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Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand – Die Jagd nach der Volkssoda

Hundraettåringen som smet från notan och försvann

Von Volker Schönenberger

Komödie // Erinnern wir uns: Am Ende von „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ befand sich die Titelfigur Allan Karlsson (Robert Gustafsson) samt Freunden auf Bali und ließ es sich gutgehen. Nun feiert er ebendort seinen hundertersten Geburtstag. Bennys (David Wiberg) schwangere Freundin Miriam (Shima Niavarani) trinkt eine alte Limonade, die Allans zahmes Äffchen Erlander (Crystal the Monkey) aus Allans Habseligkeiten hervorgekramt hat. Der Softdrink erweist sich als überaus wohlschmeckend. Es handelt sich um eine Flasche „Volkssoda“, an deren Entwicklung während des Kalten Kriegs in der Sowjetunion des Leonid Breschnew (Valentin Smirnitskiy) Allan durch einen Zufall maßgeblich beteiligt war. Zur Massenproduktion kam es seinerzeit jedoch nicht. Das Rezept vermutet Allan in einer Zigarrenkiste bei einer alten Freundin in Berlin. Julius (Iwar Wiklander) wittert ein großes Geschäft, und weil den Freunden langsam ohnehin das Geld ausgeht, treten sie die Reise an. Das ruft ein paar alte Widersacher Allans auf den Plan.

Eine alte Flasche Volkssoda löst eine Kette von Ereignissen aus

Der Vorgänger nach dem Bestseller von Jonas Jonasson lebte davon, dass sich während der Erlebnisse des Hundertjährigen über Rückblenden sein Leben als gar nicht mal unbedeutender Bestandteil der Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts entfaltete – und das auf so satirisch-überzogene wie urkomische Weise. Die Fortsetzung verfährt exakt nach demselben Muster und nimmt dazu die Jagd nach dem Rezept der Volkssoda als Aufhänger. Wer argwöhnt, das klinge nach einem etwas lendenlahmen Abklatsch, hat leider recht. Zwar erhält auch die drohende Massenproduktion der kommunistischen Limo weltpolitische Bedeutung – bis hin zu einem Vertrag mit geheimem Zusatzprotokoll zwischen Breschnew und Richard Nixon (Darrell Duffey) –, aber das gesamte Handlungsgebilde reißt einen nicht vom Hocker. Das gilt auch für Allans Verfolger, die einige Verwicklungen mit sich bringen. Sonderlich elegant ist das aber nicht inszeniert.

Schluss mit Bali

Auch der Vorgänger ist enorm konstruiert. Jonas Jonasson hat es in seinem Roman aber bravourös verstanden, das Leben des Allan Karlsson in die Weltgeschichte einzubauen – und die 2013er-Verfilmung hat das ebenso bravourös umgesetzt. Das nicht auf einem Roman beruhende Sequel hingegen ist natürlich vergnüglich genug für einen unterhaltsamen Filmabend, kann aber das Niveau des Vorgängers selten halten, obwohl erneut Felix Herngren als Drehbuchautor und Regisseur am Start war. Wem Allan ans Herz gewachsen ist, der mag seinen Erlebnissen in Vergangenheit und Gegenwart auch ein zweites Mal gern folgen. Gebraucht hätte es diese Fortsetzung jedoch nicht.

Julius (l.), Allan und sein Affe suchen das Rezept

Veröffentlichung: 28. Juli 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 108 Min. (Blu-ray), 105 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Schwedisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Hundraettåringen som smet från notan och försvann
Internationaler Titel: The 101-Year-Old Man Who Skipped Out on the Bill and Disappeared
SWE 2016
Regie: Felix Herngren, Måns Herngren
Drehbuch: Felix Herngren, Hans Ingemansson, Jonas Jonasson, nach Motiven von Jonas Jonasson
Besetzung: Robert Gustafsson, Iwar Wiklander, Crystal the Monkey, Shima Niavarani, David Wiberg, Jens Hultén, Colin McFarlane, Caroline Boulton, Cory Peterson, Shin-Fei Chen
Zusatzmaterial: deutscher Trailer, Originaltrailer, Trailershow
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Fotos, Packshot & Trailer: © 2017 Concorde Home Entertainment

