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Haus der 1000 Leichen – Rob Zombies Debüt endlich wieder uncut

House of 1000 Corpses

Von Volker Schönenberger

Horror // Am 30. Oktober 1977 überfallen zwei Kleinkriminelle eine Provinz-Tankstelle in der Nähe von Ruggsville, die sich neben „Captain Spaulding’s Museum of Monsters and Madmen“ befindet. Das bekommt ihnen nicht gut, denn Captain Spaulding (Sid Haig) und seine Mitarbeiter Stucky (Michael J. Pollard) und Ravelli (Irwin Keyes) sind keineswegs wehrlos.

Tankwart und Museumsführer: Captain Spaulding

Bald darauf erreichen vier junge Leute den Ort des Geschehens. Jerry (Chris Hardwick), Bill (Rainn Wilson), Mary (Jennifer Jostyn), und Denise (Erin Daniels) suchen für ein Buchprojekt nach abseitigen Attraktionen. Das Museum des verschrobenen Captain Spaulding kommt ihnen da gerade recht. Der stets als Clown Gekleidete berichtet ihnen vom örtlichen Mythos des Dr. Satan, der angeblich einst an einem nahegelegenen Baum aufgehängt wurde, dessen Leiche aber am nächsten Tag verschwunden gewesen sei. Auf der Suche nach dem Baum nimmt das Quartett die Anhalterin Baby (Sheri Moon Zombie) mit. Nach einer Panne landen alle im Haus von Babys Familie. Sie ahnen nicht, dass es sich um das titelgebende Haus handelt …

Baby hat es faustdick hinter den Ohren

„House of 1000 Corpses“ kam 2003 völlig überraschend über die Horrorgemeinde. Der Metal-Musiker Rob Zombie hatte zwar bereits einige Musikvideos eigener Songs inszeniert und 2002 auch das Video zu Ozzy Osbournes „Dreamer“ gedreht, aber dass er in der Lage war, einen Horrorfilm auf professionellem Niveau zu drehen, hätten ihm wohl nur wenige zugetraut, zumal sein Langfilm-Regiedebüt von Kenntnis des Genres zeugte. Zombie bevölkerte seinen Hinterland-Schocker mit einer bizarren Familie, die glatt als Nachbarn der Leatherface-Sippschaft aus Tobe Hoopers „The Texas Chainsaw Massacre“ (1974) durchgehen könnte. Kommt uns Captain Spaulding zu Beginn schon reichlich sonderbar vor, erscheint er uns später beinahe als normal. Babys Mutter „Mother Firefly“ (Karen Black, „Landhaus der toten Seelen“) beispielsweise entpuppt sich als lüsterne Matrone mit Hang zu aufreizender Kleidung, ihr Adoptivbruder Otis (Bill Moseley) sieht sich als Künstler, der ganz spezielle Skulpturen anfertigt. Und dann ist da noch Babys deformierter und übergroßer Bruder Tiny (Matthew McGrory), von schlichtem Gemüt, um es milde auszudrücken. Er tut, was seine Familie ihm sagt. In einer Nebenrolle als Cop ist Walton Goggins („The Hateful Eight“) zu sehen.

Formale Experimente im Regiedebüt

So sehr „Haus der 1000 Leichen“ in die Seelen diverser Vorgänger aus dem Genre eintauchte, so sehr merkt man Zombies Spielfilm-Regiedebüt auch an, dass sich der Musiker noch nicht recht traute, eigene Horrorwege zu beschreiten – das darf man einem Erstling aber auch zubilligen. Umso mehr tobte sich der Regisseur in Sachen Schnitt, Setdesign und Exzess aus, sodass Zombie in Horrorkreisen bald als große Genre-Hoffnung gefeiert wurde – Lorbeeren, die er für viele mit seinen Folgefilmen auch einlöste. Ganz unverblümt gönnt sich Zombie sogar den Einbau kompletter Szenen aus klassischen Gruselfilmen, mit wilden Schnitten und Farbwechseln schickt er Protagonisten wie Publikum auf einen manchmal etwas hektischen Ritt in die Katakomben der Familie Firefly. Wenn auch nicht inhaltlich, so zeigte sich Zombie immerhin formal experimentierfreudig.

