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El Bar – Frühstück mit Leiche: Ausnahmezustand in der Kneipe

El Bar

Von Andreas Eckenfels

Thrillerkomödie // Kultregisseur Álex de la Iglesia („Witching and Bitching“) ist für seine höchst energiegeladenen Werke bekannt. Der Irrsinn, den die Filme des Spaniers versprühen, kennt keine Grenzen. Immer wieder kombiniert er gekonnt bitterböse Thriller- und Horror-Elemente mit pechschwarzem Humor. Auch seinen Darstellern verlangt de la Iglesia stets alles ab. Und die gehen den Weg der Extreme gern mit.

Säufer Israel nervt alle Bargäste mit Bibelzitaten

Dies bestätigte auch Jaime Ordóñez auf der Berlinale-Pressekonferenz, wo „El Bar – Frühstück mit einer Leiche“ 2017 außer Konkurrenz im Wettbewerb gezeigt wurde: „Was ich während meiner Arbeit mit Álex gelernt habe ist, dass ich bei ihm immer über mein Limit hinausgehen muss. In seinen Filmen können die unglaublichsten Dinge passieren. Um den Punkt zu erreichen, diese bewältigen zu können, muss man seinen Job wirklich lieben.“

Ein normaler Vormittag in Madrid

Ordóñez weiß auch wovon er spricht: Es ist nicht das erste Mal, dass er für de la Iglesia vor der Kamera stand. Dazu hat er in „El Bar“ die wohl undankbarste Rolle abbekommen: Mit fettigen langen Haaren, Rauschebart und falschen Zähnen ist Ordóñez kaum wiederzuerkennen. Er spielt den versifften Säufer Israel, der seine Mitmenschen ständig mit Bibelzitaten nervt. Gemeinsam mit dem Hipster Nacho (Mario Casas, „Toro – Pfad der Vergeltung“), der hübschen Elena (Blanca Suárez), der frustrierten Spielerin Trini (Carmen Machi) und einigen weiteren Zeitgenossen bevölkert Israel an einem ganz normalen Vormittag eine Bar in Madrid. Zwischen Frühstück und dem ersten Drink werden die Gäste plötzlich aus ihrer morgendlichen Lethargie gerissen.

Elena hofft darauf, bald ihren Traummann kennenzulernen

Einem Mann, der die Bar gerade verlassen hat, wird auf der Straße in den Kopf geschossen. Als ein Gast, der ihm zu Hilfe eilen wollte, draußen ebenfalls getötet wird, ist für die anderen klar, dass sie die Bar auf keinen Fall verlassen dürfen. Vielleicht hat es ja ein Scharfschütze auf einen von ihnen abgesehen? Als sei dies nicht genügend Grund zur Panik, stürzt auch noch ein dicker Mann mit hervorquellenden Augen aus der Toilette und stirbt vor dem Tresen. In seinem Besitz finden die verängstigten Barbesucher ein Handy mit seltsamen Textnachrichten und mehrere mit einem Serum gefüllte Spritzen.

Menschliche Abgründe

Im Mikrokosmos einer Bar lässt de la Iglesia verschiedene Gesellschaftsschichten aufeinanderprallen. Es dauert nicht lange, da verhärten sich die Fronten. Zwei konträre Gruppen bilden sich. Eine Waffe kommt ins Spiel, die im Verlauf des Films immer wieder den Besitzer wechselt, wodurch auch die Machtverhältnisse neu geregelt werden. In dieser Extremsituation fallen bei den Protagonisten die schützenden Masken. Menschliche Abgründe wie Egoismus, Gier und Hass treten offen zutage. So kann man de la Iglesias Werk als Kommentar zur aktuell allgegenwärtigen Terror-Angst in der Welt deuten.

Trini will den Jackpot knacken

Als Gesellschaftssatire taugt der Film hingegen nicht. Es fehlt an der nötigen Schärfe. Auch wenn die namhafte Schauspieler-Riege alles gibt: Die Charaktere verweilen im Klischee und erhalten kaum eine Biografie, durch die man sich mit ihnen verbunden fühlen kann. Dazu gesellen sich zahlreiche hysterische Wendungen, wodurch jeder Anflug von Spannung verloren geht sowie eine enttäuschende Auflösung der mysteriösen Vorkommnisse. Nur selten, wenn sich etwa Israel, Nacho, Elena und Co. mit Olivenöl übergießen, um sich durch ein viel zu enges Bodenloch zu quetschen und daraufhin in der mit Kot und Urin gefüllten Kanalisation von Madrid landen, scheint der kreischende Irrwitz de la Iglesias durch, der seine Filme normalerweise so schön abstoßend, aber eben auch höchst unterhaltsam macht.

