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Paddington 2 – Leckere Orangenmarmelade

Paddington 2

Kinostart: 23. November 2017

Von Matthias Holm

Familienkomödie // 2014 überraschte Regisseur Paul King viele Zuschauer. Seine Adaption des „Paddington“-Stoffs erwies sich als zeitgemäß, blieb aber gleichwohl der Vorlage treu. Nun folgt der zweite Teil um den peruanischen Bären mit rotem Hut und Dufflecoat – und der übertrumpft seinen sympathischen Vorgänger sogar.

Dieb Paddington?

Tante Lucy wird 100. Ein stolzes Alter für Bären. Da reicht die selbst gemachte Orangenmarmelade nicht, Paddington (deutsche Stimme: Elyas M’Barek) muss ein besonderes Geschenk besorgen. Sein Auge fällt auf ein schönes Pop-up-Buch über London, was jedoch nicht ganz billig ist. Zwar sammelt Paddington mit einigen Jobs das nötige Geld ein, doch plötzlich wird das Buch gestohlen – und Paddington verdächtigt! Während der Bär das Leben im Gefängnis ordentlich aufmischt, versucht Paddingtons Ziehfamilie Brown, den wahren Täter zu finden.

Paddington entdeckt das perfekte Geschenk

Die große Stärke des ersten Films war es, dass eine bekannte Geschichte – das Zusammenfinden der Familie – mit ordentlich Slapstick und einer großen Menge an Kreativität gewürzt wurde. Auch diese Elemente finden sich im zweiten Teil wieder, so befindet sich zum Beispiel Mr. Brown (Hugh Bonneville) in einer Midlife-Crisis und Sohn Jonathan (Samuel Joslin) möchte aus irgendeinem Grund nur noch J-Dogg genannt werden. Durch die unbedarfte Perspektive von Paddington wirken diese durchaus bekannten Probleme wieder so skurril, dass man sich das Lachen nur schwer verkneifen kann.

Hugh Grant als heimlicher Star

Das Tolle aber an „Paddington 2“ ist, dass er nicht nur ein bloßer Aufguss von Teil 1 ist. Vielmehr sind das Teile der Geschichte, aber der große Plot um das Pop-up-Buch nimmt einen viel größeren Teil ein. Hier darf einer der Neuzugänge glänzen: Hugh Grant ist als nicht mehr allzu gefragter Schauspieler Phoenix Buchanan der heimliche Star des Films. Eitel, überkandidelt und in den seltsamsten Verkleidungen treibt er den Plot voran, der einen schönen Twist in Richtung Abenteuer erhält.

Was plant Buchanan?

Währenddessen darf Paddington sich wieder austoben. Ob im Friseursalon, als Fensterputzer oder in der Gefängnisküche, wo der Bär hingeht folgt ihm das Chaos. Und das ist auch gut so! Die Slapstick-Momente sind natürlich vollkommen übertrieben, gefallen aber mit ihren immer absurder werdenden Kapriolen Jung wie Alt. Dass neben diesen humoristischen Einlagen auch sehr herzliche Momente Einzug in die Familienkomödie erhalten und sie so nicht zur bloßen Nummern-Revue verkommt, ist dem Team hoch anzurechnen.

Für die ganze Familie

Dazu kommt die Kreativität in der Gestaltung. Ob nun der famose Soundtrack von Dario Marianelli oder unzählige kluge Wortspiele, Bildideen und Szenenübergänge, „Paddington 2“ ist zu jeder Zeit eine Wonne für die Sinne. Wenn da noch ein perfekt aufgelegtes Schauspiel-Ensemble hinzukommt, in dem sowohl die alten Bekannten, neuen Freunde und diversen Gaststars ihr Bestes geben, steht einem perfekten Familienfilm nichts im Wege. Auch wenn man danach großen Hunger auf Orangenmarmelade hat.