Auch Mama Firefly ist nicht von schlechten Eltern

Die zeitgenössische Kritik nahm all das eher negativ auf, wie der niedrige Wert von 19 Prozent im Tomatometer belegt. Die Publikumswertung bei Rotten Tomatoes hingegen liegt bei guten 65 Prozent, auch die User der IMDb haben mit einer Durchschnittswertung von 6,1 positiv geurteilt (Stand der drei Werte: November 2018). Rob Zombie hat also den Fans das gegeben, wonach es sie gelüstete, wobei einzuräumen ist, dass sich die Horrorgemeinde eher konservativ gebärdet und nicht unbedingt als scharf auf Innovationen gilt.

An Entkommen ist nicht zu denken

Das blutrünstige Panoptikum von Zitaten, skurrilen Gestalten und bizarren Grausamkeiten zeigt kein Interesse an den Figuren, die wie Schlachtvieh behandelt werden. Was das Lexikon des internationalen Films zweifellos kritisch verstanden wissen wollte, werden Horrorfans als Empfehlung interpretieren. Und sie haben recht! Wer braucht in einer Backwoods-Metzelei ausgefeilte Charakterzeichnungen?

Groucho Marx lässt grüßen

Captain Spaulding? Da war doch was … Richtig: Groucho Marx verkörperte 1930 in „Animal Crackers“ eine Figur dieses Namens. Weitere Rollennamen des Films sind ebenfalls Marx-Brothers-Filmen entnommen, etwa „Die Marx Brothers im Krieg“ (1933), in welchem Groucho einen gewissen Rufus T. Firefly spielte. Rob Zombie kann also nicht nur Horrorfilme zitieren.

Otis sieht sich als Künstler in Blut

Seine Deutschlandpremiere feierte „Haus der 1000 Leichen“ im August 2003 beim Fantasy Filmfest. Auf DVD erschien der Schocker anschließend sowohl in ungeschnittener Form mit SPIO/JK-Siegel als auch mit Zensurschnitten und FSK-Freigabe. Die 2005 erfolgte Indizierung wurde im Herbst 2018 aufgehoben, sodass Studiocanal die Uncut-Fassung mit FSK-18-Freigabe ohne weitere Auflagen in den Handel bringen kann – gut so.

In netter Gesellschaft

Die etwas reifere 2005er-Fortsetzung „TDR – The Devil’s Rejects“ hatte hierzulande glücklicherweise keine Probleme mit der Zensur. Warten wir ab, wie es dem 2019 über uns kommenden zweiten Sequel „3 from Hell“ ergehen wird, das Rob Zombie bereits abgedreht hat. Captain Spaulding, Otis und Baby tauchen darin laut IMDb erneut auf, was die Frage aufwirft, ob es sich um ein Prequel handelt – was es Gemunkel zufolge nicht sein wird – oder das Trio den finalen Shoot-out aus „TDR – The Devil’s Rejects“ am Ende doch überlebt hat. Versüßt euch die Wartezeit mit „Haus der 1000 Leichen“ uncut! Es lohnt sich, auch wenn Rob Zombie an seinem Horror-Regiedebüt mittlerweile selbst einiges auszusetzen hat.

Die Fireflys führen ihre Opfer …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Rob Zombie sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

… ins Verderben

Veröffentlichung: 22. November 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 89 Min. (Blu-ray), 86 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: House of 1000 Corpses
USA 2003
Regie: Rob Zombie
Drehbuch: Rob Zombie
Besetzung: Sid Haig, Karen Black, Bill Moseley, Sheri Moon Zombie, William Bassett, Erin Daniels, Matthew McGrory, Chris Hardwick, Rainn Wilson, Jennifer Jostyn, Walton Goggins
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Rob Zombie, Making-of (2:34), Originaltrailer, Casting & Proben (16:12), Interviews (15:19), Trailershow, Wendecover
Label/Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshot: © 2018 Studiocanal Home Entertainment

