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2012 – Supernova: Mal wieder Endzeit-Trash von The Asylum

2012 – Supernova

Von Volker Schönenberger

SF-Katastrophen-Action // Bock auf Trash? Dieses vermeintlich oder tatsächlich unterirdische Segment des Low-Budget-Films eignet sich vorzüglich für Menschen, die Filme gern mit einem Wort als „Rotz“ oder „Müll“ abkanzeln, da Trash genau das bedeutet: Müll (nicht zu verwechseln mit dem Wort Thrash, das verprügeln/verdreschen bedeutet und einem alles niederknüppelnden Metal-Subgenre den Namen gab). Und da ich mich gern mal in die Niederungen des Films begebe, gönne ich mir ab und zu auch fein dosiert einen Trash-Film wie „2012 – Supernova“ (2009). Die titelgebende Jahreszahl verrät jedem Interessierten sogleich, dass wir es mit einem Mockbuster zu tun haben, also einem Abklatsch eines mehr oder weniger aktuellen Kino-Hits, in diesem Fall Roland Emmerichs „2012 – Das Ende der Welt“ (2009). Diese Trittbrettfahrer sind oft mit so geringem Aufwand gedreht, um nicht zu schreiben heruntergekurbelt, dass sie sich zügig produzieren lassen und somit oft schon in den Regalen gelandet sind, noch während das große Vorbild im Kino läuft – im Einzelfall sogar mal früher, so auch in diesem Fall: Während Emmerichs Endzeit-Blockbuster Mitte November weltweit nahezu gleichzeitig in die Kinos kam, war „2012 – Supernova“ bereits ein paar Wochen früher im US-Handel zu finden. Wenn die Kunde einer kommenden Großproduktion in Hollywood die Runde macht, können berüchtigte Trash-Schmieden wie The Asylum eben schnell reagieren.

Bedrohung aus dem Sternbild Leier

The Asylum zeichnet auch für „2012 – Supernova“ verantwortlich, dessen Handlung im Sternbild Leier einsetzt. Ein dort befindlicher Stern hat das Ende seiner Lebenszeit erreicht und explodiert, wird zur Supernova. Teile der dabei freigesetzten energiereichen Strahlung erreichen 200 Jahre später – im Hier und Heute – die Erde. Die Zerstörung eines Satelliten im Orbit bildet das Auftaktsignal der kommenden Katastrophe. Kurz darauf folgen erste Meteoriteneinschläge auf der Erdoberfläche. In hektischer Betriebsamkeit startet die NASA eine Raumfähre – zu welchem Zweck auch immer.

Der Astrophysiker Dr. Brian Kelvin (Brian Krause) wird zur Basis beordert. Mit Ehefrau Laura (Heather McComb) und Teenager-Tochter Tina (Najarra Townsend) ist er dorthin unterwegs, als die drei unvermittelt aus einem anderen Auto heraus von Terroristen mit Maschinenpistolen beschossen werden. In letzter Sekunde retten Sicherheitschef Captain Henreaux (Londale Theus) und seine Leute die Familie. Der NASA und weiteren Wissenschaftlern wie der Chinesin Dr. Kwang Ye (Allura Lee) und dem Russen Dzerzhinsky (Alan Poe) bleiben weniger als fünf Tage, bis die Hauptmasse der Supernova-Überreste die Erde erreichen und alles Leben auslöscht. Ein irrwitziger Plan soll die Menschheit retten: Außerhalb der Erdatmosphäre gezündete Nuklearraketen könnten einen atomaren Schutzschild bilden und so die gefährlichen Teilchen aufhalten.

