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Schlagwort-Archive: Komödie

The Mermaid – Stephen Chows Umweltfilm

Mei ren yu

Von Matthias Holm

Fantasy-Komödie // Lang ist es her, dass man in unseren Breitengraden etwas von Stephen Chow gehört hat. Nach dem überaus merkwürdigen „Shaolin Soccer“ (2001), der Fußball und überdrehte Kampfkunst-Action mischte, drehte Chow mit „Kung Fu Hustle“ (2004) eine überaus witzige Hommage an die alten Wuxia-Filme. Zwar sind beide Filme in Fankreisen durchaus beliebt, allerdings bekam man danach eher wenig von dem Regisseur mit – auch wenn sein „Journey to the West – Conquering the Demons“ die erfolgreichste chinesische Produktion aller Zeiten ist. Umso schöner, dass mit „The Mermaid“, nachdem er bereits beim Fantasy Filmfest lief, endlich wieder eine Regiearbeit von Chow in die Läden kommt.

Shan soll den fiesen …

Liu Xuan (Chao Deng) hat nur eine Sache im Sinn – mehr Geld, mehr Profit. Dafür will er ein geschütztes Delfinreservat aufschütten und darauf Häuser bauen. Mit fiesen Schallsendern hat er bereits alle Meerestiere aus der Bucht vertrieben. Was er nicht ahnen konnte – darunter befanden sich diverse Meermenschen. Die sind natürlich stinksauer auf den Unternehmer. Also schicken sie Shan (Jelly Lin) los, um Liu Xuan zu töten. Allerdings ist Shan nicht unbedingt die hellste und der Mordauftrag erweist sich als schwieriger als gedacht.

Das gefälschte Museum

Wer sich bereits in den ersten Minuten des Films fragt, was da eigentlich gerade passiert, sollte womöglich schnell ausschalten. Im Intro sieht man nämlich einen Mann, der angeblich ein Museum führt – aber nur mit schlecht gefälschten Ausstellungsstücken arbeitet. Das hat zwar mit der Haupthandlung absolut nichts zu tun, ist aber so herrlich verdreht inszeniert, dass man gut auf den restlichen Film eingestellt wird.

… Liu Xuan umbringen

In erster Linie ist „The Mermaid“ absoluter Quatsch. Hier gibt es Slapstick-Einlagen mit tödlichen Seeigeln, deren Gift man nur mit Alkohol kontern kann, Schnauzbärte stehen für Männlichkeit, und zwischendurch gibt es eine komplett übertriebene Musical-Einlage. Je länger der Film aber geht, umso ernster wird er. Die Figurenentwicklung verläuft dabei ein bisschen platt, aber wenn am Ende Meermenschen von Harpunen durchlöchert werden, geht das schon an die Nieren – trotz all des Unsinns ist die Freigabe ab 16 Jahren absolut gerechtfertigt.

Selbstzweckhaftes 3D

Dabei gibt es allerdings einen großen Kritikpunkt. Der Film verlässt sich zu stark auf seine Spezialeffekte. Leider sehen die im Vergleich zu anderen Blockbuster unterdurchschnittlich aus, sodass gerade die Unterwasser-Szenen unangenehm herausstechen. Auch sieht man dem Film an, das bestimmte Szenen für die 3D-Auswertung gedreht wurden, allerdings hat das außer eben diesen Pop-out-Effekten keinen Mehrwert, er kann auch die schlechte Optik nicht kaschieren.

Allerdings haben die beiden viel Spaß

Dafür besticht „The Mermaid“ in anderen Dingen. Auch wenn die Moral platt ist – Umweltschutz ist wichtig – und sie dem Zuschauer förmlich mit dem Holzhammer eingebläut wird, zieht Stephen Chow sie konsequent durch. Auch gibt es viele tolle Szenenbilder zu bestaunen und witzige Nebenfiguren. Allerdings muss man eben mit dem Humor des Regisseurs umgehen können. Wer schon an den eingangs erwähnten Filmen keinen Gefallen gefunden hat, wird auch vor „The Mermaid“ mit einem Fragezeichen im Gesicht sitzen. Alle anderen dürfen sich auf einen nicht sonderlich hübschen, aber unterhaltsamen Abend freuen.

Was plant die finstere Li Ruolan?

Veröffentlichung: 17. November als 3D-Blu-ray im Steelbook, Blu-ray und DVD

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Mandarin
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Mei ren yu
CHN 2016
Regie: Stephen Chow (als Xingchi Zhou)
Drehbuch: Hing-Ka Chan, Stephen Chow, Chi Keung Fung, Miu-Kei Ho, Ivy Kong, Si-Cheun Lee, Zhengyu Lu, Kan-Cheung Tsang
Besetzung: Chao Deng, Zhixiang Luo, Yuqi Zhang, Jelly Lin, Ke Xu, Zhang Wen, Yifan Wu
Zusatzmaterial: Trailer, Musikvideo
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2017 by Matthias Holm

Fotos, Packshots & Trailer: © 2017 Al!ve AG / capelight pictures

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Gewinnspiel: Das Privatleben des Sherlock Holmes – 2 x auf Blu-ray, 2 x auf DVD

Verlosung

Billy Wilders unterschätztes Spätwerk „Das Privatleben des Sherlock Holmes“ von 1970 besticht durch einen radikalen Blick auf den genialen Privatdetektiv. Koch Films hat uns von der Tragikomödie zwei Blu-rays und zwei DVDs zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu Simons Rezension des Films und beantwortet dort bis Sonntag, 3. Dezember 2017, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage am Ende des Textes.

Fallen euch keine Filme ein, die Ihr nennen könnt, so schreibt das einfach hin. Merkt auch an, wenn Ihr keinen Blu-ray-Player habt, sondern nur DVDs abspielen könnt. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert, bislang sind noch alle Sendungen bei den Empfängern eingetroffen). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich fünf Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Gewonnen haben

– Christoph (Blu-ray),
– Sebastian Graf (Blu-ray),
– Filmschrott (DVD),
– TomHorn (DVD).

Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Die Rezension von „Das Privatleben des Sherlock Holmes“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

 

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Plötzlich Papa – Hallodri lernt Verantwortung

Demain tout commence

Von Volker Schönenberger

Tragikomödie // Eine Gratwanderung: dramatische Themen zu verarbeiten, dabei aber das Publikum nicht mit Tragik überfordern zu wollen. Wenn dann noch ein Wohlfühlfilm herauskommen soll, ist das Scheitern geradezu programmiert. Und so scheitert „Plötzlich Papa“ dem zugegeben vorhandenen Unterhaltungswert zum Trotz dann auch auf ganzer Linie.

So läuft’s manchmal: Samuel ist plötzlich Papa

Aber der Reihe nach: Bei der französischen Tragikomödie handelt es sich um ein Remake des mexikanischen Erfolgsfilms „Plötzlich Vater“ („No se aceptan devoluciones“) von 2013, der hierzulande immerhin 2015 auf Blu-ray und DVD erschienen ist, über den ich aber mangels Sichtung nichts schreiben kann. Die Titelrolle der Neuverfilmung übernahm der hochgewachsene Omar Sy, bekannt aus „Ziemlich beste Freunde“ („Intouchables“, 2011), ebenfalls dem Sektor der Wohlfühlkomödien zuzuordnen.

Von der Côte d’Azur nach London

Sy spielt Samuel, einen eher unzuverlässigen, dafür aber nicht auf den Mund gefallenen Sonnyboy, der unter der Sonne Südfrankreichs Touristen per Motoryacht zu Tagesausflügen umherschippert und seine Chefin dabei einige Nerven kostet. Als er eines Morgens nach durchzechter Nacht wieder mal mit zwei Holden im Bett der Yacht erwacht, steht unvermittelt Kristin (Clémence Poésy) vor dem Boot – an den One-Night-Stand vor knapp einem Jahr kann er sich kaum noch erinnern. Sie offenbart ihm, dass er eine Tochter hat, drückt ihm das Baby in den Arm und zieht von dannen. Samuel kann sein Vaterglück kaum fassen und setzt alle Hände in Bewegung, der entfleuchten Mutter das Kind zurückzubringen. Die Suche führt ihn nach London, was ihn endgültig den Job an der Côte d’Azur kostet. Eine Zufallsbegegnung mit dem schwulen Bernie (Antoine Bertrand) rettet ihn – Bernie ist erfolgreicher Filmproduzent und gibt Samuel einen Job als Stuntman.

In London trifft Samuel (r.) auf den Filmproduzenten Bernie

Acht Jahre später ist aus dem Hallodri Samuel ein liebevoller Vater geworden, der seine Gloria (Gloria Colston) abgöttisch liebt. Das Mädchen ist gern gesehener Gast an den Filmsets, auf denen Samuel seine Knochen hinhält. Dass dabei oft Schultage für draufgehen – halb so wild, die Schulleiterin hat seinem Charme kaum etwas entgegenzusetzen. Um Gloria den Schmerz zu ersparen, von ihrer Mutter im Stich gelassen worden zu sein, erfindet er wilde Lügengeschichten über ihr angebliches Dasein als Geheimagentin mit permanenten Aufträgen auf der ganzen Welt. Aus Kristins Facebook-Profil hat er dafür zwei Fotos genommen, aus denen er Kristin immer wieder vor mondäne Kulissen einbaut oder mit Berühmtheiten zusammenfügt. Glorias E-Mails an die Mutter beantwortet er selbst, sendet die Nachrichten aber immerhin an Kristins Facebook-Account. Der liegt aber über Jahre hinweg still.

Nach acht Jahren sind Vater und Tochter …

Allein Samuels Lügengeschichten verursachen schon Stirnrunzeln. Dass Eltern einem Kind gewisse Wahrheiten verschweigen, um es zu schützen – unbenommen. Aber sich derart haarsträubend in ein komplexes Lügengebilde zu verstricken, ist viel zu viel des Guten. Zumal Gloria als aufgewecktes Mädchen charakterisiert wird. Trotzdem fällt ihr nicht auf, dass Mama auf zig Fotos lediglich zwei verschiedene Posen und Gesichtszüge aufweist. Ebenso merkwürdig: Nach acht Jahren London weigert sich Samuel beharrlich, Englisch zu lernen.

Zwei Absätze mit ein paar Spoilern

Ich verrate nicht zu viel, jede Zuschauerin und jeder Zuschauer riecht von Anfang an drei Meilen gegen den Wind, dass Kristin eines Tages auf der Bildfläche auftauchen und Gloria zurückfordern wird. Und so geschieht es dann auch. Weshalb sie ihr Baby einem so gut wie Fremden in die Hand drückte und von dannen zog – es bleibt das Geheimnis des Films. Kritisiert wird die Mutter dafür vergleichsweise verhalten – von Samuel natürlich, später auch von einem Richter, der das immerhin sogar zum Anlass nimmt, Gloria vorerst Samuel zuzusprechen. Aber es interessiert letztlich kaum. Kristin ist plötzlich wieder da, und weil sie ihr Kind natürlich von jetzt auf gleich abgöttisch liebt, sagt der Film: Schwamm drüber! Keine Rede davon, dass ihr Verhalten Gloria gegenüber wirklich absolut unterirdisch war.

… einfach unzertrennlich

Zwischendurch – noch vor Kristins Wiederauftauchen – kommt ein tragisches Moment hinzu, das so dermaßen gewichtig ist, dass es fortan eine bedeutsame Rolle spielen müsste. Aber weit gefehlt: In lediglich zwei Sequenzen kommt es noch zum Tragen, eine davon das Finale. Dieses Moment dient lediglich dem Zweck, den Konflikt zwischen Samuel und Kristin hinwegzufegen, ist also ein rein filmisches Mittel. So funktioniert das aber nicht! Eine weitere Wendung kann man ebenso von Anfang an erahnen. Nach zwei Dritteln von „Plötzlich Papa“ war ich schon erleichtert, dass meine Befürchtung doch nicht eintrat, da wurde sie plötzlich doch wahr. Ärgerlich! Dann haben wir die Homosexualität von Bernie, die nur für ein paar Gags gut ist, aber keinerlei die Handlung vorantreibende Funktion aufweist, wenn man davon absieht, dass Bernie zu Beginn den stattlichen Samuel anflirtet und ihn dann gutmütig aufnimmt. So bleibt seine Homosexualität letztlich ein belangloses Gimmick des Films und ist insofern verzichtbar. Oder sollte sie einfach ein paar Filmminuten füllen? Nun denn …

Eines Tages taucht Kristin wieder auf …

Anscheinend war „Plötzlich Papa“ in einigen Ländern ein veritabler Kinohit. Und ja, die Komödie unterhält auf eine oberflächliche Weise blendend, das Vater-Tochter-Gespann aus Omar Sy und der Schauspieldebütantin Gloria Colston harmoniert prächtig, lässt die Funken sprühen und sicher einige Herzen aufgehen. Aber dennoch: Die von bald 9.500 Abstimmenden abgegebene 7,4-Wertung der IMDb (Stand Oktober 2017) ist mir unbegreiflich. So recht macht „Plötzlich Papa“ nicht Lust, das mexikanische Original zu schauen, aber es ist dem Vernehmen nach deutlich besser geraten, vielleicht tu ich es doch mal. Das Remake schustert dramatische Themen gefühlig zusammen und kratzt dabei kaum einmal auch nur an deren Oberfläche. Das reicht vielen vielleicht schon für einen Wohlfühlfilm – mir nicht.

… und will ihre Tochter zurück

Veröffentlichung: 12. Mai 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 117 Min. (Blu-ray), 113 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Deutsch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Französisch
Originaltitel: Demain tout commence
Internationaler Titel: Two Is a Family
F/GB 2016
Regie: Hugo Gélin
Drehbuch: Hugo Gélin, Mathieu Oullion, Jean-André Yerles
Besetzung: Omar Sy, Gloria Colston, Clémence Poésy, Antoine Bertrand, Asley Walters, Anna Cottis, Raquel Cassidy, Clémentine Célarié, Raphael von Blumenthal
Zusatzmaterial: Wendecover
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Fotos, Packshot & Trailer: © 2017 Tobis / Universum Film

 

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