 

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Baby Driver – Abgefahrenes Action-Musical

Baby Driver

Kinostart: 27. Juli 2017

Von Andreas Eckenfels

Actionkomödie // Nach dem Abschluss der „Cornetto-Trilogie“ und seinem Ausflug ins Marvel Cinematic Universe als Drehbuchautor für „Ant-Man“ meldet sich Kult-Regisseur Edgar Wright mit einem echten Herzensprojekt zurück. Der Brite hat von einem Film geträumt, der seine zwei größten Leidenschaften verbindet: „Ich wollte schon immer mal einen Actionfilm drehen, der durch die Kraft der Musik angetrieben wird“, lässt sich Wright im Presseheft zitieren. Das Resultat ist mehr als geglückt. „Baby Driver“ ist ohne Frage einer der coolsten Filme dieses Kinojahres – und bietet einen Hammer-Soundtrack, welchen sogar Star-Lord Peter Quill in seinem Walkman in Dauerschleife rotieren lassen würde.

Erst die richtige Playlist bringt Baby auf Touren

Wrights Haupfigur Baby (Ansel Elgort) hingegen bevorzugt einen iPod. Für jede Gelegenheit hat der junge Fluchtwagenfahrer die richtige Playlist parat. Mit Sonnenbrille im Gesicht und Kopfhörern im Ohr rast der scheue Milchbubi allen davon. Die Musik dient Baby dabei nicht nur, um in die richtige Stimmung zu kommen, vielmehr nutzt er die Beats, um den Tinnitus zu übertönen, an dem er seit seiner Kindheit leidet. Damals starben seine Eltern bei einem Autounfall, der kleine Baby saß auf dem Rücksitz. Der gehörlose Joseph (CJ Jones) wurde sein Ziehvater. Der konnte jedoch nicht verhindern, dass Baby ins kriminelle Milieu abdriftete. Gangsterboss Doc (Kevin Spacey) erkannte Babys Talente hinter dem Steuer und ließ ihn für seine clever geplanten Banküberfälle eine alte Schuld abarbeiten. Doch damit soll bald Schluss sein. Baby will aussteigen und mit der hübschen Kellnerin Debora (Lily James) in den Sonnenuntergang fahren. Aber so einfach lässt Doc seinen besten Mann nicht gehen. Gemeinsam mit Buddy (Jon Hamm), dessen Freundin Darling (Eiza Gonzalez) und dem völlig unberechenbaren Bats (Jamie Foxx) soll Baby ein letztes großes Ding durchziehen …

Doc hört es gar nicht gern, dass Baby aussteigen will

Von der ersten bis zur letzten Szene nimmt Edgar Wright den Fuß nicht vom Gaspedal. Dass die rasanten Verfolgungsjagden durch die Straßen von Atlanta fast ohne Computereffekte entstanden sind, ist in der heutigen Zeit kaum zu glauben. Mit ähnlicher Präzision, wie die Stuntmänner ihren Job nachgegangen sind, hat Wright auch die Musik auf jede einzelne Sequenz abgestimmt. „Baby Driver“ ist ein unnachahmlicher Mix aus Action und Musical, gepaart mit Wrights perfekt eingesetzten Schnitten, bissigem Humor und allerlei popkulturellen Referenzen.

