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Der Mann aus dem Eis – Ötzi, ein brachialer, sensibler Rächer

Der Mann aus dem Eis

Kinostart: 30. November 2017

Von Iris Janke

Steinzeit-Abenteuer // An die Schlagzeilen vom September 1991 um den Fund des mumifizierten Steinzeitmenschen, der in den Ötztaler Alpen gefunden wurde, kann sich beinahe jeder erinnern. Jetzt hat Regisseur Felix Randau („Die Anruferin“) versucht, die letzten Wochen im Leben von Ötzi nachzuvollziehen und auf die Leinwand zu bringen.

Kann sich für das Alpenpanorama nur wenig begeistern: Kelab

Wissenschaftler fanden bei radiologischen Untersuchungen der Mumie des Ötzi heraus, dass der Steinzeitmensch von hinten von einem Pfeil getroffen wurde. Wie bei einem aktuellen Mordfall rankt sich nun die Handlung von Drehbuchautor und Regisseur Felix Randau um die mehr als fünf Jahrtausende in der Vergangenheit liegende Bluttat. Die Rolle des brachialen Bergbewohners Ötzi alias Kelab spielt Jürgen Vogel. Wäre die mehr als 5.000 Jahre alte Mumie irgendwo in Nordamerika gefunden worden und nicht in in Europa, hätte es vermutlich nicht über 25 Jahre gedauert, um aus dem spektakulären Fund ein Spielfilmdrama um Rache und Hiebe, um Liebe und sexuelle Bedürfnisse in einer längst vergangenen Zeit zu kreieren.

Jürgen Vogel als Ötzi

Ein US-amerikanischer Ötzi wäre vermutlich von einem großen Hollywood-Kaliber wie Mel Gibson („Braveheart“), Gerad Butler („300“) oder Leonardo DiCaprio („The Revenant“) verkörpert worden. Alle drei sind bestens vertraut mit Stoffen dieser Art und somit auch mit den Vorstellungen von Regisseuren wie Mel Gibson selbst, Zack Snyder oder Alejandro González Iñárritu, was die Brutalität und Gepflogenheiten vergangener Zeiten betrifft, die ein Darsteller auf die Leinwand zu bringen hat. Aber egal, Jürgen Vogel gelingt seine Umsetzung des Ur-Rächers vor dem majestätischen Bergpanorama der Alpen. Vogel lebt den sagenumwobenen Ötzi – da verschwindet der Mensch Jürgen Vogel, den wir mit Glatze und schelmischem Zahnlücken-Grinsen kennen.

Hält den Klan zusammen: Steinzeit-Frau Kisis

In den Nebenrollen als bis zur Unkenntlichkeit geschminkte und verfremdete Ursteinzeitmenschen: Franco Nero („John Wick – Kapitel 2“) als Ditob, André Hennicke („Victoria“) als Krant und Susanne Wuest („Ich seh, ich seh“) als Kisis. Trotzdem, Vogel füllt die Leinwand allein, er rennt durch den Schnee, jagt, schießt und metzelt – das reicht, damit sich empfindlichen Zuschauern der Magen umdreht. Aber so war das damals halt, denkt der im Gesicht grün gewordene Zuschauer beinahe gnädig. Die Altersfreigabe von zwölf Jahren halte ich für arg niedrig gegriffen – selbst wenn man auf den historischen Wert des Films verweisen will. Nebenbei gesagt, und so viel zum historischen Wert des Films: Die eigentliche Handlung ist frei erfunden. Fakt ist lediglich, dass Ötzi hinterrücks (vermutlich mit einem Pfeil) getötet wurde.

In unverständlichem Idiom

Das Leben in der Jungsteinzeit wirkt mit Hilfe der eigens erfundenen Sprache, die auf dem Rätischen basiert, besonders authentisch. Untertitel fehlen komplett. Was vom Ötzi in Erinnerung bleibt, sind ein durchgängiges Rachemotiv, das in rohe Gewaltorgien ausartet und an „300“ – Zack Snyders Metzelei in Schwarz-Weiß-Rot – erinnert oder an die hochgelobte, teilweise ebenso brutale, US-TV-Fantasy-Serie „Game of Thrones“. Im Unterschied zu „Game of Thrones“ mag jedoch der emotionale Funke bei „Der Mann aus dem Eis“ nicht so recht überspringen. Die Handlung des Films ist eher mager. Der Zuschauer ordnet zwar auch ohne verständliche Worte oder Untertitel das Rachemotiv ein, etwa, wenn eine Familie einfach abgeschlachtet wird. Doch vielleicht liegt es gerade an der unverständlichen und damit fehlenden Sprache, dass der Film zwar authentisch erscheint, gleichzeitig aber trotz viel Film-Blut auch seltsam blutleer.

