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Ridley Scott (V): Black Hawk Down – Tödliches Fiasko in Somalia

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Black Hawk Down

Von Volker Schönenberger

Only the dead have seen the end of war. (Texttafel zu Beginn des Films, fälschlicherweise Plato zugeschrieben)

Kriegs-Action // 18 US-Soldaten sowie ein zu einer UNO-Mission gehörender Malaye starben am 3. und 4. Oktober 1993 während der Schlacht von Mogadischu im somalischen Bürgerkrieg – ein weiterer GI kam zwei Tage später ums Leben. Eine geringe Zahl, vergleicht man sie mit den geschätzt etwa 1.000 getöteten Somaliern auf der Gegenseite, doch höhere Verluste hatte es seit Vietnam nicht gegeben. Die US-Toten resultierten aus dem Abschuss zweier Transporthubschrauber vom Typ Sikorsky UH-60 – genannt „Black Hawk“ während eines Einsatzes in Mogadischu. Ich entsinne mich noch an die Fernsehbilder von damals: Zwei tote US-Soldaten wurden von wütenden Somaliern durch den Staub geschleift. Das brannte sich ins kollektive Gedächtnis ein.

Der Journalist Mark Bowden verfasste für die Tageszeitung The Philadelphia Inquirer eine Reihe von Artikeln über den Konflikt in Somalia und die Ereignisse jener Tage. 1999 fasste er sie in Buchform unter dem Titel Black Hawk Down – A Story of Modern War zusammen, in Deutschland als „Black Hawk Down – Kein Mann bleibt zurück“ erschienen. Von dort war es nur noch ein kurzer Weg, bis sich Hollywood in Gestalt von Regisseur Ridley Scott der Geschichte annahm.

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Zu Beginn erhalten wir einen kurzen Abriss über die Situation in Somalia 1992. Einblendungen nennen 300.000 Tote als Opfer der Hungersnot in Somalia, Folge andauernder Kriege rivalisierender Clans im Lande. Der Warlord Mohammed Farah Aidid kontrolliert Mogadischu und fängt Hilfslieferungen der internationalen Völkergemeinschaft ab. 20.000 US-Marines sichern die Versorgung der hungernden Bevölkerung, doch nach ihrem Abzug nimmt Aidid ab April 1993 die verbleibenden UN-Truppen ins Visier. Nun gerät der Warlord selbst ins Visier: Im August des Jahres machen sich Angehörige der Delta Force, der Army Rangers und Mitglieder des 160th SOAR auf, Aidid auszuschalten.

Tödlicher Irrtum: Es wird ein kurzer Einsatz

Ein schwer bewaffneter „Black Hawk“ kreist über einer Nahrungsmittelausgabe des Roten Kreuzes. Milizionäre Aidids schießen gnadenlos in die Menge, doch die US-Soldaten erhalten keine Genehmigung einzugreifen. Bald darauf geht es in den Einsatz, um zwei wichtige Berater Aidids zu fassen. Staff Sergeant Matthew Eversmann (Josh Hartnett, „Pearl Harbor“) erhält das Kommando über eine Einheit der Rangers, die zum Feuerschutz eingeteilt ist, Männer der Delta Force sollen die Zielpersonen fassen. Ein vermeintlich leichter Einsatz beginnt, eine halbe Stunde später wird er wohl beendet sein, so glauben die Soldaten, lassen Wasser und Nachtsichtgeräte als überflüssigen Ballast zurück. Als sich die „Black Hawks“ in die Luft erheben, ahnt keiner, was für ein Höllenritt ihnen bevorsteht. Bald muss General William F. Garrison (Sam Shepard, „Der Stoff aus dem die Helden sind“) über Funk hören: „We got a Black Hawk Down.“

Stars und kommende Stars am Start

Als Somalia musste Marokko herhalten. Geballte Starpower oder kommende Starpower streifte sich dort die Uniform über: In verschiedenen Rängen und mit mal mehr, mal weniger Leinwandzeit sehen wir Ewan McGregor („Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung“), William Fichtner („Lone Ranger“), Eric Bana („München“), Orlando Bloom („Fluch der Karibik“), Jeremy Piven („Entourage“), Nikolaj Costa-Waldau („Game of Thrones“) und Tom Sizemore („Natural Born Killers“) sowie Tom Hardy („Mad Max – Fury Road“) in seinem Kinodebüt.

Sonderlich fordernd oder gar ausgefeilt ist keine ihrer Rollen, denn Ridley Scott und seinem Produzenten Jerry Bruckheimer geht es nach einer etwa vierzigminütigen Exposition in erster Linie um eins: Action! Die folgenden gut anderthalb Stunden sind eine Orgie aus Schüssen und Einschlägen, Raketenwerfern und Explosionen, Stahl und Staub, Straßenkampf und Tod.

Kritik – Fehlanzeige

Sie sind Helden! Ähnlich wie ein Jahr später in Randall Wallaces „Wir waren Helden“ mit Mel Gibson geht es in „Black Hawk Down“ den eingangs skizzierten Ausführungen zum Trotz zu keinem Zeitpunkt um eine kritische Auseinandersetzung mit dem Konflikt oder gar der amerikanischen Intervention. Kein Wunder, unterstützte die US-Army die Produktion doch nach Kräften. Die Kerle erleiden zwar Todesangst und Schmerzen in nicht zu knapper Dosis, aber sie tragen allesamt das Herz auf dem rechten Fleck, setzen sich für ihre Kameraden ein, harren geduldig aus oder dringen zu den Eingeschlossenen vor. Immerhin verzichtet Scott auf die Inszenierung von US-Patriotismus. Die Somalier auf der anderen Seite werden nicht einer einzigen individuellen Porträtierung gewürdigt. Aidids Truppen haben zu Beginn Zivilisten und Landsleute abgeknallt, das muss wohl als Charakterisierung reichen. Ganze zwei Somalier haben nennenswerte Textzeilen auf den Leib geschrieben bekommen, ansonsten sind sie dunkle Schemen, todbringende Schatten, die von Dächern schießen.

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Nichts gegen die Action, sie ist mitreißend inszeniert und verursacht schweißnasse Handflächen. Von Hans Zimmers Score passend untermalt, kommt der Zuschauer – Männer bilden das Zielpublikum – nicht umhin, mit den US-Soldaten mitzufiebern wie General Garrison: aus der Ferne und in Sicherheit. Apropos Männer: Frauenrollen gibt es keine einzige. Das hätte zwar ohnehin nicht recht gepasst, ist aber dennoch bemerkenswert.

Ausgezeichnet mit zwei Oscars

Die Kamera und Ridley Scotts Regie wurden für den Oscar nominiert. Dass Scott bei den Academy Awards 2002 Ron Howards Regie für „A Beautiful Mind – Genie und Wahnsinn“ unterlag, geht völlig in Ordnung, bei aller Wucht der Action wäre ein Oscar für eine derartig eindimensionale Inszenierung zu viel des Guten gewesen. Die beiden Oscars für den Schnitt und den Ton hingegen kann man dem Film ruhig zugestehen. Technisch ist „Black Hawk Down“ über alle Zweifel erhaben. Als Hochglanzprodukt ist er prädestiniert, auf Blu-ray gesichtet zu werden. Der HD-Transfer bringt das scharfe und kontrastreiche Bild perfekt zur Geltung, trotz der überbordenden Action behält der Zuschauer den Überblick. Wer nach dem 144-minütigen Inferno noch nicht genug hat, kann sich das Featurette „The Essence of Combat – Making Black Hawk Down“ geben, das mit 151 Minuten sogar noch länger als der Film geraten ist. Tipp für Steelbook-Sammler, die keine deutsche Tonspur benötigen: Das im Vereinigten Königreich erschienene (siehe oben) sieht deutlich besser aus als das deutsche (siehe unten).

In puncto Kriegs-Action bietet „Black Hawk Down“ großes Kino, als Kriegsdrama versagt der Film auf ganzer Linie.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Ridley Scott sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Ewan McGregor in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 4. Januar 2013 als 2-Disc Edition (Blu-ray & DVD) im Steelbook, 8. Juli 2011 als Blu-ray im Steelbook, 9. September 2010 als Blu-ray, 3. September 2010 & 1. April 2004 als DVD, 1. Februar 2007 als Oscar Edition DVD, 14. September 2006 als 3-Disc Deluxe Edition Bulletproof Collection DVD, 20. März 2003 als 2-Disc Special Edition DVD

Länge: 144 Min. (Blu-ray), 138 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Black Hawk Down
USA/GB 2001
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Ken Nolan, nach einer Vorlage von Mark Bowden
Besetzung: Josh Hartnett, Ewan McGregor, Tom Sizemore, Eric Bana, William Fichtner, Ewen Bremner, Sam Shepard, Gabriel Casseus, Kim Coates, Hugh Dancy, Jason Isaacs, Jeremy Piven
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit US-Special Forces Veteranen 1993, Audiokommentar von Mark Bowden und Ken Nolan, Audiokommentar von Ridley Scott und Jerry Bruckheimer, Interviews mit Cast & Crew, Featurette „The Essence of Combat – Making Black Hawk Down“, Image and Design, entfallene und alternative Szenen, Hinter den Kulissen, Kinotrailer
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

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Fotos & Packshot: © Universum Film

 

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Wir waren Helden – Soldaten waren sie!

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We Were Soldiers

Von Volker Schönenberger

Kriegs-Action // Ein Trupp französischer Soldaten bewegt sich im Juni 1954 durchs zentrale Hochland von Vietnam. Es sind die letzten Tage des Französischen Indochinakriegs. Die Einheit gerät in einen Hinterhalt der Việt Minh und wird in einem der Gefechte der Schlacht am Mang-Yang-Pass vollständig massakriert. Việt-Minh-Anführer Nguyễn Hữu An (Duong Don) macht keine Gefangenen, weil er annimmt: Kill all they send, and they will stop coming. Töte man alle, die auftauchen, werde der Feind irgendwann aufhören, weitere Soldaten zu schicken.

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Glücklich verheiratet: Hal und Julie

Die Franzosen haben das offenbar tatsächlich irgendwann eingesehen, aber dann kommen die Amerikaner: Elf Jahre später erhält Lieutenant Colonel Hal Moore (Mel Gibson) den Auftrag, das 7. Kavallerieregiment der 1. US-Kavalleriedivision in Vietnam in den Kampf zu führen. Die Truppen sollen nach einer neuartigen Methode vorgehen: Tollkühne Helikopterpiloten wie Major Bruce „Snake“ Crandall (Greg Kinnear) fliegen die Männer zum Ort des Geschehens, setzen sie dort ab und holen sie nach Ende des Kampfes wieder ab. So die Idealvorstellung, die in den USA wieder und wieder geübt wird, bevor es nach Südostasien geht.

Die Schlacht im Ia-Drang-Tal

Am 14. November 1965 kommt es zur ersten großen Auseinandersetzung des Vietnamkriegs: der Schlacht im Ia-Drang-Tal. Trotz permanenter Luftunterstützung können Moore und seine Männer es nicht verhindern, eingekesselt zu werden. Die nordvietnamesischen Truppen rücken ihnen so eng auf die Pelle, dass die US-Flugzeuge den Feind mit ihren Bomben und Raketen nicht dezimieren können.

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Seine Ehefrau verbirgt die Angst um ihren Mann

Neben den üblichen unerfahrenen Soldaten wie dem jungen 2nd Lieutenant Jack Geoghegan (Chris Klein) finden wir weitere Stereotypen des Kriegsfilms, darunter den erfahrenen Sergeant Major Basil Plumley (Sam Elliott), ein Kerl wie eine Eiche, den nichts aus der Ruhe bringen kann. Auch ein Kriegsfotograf greift ins Geschehen ein: Joe Galloway (Barry Pepper), der dann auch zur Waffe greift und Seite an Seite mit den anderen Soldaten ums Überleben kämpft. Das wird arg plakativ, wenn ihn nach Ende der Schlacht eingeflogene Reporterkollegen befragen wollen – hier Galloway, in Uniform, dreckig bis zur Schwärze, dort die übrigen Journalisten, in Zivil, sauber gekleidet, ahnungslos. Endgültig zu viel wird es, wenn Hal Moore kurz darauf mit Tränen in den Augen zu Reporter Galloway sagt, er könne es sich nie verzeihen, dass seine Männer gestorben sind und er selbst nicht. Hohler kann soldatisches Pathos nicht sein, Hauptsache mit getragenen Streicherklängen unterlegt.

Waren das Helden?

Während der langen, ja ausufernden Kampfszenen mit ihrem enorm hohen Body Count auf beiden Seiten und der drastischen Darstellung des Sterbens war ich kurz versucht, „Wir waren Helden“ eine Antikriegs-Botschaft zuzugestehen. Zu sinnlos erscheint es, dass Soldaten 14.000 Kilometer weit transportiert werden, um dort aus antikommunistischen Motiven gegen ein kleines Land zu kämpfen. Sie sind aber dann doch alle zu heldenhaft, die Männer um Hal Moore – jederzeit bereit, für die Kameraden alles zu tun. Sie waren eben Soldaten, wie der Originaltitel des Films ausdrückt: „We Were Soldiers“. Das impliziert: Sie taten das, was zu tun war, weil es ihnen befohlen worden ist. Der deutsche Verleih hielt es offenbar für nötig, das Heldentum stärker zu betonen – „Wir waren Helden“ eben.

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Es geht los

In einzelnen, kurzen Momenten versucht der Film, eine Haltung zu entwickeln, einen Hauch von Kritik einzubringen – woran auch immer: Der Erzähler aus dem Off spricht zu Beginn von einem Krieg, den sein Land nicht verstehe. Wen er allerdings mit seinem Land meint, bleibt offen. Es mag die Friedensbewegung sein, die damals in den USA gegen den Vietnamkrieg auf die Straße ging, was bei manchen Apologeten des Krieges eine Dolchstoßlegende entstehen ließ. Wenn nach dem Massaker an den französischen Soldaten zehn Jahre übersprungen werden, sehen wir 1964 in Fort Benning (Georgia) zwei Offiziere, die den kommenden Gegner nicht recht ernst nehmen: Der eine spricht von Höhlenmenschen in Pyjamas. Als sein Nebenmann erwidert, diese hätten bereits die französische Armee geschlagen, äußert er nur geringschätzig: The French Army? What’s that? Da hat man wohl den Gegner sträflich unterschätzt, soll das heißen, das Thema bleibt aber Momentaufnahme, später geht es ausschließlich ums Soldatentum.

Die Ehefrauen bangen daheim um ihre Männer – und bleiben pflichtbewusst

Den ohnehin nicht wirklich eingeschlagenen Pfad der Kritik am Wesen des Krieges verlässt „Wir waren Helden“ vollends mit der Darstellung der bangenden Familien daheim: Offiziersgattin Julie Moore (Madeleine Stowe) organisiert den Zusammenhalt der Ehefrauen am Stützpunkt. Sie lässt auch die Telegramme mit den Nachrichten an die Ehefrauen Gefallener zu sich bringen, um die bittere Botschaft persönlich zu überbringen. Das bringt großen Schmerz für die Witwen mit sich, aber je ein Wort der Kritik? Ein Aufschrei einer der Witwen über die Sinnlosigkeit des Todes ihres Liebsten? Fehlanzeige. Ist’s Zufall, dass in diesen Szenen stets das Sternenbanner zu sehen ist? Trotz all ihrer Angst halten die Ehefrauen den Männern an der Front und damit der US-Army als Ganzes brav den Rücken frei – über den Tod des Ehemanns hinaus. So wünscht sich eine Krieg führende Nation die Ehefrauen ihrer Soldaten.

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Lieutenant Colonel Hal Moore führt seine Soldaten in den Kampf …

Soldaten und ihre Angehörigen haben pflichtbewusst zu sein – sie sind eben Soldaten. Dieser kritiklose Militarismus wertet „Wir waren Helden“ leider stark ab. „Leider“ deshalb, weil er als Kriegs-Actionfilm enorm unterhaltsam und spannend geraten ist und zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommt – und das, obwohl es über weite Strecken ununterbrochen und ohne Abwechslung mit Kampfszenen zur Sache geht. Das könnte irgendwann langweilen, tut es aber nicht. Regisseur Randall Wallace hat für seine zweite Regiearbeit nach „Der Mann in der eisernen Maske“ (1998) mit Leonardo DiCaprio gut aufgepasst, was Schlachtenszenen angeht: Für Mel Gibsons „Braveheart“ (1995) und Michael Bays „Pearl Harbor“ (2001) hatte er die Drehbücher geschrieben, also immerhin schon als Autor Erfahrung mit kriegerischen Auseinandersetzungen gesammelt.

Kriegs-Action ohne kritische Töne

Korrekte Namen, korrekte Schauplätze – „We Were Soldiers“ suggeriert Authentizität. Abgesehen von einigen aus Gründen der Dramaturgie veränderten Geschehnissen könne es so gewesen sein. Auch der echte Hal Moore gab dem Film dem Vernehmen nach seinen Segen. Aber vielleicht glaubt er auch heute noch, in einem gerechten Krieg gekämpft zu haben. Mit ganz viel Augenzudrücken lässt sich „Wir waren Helden“ als reine Kriegs-Action sehr gut schauen, erst recht, wenn man Heldenkino mag. Für Hollywoods A-Liga ist das viel zu wenig. Als Beitrag zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der US-Intervention in Vietnam ist der Film denkbar ungeeignet. Aber da befindet er sich mit Filmen wie „Rambo II – Der Auftrag“, „Missing in Action“ und „Im Wendekreis des Söldners“ in guter Gesellschaft.

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… und fordert Luftunterstützung an

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von und/oder mit Mel Gibson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

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Moore ist den Männern jederzeit ein Vorbild

Veröffentlichung: 6. September 2007 als Blu-ray, 5. November 2003 als DVD (FSK 16), 19. März 2003 als DVD

Länge: 138 Min. (Blu-ray), 133 Min. (DVD), 121 Min. (DVD FSK 16)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: We Were Soldiers
USA/D 2002
Regie: Randall Wallace
Drehbuch: Randall Wallace, nach einer Vorlage von Harold G. Moore und Joseph L. Galloway
Besetzung: Mel Gibson, Madeleine Stowe, Greg Kinnear, Sam Elliott, Chris Klein, Keri Russell, Barry Pepper, Duong Don, Ryan Hurst, Robert Bagnell, Marc Blucas, Josh Daugherty, Jsu Garcia, Jon Hamm, Clark Gregg, Desmond Harrington, Dylan Walsh
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © Concorde Home Entertainment

 

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Hacksaw Ridge – Die Entscheidung: Der Kriegsheld, der keiner sein wollte

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Hacksaw Ridge

Kinostart: 26. Januar 2017

Von Andreas Eckenfels

Kriegsdrama // Zehn Jahre nach „Apocalypto“ (2006) kehrt Mel Gibson für eine unglaubliche Geschichte erstmals wieder auf den Regiestuhl zurück. Unglaublich deshalb, weil man das Leben und die Taten von Desmond Doss (1919–2006) für frei erfunden halten müsste, wenn sich diese nicht während des Zweiten Weltkriegs in der Schlacht um Okinawa tatsächlich ereignet hätten. Doss war 1945 der erste von bisher drei Kriegsdienstverweigerern in der US-Militärgeschichte, der mit der Tapferkeitsmedaille Medal of Honor ausgezeichnet wurde – und das, ohne eine einzige Kugel abgefeuert zu haben.

Ein überzeugter Pazifist zieht in den Krieg

Als Angehöriger der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten tritt Desmond Doss (Andrew Garfield) unbeirrbar für seine Überzeugungen ein. Nach einem traumatischen Kindheitserlebnis nimmt er sich das sechste Gebot „Du sollst nicht töten“ besonders zu Herzen. Er will keinem Menschen Gewalt antun und noch nicht einmal eine Waffe in die Hand nehmen. Dennoch: Um seinem Land im Zweiten Weltkrieg zu dienen, meldet er sich freiwillig bei der US-Armee.

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Desmond und Dorothy wollen heiraten

Schon während seiner militärischen Grundausbildung zieht Doss mit seiner Prinzipientreue den Zorn seiner Vorgesetzten Sergeant Howell (Vince Vaughn), Captain Glover (Sam Worthington) und Kameraden auf sich. Der gläubige Soldat wird misshandelt, vor der Hochzeit mit seiner Verlobten Dorothy (Teresa Palmer) inhaftiert und schließlich als Kriegsdienstverweigerer vor ein Militärgericht gestellt. Doch allen Widrigkeiten zum Trotz gelingt es ihm, als nicht kämpfender Sanitäter anerkannt zu werden und mit dem 307. Infanterieregiements nach Übersee zu fahren.

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Seine Kameraden scheren sich nicht um Desmonds Glaubensprinzipien

Bei der Schlacht um Okinawa, die als blutigster Einsatz des Pazifikkriegs in die Geschichte eingeht, begeht der gläubige Soldat seine selbstlosen Taten: Nachdem der Rückzug von der 122 Meter hohen Maeda-Felswand – wegen ihrer Konturen auch unter dem Namen Hacksaw Ridge bekannt – befohlen wurde, bleibt Doss standhaft. Unter Dauerbeschuss der Japaner rettet er im Alleingang etwa 75 verwundeten Kameraden das Leben, die auf dem Schlachtfeld zurückgelassen wurden.

Kriegshölle hautnah

Wenn man Gibsons vorige Regiearbeiten kennt, weiß man, dass er in Schlachtenszenen keine Kompromisse eingeht. Auch bei „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“ setzt er auf absoluten Realismus. Schon zu Beginn sehen wir erste Ausschnitte der Kriegshölle, die uns auf das brutale Gemetzel vorbereiten, was da noch kommen mag. Die Kugeln pfeifen den Soldaten nur so um die Ohren, Explosionen zerfetzen ihnen die Körper, brennende Menschen fliegen in Zeitlupe durch die Luft. Das ist schmerzhaft mitanzusehen und noch intensiver als die Kriegs-Action in Steven Spielbergs „Der Soldat James Ryan“ (1998), da sich natürlich auch die Spezialeffekte – die ganz ohne Computeranimationen auskommen – seit damals weiterentwickelt haben. Für die Feuergefechte und Explosionen wurde eine neuartige Technik mit dem Namen „Bomb Box“ genutzt, die nach der Sprengung Trümmerteile und Schutt mit hohem Tempo herausschleudert ohne jemanden verletzten zu können. Dabei werden auch Lichtblitze ausgelöst, die den Eindruck von starken Explosionen vermitteln.

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Sergeant Howell führt seine Männer in die Schlacht an der Hacksaw Ridge

Doch mitten in diesem Chaos, dem Blut und Gedärm gibt es einen Lichtblick, einen Fixpunkt, der nicht töten, sondern helfen will: der Pazifist Desmond Doss, der seine Kameraden unter größter Gefahr und ohne Unterlass aus den Schützengräben zieht. Dass er diesen unbändigen Glauben bis zur Selbstaufopferung gelebt hat, ist wahrlich die unglaubliche Geschichte eines außergewöhnlichen Menschen; Stoff für ein packendes Kinoabenteuer, welches Gibson mit seiner warmherzigen Figurenzeichnung als einen zutiefst menschlichen Antikriegsfilm zum Leben erweckt hat. Nur gegen Ende, als Doss erschöpft auf einer Bahre in die Luft gehoben wird, also scheinbar in den Himmel auffährt, überhöht er den Helden zu stark, was wohl auch Gibsons eigenem Glauben geschuldet ist.

Filmisches Denkmal

Doch gleich danach wird man wieder zu den Tatsachen zurückgeholt. In Archivinterviews kommen der echte Desmond Doss und seine Wegbegleiter zu Wort und bestätigen, dass sich diese Taten wirklich ereignet haben. Gibson nahm sogar einige weitere wahre Begebenheiten von Doss nicht in seinen Film mit auf, weil ihm diese laut eigenem Bekunden niemand abgenommen hätte.

Doss war ein Kriegsheld, der gar keiner sein wollte. Er blieb sein ganzes Leben lang bescheiden. Erst in seinen letzten Lebensjahren konnte er dazu überredet werden, die Filmrechte an seiner Geschichte zu verkaufen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten würde. Daraus entstand zunächst die Dokumentation „The Conscientious Objector“ (2004) von Terry Benedict und nun Gibsons Dramatisierung der Ereignisse in „Hacksaw Ridge – Die Entscheidung“, die diesem Mann ein filmisches Denkmal setzen.

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Desmond versorgt die verwundeten Soldaten

Bei der Oscar-Verleihung 2017 ist Gibsons Werk als Außenseiterkandidat in sechs Kategorien nominiert, darunter als bester Film, für die beste Regie und den besten Hauptdarsteller. Andrew Garfield wird ab dem 2. März in Martin Scorseses Religionsdrama „Silence“ erneut einen Glaubenskrieg mit sich ausfechten müssen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von oder mit Mel Gibson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

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Im Alleingang rettet der Sanitäter im Kugelhagel Dutzenden Kameraden das Leben

Länge: 131 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Hacksaw Ridge
AUS/USA 2016
Regie: Mel Gibson
Drehbuch: Robert Schenkkan, Andrew Knight
Besetzung: Andrew Garfield, Vince Vaughn, Sam Worthington, Teresa Palmer, Hugo Weaving, Rachel Griffiths, Richard Roxburgh, Milo Gibson, Dennis Kreusler, Firass Dirani, Michael Sheasby, Luke Pegler, Ben Mingay, Luke Bracey, Nico Cortez, Goran D. Kleut, Harry Greenwood, Damien Thomlinson, Ben O’Toole, Jim Robison, Samuel R. Wright, Mikael Koski, Robert Morgan, Ryan Corr
Verleih: Universum Film

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Universum Film

 

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