RSS

Schlagwort-Archive: Kaiju

Godzilla und die Urweltraupen – Mothras zweiter Flug

Mosura tai Gojira

Von Volker Schönenberger

SF-Abenteuer // Ein Sturm tost an der japanischen Küste über dem frisch aufgeschütteten Siedlungsgebiet Kurata-Strand. Meterhohe Wellen peitschen auf den Strand und richten schwere Verwüstungen an. Dabei wird ein überdimensionales Ei angespült – das Ei der Riesenmotte Mothra, wie sich später herausstellt (erinnern wir uns an „Mothra bedroht die Welt“ von 1961). Der windige Geschäftsmann Kumayama (Yoshifumi Tajima) reißt sich das gigantische Fundstück unter den Nagel, um damit als Attraktion Kasse zu machen. Er und sein Partner Torahata (Kenji Sahara) lassen sich auch nicht von den beiden winzigen Feen (Yumi und Emi Itô) von ihrem Vorhaben abbringen, die unversehens auf der Bildfläche auftauchen und um die Herausgabe des Eis bitten. Der Reporter Ichiro Sakai (Akira Takarada) und seine fotografierende Kollegin Junko Nakanishi (Yuriko Hoshi) verbünden sich mit dem Wissenschaftler Professor Miura (Hiroshi Koizumi), um ans Ei zu gelangen. Und plötzlich hebt sich ein gewisser Godzilla am Strand von Kurata aus der Erde empor.

Das Riesenei gibt Räts… Verzeihung: Dies ist ja nur ein Hühnerei

Anolis Entertainment liefert wieder mal ab. Kurz nach der Veröffentlichung von Mothras erstem Auftritt „Mothra bedroht die Welt“ folgt mit „Godzilla und die Urweltraupen“ das zweite Aufeinandertreffen der Riesenmotte mit dem beliebten Echsengigant. Das Timing passt ohnehin: Dank des amerikanischen MonsterVerse mit „Godzilla“ (2014), „Kong – Skull Island“ (2017) und gerade erst „Godzilla II – King of the Monsters“ (2019) ist das Interesse an den Kaijūs erneut erwacht; die Fans der japanischen Monsterfilme halten ihren Lieblingen ohnehin die Treue, zumal den am Computer entstandenen Hollywood-Riesenwesen der Charme der Originale abgeht.

Zurück zur DVD!

Einige Sammler der „Kaiju Classics“ werden sicher enttäuscht sein, dass das Futurepak von „Godzilla und die Urweltraupen“ lediglich zwei DVDs enthält und keine Blu-ray wie bei „Mothra bedroht die Welt“, mir ist das nicht ganz so wichtig. Die Reihe bleibt es wert, gesammelt zu werden, Bild und Ton überzeugen auch auf dem vermeintlich veralteten Format. Die beiden Silberlinge enthalten sowohl die japanische als auch die deutsche beziehungsweise US-Fassung des Films, die sich zeitlich kaum voneinander unterscheiden. Das in bewährtem Layout gestaltete Booklet enthält einen Text von Ingo Strecker mit gewohnt aufschlussreichen Informationen. So erfahren wir, dass in einer ursprünglichen Drehbuchfassung kein Riesenei enthalten war, vielmehr sollte Godzilla an der Küste Roliscias angespült werden. Auch die Unterschiede beider Schnittfassungen beschreibt der Autor, und er gibt uns einige Interpretationsansätze zu möglichen politischen Untertönen des Films, die er weniger dem Drehbuchautor Shin’ichi Sekizawa zuschreibt als dem Regisseur Ishirô Honda. So könne das Landgewinnungsprojekt von Kurata als Kommentar zu den umfangreichen Bauarbeiten für die Olympischen Sommerspiele 1964 in Tokio gesehen werden.

