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World Invasion: Battle Los Angeles – Mit Military Porn gegen die Aliens

Battle: LA

Von Volker Schönenberger

SF-Action // An sich hätte man den Film auch „Battle: Baton Rouge“ nennen können, wurden nennenswerte Teile davon doch im US-Staat Louisiana gedreht. Dort baute das Produktionsteam für „Battle: LA“, so der Originaltitel, ganze Straßenzüge von Los Angeles nach. Es sollte der Auftakt einer Reihe von „Battle: XY“-Actionern um die Invasion unserer Welt durch Außerirdische werden, zumindest ein Sequel war vorgesehen. Doch trotz weltweiter Kinoeinnahmen von knapp 212 Millionen bei Kosten von 70 Millionen US-Dollar kam es bis heute nicht dazu. Die letzten Neuigkeiten über die Fortsetzung datieren von 2012, seitdem schmort das Franchise offenbar in der Entwicklungshölle („Development Hell“). Schade drum, ich hätte mich über „Battle: Wanne-Eickel“ gefreut, und Hauptdarsteller Aaron Eckhart („Midway – Für die Freiheit“) hatte sich dem Vernehmen nach „Battle: Paris“ gewünscht.

Action …

Die Handlung setzt im August 2011 ein: Vor den Küsten von etlichen Metropolen weltweit schlagen Meteoriten in den Ozeanen ein, darunter bei New York City und Tokio. Staff Sergeant Michael Nantz (Aaron Eckhart) vom United States Marine Corps, Veteran des Irakkriegs und gerade erst eher unfreiwillig in den Ruhestand versetzt worden, wird dem Platoon des unerfahrenen 2nd Lieutenant William Martinez (Ramon Rodriguez) zugeteilt. Das Militär soll an sich bei den Evakuierungen der kalifornischen Küstenstädte mitwirken, doch der weltweite Meteoritenhagel entpuppt sich als konzertierte Aktion außerirdischer Invasoren, die blitzschnell und mit gewaltiger Feuerkraft zuschlagen. In Kalifornien sind San Francisco und San Diego schnell verloren. Martinez und Nantz erhalten die Order, mit ihrer Einheit in Santa Monica eine Polizeiwache zu evakuieren, in der sich Zivilisten aufhalten. Dafür bleiben dem Platoon drei Stunden Zeit, weil die US Air Force den Ort flächendeckend bombardieren will, um die dort befindlichen Aliens zu vernichten – leichtes Spiel, so vermutet die militärische Führung, weil die Lufthoheit aufgrund fehlender Luftkampfeinheiten der Außerirdischen gewährleistet sei. Kann Los Angeles gehalten werden?

Echte Helden – und zwei Heldinnen

„World Invasion: Battle Los Angeles“ gehört zu diesen stählernen Testosteron-Filmen, nach denen viele Kerle das Kino breitbeinig verlassen. Hier dürfen Männer noch Männer sein, und eine chancenlose kleine Einheit von Marines wächst über sich hinaus, um mit drei Kindern (Joey King, Jadin Gould, Bryce Cass) im Schlepptau die mit Aliens nur so gespickte Region zu verlassen. Da werden Helden geboren oder opfern sich. Sogar zwei Frauen sind dabei: Michelle Rodriguez („Fast & Furious 8“) steht als Tech Sergeant Elana Santos einmal mehr ihren Mann (man verzeihe mir diese Machismo-Formulierung), und Bridget Moynahan („John Wick“) darf als Tierärztin Michele ebenfalls tapfer sein.

… Action …

Vorsicht! Wird die Straßen- und Häuserkampf-Action – selten genug – mal unterbrochen, kommt Pathos nicht zu knapp zum Tragen. Staff Sergeant Nantz hat als eingebrannte Erinnerung einen verlustreichen Einsatz aus dem Irakkrieg mit nach Hause gebracht, der ihm bei den anderen Soldaten einen schlechten Ruf beschert hat. Ich spoilere wohl nicht zu viel, wenn ich verrate, dass er den Respekt seiner untergebenen Soldaten gewinnen wird.