Die Browns wollen Paddington helfen

Zur Rezension des Vorgängers geht’s auch hier. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Sally Hawkins sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Brendan Gleeson und Hugh Grant unter Schauspieler.

Knastkoch Knuckles (Brendan Gleeson)

Länge: 103 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Paddington 2
GB 2017
Regie: Paul King
Drehbuch: Paul King, Simon Farnaby, Jon Croker, nach den „Paddington“-Büchern von Michael Bond
Besetzung: Hugh Bonneville, Sally Hawkins, Samuel Joslin, Madeline Harris, Julie Walters, Hugh Grant, Brendan Gleeson, Jim Broadbent, Peter Capaldi
Verleih: Studiocanal Filmverleih GmbH

Copyright 2017 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Studiocanal Filmverleih GmbH

 
3 Kommentare

Verfasst von - 2017/11/22 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Bibi & Tina – Mädchen gegen Jungs: Die kleine Hexe beim Geocaching

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Bibi & Tina – Mädchen gegen Jungs

Von Volker Schönenberger

Familienkomödie // Hörspiele, Bücher, Computerspiele, eine Zeichentrickserie, sogar Musicals – die Erlebnisse der kleinen Hexe Bibi Blocksberg haben seit den ersten Hörspielfolgen 1980 ein umfangreiches Ausmaß angenommen. Klar, dass es das Franchise auch ins Kino geschafft hat: Fünf Leinwand-Abenteuer sind seit 2004 entstanden, die letzten drei davon unter der Ableger-Marke „Bibi & Tina“ und der Regie von Detlev Buck („Karniggels“, „Männerpension“).

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Alexander (M.) ist ins Lager von Köbe (l.) und Urs gewechselt

Im bis dato letzten Kinofilm „Mädchen gegen Jungs“ schickt der Regisseur Bibi (Lina Larissa Strahl) und ihre beste Freundin Tina (Lisa-Marie Koroll) ins Sommercamp nach Falkenstein, das Falko von Falkenstein (Michael Maertens) gehört, dem Vater von Tinas Freund Alexander (Louis Held). Tinas Mutter Susanne (Winnie Böwe) und der forsche Leo Schmackes (Kostja Ullmann) haben als Camp-Leiter einen Geocaching-Wettbewerb ins Leben gerufen, bei dem jeweils Dreierteams gegeneinander antreten. Weil sich Alexander den etwas groben Urs (Phillip Laude) und Köbe (Benjamin Lutzke) anschließt, bilden Bibi und Tina mit dem charmanten französischen Austauschschüler François (Tilman Pörzgen) ein Gespann. Das weckt Alexanders Eifersucht.

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Tina (l.) und Bibi – genervt von den Jungs

Vor der kritischen Würdigung gleich vorweg: Mein Fall ist das nicht – und das nicht, weil ich der Zielgruppe längst entwachsen bin. Weshalb spielen erwachsene, gestandene Schauspieler in deutschen Kinder- und Jugendfilmen eigentlich oft so übertrieben affektiert? Es nervt! Das reicht vom feinen Pinkel Falko von Falkenstein bis zum bereits aus den beiden Vorgänger-Filmen bekannten Hans Kakmann (Charly Hübner), der sich als Späthippie ins Gehölz verzogen hat und mit seiner Mama ein neues Leben als Waldschrat führt.

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Hans Kakmann (l.) ist auf Selbstfindungstrip gegangen

Da muss man sich also an die jugendlichen Akteure halten, um einigermaßen adäquate Darstellungskunst zu sehen. Die ist in „Bibi & Tina – Mädchen gegen Jungs“ zwar auch etwas über der Glaubwürdigkeits-Norm, das stört aber nicht. Nicht einmal YouTuber Philipp Laude vermasselt seinen zweiten Leinwandauftritt nach dem unsäglichen deutschen Zombie-Klamauk „Kartoffelsalat“. Als Antagonist von Bibi funktioniert er gut, was allein der Rap-Battle beweist, der als musikalisches Centerpiece dient.