Darling und Buddy können die Finger nicht voneinander lassen

Doch Vorsicht: Wer dem Musical-Genre generell nichts abgewinnen kann, könnte seine Probleme haben. Zwar beginnen die Figuren nicht plötzlich aus dem Stegreif mit dem Singen, aber zahlreiche Szenen von „Baby Driver“ sind mit ihren Bewegungen und Aktionen in Verbindung mit der Tonspur komplett abgestimmt und durchchoreografiert. In der berühmten Kneipenschlägerei aus „Shaun of the Dead“, während der die Billardstöcke im Takt zum Queen-Song „Don’t Stop Me Now“ auf die Zombies einprügeln, und in einigen Szenen aus „Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“ hatte Wright dies schon mal im kleinen Maßstab geprobt. Nun zieht er es in „Baby Driver“ hemmungslos durch. Der Film entfaltet so seinen eigenen Rhythmus, der einfach mitreißt. Übrigens: Wenn auf dem Soundtrack mal nicht „Harlem Shuffle“ von Bob & Earl, „Radar Love“ von Golden Earring oder Queens „Brighton Rock“ erklingt, wenn also fast alles ruhig ist, dann ist immer noch ein kleiner hoher Ton zu hören, der Babys nicht stillhaltenden Tinnitus simulieren soll. Dies ist eine von vielen kleinen und feinen Spielereien, mit der Wright ein weiteres Mal seinen Ideenreichtum demonstriert und welche die Fans seiner Filme so sehr lieben.

Wie ein junger Clint Eastwood

Zur namhaften Besetzung braucht man nicht viel sagen: Die beiden Oscar-Preisträger Kevin Spacey und Jamie Foxx, „Mad Men“-Star Jon Hamm, Jon Bernthal aus „The Walking Dead“ und Eiza González („From Dusk Till Dawn“) genießen es sichtlich, ihre abgedrehten Charaktere mit Leben zu füllen. Ansel Elgort („Das Schicksal ist ein mieser Verräter“) wirkt als wortkarger Held so, wie es sich Filmfreak Wright gewünscht hatte: wie ein junger Clint Eastwood oder Steve McQueen, der erst dann aufblüht, wenn er hinter einem Steuer sitzt – oder mit seiner von Lily James gespielten Angebeteten über Songs philosophiert, in denen ein „Baby“ oder eine „Deborah“ besungen werden.

Der irre Bats ist unberechenbar

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Edgar Wright sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Jamie Foxx und/oder Kevin Spacey in der Rubrik Schauspieler.

Gibt es für die Liebe von Deborah und Baby ein Happy End?

Länge: 112 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Baby Driver
GB/USA 2017
Regie: Edgar Wright
Drehbuch: Edgar Wright
Besetzung: Ansel Elgort, Jon Bernthal, Jon Hamm, Kevin Spacey, Lily James, Eiza González, Jamie Foxx, Micah Howard, CJ Jones
Verleih: Sony Pictures

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Sony Pictures

 
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Verfasst von - 2017/07/27 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Tanz der Teufel II – „Swallow This!“

Evil Dead II

Von Volker Schönenberger

Horrorkomödie // Die subjektive Kamera als das ultimative Böse auf Verfolgungsjagd im Wald und in der Hütte verfehlt auch heute nicht ihre Wirkung – ob in Sam Raimis Original „Tanz der Teufel“ von 1981 oder dieser 1987 ebenfalls von Raimi inszenierten Fortsetzung. Die obskure Soundkulisse, die diese Kamerafahrten begleitetet, tut ihr Übriges, Armlehnenkraller-Horror erster Güteklasse entstehen zu lassen. Dem berechtigten Lob für das formidable 2013er-Remake zum Trotz – die 1992 mit „Armee der Finsternis“ beendete Trilogie ist nach wie vor ein heller Stern am Firmament der Horror-Franchises.

In dieser Hütte nimmt das Unheil seinen Lauf

Dabei kann dahingestellt bleiben, ob wir es bei „Tanz der Teufel II“ mit einer Fortsetzung oder einem Quasi-Remake zu tun haben. Sofern Raimi Teil zwei als Fortsetzung intendierte, muss er sich angesichts einiger Anschlussfehler Nachlässigkeit vorwerfen lassen. In einem Prolog wird kurz an Teil eins angedockt – die Szenen entnahm der Regisseur allerdings nicht dem Vorgänger, sondern drehte sie neu: Ash (Bruce Campbell) und seine Freundin Linda (Denise Bixler) fahren zur Waldhütte, Ash spielt das Tonband mit den Beschwörungen ab, das Böse erwacht und nimmt Besitz von Linda, sodass sich Ash kurz darauf gezwungen sieht, seine Liebste zu köpfen – was ihm sein Spiegelbild etwas später auf wunderbare Weise in Erinnerung ruft.