 
 

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Unternehmen Capricorn – Die vorgetäuschte Marsmission

Capricorn One

Von Andreas Eckenfels

Thriller // Das Kino der 70er-Jahre brachte nicht nur zahlreiche Katastrophenfilme hervor, sondern auch eine Vielzahl hoch spannender Verschwörungsthriller, die ein Spiegelbild ihrer Zeit darstellten. Auslöser waren unter anderem das heute noch von diversen Verschwörungstheorien umrankte Attentat auf John F. Kennedy 1963, die Querelen rund um den Vietnamkrieg und natürlich die Watergate-Affäre, die 1972 ans Licht kam und die 1974 schlussendlich zum Rücktritt von US-Präsident Richard Nixon führte. Die Stimmung innerhalb der amerikanischen Bevölkerung wurde gegenüber Vater Staat zunehmend misstrauischer: Was könnte der mächtigste Mann der Welt sonst noch alles vertuscht haben?

Leeres Raumschiff auf dem Weg zum Mars

Die Rakete mit Ziel Mars ist gestartet. Doch was die Öffentlichkeit nicht weiß: Kurz zuvor wurden die überraschten Astronauten Colonel Charles Brubaker (James Brolin), Lieutenant Colonel Peter Willis (Sam Waterston) und Commander John Walker (O. J. Simpson) genötigt, das Raumschiff zu verlassen. In einem abgelegenen Militärstützpunkt erklärt ihnen Dr. James Kelloway (Hal Holbrook), Leiter des NASA-Marsprogramms und Brubakers alter Weggefährte, die Lage: Bereits vor ein paar Monaten sei bekannt geworden, dass das im Raumschiff verbaute Lebenserhaltungssystem von minderwertiger Qualität ist. Die Besatzung hätte den Flug zum Mars nicht überlebt. Doch statt die Mission deswegen komplett abzubrechen, entschied sich Kelloway dazu, eine leere Rakete in Richtung Roter Planet zu schießen. Eine weitere fehlgeschlagene Mission hätte sich die NASA nicht leisten können. Der US-Präsident als auch die Bevölkerung stünden wegen der enormen Kosten der Raumfahrt sowieso schon skeptisch gegenüber. Die Finanzierung und damit die Zukunft des Weltraumprogramms stehen auf der Kippe. Deshalb sollen die Astronauten der Welt eine erfolgreiche Marsmission vorgaukeln. Szenen mit ihnen auf dem Roten Planeten sollen in einem Filmstudio gedreht werden. Verweigern sie die Kooperation, werden ihre Familien umgebracht. Brubaker, Willis und Walker bleibt keine andere Wahl, als mitzuspielen.

Walker, Willis und Brubaker (v. l.) werden aus dem Raumschiff geholt

Während die Welt glaubt, dass die Astronauten als erste Menschen überhaupt einen Fuß auf den Mars gesetzt haben, fallen Elliot Whitter (Robert Walden), einem Mitarbeiter des NASA-Kontrollzentrums in Houston, einige Unregelmäßigkeiten auf. Er macht seinen Freund Robert Caulfield (Elliott Gould), einen Journalisten, darauf aufmerksam. Als Whitter kurze Zeit später spurlos verschwindet, geht der Reporter der Sache auf den Grund.

War Stanley Kubrick der Mondmann?

Regisseur Peter Hyams („2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnahmen“) kam die Lage der Nation zugute, denn nun durfte er sein Drehbuch endlich verfilmen, welches er Anfang der 70er noch vergeblich an den Mann zu bringen versucht hatte. Die Idee zu „Unternehmen Capricorn“ kam Hyams bereits kurz nach der Mondlandung der Apollo 11 am 24. Juli 1969: Was wäre, wenn Neil Armstrong und Buzz Aldrin den fernen Himmelskörper gar nicht betreten hätten? Waren die krisseligen Fernsehbilder wirklich echt?