Der Syrer mag Schusswaffen, der Russe Wodka

Asylum-Produktionen fackeln in der Regel nicht lang, sondern gehen zügig in die Vollen. So auch bei „2012 – Supernova“. Dafür benötigt man offenbar nicht allzu viel Regie-Kompetenz. Der auch als Ko-Autor am Skript beteiligte Regisseur Anthony Fankhauser musste hauptsächlich die Anweisung „Und Action!“ geben. Nuancierte Schauspielerführung in puncto Mimik, Gestik und Dialogen gehört bei The Asylum nicht zu den Anforderungen. Auch Stringenz und Logik sind entbehrlich, ebenso ein durchdachter Spannungsbogen. Stattdessen reihen sich nachvollziehbare bis hanebüchene Einfälle aneinander, von Syrern, die hinter den Atomraketen-Machenschaften Dr. Kelvins Übles vermuten, bis zu einem aus dem Nichts kommenden Tornado. Wenn heftigste Supernova-Ausläufer die Erde erreichen, kann man eben nach Herzenslust fabulieren, da es von einem solchen Ereignis keine Augenzeugen gibt, die glaubhaft bestreiten können, dass dies und jenes dabei geschehen kann. Apropos Syrer: Klischees sind immer gern genommen. Der Araber ist eben potenzieller Terrorist mit lockerem Finger am Abzug, und bei der Einführung des Russen muss dieser natürlich sogleich seine Vorliebe für Wodka preisgeben.

Bier hilft!

Mich wundert immer wieder die große Zahl an Trash-Filmen wie diesem, die Produktionsfirmen wie The Asylum nach wie vor hervorbringt. Außer ihr gibt es ja etliche andere Unternehmen, die einen solchen Film nach dem anderen produzieren. Und das etwa seit der Jahrtausendwende. Schon klar, Trash hat es immer gegeben, das hat nicht erst mit Ed Wood begonnen und bei den Troma-Kultfilmen geendet. Mit dem Auftreten von The Asylum hat die Taktzahl nach meiner Beobachtung enorm zugenommen. Ich selbst schaue diese Machwerke wie erwähnt gelegentlich, aber angesichts der Masse an Veröffentlichungen muss es eine Zielgruppe von Fans geben, die komplett darauf abfährt. Es dürfte sich bei diesen Viel-Trash-Guckern um ein vornehmlich männliches Publikum im Teen- und Twen-Alter handeln (oder doch etwa so alte Säcke wie ich?), die sich vor der Glotze auch gern mit ein paar Kumpels diverse Biere reinpfeifen und besonders gelungene Gags – wahlweise missratene Tricks – womöglich mit einem gepflegten Rülpser kommentieren. Für diese ist auch „2012 – Supernova“ ein gefundenes Fressen. Meine folgende Aufzählung der deutschen Veröffentlichungen des Films erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Veröffentlichung: 28. März 2014 als 2-Disc Special Edition Blu-ray „Weltuntergang 2012“ in Metallbox (mit zwei weiteren Spielfilmen: „2012 – Doomsday“ & „Meteor Apocalypse“, dazu vier Dokus: „Zwischen Leben und Tod – Als die Welt den Atem anhielt“, „Weltuntergang im Jahr 2012“, „Die schlimmsten Katastrophen der Menschheit“ & „Geheimgesellschaften – Verschwörungstheorien der Neuzeit“), 22. März 2013 als Blu-ray und DVD „Space Opera“ (mit zwei weiteren Spielfilmen: „Krieg der Welten 2“ & „Princess of Mars“), 18. Oktober 2012 als Special Edition Blu-ray (Bonusfilm der Doku „Doomsday 2012“ mit weiterem Bonusfilm: „2012 – Doomsday“), 28. Juni 2012 als 2-Disc Special Edition DVD „Weltuntergang 2012“ in Metallbox (Inhalt siehe gleichnamige Blu-ray-Box), 30. April 2012 als Blu-ray und DVD (jeweils 3-Disc-Box „Disaster“ mit zwei weiteren Filmen: „Meteor Apocalypse“ & „Earthquake in Tokio“), 29. April 2010 als DVD