Nun aber: Das Riesenei gibt Rätsel auf

Ingo Strecker zufolge gilt das Godzilla-Kostüm dieses Films bis heute als das beliebteste der gesamten Reihe. Das kann ich mangels Zugehörigkeit zur Fanszene nicht verifizieren, aber es gibt natürlich auch keinen Anlass, daran zu zweifeln. Strecker gibt uns auch interessante Einblicke in die Entwicklung der Kostüme und Miniaturen für „Godzilla und die Urweltraupen“. Apropos Urweltraupen: Der Originaltitel lautet „Mosura tai Gojira“, was „Mothra gegen Godzilla“ bedeutet, aber auch die deutsche Titelschöpfung hat ihre Berechtigung …

Der böse Godzilla

Oft zeigt sich Godzilla in den japanischen Kaijūs als Helfer der Menschheit, auch im jüngsten Kinofilm „Godzilla II – King of the Monsters“; hier jedoch gibt er noch einmal den Fiesling, der das Ei zerstören will. Wenn er und Mothra aufeinanderprallen, wächst kein Gras mehr, es kommen Miniaturmodelle beider Kreaturen zum Einsatz. Das kann man belächeln und angesichts heutiger Möglichkeiten der Tricktechnik für veraltet halten. Ist es ja auch, aber auf überaus vergnügliche Weise, vom dramatischen Score Akira Ifukubes vorzüglich untermalt. Eine realistische Visualisierung war eben auch nicht die erklärte Absicht der Macher, die artifizielle Optik der Kreaturen und Miniaturkulissen hingegen schon. So muss japanisches Monsterkino aussehen, wie es im Pressetext von Anolis zu lesen ist. Da hat das Label recht.

Da isser ja – Godzilla führt nichts Gutes im Schilde

Die Anolis-Entertainment-Reihe „Kaiju Classics“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Ein lesenswerter Text zu „Godzilla und die Urweltraupen“ findet sich auch bei den Kollegen von „Evil Ed“.

Nicht immer sind Raupen eine Plage

Veröffentlichung: 21. Juni 2019 als 2-Disc-Edition im auf 1.500 Exemplare limitierten Futurepak als Nr. 17 der Reihe „Kaiju Classics“

Länge: 85 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Mosura tai Gojira
Alternativer deutscher Titel: Panik in Tokyo
Internationale Titel: Mothra vs. Godzilla, Godzilla vs. Mothra, Godzilla Fights the Giant Moth, Godzilla Fights vs. the Giant Moth
JAP 1964
Regie: Ishirô Honda
Drehbuch: Shin’ichi Sekizawa
Besetzung: Akira Takarada, Yuriko Hoshi, Hiroshi Koizumi, Yû Fujiki, Kenji Sahara, Emi Itô, Yumi Itô, Yoshifumi Tajima, Jun Tazaki, Kenzô Tabu, Yoshio Kosugi, Akira Tani, Yutaka Sada, Ikio Sawamura
Zusatzmaterial: japanische Kinofassung inkl. Audiokommentar von Jörg Buttgereit, Bodo Traber und Alexander Iffländer sowie Audiokommentar von Florian Bahr, japanischer Trailer, japanisches Werbematerial, Interview mit Hauptdarsteller Akira Takarada, Super-8-Fassung, deutsches Werbematerial, 20-seitiges Booklet mit einem Text von Ingo Strecker
Label/Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2019 Anolis Entertainment GmbH

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , ,

Godzilla II – King of the Monsters: Ist er das wirklich?

Godzilla – King of the Monsters

Kinostart: 30. Mai 2019

Von Volker Schönenberger

Fantasy-Action // Erinnert ihr euch an die Szene am Ende der Credits von „Kong – Skull Island“ (2017)? Die Höhlenmalereien der Monster Godzilla, King Ghidorah, Mothra und Rodan weckten bei vielen Kaijū-Fans höchste Erwartungen an den nächsten Abstecher ins MonsterVerse. Das Film-Universum der US-Produktionsfirmen Warner Bros. und Legendary Pictures in Verbindung mit den japanischen Tōhō-Studios, den Schöpfern von Godzilla & Co., hatte 2014 mit „Godzilla“ einen fulminanten Start hingelegt. Löst der dritte Teil die Hoffnungen der Fans ein?