Dr. Kelloway sieht die Zukunft der NASA in Gefahr

Mit diesen Überlegungen steht Hyams nicht allein da: Eine weit verbreitete Verschwörungstheorie geht sogar fest davon aus, kein Geringerer als Meisterregisseur Stanley Kubrick sei von der US-Regierung unter strengster Geheimhaltung beauftragt worden, die Mondlandung zu inszenieren. Unter anderem nahmen der Thriller „Operation Avalanche“ (2016) und die Mockumentary „Kubrick, Nixon und der Mann im Mond“ (2002) diese Annahme genauer unter die Lupe. Es gibt sogar die These, Kubrick habe Hinweise auf seine Beteiligung an diesem Projekt in seinem Horror-Meisterwerk „Shining“ versteckt – die Doku „Room 237“ zeigt, wie Filmverrückte Kubricks 1980er-Regiearbeit danach durchforsten.

Vergesst die Zeitlupe nicht!

In unserer Gegenwart, in der die Erschaffung von virtuellen Welten mithilfe von moderner Computertechnik und sogar die Wiederbelebung von verstorbenen Schauspielern in digitaler Form problemlos möglich ist – siehe etwa Peter Cushing in „Rogue One: A Star Wars Story“ –, fällt es nicht schwer zu glauben, ein vermeintlicher Ausflug auf den Mond oder Mars könne fingiert werden. Diese spannende Ausgangslage macht „Unternehmen Capricorn“ auch heute noch aktuell.

Reporter Caulfield (2. v. l.) kommt der Verschwörung auf die Schliche

Nach einem temporeichen Einstieg weiß Hayms erst mal nicht viel mit seinen Astronauten anzufangen. Während James Brolins Brubaker das Trio klar anführt, erfahren wir von Willis und Walker herzlich wenig. Die kurzen Szenen der vorgetäuschten Marslandung machen dies aber wett: Man kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen, wenn der Regisseur die Anweisung gibt, die Zeitlupe zu nutzen, wenn die Raumfahrer angeblich den Roten Planeten betreten – dort herrscht schließlich eine andere Gravitation. Ja, so einfach können wir Medienkonsumenten uns veräppeln lassen. In der Folge verlagert sich die Geschichte immer mehr zu Reporter Caulfield, der dem Komplott mit klassischer Detektivarbeit nachspürt. Elliott Gould entwickelt sich mit seiner sympathischen, wortgewandten Art zur heimlichen Hauptfigur des Films.

Hetzjagd durch die Wüste

Im letzten Drittel erfährt „Unternehmen Capricorn“ eine interessante Wendung, die den hoch spannenden und dramatischen Schlussakkord einleitet: Als das Raumschiff nach 259 Tagen im All auf die Erde zurückkehren soll, verglüht beim Eintritt in die Erdatmosphäre der Hitzeschild. Damit hatte auch Kelloway nicht gerechnet. Sein Plan geht schief, der Welt drei strahlende Astronauten und eine vermeintlich erfolgreiche Mission zu präsentieren. Also muss er die Crew nach dem Unglück offiziell für tot erklären. Die drei Männer begreifen schnell, dass sie als Mitwisser ermordet werden sollen. Mit einem Kleinflugzeug gelingt ihnen die Flucht. Treibstoffmangel zwingt sie kurze Zeit später zu einer Notlandung in der Mojave-Wüste. Verfolgt von ihren Widersachern, trennen sich Brubaker, Willis und Walker in unterschiedliche Richtungen. Sie wollen sich zu Fuß in die Zivilisation durchschlagen, um der Welt die Wahrheit zu erzählen.

Auf der Flucht trennen sich die Wege der Astronauten

Hier bekommt ein berühmter Gaststar seinen großen Auftritt: Telly Savalas, der als Doppeldecker-Pilot Albain Elliott Goulds Figur bei der Suche nach den drei Astronauten unterstützt. Die spektakulären Flugeinlagen inklusive Verfolgungsjagd über den Wolken wurden später sogar für Szenen in den TV-Serien „Ein Colt für alle Fälle“ und „Das A-Team“ nochmals genutzt. Dabei kann man sogar darüber hinwegsehen, dass sich Brubaker etwas zu lang am Flügel in luftigen Höhen festhalten kann, ohne in den Tod zu stürzen.

