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L.A. Story – Steve Martin und das Verkehrszeichen

L.A. Story

Von Volker Schönenberger

Komödie // Steve Martin – welch wunderbarer Komiker! Seine Humor-Sporen verdiente sich der 1945 im texanischen Waco Geborene Ende der 1960er-Jahre auf Kleinkunst-Bühnen und ab den 1970ern auch vermehrt im US-Fernsehen. So war er ab 1976 zehn Jahre lang Moderator von „Saturday Night Life“, der legendären Comedy-Show, die so viele berühmte US-Spaßmacher hervorgebracht hat. Ich bin erstmals in den 80ern auf Martin aufmerksam geworden, wobei ich nicht mehr weiß, mit welchem Kinofilm das war. Womöglich „Der Mann mit zwei Gehirnen“ (1983) in welchem er den Neurochirurgen Doktor Hfuhruhurr (!) verkörperte, der sich in ein in einer Nährlösung schwimmendes Gehirn verliebt. In „Roxanne“ (1987) spielte Steve Martin frei nach „Cyrano de Bergerac“ einen wortgewandten Feuerwehrmann mit übergroßer Nase, der sich unglücklich verliebt.

Highlight: „Tote tragen keine Karos“

Einen der Höhepunkte seines Schaffens stellt zweifellos „Tote tragen keine Karos“ (1982) dar. Die Schwarz-Weiß-Parodie auf klassische Thriller und Krimidramen enthält kunstvoll eingebaut Originalszenen aus Film-noir-Klassikern, sodass der von Steve Martin verkörperte Privatdetektiv Rigby Reardon mit Größen wie Bette Davis, Ava Gardner, Barbara Stanwyck, Humphrey Bogart, Kirk Douglas und Burt Lancaster interagiert. Unvergessen auch: Martins Auftritt als sadistischer Zahnarzt im schreiend komischen Grusel-Musical „Der kleine Horrorladen“ (1986). Dreimal moderierte er die Oscar-Verleihung, 2014 erhielt er selbst den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk.

Performance Art oder Zeitverschwendung?

Mein Name ist Harris K. Telemacher. Ich lebe in Los Angeles und ich hatte bisher sieben Herzinfarkte. Allesamt eingebildete. Ich will damit sagen: Ich war zutiefst unglücklich, aber das wusste ich nicht, weil ich die ganze Zeit so furchtbar glücklich war. Mit diesen Worten aus dem Off lernen wir den von Steve Martin verkörperten Protagonisten von „L.A. Story“ kennen. Der Meteorologe Harris ist promovierter Philosoph und verdient sich seine Brötchen als komödiantischer Wetterfrosch fürs Fernsehen.

Manche Freundinnen kann man vergessen

Bei einem Treffen mit oberflächlichen Bekannten (darunter Top-Model Iman) im Restaurant an der Ecke Sunset und Crescent lernt er Sara McDowell (Martins damalige Ehefrau Victoria Tennant) kennen. Die Engländerin ist gerade eingetroffen, um für die „London Times“ einen Artikel über Los Angeles zu schreiben und fällt mit ihrer unkonventionellen Art aus dem Rahmen. Sie beeindruckt Harris so sehr, dass er bei der Abfahrt glatt seine Freundin Trudi (Marilu Henner) am Bordstein vergisst. Mit der etwas zickigen Trudi verbindet ihn nicht allzu viel, die Beziehung der beiden mag ein Grund sein, weshalb er unbemerkt unglücklich ist. Glücklicherweise entdeckt er bald, dass sie ihn mit seinem Agenten (Kevin Pollak) betrügt.

An Shakespeares Grab

Gern erklärt sich der Wetterfrosch bereit, Sara sein Los Angeles zu zeigen: Ein paar Gebäude hier sind schon über 20 Jahre alt. Im Museum für Musikgeschichte schauen sich die beiden Beethoven’s Balls an, besuchen anschließend das Grab von William Shakespeare (nun ja). Weil Harris am folgenden Wochenende nicht arbeiten will, zeichnet er dreisterweise den Wetterbericht vorab auf. Er prognostiziert natürlich strahlenden Sonnenschein, denn: Wir sind doch in Los Angeles. Was soll sich groß ändern? Klar, dass es ausgerechnet diesmal wie aus Kübeln schüttet. Davon lässt sich Harris nicht stören, wird er doch gerade von der kecken Hosenverkäuferin SanDeE (Sarah Jessica Parker) becirct. Derweil versucht Saras Ex-Ehemann Roland Mackey (Richard E. Grant) mit Inbrunst, sie zurückzugewinnen. Und dann ist da noch das elektrische Verkehrszeichen am Freeway, auf welches Harris erstmals während einer Panne aufmerksam wird und das ihm auf geradezu magische Weise wohlmeinende Ratschläge, Voraussagen und ein Rätsel mit auf den Weg gibt.

Auch SanDeE bringt Trubel

„L. A. Story“ strotzt vor kleinen bizarren Einfällen wie einer wie selbstverständlich auf dem Highway beginnenden Schießerei, weil ja an diesem Tag die Jagdsaison eröffne. Woody Harrelson hat eine kleine Rolle als Harris’ Boss. Einen weiteren Kurzauftritt absolviert Patrick „Captain Picard“ Stewart – er spielt den Maitre des Nobelrestaurants „L’Idiot“, das seine Gäste genau überprüft, bevor es eine Reservierung annimmt. Chevy Chase ist als Filmstar Carlo Christopher zu sehen, der im „L’Idiot“ den gleichen Tisch wie gewöhnlich bekommt, obwohl er einen guten haben will, was sich als völlig unmöglich erweist. Dieser skurrile Humor ist wie selbstverständlich inszeniert und gibt sich nonchalant. Was klamaukig wirken könnte, wird so einfach zauberhaft. Dazu passen auch die Mono- und Dialoge von „L.A. Story“: So jung ist sie gar nicht mehr. Sie wird 27 – in vier Jahren. Diverse explizite und implizite Verweise auf Shakespeare würzen das Ganze, genannt sei die Einlage des von Rick Moranis gespielten Totengräbers. Und wer mit Shakespeares Bühnenstücken „Ein Sommernachtstraum“ („A Midsummer Night’s Dream“) und „Der Sturm“ („The Tempest“) vertraut ist, wird womöglich ein paar inhaltliche Versatzstücke wiedererkennen.

Drehbuchautor Steve Martin

Steve Martin schrieb diverse Drehbücher seiner Kinohits selbst, so auch in diesem Fall. Mit „L.A. Story“ lieferte er eine warmherzige Liebeserklärung an die kalifornische Metropole ab, die bei aller Überzeichnung nie ins Zynische abgleitet. Regisseur Mick Jackson („Volcano“) gibt seinem Star die Freiheiten, die der Film braucht, wobei es andererseits auch sein kann, dass Martin gar nicht viele Freiheiten brauchte, weil er sich auf sein eigenes Skript verlassen konnte. Ich habe die Komödie erstmals seinerzeit im Kino gesehen und seitdem gern wieder. Meine anlässlich der vorbildlichen Blu-ray-Veröffentlichung erfolgte Sichtung wird womöglich nicht die letzte gewesen sein und hat Lust gemacht, weitere Steve-Martin-Komödien mal wieder zu gucken. Koch Films hat im Übrigen reichlich Bonusmaterial auf die Scheibe gepackt. Aufgrund der Rolle von Los Angeles als heimliche Hauptdarstellerin empfiehlt sich insbesondere der Blick auf das Featurette über die Drehorte.

Wird das Verkehrszeichen Harris und Trudi den Weg weisen?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Mick Jackson haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Woody Harrelson, Steve Martin und Patrick Stewart unter Schauspieler. Welche Steve-Martin-Filme sind eure Favoriten?

Veröffentlichung: 11. Juni 2020 als Blu-ray, 29. Mai 2001 als DVD

Länge: 95 Min. (Blu-ray), 91 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: L.A. Story
USA 1991
Regie: Mick Jackson
Drehbuch: Steve Martin
Besetzung: Steve Martin, Victoria Tennant, Richard E. Grant, Marilu Henner, Sarah Jessica Parker, Kevin Pollak, Susan Forristal, Sam McMurray, Patrick Stewart, Andrew Amador, Iman, Rick Moranis, Paula Abdul, Woody Harrelson
Zusatzmaterial Blu-ray: Making-of, Hinter den Kulissen, Featurette „Die Story von L.A. Story“ mit Produzent David Melnick, Featurette „Das L.A. von L.A. Story“ über die Drehorte des Films, geschnittene Szenen und alternatives Ende, Interviews mit Cast & Crew, TV-Spots, Bildergalerie mit seltenem Werbematerial, deutscher und englischer Trailer, Vertikalschuber, Wendecover
Zusatzmaterial DVD: Trailer
Label/Vertrieb Blu-ray: Koch Films
Label/Vertrieb DVD: AVU

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Blu-ray-Packshot: © 2020 Koch Films

 
 

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Simon Templar Vol. 2 – In fröhlicher Mission

The Saint

Von Tonio Klein

Krimiserie // Teil 2 der von Pidax neuaufgelegten Kollektion abgeschlossener halblanger Schmunzelkrimis nach einer Romanreihe ist der bislang stärkere. Anders als bei Vol. 1 hat man sich nämlich nicht eine Staffel herausgegriffen, sondern spannt den ganz großen Bogen, der die allererste und die allerletzte Folge umfasst. Zudem gibt es das interessantere Bonusmaterial, wobei vor allem die Dokus über die Entstehung der Serie und den Übergang zu Farbe ab Staffel 5 hervorzuheben sind.

Sauber-Lebemann mit Augenbraue

Kurz für diejenigen, die nicht zu meiner Rezension von „Simon Templar Vol. 1“ herüberklicken wollen: Selbiger wird wegen seiner Initialen „The Saint“ (St. für „heilig“) genannt, ist aber ein eher unheiliger Lebemann, der in der ganzen Welt zu Hause ist, weder einen erkennbaren Beruf hat noch braucht und immer wieder in Kriminalfälle hereingezogen wird. Schöne Frauen und seine Fäuste sind stets dabei, manchmal auch Handfeuerwaffen. Roger Moore ist dafür eine im besten Sinne typengerechte Besetzung, der damals schon sein Grinsen und das Spiel mit der leicht hochgezogenen Augenbraue zum Markenzeichen machte. Mit dieser Serie erlangte er zumindest in seinem Heimatland große Bekanntheit, nachdem zuvor die Kinokarriere in Hollywood und anderswo eher schleppend begonnen hatte. Aus Sicht von Roman-Puristen ist der Preis dafür eine gewisse Glättung der Templar-Figur, die in den literarischen Vorlagen auch illegale Aktivitäten betreibt, ein Messer mit sich führt und Prozente von wiederbeschaffter Diebesbeute abzwackt. Leider habe ich keinen Templar-Roman gelesen, aber allein die Dokumentationen enthüllen so manches über des Autors Leslie Charteris ungeliebte Beteiligung an der Serie: Dieser schimpfte wie ein Rohrspatz an so manchem Drehbuchentwurf. Geändert hat es nichts. Der Heilige wurde sauber (und geht auch, anders als Rogers Moores spätere Leinwandfigur Bond, beim Flirten nicht weiter als bis zum eher keuschen Kuss).

Schöne Frauen haben oft ein abgründiges Spiegelbild

Was die Einzelfolgen betrifft, findet sich am Ende dieses Textes eine Liste der Titel, bei denen stets die Staffel und Episode vermerkt ist. Nach einem Einstieg mit alten Schwarz-Weiß-Folgen (Nr. 1 bis 6, 1962 bis 1964) widmet sich die Kollektion hauptsächlich der sechsten und letzten Staffel (1968/1969). Irritierend ist die Aufnahme von „Heißer Kuss am Bosporus“ als letzte Folge der fünften Staffel, die auf Vol. 1 als einzige Folge der fünften Staffel fehlt. Hier kann ich nur vermuten, dass Pidax sich auf „fernsehserien.de“ verlassen hat, wo die Folge als erste der sechsten Staffel gelistet ist. Wikipedia (englisch wie deutsch) und imdb.com sehen es aber anders, und gerade letztgenannte ist eine sehr zuverlässige Referenz, sodass ich ihr vertraue.

Templar von der Wiege bis zur Bahre …

Pidax bietet die Folgen in gewohnt ordentlicher Bild- und Tonqualität, wobei alles Generelle in meiner Rezension zu „Simon Templar Vol. 1“ nachgelesen werden kann. Ein paar Beobachtungen zu Einzelfolgen zeigen Erhellendes über die Entwicklung der Serie: Es sei jedem empfohlen, eine der frühen und eine der späten Folgen direkt nacheinander zu sehen. Dies zeigt, dass Simon Templar kein steifer, unverrückbarer Monolith ist, sondern die Veränderungen der Welt um ihn herum mitmacht. Aber Mann wie Serie schaffen es, sich angesichts der frischen Anpassungen an einen neuen Zeitgeist treu zu bleiben und nicht etwas ganz anderes zu sein. So ist das Gesetz der Serie gewahrt, ihr eigenständiger, unverwechselbarer Charakter, ohne mit dem Verharren im Immergleichen zu langweilen. Sehr gut zu sehen ist dies am Vergleich der Ur-Folge „Simon Templar trifft eine alte Freundin“ mit der zweitletzten Folge „Simon Templar und der Guru“. Zunächst einmal: Beide Folgen spielen nicht an erkennbar im Studio nachgestellten Orten in der Weltgeschichte, in der sich unser Held so gern herumtreibt, sondern in Good Old England. Was mir nach recht vielen Folgen mit dem immergleichen Vorgaukeln von „Exotik“ recht gut gefällt! Aber wie hat sich das von 1962 bis 1969 geändert! Die „Guru“-Folge ist pures Swinging London, kreischbunt, mit selbst für Templar-Verhältnisse vielen schönen Frauen mit extravaganten Klamotten (natürlich kurzen Röckchen) und Frisuren. Zudem nimmt die Episode den damals verbreiteten Hunger nach „alternativen“ Lebenssinn-Angeboten zum Anlass für ihren Kriminalfall. Die alte Folge zeichnet sich hingegen durch ein traditionelles ländliches England und eine für die Serie eher ungewöhnliche „Blaubart“-Geschichte aus. Eine Frau muss fürchten, dass ihr Mann nicht zufällig zweifacher Witwer ist und sie die Nr. 3 wird. Dies führt bei dem Ehepaar zu einer Tiefe der Charaktere, die man ansonsten vergeblich sucht, zudem mit einem in der Deutung sehr beunruhigenden Cross-Dressing-Aspekt. Aber das Ganze ist
immer noch Templar, wenn der Held cleverer sein muss als der Killer. Und wenn er sich darüber wundern wie freuen darf, dass eine Versicherungsagentin (das spätere Bond-Girl Shirley Eaton) viel schöner ist als erwartet.

… und was gibt’s dazwischen?

Dazwischen liegen solche Dinge wie „Simon Templar und der Tourist“ und „Simon Templar und der Skorpion“. Sie kommen etwas konventioneller daher und bewegen sich im gewohnten Serienfahrwasser, in dem der Held an verschiedenen Orten mit Fäusten, Chuzpe und hochgezogener Augenbraue den Schwachen hilft. Letztgenannter ist minimal besser, weil er einen wirklich abgründigen „Bösen im Hintergrund“ parat hält, bei dem der Beiname Skorpion mehr als nur schmuckes Beiwerk ist. „Simon Templar und der Fall Farnberg“ ist eine von Roger Moore selbst inszenierte Folge, die Action und Tempo betont. So hat der arme Simon kaum Zeit für sein Nachtleben mit schönen Frauen, welches ein uneingelöstes Versprechen seines anfänglichen Off-Monologes bleiben muss. Das angenehm Straffe überzeugt, zudem in einer mal wieder erfreulich geerdeten London-Folge, also ohne das Vorgaukeln mondäner Schauplätze an fernen Orten. Das tut dann aber „Heißer Kuss am Bosporus“: guter Durchschnitt, der zeigt, dass es Hinterhof-Kunstwerkstätten, Basare und ein paar gute sowie einen schaurig klischeehaft geschminkten Orientalen auch in den Elstree-Studios gab. Bei den späteren Folgen unbedingt hervorzuheben ist „Ein Texaner in Monte Carlo“: Diese Episode fällt aus dem Rahmen, weil sie schon eine Blaupause und ein Probelauf für die Roger-Moore-Folgeserie „Die 2“ ist: Buddy-Fernsehen, in dem sich ein schnöseliger Brite (Moore) und ein nicht minder reicher, aber etwas ungehobelter Ami (Stuart Damon) raufen, aber auch zusammenraufen. Natürlich lösen sie den Fall, der in üblicher Jet-Set-Atmosphäre spielt und einen Glücksspiel-Trick zeigt, der möglicherweise eine augenzwinkernde Reverenz an „James Bond 007 – Goldfinger“ ist. Damon habe laut einer der auf der DVD enthaltenen Dokus sehr bedauert, dass er die ähnlich gelagerte Hauptrolle in „Die 2“ nicht bekommen hat, die schließlich Tony Curtis spielte.

Ach du Schreck, wie später Brosnan: Bond-Darsteller mit BMW

Während die Serie also in der Nähe guter alter englischer Mystery-Krimis der Vergangenheit begann, weist sie am Ende in die Zukunft – aber Templar bleibt immer Templar. Was dazwischen geschah, davon wird Vol. 3 noch Teile zeigen. Demnächst auf dieser Seite.

Beschützer mit Smoking …

Die Episoden im Einzelnen:

01. Simon Templar trifft eine alte Freundin (The Talented Husband): 1/01
02. Simon Templar und der Tourist (The Loaded Tourist): 1/05
03. Simon Templar und der Skorpion (The Scorpion): 3/04
04. Simon Templar und der Fall Farnberg (The Contract): 3/14
05. Simon Templar und das große Spiel (The Set-up): 3/15
06. Simon Templar riskiert Kopf und Kragen (The Crime of the Century): 3/22
07. Heißer Kuss am Bosporus (The Gadic Collection): 5/27
08. Simon Templar und der tote Kapitän (The Best Laid Schemes): 6/01
09. Simon Templar und die nächtliche Einladung (Invitation to Danger): 6/02
10. Simon Templar und ein Testament (Legacy for the Saint): 6/02
11. Simon Templar und der Diplomat (The Desperate Diplomat): 6/04
12. The Organisation Man: 6/05
13. Simon Templar und der Doppelgänger (The Double Take): 6/06
14. Zeit zu sterben (The Time to Die): 6/07
15. Simon Templar und der rote Drachen (The Master Plan): 6/08
16. Simon Templar und die Nadel (The Scales of Justice): 6/10
17. Simon Templar und der Pakistani (The People Importers): 6/13
18. Simon Templar und die Millionärstochter (Where the Money Is): 6/14
19. Ein Texaner in Monte Carlo (The Ex-King of Diamonds): 6/17
20. The Man Who Gambled with Life: 6/18
21. Simon Templar und der Guru (Portrait of Brenda): 6/19
22. Mit hundert Sachen in die Kurve (The World Beater): 6/20

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Roger Moore haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

… hier aber zu spät

Veröffentlichung: 3. Juli 2020 und 27. April 2007 als DVD

Länge: 1143 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch (mit Ausnahme einer Folge), Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Saint
GB 1962–1969
Regie: Roy Ward Baker u. a.
Drehbuch: Harry W. Junkin u. a.
Besetzung: Roger Moore, Shirley Eaton, Barbara Bates
Zusatzmaterial: 16 Episoden-Trailer, Trailershow, Audiokommentar zu „Ein Texaner in Monte Carlo“ (u. a. Roger Moore), Dokumentationen „The Saint Steps into Colour“ und „The Saint Steps into Television“ (beide mit Untertiteln), Wendecover
Label 2020: Pidax Film
Vertrieb 2020: Al!ve AG
Label/Vertrieb 2007: Koch Media

Copyright 2020 by Tonio Klein

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2020 Pidax Film

 

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Die Falschspielerin – Frauen regieren die Welt

The Lady Eve

Von Tonio Klein

Liebeskomödie // Eigentlich sind Screwball-Komödien gar nicht so mein Ding. Zu laut, zu lärmend, zu hektisch, gelegentlich auch zu böse. Das ist hier nun ganz anders. Wenngleich auch diese natürlich ein Stück weit böse ist – aber eben nicht nur. Vor allem ist „Die Falschspielerin“ gut geschrieben, gut gespielt und von ein paar Durchhängern im Mittelteil einmal abgesehen tatsächlich lustig statt nervtötend.

Henry Fonda als Naivling

Die Liebeskomödie handelt davon, wie sich die gerissene Betrügerin Jean den reichen und etwas weltfremden Softie Charles angelt (Trottel wäre ein bißchen hart gesagt, aber nicht ganz ohne Berechtigung). Henry Fonda spielt ihn, und Hellmuth Karasek hat in seinem Buch „Mein Kino“ sehr schön beschrieben, wie gut er das kann – dass Fonda mit etwas steifem Understatement auch dann noch eine gute Figur macht, wenn er diverse Male hintereineinander wörtlich wie im übertragenen Sinne auf die Schnauze fällt. Er braucht gar nicht so dick aufzutragen wie etwa ein Cary Grant 1938 in „Leoparden küsst man nicht“, er erreicht mit weniger mehr. Schade, dass er ansonsten nur wenige solcher Rollen hatte.

Barbara Stanwyck toppt Katharine Hepburn

Die Frau ist Barbara Stanwyck, und dies ist ein echter Glücksgriff. Die Frau kann einfach alles, und sie schafft eine glaubwürdige Darstellung, ohne gewisse Züge ihres bevorzugten Rollentypus völlig zu verleugnen. Das heißt hier: Stanwyck ist ein Stück weit verrucht, hat auch diese herrlich tiefe, sehr coole Stimme, mit der sie im Übrigen ein frivoles Spiel treibt, wenn sie sie in der zweiten Hälfte des Films bewusst ablegt. Damit schlägt auch die weibliche Hauptrolle diejenige in der Ur-Screwball-Comedy „Leoparden küsst man nicht“ um Längen: Während Katharine Hepburn immer eine Spur zu durchgeknallt ist, sieht man bei Stanwyck immer beides, die kühl Kalkulierende hinter der Leidenschaftlichen, Aufgeregten, und so ist das eben: Entweder stehen diese beiden Persönlichkeitsteile miteinander im Widerstreit, dann geht’s ihr schlecht, oder sie ergänzen sich, dann kann sie alles, ohne das eine oder das andere aufgeben zu müssen. Soviel darf also verraten werden: Wer meint, dass hier irgendwann die Widerspenstige noch gezähmt zu werden hat, wird gnadenlos enttäuscht werden.

Aus dieser Figurenkonstellation wird nun eine herrliche Farce gesponnen. Allein, wie sich die Stanwyck den Fonda zum ersten Mal angelt, ihm ein Bein stellt, sich den hohen Absatz abbricht und ihn dazu bekommt, mit ihr in die Schiffskabine zu gehen, sich aus einem ganzen Koffer voller Schuhe einen auszusuchen und ihr den anziehen zu dürfen … und dann gleich so heftig zu flirten und ihm auf die Pelle zu rücken, dass Karasek dies wohl zu Recht als „am Rande der Zensur“ bezeichnet. Wie betrügerischer Vater und betrügerische Tochter die Pokerkarten mehrere Male hin- und hermanipulieren, weil die eine sich tatsächlich verliebt, der andere aber nach wie vor die Knete will. Wie dann Jean verkleidet als „Lady Eve“ aus England einen giggelnden Auftritt hinlegt, bei dem sie mit fein veränderter Stimme und Aussprache wie ein neugierig-kokettes Kind über ihre ersten Eindrücke von Amerika plaudert und sogar die eine oder andere englisch-amerikanische Kommunikationsschwierigkeit gezielt in ihre Mimikry einbaut. Wie dann schließlich Charles diese Jean alias Eve heiratet und sie ihm im Zug gesteht, dass sie schon mit diversen Männern etwas hatte. Überhaupt diese Zugszene, zu einer drohenden Musik aus Wagners „Ring“, der Zug pfeift wie verrückt und fährt in Tunnels wie verrückt, und statt dass Charles auch mal (pardon) in den Tunnel kann, man hat ja Flitterwochen, muss er sich Männergeschichten anhören … Das ist göttlich, eine herrlich absurde Steigerung, wie da immer neue Männernamen aus dem Hute gezaubert werden. Da kommt einem schon der Gedanke, der gute alte Hitch habe sich womöglich davon zu der symbolischen Tunneleinfahrt am Ende von „Der unsichtbare Dritte“ (1959) inspirieren lassen.

Wenn Frauen mit Männergeschichten prahlen

Und ob Billy Wilder dies tat, der ja quasi ein Studiokollege vom „Die Falschspielerin“-Regisseur Preston Sturges und mit ihm bekannt war, und mit dessen Esprit der Film ein bisschen vergleichbar ist? Bei ihm gibt es auch einmal eine Szene, in der absurde Steigerungen erfundener Männergeschichten einen Kerl so richtig kirre machen („Ariane – Liebe am Nachmittag“, 1957). Nun denn: Alle Genannten können es …

Schließlich wird’s doch noch romantisch und beinahe etwas konservativ. Charles muss erkennen, dass ihm die verruchte Jean, um deren Verruchtheit er weiß, natürlich lieber ist als die edle Eve, in deren Vorleben abgründige Geheimnisse schlummern. Wie man das hinbiegen kann, ohne dass es kitschig wird, verrate ich nicht – nur soviel: Die Stanwyck ist hier Gewinnerin auf ganzer Linie, und wie sie dem Fonda das klar macht, hat Klasse, Chuzpe, Charme, Esprit, und es zeigt: Frauen regieren die Welt. Wenn das so gemacht wird, bitte gern!

Referenz-Edition von Criterion

Die einzige mir bekannte deutsche Heimkino-Veröffentlichung – als DVD in der SZ Cinemathek – ist mittlerweile im Handel nicht mehr erhältlich und auf dem Sammlermarkt nicht mehr ganz preiswert. Das für sorgfältig gemasterte und fein aufgemachte Editionen bekannte US-Label „The Criterion Collection“ hat „Die Falschspielerin“ für den Juli als Blu-ray und DVD angekündigt. Wer auf deutsche Synchronisation verzichten kann und über einen Codefree-Player verfügt, macht damit sicher nichts falsch. Allen anderen bleibt die Hoffnung, dass ein deutsches Label an Criterion andockt und die Liebeskomödie für unseren Markt lizenziert.

Die Stanwyck als Covergirl

Als Redaktionsmitglied der Zeitschrift „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ erlaube ich mir abschließend einen Hinweis für Fans von Barbara Stanwyck: Die jüngst erschienene Ausgabe Nr. 37 widmet sich der Schauspielerin mit einer umfangreichen Titelstory, an der auch ich mitgewirkt habe. So habe ich einen Beitrag über Barbara Stanwyck im klassischen Melodram verfasst und mich auf einer Seite über ihre Rolle als Teil des Ensembles von „Die Intriganten“ (1954) von Robert Wise ausgelassen.

Lars Johansen, geschätzter Kollege bei „Die Nacht der lebenden Texte“ und „35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin“ gleichermaßen, hat die Stanwyck als Komödiantin gewürdigt und dabei beispielhaft „Die Falschspielerin“ und „Wirbelwind der Liebe“ (1941) analysiert. Letztgenannte Komödie lief in Westdeutschland auch unter dem Titel „Die merkwürdige Zähmung der Gangsterbraut Sugarpuss“ im Fernsehen. Weitere Autoren widmen sich beispielsweise Stanwyck im Film noir, ihren Auftritten in Western sowie ihrer letzten Kinorolle in William Castles Horrorthriller „Er kam nur nachts“ (1964) mit Robert Taylor. Nach diesem Film war Barbara Stanwyck nur noch fürs US-Fernsehen tätig, das aber immerhin noch zwei Jahrzehnte lang. Die Ausgabe Nr. 37 der Zeitschrift kann hier bestellt werden.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Barbara Stanwyck haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Henry Fonda unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 21. Juli 2007 als DVD der SZ Cinemathek

Länge: 80 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Lady Eve
USA 1941
Regie: Preston Sturges
Drehbuch: Preston Sturges, nach einer Story von Monckton Hoffe
Besetzung: Barbara Stanwyck, Henry Fonda, Charles Coburn, Eugene Pallette, William Demarest, Eric Blore, Melville Cooper, Martha O’Driscoll, Janet Beecher, Robert Greig, Dora Clement, Luis Alberni
Zusatzmaterial: keine Angabe
Label/Vertrieb: Süddeutsche Zeitung GmbH

Copyright 2020 by Tonio Klein

Packshot: © 2007 Süddeutsche Zeitung GmbH,
Zeitschriften-Cover: © 2020 35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin,
Filmplakat: Fair Use

 

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