Alter Steinzeit-Kämpfer: Steinzeit-Mann Ditob

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Franco Nero sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Weiß den Pfeil zu benutzen: Steinzeit-Mann Krant

Länge: 96 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Der Mann aus dem Eis
D/IT/A 2017
Regie: Felix Randau
Drehbuch: Felix Randau
Besetzung: Jürgen Vogel, Susanne Wuest, André Hennicke, Franco Nero, Sabin Tambrea, Martin Schneider, Henry Buchmann
Verleih: Port au Prince Films

Copyright 2017 by Iris Janke

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Port au Prince Films, Fotos auch: © Martin Rattini

 

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Schicksalsspiel – Der St.-Pauli-Romeo und die Hansa-Rostock-Julia

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Schicksalsspiel

Von Volker Schönenberger

Drama // Zwei Häuser, beide gleich an Würdigkeit, aus altem Hass entwickeln neuen Streit … denn aus der beiden Feinde Schoß entsprang ein Liebespaar, verfolgt von Schicksalslist, des unglücksel’ger, traur’ger Untergang mit seinem Tod begräbt der Feinde Zwist. Diese Zeilen aus William Shakespeares Liebesdrama „Romeo und Julia“ eröffnen die Geschichte von Roland (Niels-Bruno Schmidt) und Conny (Nicolette Krebitz).

Bei den ersten Gesprächen, die wir im Fußball-Sonderzug von Hamburg nach Rostock zu hören bekommen, fragt man sich, ob Fußballfans auf Auswärtsfahrt beim Bier wirklich so viel Unsinn erzählen. Aber es ist wohl so. Die Atmosphäre im Zug wirkt jedenfalls einigermaßen authentisch, auch wenn ich selbst während meiner Auswärtsfahrten nie Zeuge einer Polonaise im Gang geworden bin. Hey, da ist ja Sven Brux! Der heutige Organisationsleiter und Sicherheitsbeauftragte – war er bei zum Zeitpunkt der Dreharbeiten schon Fanbeauftragter? – äußert sich in zwischengeschalteten Sequenzen mit einigen anderen über das Dasein als Fußballfan, die Brisanz von Auswärtsfahrten im Allgemeinen und dem Duell FC St. Pauli gegen Hansa Rostock im Besonderen. Wir sehen Sven auch als Komparse im Zug. Schauspielgott! Ach nein, er spielt sich ja selbst, das ist keine Kunst.

Als St.-Pauli-Fans in die Hansa-Rostock-Kneipe

Roland, Manni (Steffen Wink) und zwei ihrer Kumpels verlassen den Sonderzug etwas früher als die Masse. Die vier verstecken die Fan-Utensilien unter ihren Jacken und betreten die Kneipe von Connys Vater, in der die junge Frau kellnert. Der Laden ist voller Hansa-Rostock-Fans, darunter Connys Bruder Lalla (Jürgen Vogel) und dessen Freund Knacki (Benno Fürmann), zwei aggressive Zeitgenossen. Für Roland und Conny ist es Liebe auf den ersten Blick. Das ändert sich auch nicht, als die vier St.-Pauli-Fans enttarnt werden und fluchtartig das Weite suchen müssen.

Ein paar Dialoge sind minimal neben der Spur, das Spiel der Darsteller wirkt bisweilen ein wenig ungelenk. Das fällt besonders bei den beiden prominentesten Namen auf: Jürgen Vogel gefällt sein Part als aggressiver großer Bruder offenbar so gut, dass er es ein wenig übertreibt, und Benno Fürmann lässt sich da mangels Erfahrung noch mitreißen. Spaß machen die beiden natürlich trotzdem. Das Liebespaar hingegen überzeugt auf ganzer Linie, Conny und Roland stehen ohnehin im Mittelpunkt. Wir hoffen und bangen mit den beiden und müssen doch fürchten, dass dem St.-Pauli-Romeo und der Hansa-Julia kein Happy End beschieden sein wird. Oder etwa doch? Der Showdown ist kurz und schmerzvoll.

Manni übertreibt es etwas

Wirkt der Konflikt Ossi gegen Wessi etwas plakativ? Schon möglich, aber eine Weile war er in den 90ern wohl auch recht ausgeprägt. Soziale Missstände sind Thema – Lalla, Knacki und ihre anderen Hansa-Rostock-Kumpels lassen sich perspektivlos treiben, ihre Aggressivität rührt nicht zuletzt vom ihrem Gefühl, auf der Verliererseite zu stehen. Bei St.-Pauli-Fan Manni geht es in erster Linie um das Gefühl, vom besten Freund alleingelassen worden zu sein, weil der sich verliebt hat. Steffen Wink bringt das glaubhaft rüber, sein Manni krankt aber an übertriebenen Aktionen wie einem unvermittelten Autodiebstahl mitten im Hamburger Schanzenviertel und einem provozierten Unfall samt Überschlag des geklauten Fahrzeugs. Das musste nicht sein. Dafür ist es sehr charmant, dass wie bei Romeo und Julia auch bei Roland und Conny ihr Balkon als bedeutsames Motiv herhält.

