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Ernest Borgnine (IV): Geheimcode Wildgänse – Im Dschungel geht’s mal wieder hoch her

Geheimcode Wildgänse

Von Volker Schönenberger

Kriegs-Action // Ernest Borgnine, Lee van Cleef, Klaus Kinski, Lewis Collins – der Schweizer Produzent Erwin C. Dietrich ließ 1984 seine Kontakte spielen, um dem italienischen Regisseur Antonio Margheriti eine gute Besetzung zu bescheren. Bemerkenswert, dass das für einen Film wie „Geheimcode Wildgänse“ möglich war – aber in den 80ern waren sich manche Stars selbst für politisch unkorrekte Söldner-Exploitation nicht zu schade.

Söldner-Einsatz im Goldenen Dreieck

Lewis Collins spielt Captain Robin Wesley, der eine Schar Söldner anführt, darunter Klein (Manfred Lehmann) sowie Arbib (Thomas Danneberg), der nach einer missglückten Übung mit der Folge eines Schwerverletzten nicht gut auf seinen Boss zu sprechen ist. Wesleys Hongkong-Kontaktmänner Walter Brenner (Hartmut Neugebauer) und Charlton (Klaus Kinski) vermitteln den Söldnern einen Auftrag der US-Drogenbehörde DEA, vertreten durch Frank Fletcher (Ernest Borgnine). Es gilt, im Goldenen Dreieck von Indochina den großen Drogenstützpunkt von General Lao Khan (Protacio Dee) zu zerstören. Anfangs läuft alles nach Plan.

Von 1985 bis 2013 befand sich „Geheimcode Wildgänse“ auf dem Index. Nach der Listenstreichung erhielt der Söldner-Actioner in ungeschnittener Form sogar eine Altersfreigabe ab 16 Jahren. Nach heutigen Maßstäben ist das völlig gerechtfertigt. Zwar haben wir es mit selbstzweckhafter Gewalt zu tun, dennoch wirkt alles harmlos genug und nicht angetan, 16-Jährige nachhaltig zu verstören. Die Story dient trotz einiger Wendungen lediglich als Aufhänger, den Zuschauern reichlich Schusswechsel, Explosionen und sonstiges Gemetzel zu präsentieren.

Synchronsprecher als Schauspieler

Eine namhafte Riege deutscher Synchronsprecher tummelt sich in „Geheimcode Wildgänse“ unter den Darstellern: Manfred Lehmann (Stimme u. a. von Bruce Willis, Gérard Depardieu, Dolph Lundgren, Kurt Russell, James Woods), Thomas Danneberg (Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone, John Travolta), Frank Glaubrecht (Pierce Brosnan, Kevin Costner, Al Pacino), Hartmut Neugebauer (Gene Hackman, John Goodman, Robbie Coltrane) und Wolfgang Pampel (Harrison Ford, Larry Hagman) kennen wir als Stimmen großer Stars. Das Engagement in anspruchsloser Action wie dieser sei ihnen gegönnt. Ob die Gage höher lag als für ihre Sprecher-Jobs? „Geheimcode Wildgänse“ hatte seinen bundesdeutschen Kinostart am 5. Oktober 1984, wenige Wochen später habe ich ihn als Teenager geschaut und war ganz angetan. Bei der erneuten Sichtung habe ich mich ebenfalls gut unterhalten gefühlt, aber richtig toll ist das natürlich nicht. Das Lexikon des internationalen Films findet „Geheimcode Wildgänse“ unerträglich in seinem pausenlosen Gemetzel. Das kann man so sehen, manche Actionfans wird eine solche Verdammung eher anlocken.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Antonio Margheriti sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Ernest Borgnine in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 2. Dezember 2014 als Teil der „The Ultimate Mercenary Collection“ (6 Blu-rays bzw. DVDs), 13. Mai 2014 als Blu-ray und DVD, 24. Mai 2013 als 2-Disc Mediabook (Blu-ray & DVD, auf 1.000 Exemplare limitiert) in zwei Covervarianten, 1. September 2003 & 6. November 2001 als DVD

Länge: 101 Min. (Blu-ray), 97 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Französisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Geheimcode Wildgänse
IT/BRD 1984
Regie: Antonio Margheriti (als Anthony M. Dawson)
Drehbuch: Michael Lester
Besetzung: Lewis Collins, Lee van Cleef, Ernest Borgnine, Klaus Kinski, Manfred Lehmann, Mimsy Farmer, Thomas Danneberg, Frank Glaubrecht, Wolfgang Pampel, Hartmut Neugebauer, Protacio Dee
Zusatzmaterial: Original-Kinotrailer, Promoversion „Geheimcode Wildgänse“ (24:34), Featurette „Söldner Stories“ (27:54), „Manfred Lehmann: Stirb langsam auf den Philippinen“ (Interview von 2001, 14:24), „Thomas Danneberg: Södlner und Synchronstar“ (17:08), Interview mit Hartmut Neugebauer (3:49), Interview mit Klaus Kinski (13:01), Original Film Soundtrack, Fotogalerie, „Mädchen, Machos und Moneten“ (ROM-Teil), Trailershow, Wendecover mit alternativem Motiv
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Packshot Blu-ray: © 2014 Ascot Elite Home Entertainment, Packshots Mediabook: © 2013 NSM Records

