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Blinded by the Light – Kick It Like Springsteen

Blinded by the Light

Kinostart: 22. August 2019

Von Volker Schönenberger

Musik-Tragikomödie // Zwei Fragen an die Bruce-Springsteen-Fans unter den Leserinnen und Lesern dieses Textes: Was hat euch mit dem Boss-Virus infiziert? Erinnert ihr euch noch an den Moment oder das Ereignis, der oder das die Leidenschaft für den Rockmusiker aus New Jersey in euch entfacht hat? Bei mir war es das Konzert der Tunnel-of-Love-Express-Tour im Reitstadion München-Riem 1988. Ich hatte den Boss natürlich zuvor schon wahrgenommen. Wenn ich mich recht entsinne, besaß meine ältere Schwester das Album „Born in the U.S.A.“; ich selbst wünschte mir – und bekam – die grandiose 5-LP-Box „Live 1975-85“ zu Weihnachten 1986 oder 1987, doch erst mein erstes Springsteen-Konzert von bis heute 13 löste das Bruce-Fieber in mir aus. Wie es so schön heißt, gibt es zwei Arten von Menschen: Springsteen-Fans und solche, die ihn noch nicht live gesehen haben.

Sein gestrenger Vater Malik …

Beim 16-jährigen Javed (Viveik Kalra) sind „Born in the U.S.A.“ und „Darkness on the Edge of Town“ für seine Springsteen-Leidenschaft verantwortlich. Sein neuer Mitschüler Roops (Aaron Phagura) hat ihm die beiden Alben in Form von zwei Audio-Kassetten in die Hand gedrückt. Javed lebt 1987 im englischen Luton. Wir befinden uns in der Ära des Thatcherismus, in welcher der Arbeiterschaft unter der Premierministerin Margaret Thatcher die Luft zum Atmen ebenso genommen wird, wie es auch den US-Arbeitern in den Fesseln der Reaganomics ging. Javeds Vater Malik (Kulvinder Ghir), einst mit seiner Frau Noor (Meera Ganatra) aus Pakistan eingewandert, arbeitet für einen großen Autohersteller, während sich Noor als Näherin die Finger wundarbeitet, um das nicht allzu üppige Haushaltseinkommen aufzubessern.

… hat feste Vorstellungen, was für Javed das Beste ist

Sein traditionell eingestellter Vater darf natürlich nicht wissen, dass Javed seit langer Zeit seine Gedanken niederschreibt – er führt Tagebuch, verfasst auch Gedichte und träumt davon, einmal Schriftsteller zu werden. So recht glaubt er nicht daran, diesen Wunsch verwirklichen zu können, aber immerhin ermutigt ihn seine neue Englischlehrerin Miss Clay (Hayley Atwell). Der Nachbarsjunge Matt (Dean-Charles Chapman), der sich mit Haarspray und Make-up als Teil der New Romantics gibt, ist sein einziger Freund, immerhin seit Kindestagen. Zu allem Überfluss muss Javed damit klarkommen, dass die pakistanische Gemeinde von Luton und damit auch er selbst Anfeindungen von rassistischen Rechtsradikalen ausgesetzt ist. Der frustrierte Teenager hat die beiden Springsteen-Tapes in seinem Rucksack fast vergessen, als sie ihm eines Abends doch wieder in die Hände fallen. Er packt eine der Kassetten in seinen Walkman und erlebt mit „Dancing in the Dark“ eine geradezu religiöse Erweckung …

Die Lehrerin Miss Clay ermutigt den Jungen

Asche auf mein Haupt: Der Smash-Hit „Dancing in the Dark“ gehört nicht zu meinen Favoriten in Springsteens Œuvre – mir ist der Pop-Appeal des Gassenhauers etwas zu dominant. Aber der Titel gehört zu den beliebtesten Songs des Boss, ist nach wie vor häufig im Radio zu hören und regelmäßiger Bestandteil des Zugabenblocks bei Springsteen-Konzerten, also wer bin ich, daran herumzukritisieren? Und wenn ich mir den Text vor Augen führe, aus dem Regisseurin Gurinder Chadha in besagter Szene diverse Zeilen kunstvoll einblendet, stelle ich fest: Er passt perfekt zu Javeds Gefühlswelt. Ein paar Auszüge gefällig? Bitte schön:

I ain’t nothing but tired
Man I’m just tired and bored with myself
Hey there baby, I could use just a little help

Man I ain’t getting nowhere
I’m just living in a dump like this

They say you gotta stay hungry
Hey baby I’m just about starving tonight
I’m dying for some action
I’m sick of sitting ’round here trying to write this book

Auch Javed weiß nichts mit sich anzufangen, sehnt sich danach, dass mit seinem Leben etwas passiert, während er in seinem Zimmer sitzt und schreibt. Nicht erst bei der letzten von mir zitierten Zeile gerät er völlig aus dem Häuschen. Er hat einen Rockmusiker entdeckt, der ganz genau seinen Gemütszustand in Worte zu fassen vermag. Ein Sänger aus dem US-Staat New Jersey versteht offenbar, was ein Arbeitersohn in England denkt und fühlt. Javed ist mehr als beeindruckt. Chadha inszeniert diese Erweckung als eine der zentralen Sequenzen des Films, gibt Javeds wachsender Euphorie großen Raum – der Junge stürmt gar aus dem Haus und tanzt mitten in der Nacht durch die Gegend. Kurz darauf bekommen wir auch „The Promised Land“ zu hören, der Javed vielleicht mehr noch als „Dancing in the Dark“ in Aufbruchstimmung versetzt:

But your eyes go blind and your blood runs cold
Sometimes I feel so weak I just want to explode
Explode and tear this whole town apart
Take a knife and cut this pain from my heart
Find somebody itching for something to start

The dogs on Main Street howl cause they understand
If I could take one moment into my hands
Mister I ain’t a boy, no I’m a man
And I believe in a promised land

Javed fühlt sich schwach, gleichzeitig spürt er eine Wut in sich. Auch er will zweifellos den Schmerz aus seinem Herzen schneiden. Und plötzlich merkt er: Er ist kein Kind mehr, sondern ein Mann! Na ja, sagen wir ein Jugendlicher auf dem Weg zum Mann.

Ein Geschenk von Roops (r.) verändert sein Leben

„Blinded by the Light“ beginnt geradezu klischeehaft als 80er-Hommage – mit einem Zauberwürfel. Und wir bekommen keineswegs ausschließlich Springsteen-Songs zu hören, sondern diverse Top-Hits jener Dekade wie „It’s a Sin“ von den Pet Shop Boys. Immerhin hat Javeds Kumpel Matt für Springsteen nicht viel übrig, der DJ des schulischen Radiosenders ebenfalls nicht und der blasierte Chefredakteur der Schülerzeitung schon mal gar nicht.

Bollywood lässt grüßen

Für eine überkandidelte Szene ließ sich die britische Regisseurin mit indischen Wurzeln sogar von Bollywood inspirieren: Auf einem Markt singt Javed seine Angebetete Eliza (Nell Williams) an, eine politisch engagierte Mitschülerin. Der Song: „Thunder Road“. Ich war gespannt, ob Javed auch die Zeile You ain’t a beauty, but hey, you’re alright unverändert unterbringt, gehört sie doch nicht unbedingt zu Bruce Springsteens charmantesten Songzeilen – und tatsächlich ist Eliza eine sehr aparte Person. Aber Javed bringt die Zeile – im Duett mit Matts Vater, der sich im Gegensatz zu seinem Sohn als Springsteen-Fan entpuppt und sich gemeinsam mit Javed ein wenig über Matt lustig macht. Und tatsächlich eignet sich „Thunder Road“ sehr gut dafür, seinen Gefühlen für ein Mädchen Ausdruck zu verleihen:

Hey, that’s me and I want you only
Don’t turn me home again, I just can’t face myself alone again

Well now, I’m no hero, that’s understood
All the redemption I can offer, girl, is beneath this dirty hood
With a chance to make it good somehow
Hey, what else can we do now?

Später folgt auch Springsteens Signature Song „Born to Run“ als bollywoodeske Einlage, in der Javed, Roops und Eliza ausgelassen von der Schule aus durch Lutons Straßen laufen.

Aw, honey, tramps like us
Baby, we were born to run

Noch Fragen? Dass Bruce Springsteen zu Javed passt wie die Faust aufs Auge, wird spätestens bei „Independence Day“ deutlich, einem jener Songs, in denen der Boss wiederholt das schwierige Verhältnis zu seinem Vater thematisiert hat, der wie Javeds Vater ein einfacher Arbeiter war:

’Cause the darkness of this house has got the best of us
There’s a darkness in this town that’s got us too
But they can’t touch me now
And you can’t touch me now
They ain’t gonna do to me
What I watched them do to you

So say goodbye it’s Independence Day
It’s Independence Day

Der Titel spielt natürlich auf den amerikanischen Unabhängigkeitstag 4. Juli an, gemeint ist zweifellos aber auch der Tag, an dem sich ein Junge von den Fesseln seines Vaters befreit. Javed will nicht denselben Zwängen des Arbeiterdaseins unterliegen – ein zentrales Motiv von „Blinded by the Light“. Malik ist ein strenger Vater, der das Leben seines Sohns vorherbestimmen will, wie es in seiner Kultur üblich ist. Dass sein Sohn schreiben will, tut er als Hirngespinst ohne Zukunft ab, als er davon erfährt.

Javed schöpft aus Springsteens Musik viel Kraft …

Das zwischenzeitliche Zerwürfnis zwischen Vater und Sohn ist unausweichlich. Aber ich verrate nicht zu viel, wenn ich andeute, dass das nicht das letzte Wort zwischen ihnen bleibt, immerhin handelt es sich kurz nach Danny Boyles „Yesterday“ erneut um ein musikalisches Feelgood-Movie aus dem Vereinigten Königreich. Klar, Strukturwandel der Industrie und damit einhergehende Arbeitslosigkeit, Rassismus, familiäre Probleme, Liebeskummer – all das kommt zum Tragen. Aber wir haben es mit einer Komödie respektive Tragikomödie mit großem Coming-of-Age-Anteil zu tun und nicht mit einem schwermütigen Gesellschaftsdrama. Und angesichts des Elends in der Welt ist ein Wohlfühlfilm wie dieser bei mir ab und zu willkommen, ein Film mit Bruce-Springsteen-Musik erst recht.

… und er traut sich sogar, Eliza anzusprechen

Manch ein/e rationell eingestellte/r Musikhörer/in mag nun argwöhnen, Javeds – und auch Roops’ – Leidenschaft für den Boss sei übertrieben dargestellt. Lasst euch versichern: Sie ist es nicht! Mein nicht Springsteen zugeneigtes privates Umfeld hält mich schon für einen seiner größten Fans, aber das bin ich mitnichten – nicht mal annähernd. Oben erwähnte ich meine insgesamt 13 Konzertbesuche seit 1988. Diese Zahl erreichen einige Gleichgesinnte, die ich persönlich kenne, schon bei einer einzigen Springsteen-Tournee. So viel dazu! Und ungeachtet dessen, dass der Boss Multimillionär ist und zuletzt ein Dauer-Engagement am Broadway hatte, dessen Eintrittskarten sündhaft bis geradezu obszön teuer waren, ist es ihm doch im Lauf seiner Karriere immer wieder gelungen, den sogenannten kleinen Leuten eine Stimme zu geben. Insofern verwundert Javeds Passion niemanden, der schon mit beinharten Springsteen-Fans in Berührung gekommen ist. Mir fallen einige ein, die viel Kraft aus seiner Musik ziehen – auch ein paar, deren Verehrung vielleicht schon übertrieben religiöse Züge annimmt. Das Wort Fan leitet sich nicht von ungefähr von fanatisch ab.

„Hey, that’s me and I want you only!“

„Blinded by the Light“ trägt ohnehin stark autobiografischen Charakter: Der Film basiert auf den 2007 veröffentlichten Memoiren „Greetings from Bury Park: Race, Religion and Rock ’n’ Roll“ von Sarfraz Manzoor, der seit Mitte der 1990er-Jahre als Journalist und Schriftsteller arbeitet. Gurinder Chadha hat daraus eine wunderbare Tragikomödie gemacht, der Bruce Springsteen persönlich seinen Segen gab und die gewisse Parallelen zu ihrer Regiearbeit „Kick It Like Beckham“ aufweist, mit der sie 2002 international auf sich aufmerksam machte. Die romantische Komödie handelt von einer indischstämmigen jungen Engländerin, deren Leidenschaft für Fußball ihren traditionell eingestellten Eltern ein Dorn im Auge ist.

Nummer-1-Hit für Manfred Mann’s Earth Band

Kurz zum Filmtitel: „Blinded by the Light“ stammt von Springsteens 1973er-Debütalbum „Greetings from Asbury Park N.J.“. Bei dem Song handelt es sich um seinen ersten Nummer-1-Hit, allerdings nicht in der Springsteen-Version, sondern der Interpretation von Manfred Mann’s Earth Band, die zugegeben sehr gelungen ausgefallen ist. Die Formation hat mit „For You“ und „Spirits in the Night“ (im Original „Spirit“ im Singular) zwei weitere Springsteen-Kompositionen zu Hits gemacht, die auch heute noch gern im Radio gespielt werden und nach wie vor zum Live-Repertoire der Band gehören.

„Tramps like us …“

Manche Menschen lehnen Bruce Springsteens Musik mit voller Inbrunst ab, weil sie ausschließlich völlig andere Genres hören oder der Boss ihnen viel zu sehr im Mainstream verankert erscheint. Denen kann ich auch nicht helfen, allen anderen sei der Besuch von „Blinded by the Light“ sehr ans Herz gelegt. Sich im Kinosaal knapp zwei Stunden lang einfach nur wohlzufühlen und dazu noch tolle Musik zu genießen – was will man mehr? Und an die Springsteen-Fans unter den Leserinnen und Lesern dieser Rezension richte ich die Bitte, per Kommentar meine eingangs gestellten Fragen zu beantworten, wenn ihr Lust habt.

„… Baby, we were born to run!“

Länge: 117 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Blinded by the Light
GB 2019
Regie: Gurinder Chadha
Drehbuch: Paul Mayeda Berges, Gurinder Chadha, Sarfraz Manzoor, nach Manzoors Autobiografie
Besetzung: Viveik Kalra, Kulvinder Ghir, Meera Ganatra, Hayley Atwell, Aaron Phagura, Dean-Charles Chapman, Nikita Mehta, Nell Williams, Tara Divina, Rob Brydon, Frankie Fox, Sally Phillips
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Warner Bros. Entertainment Inc.

 
 

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Verflixte Gastfreundschaft – Buster Keaton! Buster Keaton!! Buster Keaton!!!