In Verbindung mit dem packenden Score von Jerry Goldsmith ist Peter Hyams mit „Unternehmen Capricorn“ ein überaus abwechslungsreicher Thriller mit namhaften Darstellern gelungen, der trotz einiger Schwächen auf der Figurenebene mitreißt und bestens zu unterhalten weiß – egal, ob man an eine Verschwörung während der Mondlandung glaubt oder nicht.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Peter Hyams sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Überlebenskampf in der Wüste

Veröffentlichung: 8. März 2018 als Blu-ray und DVD, 27. August 2017 als Blu-ray im Steelbook, 3. September 2003 als DVD

Länge: 123 Min. (Blu-ray), 114 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Capricorn One
USA/GB 1977
Regie: Peter Hyams
Drehbuch: Peter Hyams
Besetzung: Elliott Gould, James Brolin, Brenda Vaccaro, Sam Waterston, O. J. Simpson, Hal Holbrook, Karen Black, Telly Savalas, Norman Bartold, David Huddleston
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur Peter Hyams, Featurette „Flights of Fancy“, Featurette „What If …?“, Am Set: In der Wüste, Am Set: Im Studio, englischer Trailer, TV-Spot, Radio-Spot, Super-8-Fassung, Bildergalerie
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos & Packshot: © 2017 Koch Films

 

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Invasion vom Mars (1986) – Die Aliens sind gelandet

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Invaders from Mars

Von Andreas Eckenfels

SF-Horror // Mit einem Einspielergebnis von knapp 77 Millionen Dollar in den US-Kinos landete „Poltergeist“ 1982 auf Platz acht der erfolgreichsten Filme des Jahres. Mit diesem Erfolg empfahl sich Regisseur Tobe Hooper („The Texas Chainsaw Massacre“) nachhaltig für einen Vertrag bei Cannon Films. Für den Verleiher inszenierte Hooper in der Folge „Lifeforce – Die tödliche Bedrohung“ (1985), „The Texas Chainsaw Massacre 2“ (1986) – und das Remake des 50er-Jahre-Klassikers „Invasion vom Mars“.

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David traut seinen Augen nicht

Die Neufassung orientiert sich dabei storymäßig eng am Original: Ein gleißendes Licht reißt den kleinen David (Hunter Carson) aus dem Schlaf. Als er aus seinem Fenster schaut, sieht er ein Raumschiff hinter einem Hügel landen. Seine Eltern beruhigen den Jungen. War alles nur ein Traum? Doch am nächsten Morgen benimmt sich nicht nur sein Vater (Timothy Bottoms) merkwürdig, auch andere Erwachsene und Davids Mitschüler wirken wie fremdgesteuert. Sie alle wollen einen Ausflug zu dem Hügel machen. David folgt ihnen und macht eine grausige Entdeckung …

Der Kalte Krieg ist wieder heiß

Mitte der 80er-Jahre waren dank der „Star Wars“-Saga und „E.T. – Der Außerirdische“ Science-Fiction-Stoffe äußerst beliebt bei den Zuschauern. Auch der Kalte Krieg steuerte auf eine heiße Phase zu. Somit war es naheliegend, die Parabel einer bösen Macht, die auf der Erde landet und die Menschheit unter ihre Kontrolle bringt, wieder zu beleben. Der neue „Invasion vom Mars“ erzählt wie das Original die Geschehnisse aus der Sicht von Kinderaugen.

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Die Marsianer haben ziemlich fiese Zähne …

Doch gerade das schwache Spiel von „David“-Darsteller Hunter Carson ist einer der großen Schwachpunkte des Remakes und trägt nicht gerade zur Glaubwürdigkeit bei. Dem damals knapp zehn Jahre alten Carson, der zuvor seinen ersten Auftritt in Wim Wenders’ „Paris, Texas“ absolviert hatte, nimmt man seine Ängste nie wirklich ab. Erhielt er vielleicht nur deshalb die Rolle, weil er mit seinem blonden Haar dem jungen Mark Hamill ähnlich sah – oder weil er der Sohn von Karen Black („Landhaus der toten Seelen“) ist, die im Film die ihm zur Hilfe eilende Schulschwester Linda spielt?