Dr. Emma Russell will das „Orca“ einsetzen …

Die Fanbedienung ist jedenfalls gegeben, die vier genannten Riesenkreaturen treten eindrucksvoll in Erscheinung – und bei ihnen bleibt es nicht, so viel sei verraten. Dieselbe Monster-Quartett-Konstellation hat es bereits 1964 im japanischen „Frankensteins Monster im Kampf gegen Ghidorah“ gegeben, aber natürlich stellt „Godzilla II – King of the Monsters“ kein Remake dar. Die Handlung setzt fünf Jahre nach den Ereignissen von „Godzilla“ (2014) ein. Die kryptozoologische Agentur Monarch hat die Kontrolle über diverse an verschiedenen weltweit verteilten Standorten aufgefundene Monster übernommen, muss sich aber heftigen Debatten stellen – die Angst vor den Titanen genannten riesigen Kreaturen und ihrer Zerstörungsgewalt ist so groß, dass viele sie trotz Godzillas damaliger Rettungstat lieber allesamt getötet sehen wollen. Übernimmt das Militär die Aufgabe? Bevor diese Frage geklärt werden kann, tritt Colonel Alan Jonah (Charles Dance, Tywin Lannister aus „Game of Thrones“) auf den Plan, Anführer einer Gruppe von Öko-Terroristen, der seine ganz eigenen Pläne mit den Titanen hat. Dafür benötigt er das „Orca“, ein von den Ex-Eheleuten Dr. Emma und Dr. Mark Russell (Vera Farmiga, Kyle Chandler) entwickeltes Gerät, das mittels bioakustischer Sonar-Technologie Kommunikation mit den Giganten ermöglicht, sogar ihre Kontrolle. Jonah dringt mit seinem Trupp in einen Monarch-Stützpunkt ein und bringt das „Orca“, Dr. Emma Russell und die halbwüchsige Madison Russell (Millie Bobby Brown, „Stranger Things“) in seine Gewalt – die Tochter der Russells dient ihm anscheinend als Geisel und Faustpfand. Die übrigen Monarch-Mitarbeiter vor Ort werden allesamt erschossen. Bald darauf trifft Godzilla erstmals auf das mächtige dreiköpfige Wesen King Ghidorah.

… und gerät in die Fänge von Öko-Terrorist Alan Jonah

Wie in „Godzilla“ sehen wir die Monstren vornehmlich bei Schmuddelwetter und des Abends oder Nachts über die Erde stapfen oder fliegen. Ein paar mehr klare Ansichten bei Tageslicht und Sonnenschein hätte ich mir gewünscht, das dürfte heutzutage an sich kein Problem sein. Angesichts der technischen Perfektion zahlreicher Hollywood-Blockbuster aus diversen Franchises stellt sich bei mir mittlerweile kaum noch ein Wow-Effekt ein, an den Tricks und der CGI von „Godzilla II – King of the Monsters“ gibt es erwartungsgemäß nichts auszusetzen. Wenn ein Monster gegen das andere kämpft und dabei Städte zu Trümmerhaufen werden, können wir das durchaus beeindruckend nennen. Die Szenerien geraten auch übersichtlich genug, sodass die Zuschauerinnen und Zuschauer stets im Bilde sind, welche Kreatur gerade die Oberhand hat.

Nicht kleckern, sondern klotzen

Story und Drehbuch tun das, was in „Nicht kleckern, sondern klotzen“-Filmen von ihnen verlangt wird: Sie treiben das Geschehen von einer bombastischen Actionszene zur nächsten. Zwischendurch menschelt es stark, erst recht, wenn Verluste zu beklagen sind. Aus „Godzilla“ treffen wir wieder auf den Wissenschaftler Dr. Ichiro Serizawa (Ken Watanabe) und seine Assistentin Vivienne Graham (Sally Hawkins). David Strathairn tritt erneut als Admiral William Stenz in Erscheinung. Neu dabei sind Aisha Hinds als kampfstarke Colonel Diane Foster, die ein militärisches Einsatzkommando von Monarch leitet, das die Wissenschaftler beschützen soll. Auch die weitere Besetzung besteht aus zum Teil namhaften Darstellerinnen und Darstellern, dementsprechend bekommen wir überzeugende Schauspielkunst geboten, die aber zwangsläufig nicht unbedingt im Fokus steht.

