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Horror für Halloween (VII): Halloween – Willkommen zurück, Laurie und Michael!

Halloween

Kinostart: 25. Oktober 2018

Von Andreas Eckenfels

Horror // Vor 40 Jahren ließ John Carpenter das „reine Böse“ in Form des Serienkillers Michael Myers von der Leine. Der stumme Mann mit der weißen Maske und auch das „Final Girl“ Laurie Strode, dargestellt von Jamie Lee Curtis, wurden durch den unerwarteten Kassenerfolg des Low-Budget-Slashers zu Ikonen des Horrorfilms. Pünktlich zum Jubiläum von „Halloween – Die Nacht des Grauens“ (1978) versucht nun das Trio David Gordon Green, Danny McBride und Jeff Fradley mit einem Neustart dem „Halloween“-Franchise neues Leben einzuhauchen. Die Geschehnisse der sieben Fortsetzungen sowie der zwei Rob-Zombie-Teile lassen sie dabei außer Acht. Ihre Laurie Strode ist auch nicht die Schwester von Michael Myers, wie es in „Halloween 2 – Das Grauen kehrt zurück“ (1981) verkündet wurde. Die Filmemacher starten eine komplett neue Zeitlinie für die Horror-Reihe, welche nur den Originalfilm von 1978 zur Grundlage hat.

40 Jahre später

Knapp 40 Jahre, nachdem Michael Myers (James Jude Courtney) in der Halloween-Nacht in seiner Heimatstadt Haddonfield ein Blutbad anrichtete, sitzt der Killer noch immer in einer psychiatrischen Anstalt in Sicherheitsverwahrung. In dieser Zeit hat er kein Wort gesprochen. Dies erklärt sein behandelnder Arzt Dr. Sartain (Haluk Bilginer) auch den britischen Dokumentarfilmern Dana (Rhian Rees) und Aaron (Jefferson Hall), die zum nahenden Jahrestag eine Geschichte über die wahren Hintergründe der Babysitter-Morde auf ihrem Vlog veröffentlichen wollen. Doch auch das Vorzeigen der alten Gummimaske, mit der Michael Myers seine Taten beging, ruft bei dem Psychopathen keinerlei offensichtliche Regung hervor – oder?

Laurie Strode (M.) hat ihr Trauma noch nicht verarbeitet

Dank einer finanziellen Aufwandsentschädigung erweist sich der Besuch bei Laurie Strode (Jamie Lee Curtis) für Dana und Aaron etwas erfolgreicher. Die Überlebende des damaligen Massakers lebt nach zwei gescheiterten Ehen relativ einsam und abgeschottet in einem abgelegenen Haus nahe Haddonfield. Nach einigen persönlichen Enttäuschungen mit ihr will Tochter Karen (Judy Greer) nicht mehr viel mit ihrer verrückten Mutter zu tun haben. Nur Enkelin Allyson (Andi Matichak) hält zu ihrer Großmutter regelmäßig Kontakt.

Nein, sie schreit nicht, weil das Toilettenpapier alle ist

Laurie hat die damaligen Ereignisse nicht wirklich verarbeitet. Diesmal ist sie aber unter anderem durch regelmäßiges Schusstraining auf einen weiteren Angriff von Michael Myers bestens vorbereitet. Und so kommt es, wie es kommen muss: Als der Killer in der Nacht zum 31. Oktober gemeinsam mit weiteren Insassen in eine andere Haftanstalt verlegt werden soll, verunglückt der Gefangenentransport auf offener Straße. Michael Myers gelingt die Flucht und macht sich auf dem Weg nach Haddonfield …

Scream Queen in Hamburg

Auf der Deutschland-Premiere von „Halloween“ beim Filmfest Hamburg gab sich Jamie Lee Curtis höchstpersönlich die Ehre. Als erfahrene Entertainerin präsentierte sich der Hollywood-Star gut gelaunt auf der Bühne. Wie erwartet, erzählte sie einige Anekdoten, darunter etwa, dass ihr Patenkind Jake Gyllenhaal sie davon überzeugt hatte, Regisseur David Gordon Green sei der richtige Mann für das „Halloween“-Reboot. Gyllenhaal hatte mit Green zuvor das Drama „Stronger“ (2017) gedreht. Curtis machte ordentlich Eigenwerbung für ihre Social-Media-Accounts und bedankte sich artig bei ihren zahlreichen Fans, ohne die ihre Karriere niemals möglich gewesen wäre. Ein temperamentvoller Auftritt der Scream Queen, die am 22. November 2018 ihren 60. Geburtstag feiert.

Michael Myers ist zurück in Haddonfield

Als große Fans von Jamie Lee Curtis und John Carpenters Klassiker outete sich auch das Autoren-Trio David Gordon Green, Danny McBride und Jeff Fradley. Alle drei konnten bislang keine Referenzen im Horrorgenre vorweisen. Sie sind mehr im Comedy-Bereich zuhause, bevorzugt in Kifferkomödien. In einigen gemeinsamen Projekten wie „Ananas Express“ (2008), „Your Highness – Schwerter, Joints und scharfe Bräute“ (2011) oder zuletzt der TV-Serie „Vice Principals“ stand Danny McBride auch häufig als Darsteller vor der Kamera. Regisseur David Gordon Green konnte sich dagegen auch schon mit einigen interessanten Charakterstudien wie „George Washington“ (2000), „Joe – Die Rache ist sein“ (2013) mit Nicolas Cage oder „Die Wahlkämpferin“ (2015) mit Sandra Bullock hervortun.

Die Männer hinter der Maske

Die Skepsis aufgrund der fehlenden Horror-Erfahrung des Trios verfliegt zum Glück gleich in den ersten Minuten. Die bedrohliche Aura, die Michael Myers auf dem Gefängnishof umhüllt, sorgt nicht nur bei seinen Mithäftlingen für Schrecken. Auch im weiteren Verlauf, wenn Michael Myers seinem blutigen Handwerk nachgeht, tut er dies so gefühlskalt und gnadenlos, wie es dieser Horrorikone gebührt. Diesem Psychopathen will man wahrlich weder im Hellen noch im Dunklen begegnen. Nick Castle, Myers-Darsteller im Original, fungierte am Set als „spiritueller Berater“. Er hat einen Gastauftritt als Michael Myers, aber ansonsten ist Stuntman und Schauspieler James Jude Courtney der Mann hinter der Maske.

Mutter Laurie und Tochter Karen (l.) wissen …

Regisseur Green tat außerdem gut daran, wieder dazu zurückzukehren, das wahre Gesicht des Killers nur schemenhaft zu zeigen: „Es gibt einige Situationen, in denen wir seine Silhouette sehen. Er ist unmaskiert, aber wir versuchen, seine Persönlichkeit nicht zu enthüllen. Ich möchte nichts über Michael Myers wissen. Ich möchte keinerlei Sympathie für ihn empfinden oder den Kopf verstehen, der das Monster kreierte. Ich möchte, dass er hinter der Essenz des Bösen verschwindet.“ Damit kritisiert er auch unterschwellig die „Halloween“-Filme von Rob Zombie, der eine offenere Herangehensweise wählte und sich deshalb den Vorwurf der Entmystifizierung von Michael Myers gefallen lassen musste. Wer übrigens bezüglich der FSK-16-Freigabe seine Bedenken hat, der sei beruhigt: Es wird nichts weichgespült. Die Morde mögen nicht sonderlich kreativ sein, hart und blutig sind sie dennoch.

Michael Myers vs. Laurie Strode

Die Regeln des Slasher-Films kann und will auch das neue Autoren-Trio nicht neu erfinden. Große Überraschungen oder frische Ideen hat die Geschichte kaum zu bieten. Wie Michael Myers seine Maske zurückerhält und wie sein Ausbruch gelingt, ist zwar logisch nachvollziehbar, aber dennoch an den Haaren herbeigezogen. Auf nervige Jump-Scares wurde größtenteils verzichtet. Einige komödiantisch angehauchte Dialoge mögen fehl am Platz wirken, sorgen aber auch erfahrungsgemäß dafür, einigen Zuschauern etwas die Anspannung zu nehmen. Das geht schon in Ordnung. Alles läuft nun mal auf das hinaus, was die Fans sehen wollen: das Duell Michael Myers gegen Laurie Strode – und dieses kulminiert in einem hoch spannenden Finale.

… wer gleich vor der Tür steht

Allerdings: Laurie Strode hat diesmal mehr als einen Kleiderbügel, um sich gegen Michael Myers zu verteidigen. Ihr Charakter, großartig verkörpert von Jamie Lee Curtis, erhält hier endlich die nötige Tiefe, die er verdient. Es fühlt sich fast so an, als ob sich Green, McBride und Fradley ein wenig von der Figur der Sarah Connor aus „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ inspirieren haben lassen, die eine ähnliche Wandlung durchgemacht hat. Wie Sarah Connor hat auch Laurie Strode mit einem Trauma aus der Vergangenheit zu kämpfen, welches sie noch immer nicht überwunden hat. Beide wissen, dass sie die Vergangenheit früher oder später einholen wird, und sind auf den Ernstfall vorbereitet. Auch ihre Kinder haben sie jahrelang instruiert, wie sie sich verhalten müssen.

Drei Generationen

„Halloween“ (2018) erzählt somit auch eindrucksvoll davon, wie sich eine schicksalhafte Nacht auf das Leben von gleich drei Generationen auswirkt. Laurie hat sich durch ihre strikten Erziehungsmethoden und ihren Wahn zunehmend von ihrer Tochter Karen entfremdet. Enkelin Allyson sucht den Kontakt, ihre Mutter will aber nicht, dass Laurie auch noch ihre Tochter in irgendeiner Weise negativ beeinflusst. Solche interessanten Frauenfiguren findet man in einem Horrorfilm selten.

John Carpenter stand dem Projekt nicht nur als ausführender Produzent zur Seite. Gemeinsam mit seinem Sohn Cody und Patensohn Daniel Davies komponierte er auch die Filmmusik, mit Anklängen an den Originalscore, was maßgeblich zur gelungenen Atmosphäre beiträgt. Dazu hat auch Regisseur Green einige kleine, aber feine Reminiszenzen an dem 1978er-Film eingebaut. „Halloween“-Fans werden diese zu schätzen wissen und können mit diesem Neuanfang durchaus zufrieden sein. Sofern der Film erfolgreich ist, wird es sicher auch nicht erneut neun Jahre dauern, bis Michael Myers wieder das Küchenmesser schwingt. Angeblich hat das Autoren-Trio schon Pläne für mögliche Fortsetzungen in der Schublade.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von John Carpenter sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet – auch Produktionsbeteiligungen. Filme mit Jamie Lee Curtis haben wir in der Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt.

Jamie Lee Curtis bei der Deutschland-Premiere im Cinemaxx Hamburg-Dammtor

Länge: 109 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Halloween
USA 2018
Regie: David Gordon Green
Drehbuch: David Gordon Green, Danny McBride, Jeff Fradley
Besetzung: Jamie Lee Curtis, Judy Greer, Andi Matichak, Nick Castle, Haluk Bilginer, Will Patton, Rhian Rees, Jefferson Hall, James Jude Courtney, Virginia Gardner
Verleih: Universal Pictures International Germany

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels (auch Filmfest-Foto)
Filmplakat & Szenenfotos: © 2018 Universal Pictures International Germany

 
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Verfasst von - 2018/10/16 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Jamie Marks Is Dead – Toter Einzelgänger kehrt zurück

Jamie Marks Is Dead

Von Volker Schönenberger

Drama // Jamie Marks (Noah Silver) ist tot. Gracie Highsmith (Morgan Saylor) hat ihren Mitschüler am Flussufer gefunden. So recht kannte niemand den introvertierten Jungen. Auch Adam McCormick (Cameron Monaghan) nicht, der sich daran erinnert, wie Jamie zur Mobbing-Zielscheibe einiger Bullys der Schule wurde, ohne dass Adam ihm half. Parallel muss Adam auch damit fertig werden, dass seine Mutter Linda (Liv Tyler) nach einem Autounfall im Rollstuhl landet. Zu seinem älteren Bruder Aaron (Ryan Munzert) hat er obendrein kein gutes Verhältnis.

Als sei das nicht genug, erscheint Adam und Gracie plötzlich der Leichnam von Jamie – nur die beiden können ihn sehen. Als Wiedergänger sucht der Tote fortan Adams Nähe. Anscheinend will er auch im Tode nicht davon ablassen, wenigstens einen Freund zu finden.

Erinnerung an Daniel Radcliffe

Ein wenig erinnert Jamie-Darsteller Noah Silver mit seiner zerbrochenen Brille an Daniel Radcliffe. Weniger an Harry Potter, zumal die Narbe fehlt, als vielmehr an Radcliffes beeindruckende Darstellung als lebende Leiche in „Swiss Army Man“ (2015), dessen Story jedoch weitaus bizarrer anmutet als die von „Jamie Marks Is Dead“. Als Referenz kann man auch „Stand by Me – Das Geheimnis eines Sommers“ von 1986 heranziehen; dort entwickelt sich die Handlung ebenfalls anhand einer Leiche, wenn auch keiner lebenden. Während die Stephen-King-Verfilmung allerdings visuell recht hell ausfällt, ist „Jamie Marks Is Dead“ deutlich dunkler gehalten. Viele Szenen spielen abends und nachts, auch Grundstimmung und Atmosphäre sind düsterer. Beide Dramen eint jedoch das feinfühlig inszenierte Coming-of-Age-Sujet.

Trotz des wandelnden Leichnams haben wir es daher nicht mit einem Horrorfilm zu tun, sondern mit einem übernatürlichen Coming-of-Age-Drama, welches von den Schwernissen des Erwachsenwerdens unter außergewöhnlichen Umständen berichtet. Regisseur und Drehbuchautor Carter Smith („Ruinen“) verfilmte Christopher Barzaks Roman „One for Sorrow“ in bedächtigem Tempo – gerade in der ersten Hälfte leider arg bedächtig. Ein paar Straffungen hätte Smith ruhig vornehmen können. Es bleibt auch offen, was er dem Publikum eigentlich vermitteln will. Natürlich ist es nicht verkehrt, den Zuschauern ihre Interpretation selbst zu überlassen, aber ein wenig mehr an die Hand hätte er uns ruhig nehmen können.

Im Kino nur beim Fantasy Filmfest

Eine breite deutsche Kinoauswertung blieb „Jamie Marks Is Dead“ verwehrt, lediglich beim Fantasy Filmfest 2014 gelangte das Drama auf die große Leinwand. Bedauerlich für die Filmemacher, aber im Heimkino ist es gut aufgehoben. Nur Tempo und Grusel sollte niemand erwarten.

Veröffentlichung: 20. November 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 106 Min. (Blu-ray), 101 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Jamie Marks Is Dead
USA 2014
Regie: Carter Smith
Drehbuch: Carter Smith, nach dem Roman „One for Sorrow“ von Christopher Barzak
Besetzung: Morgan Saylor, Noah Silver, Cameron Monaghan, Liv Tyler, Judy Greer, Brett DelBuono, Fred Tolliver Jr., Ronen Rubinstein, Ryan Munzert, Connor Antico, Adrian Enscoe
Zusatzmaterial: Originaltrailer, deutscher Trailer, Trailershow, Wendecover
Label: donau film
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

 

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