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: 2012 – Supernova
USA 2009
Regie: Anthony Fankhauser
Drehbuch: Anthony Fankhauser, Jon Macy
Besetzung: Brian Krause, Heather McComb, Najarra Townsend, Allura Lee, Alan Poe, Londale Theus, Stephen Schneider
Zusatzmaterial: keine Angabe
Label/Vertrieb 2013/2014: Great Movies GmbH
Label/Vertrieb 2012: Best Entertainment AG („Doomsday 2012“) / Great Movies GmbH („Weltuntergang 2012“)
Label/Vertrieb 2010: HMH Hamburger Medien Haus

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Packshots: © jeweiliges Label

 

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Gewinnspiel: 1 x The Quake – Das große Beben auf Blu-ray

Verlosung

Ein von einem drei Jahre zurückliegenden Tsunami in einem norwegischen Fjord traumatisierter Geologe kommt zu der Erkenntnis, dass in Oslo ein großes Erdbeben kurz bevorsteht. Er soll recht behalten … „The Quake – Das große Beben“ (2018) stellt die Fortsetzung des norwegischen Katastrophenfilms „The Wave – Die Todeswelle“ (2015) dar. Universum Film hat das Werk auf Blu-ray und DVD veröffentlicht und uns eine Blu-ray zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerin oder des kommenden Gewinners.

Teilnahmebedingungen

Zwar bringt es mir Spaß, Filme unter die Leute zu bringen, weil sich die überwältigende Mehrzahl der Gewinnerinnen und Gewinner aufrichtig freut und höflich bedankt. Dennoch geht der Versand etwas ins Geld, zumal „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress). Daher: Auf völlig freiwilliger Basis darf mir jede/r Gewinner/in gern anbieten, das Porto in Höhe von 1,55 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Gebt mir das aber bitte nicht schon im Kommentar mit eurer Antwort bekannt, sondern erst im Gewinnfalle. Ich will nicht in Verdacht geraten, die Sieger danach zuzuteilen.

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 24. Mai 2020, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage im letzten Absatz des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Ich behalte mir vor, Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht für den Lostopf zuzulassen oder ihnen im Gewinnfall nachträglich den Preis abzuerkennen, sofern mir Mehrfachteilnahmen unter Alias-Namen unterkommen. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner/innen werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Die Blu-ray geht an Susanne Weinsanto. Herzlichen Glückwunsch! Du wirst benachrichtigt.

Die Rezension von „The Quake – Das große Beben“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

 

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Erdbeben – Wenn „The Big One“ zuschlägt

Earthquake

Von Volker Schönenberger

Katastrophen-Action // Frühmorgens joggt der Bauingenieur Stewart Graff (Charlton Heston) durch die sonnigen Straßen von Los Angeles. Daheim trainiert der Ex-Footballer noch ein wenig mit dem Expander, streitet sich derweil mit seiner Frau Remy (Ava Gardner), mit der er eine seit langer Zeit lieblose Ehe führt und die – womöglich genau deswegen – gern einen über den Durst trinkt. Als er nach einer Dusche das Haus verlassen will, bemerkt er, dass sie wie leblos auf dem Bett liegt. Eine leere Tablettendose lässt ihn vermuten, dass sie erneut eine Überdosis Pillen eingeworfen hat. Doch als ein Erdstoß das Haus erschüttert, schreckt Remy hoch und wirft sich in Panik in Stewarts Arme – sie hat den Selbstmordversuch nur vorgetäuscht. Erbost sucht er das Weite.

Remy beklagt sich bei ihrem Vater Sam Royce über ihren Ehemann

Auf dem Weg ins Büro schaut Stewart noch bei der jungen Schauspielerin – und Witwe – Denise Marshall (Geneviève Bujold) vorbei, bringt ihrem Sohn Corry (Tiger Williams) einen signierten Football; wenig später erfahren wir, dass Stewart und Denise eine Affäre haben. Remys Vater Sam Royce (Lorne Greene) ist gleichzeitig Stewarts Boss. Er bietet seinem Schwiegersohn an diesem Tag die Leitung des Unternehmens an, doch Stewart erbittet sich Bedenkzeit.