Gebannte Erwartung: Wird Godzilla angreifen?

Etwas geärgert habe ich mich über die von Vera Farmiga verkörperte Wissenschaftlerin Emma Russell: Obwohl sie als empathische und warmherzige, wenn auch schwer traumatisierte Frau charakterisiert wird, trifft sie Entscheidungen, die fatale Konsequenzen haben, was ihr stets bewusst ist. Um Spoiler zu vermeiden, erläutere ich das nicht weiter, nur so viel: Diese Entscheidungen treiben die Handlung maßgeblich voran und lösen Ereignisse von großer Tragweite aus. Das hätte man meiner Ansicht nach besser aufziehen können als anhand einer zwiespältig skizzierten Protagonistin. Etwas plump gerät auch die Botschaft vom durch Menschenhand gestörten Gleichgewicht der Natur.

Oder will er nur spielen?

Reden wir über Logik und Löcher – nein, lassen wir das. Wir wissen doch alle, dass diese Art Film gewisse diesbezügliche Defizite mit sich bringt. Das kann man bedauerlich finden und solche Produktionen deshalb meiden oder als gegeben hinnehmen und tolerieren. Sucht euch am besten selbst aus, welche Haltung euch besser gefällt! Die FSK-12-Freigabe geht natürlich völlig in Ordnung. Gestorben wird zwar in Massen, das aber unblutig und in der Regel nicht auf der Leinwand. Filme wie dieser sollen und müssen aufgrund ihrer immensen Kosten eben auch jugendliches Publikum ins Kino bringen, tatsächlich werden diese Produktionen ja sogar ganz besonders für junge Leute als Zielgruppe gedreht. Logisch, dass man sich das Geschäft nicht mit zu viel Gewalt und damit hoher Altersfreigabe verderben will.

King Ghidorah jedenfalls ist garstig

Dritter Film des MonsterVerse, dritter Regisseur: Mit Michael Dougherty übernahm ein recht unbeschriebenes Blatt die Aufgabe, in seiner Regisseurs-Filmografie stehen als Kinofilme lediglich „Trick ’r Treat – Die Nacht der Schrecken“ (2007) und „Krampus“ (2015) zu Buche. Allerdings hatten Gareth Edwards („Godzilla“) und Jordan Vogt-Roberts („Kong – Skull Island“) zuvor auch nicht gerade zahlreiche Referenzen zu bieten. Dougherty schrieb gemeinsam mit Zach Shields auch das Drehbuch zu „Godzilla II – King of the Monsters“. Die Insel Skull Island wird übrigens mehrfach kurz genannt, was die Brücke zu „Kong – Skull Island“ schlägt. Wer 2014 von Gareth Edwards’ Reboot „Godzilla“ angetan war und sich auch für „Kong – Skull Island“ erwärmen konnte, wird dem dritten Teil des MonsterVerse zweifellos ebenfalls viel abgewinnen können, am Ende womöglich sogar begeistert sein.

Bald kommt „Godzilla vs. Kong“

Wie das mit gigantomanischen Franchises wie diesem so ist: Kaum kommt der eine Film ins Kino, lechzen alle bereits nach dem nächsten. „Godzilla vs. Kong“ ist abgedreht und befindet sich in der Postproduktionsphase, und erneut hat sich ein neues Gesicht auf den Regiestuhl gesetzt: Adam Wingard, bekannt für „You’re Next“ (2011), „The Guest“ (2014) und „Blair Witch“ (2016). Der Titel deutet an, dass es zum gewaltigen Aufeinandertreffen der beiden Monster aus den zwei Vorgängern kommt – darauf hoffen sowieso viele.

