester Film, für die beste Regie und Nebendarsteller Tom Berenger abgeräumt. Bei der Berlinale jenes Jahres wurde Stone für seine Regie mit einem Silbernen Bären prämiert. Mit Michael Ciminos „Die durch die Hölle gehen“ („The Deer Hunter“, 1978), Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“ (1979) und Stanley Kubricks „Full Metal Jacket“ (1987) bildet „Platoon“ das große Quartett der Vietnamkriegsdramen. Während die beiden Ende der 1970er-Jahre entstandenen Vorgänger eher mythischen Trips ähneln, zeigt Stone den Dschungelkampf authentischer, als schmutziges Sterben mitten im Urwald und fern der Heimat. Das mag nicht nur an Stones eigenen Vietnamerinnerungen liegen, sondern auch daran, dass der Vietnamveteran Dale Dye beim Dreh als Berater am Set fungierte – er tritt auch in einer Nebenrolle als Captain Harris in Erscheinung und hat einen Audiokommentar zum Film eingesprochen.

Keine Angst: Elias pirscht sich voran

„Platoon“ machte Charlie Sheen zum Star und schlägt den Bogen zu seinem Vater Martin, der sieben Jahre zuvor ebenfalls die Hauptrolle in einem der großen Vietnamfilme gespielt hatte: „Apocalypse Now“, in welchem Sohn Charlie angeblich auch mal als Statist durchs Bild läuft. Mit „Wall Street“ (1987) etablierte sich Charlie Sheen für eine Weile in der A-Liga, schlug dann aber den Weg in Richtung seichtere Stoffe ein, was vielleicht verhindert hat, dass er sich ganz oben festsetzt. Später mögen auch ein paar private Eskapaden ihr Teil dazu beigetragen haben, aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls zeigt „Platoon“ nicht nur große Schauspielkunst von Willem Dafoe und Tom Berenger, die dafür beide für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert wurden (den ihnen allerdings Michael Caine für „Hannah und ihre Schwestern“ wegschnappte); der Film ist obendrein gespickt mit klangvollen Namen, die später zu mehr oder weniger großem Ruhm kamen oder sich als Charakterkopf-Nebendarsteller etablierten: Forest Whitaker, Johnny Depp, Kevin Dillon, Tony Todd, Keith David, John C. McGinley – noch Fragen?

Ist „Platoon“ ein Antikriegsfilm?

Jawohl, eine: Ist „Platoon“ ein Antikriegsfilm? Gegenfrage: Was ist überhaupt ein Antikriegsfilm? Geht es darum, die Schrecken der gewalttätigen Auseinandersetzungen zu vermitteln, ist die erste Frage zu bejahen. Stone macht auch deutlich, dass Krieg die Beteiligten verrohen lässt, was Kriegsverbrechen zu einer Zwangsläufigkeit macht. Aber viele Bilder faszinieren wie erwähnt doch auch. Ohnehin gibt es ja die These, ein Film, der Bilder von kriegerischen Auseinandersetzungen zeigt, könne per Definition kein Antikriegsfilm sein. Ein schwieriges Thema, das ich nicht bis ins Letzte durchleuchten kann. Phasenweise gibt „Platoon“ ein deutliches Statement gegen den Krieg ab, in manchen Sequenzen womöglich nicht. Ein großes, ja herausragendes Kriegsdrama ist es zweifellos. Stones Regiearbeit reiht sich sowohl bei den großen Vietnamkriegsdramen weit vorn ein als auch im Kriegsfilmgenre an sich.

Kein Entrinnen: Tod im Dschungel

FilmConfect Home Entertainment hat die alten Fox-Scheiben des Films als ansprechende Repacks veröffentlicht. Steelbook-Fans können zwischen zwei verschiedenen Ausführungen wählen – beide sehen schnieke aus und machen die Entscheidung schwer. Zusätzlich hat sich eine große Drogeriekette exklusiv die mir vorliegende Mediabook-Edition des Labels gesichert. Auch sie weiß optisch zu gefallen und hat im Booklet einen zuvor bereits anderswo veröffentlichten Text von Dr. Marcus Stiglegger zu bieten. Wie wir das von dem umtriebigen Filmwissenschaftler kennen, liest sich der Text fachkundig und aufschlussreich. Leider wurde am Lektorat gespart, einige Fehler trüben das Lesevergnügen. Das reicht von Namenschreibweisen (Berekley statt Berkeley, Shen statt Sheen) über fehlerhafte Silbentrennung bis hin zu falschen Satzzeichen. Unschön angesichts des höheren Preises, der für Mediabooks gegenüber Blu-rays in herkömmlicher Verpackung zu zahlen ist – wobei sich die Preise der Filmconfect-Mediabooks in akzeptablem Rahmen unter 18 Euro bewegen. Manche Mediabook-Fans werden sich an ein paar Fehlern nicht stören, so sie diese überhaupt wahrnehmen.

In welcher Edition auch immer: Wer großem Kriegskino etwas abgewinnen kann, kommt an „Platoon“ nicht vorbei. Welche Filme über den Vietnamkrieg sind eure Favoriten? Habt Ihr Empfehlungen nicht ganz so bekannter Filme über den Konflikt – ob ernsthafte Dramen oder Exploitation-Action?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Oliver Stone sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Willem Dafoe, Johnny Depp, Tony Todd und Forest Whitaker in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 27. April 2018 als Blu-ray im Mediabook (exklusiv über eine Drogeriekette vertrieben), 8. Dezember 2017 als Blu-ray im silbernen Steelbook mit Prägung, 27. Oktober 2017 als Blu-ray im grünen Steelbook, 30. September 2016 als Blu-ray im Mediabook-Kombipack „Oliver Stone Collection“ (mit „JFK“ und „Wall Street“) 10. Juni 2011 als Blu-ray, 4. September 2006 als DVD

Länge: 120 Min. (Blu-ray), 115 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französich, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Französich, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch, Türkisch u. a.
Originaltitel: Platoon
GB/USA 1986
Regie: Oliver Stone
Drehbuch: Oliver Stone
Besetzung: Charlie Sheen, Tom Berenger, Willem Dafoe, Keith David, Forest Whitaker, Kevin Dillon, John C. McGinley, Johnny Depp, Tony Todd, Mark Moses, Corey Glover
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Oliver Stone, Audiokommentar von Militärberater Dale Dye, entfallene und erweiterte Szenen, Rückblick auf „Platoon“, Dokumentationen, Mini-Dokumentationen, TV-Spots, Original-Kinotrailer, Booklet
Label/Vertrieb Oliver Stone Collection, Steelbooks & Mediabook: FilmConfect Home Entertainment
Label/Vertrieb Blu-ray & DVD: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

Packshot Steelbooks: © FilmConfect Home Entertainment, Szenenfotos: © Twentieth Century Fox Home Entertainment

 
 

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