 

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Hamburger Hill – Der Hackfleisch-Hügel von Vietnam

Hamburger Hill

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Wie viele große Konflikte der Menschheitsgeschichte hat auch der Vietnamkrieg eine große Bandbreite an filmischen Aufarbeitungen hervorgebracht – von reaktionärem Radau wie „Die grünen Teufel“ („The Green Berets“, 1968) mit John Wayne, „Die Rückkehr der Wildgänse“ (1986) und der zwischen 1984 und 1988 entstandenen „Missing in Action“-Reihe mit Chuck Norris bis hin zu den großen Meisterwerken wie „Apocalypse Now“ (1979) von Francis Ford Coppola, Oliver Stones „Platoon“ (1986) und Stanley Kubricks „Full Metal Jacket“ (1987). „Wir waren Helden“ (2002) mit Mel Gibson hat an der Oberfläche ein paar kritische Ansätze vorzuweisen, ergeht sich dann aber doch nur in Militarismus.

Sinnlose Offensive im Mai 1969

Viel besser macht das „Hamburger Hill“ von John Irvin („Der City Hai“), der sich die Schlacht am Hamburger Hill vorgenommen hat, eine Offensive der US-Streitkräfte im Mai 1969. Seinen englischen Namen erhielt der Hügel Dong Ap Bia aufgrund des mörderischen Beschusses durch die nordvietnamesische Artillerie, der etliche US-Soldaten zu Hackfleisch verarbeitete: 70 Gefallene und 372 Schwerverwundete.

Die Produzenten setzten beim Cast klugerweise auf Unbekannte, nicht auf Stars. Die heute bekanntesten Namen standen damals am Anfang ihrer Karrieren: Don Cheadle („Hotel Ruanda“) hatte lediglich ein paar Jahre Erfahrung in Fernsehproduktionen, für Courtney B. Vance („Die Mumie“) war es der zweite Film, für Dylan McDermott („Practice – Die Anwälte“) markierte „Hamburger Hill“ sogar das Schauspieldebüt. Er spielt Sergeant Adam Frantz, der seine Einheit in die strategisch sinnlose Offensive führen muss, darunter 14 unerfahrene Neuankömmlinge. Es liegt an ihm und seinem Sanitätsoffizier Doc (Vance), den Grünschnäbeln Grundregeln des Überlebens beizubringen – eine Aufgabe, an der die beiden zwangsläufig scheitern müssen. Sogar Eigenbeschuss (friendly fire) wird zahlreiche der GIs töten.

Vom Töten und Sterben

Der „Hamburger Hill“ kennt keine Helden, nur Soldaten, die töten und getötet werden. Das Töten ist schmutzig, das Sterben ebenfalls. Trotz einiger Konflikte zu Beginn halten die US-Infanteristen zusammen, bilden eine Zwangsgemeinschaft, die immer mehr dezimiert wird. Mit dummen Sprüchen und Lachen halten sie einander bei Laune, aber die Angst ist so allgegenwärtig wie der Schlamm, der den Hügel herabquillt. Sie wissen, dass die Erstürmung eine sinnlose Aufgabe darstellt – und eine tödliche.

Musik von Philip Glass

Etwas aufgesetzt wirken kurze Einschübe, mit denen Kritik am Bild der Soldaten in der Heimat geübt wird. Private Martin Bienstock (Tommy Swerdlow) erhält von seiner Freundin einen letzten Brief, in dem sie ihm mitteilt, sie werde aufhören, ihm zu schreiben, weil ihre College-Freunde das für falsch hielten. Etwas später bügelt Sergeant Frantz einen Kriegsreporter unwirsch ab. Das überzeugt nicht recht, ändert aber nichts an der heftigen Wirkung von „Hamburger Hill“ mit seiner Botschaft von der Sinnlosigkeit des Krieges. Kritik verursachte die die manchen zu pathetische musikalische Untermalung von Philip Glass („Koyaanisqatsi“, „Candymans Fluch“, „Die Truman Show“), doch sie kommt nur in wenigen Sequenzen überhaupt zur Geltung, so bei zwei Erstürmungs-Szenen gegen Ende. Wenn in der ersten Hälfte Musik erklingt, ist sie meist Teil der Handlung – Soldaten spielen damals aktuelle Hits. Später kommt der Film über weite Strecken völlig ohne musikalische Untermalung aus, was zur Intensität weitaus mehr beiträgt, als es ein dramatischer Score vermocht hätte.

Bislang in Deutschland nur geschnitten

In Deutschland ist „Hamburger Hill“ nur geschnitten erhältlich. Auf der alten deutschen DVD fehlen mehr als vier Minuten, der Neuveröffentlichung fehlt immerhin auch noch eine Szene von 104 Sekunden, womöglich aufgrund eines Kopierfehlers. Für eine ungeschnittene Fassung muss es dann also die Lionsgate-DVD aus dem Vereinigten Königreich oder den USA sein. „Hamburger Hill“ hat sich seinen Status als bedeutsamer filmischer Kriegskommentar verdient.

Veröffentlichung: 3. Mai 2012 als Blu-ray und DVD, 2. Oktober 2002 als DVD

Länge: 109 Min. (Blu-ray), 104 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Hamburger Hill
USA 1987
Regie: John Irvin
Drehbuch: James Carabatsos
Besetzung: Anthony Barrile, Michael Boatman, Don Cheadle, Dylan McDermott, Courtney B. Vance, Michael Dolan, Don James, Michael A. Nickles, Daniel O’Shea, Tim Quill, Tegan West
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Packshot: © 2012 Concorde Home Entertainment

 

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Don Siegel (VII) / Clint Eastwood (XVIII): Betrogen – Greift auch zum Original!

The Beguiled

Von Simon Kyprianou

Kriegsdrama // Während des Amerikanischen Bürgerkriegs rettet die kleine Amelia (Pamelyn Ferdin) den schwer verwundeten Nordstaaten-Soldat John McBurney (Clint Eastwood) vor dem Feind. Die beiden kauern im Unterholz, als ein Südstaaten-Trupp durch den Wald streift. Er fragt sie nach ihrem Alter, sie erwidert, sie sei zwölf Jahre alt. „Old enough for a kiss“ meint McBurney und küsst sie. So führt Don Siegel seinen Protagonisten ein, wobei Protagonist vielleicht das falsche Wort ist. „Betrogen“ ist ein Ensemblefilm und keineswegs streng fokussiert auf Eastwoods Figur oder aus seiner Perspektive heraus erzählt.

Erotische Eifersucht in Zeiten des Krieges

Amelia bringt den verletzten McBurney zu einer abgelegenen Mädchenschule, geleitet von Martha Farnsworth (Geraldine Page). Zuerst will man ihn dort nur notdürftig verarzten und dann den Truppen übergeben. Dann aber beschließen die Frauen, ihn doch länger zu beherbergen. Was Siegel in der Folge inszeniert, ist sozusagen die Weiterführung des Krieges auf engstem Raum, losgelöst vom ideologischen Konflikt des Bürgerkriegs, fußend auf erotischer Eifersucht und Misstrauen. Dabei gibt es eigentlich keine wirklich positiv besetzte Figur – die Frauen verfallen McBurney, McBurney verfällt den Frauen.

Schamlosigkeit allerorten

Seiner Lust kann in „Betrogen“ niemand standhalten: Schamlos belügt McBurney die Schulleiterin über seine Vergangenheit und – schlimmer noch – auch die Lehrerin Edwina (Elizabeth Hartman), die ihn ihn verliebt ist. Aber die Lehrerinnen und Schülerinnen betrügen sich auch untereinander, zergehen sich in gegenseitiger Eifersucht, weigern sich, auf dem Feld zu arbeiten – das sei „Nigger Work“ –, und verschleiern ihre Sünden aus der Vergangenheit. Es scheint, als wolle Siegel erzählen, dass der Bürgerkrieg überallhin durchdringt, dass sich niemand dem Konflikt entziehen kann, nicht einmal in einem scheinbar völlig von der Welt abgeschirmten Ort wie der Mädchenschule. Die verschiedenen Seiten des Sezessionskriegs spielen ohnehin keine Rolle, die Bewohnerinnen der Schule haben vor den eigenen Südstaaten-Soldaten ebenso Angst wie vor den feindlichen Nordstaatlern.

Musik von Lalo Schifrin

Erzählt der Regisseur seine Filme gewöhnlich kompakt und ökonomisch, lässt sich Siegel bei „Betrogen“ lange treiben, in der schwülen Hitze und den unter der Oberfläche schwelenden Konflikten innerhalb des Internats. Er verwendet Lalo Schifrins teilweise düster verträumte Musik subtil, die größten Schocks des Films vollziehen sich in kompletter Stille. „Betrogen“ ist sicher einer von Siegels elegantesten und bestinszenierten Filmen.

Sofia Coppolas Remake „Die Verführten“ mit Colin Farrell und Nicole Kidman sollte Anlass genug sein, auch das Original zu sichten. Greift dafür aber besser zur Blu-ray – die Bildqualität der DVD ist grauenvoll.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Clint Eastwood und/oder Don Siegel sind in unserer Rubrik Regisseure zu finden – auch Eastwoods Schauspielarbeiten.

Veröffentlichung: 21. Mai 2015 als Blu-ray, 18. Oktober 2007 als DVD

Länge: 104 Min. (Blu-ray), 100 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: The Beguiled
USA 1971
Regie: Don Siegel
Drehbuch: Albert Maltz, Irene Kamp, nach dem Roman „The Painted Devil“ von Thomas P. Cullinan
Besetzung: Clint Eastwood, Geraldine Page, Elizabeth Hartman, Jo Ann Harris, Darleen Carr, Mae Mercer
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2017 by Simon Kyprianou
Packshot: © 2015 Universal Pictures Germany GmbH

 

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