Keiner kommt hier lebend raus?

Veröffentlichung: 24. August 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 102 Min. (Blu-ray), 98 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Spanisch, Deutsch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: El Bar
SP/ARG 2017
Regie: Álex de la Iglesia
Drehbuch: Álex de la Iglesia, Jorge Guerricaechevarría
Besetzung: Blanca Suárez, Mario Casas, Carmen Machi, Secun de la Rosa, Jaime Ordóñez, Terele Pávez, Joaquín Climent
Zusatzmaterial: Making-of, Trailer
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2017 Koch Films

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Pulverfass und Diamanten – Entzückend, Baby!

Le gentleman de Cocody

Von Ansgar Skulme

Abenteuerkomödie // Ein Mordfall an der Elfenbeinküste gibt der Polizei Rätsel auf. Ein scheinbar harmloser älterer Herr, der offenbar nur nach seltenen Schmetterlingen suchte, wird tot am Strand angespült. Die Spur führt ins edle Cocody – bekannt als Wohnort der Schönen und Reichen. Dort lebt auch der französische Botschafter und Gentleman Jean-Luc Hervé de la Tommeraye (Jean Marais), dessen Familie bereits seit Generationen alle Ehren auskostet, die den gehobenen französischen Staatsdienern zuteilwerden. Tommeraye ist Fachmann für Diplomatie, schnelle Autos, Cocktails und schöne Frauen – ein Botschafter, der ein Leben wie ein Geheimagent führt und auch vor reichlich Action keine Furcht hat. Er heftet sich an die Fersen einer anderen Schmetterlingsjägerin mit dem schicken Rufnamen Baby (Liselotte Pulver), um der Wahrheit näher zu kommen. Schon bald jedoch zeigt sich, dass nicht jeder im Spiel der ist, der er vorgibt zu sein, und dass es um weitaus mehr als nur Schmetterlinge geht.

Tommeraye macht immer weiter – auch wenn er lange nichts versteht

Der Film legt ein ansehnliches Tempo an den Tag, ist ebenso rasant wie frivol und aufgedreht. Man unternimmt in diesen 81 Minuten nicht nur einen Trip an die malerische Elfenbeinküste, sondern fühlt sich auch ein wenig, als sei man auf einem bewusstseinserweiternden Trip. Was stellenweise so wirkt als seien die Darsteller, der Cutter oder der Regisseur ab und an auf dem einen oder anderen Kraut unterwegs gewesen, ist handwerklich aber ein durchaus visionäres Stück Kino. Christian-Jaque lässt dem Zuschauer nicht nur durch beschleunigt abgespielte Sequenzen, sondern auch eine hohe Schnittfrequenz und reichlich Bewegung im Bild sowie der Kamera so gut wie keine Atempausen.

Wenig Handlung, viel Verwirrung, kurze Laufzeit, großer Spaß

Obwohl die Handlung des Films sicher mehr Potenzial für szenische Einfälle gehabt hätte, läuft man aufgrund der unüberschaubaren Konstellation mit etlichen unter falschen Vorzeichen agierenden Figuren und der gleichzeitig fast schon chaotischen Erzählweise mehrfach Gefahr, den Faden zu verlieren. Trotz allem ist das Werk aber auch dann noch unterhaltsam, wenn man sich einfach nur von der Bilderflut berieseln lässt. Schon recht früh zeigt Christian-Jaque, worauf er hinauswill: in der Szene, als die Polizei zum Fundort der Leiche fährt. Eine Vielzahl an Schnitten begleitet die bloße Anfahrt der Ermittler – es passiert überhaupt nichts, außer dass die Fahrzeuge sich von A nach B bewegen, aber dies wird ausführlich und aus diversen, teils recht experimentellen Blickwinkeln gezeigt. Diese Szene, wie sie gelöst ist, charakterisiert den Film als gesamten recht gut. Es geht weitaus mehr um die Attraktion, den jeweiligen Moment, um Schauwerte und visuelle Sinnesreize als um die Gesamtheit der Geschichte. Hektische Schauplatzwechsel, manchmal sogar ein wiederholtes Hin und Her binnen Sekunden, erfordern immer wieder eine gewisse Aufmerksamkeit und Konzentration, um nicht den Überblick zu verlieren oder einem Schwindelanfall zu unterliegen. Das ist meist durchaus cool und modern, wirkt manchmal aber auch etwas hibbelig. Speziell das beschleunigte Abspielen von Filmmaterial wirkt aus heutiger Sicht veraltet und handwerklich unschön – insbesondere wenn Menschen in Bewegung mit übersteuerter Geschwindigkeit zu sehen sind. Der Film ist dahingehend phasenweise anstrengender als so mancher Slapstick-Streifen aus der Frühphase des Stummfilms.

Nein! Doch! Oh!

Dank des hervorragend aufgelegten Darsteller-Ensembles, dem man den Spaß bei der Sache durchweg anmerkt, bleibt aber unter dem Strich der Eindruck eines unterhaltsamen Kino-Erlebnisses mit der richtigen Laufzeit von nur 81 Minuten. Es gibt nur wenige Längen und Hänger, manchmal hätte es etwas einfallsreicher sein dürfen als beispielsweise die beiden Stars eine halbe Ewigkeit an einem Seil hängend durch die Gegend zu fliegen – wenngleich es wiederum sehr lustig ist, als die von ihrem Liebhaber geschasste italienische Furie dann urplötzlich in voller Fahrt mit dem Auto unter den beiden auftaucht und sie verfolgt. Das Zusammenspiel von Liselotte Pulver und Jean Marais ist von Anfang an klasse und wirkt, als hätten die beiden vorher schon ein Dutzend Filme gemeinsam gedreht. Maria Grazia Buccella ist in ihrer selbstironischen Rolle als eifersüchtige, rassige Italienerin ebenso amüsant wie ein echter Hingucker und Philippe Clay mit seinem kernigen Gesicht die perfekte Gangsterkarikatur. Auch Jacques Morel und Robert Dalban möchte man als Charakterköpfe nicht missen – als Akteure mit prägnanten Gesichtern und auch hinsichtlich ihrer Schauspielstile ganz unterschiedlichen Ansatzes scheinen beide auf ihre Weise geradezu urtypisch für das damalige französische Kino zu stehen. Generell wird in „Pulverfass und Diamanten“ reichlich grimassiert und betont überzeichnet gespielt. Da bekommt das Wort „Gesichtsfasching“ eine ganz neue Dimension und man merkt schnell, dass dies damals eine allgemeine Tendenz der französischen Komödie war und nicht nur ein Stilmittel von Louis de Funès gewesen ist; absurd auf die Spitze getrieben in einer Szene, als sich die im Auto fahrende Baby und der auf einem Boot stehende Tommeraye mittels wilder Gesten und Grimassen über eine weite Distanz Zeichen geben.

Actionreich ist das Botschafter-Leben

Ganz beiläufig bietet sich zudem ein für das damalige europäische wie aber auch amerikanische Kino recht ungewöhnliches, jedoch sehr sympathisches Bild: Es werden tatsächlich sämtliche Polizisten des Films, passend zum Handlungsort, von dunkelhäutigen Schauspielern verkörpert – ohne dass ihnen ein europäischer oder Hollywood-Star vor die Nase gesetzt worden wäre, der sie „zufällig“ bei ihren Ermittlungen unterstützt bzw. anleitet. Zwar haben sie nicht viele Szenen, sie ermitteln aber nicht gemeinsam mit Jean Marais, sondern eigenständig. Aus heutiger Sicht mag das banal klingen, aber ich erinnere mich an kaum einen europäischen oder amerikanischen Film aus dieser Zeit, der in Afrika spielt und dies in vergleichbarer Weise so selbstverständlich zeigt. Besonders die Szene unmittelbar vor dem ersten Auftritt von Jean Marais ist auf ihre Art sehr stylisch: Ein Polizeirevier, auf dem nur afrikanische Menschen zu sehen sind, die sich beraten, diskutieren, eine Landkarte begutachten, das obligatorische Wasser aus dem Wasserspender ziehen – cool, souverän und als völlige Normalität gespielt, alles wie in populären Cop-Filmen aus Hollywood, mit nur eben jenem kleinen aber feinen Unterschied. Zu Zeiten als die Diskussion um die Ungleichbehandlung der Ethnien speziell in den USA gerade ihrem Höhepunkt entgegenrauschte, ist es den Drehbuchautoren und dem Regisseur hoch anzurechnen, dass man in dieser Hinsicht keine unnötigen Abstriche machte.

Weshalb erst ab 16 freigegeben?

Beginnend beim Vorspann mit vielen Farben, peppiger Musik und rhythmisch wechselnden visuellen Eindrücken prescht dieser Film schnurstracks mit diversen inhaltlichen wie auch stilistischen Kniffen und Wendungen dem Ziel entgegen. Erwähnt werden muss auch der hörenswerte, von Nancy Holloway in einer Szene in einer Bar vorgetragene Song über den bereits im Originaltitel angepriesenen Gentleman aus Cocody, als dessen Pendant im Film sich schließlich Jean Marais herausstellt. Aber auch schon allein der Elfenbeinküste als damals eher selten genutztem Schauplatz und Drehort wegen, die erst wenige Jahre zuvor ihre Unabhängigkeit von Frankreich erlangt hatte, ist „Pulverfass und Diamanten“ absolut sehenswert.

Baby führt etwas im Schilde

Fragwürdig ist, wie es dieses spaßige, abgedrehte Spektakel – das selbst bei einer Autoexplosion alle Opfer von Kopf bis Fuß mit Ruß und Dreck beschmiert überleben lässt – geschafft hat, eine Freigabe ab 16 Jahren zu erhalten. Bei heutiger Prüfung sollte der Film vom Regelfall ausgehend eigentlich sogar ab 6 Jahren durchgehen, jedoch normalerweise – vielleicht einiger Ballerszenen wegen – ja wohl bitte maximal ab 12. Die DVD von Pidax wartet, wie üblich, mit einem Nachdruck des Programmhefts „Illustrierte Film-Bühne“ auf. Es enthält außer einer ausführlichen, nett und beschwingt geschriebenen Inhaltsangabe auch einen zeitgenössischen Artikel über Jean Marais.

Im Mittelteil des Films gibt es eine etwas sonderbare Sequenz, in der sich ein Affe mehrmals im Bild nach vorn und wieder zurück bewegt, indem das Bild erst vorwärts und dann kurz wieder rückwärts usw. läuft, ehe der Schimpanse schließlich dann doch noch den Bildrand erreicht. Dies wirkt wie ein Bildhänger und oberflächlich ein Problem der DVD, könnte aber auch der handwerklich schlecht gelöste Versuch sein, humoristisch zu verbildlichen, dass der Affe vorher mehrere Schnäpse ausprobiert hat. Farblich ist das Ausgangsmaterial in einem sehr guten Zustand und der Ton gut erhalten – löblich auch, dass man alternativ die Originalfassung anwählen kann. Untertitel wären ein netter Luxus gewesen, da des Französischen sicher doch weniger Zuschauer mächtig sind als des Englischen – dass man hierfür kein Geld ausgeben konnte, ist allerdings verständlich.

Hochzeit auf Afrikanisch mit spontanem Ehrengast

Veröffentlichung: 25. August 2017 als DVD

Länge: 81 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Französisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Le gentleman de Cocody
F/IT 1965
Regie: Christian-Jaque
Drehbuch: Claude Rank, Jean Ferry, Jacques Emmanuel & Christian-Jaque
Besetzung: Jean Marais, Liselotte Pulver, Philippe Clay, Nancy Holloway, Maria Grazia Buccella, Jacques Morel, Robert Dalban, Joseph Diomandé, Ibrahim Kouyaté, Georges Sellers
Zusatzmaterial: Nachdruck der Illustrierten Film-Bühne Nr. S 7175
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2017 by Ansgar Skulme

Fotos & Packshot: © 2017 Al!ve AG / Pidax Film

 

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Der Hunderteinjährige, der die Rechnung nicht bezahlte und verschwand – Die Jagd nach der Volkssoda

Hundraettåringen som smet från notan och försvann

Von Volker Schönenberger

Komödie // Erinnern wir uns: Am Ende von „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ befand sich die Titelfigur Allan Karlsson (Robert Gustafsson) samt Freunden auf Bali und ließ es sich gutgehen. Nun feiert er ebendort seinen hundertersten Geburtstag. Bennys (David Wiberg) schwangere Freundin Miriam (Shima Niavarani) trinkt eine alte Limonade, die Allans zahmes Äffchen Erlander (Crystal the Monkey) aus Allans Habseligkeiten hervorgekramt hat. Der Softdrink erweist sich als überaus wohlschmeckend. Es handelt sich um eine Flasche „Volkssoda“, an deren Entwicklung während des Kalten Kriegs in der Sowjetunion des Leonid Breschnew (Valentin Smirnitskiy) Allan durch einen Zufall maßgeblich beteiligt war. Zur Massenproduktion kam es seinerzeit jedoch nicht. Das Rezept vermutet Allan in einer Zigarrenkiste bei einer alten Freundin in Berlin. Julius (Iwar Wiklander) wittert ein großes Geschäft, und weil den Freunden langsam ohnehin das Geld ausgeht, treten sie die Reise an. Das ruft ein paar alte Widersacher Allans auf den Plan.

Eine alte Flasche Volkssoda löst eine Kette von Ereignissen aus

Der Vorgänger nach dem Bestseller von Jonas Jonasson lebte davon, dass sich während der Erlebnisse des Hundertjährigen über Rückblenden sein Leben als gar nicht mal unbedeutender Bestandteil der Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts entfaltete – und das auf so satirisch-überzogene wie urkomische Weise. Die Fortsetzung verfährt exakt nach demselben Muster und nimmt dazu die Jagd nach dem Rezept der Volkssoda als Aufhänger. Wer argwöhnt, das klinge nach einem etwas lendenlahmen Abklatsch, hat leider recht. Zwar erhält auch die drohende Massenproduktion der kommunistischen Limo weltpolitische Bedeutung – bis hin zu einem Vertrag mit geheimem Zusatzprotokoll zwischen Breschnew und Richard Nixon (Darrell Duffey) –, aber das gesamte Handlungsgebilde reißt einen nicht vom Hocker. Das gilt auch für Allans Verfolger, die einige Verwicklungen mit sich bringen. Sonderlich elegant ist das aber nicht inszeniert.

Schluss mit Bali

Auch der Vorgänger ist enorm konstruiert. Jonas Jonasson hat es in seinem Roman aber bravourös verstanden, das Leben des Allan Karlsson in die Weltgeschichte einzubauen – und die 2013er-Verfilmung hat das ebenso bravourös umgesetzt. Das nicht auf einem Roman beruhende Sequel hingegen ist natürlich vergnüglich genug für einen unterhaltsamen Filmabend, kann aber das Niveau des Vorgängers selten halten, obwohl erneut Felix Herngren als Drehbuchautor und Regisseur am Start war. Wem Allan ans Herz gewachsen ist, der mag seinen Erlebnissen in Vergangenheit und Gegenwart auch ein zweites Mal gern folgen. Gebraucht hätte es diese Fortsetzung jedoch nicht.

Julius (l.), Allan und sein Affe suchen das Rezept

Veröffentlichung: 28. Juli 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 108 Min. (Blu-ray), 105 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Schwedisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Hundraettåringen som smet från notan och försvann
Internationaler Titel: The 101-Year-Old Man Who Skipped Out on the Bill and Disappeared
SWE 2016
Regie: Felix Herngren, Måns Herngren
Drehbuch: Felix Herngren, Hans Ingemansson, Jonas Jonasson, nach Motiven von Jonas Jonasson
Besetzung: Robert Gustafsson, Iwar Wiklander, Crystal the Monkey, Shima Niavarani, David Wiberg, Jens Hultén, Colin McFarlane, Caroline Boulton, Cory Peterson, Shin-Fei Chen
Zusatzmaterial: deutscher Trailer, Originaltrailer, Trailershow
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Fotos, Packshot & Trailer: © 2017 Concorde Home Entertainment

 

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