Dr. Serizawa (r.) und seine Assistentin Vivienne Graham wollen den Tod der Titanen verhindern

Ich bin kein Kinogänger, der zum Filmenende gern den gesamten Abspann bis zur letzten Zeile aussitzt, auch wenn die Credits seit Jahren oft in recht hoher Geschwindigkeit abgespielt werden – ohnehin viel zu hoch, um alles zu lesen, hehe. Um meine Leserinnen und Leser ins Bild zu setzen, habe ich das diesmal aber auf mich genommen, und siehe da: Tatsächlich folgt – leider ganz am Ende – eine Szene, die einen Ausblick bietet auf – worauf eigentlich? Mit „Godzilla vs. Kong“ hat das Gezeigte jedenfalls nichts zu tun, sofern dessen Titel den Fokus der Handlung korrekt abbildet. Lugt da am Ende etwa schon Teil 5 des MonsterVerse hervor? Wir werden sehen …

Auch Rodan mischt mit

Abschließend ein Lektüretipp: Für die aktuelle Ausgabe von „Deadline – Das Filmmagazin“ hat „Die Nacht der lebenden Texte“- Autor Leonhard Elias Lemke sowohl die Titelgeschichte über „Godzilla II – King of the Monsters“ verfasst als auch ein Interview mit Regisseur Michael Dougherty geführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Vera Farmiga und Sally Hawkins sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Kyle Chandler und Ken Watanabe unter Schauspieler.

Es kommt zum Clash of the Titans

Länge: 132 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Godzilla – King of the Monsters
USA/JPN 2019
Regie: Michael Dougherty
Drehbuch: Michael Dougherty, Zach Shields
Besetzung: Kyle Chandler, Vera Farmiga, Millie Bobby Brown, Ken Watanabe, Ziyi Zhang, Bradley Whitford, Sally Hawkins, Charles Dance, Thomas Middleditch, Aisha Hinds, O’Shea Jackson Jr., David Strathairn
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Warner Bros. Entertainment Inc. and Legendary Pictures Productions, LLC

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2019/05/29 in Film, Kino, Rezensionen

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

Mothra bedroht die Welt – Erster Flügelschlag der lieblichen Riesenmotte

Mosura

Von Volker Schönenberger

SF-Abenteuer // Darauf haben die Kaijū-Fans hierzulande lange gewartet: Endlich kann im Rahmen der „Kaiju Classics“ von Anolis Entertainment auch der erste Auftritt der Riesenmotte Mothra in bestmöglicher Qualität auf hiesigen Bildschirmen genossen werden. Von „Mothra bedroht die Welt“ (1961) bis zu ihrem bislang letzten Auftritt in „Godzilla – Final Wars“ (2004) flatterte die beliebte Kreatur insgesamt 13 Mal in den Kaijūs durch die Lüfte. Im japanischen Original heißt sie Mosura.

Wie niedlich: die winzigen Zwillingsfeen

Ein Taifun bringt einen japanischen Frachter in schwere See und in ein Gebiet für nukleare Tests. Als das Schiff auf ein Riff läuft, befiehlt der Kapitän: „Alle Mann von Bord!“ Der Frachter bricht auseinander und sinkt. Ein Suchhubschrauber entdeckt auf einer Insel vier Überlebende des Schiffbruchs – sie werden gerettet. Wider Erwarten erweisen sich die Männer als nicht verstrahlt. Sie berichten, ihnen sei von Eingeborenen ein Getränk verabreicht worden, das sie vor den Folgen nuklearer Strahlung bewahrt habe. Dabei gelten die Inseln in dem Atomtest-Gebiet als unbewohnt!

Expedition ins Atomtestgebiet

Die Atomtests hatte seinerzeit der Staat Roliscia (andere Schreibweise: Rolisica) vorgenommen. Nun bricht eine Expedition auf, die Roliscia und Japan gemeinsam zusammengestellt haben und die vom Roliscianer Clark Nelson (Jerry Itô) geleitet wird. Aus Japan dabei sind auch der Wissenschaftler Dr. Shin’ichi Chûjô (Hiroshi Koizumi) und der Journalist Senichiro „Sen-chan“ Fukuda (Furankî Sakai), genannt Bulldogge. Als Chûjô in die Fänge einer Schlingpflanze gerät, retten ihn zwei winzige Feen (die eineiigen Zwillinge Yumi und Emi Itô). Nelson entführt die beiden kaum 20 Zentimeter großen Mädchen, um sie als Attraktionen einem großen Publikum vorzuführen. Das ruft Mothra auf den Plan, die als riesige Raupe aus einem Ei schlüpft und sich von der Insel aus schwimmend auf den Weg macht, die zwei Feen zu retten, zu denen Mothra offenbar telepathischen Kontakt hält. Dabei lässt sich die Kreatur auch nicht von Luftangriffen aufhalten – und verpuppt sich bald, um als Riesenmotte wieder auf der Bildfläche zu erscheinen.

