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Flug durch die Hölle – Mit dem A-6-Bomber über Vietnam

Flight of the Intruder

Von Volker Schönenberger

Der A-6 war der mittlere Angriffsbomber der amerikanischen Marine während des Vietnamkriegs. Er flog tief über den Baumkronen, bei jedem Wetter, bei Nacht und allein. Er hatte keine Verteidigungswaffen an Bord. Sie nannten ihn „Intruder“ – den Eindringling. (Einblendung zu Beginn des Films)

Kriegs-Action // Es sind sinnlose Einsätze, die Lieutenant Jake „Cool Hand“ Grafton (Brad Johnson) mit seiner A-6 vom Flugzeugträger „USS Independence“ aus im Vietnamkrieg fliegt. Angebliche Ziele irgendwo im Nirgendwo des Dschungels, die sich dann doch nur als ein paar Bäume entpuppen. Riskant sind die Flüge nicht allzu hoch über den Baumwipfeln obendrein, denn ständig droht feindlicher Beschuss. Echte militärische Ziele, etwa in Hanoi oder der Hafenstadt Haiphong, sind tabu, die Einsätze erfolgen einzig aus politischen Erwägungen, was Grafton frustriert. Speziell ein Flug mit tragischen Folgen wirft ihn aus der Bahn, weshalb er sich auf einen Wortwechsel mit seinem Vorgesetzten Commander Frank Camparelli (Danny Glover) einlässt.

Angriffsziel feindliche Radaranlagen

Nach einem geselligen Landgang in Subic Bay auf den Philippinen wird Grafton eine mit speziellen Luft-Boden-Raketen vom Typ AGM-45 Shrike ausgerüstete „Intruder“ zugeteilt, um nordvietnamesische Radaranlagen anzugreifen. Dabei ist sein Flugzeug in steter Gefahr, von einer Flugabwehrrakete ins Visier genommen zu werden. Sein neuer Waffensystemoffizier wird Commander Virgil „Tiger“ Cole (Willem Dafoe). Die beiden hecken einen Plan aus, der sie vors Kriegsgericht bringen kann.

Reichlich Militärflieger-Folklore, die uns John Milius („Conan, der Barbar“) in seiner letzten Kinoregiearbeit da präsentiert (er drehte danach nur noch den TV-Actioner „Motorcycle Gang“ und die Miniserie „Rough Riders“). Wir haben den einen oder anderen Anschiss, den die Piloten von Commander Camparelli über sich ergehen lassen müssen. Er staucht sie zusammen, aber er steht zu seinen Männern. Wir haben einen gepflegten Bordellbesuch mit zünftiger Schlägerei samt Flucht vor der Militärpolizei. Trotz Frotzeleien halten die Männer zusammen. Und natürlich gilt: Sie fürchten weder Tod noch Teufel.

Kaum Kritik an Krieg und Militär

Den Einsatz tödlicher Militärtechnik zeigt Milius denkbar unkritisch. Es ist eben ein Actionfilm über tollkühne Männer in ihren fliegenden Kisten und kein Drama, das uns etwas über das Wesen des Krieges verraten will. Wer das akzeptiert – was völlig in Ordnung geht –, bekommt fesselnde Flieger-Action mit soliden visuellen Effekten geboten. Ein kritischer Blick auf den Vietnamkrieg schimmert ab und zu durch, erhält aber kein großes Gewicht, sondern dient eher dazu, Lieutenant Graftons inneres Ringen zu veranschaulichen. Auch wenn ab und zu und besonders zum Finale Vietcong-Soldaten am Boden auftauchen, bleibt der Feind doch völlig gesichtslos.

Hauptdarsteller Brad Johnson wirkt etwas farblos, was man auch über seine Filmografie sagen kann. In Nebenrollen als US-Soldaten sind Tom Sizemore und Ving Rhames zu sehen, ebenso – wenn auch denkbar kurz – David Schwimmer („Friends“) in seinem ersten Kinofilm. Rosanna Arquette hat ein paar recht kurz geratene Auftritte – es ist eben ein Männer-Abenteuer. Nicht alles erscheint ganz konsistent und schlüssig. Ein Höhepunkt nach etwa zwei Dritteln hätte fast schon das Finale hergegeben. Stattdessen wurde im Anschluss eine Kriegswendung eingebaut, die zum tatsächlichen Finale hinführt. Das wiederum ist zwar ebenfalls spannend inszeniert, wirkt aber ein wenig herangeklatscht. Ganz zum Schluss bilden Heldenmut, Opferbereitschaft und gegenseitiges Schulterklopfen einen an Pathos kaum zu überbietenden Ausklang. Weniger wäre hier mehr gewesen! Der immerhin soliden 5,8-Wertung in der IMDb nach zu schließen (Stand: Juli 2021), hat „Flug durch die Hölle“ bei Actionfans immerhin einige Fürsprecher gewonnen. Die Filmkritik ging weniger gnädig mit „Flug durch die Hölle“ um.

Es gibt auch ein Videospiel

Der im Original „Flight of the Intruder“ betitelte Film basiert auf dem gleichnamigen Debütroman von Stephen Coonts. Die Hauptfigur Jake Grafton spielte in diversen weiteren Romanen des Schriftstellers aus West Virginia. Etwas früher als die Verfilmung entstand auch ein Videospiel gleichen Namens für PC, Commodore Amiga und Atari ST.

„Flug durch die Hölle“ ist unterhaltsam genug geraten, um das Urteil „Lebenszeitverschwendung“ zu vermeiden. Eine Zweitsichtung allerdings würde ich durchaus so bezeichnen. Einmal reicht.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von John Milius haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Rosanna Arquette unter Schauspielerinnen, Filme mit Willem Dafoe, Danny Glover, Ving Rhames und Tom Sizemore in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 15. Juli 2021 als Blu-ray, 9. Oktober 2003 als DVD

Länge: 115 Min. (Blu-ray), 110 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch, Japanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Französisch, Japanisch
Originaltitel: Flight of the Intruder
USA 1991
Regie: John Milius
Drehbuch: Robert Dillon, David Shaber, nach dem Roman „Flight of the Intruder“ von Stephen Coonts
Besetzung: Danny Glover, Willem Dafoe, Brad Johnson, Tom Sizemore, Rosanna Arquette, Ving Rhames, John Corbett, J. Kenneth Campbell, Jared Chandler, Dann Florek, Madison Mason, Christopher Rich, Douglas Roberts, Adam Nelson, Reb Brown, David Schwimmer
Zusatzmaterial: Wendecover
Label: Paramount Pictures
Vertrieb: Paramount Pictures

Copyright 2021 by Volker Schönenberger
Unterer Blu-ray-Packshot & DVD-Packshot: © Paramount Pictures

 
 

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Taxi nach Tobruk – Des Krieges wüstes Spiel

Un taxi pour Tobrouk

Von Florian Schneider

Kriegsdrama // Wir befinden uns im Jahr 1942. Der Krieg zwischen den Alliierten und der Wehrmacht unter dem Kommando von „Wüstenfuchs“ Erwin Rommel erfährt gerade eine Wende zu Ungunsten der deutschen Streitkräfte. Eine heterogene Gruppe aus einem vierköpfigen französischen Stoßtrupp, unter ihnen der stoische Brigadier Théo Dumas (Lino Ventura) und der jüdische Arzt Samuel Goldmann (Charles Aznavour), sowie ihrem Kriegsgefangenen, dem deutschen Offizier Hauptmann Ludwig von Stegel (Hardy Krüger), kämpft gemeinsam in der libyschen Wüste ums Überleben. Mit einem deutschen Allrad-Mercedes-Geländewagen versucht das Quintett, die Hafenstadt Tobruk zu erreichen. Doch Wasser und Benzin sind knapp und es liegen noch hunderte Kilometer vor ihnen …

Der französische Stoßtrupp attackiert eine deutsche Stellung

„Taxi nach Tobruk“ markiert 1961 vielleicht nicht den ganz großen internationalen Durchbruch des deutschen Stars Hardy Krüger – dieser kommt erst zwei Jahre später mit Howard Hawks’ „Hatari!“ und 1965 mit „Der Flug des Phönix“ –, doch handelt es sich immerhin um eine tragende Rolle neben den französischen Ikonen Lino Ventura und Charles Aznavour. Letztgenannter hat 1961 als Chansonnier bereits riesigen Erfolg, während Ventura 1960 mit dem Gangsterdrama „Der Panther wird gehetzt“ unter der Regie von Claude Sautet einen Hit landen konnte.

Kammerspiel im Geländewagen

Entscheidend für die Qualität des von Denys de La Patellière („Im Reich des Kublai Khan“, „Balduin, das Nachtgespenst“, 1968) inszenierten Kriegsdramas „Taxi nach Tobruk“ ist allerdings nicht die nationale oder internationale Bekanntheit der Darsteller, sondern ihr darstellerisches Talent sowie die Art und Weise, wie sie in Szene gesetzt werden. Zwar wird die in Schwarz-Weiß erzählte Geschichte immer wieder mit kurzen Actionsequenzen aufgelockert, letztlich handelt es sich aber um eine Art Kammerspiel, bei dem die Protagonisten durch die erbamungslose Wüste auf einen engen Handlungsraum, ihren Geländewagen, reduziert bleiben und sich somit auch ihren Feindbildern und Vorurteilen stellen müssen.

Die Soldaten müssen sich danach aber zu Fuß durchschlagen …

Das „Taxi“ ist wie ein Rettungsboot im Wüstenmeer, in einer fremden, feindlichen und todbringenden Umgebung. Somit kann der Film auch als Gegenbild zum ein Jahr später erschienenen monumentalen Wüstenepos „Lawrence von Arabien“ gelesen werden. Dort wird der titelgebende Held die Wüste freiwillig durchqueren, sie umarmen, mit ihr verschmelzen und dadurch den Handlungsraum in die gefühlte Unendlichkeit öffnen.

… bis sie einen deutschen Aufklärungstrupp entdecken

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Hardy Krüger und Lino Ventura haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet. Welche dort noch nicht aufgeführten Filme mit Krüger sind zur Würdigung seiner Karriere unerlässlich?

Mit erbeutetem Geländewagen und Kriegsgefangenen geht’s weiter

Veröffentlichung: 24. Juni 2021 als Blu-ray und DVD, 22. Mai 2006 als DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Un taxi pour Tobrouk
F/SP/BRD 1961
Regie: Denys de La Patellière
Drehbuch: René Havard, Denys de La Patellière
Besetzung: Hardy Krüger, Lino Ventura, Maurice Biraud, Charles Aznavour, Germán Cobos, Ellen Bahl, Roland Malet, Carlos Mendy
Zusatzmaterial 2021: Kinotrailer, Bildergalerie, Wendecover
Zusatzmaterial 2006: Trailershow
Label 2021: explosive media
Vertrieb 2021: Koch Films
Label/Vertrieb 2006: Universum Film (Leonine)

Copyright 2021 by Florian Schneider

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2021 explosive media

 
 

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Gewinnspiel: 3 x Verrat in der Bucht auf Blu-ray

Verlosung

Das Label explosive media hat „Verrat in der Bucht“ (1966) als Blu-ray und DVD veröffentlicht, der Vertrieb Koch Films hat uns drei Blu-rays zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank, auch im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Da „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress): Wer möchte, darf mir im Gewinnfalle gern anbieten, das Porto in Höhe von 1,55 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Dies ist aber völlig freiwillig und keine Teilnahmevoraussetzung. Nicht freiwillig, sondern verbindlich hingegen: Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 11. Juli 2021, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage im letzten Absatz des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Ich behalte mir vor, Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht für den Lostopf zuzulassen oder ihnen im Gewinnfall nachträglich den Preis abzuerkennen, sofern mir Mehrfachteilnahmen unter Alias-Namen unterkommen. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner/innen werde ich im Lauf von zwei Wochen nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Gewonnen haben

– Marko Kube,
– Stephan Lankenau,
– Marco Mücke.

Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Die Rezension von „Verrat in der Bucht“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

 

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