Our Hospitality

Von Volker Schönenberger

Stummfilm-Komödie // Puh – der Layouter des DVD-Menüs von „Verflixte Gastfreundschaft“ ist offenbar unter dem Mindestlohn beschäftigt worden. Solche Billigmenüs wollen wir eigentlich nicht mehr zu sehen bekommen. Der Rückseitentext der DVD von Studio Hamburg Enterprises ist zudem in Versalien gesetzt. Hat den Produzenten niemand erzählt, dass das furchtbar lesbar ist? Die suboptimale Produktion setzt sich mit dem ersten Untertitel fort: Verflixte Gastfreundlichkeit ist begleitend zur eingeblendeten Original-Titeltafel Buster Keaton in “Our Hospitality” zu lesen, dabei lautet der auch auf dem Cover zu lesende deutsche Titel des Films doch „Verflixte Gastfreundschaft“. Unschön, und diese Schlampigkeit zieht sich durch die gesamten Untertitel. Zu guter Letzt sei die Lauflänge erwähnt, die auf dem Cover mit 64 Minuten angegeben ist, obwohl der Film auf der DVD 74 Minuten lang ist. Dass Bild und Ton ebenfalls nicht perfekt sind, muss wohl nicht erwähnt werden – hoppla, nun habe ich es doch erwähnt. Damit immerhin kann ich bei einem bald 100 Jahre alten Film umgehen.

Die Blutfehde der Canfields und McKays

Zu Beginn des natürlich schwarz-weißen Stummfilms klären uns Texttafeln darüber auf, zu bestimmten Zeiten habe es in Teilen der Vereinigten Staaten tödliche Blutfehden zwischen verfeindeten Familien gegeben. Die Geschichte beginnt 1810 und handelt vom Zwist zwischen den Canfields und den McKays in Rockville – das liegt im US-Staat Maryland, sofern das echte Rockville gemeint ist. Im Heim von John McKay (Edward Coxen) und seiner Frau (Jean Dumas) erlebt der einjährige Sprössling Willie (Buster Keatons Sohn Buster Keaton Jr.) eine stürmische Nacht inklusive Schießerei, die sein Vater sowie ein Mitglied der Canfields nicht überleben. Willies besorgte Mutter verfrachtet ihren Sohn daraufhin zur Sicherheit zu ihrer Schwester (Kitty Bradbury) ins entfernte New York City, wo Willie (Buster Keaton) 20 Jahre später zu einem stattlichen jungen Mann herangewachsen ist.

Als er die Nachricht erhält, den Grundbesitz seiner Eltern geerbt zu haben, klärt ihn seine Tante über die Blutfehde mit den Canfields auf, was Willie nicht daran hindert, recht sorglos in seine alte Heimat aufzubrechen. Während der Reise lernt er die bezaubernde Virginia Canfield (Natalie Talmadge, Keatons damalige und erste Ehefrau, in ihrem letzten Film) kennen. Die beiden finden Gefallen aneinander, und die junge Frau lädt Willie ins Haus ihrer Familie ein. Die männlichen Canfields sind alles andere als angetan, als sie erfahren, wen Virginia ihnen da hineingeholt hat. Lästigerweise verbieten die Gesetze der Gastfreundschaft, Willie McKay an Ort und Stelle über den Haufen zu schießen.

„Hatfields & McCoys“ lassen grüßen

Canfield und McKay? Wer dabei an die Miniserie „Hatfields & McCoys“ mit Kevin Costner und Bill Paxton denkt, hat den richtigen Riecher, denn Serie wie Stummfilm sind beide inspiriert von der Hatfield-McCoy-Fehde, die zwischen 1878 und 1891 mehr als ein Dutzend Menschenleben forderte und in den USA zum Synonym für derlei Familienfehden wurde.

Herrlich, wie Willie und Virginia gemeinsam in einem frühen Eisenbahnzug durch die Gegend tuckern und der junge Mann im niedrigen Abteil seinen gar zu hohen Hut gegen einen flachen eintauscht. Buster Keatons Mimik – oder besser: sein völliger Verzicht auf Mimik – illustrieren das formidabel und machen aus einem leidlich lustigen Gag eine urkomische Szene. Kleine Ideen würzen die Fahrt, etwa ein quer über der Strecke liegender Baumstamm, der sich allerdings nicht auf, sondern unter den Gleisen befindet. Als die Gleisspur gar zu holprig wird, verlässt das Gefährt sie kurzerhand und setzt den Trip auf einem Feldweg fort. Irgendwann überholen die Passagierwagen sogar die Lok, wie auch immer ihnen das gelingt. Für die Dreharbeiten wurde eine Dampflokomotive des zeitgenössischen Modells „Rocket“ nachgebaut, den Lokführer spielte Buster Keatons Vater Joe.

Willie hat im Zug neben Virginia Hutprobleme

Der 20 Jahre früher spielende Prolog von „Verflixte Gastfreundschaft“ fällt überraschend humorfrei, gar tragisch aus. Das ändert sich in der Folge, aber es bleibt doch ein vergleichsweise sanfter Slapstick, kaum absurd, wie man es oft bei Buster Keaton gesehen hat. „Our Hospitality“, so der Originaltitel, steht dafür, dass Joseph Canfield (Joe Roberts), Patriarch der Feindesfamilie, seinen Söhnen Clayton (Francis X. Bushman Jr.) und Lee (Craig Ward) verbietet, Willie zu töten, während er als Gast bei ihnen weilt. Das führt so weit, dass die beiden auf ihn schießen, als er die Flucht ergreift und dabei das Haus der Canfields verlässt, die Waffen aber sogleich wieder einstecken, als er sich zurück ins Gebäude rettet.

Vermächtnis von Antagonist Joe Roberts

Joe Roberts, Darsteller des Antagonisten Joseph Canfield, spielte von 1920 bis 1923 insgesamt 19 Mal an der Seite von Buster Keaton – meist dessen Gegenpart. Während der Dreharbeiten zu „Our Hospitality“ erlitt er einen Schlaganfall, kehrte aber bald darauf aus dem Krankenhaus an den Set zurück und beendete den Dreh. Ein weiterer Schlaganfall kurz darauf setzte seinem Leben mit 52 Jahren ein Ende.

Regisseur John G. Blystone drehte von Beginn seiner Laufbahn 1914 bis 1922 ausschließlich Kurzfilme. „Verflixte Gastreundschaft“ ist seine einzige Regiearbeit mit Buster Keaton, der dafür ebenfalls Regisseurs-Credits erhielt. Er beendete seine Karriere 1938 mit seinen einzigen beiden Laurel-und-Hardy-Filmen „Als Salontiroler“ („Swiss Miss“) und „Die Klotzköpfe“ („Block-Heads“).

Buster Keaton inspirierte Jackie Chan

Wie zeitlos Buster Keaton und sein Gesamtwerk trotz des großen Alters und als Stummfilme mit Schwarz-Weiß-Bild einzuordnen sind, belegt allein schon die Tatsache, dass kein Geringerer als Jackie Chan Keaton stets als sein größtes Vorbild bezeichnet hat. Darauf lassen sich letztlich alle von Chans beim Dreh erlittenen Verletzungen bis hin zu etlichen Knochenbrüchen zurückführen, denn der chinesische Superstar ließ es sich nie nehmen, all seine Stunts selbst auszuführen, wie es lange vor ihm auch Buster Keaton praktiziert hatte. Und wer glaubt, das sei im Stummfilm womöglich harmlos gewesen, möge sich eine Video-Kompilation davon anschauen. Auch „Verflixte Gastfreundschaft“ enthält ein paar Beispiele dafür, allen voran die Szene am Wasserfall. Dieser mag als Ideengeber für den etwas holprigen alten deutschen Titel „Bei mir – Niagara“ gedient haben, dessen Herkunft ich nicht ergründen konnte. Lief der Film tatsächlich mal unter diesem Titel in deutschen Kinos?

Natürlich wünschen wir uns, Willie und Virginia mögen zueinander finden und auf diese Weise die Fehde zum Ende führen, und ich spoilere wohl nicht zu viel, wenn ich erwähne, dass die Handlung auch darauf zusteuert. Ein Schlussgag mit all den Schusswaffen der Canfields rundet die Stummfilm-Komödie wunderbar ab. „Verflixte Gastfreundschaft“ verbindet Humor und Romantik mit schön fotografierten Kulissen und einer gut aufgelegten Besetzung zu einem poetischen Gesamtkunstwerk, das eine viel sorgfältiger produzierte Edition verdient hätte als die deutsche DVD-Erstveröffentlichung. Besser als nichts, muss man da wohl seufzend konstatieren. „Our Hospitality“ gehört im Übrigen zur Public Domain und kann daher kostenlos und völlig legal im Internet Archive angeschaut und heruntergeladen werden. Gegenüber dem Kauf der deutschen DVD vielleicht die bessere Wahl.

Abschließend ein Lektüretipp für alle des Englischen Mächtigen: 2002 hat der renommierte US-Filmkritiker Roger Ebert eine schöne Würdigung Buster Keatons veröffentlicht.

Veröffentlichung: 24. Mai 2019 als DVD

Länge: 74 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Englisch (Texttafeln)
Untertitel: Deutsch
Alternativtitel: Bei mir – Niagara
Originaltitel: Our Hospitality
USA 1923
Regie: John G. Blystone (als Jack Blystone), Buster Keaton
Drehbuch: Jean C. Havez, Clyde Bruckman, Joseph A. Mitchell
Besetzung: Buster Keaton, Natalie Talmadge, Joe Roberts, Francis X. Bushman Jr. (als Ralph Bushman), Monte Collins, Craig Ward, Joe Keaton, Kitty Bradbury, Buster Keaton Jr., Edward Coxen, Jean Dumas
Zusatzmaterial: Wendecover
Label/Vertrieb: Studio Hamburg Enterprises

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfoto: © 2019 Studio Hamburg Enterprises, Filmplakate: Fair Use

 

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Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich: Humor-Nachhilfe für Präsidentschaftskandidatin

Long Shot

Kinostart: 20. Juni 2019

Von Philipp Ludwig

Komödie // Ein ehemaliger Fernsehstar sitzt als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika im Weißen Haus. Er scheint jedoch für diesen anspruchsvollen Job nicht nur komplett ungeeignet zu sein, darüber hinaus zeigt er auch kein sonderlich großes Interesse an den hiermit verbundenen Aufgaben. Zu seinem Glück werden die Geschicke aber eh von fadenscheinigen Strippenziehern im Hintergrund gelenkt. Regisseur Jonathan Levine zieht in seinem neuesten Komödien-Spektakel „Long Shot“ eindeutig Parallelen zur aktuellen politischen Lage. Doch ausnahmsweise geht es hier einmal nicht um das omnipräsente, twitternde Trumpeltier. Levines fiktionaler Präsident Chambers (Bob Odenkirk – Saul Goodman aus „Breaking Bad“ und „Better Call Saul“) ist dann auch kein ehemaliger Reality-TV-Star, sondern ein gefeierter Fernsehschauspieler. Dessen größter Erfolg passenderweise die Rolle als US-Präsident in einer populären aber nur wenig anspruchsvollen Politthriller-Serie darstellte.

Präsident Chambers (l.) bittet seine Außenministerin Charlotte Field zum Gespräch

Chambers hat jedoch schon längst wieder genug vom lästigen Präsidentendasein und wähnt sich nun endlich bereit für den nächsten großen Schritt in seiner Laufbahn – den Sprung vom Fernsehen ins Filmbusiness! Das ist nämlich gar nicht so einfach, da sind sich in „Long Shot“ sämtliche Protagonisten einig. Seine Pläne teilt der scheidende Präsidentendarsteller seiner Außenministerin Charlotte Field (Charlize Theron, „Mad Max – Fury Road“) im Oval Office persönlich mit. Ist diese zwar zunächst ein wenig baff, so überkommt sie schnell die große Freude – denn Chambers will sie vor dem anstehenden Wahlkampf öffentlich als seine Nachfolgerin vorschlagen. Die ehrgeizige Charlotte wähnt sich am Ziel ihrer Träume. Einziges Problem: Die Umfragewerte bescheinigen der populären Politikerin und scheinbaren Mrs. Perfect nur in einem Punkt keine Traumwerte – ihrer menschlichen Nahbarkeit. Vor allem in Sachen Humor hat sie anscheinend noch Nachholbedarf und die Außenwirkung ist schließlich alles, was im Wahlkampf zählt, oder etwa nicht? Wen interessieren schon Inhalte?

Flarsky (2. v. r.) soll Charlotte (r.) als Redenschreiber lockerer machen – ihre Berater sind skeptisch

Zum Glück läuft Charlotte zufällig auf einem der zahlreichen Empfänge, an denen sie als Ministerin teilnehmen muss, Fred Flarsky (Seth Rogen) über den Weg, den sie aus längst vergangen zu scheinenden Zeiten kennt. Obwohl dieser nur wenig jünger ist als sie, hatte sie ihn zur Schulzeit als Babysitterin betreut. Mit ihrer Feststellung, dass er sich kaum verändert habe, lässt sich Flarsky dann auch ziemlich gut beschreiben – wirkt der jugendlich anmutende Enddreißiger doch zumindest vom äußeren Erscheinungsbild in seinem Schlabberlook und seiner wenig zurückhaltenden Art wie das komplette Gegenteil der seriösen und zugeknöpften Charlotte. Doch Flarsky hat auf seine Weise Karriere gemacht – als krawallartiger, unerschrockener Investigativjournalist. Der, ausgestattet mit einem gesunden Zynismus und einer feinen Prise schwarzen Humor, über die Ungerechtigkeiten der Welt schreibt und hierdurch einigen Ruhm einheimsen konnte. Dass er dabei auch bereit ist, sein Leben aufs Spiel zu setzen, zeigt „Long Shot“ in einer eindrucksvollen und höchst amüsanten Einstiegssequenz – mit Flarsky in verdeckter journalistischer Mission bei einem Haufen dumpfer White-Power-Knalltüten. In Charlottes Augen scheint er daher jedenfalls der perfekte Kandidat für den vakanten Posten ihres neuen Redenschreibers zu sein, um ihren bisherigen Stil etwas aufzulockern. Auch wenn ihr Berater-Team (June Diane Raphael und Riv Patel) da gänzlich anderer Meinung ist.

Die Zeit ist reif für einen „First Mister“

Und dann ist da noch die alte Geschichte, dass Flarsky damals natürlich unsterblich in seine hübsche Babysitterin verknallt war. Kann das gut gehen? Zeit hat Flarsky gerade jedenfalls genug, nachdem er aus Protest seinen Job gekündigt hat, da sein Hausblatt vom erzkonservativen britischen Medien-Mogul Parker Wembley (fantastisch wie immer: Andy „Gollum“ Serkis) aufgekauft wurde. Der beeinflusst mit seinem Hetz-Sender „Wembley News“ nicht nur die politische Stimmung des Landes, sondern scheint nicht gerade selten auch direkt hinter den Entscheidungen des Präsidenten Chambers zu stecken. Ähnlichkeiten zu Rupert Murdoch und Trumps Haussender „Fox News“ sind hier wohl ebenfalls nur rein zufälliger Natur. Zwinkersmiley.

Flarsky will Charlotte aus ihrem strengen Arbeitsalltag als Ministerin befreien

Während Charlotte und Flarsky in den Vorbereitungen auf die Ankündigung ihrer Kandidatur und aufgrund ihrer fordernden Arbeit als Außenministerin durch die Welt touren und eine Menge Zeit miteinander verbringen, kommen sie sich tatsächlich auch persönlich wieder näher, als manchen lieb ist. Denn Flarsky bietet der gestressten Charlotte viel mehr als nur seine sprachliche Kreativität: Er erinnert sie an ihr jugendliches Selbst und den verloren gegangen Spaß im Leben – mit ungeahnten Folgen. Doch ist ausgerechnet der nerdige und zynische Polit-Misanthrop Flarsky der geeignete Kandidat für den möglicherweise ersten „First Mister“ in der Geschichte der USA? Oder ist aus PR-Gründen nicht der schnieke kanadische Premierminister James Steward (Alexander Skarsgård, „Legend of Tarzan“) viel besser als Partner für Charlotte geeignet? Und was hält eigentlich Präsident Chambers davon, dass Charlotte, auch dank Flarskys Einfluss, plötzlich beginnt, dessen politische Arbeit beziehungsweise die seiner Gönner öffentlich anzugreifen und eine eigene Richtung einzuschlagen?

Große Comedy-Erfahrungen

Regisseur Jonathan Levine („Warm Bodies“) hat im Komödien-Bereich einige Erfahrungen gesammelt. Durchaus erfolgreich hat er sich hier zuletzt in 2017 nicht nur mit „Snatched“ bereits einen Namen gemacht und auch mit Hauptdarsteller Seth Rogen schon früher zusammengearbeitet („The Night Before“). Man kennt sich also. Für das Drehbuch zu „Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich“ zeichnet ein interessantes Duo verantwortlich: Mit Dan Sterling hat man sich hier einen Schreiber ins Boot geholt, der sich als Autor im Fernsehen bereits seine Gag-Sporen verdient hat (u. a. bei „South Park“, „The Office“ und „The Daily Show with Jon Stewart“). Sterling hatte durch sein Drehbuch zum Polit-Klamauk „The Interview“ (2014) filmisch ebenfalls schon mit Komödien-Veteran Rogen zu tun, wodurch damals beinahe eine internationale Krise mit Nordkorea ausgelöst wurde. Als Ko-Autorin von Sterling fungiert die 1985 geborene Liz Hannah, die in erster Linie durch ihre Mitwirkung am Skript des renommierten Spielberg-Films „The Post“ (2017) mit Meryl Streep und Tom Hanks und weniger für anderes Mitwirken im komödiantischen Bereich bekannt sein dürfte.

Die Schöne und das Biest: Könnte Fred Flarsky tatsächlich der erste „First Mister“ der USA werden?

Diese Kombination aus dem zynischen, politisch-satirisch erfahrenen Levine und der „seriöseren“ Hannah ähnelt in gewisser Weise nicht nur dem von Rogen und Theron in „Long Shot“ verkörperten Leinwand-Duo Flarsky und Charlotte, es dürfte durch diese Mischung auch ein entscheidender Grund für das überaus gelungene Drehbuch zu der sehenswerten Polit-Persiflage sein. Die verliert sich daher glücklicherweise nicht allzu sehr im platten Klamauk, sondern bietet erstaunlich viel Tiefgang und inhaltliche Abwechslung. Ob als satirische Betrachtung der aktuellen politischen Lage oder des undurchschaubaren und oberflächlichen Politik-Zirkus allgemein, als ernstzunehmende Romanze, als Teenie-Komödie mit längst erwachsenen Protagonisten oder Persiflage auf unsere Social-Media-hörigen Zeiten, in denen die Außenwirkung das Einzige zu sein scheint, das zählt – „Long Shot“ wird dank seines Drehbuchs, Levines Inszenierung und Gags mitunter im Minutentakt in seinen 125 Minuten Laufzeit niemals langweilig. Die Anspielungen auf berühmte Persönlichkeiten sitzen ebenso wie die meisten der zahlreichen Verweise auf unsere zeitgenössische Popkultur und die humorvoll-kritischen Seitenhiebe auf die Medienlandschaft. „Game of Thrones“-Fans, aufgepasst: Wer wie ich zum Zeitpunkt der Pressevorführung noch nicht mit dem Schauen der siebten Staffel durch war, dem droht erhöhte Spoiler-Gefahr.

Politische Satire in Zeiten Donald Trumps

Am meisten überzeugt die treffende Darstellung des Polit-Zirkus, die perfekt in die abstruse gegenwärtige politische Weltlage passt. Wenn man bedenkt, dass sich auf den britischen Inseln nun auch noch der ehemalige Hofnarr Boris Johnson aufmacht, die Riege an herrschenden Polit-Clowns um eine weitere, besonders skurrile Figur zu erweitern, fragt man sich schon, ob nicht die Realität die Satire darstellt und weniger ein Film wie „Long Shot“. Es zeigt aber auch die Herausforderungen politischer Komödien und Satire in Zeiten, in denen die Trumps der Welt uns tagtäglich Realsatire vom Feinsten präsentieren. Wäre ein Plot wie der von „Long Shot“ vor zehn Jahren noch als absolut überzeichnet kategorisiert und ins Reich der Fantasie komplimentiert worden, so wirkt es heutzutage erstaunlicherweise tatsächlich nicht einmal ansatzweise zu weit hergeholt. Interessanterweise zielt die Vermarktung von „Long Shot“ dagegen in erster Linie auf den Aspekt der Beziehungskomödie zwischen Charlotte und Flarsky, wie der unten eingebettete Trailer zeigt.

Oder ist der schneidige kanadische Premierminister Steward nicht die bessere, da öffentlichkeitswirksamere Wahl als Gatte?

Neben dem kreativen und abwechslungsreichen Drehbuch sowie der unterhaltsamen Inszenierung punktet „Long Shot“ mit hervorragender Besetzung. Zu Seth Rogen braucht man in Bezug auf das Komödien-Genre eigentlich kaum noch etwas sagen. Der alte Witze-Haudegen und Kult-Film-Star (u. a. „Ananas Express“ und „Zack and Miri Make a Porno“) ist hier jedenfalls ganz in seinem Element, die Rolle des Fred Flarsky wurde ihm ganz offensichtlich von Sterling und Hannah auf den Leib geschrieben. Mag man von seinem Humor und Schauspiel halten was man will – darüber lässt sich sicher streiten –, seine Rolle füllt er wieder mit viel Freude an der Sache ansprechend aus, und er bietet natürlich aufgrund des nerdigen Charakters des Typs „ewiger College-Student“ seiner Figur Flarsky ein großes Sympathiepotenzial.

„Uncle Sam wants you!“ Präsident Chambers: Mann der großen Gesten, weniger der politischen Inhalte

Überraschender mag da die Besetzung von Charlize Theron anmuten, die ja eigentlich eher selten in komödiantischen Werken zu sehen ist – „Verrückt nach Mary“ von 1998 kommt zugegeben in den Sinn. Gerade sie entpuppt sich als absoluter Glücksfall. Ist Theron nun einmal einfach eine umwerfend schöne Frau, so besitzt sie als Schauspielerin auch eine ganz besonders beeindruckende Ausstrahlung. Allein durch diese Kombination ist sie eine perfekte Besetzung für den nach außen hin alles überstrahlenden Polit-Star Charlotte Field. Da sie aber auch eine hervorragende Schauspielerin ist, vermag sie es, ihrer im Grunde innerlich auch ziemlich verletzlichen Figur somit auch die entsprechende menschliche und charakterliche Tiefe zu geben und hierdurch einen Film, der vermutlich sonst eher den Status einer netten Komödie innegehabt hätte, nochmals auf einen ganz anderen filmischen Level zu heben. Sie ist ohne Wenn und Aber der große Star in „Long Shot“ und ich wage zu behaupten: Würde ihre Charlotte Field in real zur nächsten Wahl antreten – sie dürfte allein aufgrund ihrer beeindruckenden Präsenz eine echte Chance haben.

Anschlussverwendung für Präsidentendarsteller

Nimmt man die gut besuchte Pressevorführung als Gradmesser für das komödiantische Potenzial von „Long Shot“, so darf man einiges erwarten. War die Stimmung doch schier ausgelassen und es wurden dem tendenziell kritischen Publikum unzählige Lacher entlockt. Und auch wenn nun nicht alle Gags immer zu zünden vermögen, das erstaunlich tiefgründige und ansprechende Niveau des Films hin und wieder durch gelegentlich doch arg platte Jokes getrübt wird oder die zahlreichen popkulturellen Referenzen mitunter zu viel des Guten sind und ein wenig bemüht sowie konstruiert wirken – es schmälert den guten Gesamteindruck keinesfalls. Gebt „Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich“ also eine Chance! Es dürfte trotz der kleineren Schwächen für jeden etwas zu lachen dabei sein. Darüber hinaus kann man nur hoffen, dass ein Donald Trump eventuell auch unter den künftigen Kinogängern sein – und er sich dann hoffentlich ein Beispiel an seinem fiktionalen Pendant Chambers nehmen wird. Eine Karriere im Filmgeschäft ist doch auch viel reizvoller als eine zweite, anstrengende Amtszeit im Weißen Haus, oder etwa nicht, Donald? In der nächsten „King Kong“- oder „Godzilla“-Verfilmung ist bestimmt eine angemessene Rolle als Monsterköder für dich frei.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Charlize Theron sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Alexander Skarsgård unter Schauspieler.

Wird Charlotte ihre Beziehung zu Flarsky mit ihrem Traum von der Präsidentschaft in Einklang bringen können?

Länge: 125 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Long Shot
USA 2019
Regie: Jonathan Levine
Drehbuch: Dan Sterling, Liz Hannah
Darsteller: Charlize Theron, Seth Rogen, June Diane Raphael, Ravi Patel, O’Shea Jackson Jr., Alexander Skarsgård, Bob Odenkirk, Andy Serkis, Lisa Kudrow, Claudia O’Doherty, Paul Scheer
Verleih: Studiocanal Filmverleih

Copyright 2019 by Philipp Ludwig

Filmplakat, Trailer & Szenenfotos: © 2019 Studiocanal Filmverleih. All rights reserved.

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2019/06/17 in Film, Kino, Rezensionen

 

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