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Erfolg beim Geocaching: Sterne als Trophäe

Das bonbonbunte Abenteuer treibt muntere Possen mit den Protagonisten in ihren durchweg schrillen Klamotten. Teenager-Themen werden angerissen, dienen aber in erster Linie dem Vorantreiben der Turbulenzen, die das Aufeinandertreffen der Geschlechter im Sommercamp mit sich bringt – und das sind einige. Das hat wieder so viele junge Zuschauerinnen und Zuschauer in die Lichtspielhäuser gelockt, dass Detlev Buck schon am nächsten Kinofilm „Bibi & Tina – Tohuwabohu total“ werkelt.

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Auch François, Bibi und Tina (v. l.) ergattern einen Stern

Auch wenn „Mädchen gegen Jungs“ durchaus mit Liebe zum Detail inszeniert und als farbenprächtige Komödie mit ein paar Fantasy-Elementen – „Hex! Hex!“ – recht unterhaltsam geraten ist, drängt sich doch der Verdacht auf, dass hier auf Kosten vergleichsweise kritikloser junger „Bibi Blocksberg“- und „Bibi & Tina“-Fans eine Kuh gemolken werden soll. Auch Detlev Buck scheint seine Regisseurs-Vielseitigkeit an der Kinokasse abgegeben zu haben: Nach „Die Vermessung der Welt“ (2012) stehen nur noch Bibi und Tina zu Buche. Solange es den Heranwachsenden gefällt – bei meinen war das der Fall –, kann man natürlich konstatieren: Alles richtig gemacht. Ein etwas schaler Beigeschmack bleibt dennoch.

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Die beiden Freundinnen haben Kummer

Veröffentlichung: 9. September 2016 als Blu-ray, DVD und Deluxe-Edition DVD (inklusive Turnbeutel und Poster)

Länge: 111 Min. (Blu-ray), 106 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Deutsch, Audiodeskription für Blinde und Sehbehinderte
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Bibi & Tina – Mädchen gegen Jungs
D 2016
Regie: Detlev Buck
Drehbuch: Detlev Buck, Bettina Börgerding
Besetzung: Lina Larissa Strahl, Lisa-Marie Koroll, Louis Held, Phillip Laude, Tilman Pörzgen, Kostja Ullmann, Winnie Böwe, Michael Maertens, Charly Hübner, Max von der Groeben, Fabian Buch, Katharina Thalbach, Martin Seifert, Hinnerk Schönemann
Zusatzmaterial: Ein Tag im Leben eines Filmpferdes, Preproduction – was ist das?, Zu Besuch im Tonstudio, Jobs am Set, Wendecover
Vertrieb: Kiddinx

Copyright 2016 by Volker Schönenberger



Fotos, Packshot & Videos: © 2016 Kiddinx

 

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Die Baumhauskönige – Rivalen wider Willen: Wenn aus Freunden Feinde werden

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Bouwdorp

Von Volker Schönenberger

Jugend-Abenteuer // Gleich zu Beginn gilt es, eine Unsauberkeit des deutschen Filmverleihs glattzubügeln: In „Die Baumhauskönige – Rivalen wider Willen“ kommt kein einziges Baumhaus vor. Beim „Baudorf“, so die Übersetzung des niederländischen Originaltitels „Bouwdorp“, handelt es sich um einen Abenteuerspielplatz, auf dem Kinder und Jugendliche mit ganz viel Holz Hütten und ähnlich gelagerte Bauten zusammenzimmern.