… Action …

Visuell gibt es wenig auszusetzen. In ein paar Totalen sind brennende Skylines zu sehen, die CGI-Aliens, ihre Gerätschaften und Waffen sind solide animiert, das kann man sich schon anschauen – sonderliches Interesse wecken sie aber nicht, sondern bleiben vollständig charakterlos. Am intimsten nähert sich ihnen die Handlung lediglich, als die Soldaten anhand einer gefangenen Kreatur herauszufinden versuchen, wie man den Biestern am besten den Garaus machen kann. Wenn ich recht drüber nachdenke, fällt allerdings auch die Charakterzeichnung der menschlichen Protagonisten eher schablonenhaft aus.

Sehnsucht nach „Disctrict 9“

Trotz viel Staub gibt es Hochglanz-Action à la Hollywood, obgleich die Infanterie-Kämpfe auf Dauer etwas eintönig geraten sind und ich in einigen Szenen ob der rasant geschnittenen Zerstörungsorgie etwas den Überblick verloren habe. Der Science-Fiction-Aspekt gerät schnell völlig aus dem Fokus. Zwar wird beiläufig thematisiert, was die Aliens sich wohl von der Erde versprechen mögen, irgendwann geht es aber nur noch um Töten oder Sterben – oder Töten und Sterben. Da hat der Südafrikaner Neill Blomkamp zwei Jahre früher mit dem optisch in einigen Einstellungen und Motiven durchaus vergleichbaren „District 9“ einen weitaus intelligenteren Genrebeitrag über Außerirdische auf der Erde vorgelegt.

… Action …

Unter den Drehorten: die östlich von Bossier City in Louisiana gelegene Barksdale Air Force Base und Marine-Corps-Stützpunkt Camp Pendleton in Südkalifornien. Dort unterzogen sich einige der Schauspieler auch einem militärischen Training, echte Marines wirkten im Film als Statisten mit. Das US-Militär ist ja gern bereit, Hollywood-Produktionen mit Kriegsgerät und Know-how zu unterstützen, und Hollywood revanchiert sich mit einer ruhmvollen Darstellung des amerikanischen Soldatentums. So auch hier. Außerirdische Aggressoren als Feinde eignen sich vorzüglich für eine eindimensionale Darstellung heldenhafter Kämpfe. Immerhin besser als völlig unreflektierte Kriegs-Action, die echte Schauplätze nachstellt, ohne das militärische Engagement der US-Streitkräfte auch nur im Entferntesten zu hinterfragen. Randall Wallaces „Wir waren Helden“ (2002) mit Mel Gibson und Ridley Scotts „Black Hawk Down“ (2001) fallen mir da als Beispiele ein (wobei ich beide als Actioner sehr schätze).

Roger Ebert alles andere als angetan

Die ganz derben Verrisse, die sich „World Invasion: Battle Los Angeles“ eingefangen hat, sind meines Erachtens etwas zu hart. Aber um des Unterhaltungsfaktors willen empfehle ich die Lektüre von Roger Eberts Rezension. Der 2013 im Alter von 70 Jahren verstorbene Filmkritiker-Guru der Chicago Sun-Times hat sich seinerzeit richtiggehend in Rage geschrieben. Dass „Battle LA“ laut, brutal, hässlich und dumm sei, ist noch ein harmloser Einstieg im Vergleich zu dem, was Ebert in der Folge in die Tastatur hämmerte. Gegen Ende seines Textes wollte sich der Pulitzer-Preisträger gar die Haare vom Kopf reißen und bittere Tränen der Verzweiflung weinen. Abschließend gab er jungen Männern den Rat, Freunden, die diesen Film verehren, taktvoll zu bedeuten, dass sie Idioten seien; und Frauen, deren Date den Film mag, mögen demjenigen mitteilen, sie hätten es sich überlegt und würden jetzt gern etwas Zeit getrennt verbringen. Ein hartes Urteil. Zu hart? Macht euch selbst ein Bild! Ich kann durchaus mal für zwei Stunden das Hirn abschalten und derlei mit reichlich Military Porn gesegnete Kriegs-Exploitation goutieren. Alkohol leistet dabei gute Dienste! Vielleicht war es aber doch die richtige Entscheidung, „World Invasion: Battle Los Angeles“ keine Fortsetzungen folgen zu lassen.

