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Gewehre für Bengali – Mein Land, dein Land, unser Land

Bengal Brigade

Von Ansgar Skulme

Abenteuer // 1857 steht die britische Kolonialherrschaft in Indien vor einer schweren Belastungsprobe. Die Schlagkraft der Besatzer-Armeen stützt sich auf indische Soldaten, die von Briten befehligt werden. Würde sich jedoch hinter dem Rücken der Briten ein Aufstand zusammenbrauen, droht die Konfrontation mit einer Übermacht, die sich zu einem wesentlichen Teil aus von den Briten selbst ausgebildeten Männern rekrutieren könnte. Der Rajah Karam (Arnold Moss) ist sich der fragilen Situation bewusst und will die Macht an sich reißen. Geschicktes Taktieren wird allerdings notwendig sein, denn einige Briten genießen bei ihren indischen Soldaten einen hervorragenden Ruf – wie zum Beispiel Captain Jeffrey Claybourne (Rock Hudson), der auch einmal einen Befehl verweigert, um zu verhindern, dass seine Männer aus strategischen Gründen geopfert werden.

Gerade vor dem Hintergrund der aktuell wieder stark zunehmenden öffentlichen Debatten über Rassismus ist „Gewehre für Bengali“ ein sehr interessanter Film. Da gibt es auf der einen Seite die Führungsriege der britischen Machthaber, die ihr Auftreten in Indien für durchaus legitim hält und kein Ende in Sicht sieht; auf der anderen Seite sind die zunehmend die westliche Welt verstehenden Einheimischen, in denen eine Sehnsucht nach Selbstbestimmung wächst. Die Frage, wie lange Maßnahmen legitim sein können, stellt sich auch hier. Klar war schon Mitte des 19. Jahrhunderts, dass der Tag der Unabhängigkeit Indiens nach der britischen Einflussnahme einmal würde kommen müssen. Doch wie findet man den Ausweg aus den kolonialen Strukturen, ohne sie immer und immer wieder in die Länge zu ziehen? Und wo sollen bei den Einheimischen immer wieder Ausdauer und Verständnis für in gewisser Weise repressive Maßnahmen und gar für auf sogenannte „unbestimmte Zeit“ aufrechterhaltene Einschränkungen herkommen?

Fremde im eigenen Land und Gastgeber in der Fremde

Inmitten des Geschehens finden sich drei besonders spannende Figuren: Zum einen der Rajah – kein grobschlächtiger Schuft, sondern ein listiger Fuchs, der sich einerseits nicht ganz zu Unrecht gegen die Diktatur der Briten wehrt, andererseits aber selbst für einen noch weitaus autokratischeren, großspurig gelebten Führungsstil steht und sich die Unterwürfigkeit bestimmter Bevölkerungsgruppen erst recht zunutze zu machen versucht. Verschiedene Formen des Nationalismus prallen also aufeinander, wenn dieser reiche Inder die Briten herausfordert. Captain Claybourne, der Held des Films, will hingegen der Vertretung von politischen, wirtschaftlichen und militärischen Interessen in keinem Fall fahrlässig verschenkte Menschenleben unterordnen, von der Nationalität oder gar einer angeblichen Rasse völlig unabhängig – somit ist er für seine Vorgesetzten ein ebenso riskanter Partner wie für den Rajah, da er sich zwischen den Extremen bewegt. Er wird von beiden Seiten sowohl umworben als auch gemaßregelt. Die dritte Figur, an der sich dieses brisante Spannungsfeld besonders gut zeigt, ist Sergeant Major Puran Singh. Ihm kommt unter den indischen Soldaten zwar eine Vorrangstellung zu, gleichzeitig basiert seine Sonderrolle innerhalb der britischen Armee aber auf der Akzeptanz, dass diejenigen, die über ihm stehen und ihm Befehle erteilen, stets Briten sind. Er ist die Schnittstelle zwischen Briten und Indern, derjenige der die Interessen beider Seiten in die jeweilige Gegenrichtung filtern, vertreten und in eine der beiden Richtungen gegebenenfalls harsche Befehle, unabhängig von seiner Meinung dazu, weitergeben muss – egal, wessen Tod sie bedeuten könnten. Seine Position bietet ihm Verlockungen an, entweder allzu opportunistisch gegenüber den Briten zu werden und somit den Hass seiner Landsleute auf sich zu ziehen oder aber Ansprüche zu stellen und sich im Falle der Zurückweisung dieser durch die Briten auf die Seite der einheimischen Meuterer zu schlagen. Puran Singh erweist sich mehrfach als auf Basis eines sehr starken Wertekanons agierender Mensch, doch wie lange kann das inmitten vieler populistischer Strömungen, vor dem Hintergrund eines sich anbahnenden Aufstandes gutgehen?

Kurz vor und kurz nach dem Durchbruch

„Gewehre für Bengali“ war einer der letzten dem Abenteuerfilm-Bereich (inklusive Western) zugehörigen Genrefilme aus dem kurzen Fenster von 1952 bis 1954, in denen Rock Hudson bereits als Hauptdarsteller aufgetreten ist, ehe ihm mit Filmen wie „Die wunderbare Macht“ (1954), „Was der Himmel erlaubt“ (1955), „In den Wind geschrieben“ (1956) und „Giganten“ (1956) der große Durchbruch gelang. Hudson war, wie zum Beispiel auch Tony Curtis, eine Entdeckung der Universal Studios und dort recht schnell über wenige kleine Rollen zu Star-Qualitäten gewachsen. Bevor er durch romantische Melodramen in Hollywoods Top-Riege emporschoss, entstand also eine überschaubare Zahl an sehenswerten B-Filmen, in denen Hudson Abenteuer-Helden typischen Musters darstellte. „Gewehre für Bengali“ ist außerdem insofern eine Besonderheit inmitten der Vielzahl damaliger B-Abenteuerfilme in Hollywood, als er mit László Benedek von einem Regisseur inszeniert wurde, der nicht auf derartige Spannungskino-Genrefilme mittellanger Laufzeit spezialisiert gewesen ist. Er war zwar selbstverständlich nicht der einzige „Gast“ inmitten vieler angestammter Regisseure dieser Sparte, aber zumindest eine der Abweichungen vom Regelfall. Den in Budapest geborenen Benedek konnte man seinerzeit etwa als Regisseur der Ende 1951 veröffentlichten Kinoversion von Arthur Millers Theaterstück „Der Tod eines Handlungsreisenden“ kennen, das später unter anderem von Volker Schlöndorff, mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle, nochmals verfilmt wurde. Für „Der Tod eines Handlungsreisenden“ gewann László Benedek den Golden Globe als „Bester Regisseur“ und trat beim Filmfestival in Venedig im Wettbewerb um den Goldenen Löwen an, wurde bei den Oscars jedoch ausgelassen, während der Film zeitgleich aber fünf Nominierungen in anderen Kategorien erhielt. Man kann es durchaus als Glücksfall bezeichnen, einen Regisseur mit einem solchen Erfolg im Schlepptau, der im Zuge dessen noch „Der Wilde“ (1953) mit Marlon Brando inszeniert hatte, wenig später für einen den Traditionen des Unterhaltungskinos entspringenden Abenteuerfilm wie „Gewehre für Bengali“ gewonnen zu haben, der noch nicht einmal ein Produkt der fünf größten Studios (Warner, Paramount, Fox, MGM, RKO), sondern von Universal gewesen ist. Wohlgemerkt soll das die Leistung arrivierter Genrefilm-Regisseure keinesfalls schmälern, deren Zugang zu einem solchen Stoff nur einfach zwangsläufig ein anderer gewesen wäre. Vor allem einige sehr einprägsam inszenierte stille Momente, dazu die ungewöhnlich lange erste Szene an der Front und die des Öfteren recht meinungsstarken Dialoge geben „Gewehre für Bengali“ die richtige Würze und eine ab und an etwas ungewöhnliche Note für derartiges 50er-Genrekino aus den USA. Darüber hinaus gelingt es Benedek recht gut, das ländliche Indien sowie die Wildnis im Studio zum Leben zu erwecken.

Wen man nicht alles bekommen hat

An der Seite von Rock Hudson ist neben der behutsam-anmutigen Arlene Dahl eine überraschend glaubwürdig wirkende Ursula Thiess zu sehen, die aus Deutschland stammte, aber eine Inderin spielt – eine Figur, die sich immer hilfsbereit und engagiert zeigt, obwohl ihre persönliche Zuneigung zu Captain Claybourne unerwidert bleibt. Die Filmkarriere der gebürtigen Hamburgerin Thiess kam bereits kurz nach „Gewehre für Bengali“ zum Erliegen, da sie im Mai 1954 den Hollywood-Star Robert Taylor heiratete und sich daraufhin dem Familienleben verschrieb. In Deutschland war sie in der Frühphase des Zweiten Weltkrieges – damals noch minderjährig – mit einem auf etwa ein Jahr veranschlagten Arbeitsdienst bestraft worden, nachdem sie sich geweigert hatte, dem „Bund deutscher Mädel“ beizutreten. Nach Hollywood verschlug es sie aber erst 1951, infolge eines Angebotes von Howard Hughes. Schon recht bald nach ihrer Ankunft traf sie Robert Taylor. Ihre Filmografie umfasst nicht einmal zehn Einträge, hätte aber das Potenzial für das Zigfache gehabt.

Rock Hudsons unmittelbarer Vorgesetzter wird von Torin Thatcher verkörpert, der einige Jahre später in „Sindbads siebente Reise“ (1958), dem zweifellos bedeutendsten Sindbad-Film der 50er – berühmt für die Effekte von Ray Harryhausen –, der Gegenspieler des Titelhelden wurde. Eine besonders gute Darbietung ist Arnold Moss als Rajah Karam gelungen, der seine Rolle in „Gewehre für Bengali“ sehr schlau, berechnend und intellektuell glaubwürdig spielt – das komplette Gegenteil eines eindimensionalen Bösewichts. Sein Sohn war der Drehbuchautor, Komponist und Songwriter Jeff Moss, der später unter anderem an der „Sesamstraße“ mitarbeitete und dafür eine ganze Reihe an Emmys gewann. Auch darüber hinaus hatte „Gewehre für Bengali“ ein gewisses Glück bei den Personalentscheidungen: Dan O’Herlihy, der hier eine Nebenrolle als Konkurrent von Rock Hudson hat, kam im selben Jahr auch in Luis Buñuels „Robinson Crusoe“-Verfilmung in der Titelrolle in die Kinos und errang dafür seine einzige Oscar-Nominierung. Michael Ansara, der den treuen Puran Singh verkörpert, spielte bald darauf die Rolle des Cochise in der TV-Serien-Adaption von „Der gebrochene Pfeil“ (1950), die auf Jeff Chandlers Oscar-nominierter Interpretation aus dem Film basiert.

„Gewehre für Bengali“ war also gewissermaßen zur richtigen Zeit am richtigen Ort, da er einerseits einen für den B-Sektor dieses Genres sehr unkonventionell gewählten, zudem bereits preisgekrönten Regisseur vorzuweisen hat, andererseits eine Schauspielerriege mit etlichen Personen aufbietet, die entweder wenig später in namhaften Filmen oder populären Rollen zu sehen gewesen sind, wodurch ihr Marktwert gewissermaßen nach oben katapultiert wurde, oder aber wie Arlene Dahl, Ursula Thiess und Arnold Moss nicht besonders viele Filme gedreht haben, was deren Auftreten wiederum zu einer Art von eher seltenem Vergnügen macht. Zumindest bei Moss scheint die Ursache dafür auch zu sein, dass er Filmrollen nur gelegentlich übernommen und entsprechend handverlesen ausgewählt hat. „Gewehre für Bengali“ wäre nur zwei Jahre früher oder später mit überwiegend derselben Besetzung in den fünf bis zehn größten Rollen und dazu demselben Regisseur wahrscheinlich nicht denkbar oder realisierbar gewesen.

Vorreiter und Frühstarter

Unter den Subgenres des Abenteuerfilms der 30er bis 60er sind die Indien-Filme ähnlich wie die Afrika-Filme ein Feld, in dem es eine spannende Vielfalt an sowohl US-amerikanischen wie auch britischen Produktionen zu entdecken gibt. Diese beiden Sparten des Abenteuer-Kinos – Indien und Afrika – gehören, wie auch der Tausendundeine-Nacht-Film, der Südsee-Film sowie Geschichten aus dem Fernen Osten und aus Südamerika, zum harten Kern dessen, was im klassischen Hollywood bevorzugt an Abenteuer-Stoff produziert worden ist. Vor allem die 50er verhalfen den einzelnen besagten Sektoren in der Breite zu besonderer Blüte – zumal der stetige Zuwachs an Farbfilmen speziell derartigen Genres zweifellos sehr dienlich gewesen ist. Freilich ist auch die Schnittmenge der hier genannten Subgenres des Abenteuerfilms, die häufig im 20. Jahrhundert oder, wie „Gewehre für Bengali“, im 19. Jahrhundert – zuweilen auch etwas früher – spielen, mit tief in der Vergangenheit verankerten Erzählungen nicht unerheblich, wenn man etwa an Ritterfilme, Bibelfilme oder jegliche Filme, die im alten Rom spielen, denkt. Somit spannt sich im Windschatten des Westerns ein breites Portfolio an abenteuerlustigem Unterhaltungskino auf, das das klassische Hollywood über Jahrzehnte geprägt hat – wobei man die 50er ausdrücklich als dahingehenden Höhepunkt einstufen kann.

Die Verfügbarkeit klassischer Hollywood-Abenteuerfilme auf DVD und Blu-ray ist in Deutschland aber nach wie vor recht überschaubar. Man wünscht sich ein wenig, da würde auf dem bundesdeutschen Markt eines Tages einmal eine ähnliche Welle wie beim Western oder dem Film noir losbrechen. So gesehen ist eine Veröffentlichung wie „Gewehre für Bengali“ ausgesprochen wertvoll; umso mehr, weil sie sogar mit einer brandneuen Bildabtastung aufwartet. Insbesondere auf Blu-ray sind wir bei diesem Film nun praktisch allen voraus.

Die deutsche Synchronfassung von „Gewehre für Bengali“ punktet ferner mit einem der frühesten Einsätze von Gert Günther Hoffmann als deutsche Variante von Rock Hudson, der in der Folge zur bei Weitem am häufigsten eingesetzten deutschen Stimme dieses baldigen Top-Stars aufstieg. Bekanntlich war Hoffmann die Stammstimme etlicher Stars, Hudson allerdings einer der ersten, für die er sich etablierte. Vor allem unter denen, die Hoffmann schließlich über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg regelmäßig und sehr häufig gesprochen hat, kann man Rock Hudson als so etwas wie den Frühstarter sehen. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass einer der beiden Sprecher, die um 1954 auch drauf und dran zu sein schienen, sich als Stimme von Rock Hudson zu etablieren und damals zumindest auf je drei Einsätze binnen recht kurzer Zeit kamen, hier stattdessen für Michael Ansara zu hören ist – die Rede ist von Axel Monjé, der Hudson sogar noch in „Die wunderbare Macht“ (1954) vertonte, dann jedoch nicht mehr eingesetzt wurde. Ein wenig wirkt es, als habe „Gewehre für Bengali“, der offenbar kurz nach Monjés letztem Auftritt für Rock Hudson synchronisiert worden ist, mit Monjé als Puran Singh und Hoffmann als Captain Claybourne sozusagen die Wachablösung dargestellt. Der andere um 1954 mehrfach für ihn gefragte Kandidat war Horst Niendorf, doch Gert Günther Hoffmann setzte sich durch und blieb fortan – mit relativ wenigen Unterbrechungen – Rock Hudsons konstante deutsche Stimme über viele Jahre hinweg. Erst ab den 70ern, als Hudsons Stern als federführender, im Vorspann als erster genannter Star langsam zu sinken begann, wechselten die Sprecher wieder häufiger. Welche in Indien spielenden Abenteuer könnt Ihr empfehlen?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Rock Hudson haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 28. Mai 2020 als Blu-ray und DVD

Länge: 87 Min. (Blu-ray), 84 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Bengal Brigade
USA 1954
Regie: László Benedek
Drehbuch: Richard Alan Simmons, Seton I. Miller, nach einem Roman von Hall Hunter
Besetzung: Rock Hudson, Arlene Dahl, Ursula Thiess, Torin Thatcher, Arnold Moss, Michael Ansara, Dan O’Herlihy, Harold Gordon, Leonard Strong, Shepard Menken
Zusatzmaterial: Bildergalerie
Label: explosive media
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2020 by Ansgar Skulme

Blu-ray-Packshot: © 2020 explosive media

 

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Gewinnspiel: 2 x Vor uns die Hölle auf Blu-ray

Verlosung

Sechs deutsche Soldaten (u. a. Jack Palance und Jeff Chandler) werden kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Berlin von den Alliierten angeheuert, sich an der Entschärfung nicht detonierter Bomben zu beteiligen. explosive media hat „Vor uns die Hölle“ kürzlich erstmals als Blu-ray und in Neuauflage als DVD veröffentlicht. Der Vertrieb Koch Films hat uns von Robert Aldrichs 1959er-Regiearbeit zwei Blu-rays zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Zwar bringt es mir Spaß, Filme unter die Leute zu bringen, weil sich die überwältigende Mehrzahl der Gewinnerinnen und Gewinner aufrichtig freut und höflich bedankt. Dennoch geht der Versand etwas ins Geld, zumal „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress). Daher: Auf völlig freiwilliger Basis darf mir jede/r Gewinner/in gern anbieten, das Porto in Höhe von 1,55 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Gebt mir das aber bitte nicht schon im Kommentar mit eurer Antwort bekannt, sondern erst im Gewinnfalle. Ich will nicht in Verdacht geraten, die Sieger danach zuzuteilen.

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu Ansgars Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 26. April 2020, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage im letzten Absatz des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Ich behalte mir vor, Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht für den Lostopf zuzulassen oder ihnen im Gewinnfall nachträglich den Preis abzuerkennen, sofern mir Mehrfachteilnahmen unter Alias-Namen unterkommen. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner/innen werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Gewonnen haben

– Kevin Aßmann,
– Thomas Oeller.

Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Die Rezension von „Vor uns die Hölle“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

 

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Vor uns die Hölle – Bombenräumkommando Berlin

Ten Seconds to Hell

Von Ansgar Skulme

Nachkriegsdrama // Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs kehren sechs deutsche Soldaten (u. a. Jack Palance und Jeff Chandler) zurück nach Berlin. Sie alle sind ausgebildet worden, Bomben zu entschärfen. Da Berlin voll von nicht detonierten Geschossen ist, werden sie von den Alliierten angeheuert, um bei der Räumung mitzuhelfen. Die Männer sind Einzelgänger, da sie es gewohnt sind, nur allein an der jeweiligen Bombe zu arbeiten – das Risiko zu sterben liegt so auch immer nur bei einer Person. Mit einer Wette allerdings schweißen sie sich zusammen: Alle wollen regelmäßig einen festen Teil ihres Lohns in den Jackpot werfen; wer dann nach einer festgelegten Zeit noch übrig ist, darf das Geld behalten. Ein waghalsiger Wettstreit spitzt sich zu.

Den Regeln der Gruppe muss sich jeder beugen

„Vor uns die Hölle“ wurde ab Februar 1958 innerhalb von etwa zehn Wochen gedreht, machte aber erst über ein Jahr später in den internationalen Kinos die Runde. Es war daher der erste Film, den Robert Aldrich nach dem Kinostart von „Ardennen 1944“ (1956) abdrehte, unabhängig davon, dass „Hügel des Schreckens“ (1959) im Vereinigten Königreich früher als „Vor uns die Hölle“ veröffentlicht wurde. Zunächst hatte er den Film noir „Ums nackte Leben“ (1957) realisieren sollen, wurde allerdings während der Produktion von Vincent Sherman abgelöst. Nachdem er daraufhin für eine Weile beschäftigungslos geblieben war, übernahm Aldrich die Regie an „Vor uns die Hölle“ eigenen Schilderungen zufolge gewissermaßen aus der Not heraus beziehungsweise weil er diese Aufgabe als besser als gar nichts erachtete. Er durfte auch selbst das Drehbuch in die gewünschten Bahnen lenken – es hätte schlimmer kommen können. Durch britisch-amerikanische Ko-Produktionen öffneten sich ihm nun neue Türen.

Ein Regisseur, der hat’s nicht leicht

Dass Aldrich rückblickend nicht gerade überschwänglich über „Vor uns die Hölle“ gesprochen hat, kann man gut nachvollziehen, auch wenn man den Film wertschätzt, da das Studio über seinen Kopf hinweg entschied, aus seiner finalen Fassung eine halbe Stunde zu kürzen, also rund ein Viertel der ursprünglich veranschlagten Länge. Die Art der Schnitte wurde offenbar auch ohne sein Wissen bestimmt und durchgeführt. Daraufhin zog Aldrich seinen Namen zumindest als einer der Produzenten zurück. Ferner kam es am Set zu Problemen mit Jack Palance, der hier nach „Hollywood-Story“ (1955) und „Ardennen 1944“ (1956) bereits zum dritten Mal mit ihm zusammenarbeite. Robert Aldrich rekapitulierte, dass es wahrscheinlich keine besonders gute Idee war, mit einem Hauptdarsteller wie Palance dreimal zusammenzuarbeiten. Er schätzte Palance als recht schwankungsanfällige Persönlichkeit ein. Unstrittig dürfte aber sein, dass Palance Aldrich sehr viel zu verdanken hatte; zuvor hatte er fürs Kino meist Rollen gespielt, die zumindest einer anderen Figur im Film merklich untergeordnet waren, und dabei überwiegend Schurken. Die Rollen, die er unter Aldrich darbieten durfte, ebneten Jack Palance nach zwei Oscar-Nominierungen (1953 und 1954) endgültig den Weg in die Spitze Hollywoods und etablierten ihn als vielseitig einsetzbaren Hollywood-Star.

Teamlösungen unter Einzelgängern sind meist nicht einfach

Ungeachtet der Spannungen zwischen den beiden liefert Palance in „Vor uns die Hölle“ allerdings eine herausragende Leistung ab. Beeindruckend, wie überzeugend er die konstante Beklemmung, die ihn umtreibt, und die psychische Labilität seiner traumatisierten Figur spielt. Wer Palance aus seinen fiesen, aggressiven, brutalen oder süffisanten Schurkenrollen im Hinterkopf hat und hier dann bei ihm plötzlich mit sehr viel emotional nachfühlbarer Todesangst, einer geballten Mischung aus abgehetzter, zermürbender, ihn quälend wirkender Anspannung sowie hochprofessioneller Fokussierung auf die zu erledigenden Aufgaben an den Bomben konfrontiert wird, könnte ins Staunen verfallen. Die explosionsartigen Wechsel von scheinbarer Ruhe hin zu kurzen Wutausbrüchen und zurück zur Selbstberuhigung, die er dabei sehr eindrucksvoll verkörpert, können im Übrigen sowohl derartigen Rollen als auch Schurkenrollen zuträglich sein. Die Figur, die er in „Vor uns die Hölle“ spielt, ist folglich angenehm wirklichkeitsnah geraten, alles andere als ein hochsympathischer Vorzeige-Sympathieträger, allerdings ein Mensch, dessen Aufrichtigkeit zunehmend die Zuschauer zu überzeugen vermag. Das Psycho-Duell zwischen den beiden Hauptdarstellern, Palances manchmal fast selbstaufopfernd wirkendes Schauspiel und die immer wiederkehrenden Spannungsmomente im Geiste der berühmtem Frage, ob man besser den roten oder den blauen Draht durchschneidet, tragen den Film von Anfang bis Ende – allen Widrigkeiten zum Trotz.

Ein weiteres Wiedersehen

„Vor uns die Hölle“ liefert auch insofern einen interessanten Blick auf das Feld der Schauspielkunst, weil die beiden Hauptdarsteller Jack Palance und Jeff Chandler zuvor bereits in „Attila, der Hunnenkönig“ (1954) – einem sehr sehenswerten Abenteuer-/Monumentalfilm-Ausflug von Douglas Sirk – gemeinsam gespielt hatten. Im Gegensatz zu vielen anderen wiederholten Zusammenarbeiten unter Hollywood-Stars in den beiden Hauptrollen handelt es sich hierbei aber um einen Fall, in dem gleich beide Betroffenen in den beiden zu vergleichenden Filmen auffällig deutlich unterschiedlich geartete Figuren gespielt haben. War Palance bei Sirk der titelgebende barbarische Feldherr, einmal mehr der Bösewicht – mit allerdings spannenden, schlauen Untertönen – und Chandler sein aufrechter römischer Gegenspieler nach klassischem Heldenmuster, ist Chandler bei Aldrich nun der Eigenbrötler und Palance weg von jedweder Führungssouveränität, aber auch weg von jeder Bösartigkeit und Barbarei.

Leider merkt man der Figur von Chandler ein wenig und den anderen vier Mitstreitern der beiden umso mehr an, dass „Vor uns die Hölle“ stark – und nicht im Sinne des Regisseurs – gekürzt wurde. Man hat mit der Zeit das Gefühl, dass die Schicksale des Sextetts nicht genügend auserzählt sind. Das alle sechs Figuren recht dezidiert vorstellende Intro scheint zunächst anderes zu versprechen – und Aldrich dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach auch mehr Zeit für die einzelnen Männer eingeplant gehabt haben. Insbesondere der von Wesley Addy verkörperte Soldat, der als einziger der sechs das Glück hat, dass nach dem Krieg noch seine Frau auf ihn wartet, trägt bei Licht betrachtet weniger zur Handlung bei, als man am Ende, im Kontext der Ereignisse, allerdings glaubt, über ihn wissen zu müssen. Die Art, wie Aldrich die Szenen komponiert hat, lassen auf einen recht epischen Charakter schließen, den der Film als zweistündiges Leinwand-Erlebnis wohl bekommen hätte. Dass sich der Film in der vorliegenden Fassung ziemlich unnötig zwischen nur zwei Männern und einer Frau zuspitzt, ist angesichts des vorhandenen Potenzials einerseits bedauerlich, jedoch merkt man andererseits zumindest trotzdem deutlich, dass die Möglichkeiten, die Robert Aldrich ihm bot, Jack Palance schauspielerisch in ungeahnte Sphären trugen, während Jeff Chandler wiederum die Abkehr vom langjährigen Heldendasein mit Festvertrag bei Universal sichtlich Spaß machte und ebenfalls den Beigeschmack der Entfesselung in diesem Film vermittelt. Wenig später setzte Chandler dieser Entwicklung in „Der Herrscher von Kansas“ (1959) recht zügig die Krone auf. Ein Film, bei dem ich nicht müde werde, ihn als einen der meistunterschätzten, viel zu wenig thematisierten und gewürdigten Western aller Zeiten zu bezeichnen – woran Chandlers kluge schauspielerische Gratwanderung wesentlichen Anteil hat.

Die Straßen von Berlin

Gedreht wurde am Ort der Handlung: Berlin. Schwerpunktartig, wie es scheint, in den Ortsteilen Tiergarten – der damals noch weitreichend zerstört war – und Tempelhof. Die Hauptdarsteller bekamen einen ortskundigen Bombenentschärfungsexperten zur Seite gestellt, der direkt nach dem Krieg teils 20 Bomben pro Tag in Berlin unschädlich gemacht hatte. Auch 1958, zum Zeitpunkt des Drehs, wurde im Schnitt immer noch mehr als eine Bombe pro Woche in Berlin entdeckt.

Immer wieder wartet der Tanz auf der Rasierklinge

Es heißt, dass ursprünglich eine deutsche und eine englischsprachige Fassung des Films geplant waren, wodurch sich eventuell die Eigentümlichkeit erklärt, dass die sechs deutschen Bombenspezialisten in der vorliegenden Version durchweg von amerikanischen Schauspielern verkörpert werden, obwohl in Berlin gedreht wurde. In der deutschen Synchronfassung führte das Sprachen-Paradox außerdem dazu, dass man ihrem britischen Auftraggeber einen auffälligen Akzent verpasste, damit er sich in irgendeiner Weise von den anderen Schauspielern abhebt, während dies im Original durch britisches und amerikanisches Englisch gelöst wird. Das soll allerdings nicht den Anschein erwecken, dass es sich um keine gute deutsche Synchronfassung handelt. Enttäuschend allerdings ist, dass hier mit der ansonsten sehr konstant aufrecht erhaltenen Stammbesetzung von Curt Ackermann als Stimme von Jeff Chandler gebrochen wurde, der wohl niemanden in noch mehr Filmen synchronisierte als Jeff Chandler und Victor Mature, aber hier dennoch nicht zum Einsatz kam.

Halt, stop! – Das Gegenteil von originell

Arnold Marquis – so begabt er war und so gut er sich an diverse andere Stars zu fügen vermochte – beraubt Chandler gewissermaßen sämtlicher individueller Merkmale. Gerade in einer solchen, für Jeff Chandler zum damaligen Zeitpunkt ungewöhnlichen Rolle, wäre es wichtig gewesen, einen sauberen Bogen mit dem angestammten Sprecher zu schlagen, statt für Irritationen mit einem auf derartig undurchsichtige, sarkastische oder verschlagene Rollen gern einmal besetzten Synchronschauspieler zu sorgen, dessen stimmliche Präsenz den sichtbaren Schauspieler, wenn so viele Faktoren wie hier zusammenkommen, schlichtweg verwässert und im Endeffekt verwechselbar, somit austauschbar macht. Letzteres passiert hier bedauerlicherweise durch Arnold Marquis. Man stelle sich einmal vor, man hätte beispielsweise Bruce Willis die Rolle von Nicolas Cage in „Face/Off – Im Körper des Feindes“ (1997) gegeben, ihm dann aber auch noch die deutsche Stimme von Cage verpasst. Wenn man das für sich verbildlicht bekommt, dann kann man den Fauxpas, hier Marquis zu besetzen, für die damalige Zeit in etwa einordnen, auch wenn man mit Jeff Chandler ansonsten bisher noch nicht allzu viele Berührungspunkte hatte. Cage und Willis habe ich deswegen als Beispiele gewählt, weil beide auch heute immer noch dieselben beiden Stammsprecher wie damals haben, was angesichts der Tatsache, dass Curt Ackermann Jeff Chandler zumindest über zwanzigmal gesprochen hat, ein angemessener Vergleich ist. Zudem lässt sich Cages Stammsprecher Martin Keßler in Relation zu Manfred Lehmann (Bruce Willis) einigermaßen ähnlich einordnen wie Marquis in Relation zu Curt Ackermann, wenn man das Volumen und den Charakter der Stimmen vergleicht. Nur kommt dazu, dass Marquis schon mit Blick auf die 50er – von den 60ern und 70ern ganz zu schweigen – obendrein erheblich häufiger als Synchronsprecher mal für diesen und mal für jenen zu hören war, als man das über das hier von mir gewählte Cage-Pendant vier Jahrzehnte später hätte behaupten können. Will heißen, dass Marquis somit also auch viel verbrauchter war, um nicht zu sagen omnipräsent. Angesichts dessen wird es dann schwierig, dass der Schauspieler im Bild hinter der Rolle noch irgendwie so etwas wie eine individuelle Ausstrahlung behalten kann, vor allem wenn der betreffende Schauspieler ansonsten so eindeutig mit einer anderen Stimme etabliert ist wie im vorliegenden Fall und die Stimme von Arnold Marquis obendrein eindeutig nicht voluminös genug für die Vorlage klingt, darüber hinaus unverkennbare Besonderheiten im Sprechrhythmus, die Curt Ackermann hingegen gut transportierte, verloren gehen lässt. In diesem Zusammenhang muss man letztlich auch wissen, dass Jeff Chandler neben der Schauspielerei als Sänger tätig war und zudem ohnehin schon eine recht charakteristische Sprechstimme hatte. Ihm dann hochgradig einfallslos ausgerechnet die verdammt abwegig gewählte, raue, recht kratzbürstige Stimme von Arnold Marquis zu verpassen, ist einfach völlig daneben. Auch wenn Marquis die Rolle schauspielerisch zweifellos recht souverän meistert, ist dies für mich eine der albernsten Synchronfehlbesetzungen der gesamten 50er-Jahre – und hatte hier daher eine ausführliche Würdigung als solche verdient.

Auch die Wahl von Gert Günther Hoffmann für Jack Palance, der ebenfalls ein ziemlich häufig in Hauptrollen besetzter Sprecher war, ist mit Blick auf Omnipräsenz sicher nicht unbedingt besonders originell – das allein ist sowieso auch kein Negativargument –, hat aber zumindest obendrein den Bonus, dass die Besetzung für Hoffmann beziehungsweise Palance nicht gerade formelhaft ist. Eben keine Rolle, wie man sie von Hoffmann auf den ersten Blick erwartet, und noch dazu von einem Schauspieler der Aura von Jack Palance verkörpert, während Marquis mit seiner Rolle aber komplett in die Klischee-Falle tappt. Während man bei Hoffmann in gewisser Weise das Gefühl hat, dass er vor einer ungewöhnlichen Herausforderung steht, die er meistert, kommt Marquis durchweg so rüber als würde er routiniert ein Standard-Programm abspulen – genau das ist der entscheidende Unterschied und das Problem. Auch obwohl die deutsche Fassung ansonsten handwerklich sehr gelungen ist, kann einem das allein den Film schon ziemlich kaputt machen, da es der Gesamtwirkung und dadurch auch der Zuspitzung zwischen den Hauptfiguren schadet – was der Film sich aufgrund der Eingrenzungen, die die anderen Figuren erlitten haben, allerdings nicht leisten kann, da ihm dann zu wenig bleibt. Diese deutsche Fassung verpasst Jeff Chandler eine sehr dünne, Hütchenspieler-ähnliche Aura, die da nicht hingehört. Marquis hatte Chandler zuvor leider auch schon in „Drango“ (1957) gesprochen, der ebenfalls von United Artists verliehen wurde, was darauf schließen lässt, dass das Fehlen von Curt Ackermann auch keinen unglücklichen Zufällen geschuldet war. Ich höre Arnold Marquis sehr gern als Stimme von beispielsweise Lino Ventura, Darren McGavin, Kirk Douglas, Richard Widmark und Frank Wolff, aber seine Einsätze für Jeff Chandler würde ich vorzugsweise ungeschehen machen wollen.

Berlin steht vor dem großen Neuanfang

Ein etwas merkwürdiger Zusammenhang ist, dass vor allem MGM damals bekannt dafür war, eigene Stimmen für Stars – im Vergleich zu anderen Studios – zu etablieren, was ich hier im Blog schon mehrfach angeschnitten habe. MGM kaufte United Artists eines Tages sogar auf, allerdings erst wesentlich später. Schon in den 50ern scheint bei United-Artists-Synchronfassungen aber eine gewisse Tendenz sichtbar zu sein, sich gelegentlich an MGM-Besetzungen zu orientieren, oder – wie hier bei Chandler, von dem es keine Filme bei MGM gab – auch mal eine eigene Variante zu etablieren. Wenn man „Vor uns die Hölle“ hierzulande im Programm des mittlerweile nicht mehr existenten Pay-TV-Senders „MGM“ gesehen hat, wo er im Zweikanalton und einer 1996 im Auftrag von MGM kolorierten Fassung gesendet wurde, könnte man somit den Eindruck gewinnen, diese Synchronfassung sei ein Produkt von MGMs eigensinniger Synchron-Politik – war sie allerdings eben nicht.

Das Warten hat ein Ende

Nicht nur Robert-Aldrich-Fans dürften sich darüber freuen, dass explosive media in Zusammenarbeit mit Koch Films nun endlich auch diesen Klassiker des Altmeisters in unserem Land auf Blu-ray und DVD veröffentlicht hat. Dass ein Film wie dieser von einem solchen Regisseur bisher noch gar nicht in Deutschland auf DVD wiederentdeckt worden war, kann man schon fast erstaunlich nennen. Die Filmografie von Jeff Chandler ist in der Bundesrepublik eigentlich schon verhältnismäßig ergiebig auf DVD ausgewertet worden, da Koch Media sich geraume Zeit schwerpunktartig mit Klassikern von Universal – darunter diversen Western – befasst hat und Chandler als langjähriger Universal-Star mit mehreren Western im Portfolio davon gewissermaßen profitierte. Obwohl dies auch über den Western hinaus bereits einigen Universal-Stoff mit Jeff Chandler auf DVD zutage gefördert hat, gibt es nach wie vor Lücken aus seiner Universal-Zeit sowie abseits von Universal, bei denen es lohnend wäre, sie in Deutschland zu schließen. „Vor uns die Hölle“ ist diesbezüglich ein würdiger Beginn für eine eventuelle neue Phase – Pidax wird in Kürze „In den Kerkern von Marokko“ (1954) folgen lassen, den ich bei „Die Nacht der lebenden Texte“ schon vor geraumer Zeit einmal besprochen habe.

Bild und Ton der explosive-media-Version von „Vor uns die Hölle“ wissen bestens zu gefallen, das Bonusmaterial bewegt sich im üblichen Rahmen. Die kolorierte Fassung, die im deutschen Pay-TV gezeigt wurde, ist auf der vorliegenden Veröffentlichung nicht enthalten, was allerdings zu verschmerzen ist, zumal sich viele Menschen aus kolorierten Fassungen ohnehin nichts machen – wenngleich ich selbst da zumindest nicht dogmatisch abgeneigt bin. Ein wenig schade ist lediglich der Gedanke, wie grandios es wäre, hätte man die etwa 30 gegen Aldrichs Willen aus der Endfassung eliminierten Minuten noch irgendwie auftreiben und als Bonus, wenn nicht sogar im Sinne eines „Director’s Cut“ präsentieren können. Das hätte sich im vorliegenden Fall wirklich gelohnt, aber ob diese fehlenden Szenen überhaupt noch aufzutreiben sind, vielleicht sogar in geschnittener Form, oder rekonstruiert werden könnten, ist eine offene Frage. Aufwand dieser Art kann von einer solchen Veröffentlichung aber auch nicht erwartet oder eingefordert werden. Von einer zukünftigen Mediabook-Veröffentlichung mit dem ersehnten Bonus darf man aber vielleicht noch träumen. Schließlich wurde aus dem Nachlass von Orson Welles beispielsweise erst kürzlich ein gesamter Film verspätet fertiggestellt und geschnitten. Was sind verglichen damit schon schlappe 30 Minuten? Robert Aldrich hätte sich vermutlich darüber gefreut, würde „Vor uns die Hölle“ eines Tages doch noch in der von ihm intendierten Länge erstrahlen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Robert Aldrich haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Jeff Chandler und Jack Palance unter Schauspieler. Welche Rollen von Jack Palance gehören zu euren Favoriten seiner Filmografie?

Der Poker mit dem Tod ist stets eine knappe Sache

Veröffentlichung: 12. März 2020 als Blu-ray und DVD

Länge: 94 Min. (Blu-ray), 90 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Ten Seconds to Hell
USA/GB 1959
Regie: Robert Aldrich
Drehbuch: Robert Aldrich, Teddi Sherman, nach einem Roman von Lawrence P. Bachmann
Besetzung: Jack Palance, Jeff Chandler, Martine Carol, Robert Cornthwaite, Dave Willock, Wesley Addy, Virginia Baker, Jim Goodwin, Richard Wattis, Charles Nolte
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Bildergalerie
Label: explosive media
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2020 by Ansgar Skulme

Szenenfotos & Blu-ray-Packshot: © 2020 explosive media

 
 

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