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Im Abenteuercamp ist immer was los

Dorthin zieht es für eine Woche die beiden Schulfreunde Ziggy (Kees Nieuwerf) und Bas (Julian Ras), die nach den Sommerferien unterschiedliche Schulen besuchen werden. Weil Bas‘ Leistungen etwas zu wünschen übrig ließen, kommt er nicht aufs Gymnasium. An sich wollen sie im Abenteuercamp wie im Vorjahr den Wettbewerb um das höchste Bauwerk gewinnen, doch dann kommt alles anders: Ein kleiner Streit nach der Schultheater-Aufführung eskaliert, und schon hat sich Bas der Rabaukenbande „FC Cola“ angeschlossen, deren Mitglieder Bas‘ Kumpel sogleich demütigen. Der enttäuschte Ziggy geht ins Team seines kleinen Bruders Flin (Bart Reuten), der ganz heiß darauf ist, den Wettkampf zu gewinnen. Eifersüchteleien und kleine Fiesheiten schaukeln sich bald hoch. Es entwickelt sich ein Kleinkrieg, den keiner gewinnen kann.

Die Väter merken wenig

Erwachsene spielen eine untergeordnete Rolle in dem ursprünglich fürs niederländische Fernsehen produzierten Abenteuer – und das ist auch gut so, denn sie sind etwas stereotyp porträtiert: Die Mütter von Ziggy und Bas sind feinfühlig und aufmerksam, die Väter wenig sensibel, bekommen kaum mit, was ihre Söhne belastet. Das gilt auch für das Paar, das das Abenteuercamp leitet: Sie ist die Kompetente, er ist bisweilen etwas trottelig. Aber so sind wir Männer vielleicht.

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Ziggy hat Sorgen

Das war es auch schon mit der Kritik. Es kommt ohnehin auf die jugendlichen Darsteller an, und an denen ist nichts auszusetzen. Sehr beeindruckend, wie Kees Nieuwerf und Julian Ras ihre Rollen ausfüllen – das wirkt lebensnah und jederzeit glaubwürdig. Da sind zwei Jungs, die mit sich und dem anderen ringen, das Richtige tun wollen und es doch oft nicht tun. Eine Freundschaft ist in der Pubertät eben schnell mal dahin – kann man sie kitten?

Die Liebe, die Rüpel, die Freunde

Auch die erste Verliebtheit wird gestreift, erhält aber keinen breiten Raum. Das passt, mit zu vielen Aspekten könnte sich der Film übernehmen – tut er aber nicht. Bas‘ Probleme in der Schule sind Thema, damit einhergehend seine Angst, nicht den Erwartungen seines Vaters entsprechen zu können. Regisseurin Margien Rogaar („Bon Voyage“, 2011) handelt das souverän in wenigen Sequenzen ab. Auch Bas‘ neue Clique wird nicht überzeichnet. Sie sind zwar Rüpel, aber doch weit vom Stereotyp des Bullys an US-Highschools entfernt. Entscheidend ist ohnehin die Chemie zwischen Ziggy und Bas – und da brodelt es ganz wunderbar. Das nimmt dramatische Züge an, dennoch bewahrt sich der Film insgesamt eine sehr schöne Leichtigkeit.

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Showdown: Bas (3. v. l.) und seine Clique …

Vom niederländischen Fernsehen hat es „Die Baumhauskönige – Rivalen wider Willen“ über ein Gastspiel 2014 beim Filmfest Hamburg dann sogar zu einem deutschen Kinostart im April 2016 geschafft. Das hat sich das feinfühlige Jugend-Abenteuer redlich verdient. Meine achtjährigen Töchter wollten es erst nicht schauen, waren dann aber doch ganz angetan.

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… gegen Ziggy (r.) und dessen Team

Veröffentlichung: 28. Juli 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Niederländisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Bouwdorp
NL 2014
Regie: Margien Rogaar
Drehbuch: Margien Rogaar, Tijs van Marle
Besetzung: Kees Nieuwerf, Julian Ras, Bart Reuten, Nijs Vermin, Yuri van Dam, Tijn Ras, Moos van der Meulen, Noah de Nooij, Stefan Perrier
Zusatzmaterial: Kinotrailer, Bildergalerie
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2016 Koch Films

 

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