Fletcher und der Frosch

Egal. Neben Karen Black verpflichtete Hooper mit Timothy Bottoms, James Karen und Oscar-Preisträgerin Louise Fletcher („Einer flog über das Kuckucksnest“) weitere namhafte Darsteller. Für mich unverständlich erhielt Fletcher für ihre Leistung als fiese Lehrerin Mrs. McKeltch in dem Science-Fiction-Abenteuer eine Nominierung für die Goldene Himbeere. Ihre exzentrische Figur gibt es im 53er-Film nicht, sie ist eine der wenigen positiven Zugaben des Remakes. Unvergessen bleibt ihre „Frosch“-Szene, die wohl zahlreiche Jugendliche damals nachhaltig verschreckt haben dürfte.

Soldaten als Komparsen

In der ersten Hälfte merkt man Tobe Hoopers Horror-Hintergrund. Wenn die schutzbefohlenen Erwachsenen langsam aber sicher eine wachsende Bedrohung für David darstellen, wird das zunehmende Grauen wunderbar aufgebaut. Einige Einstellungen, wie die, in der sich David im Kleinbus der Lehrerin versteckt, erinnern an Hoopers frühes Werk „The Texas Chainsaw Massacre“. Doch ebenso wie im Originalfilm wird in der zweiten Hälfte durch den überbordenden Militäreinsatz die Spannung ziemlich kaputt gemacht. Im Remake wurden für diese Szenen 200 echte Soldaten rekrutiert. Im Orginal wurden noch Archivaufnahmen genutzt.

Mit „E.T.“ und den „Critters“

Die Kreaturen aus der Effekteschmiede von Stan Winston sind im Finale der Höhepunkt. Winston war in den 80er-Jahren gut im Geschäft und arbeitete gleichzeitig an „Invasion vom Mars“ und „Aliens – Die Rückkehr“. Das kleine „Superhirn“, welches über einen Arm in die Kommandozentrale getragen wird, sieht ein wenig aus wie ein gequetschter „E.T.“; die weiteren Wesen wirken mit ihren riesigen Mäulern wie übergroße „Critters“. Somit gibt es also hier große Unterschiede zu den menschenähnlichen Aliens mit den übergroßen Köpfen im Originalfilm.

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… und ein Superhirn

Tobe Hoopers Remake fügt bis auf die für die damalige Zeit ordentlichen Spezialeffekte und Alien-Kreaturen kaum Eigenständiges zu dem Stoff hinzu. Die Story wirkt heutzutage arg naiv, wie für ein Familienpublikum inszeniert. Für Fans des Originals baute Hooper wenigstens einige Reminiszenzen ein: Den Polizeichef besetzte er mit Jimmy Hunt, dem Darsteller, der im 53er-Film den kleinen David spielte. Der damalige Marsianerboss ist in Davids Kinderzimmer als Spielzeug zu finden. Zudem wurde Davids Schule nach William Cameron Menzies benannt, dem Regisseur des Originalfilms.

Ansgars Rezension zu „Invasion vom Mars“ (1953) könnt ihr hier lesen. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Tobe Hooper sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 25. September 2014 als Mediabook (inkl. Blu-ray und 2 DVDs), Blu-ray und DVD

Länge: 100 Min. (Blu-ray), 96 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Invaders from Mars
USA 1986
Regie: Tobe Hooper
Drehbuch: Richard Blake, Don Jakoby, Dan O’Bannon
Besetzung: Karen Black, Hunter Carson, Timothy Bottoms, Laraine Newman, James Karen, Bud Cort, Louise Fletcher, Eric Pierpoint
Zusatzmaterial: Originaltrailer, deutscher Trailer, Making-of, Bildergalerie, nur Mediabook: Originalfilm von 1953 in zwei Fassungen sowie deren deutscher und englischer Kinotrailer
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2015 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2015 Koch Media

 

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