„Schicksalsspiel“ erhielt 1994 den Grimme-Preis als bestes Fernsehspiel. Eine verdiente Auszeichnung, denn trotz ein paar Übertreibungen hat das Drama doch eine Wahrhaftigkeit, die es über andere vor Fußball-Hintergrund angesiedelte Produktionen heraushebt. Obwohl die Fußballfankultur letztlich in erster Linie als Aufhänger für eine verbotene Liebe von Bedeutung ist, ist es doch schön, dass Drehbuchautor und Regisseur Bernd Schadewald seine Hausaufgaben gemacht hat. Fanszenen in Spielfilmen haben wir schon deutlich stümperhafter inszeniert gesehen. Ich erinnere nur an den unsäglichen „Gegengerade“ (2011), der ebenfalls in der Fanszene des FC St. Pauli angesiedelt war. Als Liebesdrama mit Sozialdrama-Schlagseite ist „Schicksalsspiel“ aller Ehren wert.

Bleibt nur die Frage: Stimmen wir wirklich immer wieder dieselben Gesänge an?

Veröffentlichung: 30. September 2016 als DVD

Länge: 84 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel:
Originaltitel: Schicksalsspiel
D 1993
Regie: Bernd Schadewald
Drehbuch: Bernd Schadewald
Besetzung: Niels-Bruno Schmidt, Nicolette Krebitz, Benno Fürmann, Jürgen Vogel, Steffen Wink, Ilja Jens Goldbach, Stefan Kukofka
Zusatzmaterial: Wendecover
Vertrieb: Studio Hamburg Enterprises

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Packshot: © 2016 Studio Hamburg Enterprises

 

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Ostwind 2 – Rückkehr nach Kaltenbach: Angst um den Reiterhof

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Ostwind 2 – Rückkehr nach Kaltenbach

Kinostart: 14. Mai 2015

Familien-Abenteuer // Kann ein Vater einen größeren Liebesbeweis bringen als seine Töchter in einen Pferdefilm zu begleiten? Spaß beiseite, für wen das als Vater ein Opfer darstellt, der soll sich gehackt legen. Wenn Mädchenaugen vor Freude leuchten, kann auch der erwachsene Begleiter sich genüsslich im Kinosessel zurücklehnen.

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Eine Stute hat’s „Ostwind“ angetan

„Ostwind 2 – Rückkehr nach Kaltenbach“ setzt auf Bewährtes: Regie, Drehbuch, alle zentralen Rollen – die Personalien kennen wir aus „Ostwind – Zusammen sind wir frei“. Im Zentrum stehen wieder „Pferdeflüsterin“ Mika (Hanna Binke) und ihr geliebter Hengst „Ostwind“.

„Ostwind“ und die Stute

Endlich Sommerferien, endlich wieder aufs Gut Kaltenbach! Doch kaum angekommen, bemerkt Mika rätselhafte Kratzspuren an „Ostwind“. Schnell findet sie heraus, wo die herkommen: Ihren geliebten Hengst zieht es in den Wald, wo er sich durch Dornenbüsche zwängt, um eine weiße Stute zu treffen. Was hat es mit dem Tier auf sich?

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Was hat es mit dem Schimmel auf sich?

Der Reiterhof steht derweil kurz vor der Pleite, und Mikas Großmutter Maria Kaltenbach (Cornelia Froboess) will die Probleme nicht recht wahrhaben. Nur eins kann helfen: Mika muss auf „Ostwind“ ein lukratives Reitturnier gewinnen. Doch es ist ein Vielseitigkeitswettbewerb, in dem nicht nur Fähigkeiten im Springreiten gefragt sind, sondern auch Dressur und Geländeritt auf dem Programm stehen. In der Kürze der Zeit ist das kaum zu schaffen. Doch neben Opa Kaan (Tilo Prückner) und Stallbursche Sam (Marvin Linke) taucht plötzlich Hilfe von ganz anderer Seite auf.

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Dressurtraining mal anders

Die Geschichte ist etwas komplexer als beim Vorgänger, aber die beiden Handlungsstränge – „Ostwinds“ Geheimnis und die Finanznot des Gestüts – werden einigermaßen sauber zusammengeführt. Die Dramatik wirkt etwas überzogen, das Happy End kommt zudem wie Kai aus der Kiste, aber bei einem Pferdefilm für die junge Generation wollen wir mal nicht kleinlich sein.

Ein Film für Mädchen – für wen auch sonst?

Entscheidend ist wie beim Vorgänger das Urteil der Zielgruppe. Wie das ausfällt, war schon während der Pressevorführung in den Gesichtern der kleinen Besucherinnen zu bemerken: Meine Töchter und ihre Freundin waren sehr angetan. Das teilten sie anschließend dem Promoter auch gern mit. Insofern kann das Fazit nur lauten: Väter, begleitet eure Töchter ins Kino (gilt natürlich auch für Mütter)!

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Können Mika und „Ostwind“ das Turnier gewinnen?

Länge: 105 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Ostwind 2 – Rückkehr nach Kaltenbach
D 2015
Regie: Katja von Garnier
Drehbuch: Lea Schmidbauer, Kristina Magdalena Henn
Besetzung: Hanna Binke (vorm. Höppner), Marvin Linke, Cornelia Froboess, Tilo Prückner, Nina Kronjäger, Jürgen Vogel, Amber Bongard, Jannis Niewöhner
Verleih: Constantin Film

Copyright 2015 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2015 Constantin Film

 

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