… Action …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Michelle Rodriguez haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Aaron Eckhart, Michael Peña und Lucas Till unter Schauspieler.

… und Action!

Veröffentlichung: 5. September 2013 als Blu-ray („Mastered in 4K“), 27. November 2012 als Blu-ray im Steelbook, 14. Oktober 2011 als Blu-ray im Steelbook, Blu-ray und DVD

Länge: 116 Min. (Blu-ray), 112 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
Originaltitel: Battle: Los Angeles
USA 2011
Regie: Jonathan Liebesman
Drehbuch: Christopher Bertolini
Besetzung: Aaron Eckhart, Michelle Rodriguez, Michael Peña, Bridget Moynahan, Ramon Rodriguez, Lucas Till, Will Rothhaar, Cory Hardrict, Jim Parrack, Gino Anthony Pesi, Ne-Yo, James Hiroyuki Liao, Adetokumboh M’Cormack, Joey King, Jadin Gould, Bryce Cass
Zusatzmaterial: Hintergründe des Kampfes (6:44 Min.), Regie des Kampfes (6:33 Min.), Außerirdische in L.A. (17:57 Min.), Vorbereitung auf den Kampf (5:15 Min.), Ausbildungslager (10:18 Min.), Die Nachbildung von L.A. in Louisiana (5:46 Min.), Der Kampf auf der Autobahn (5:18 Min.), Kommandobasis (interaktives Feature während des Films)
Label/Vertrieb: Sony Pictures Entertainment

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & untere Packshots: © Sony Pictures Entertainment

 

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The Texas Chainsaw Massacre – The Beginning: Leatherfaces Geburt im Schlachthaus

The Texas Chainsaw Massacre – The Beginning

Von Volker Schönenberger

Horror // Vorab zur Einordnung, um Verwirrung zu vermeiden: Bei dem im Dezember 2017 hierzulande veröffentlichten „Leatherface – The Source of Evil“ handelt es sich um das Prequel zu Tobe Hoopers 1974er-Original „The Texas Chainsaw Massacre“, hierzulande auch mit dem schönen Titel „Blutgericht in Texas“ versehen. Jonathan Liebesmans „The Texas Chainsaw Massacre – The Beginning“ von 2006 hingegen erzählt die Vorgeschichte von „Michael Bay’s Texas Chainsaw Massacre“ (2003), den Michael Bay allerdings nicht inszeniert, sondern produziert hat. Auf dem Regiestuhl saß seinerzeit der Deutsche Marcus Nispel.

Geburt im Schlachthaus

Ein texanisches Schlachthaus im August 1939. Die Arbeiterin Sloane (L. A. Calkins) bricht plötzlich zusammen – und bringt ein entstelltes Baby zur Welt. Ihr Chef (Tim DeZarn) entsorgt das Neugeborene im Müll, doch Luda Mae Hewitt (Marietta Marich) entdeckt es und nimmt es auf. Im Juli 1969 arbeitet Thomas Hewitt (Andrew Bryniarski) im Schlachthof, doch die Gesundheitsbeörde macht den Betrieb dicht. Seinen Unmut darüber tut der 30-jährige Maskenträger gegenüber seinem Boss – demselben, der ihn als Säugling einst entsorgte – mit einem großen Hammer kund.

Zur selben Zeit sind Eric (Matthew Bomer), seine Freundin Chrissie (Jordana Brewster), sein Bruder Dean (Taylor Handley) und dessen Freundin Bailey (Diora Baird) per Auto unterwegs zu einer Kaserne, von der aus die beiden Männer nach Vietnam aufbrechen sollen. Ein Aufeinandertreffen mit einigen Motorradrockern führt das Quartett geradewegs in die Hölle der Hewitts.

Die Kettensäge röhrt kräftig

„The Texas Chainsaw Massacre – The Beginning“ ist ein beinhartes Brett geworden, das nicht mit Splatter geizt und mittels Ausstattung und Sounddesign eine finstere Atmosphäre der Ausweglosigkeit im Hinterland erschafft. Wenn Leatherface erstmals die Kettensäge anwirft, spritzt das Blut in heftigen Strömen. Die Story kann da erwartungsgemäß nicht mithalten, aber nach einer ausgefeilten Geschichte verlangen Gorehounds ohnehin nicht. So verwundert es nicht, dass in diesem Fall Kritikerstimmen und Publikumsmeinung etwas auseinanderklaffen, zumal Filmgucker ohne Horror-Affinität das Werk ohnehin meiden dürften. Bei „Rotten Tomatoes“ ergab die Auswertung von 84 Kritiken einen Durchschnittswert von 3,4/10 und eine Tomatometer-Wertung von zwölf Prozent, während bei der Publikumswertung „Audience Score“ immerhin 53 Prozent positiver Stimmen mit einer Durchschnittswertung von 3,1/5 herauskamen (Stand Februar 2018).

Viele Fans gepflegter – wahlweise auch ungepflegter – Torture-Porn- und Backwoods-Slasher-Exzesse werden das Prequel liebgewonnen haben, und für die ist „The Texas Chainsaw Massacre – The Beginning“ schließlich auch gemacht. Viele andere werden sich mit Grausen abwenden. Ich habe den Film nunmehr zum zweiten Mal gesehen und mich als Horrorfan immerhin anständig unterhalten gefühlt. Pflichtprogramm in meiner Sammlung stellt er allerdings nicht dar.

Selbst gekürzt auf dem Index

Da die Unrated-Fassung in Deutschland indiziert ist und offiziell überhaupt keine ungekürzte Version erschienen ist, verzichte ich auf Hinweise zu hiesigen Veröffentlichungen – über Bootlegs sei ohnehin der Mantel des Schweigens gedeckt. Perfiderweise ist 2007 sogar eine deutsche DVD mit Coveraufdruck „Unrated“ erschienen, bei der es sich tatsächlich um eine gekürzte R-Rated-Fassung handelt. Sie ist aber ebenfalls indiziert. Um die Verwirrung vollständig zu machen, prangt auf der Rückseite der in den USA erschienenen New-Line-Platinum-Series-DVD der Unrated-Fassung eine Lauflänge von 89 Minuten – tatsächlich ist der Film auf der Disc 96 Minuten lang. Damit handelt es sich meines Wissens um die längste existierende Fassung.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jordana Brewster haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit R. Lee Ermey unter Schauspieler.

Länge: 96 Min. (Unrated-US-DVD), 90 Min. (R-Rated US-DVD),83 Min. (dt. Kinofassung)
Altersfreigabe: SPIO/JK geprüft: strafrechtlich unbedenklich (gekürzte und indizierte R-Rated-Fassung)
Originaltitel: The Texas Chainsaw Massacre – The Beginning
USA 2006
Regie: Jonathan Liebesman
Drehbuch: Sheldon Turner
Besetzung: Jordana Brewster, Matt Bomer, Diora Baird, Matt Bomer, R. Lee Ermey, Andrew Bryniarski, Lee Tergesen, Terrence Evans, Kathy Lamkin, Marietta Marich, L. A. Calkins, Lew Temple, Cyia Batten

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

 
 

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