Der Supermarkt-Verkäufer als Stalker

Derweil muss sich der desillusionierte Polizist Lou Slade (George Kennedy) damit abfinden, vom Dienst suspendiert worden zu sein, weil er nach einer wilden Verfolgungsjagd außerhalb der Reviergrenzen einem Kollegen eine gepfeffert hat. Parallel bereitet der Motorradfahrer Miles Quade (Richard „Shaft“ Roundtree) mit seinem Partner Sal Amici (Gabriel Dell) eine spektakuläre Stuntshow vor. Sals vollbusige Schwester Rosa (Victoria Principal, „Dallas“) soll dabei als Blickfang dienen, zeigt sich aber nicht sonderlich erpicht auf den Job. Sie ahnt nicht, dass sie in dem Supermarkt-Verkäufer Jody Joad (Marjoe Gortner) einen Verehrer hat, mit dem sie in Kürze noch üble Erfahrungen machen wird. Jody wird nach dem morgendlichen Erdbeben als Mitglied der Nationalgarde zu seiner Einheit beordert.

„The Big One“ erschüttert Los Angeles

Die kurzen Erdstöße in der Früh hatten bereits fatale Folgen: An der Hollywood-Talsperre (dem Mulholland Dam) ertrinkt ein Aufseher bei einem Kontrollgang, als ein Aufzugschacht voll Wasser läuft. Zwei Wissenschaftler des Seismologischen Instituts Kalifornien sterben, als sie bei Untersuchungen in einem Graben aufgrund von Erdbewegungen verschüttet werden. Dann bricht das Inferno über Los Angeles herein: das große Beben.

Herausragende Tricktechnik

Beeindruckend, welche Illusionen die Tricktechnik auch in vordigitaler Zeit erzeugen konnte. Mit Miniaturen, gemalten Kulissen – sogenannte Matte Paintings – und zwecks ruckelnder Bewegungen auf Rollen montierter Sets versetzt „Erdbeben“ sein Publikum mitten in die titelgebende Naturkatastrophe. Hinzu kamen Kamera-Systeme, die selbst Schüttelbewegungen ausführten und so den Eindruck der Erdstöße verstärkten. Zahlreiche Stunts taten ihr Übriges, das Resultat ist auch fast 45 Jahre später atemraubend. Es wurde seinerzeit in den Kinos akustisch mit dem neuen, wenn auch kurzlebigen Sensurround-Verfahren verstärkt, das besonders tiefe Töne erzeugte. Nur vier weitere Filme kamen mit Sensurround-Ton in die US-Lichtspielhäuser: „Schlacht um Midway“ (1976), „Achterbahn“ (1977), „Kampfstern Galactica“ (1978) und „Mission Galactica – Angriff der Zylonen (1979). „Erdbeben“ erhielt 1975 einen Oscar für den Ton, bei der Verleihung zudem einen „Special Achievement Award“ für die visuellen Effekte. Auch in den Kategorien Kamera und Schnitt war „Erdbeben“ nominiert, unterlag dort aber dem anderen großen Katastrophenfilm des Jahrs 1974, „Flammendes Inferno“, der auch an den Kinokassen die Nase vorn hatte. In der Kategorie „Art Direction – Set Decoration“ schnappte „Der Pate 2“ beiden Filmen den Academy Award weg.

Stewart hat das Bürogebäude erreicht …

Die Beziehungen der Figuren sind spannend genug geraten, ihre Entwicklung dient aber natürlich letztlich nur dazu, auf den Höhepunkt hinzusteuern – das große Beben. Immerhin interessiert man sich ausreichend dafür, wer überlebt und wer nicht. Legendär ist natürlich der Gastauftritt von Walter Matthau als Schnapsdrossel in der Kneipe. Der Gute hat kaum Text, lallt lediglich ab und zu den Namen einer berühmten Persönlichkeit hinaus, dem er zuprostet. Im Abspann war Matthau als Walter Matuschanskayasky genannt – Auslöser des sich hartnäckig haltenden, aber falschen Gerüchts, er hieße tatsächlich so. Matthau war Mitte der 1970er-Jahre schon ein großer Star, der derlei Minirollen nicht nötig hatte; er übernahm den Part, um dem Produzenten Jennings Lang einen Gefallen zu tun, mit dem er gut befreundet war.

Langfassung fürs US-Fernsehen

Für die US-Fernsehpremiere zwei Jahre nach dem amerikanischen Kinostart wurde „Erdbeben“ um eine satte halbe Stunde verlängert. An sich für den neuen „Big Events“-Sendeplatz von NBC vorgesehen, der inklusive Werbung auf zwei Stunden angelegt war, war die Kinofassung dafür mit knapp über zwei Stunden Nettolaufzeit deutlich zu lang. Dank der Verlängerung des Films machte der Sender aus der Not eine Tugend und die als Großereignis konzipierte und beworbene Ausstrahlung zum Zweiteiler.

… und beteiligt sich daran, die Menschen abzuseilen

Dabei wurden ein paar Szenen eingebaut, die beim Schnitt der Kinofassung der Schere des Cutters zum Opfer gefallen waren, so etwa die Einleitung, in der ein Sprecher die San-Andreas-Verwerfung thematisiert. Dabei handelt es sich um eine tektonische Transformstörung, an der die Pazifische Platte auf die Nordamerikanische Platte trifft. Die San-Andreas-Verwerfung wird für die seismischen Aktivitäten und Erdbeben in Kalifornien verantwortlich gemacht, darunter auch das Erdbeben von San Francisco 1906 mit mehr als 3.000 Toten. In Kalifornien wird seit etlichen Jahrzehnten befürchtet, ein neues großes Beben werde die Katastrophe vom Beginn des 20. Jahrhunderts noch übertreffen. Wann kommt „The Big One“?

Derweil sucht Denise ihren Sohn …

Den Großteil der zusätzlichen Szenen machten allerdings neue Sequenzen aus, die ohne Mitwirkung von Regisseur Mark Robson gedreht wurden. Am auffälligsten ist ein vollständig neuer Handlungsstrang um die jungen Eheleute Kathie und Tony (Debralee Scott, Sam Chew), die sich auf dem Flug nach Los Angeles befinden. Tony hofft darauf, von Stewart Graff einen lukrativen Job angeboten zu bekommen. Kathie legt während des Flugs die Karten und erkennt nahendes Unheil. Ihr Passagierflugzeug setzt ausgerechnet während des Erdbebens zur Landung auf dem Los Angeles International Airport an. Ich hätte darauf gut verzichten können, zumal Bild und Ton der Kinofassung auf der Blu-ray im capelight-Mediabook deutlich besser sind als bei der TV-Fassung. Obendrein ist das 2.35:1-Breitbild dem 1.33:1-Fernsehformat vorzuziehen, zudem wurde der Film fürs Fernsehen minimal entschärft, also zensiert, so etwa um ein paar Schimpfwörter. Auch ein – allerdings ohnehin überaus künstlich aussehender und eher als blutiger Gag wirkender – Blutschwall am Ende einer Szene im Fahrstuhl wurde entfernt. Die genauen Unterschiede zwischen Kino- und Fernsehfassung finden sich im Schnittbericht.

… und begibt sich dabei in Lebensgefahr

Regisseur Mark Robson (1913–1978) begann seine Laufbahn unter dem Produzenten Val Lewton mit den vier bemerkenswerten Arbeiten „The 7th Victim“ (1943), „The Ghost Ship“ (1943), „Isle of the Dead“ (1945) und „Bedlam“ (1946). Mystery-Thriller und Horror – komplett anderer Stoff als „Erdbeben“, gleichwohl außergewöhnlich und sehenswert. Für „Glut unter der Asche“ (1957) und „Die Herberge zur sechsten Glückseligkeit“ (1958) war Robson Oscar-nominiert. „Erdbeben“ war seine vorletzte Regiearbeit. Kurz nach der Fertigstellung von „Lawinenexpress“ (1979) starb er, der Actionthriller mit Lee Marvin und Robert Shaw kam posthum in die Kinos.

Mediabook von capelight pictures

capelight pictures hat das Mediabook von „Erdbeben“ mit zwei Blu-rays und einer DVD bestückt, wobei sich auf der zweiten Blu-ray die TV-Fassung befindet. Diese lediglich mit englischer Originaltonspur in Stereoton, da die zusätzlichen Szenen nie ins Deutsche synchronisiert worden sind. Deutsche Untertitel lassen sich zuschalten. Bei der Kinofassung lässt sich die englische Version sogar mit Sensurround-Ton auswählen. Wie das im Heimkino klingt, darüber kann ich mangels Surround-Anlage leider keine Auskunft erteilen – Asche auf mein Haupt. Das Bonusmaterial auf den Discs enthält drei interessante Featurettes. Im gewohnt schmuck layouteten und bebilderten Booklet findet sich ein kenntnisreicher Text zu „Erdbeben“. Darin geht der Autor zu Beginn auch auf die Erfolgswelle der 70er-Jahre-Katastrophenfilme ein, die im Gegensatz zum seit Mitte der 60er aufgekommenen New Hollywood stand. Auch wenn es langsam langweilig wird: Wie immer reckt sich der Daumen auch bei dieser capelight-Veröffentlichung steil nach oben.

Cop Lou Slade verpflichtet Stewart …

Nichts gegen den mit massiver CGI-Unterstützung entstandenen „San Andreas“ (2015) mit Dwayne Johnson – der Reißer hat mir ebenfalls Spaß gemacht. Die Erdbeben-Referenz aber bleibt – genau – „Erdbeben“.

… als Helfer

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Mark Robson haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Ava Gardner unter Schauspielerinnen, Filme mit George Kennedy, Charlton Heston und Walter Matthau in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 20. März 2020 als Limited 3-Disc Edition Mediabook (2 Blu-rays & DVD), und DVD, 4. Juli 2013 als Blu-ray, 31. Mai 2012 und 16. Juni 2003 als DVD

Länge: 152 Min. (Blu-ray, TV-Fassung), 122 Min. (Blu-ray, Kinofassung), 117 Min. (DVD, Kinofassung)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch (TV-Fassung nur Englisch)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Earthquake
USA 1974
Regie: Mark Robson
Drehbuch: George Fox, Mario Puzo
Besetzung: Charlton Heston, Ava Gardner, George Kennedy, Lorne Greene, Geneviève Bujold, Richard Roundtree, Marjoe Gortner, Barry Sullivan, Lloyd Nolan, Victoria Principal, Walter Matthau, Monica Lewis, Gabriel Dell, Pedro Armendáriz Jr., Lloyd Gough, Debralee Scott, Sam Chew, Tiger Williams
Zusatzmaterial Mediabook: 3 Featurettes: „Scoring Disaster – The Music of Earthquake“ (16:42), „Painting Disaster – The Matte Art of Albert Whitlock“ (10:36), „Sounds of Disaster – Ben Burtt Talks about Sensurround“ (11:20), alle Szenen der TV-Fassung, zusätzliche/entfallene TV-Szenen, Original Kinotrailer, Original TV-Spot, 24-seitiges Booklet
Label Mediabook: capelight pictures
Vertrieb Mediabook: Al!ve AG
Label/Vertrieb Blu-ray & DVD: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & oberer Packshot: © 2020 capelight pictures

 

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