Unter der Luke lauert etwas

Kurzzeitig ebenfalls besessen, aber offenbar von den Strahlen der Sonne befreit, will Ash dem Ort des Geschehens entkommen, was aber misslingt, weil die Brücke zerstört ist, über die der einzige Weg aus dem Wald hinausführt. So muss sich Ash bald sowohl mit dem kopflosen Körper als auch dem körperlosen Kopf seiner toten Freundin herumplagen. Als dann auch noch seine eigene Hand ein bösartiges Eigenleben entwickelt und ein paar Neuankömmlinge in die Waldhütte platzen, gerät die Situation vollends außer Kontrolle.

Seine Hand macht Ash zu schaffen

„Tanz der Teufel II“ hatte nicht ganz so heftig mit Zensur und Jugendschutz zu kämpfen wie sein Vorgänger. Die Indizierung ist schon lange passé, seit 2016 ist das Sequel ungeschnitten sogar mit FSK-16-Freigabe lieferbar. Lasst euch davon nicht täuschen! Der Blutschwall ist enorm, Axt, Messer und Kettensäge bekommen eine Menge zu tun. Dabei ist die Fortsetzung deutlich komödiantischer angelegt als „Tanz der Teufel“, man denke nur an die Szene, in der Ash und Ed (Richard Domeier) eine der besessenen Kreaturen mit der Bodenluke in den Keller zurückdrücken, dem Wesen ein Auge herausspringt, welches prompt im Mund einer bedauernswerten jungen Frau landet. Mehr noch als Teil eins machte „Tanz der Teufel II“ die Hauptfigur Ash und ihren Darsteller Bruce Campbell zur Ikone, geizt er doch nicht gerade mit coolen Sprüchen wie „Groovy“ (etwa: „Prächtig“) und „Swallow this!“ („Schluck das!“) Dass er nicht der begnadetste Schauspieler unter der Sonne ist, stört überhaupt nicht.

Das Böse nähert sich

Die Make-up- und Masken-Abteilung durfte sich austoben. Zwar sieht man einigen Einstellungen die Entstehung in den 80er-Jahren an, sie sind aber mit viel Liebe zum Detail gemacht, das Anschauen macht daher nicht nur aus nostalgischen Gründen viel Freude. Es splattert geradezu Slapstick-artig.

Besessenheit verleiht Flügel

Die Bildqualität der neuen Blu-ray von Studiocanal überzeugt. Das Finale von „Tanz der Teufel II“ ist einfach irrwitzig und katapultiert uns sowie Ash schnurstracks in die Welt von „Armee der Finsternis“, des finalen Teils der Trilogie. Aber das ist eine andere Geschichte.

Das hilft aber auch nicht immer

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Sam Raimi sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 20. Juli 2017 als Blu-ray und DVD, 22. September 2017 als Blu-ray als Teil der „Tanz der Teufel“ Collection im limitierten Steelbook (mit „Tanz der Teufel“ und „Armee der Finsternis“)

Länge: 84 Min. (Blu-ray), 80 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Evil Dead II
Alternativtitel: Tanz der Teufel 2 – Jetzt wird noch mehr getanzt
USA 1987
Regie: Sam Raimi
Drehbuch: Sam Raimi, Scott Spiegel
Besetzung: Bruce Campbell, Sarah Berry, Dan Hicks, Kassie Wesley DePaiva, Ted Raimi, Denise Bixler, Richard Domeier, Lou Hancock, Snowy Winters
Zusatzmaterial: Interview mit Bruce Campbell, Audiokommentar von Sam Raimi, Scott Spiegel, Bruce Campbell und Grec Nicotero, Featurette „The Gore the Merrier“, nur Blu-ray: „Road to Wadesboro“ (Reise zurück zum Drehort mit Tony Elwood), „Shallowed Souls“ (Making-of), Kinotrailer, Trailershow
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Studiocanal Home Entertainment

 

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