Roliscia – nie gehört? Das mag daran liegen, dass das Land gar nicht existiert. Im Godzilla-Universum tauchen immer mal wieder fiktive Schauplätze auf. In diesem Fall dient das Land kaum verhohlen als Platzhalter für die USA und die Sowjetunion gleichermaßen, was nach Hiroshima und Nagasaki nicht von ungefähr kommt – viele der Kaijūs thematisieren auf mehr oder weniger subtile Weise das atomare Trauma Japans aufgrund der Atombombenabwürfe zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Engagiert: Reporter Fukuda, genannt Bulldogge

Während Godzilla in den Filmen der Tōhō-Studios in der Regel mittels Suitmation von einem Schauspieler im Gummikostüm dargestellt wurde, ließ sich das mit der Riesenraupe und -motte nur schwierig bewerkstelligen – für ihr Debüt in „Mothra bedroht die Welt“ allerdings schon, wobei die Tricktechniker für manche Szenen mit der Motte und insbesondere bei ihren Auftritten in späteren Filmen auf Puppentrick-Animation zurückgriffen, bei der das Viech beim Fliegen an Fäden aufgehängt wurde. In Verbindung mit den bekannten Miniaturkulissen der Kaijūs ergibt das eine herrlich naiv visualisierte Geschichte, in der Mothra keineswegs bösartig ist, sondern lediglich seine Schützlinge retten will – und das auf familientaugliche Weise, auch wenn Fiesling Nelson überaus skrupellos gezeichnet wird und zu keinem Zeitpunkt vor Mord zurückschreckt.

Auftritt der Peanuts

Ab und zu überschreitet „Mothra bedroht die Welt“ die Grenze zur Albernheit, etwa beim Bühnendebüt der Zwillingsfeen inklusive Gesangseinlage – eins der Lieder ist es dann auch, das aus der Ferne Mothra aus dem Ei schlüpfen lässt. Die beiden Darstellerinnen der Feen bildeten übrigens das in Japan recht populäre Gesangsduo The Peanuts, das auch in deutschen Fernsehshows zu sehen war und in den 1960er-Jahren sogar Singles in deutscher Sprache veröffentlichte. Für manche Schmunzler sorgt auch Reporter Fukuda, der etwas tollpatschig und neben der Spur wirkt, sich aber als schlagkräftig erweist und bald von einer Comic-Relief-Nebenfigur zum Protagonisten aufsteigt, der die Handlung vorantreibt.

Voll in Aktion inklusive Zerstörungswerk bekommen wir Mothra als fertige Motte erst recht spät zu sehen – das Schlagen ihrer Flügel verursacht zerstörerische Druckwellen. Bis dahin hält aber die Story mit dem Schurken Nelson und seinen wohlgesinnten Widersachern die Spannung hoch und das Publikum bei der Stange. Mit Columbia Pictures war ein finanzstarkes US-Studio als Geldgeber mit von der Partie, es setzte durch, dass eine bereits gedrehte Schlusssequenz von einem deutlich spektakuläreren Finale ersetzt wurde. Ob das Kaijū-Regie-Legende Ishirô Honda missfallen hat, ist nicht überliefert, mir zumindest nicht bekannt. Ich tendiere in diesem Fall zu „je größer, desto besser“. „Mothra bedroht die Welt“ gönnt sich ein paar deutliche Anleihen beim Hollywood-Klassiker „King Kong und die weiße Frau“ (1933), die dem Film gut zu Gesicht stehen. Das SF-Abenteuer etablierte mit der putzigen Riesenmotte auf höchst amüsante Weise eine Kreatur, die sich schnell im Kaijū-Universum etablierte und unter den Fans nach wie vor großer Beliebtheit erfreut.

