RSS

Schlagwort-Archive: Juno Temple

Unsane – Ausgeliefert: Steven Soderberghs iPhone-Experiment

Unsane

Von Andreas Eckenfels

Psychothriller // Sein selbstauferlegter Ruhestand als Regisseur war glücklicherweise nicht von langer Dauer: Steven Soderbergh ist zurück und fleißiger als je zuvor. Nach der zweiten und leider finalen Staffel von „The Knick“ und der Gaunerkomödie „Logan Lucky“ präsentierte der Oscar-Preisträger auf der diesjährigen Berlinale seinen neuen Film „Unsane – Ausgeliefert“. Das Besondere daran: Der Psychothriller wurde komplett mit der Kamera eines iPhone 7 Plus samt Moment Lens und der App „FiLMiC Pro“ gedreht.

Gefangen in der Psychiatrie

Ein neuer Job in einer neuen Stadt. Wieder einmal startet Sawyer Valentini (Claire Foy) einen Neuanfang in ihrem Leben. Ihre Vergangenheit vermag die Finanzanalystin nicht abzuschütteln. Die junge Frau wird von ständiger Angst, Unruhe und Ungewissheit getrieben. Sie fühlt sich noch immer von einem vermeintlichen Stalker namens David Strine (Joshua Leonard) verfolgt, der sie vor zwei Jahren belästigt hat. Noch nicht mal ihrer Mutter (Amy Irving) hatte sie von der Sache erzählt.

Saywer (M.) wird in der Psychiatrie festgehalten

Um Hilfe zu finden, begibt sich Sawyer zu einem Beratungsgespräch in eine Psychiatrie – und wird plötzlich unfreiwillig als Patientin in die Klinik eingewiesen. Ärzte und Pfleger wollen ihr nicht zuhören, dass es sich um einen Irrtum handelt. Sie müsse mindestens sieben Tage bleiben und fleißig ihre Tabletten schlucken, bekommt sie zu hören. Nur widerwillig ergibt sich Saywer ihrem Schicksal. Doch wer steht da eines Abends bei der Pillenausgabe? David Strine, der sich wohl unter anderem Namen als Pfleger in die Klinik eingeschlichen haben muss. Panisch beginnt Sawyer an ihrem Verstand zu zweifeln: Ist ihr Stalker real oder doch nur Einbildung?

Emotionale Achterbahnfahrt

„Ich wünschte, ich hätte schon mit 15 Jahren diese Ausrüstung gehabt“, zeigte sich Steven Soderbergh während der Berlinale-Pressekonferenz von der neuen und einfachen Technik des digitalen Filmemachens via Smartphone begeistert. Das darauf zurückzuführende ungewöhnliche Bildformat von 1,56:1 unterstützt dabei optimal die klaustrophobische Stimmung, in der sich die Hauptfigur Saywer befindet. Golden-Globe-Gewinnerin Claire Foy („The Crown“) glänzt dabei als seelisches Wrack, das sich auf einer emotionalen Achterbahnfahrt befindet und dennoch nicht unterkriegen lässt. Wahrscheinlich war ihre Figur schon mal eine gute Vorbereitung auf ihre nächste Rolle als Lisbeth Salander in „Verschwörung“ von Fede Alvarez („Evil Dead“, „Don’t Breathe“), der am 29. November in den Kinos anläuft.

Ein Anruf bei der Polizei bringt nicht den erhofften Erfolg

Gerade mal zehn Drehtage benötigte Soderbergh für seinen Thriller, der stark beginnt, dann aber etwas zu früh die Auflösung vorwegnimmt, ob es sich bei Sawyers Paranoia um Wahn oder Wirklichkeit handelt. Dadurch geht einiges an Spannung verloren. Im letzten Drittel schleichen sich zudem ein paar Ungereimtheiten in der Handlung ein, die den Filmgenuss ein wenig trüben. So wird man das Gefühl nicht los, dass sich Soderbergh während des Drehs mehr auf die Technik als auf das Drehbuch konzentriert hat.

#metoo und Kritik gegen das Gesundheitssystem

Dennoch steckt in „Unsane – Ausgeliefert“ mehr als nur ein teilweise gelungenes iPhone-Experiment. Der kurzweilige Thriller kann auch als Beitrag zur #metoo-Debatte gesehen werden, bei dem den Opfern nicht ausreichend Gehör geschenkt wird. Gleichzeitig übt Soderbergh nach „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ ein weiteres Mal scharfe Kritik am amerikanischen Gesundheitssystem. Wie er auf der Berlinale erklärte, müssen Krankenhäuser nun mal rentabel sein. Ohne Patienten fließt kein Geld. Und so werden Menschen häufig mit fadenscheinigen Begründungen in Kliniken festgehalten. Erst wenn deren Krankenversicherung nicht mehr zahlt, werden sie als geheilt entlassen. Ein unschönes Geschäftsmodell.

Sawyer legt sich mit Patientin Violet an

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Steven Soderbergh sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Ist Sawyer in der Einzelzelle ihrem Stalker hilflos ausgeliefert?

Veröffentlichung: 9. August 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Italienisch
Originaltitel: Unsane
USA 2018
Regie: Steven Soderbergh
Drehbuch: Jonathan Bernstein, James Greer
Besetzung: Claire Foy, Juno Temple, Joshua Leonard, Jay Pharoah, Amy Irving, Sarah Stiles, Marc Kudisch, Zach Cherry, Matt Damon
Zusatzmaterial: Featurette „Unsanity“
Label/Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos, Trailer & Packshot: © 2018 Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

Black Mass – Pakt mit dem Teufel

black-mass-plakat

Black Mass

Kinostart: 15. Oktober 2015

Gastrezension von Andreas Eckenfels

Gangsterdrama // Als James „Whitey“ Bulger am 22. Juni 2011 in einem Parkhaus in Santa Monica, Kalifornien, vom FBI geschnappt wurde, stand der 81-Jährige bereits zwölf Jahre auf der Liste der meistgesuchten Verbrecher der Welt. Zwei Millionen US-Dollar Belohnung waren für Hinweise auf seine Ergreifung ausgelobt worden. Nur ein Bösewicht stand vor ihm auf der Liste: Osama bin Laden.

Jimmy „Whitey“ Bulger (r.) geht einen Deal mit FBI-Agent John Connolly ein

Wie der irischstämmige Whitey Bulger sein Verbrecher-Syndikat Anfang der 70er-Jahre in Boston aufbauen konnte, erzählten zwei Journalisten des Boston Globes, Dick Lehr und Gerard O’Neill, in ihrem Bestseller „Black Mass: Der verhängnisvolle Pakt zwischen dem FBI und Whitey Bulger, einem der gefährlichsten Gangster der Welt“. Diese fast unglaubliche Geschichte verfilmte nun „Crazy Heart“-Regisseur Scott Cooper mit Johnny Depp in der Hauptrolle.

Das FBI macht den Weg frei

Whitey Bulger (Johnny Depp) verdankte im Grunde dem FBI seinen Aufstieg zu einem der berüchtigsten Verbrecher. Der FBI-Agent John Connolly (Joel Edgerton), der Bulger schon seit Kindheitstagen kannte, verpflichtete ihn als Informanten. Mit Bulgers Hilfe wollte er die Mafia in Boston aus dem Verkehr ziehen – was ihm auch gelang. Gleichzeitig war dadurch aber auch der Weg für die kriminellen Energien von Whitey Bulger frei. Das FBI erledigte sozusagen seine Arbeit.

Mit Freundin Lindsey bekommt Whitey einen Sohn

Ohne nennenswerte Konkurrenz katapultierte sich der skrupellose Gangster mit Drogenhandel, Morden und Geldwäsche an die Spitze der Bostoner Unterwelt. Connolly nahm ihn zudem jahrelang in Schutz und bewahrte ihn vor möglichen Verurteilungen. Auch Whiteys Brud Bruder Billy er Billy (Benedict Cumberbatch) schlug eine erfolgreiche, aber komplett andere Karriere als Whitey ein: Er wurde zum Senator von Massachusetts gewählt.

Comeback für Johnny Depp

Nach seinen Rollen in „Blow“ und „Public Enemies“ verkörpert Johnny Depp bereits zum dritten Mal einen realen Verbrecher. Mit blonden, zurückgegelten Haaren, Geheimratsecken, glasigen Augen und einer ordentlichen Wampe ist der gefallene Superstar kaum wiederzuerkennen. Natürlich liebt Johnny Depp schon immer die Verkleidung, doch im Gegensatz zu seinen letzten Flops „Lone Ranger“, „Transcendence“, „Tusk“ und „Mortedecai“ schaltet er bei seiner Performance mal nicht den Autopilot ein, er neigt auch nicht zur spielerischen Übertreibung, die nach einiger Zeit nur noch nervt.

Whiteys Bruder Billy wird zum Senator gewählt

Als eiskalter Gangster, der sich auch nicht davor scheut, die Hände schmutzig zu machen, versprüht er gerade durch seine Zurückhaltung eine diabolische Präsenz, bei der es auch den Zuschauer ab und an fröstelt. In einem Interview sagte Depp zuletzt, es sei seine beste Rolle bisher. Wahrscheinlich war es lediglich PR-Gefasel – aber es ist auf jeden Fall seine beste Darbietung in den vergangenen Jahren, mit der Depp ein gelungenes Comeback zu seiner alten Form gelingt.

Whitey hasst Verräter

Doch während auch Joel Edgerton eine ordentliche Leistung abliefert, bleibt „Black Mass“ doch über weite Strecken belanglos. Zwar wurde an Originalschauplätzen in Boston gedreht, dennoch erwacht die Szenerie nur selten zum Leben. Regisseur Cooper inszeniert spannungsarm, trist und ohne Rafinesse. Die Episoden ähneln einander: Eine Drogenübergabe hier, ein wenig Geplänkel im FBI-Gebäude, ein Geldtausch da – zwischendrin greift Whitey oder einer seiner Handlanger zur Waffe und ein Verräter wird umgelegt. Denn, das begreift man schnell: Whitey hasst nichts mehr als Verräter.

Dummerweise werden diese meist von namhaften Schauspielern verkörpert: Peter Sarsgard oder Juno Temple etwa. Deswegen spielen sie auch nur kurzzeitig mit. Doch anders ergeht es auch nicht Dakota Johnson, Kevin Bacon und Benedict Cumberbatch. Ihre Figuren sind gerade eingeführt, dann sind sie schon wieder verschwunden. Nicht viel anders ergeht es dem Zuschauer nach Filmende: Gerade „Black Mass“ gesehen, schon wieder vergessen.

Whitey ist sich nicht zu schade, sich auch mal die Hände schmutzig zu machen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Benedict Cumberbatch und/oder Johnny Depp sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 122 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Black Mass
USA 2015
Regie: Scott Cooper
Drehbuch: Mark Mallouk, Jez Butterworth basierend auf dem Buch von Dick Lehr und Gerard O‘Neill
Besetzung: Johnny Depp, Joel Edgerton, Benedict Cumberbatch, Dakota Johnson, Kevin Bacon, Jesse Plemons, Peter Sarsgard, Rory Cochran, Juno Temple
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2015 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2015 Warner Bros. Ent.

 
2 Kommentare

Verfasst von - 2015/10/15 in Film, Kino, Rezensionen

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

Schmerzensgeld – Wer reich sein will muss leiden: SM-Teekanne des Wahnsinns

schmerzensgeld-dvd-cover schmerzensgeld-br-cover

The Brass Teapot

Gastrezension von Andreas Eckenfels

Komödie // In Zeiten der Wirtschaftskrise, wenn kein Job mehr sicher ist und man kaum seine Familie versorgen kann, tut man alles, um über die Runden zu kommen. Die Folgen davon zeigte zuletzt „Cheap Thrills“ in radikaler Form; „Schmerzensgeld – Wer reich sein will muss leiden“ geht die Sache wesentlich humoristischer an, verzichtet aber auch nicht auf zynische Untertöne.

Alice (Juno Temple) und John (Michael Angarano) sind frisch verheiratet und verliebt wie am ersten Tag. Doch mit Liebe allein können sie keine Rechnungen bezahlen. Während John in einer Telemarketing-Firma ein paar lausige Kröten verdient, will Alice nach ihrem Abschluss in Kunstgeschichte durchstarten. Doch bei zahlreichen Bewerbungsgesprächen merkt sie, dass sie in der angespannten Wirtschaftslage auf dem Arbeitsmarkt gar nicht gebraucht wird. Gefrustet schaut sie auf das Luxusleben ihrer ehemaligen Schulfreundin Payton (Alexis Bledel, „Gilmore Girls“), die aus reichem Hause stammt und jetzt auch noch gemütlich in der Firma ihres Vaters arbeitet.

Das Schicksal wendet sich

Als Alice in einem Antiquitätenladen magisch in den Bann einer antiken Teekanne gezogen wird, zögert sie nicht lange. Sie klaut das gute Stück und bemerkt zu Hause, welche Kräfte darin stecken. Immer, wenn sie sich Verletzungen zufügt, spuckt die Teekanne Geldscheine aus! Das Paar nutzt die Chance und geht für das Geld bis an die Schmerzgrenze und darüber hinaus: Bald sind Alice und John mit blauen Flecken und Narben übersät. Die Sexspielchen werden härter, Alice geht zum Brazilian Waxing und John zur Wurzelbehandlung – wobei er auf Narkose natürlich verzichtet. Doch ihr neuer Reichtum bleibt den misstrauischen Nachbarn nicht lange verborgen und auch die angeblichen, ursprünglichen Besitzer der Teekanne melden sich zu Wort. Doch Alice und John wollen ihren Schatz für keinen Preis der Welt hergeben …

schmerzensgeld-01

Kreischalarm bei der Haarentfernung

Ähnlich wie Gollum und sein Ring werden Alice und John von der magischen Teekanne abhängig. Und die fordert ihren Tribut: Schnell genügt es der Kanne nicht mehr, dass sich das Paar nur physisch verletzt. Neues Geld gibt es erst, wenn sich beide auch Wahrheiten an den Kopf schmeißen, die in jeder Ehe zur sofortigen Scheidung führen würden. Die Sache gerät außer Kontrolle, die Beziehung wird auf eine harte Probe gestellt.

Turbulentes Erstlingswerk

Extreme Steigerungen sorgen dafür, dass der knappen Grundidee der bitterbösen Komödie nicht nach kurzer Zeit die Puste ausgeht. Immerhin basiert „Schmerzensgeld“ auf einer Kurzgeschichte. Regisseurin Ramaa Mosley entdeckte diese zufällig im Internet und entwickelte mit deren Autor Tim Macy zunächst einen Comic und einen 22-minütigen Film, mit denen sie die Produzenten überzeugte, ihren ersten Spielfilm zu inszenieren.

schmerzensgeld-02

Alice wartet auf ihre Tracht Prügel

Ihr Erstling ist nicht nur sehr turbulent geraten, er verfügt auch über witzige Slapstick-Momente und ein überaus sympathisches Darsteller-Duo. Dazu wurde der magischen Teekanne eine komplette Mythologie gewidmet, die man auf dieser Webseite nachlesen kann. Wer weiß, vielleicht ist die magische Teekanne wirklich irgendwo da draußen und wartet auf einen neuen Besitzer?

schmerzensgeld-03

John genießt den neuen Reichtum in vollen Zügen

Veröffentlichung: 5. Mai 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 101 Min. (Blu-ray), 97 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Englisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Brass Teapot
USA 2012
Regie: Ramaa Mosley
Drehbuch: Ramaa Mosley, Tim Macy
Besetzung: Juno Temple, Michael Angarano, Alexis Bledel, Billy Manussen, Alia Shawkat, Bobby Moynihan, Steve Park, Ben Rappaport, Jack McBrayer
Zusatzmaterial: Deleted Scenes, Alternativer Anfang, Originaltrailer, Wendecover
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

Copyright 2015 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshots & Trailer: © 2015 Ascot Elite Home Entertainment / Pandastorm Pictures

 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: