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Wider die Doppelresidenz-Gegner

Muetterlobby-Pamphlet

Replik auf eine Wechselmodell-Schmähschrift der Mütterlobby

Familie // Doppelresidenz – was ist das? Ganz einfach: Kinder, die nach der Trennung ihrer Eltern im Doppelresidenzmodell aufwachsen, leben nach einem bestimmten, festgelegten oder flexiblen Turnus in zwei Hauptwohnsitzen (nicht melderechtlich, aber de facto), zum einen bei der Mutter, zum anderen beim Vater. Dieses Modell wird auch – etwas ungenauer, aber prägnanter – Wechselmodell genannt. Dem Doppelresidenzmodell gegenüber steht das Residenzmodell, bei dem das Trennungskind nur einen Lebensmittelpunkt hat – mehrheitlich bei der Mutter – und das andere Elternteil deutlich seltener sieht, bisweilen nur an jedem zweiten Wochenende plus Urlaub, in vielen Fällen kaum noch oder überhaupt nicht mehr.

Im Oktober 2013 hat ein Verein namens Mütterlobby e. V. ein Schriftstück veröffentlicht, das sich mit den Vor- und Nachteilen – vornehmlich den Nachteilen – des Doppelresidenzmodells für Trennungskinder befasst. Es trägt den Titel Das Betreuungswechselmodell – neuer Trend im Familiengericht und zieht das Fazit, das Modell dürfe überhaupt keinen Eingang in die Rechtsprechung bekommen.

Fachbuch von Hildegund Sünderhauf wird vollständig ignoriert

Sonderbar an diesem Schriftstück ist allein die Tatsache, dass darin ein zwei Monate zuvor veröffentlichtes Buch nicht vorkommt: Im August 2013 hat die Nürnberger Juristin Prof. Dr. Hildegund Sünderhauf ein Standardwerk mit dem Titel Wechselmodell: Psychologie – Recht – Praxis – Abwechselnde Kinderbetreuung durch Eltern nach Trennung und Scheidung vorgelegt. Dieses mehr als 900 Seiten fassende Buch beleuchtet sowohl juristische als auch psychologische Aspekte des Doppelresidenzmodells, fasst den aktuellen Forschungsstand zusammen und ist als klares Plädoyer dafür zu werten.

Selbstverständlich sind andere Meinungen legitim, niemand ist gezwungen, Frau Sünderhaufs Auffassungen zu folgen. Wer allerdings im Oktober 2013 ein Plädoyer gegen das Modell veröffentlicht und dieses zu dem Zeitpunkt in allen beteiligten Institutionen heiß diskutierte Buch dabei so konsequent ignoriert, wie es die Mütterlobby in ihrem Schriftstück tut, disqualifiziert sich allein dadurch als ernstzunehmender Gesprächspartner zum Thema. Im Klartext: Weder Frau Sünderhauf noch ihr Buch werden in dem Positionspapier der Mütterlobby an irgendeiner Stelle auch nur erwähnt.

Aber da es zum einen sinnvoll ist, die Argumente seiner Gegner zu kennen, und zum anderen nicht auszuschließen ist, dass der Mütterlobby-Text bedenkenswerte Ansätze enthält, will ich mich trotzdem ausführlich damit auseinandersetzen. Besser spät als nie – seit Ende 2013 hat sich in meinem Leben so viel ereignet, dass ich nun erst wieder dazu gekommen bin, mich mit dem Positionspapier zu befassen.

Als würden Kinder im Wechselmodell umziehen

Der Text beginnt mit der Anmerkung, es sei eine merkwürdige Vorstellung, jede Woche den Wohnort zu wechseln, die Tasche zu packen und mehrmals im Monat umzuziehen. Es geht also sofort mit einer schlicht falschen Darstellung los. Kinder im Wechselmodell ziehen nicht um! Sie leben bei Mama und bei Papa und schlafen mal unter dem einen Dach, mal unter dem anderen. Sie leben in zwei Kinderzimmern. Verlassen sie für eine Weile das eine, um im anderen zu spielen, zu lernen und zu schlafen, so ist das kein Umzug. Diese Kinder müssen auch keineswegs regelmäßig Koffer packen, weil bei Wechselmodell-Eltern in der Regel beide Wohnsitze mit allen für die Kinder wichtigen Dingen ausgestattet sind, inklusive vollwertiger Kinderzimmer. Bei meinen Zwillingstöchtern sind außer den Schulsachen und der Kleidung am Leibe lediglich die Kuscheltiere existenziell. Da wird nicht gepackt!

Für Trennungskinder ist vieles merkwürdig

Aber in der Tat: Es ist eine merkwürdige Vorstellung. Sie ist ebenso merkwürdig wie die Vorstellung, dass ein Kind von heute auf morgen nicht mehr mit seinem Papa (oder seiner Mama) unter einem Dach lebt. Sie ist ebenso merkwürdig wie die Vorstellung, dass ein Kind womöglich nur zweimal im Monat für zwei oder drei Tage mit seinem Papa (oder seiner Mama) unter einem Dach schläft. Sie ist ebenso merkwürdig wie die Vorstellung, dass ein Kind seinen Papa nach der Trennung der Eltern womöglich gar nicht mehr trifft, weil die Mama mit Sack und Pack in eine andere Stadt gezogen ist, um den Kerl aus ihrem eigenen Leben und dem Leben ihres Kindes zu verbannen, oder weil der Papa keinen Grund sieht, sich um seinen Nachwuchs zu kümmern (beides gleichermaßen verwerflich). Sie ist ebenso merkwürdig wie die Vorstellung, dass ein Kind ein Elternteil womöglich überhaupt nicht kennt.

Trennungen der Eltern sind für das kindliche Gemüt ein merkwürdiger und traumatischer Einschnitt. Welche Trennungsfolgen und Umgangsformen für Kinder merkwürdiger sind als andere, darüber sollte ein Verein mit dem bezeichnenden Namen Mütterlobby ganz sicher nicht die Deutungshoheit haben.

Vor der Trennung gleich nach der Trennung?

Die Mütterlobby argumentiert in der Folge, da doch vor der Trennung in den meisten Beziehungen der Mutter der Hauptanteil der Betreuung obliege, sei es recht und billig, dass dies auch nach der Betreuung der Fall ist. Auch dies ist erst einmal nur eine unbelegte Behauptung, zitiert nach Malte Welding, einem Journalisten der Berliner Zeitung. Dann will ich dem Verein die an sich selbstverständliche Pflicht korrekter Quellenangabe mal nehmen und den Beitrag selbst verlinken.

Welding fragt in seinem Artikel: Wenn es aber kein Problem für das Kindeswohl ist, wenn der Nachwuchs während der Ehe ausschließlich von der Mutter erzogen wird, warum ist dann nach der Trennung auf einmal der Vater unerlässlich?

Es ist eine rhetorische Frage, die sich die Mütterlobby flugs zu eigen gemacht hat. Sie ist jedoch polemisch. Es soll vorkommen, dass selbst in Familien, in denen der Vater das Einkommen vollständig beisteuert und die Mutter überhaupt nicht berufstätig ist, der Vater seine Kinder miterzieht und eine tiefe Beziehung aufbaut. Zwar mag bei dieser Aufgabenverteilung die Beziehung der Mutter zu den Kindern intensiver sein. Aber ist das ein Argument, dies nach der Trennung zwangsläufig beizubehalten?

Nach der Trennung die Karten neu mischen

Ein Vater mit Vollzeit-Arbeitswoche sieht seine Kinder in der Regel dennoch oft täglich. Ein Trennungsvater mit zwei Besuchs-Wochenenden pro Monat hingegen … Ein Trennungsvater, dessen Ex-Partnerin mit den Kindern womöglich in einen anderen Ort gezogen ist … Will sagen: Nach der Trennung werden die Karten neu gemischt. Es ist unstrittig, dass eine intakte und tiefe Beziehung der Kinder zu beiden Elternteilen die traumatischen Trennungsfolgen abmildert. Dem ist Rechnung zu tragen – von Müttern wie von Vätern. Das muss nicht zwangsläufig in ein 50:50-Doppelresidenzmodell münden. Auch eine nicht ganz paritätische Verteilung mag die Lösung sein, sogar ein Residenzmodell, wenn denn gewährleistet ist, dass das Elternteil ohne Hauptumgang ausreichend Anteil am Leben der Kinder hat – es ist selbst ebenso in der Pflicht, dafür zu sorgen, wie das andere Elternteil in der Pflicht ist, das zuzulassen und zu fördern. Das Doppelresidenzmodell aber von vornherein abzulehnen, wie die Mütterlobby es mit der fadenscheinigen Einschränkung im Falle der Ablehnung eines Elternteils tut (dazu später mehr), ist schlicht unseriös.

Es geht ums liebe Geld

Die Mütterlobby beschäftigt sich in der Folge mit den Finanzen und fragt: Wer profitiert vom Wechselmodell? Der gesamte Absatz entlarvt die Intention: Der Vater soll zahlen, die Mutter das Geld einsacken. Lobbyismus in Reinkultur, so arbeiten nun mal Lobbyisten. Ich will gar nicht auf die genannten Zahlen eingehen, sie mögen korrekt sein. Profitieren von Leistungen zum Kindesunterhalt sollen einzig und allein die Kinder. Die Mütterlobby jedoch schreibt tatsächlich von Beträgen, die der Mutter hingegen fehlen. Ja, wo sind wir denn? Seit wann ist Kindesunterhalt Geld der Mutter? Wenn der Vater seinen Anteil am Kindesunterhalt leistet, indem er die Kinder selbst betreut und dafür eine Wohnung mit Kinderzimmer bereitstellt, die Kinder ernährt und einkleidet und sich mit der Mutter darüber hinaus anfallende Sonderausgaben teilt (Fahrräder, Schulranzen, Klassenreisen seien beispielhaft genannt), ist doch alles in Ordnung?! Wo fehlt dann der Mutter Geld?

Für manche Mütter überraschend: die Pflicht zur Erwerbstätigkeit

Die Mütterlobby ignoriert in diesem Zusammenhang ein Urteil des Bundesgerichtshofs von 2011, nach dem auch Alleinerziehenden Vollzeitarbeit zumutbar ist, sobald das Kind das dritte Lebensjahr vollendet hat. Das mutet zwar etwas hart an, wenn es dem Elternteil ohne Hauptbetreuung (mehrheitlich der Vater) doch viel leichter fällt, in Vollzeit zu arbeiten. Aber wenn nun der Vater schon die Betreuung in Form des Wechselmodells anbietet und es damit seiner Ex-Partnerin erleichtert, in Vollzeit zu arbeiten – was ist dagegen einzuwenden?

Weiter im Text, ich zitiere aus dem Mütterlobby-Positionspapier: Das Wechselmodell ist für beide Familienteile gesamt gesehen deutlich teurer als das Residenzmodell.

Keine Frage, zwei Kinderzimmer für ein Kind sind teurer als eines. Einige – nicht alle – Ausstattungsteile werden doppelt angeschafft werden müssen. Der Vergleich ist aber als Argument gegen das Doppelresidenzmodell unzulässig. Wenn es sich denn für das Trennungskind im individuellen Fall als bestmögliche Umgangsregelung herauskristallisiert, wer will dann ernsthaft die Kosten als Gegenargument heranziehen? Es entsteht der Verdacht, der Mütterlobby gehe es nur um die Mütter, weniger um die Kinder.

Düsseldorfer Tabelle kritisch hinterfragen

Frage am Rande: Wie soll ein Vater, der sein Kind zu beispielsweise 30 Prozent bei sich betreut, aber der Mutter den vollständigen Kindesunterhalt gemäß Düsseldorfer Tabelle zahlen muss, in seiner Wohnung ein vollwertiges Kinderzimmer finanzieren? Dass die Düsseldorfer Tabelle nicht zeitgemäß ist und dringend der Überarbeitung wenn nicht gar Abschaffung bedarf, ist ein Thema für sich.

Das Positionspapier zitiert im Kontext der Finanzen Prof. Dr. Kirsten Scheiwe von der Universität Hildesheim. Allerdings nennt die Wissenschaftlerin eine Grundlage ihrer Argumentation, die fragwürdig erscheint: Regelungen des Steuer- und Sozialrecht passen nicht zum ‚Wechselmodell‘, wenn davon ausgegangen wird, dass das Kind nur einen ‚Lebensmittelpunkt‘ haben kann und sich nur bei einem Elternteil in Obhut befinden kann. Woher hat Frau Scheiwe diese Erkenntnis? Ich räume ein: Sie ist nicht die Einzige, die so denkt. Eine Begründung wird dabei selten mitgeliefert.

Zwei Lebensmittelpunkte – warum nicht?

Es ist mitnichten davon auszugehen, dass das Kind nur einen Lebensmittelpunkt haben und sich nur bei einem Elternteil in Obhut befinden kann. Wie wäre es, wenn man einfach mal von gar nichts ausgeht und ohne Scheuklappen schaut, was wirklich geht? Weshalb soll ein Kind nicht zwei Lebensmittelpunkte haben und sich bei beiden Elternteilen in Obhut befinden können? Ob das Doppelresidenzmodell eine Lösung ist, hat stets eine Einzelfallbetrachtung zu ergeben und keine pauschale Ablehnung.

Kommen wir zu Annika S.: Im Positionspapier schildert sie ihre Situation. Der Vater ihrer Kinder verdiene 15 Mal mehr als sie. Sie selbst schufte sich ab, könne nur gebrauchte Sachen kaufen, während bei Papa die Jacke auch schon mal 300 Euro kosten dürfe. Urlaubsflüge seien nur mit Papa möglich.

Die ominöse Annika S.

Wer ist diese Annika S.? Ist sie ein Mensch aus Fleisch und Blut, Mitglied der Mütterlobby? Ist sie ein fiktiver Einzelfall, ersonnen aus Schilderungen vieler Mitglieder des Vereins und damit repräsentativ? Es bleibt das Geheimnis der Mütterlobby.

Gegenbeispiel: Thomas S. Er betreibt mit der Mutter seiner Kinder das Doppelresidenzmodell und verdient deutlich mehr als sie. Daher trägt er selbstverständlich stärker zum Unterhalt der Kinder bei als seine Ex-Partnerin, indem er ihr monatlich einen Betrag x als Barunterhalt für die Kinder überweist – zusätzlich zu der Unterhaltsleistung, die er erbringt, indem er die Kinder versorgt, wenn sie bei ihm sind, inklusive Kinderzimmer, Ernährung, Kleidung etc. Gelegentlich muss Thomas mehr arbeiten, daher sind seine Kinder im Einzelfall auch mal einen Tag länger bei ihrer Mutter. Deshalb ist es für ihn selbstverständlich, dass er bei Sonderausgaben großzügig ist. Die Fahrräder beispielsweise hat er vollständig bezahlt, auch die Schulranzen.

Lügen beim Thema Kindesunterhalt

Wer ist dieser Thomas S.? Ganz einfach: Ich hab’ ihn mir ausgedacht. Gibt es Väter wie ihn? Sicher, daran besteht kein Zweifel. Was den zusätzlichen Barunterhalt angeht, besteht übrigens ebenfalls kein Zweifel: Er wird im Doppelresidenzmodell vom besserverdienenden Elternteil geleistet. So ist die Rechtslage: Selbst wenn es ein Doppelresidenzmodell mit einer Aufteilung der Betreuung von 50:50 gibt, so hat das besserverdienende Elternteil dennoch einen finanziellen Ausgleich zu leisten. Sonderbar, dass man davon im Positionspapier der Mütterlobby nichts liest. Im Gegenteil, besagte Annika S. darf schreiben: Durch das Wechselmodell muss er keinen Unterhalt zahlen. Das ist schlicht gelogen.

Von Gutachtern an Familiengerichten

Im Anschluss an die tendenziöse und wahrheitswidrige Stellungnahme von Annika S. – sei die Dame nun fiktiv oder real – beleuchtet die Mütterlobby die „Situation vor dem Familiengericht“. Scharf kritisiert wird hier das Problem der Gutachter, die in der Regel weder kinderpsychologisch ausgebildet noch überhaupt ausreichend qualifiziert seien. Dennoch würden sich die Richter in ihren Entscheidungen zu etwa 80 Prozent darauf beziehen.

Erneut wird ein Einzelfall beleuchtet: der von Sabine A. Erneut bleibt offen, ob diese Sabine A. tatsächlich existiert. Was der Fall von Sabine A. bezüglich des Wechselmodells belegen soll, bleibt vage. Es geht um eine Gutachterin, die dem Gericht entgegen aller Erkenntnisse in diesem Einzelfall ein Wechselmodell empfahl. Was jedoch ein fragwürdiges Gutachten mit dem Für und Wider der paritätischen Doppelresidenz zu tun haben soll, bleibt offen.

Gutachter sind doof, holen wir uns Gutachter

Komplett absurd gerät das Ganze, wenn die Mütterlobby zwar das Gutachter- und Sachverständigenwesen an deutschen Familiengerichten in Bausch und Bogen verdammt, dann aber auf den folgenden 16 Seiten einen Fachartikel zweier Sachverständiger gegen das Wechselmodell veröffentlicht, noch dazu zweier Sachverständiger der GWG – Gesellschaft für wissenschaftliche Gerichts- und Rechtspsychologie München, einer Einrichtung, die schon mehrfach kritisch im Licht der Öffentlichkeit stand, etwa 2008 und 2012.

So ist es eben mit den Gutachten – man kann sich nach Gusto eines mit dem gewünschten Inhalt suchen und sich einen Teufel darum scheren, dass anderswo – etwa bei Frau Sünderhauf – viel mehr Erkenntnisse zusammengetragen worden sind, auch beispielsweise zum Thema des gegen den Willen eines Elternteils angeordneten Wechselmodells.

Das angeordnete Wechselmodell – ein heikles Thema

Dieser Aspekt hat zweifellos besonderes Augenmerk verdient: Wie kann ein paritätisches Doppelresidenzmodell gelingen, wenn sich ein Elternteil so sehr dagegen sträubt, dass es gerichtlich dazu gezwungen werden muss? Das werde ich zu gegebener Zeit einmal gesondert beleuchten.

Neuer Trend an Familiengerichten?

Die Mütterlobby behauptet, es zunehmend zu beobachten, wie das Wechselmodell verordnet wird. In der Tat gibt es ein paar aktuelle Beschlüsse, die das zu bestätigen scheinen, etwa von den Amtsgerichten in Duisburg, Erfurt und Heidelberg. Aber ist das schon ein Trend? Und wenn es einer ist: Ist es ein positiver oder negativer Trend? Ein Schriftstück eines derart einseitig agierenden und argumentierenden Lobbyisten-Verbands wie der Mütterlobby gibt jedenfalls keinen Hinweis darauf, dass ein solcher Trend negativ zu bewerten ist.

Geld für die Mutter – darum geht es der Mütterlobby

Zum Abschluss des Positionspapiers kommt die Mütterlobby noch einmal auf das liebe Geld zu sprechen: Durch den ausbleibenden Kindesunterhalt muss die Mutter nun je nach Finanzlage des Vaters wesentlich mehr netto verdienen. Offen bleibt einmal mehr, weshalb das ein Argument gegen die paritätische Doppelresidenz sein soll. Wenn dieses Modell nun mal dazu führt, dass das Kind eine intensive und gleichberechtigte Beziehung zu beiden Elternteilen führen kann, dann haben beide Elternteile gefälligst jeden Einsatz dafür zu bringen, wenn sie es schon nicht hinbekommen haben, ein gemeinsam glückliches Elternpaar zu sein.

In ihrem Fazit fordert die Mütterlobby, das Wechselmodell dürfe überhaupt keinen Eingang in die Rechtsprechung bekommen. Nun, glücklicherweise hat es das bereits, wie die oben verlinkten Beschlüsse belegen. Ganz am Ende propagiert die Mütterlobby dann noch: Glückliche Kinder brauchen glückliche Eltern! Gemeint sind mit Eltern aber offenbar nur die Mütter. Auch Väter werden unglücklich, wenn ihre Kinder anderswo leben – das darf jedenfalls auch mal gesagt werden, wie es beispielsweise Andrea Micus in „Väter ohne Kinder – Was für Männer nach einer Trennung auf dem Spiel steht“ tut. Bei einem Verein mit dem Namen Mütterlobby können wir wohl annehmen, dass ihre Mitglieder und Funktionärinnen Trennungskinder ohnehin bei der Mutter verorten und den Vater als Elternteil zweiter Klasse ausmachen. Und dass dieser Verein in irgendeiner Form das Glück der Kinder im Fokus hat, darf bezweifelt werden.

Abschließend verweise ich auf eine weitere, schon etwas ältere Stellungnahme zum Positionspapier der Mütterlobby, in der Lutz R. Bierend in seinem Blog fatherleft die Argumente dieses Pamphlets – man kann es nicht anders nennen – trefflich auseinandergenommen hat.

Copyright 2015 by Volker Schönenberger

 
8 Kommentare

Verfasst von - 2015/09/06 in In eigener Sache

 

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Battle for Skyark – Dystopie in preiswert

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Battle for Skyark

Gastrezension von Matthias Holm

Science-Fiction // Es war nur eine Frage der Zeit: Nachdem die Jugend-Dystopien trotz Rückschlägen wie „Hüter der Erinnerung“ mit der „Die Tribute von Panem“-Reihe oder auch mit „Maze Runner – Die Auserwählten im Labyrinth“ an den Kinokassen Erfolge feiern konnten, kommt mit „Battle for Skyark“ nun der erste Low-Budget-Vertreter dieses Genres.

Waisenkinder blieben zurück

Die Menschheit hat die Erde mehrheitlich verlassen. Sie ist nach Skyark gezogen, einer riesigen Stadt in der Umlaufbahn des Blauen Planeten. Doch nicht alle haben das Privileg, in Skyark zu wohnen: Waisenkinder zum Beispiel wurden auf der Erde zurückgelassen. Das schmeckte nicht allen, doch Aufständische wurden hart bestraft: Ihre Kinder werden für jede Sünde, die sie begangen haben, mit einem schwarzen Tatoo auf dem Arm gekennzeichnet und zum Sterben auf die Erde geschickt – dort leben inzwischen grausige Monster. Eines Tages kommt Rags (Caon Mortenson) auf die Erde. Sofort wird er von den überlebenden Kindern feierlich empfangen – unter ihnen geht die Legende, dass ein Junge mit 13 Zeichen am Arm ihnen die Freiheit bringen wird. Und Rags’ Vater hat 13 Sünden begangen …

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Über der Erde thront Skyark

„Battle for Skyark“ ist über weite Strecken ein ärgerlicher Film. Ich vermeide das Wort schlecht, denn er birgt viel Potenzial: Die Grundidee ist vielversprechend, während der Filmhandlung gibt es die eine oder andere nette Wendung und Skyark sieht, wenn die Kinder mal zum Himmel sehen, toll getrickst aus. Leider reicht das nicht für einen guten Film.

Zu wenig Skyark in „Battle for Skyark“

Wer hofft, mehr als nur ein paar Sekunden von der Stadt im Orbit zu sehen, wird enttäuscht. In „Battle for Skyark“ geht es nie um Skyark, sondern um das Überleben der Kinder auf der Erde. Die Schauspieler wirken durchweg recht hölzern – das ist in Ordnung für ihr Alter, aber bessere Darsteller hätten dem Film eine größere emotionale Fallhöhe geben können.

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Mit dieser Kapsel kommen die Kinder zur Erde

Die fehlt nämlich komplett. Auch wenn es um den Überlebenskampf in den Überresten der Zivilisation geht, ist dem Zuschauer das recht egal. Ich war sogar eher erleichtert, dass relativ früh im Film die kleinsten Kinder aus dem Film verschwinden – man mag mich für grausam halten, aber die wenige Zeit, die sie auf dem Schirm waren, haben diese Figuren genervt.

Zum Monster werden

Trotz seiner moderaten Länge ist der Film zudem zäh wie Kaugummi. Rags’ Wandlung vom normalen Teenager zum Kämpfer für die richtige Sache dauert viel zu lange. Und die Moral am Ende? „Um Monster zu bekämpfen, musst du selbst zum Monster werden.“ Na vielen Dank auch.

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Rags soll zum Erlöser werden

Stichwort „bekämpfen“: Die Kämpfe haben etwas Tölpelhaftes. Das ist sogar als Kompliment gemeint – immerhin kämpfen hier Teenager. Aber warum bleibt Rigs’ Schwert auch nach dem Durchbohren einer Kehle komplett frei von Blut? Ob ein höherer Gewaltgrad den Film aufgewertet hätte, bleibt zu bezweifeln – geschadet hätte es allerdings nicht.

„Battle for Skyark“ leidet einfach zu sehr unter seinem geringen Budget und dramaturgischen Mängeln. Simon Hung sollte vielleicht als nächstes versuchen, das Drehbuch eines anderen Schreibers umzusetzen. Talent hat der Mann bei seinem Langfilmdebüt bewiesen, es gibt ausreichend Szenen, die schön fotografiert und atmosphärisch sind. Und vielleicht kommt ja auch so genügend Geld für die am Ende angeteaserte Fortsetzung zusammen, dann bitte auch endlich auf Skyark. Bis dahin können wir uns nach „Elysium“ begeben.

Veröffentlichung: 9. Juni 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 88 Min. (Blu-ray), 85 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Battle for Skyark
USA 2015
Regie: Simon Hung
Drehbuch: Simon Hung
Besetzung: Caon Mortenson, Garret Coffey, Taylor Coliee, Luke Davis, Chantal Thuy
Zusatzmaterial: Die Welt von „Battle for Skyark”, Interviews, Trailer, Wendecover
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

Copyright 2015 by Matthias Holm

Fotos, Packshots & Trailer: © 2015 Ascot Elite Home Entertainment

 
 

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Speak No Evil – Kinder, Kinder …

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Speak No Evil

Die Sefarwiter verbrannten ihre Kinder als Opfer für ihren Sonnengott Adramelech. (2. Buch der Könige 17.31)

Horror // Ein Mädchen in der Provinz schaut beunruhigt aus dem Fenster. Die Sorge ist berechtigt: Aus dem sandigen Boden schält sich ein finsteres Wesen, das ins Haus eindringt. Joey (Olivia Cavender) verschwindet spurlos. Ihre Mutter Anna (Gabrielle Stone) hatte sich derweil mit ihrem neuen Liebhaber Creighton (Carl Jensen) vergnügt und muss sich von der Polizei und ihrem Ex-Mann Dale (Mario Guzman) erst einmal Vorwürfe wegen Vernachlässigung gefallen lassen. Doch Joey ist nicht das einzige verschwundene Kind.

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Die Kinder kehren zurück …

„Speak No Evil“ hat seine beklemmenden Momente – und gar nicht mal so wenige. Gleich zu Beginn wird klar, dass wir es mit einem Dämonenfilm zu tun haben. Die Kreatur aus dem Erdreich entfaltet in der Eingangsszene ihre beängstigende Wirkung, taucht dann allerdings kaum noch auf. Atmosphärisch gut funktionieren auch eine Exorzismus-Sequenz und ungebildete Provinzler, die sich nicht anders zu helfen wissen als mit Verrohung, obgleich es in der Hinsicht auch etwas zu meckern gibt (siehe unten). Auch etwas gesplattert wird, und das gar nicht schlecht.

Zur Spoiler-Vermeidung einen Absatz überspringen

Viel mehr will ich gar nicht verraten, zwei Filme seien als Referenz herangezogen, deren Nennung allerdings viel andeutet, daher die Spoiler-Warnung: Drehbuchautor und Regisseur Roze (wieso heißt der so?) dürfte „Das Dorf der Verdammten“ und „Ein Kind zu töten …“ bzw. deren Remakes gesehen haben, auch wenn er deren Intensität nie erreicht. Die Szenen mit den Kindern hat er allerdings recht virtuos inszeniert, sowohl visuell als auch in Bezug auf das Sounddesign.

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… verspüren etwas Übelkeit …

Unglücklicherweise hat „Speak No Evil“ zwei große Mängel, die das Horrorvergnügen deutlich schmälern: Zum einen bekommen wir durch die Bank unterdurchschnittliches bis unterirdisches Schauspiel geboten. Kein einziger Akteur genügt Mindeststandards. Die Glaubwürdigkeit der Figuren ist zwar in billigen Horrorfilmen nicht unbedingt das wichtigste Element, aber wenn es denn arg zu schlecht wird, stört das doch sehr. Der Wechsel der Tonspur hilft da auch nicht weiter. Was aus den Mündern der Personen kommt, klingt im Original wie in der deutschen Synchronisation gleichermaßen mies.

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… und sind allgemein arg verändert

Zum anderen spielt der Film in einem heruntergekommenen White-Trash-Setting, reizt das aber nicht einmal annähernd aus. Hier ein Trailer, dort ein paar Baracken, leidlich intelligente Provinzler laufen herum – fertig ist die Wüstenlaube. In Kombination mit dem Exorzistenmotiv hätte das konsequenter inszeniert sein können. Da ist viel Potenzial verschenkt worden. Was bleibt, ist in Teilen ansprechender Kinder- und Dämonenhorror mit ein paar leider nicht nur kleinen Macken.

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Bekannte Körperhaltung

Veröffentlichung: 27. Februar 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 74 Min. (Blu-ray), 71 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Speak No Evil
USA 2013
Regie: Roze
Drehbuch: Roze
Besetzung: Greg Bronson, Annalise Cavender, Elisabeth Cavender, Ian Cavender, Olivia Cavender, Kameron Cochrane, Sylvie Cohen, Michael Cortez, Madelynn Eldredge, Machelle Glassburn, Mario Guzman, Rob Hartz
Zusatzmaterial: Kinotrailer, Trailershow, Wendecover
Vertrieb: Mad Dimension / Al!ve AG

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Ein sonderbares Ritual

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2015 Mad Dimension / Al!ve AG

 

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