Die „Kaiju Classics“ in HD

Mit „Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer“ (1966), „Frankensteins Höllenbrut“ (1972) und „Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster“ (1975) hatte Anolis im Dezember 2018 erstmals Kaijūs in HD veröffentlicht. Da alle drei Filme Jahre zuvor in den Metalpaks (oder Futurepaks) der „Kaiju Classics“ als DVD erschienen waren, packte das Label die Blu-rays in herkömmliche Amaray-Cases. „Mothra bedroht die Welt“ kommt nun im typischen silberfarbenen Futurepak der Reihe daher und enthält sowohl Blu-ray als auch DVD. So loben wir uns das. Die Bildqualität hält das hohe Niveau, das wir von Anolis gewohnt sind, was natürlich viele der Tricks und visuellen Effekte noch deutlicher entlarvt, etwa Matte-Painting-Hintergründe und Miniaturen. Aber da die Kaijūs ihren Reiz nie aus hyperrealistischen Bildern zogen, lässt sich das gut verschmerzen. Der Film findet sich sowohl in der japanischen als auch in der knapp zwölf Minuten kürzeren US- beziehungsweise deutschen Fassung auf den Discs.

Raupe Mothra walzt alles nieder

Das Booklet erhält einen gewohnt fachkundigen Text von Ingo Strecker, der wie üblich gemeinsam mit Jörg Buttgereit und Bodo Traber auch einen der Audiokommentare eingesprochen hat. Löblich, wenn sich Label wie Anolis auch in puncto Booklets so viel Mühe geben wie in diesem Fall. Letztlich kann man über diese „Mothra bedroht die Welt“-Edition dasselbe schreiben wie über die vorherigen „Kaiju Classics“: Sie lassen keine Wünsche offen. Da ich mit meiner Rezension vergleichsweise spät dran bin, steht zu befürchten, dass sich die im Handel befindliche Auflage von 1.500 Exemplaren bereits dem Ausverkauf zuneigt, also spute sich, wer noch eins der Futurepaks ergattern will, zumal wir es mit einem Höhepunkt der Kaijūs zu tun haben. Mit dem drei Jahre später entstandenen „Godzilla und die Urweltraupen“ hat Anolis bereits den nächsten, 17. Teil der Reihe angekündigt – Mothras zweiter Auftritt zeigt das erste Aufeinandertreffen der Riesenmotte mit Godzilla.

Die Anolis-Entertainment-Reihe „Kaiju Classics“ haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Lesenswerte Texte zu „Mothra bedroht die Welt“ finden sich auch im „Filmforum Bremen“ und bei den Kollegen von „Evil Ed“.

Aus dem Kokon entspringt die Riesenmotte

Veröffentlichung: 12. April 2019 als 2-Disc-Edition im auf 1.500 Exemplare limitierten Futurepak als Nr. 16 der Reihe „Kaiju Classics“ (Blu-ray & DVD)

Länge japanische Kinofassung: 101 Min. (Blu-ray), 97 Min. (DVD)
Länge deutsche Kinofassung: 90 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Japanisch (jap. Fassung), Englisch (dt. Fassung)
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Mosura
JAP 1961
Regie: Ishirô Honda
Drehbuch: Shin’ichi Sekizawa, nach einem Roman von Shin’ichirô Nakamura, Takehiko Fukunaga und Yoshie Hotta
Besetzung: Furankî Sakai, Hiroshi Koizumi, Kyôko Kagawa, Jerry Itô, Yumi Itô, Emi Itô, Ken Uehara, Akihiko Hirata, Seizaburô Kawazu
Zusatzmaterial japanische Kinofassung: Audiokommentar von Jörg Buttgereit, Bodo Traber und Ingo Strecker (jap. Fassung), Audiokommentar von Florian Bahr (jap. Fassung), Audiokommentar von Steve Ryfle und Ed Godziszewski (dt. Fassung), japanische Super-8-Fassung, US-Trailer, japanischer Trailer, Bildergalerie, 20-seitiges Booklet mit einem Text von Ingo Strecker
Label/Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2019 Anolis Entertainment GmbH

 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: