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Schlagwort-Archive: Komödie

Das B-Team – Beschränkt und auf Bewährung: The Parole Officer

The Parole Officer

Von Volker Schönenberger

Krimikomödie // Der linkische Bewährungshelfer Simon Garden (Steve Coogan) ist bei seinen Kolleginnen und Kollegen so unbeliebt, dass sie alle zusammen einen Beschwerdebrief über ihn unterzeichnen. Ganze drei seiner Mandanten sagen immerhin zu seinen Gunsten aus, auch wenn sie einräumen, ihn für nervig zu halten. So wird er von Blackpool auf eine freie Stelle in Manchester fortgelobt.

Sein neuer Job führt ihn des Abends in einen Stripclub, wo er im Lager Zeuge eines Aufeinandertreffens des korrupten Kriminalbeamten Inspector Burton (Stephen Dillane) mit zwei Drogengangstern wird. Nachdem Burton einen der beiden ermordet hat, wird Simon entdeckt. Er kann fliehen, wird jedoch anderntags des Mordes bezichtigt. Burton bewirkt, dass Simon vom Mordverdacht reingewaschen wird, im Gegenzug muss der Bewährungshelfer jedoch schweigen und die Stadt verlassen.

Parodie auf Heist-Movies

Mit dem Überwachungsvideo der Tat könnte Simon den mörderischen Kriminalisten überführen, doch es befindet sich in einem Banktresor. So trommelt er seine drei ehrlich gewordenen Ex-Mandanten George (Om Puri), Jeff (Steven Waddington) und Colin (Ben Miller) zusammen, um in die Bank einzubrechen. Bald schließt sich ihnen die junge Straffällige Kirsty (Emma Williams) an, die zierlich genug ist, über einen Schacht in die Bank einzudringen. Dann ist da noch die Polizistin Emma (Lena Headey), die aus unerfindlichen Gründen ein Auge auf Simon geworfen hat.

„The Parole Officer“, so der Originaltitel, liefert mit britischem Humor eine mal alberne, mal vulgäre, aber jederzeit lustige Parodie auf Heist-Movies, die mit Situationskomik und Dialogwitz gleichermaßen punktet. Ein paar flache Körperflüssigkeitswitze sind zu verschmerzen – in der Achterbahn beispielsweise wird es eklig. Der charmante Gastauftritt von Omar Sharif („Doktor Schiwago“) gleicht das mehr als aus. Und wer entdeckt Simon Pegg („Shaun of the Dead“) im Museum? Lena Headey und Stephen Dillane trafen später in „Game of Thrones“ erneut aufeinander; Headey verkörpert dort die ruchlose Cersei Lannister, Dillane den machthungrigen Stannis Baratheon.

Hauptdarsteller und Ko-Autor Steve Coogan

Der englische Komiker Steve Coogan („Philomena“) ist in seiner Heimat als Stand-up-Comedian bekannt geworden. Zu seinen bekanntesten Fernsehauftritten gehören die „Alan Partridge“-Shows, in denen er den titelgebenden Moderator verkörpert. Eins seiner kommenden Projekte ist das Biopic „Stan and Ollie“ von John S. Baird („Drecksau“) über die beiden berühmten US-Komiker. Coogan wird Stan Laurel spielen, John C. Reilly als Oliver Hardy zu sehen sein. Coogan schrieb auch am Drehbuch zu „The Parole Officer“ mit. Obwohl er sich die Geschichte somit selbst auf den Leib schrieb, ist „Das B-Team – Beschränkt und auf Bewährung“ doch keineswegs ein Ein-Mann-Stück, sondern lebt vom spielfreudigen Ensemble.

Veröffentlichung: 4. September 2003 als DVD

Länge: 90 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch u. a.
Originaltitel: The Parole Officer
GB 2001
Regie: John Duigan
Drehbuch: Steve Coogan, Henry Normal
Besetzung: Steve Coogan, Lena Headey, Stephen Dillane, Emma Gilmour
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

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Howard Hawks (V): His Girl Friday – Sein Mädchen für besondere Fälle: Wie verhindere ich eine Hochzeit?

His Girl Friday

Von Simon Kyprianou

Liebeskomödie // Walter Burns (Cary Grant) ist Reporter und Herausgeber bei einer großen Zeitung und lebt für seinen Beruf. Mit seinen Gedanken ist er immer bei der Arbeit und ständig hinter einer guten Story her. Seine Ehe mit Hildegard (Rosalind Russell), ebenfalls Reporterin, ging dadurch in die Brüche. Eines Tages besucht sie ihn in seinem Büro, um ihm mitzuteilen, dass sie sich aus ihrem Beruf zurückzieht, ihren Verlobten Bruce (Ralph Bellamy) heiratet und Hausfrau wird. Walter will das nicht zulassen – zum einen ist er immer noch in Hildegard verliebt, zum anderen will er sie als Reporterin nicht verlieren, denn sie ist die beste. Walter schlägt Hildegard einen Deal vor: Sie schreibt ihm einen letzten Artikel über einen Mann im Todestrakt, dessen Hinrichtung kurz bevorsteht. Nebenher versucht der Zeitungsmann natürlich alles, um die Hochzeit zu verhindern.

Dialoge als Teil körperlicher Performance

„His Girl Friday – Sein Mädchen für besondere Fälle“ ist furchtbar komisch in seinen Bildern voller Chaos und Gewusel und den Dialogen, die sich überschlagen und überlappen. In den Dialogen kämpft jeder mit seinem Gegenüber. Bei Howard Hawks kommt es gar nicht so sehr auf den Inhalt des Gesagten an, sondern alles ist Teil einer körperlichen Performance und das Sprechen ist für Hawks in etwa wie eine Geste, wie eine Bewegung. Interessant ist vor allem, dass eigentlich alles in diesem Film absolut furchtbar ist. Alles ist eine Verletzung, niemand tut sich selbst oder dem anderen gut. Walter und Hildegard gehören zwar irgendwie zusammen, sie lieben einander eben, vor allem brauchen sie einander, können einfach nicht ohne den anderen, auch wenn sie sich gegenseitig aneinander abarbeiten, aber so brutal kann die Liebe eben manchmal sein.

Screwball-Protagonisten als Duellisten

Und Bruce, der gutmütige, bis über beide Ohren verliebte Verlobte von Hildegard, hat es am schlimmsten, er wird pausenlos umgeschubst und in die Pfanne gehauen. Die Liebe so brutal zu zeigen, so unfair und willkürlich, wie sie manchmal sein kann, zeigt, dass Hawks sie als Thema sehr ernst nimmt und dass es die große Kunst einer Komödie ist, ein solches Thema derart komisch zu behandeln, ohne den Kern groß verbiegen zu müssen. Es ist eine große Freude, den Schauspieler dabei zuzusehen, wie sie taktieren, versuchen den andere auszuspielen. Bei Hawks sind die Figuren ja oft Duellisten, die versuchen, ihr Gegenüber aus der Reserve zu locken, auch in „Leoparden küsst man nicht“ (1938) mit Cary Grant und Katharine Hepburn und natürlich in „Tote schlafen fest“ (1946) mit Humphrey Bogart und Lauren Bacall. In „His Girl Friday – Sein Mädchen für besondere Fälle“ spielen Cary Grant und Rosalind Russell auch ganz wunderbar, schnell und aggressiv, sie können mit Hawks’ Screwball-Tempo mühelos mithalten. Das macht das Kino von Howard Hawks auch so schön, so filmisch, weil es das zeigt, was zwischen den Figuren passiert, weil man sehen kann wie Verteidigungen fehlschlagen, Fassaden bröckeln, wie Figuren umeinander herum taktieren, tanzen, nur um den anderen immer wieder von neuem zu verführen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Howard Hawks sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 31. Oktober 2014 und 29. Februar 2012 als DVD

Länge: 92 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: keine Angabe
Originaltitel: His Girl Friday
USA 1940
Regie: Howard Hawks
Drehbuch: Charles Lederer, nach dem Theaterstück „The Front Page“ von Ben Hecht und Charles MacArthur
Besetzung: Cary Grant, Rosalind Russell, Ralph Bellamy, Gene Lockhart, Porter Hall
Zusatzmaterial: keine Angabe
Label/Vertrieb: Edel Germany GmbH (2014), Best Entertainment AG (2012)

Copyright 2018 by Simon Kyprianou

Packshots: © 2014 Edel Germany GmbH bzw. 2012 Best Entertainment AG
Filmplakat: Fair Use

 
 

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Severance – Ein blutiger Betriebsausflug: Tödliches Teambuilding

Severance

Von Volker Schönenberger

Horrorkomödie // „Palisade Defence“ lautet der Name des weltweit agierenden Unternehmens, das seine Brötchen mit der Produktion von Waffen verdient – auch die allseits beliebten Landminen gehören zum Sortiment. Eine europäische Vertriebsabteilung der Firma bricht zu einem Betriebsausflug auf. Ein Teambuilding-Wochenende in einer abgelegenen Waldhütte in Ungarn soll die Gruppe zusammenschweißen. Das Projekt ist allerdings von Anfang an zum Scheitern verurteilt: Zu unterschiedlich sind die Kolleginnen und Kollegen, allen voran der leichtlebige Steve (Danny Dyer, „The Football Factory“), der sich während der Busfahrt per Laptop schon mal zwei Escort-Damen bestellt, genüsslich ein paar „Magic Mushrooms“ reinpfeift und fortan halluziniert. Den Abteilungsleiter Richard (Tim McInnerny) nimmt ohnehin keiner seiner Mitarbeiter ernst. Noch ahnt kein Mitglied der Gruppe, dass sie in das Jagdgebiet einiger mordlüsterner Gesellen geraten ist.

Die Bärenfalle schnappt zu

Zum Auftakt lernen wir das Team der Bürohengst-Waffenhändler kennen, die kaum auf den Überlebenskampf vorbereitet sind, der sie erwartet. Bis die Falle zuschnappt – und das wörtlich: Eine Bärenfalle bildet den Auftakt eines blutigen Trips ins ungarische Hinterland, der seine FSK-18-Freigabe für die ungeschnittene Fassung zu Recht erhalten hat. „Severance – Blutiger Betriebsausflug“ mischt gekonnt Versatzstücke des Slasher-Films, Backwoods-Horrors und Torture Porns zu einem so harten wie erfrischenden Genrebeitrag, der sowohl als Horrorfilm als auch als ironische Reflexion Freude bereitet. Brutaler Splatter und feine bis grobe Situationskomik wechseln einander ab – oder treten auch mal als Einheit auf.

Die Splattereffekte lassen das Herz von Gorehounds höher schlagen. Die hauseigenen Produkte von „Palisade Defence“ kommen gegen die Mitarbeiter des Unternehmens zum Einsatz. Wenn die Jäger später leibhaftig in Erscheinung treten, erweisen sich Steve und seine Kollegin Maggie (Laura Harris, „The Faculty“) als überraschend wehrhaft. Regisseur Christopher Smith („Black Death“) hatte zwei Jahre zuvor sein Langfilm-Debüt „Creep“ vorgelegt, in welchem er Franka Potente auf einen düsteren Trip in die Londoner U-Bahn-Welt schickte. Das funktionierte nur leidlich, aber in der Zwischenzeit hat Smith seine Horror-Hausaufgaben gemacht und legt mit „Severance – Blutiger Betriebsausflug“ ein wunderbar schwarzhumoriges Spektakel vor.

Beinamputiertes Stunt-Double

In der erwähnten Bärenfalle fungiert ein gewisser Paul Burns als Stunt-Double für den Schauspieler Andy Nyman, der als Gordon in die Falle tritt. Burns hatte 1979 als Soldat bei einem IRA-Anschlag sein linkes Bein verloren und 2004 mit einigen ebenfalls Amputierten die Agentur „Amputees in Action“ gegründet, die Aufträge der Filmindustrie und des Militärs (zu Trainingszwecken) an Amputierte vermittelte. 2012 musste ihm allerdings auch sein rechtes Bein amputiert werden. Ein Jahr später starb er im Alter von 52 Jahren nach einem Unfall. Er ruhe in Frieden.

Veröffentlichung: 26. Juni 2008 als Blu-ray, 26. Oktober 2007 als DVD, 27. April 2007 als 2-Disc Special Edition DVD

Länge: 96 Min. (Blu-ray), 92 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Severance
GB/D 2006
Regie: Christopher Smith
Drehbuch: James Moran, Christopher Smith
Besetzung: Danny Dyer, Laura Harris, Tim McInnerny, Andy Nyman, Toby Stephens, David Gilliam, Babou Ceesay
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Regisseur Christopher Smith, Drehbuchautor James Moran, Produktionsdesigner John Frankish sowie den Darstellern Danny Dyer, Tim McInnerny, Babou Ceesay und Andy Nyman, Behind the Scenes, Outtakes, deleted scenes, Der Busunfall, Severance entsteht, Special Effects?, Der Fasan, Frankish Danny, Dyer Special, Kampftraining mit Danny Dyer, Making-of, alternatives Ende, Nadia & Olga, Storyboard Animation, Der Flug, Trailershow, Erstauflage DVD: Schuber
Label: splendid film
Vertrieb: WVG Medien GmbH

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

 
 

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