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The Hitch-Hiker – Per Anhalter durch die Psychogalaxis

The Hitch-Hiker

Von Tonio Klein

Der folgende Text enthält ein paar Spoiler.

Thriller // Als titelgebender Hitch-Hiker (zu deutsch: Anhalter) ermordet Emmett Myers (William Talman) bereits in den ersten paar Minuten des Films in Südkalifornien vier Menschen. Kurz darauf bringt er auf der zu Mexiko gehörigen Halbinsel Niederkalifornien die beiden Freunde Roy Collins (Edmond O’Brien) und Gilbert Bowen (Frank Lovejoy) in seine Gewalt. Auf diese drei wird sich „The Hitch-Hiker“ im Folgenden konzentrieren.

Ausbruch aus Land und Eheroutine

Die Enge des Autos kontrastiert mit der Weite Mexikos – und mit der Fremde. Unsere drei sind nämlich US-Amerikaner, die alle eigentlich gar nicht sein sollten, wo sie sind. Killer Emmett Myers gehört hinter Schloss und Riegel, während Gil und Roy ihren Frauen das Ziel ihres Wochenendausflugs verschwiegen haben. Es entspinnt sich ein spannender, harter, direkter, reduzierter Thriller, in dem es zur Sache geht: Gewalt, Psychoduelle, Versuche, auf sich aufmerksam zu machen und zu fliehen, Standardsituationen wie eine Reifenpanne, parallel dazu die sich wie ein Spinnennetz zusammenziehende Fahndung. Kaum einmal Abwechslung, keine Ablenkung, keine Szenen mit anderen Hauptpersonen, und nicht mal Frauen kommen in diesem Film vor, kein love interest, keine Femme fatale. Wir haben keine andere Möglichkeit, als uns auf das Kidnapping zu konzentrieren, und tauchen dadurch umso tiefer ein, sind mit dabei, wenngleich der Thriller weder den Täter vermenschlicht noch einseitig zur Opferidentifikation nötigt.

Zu dieser auf die Extremsituation reduzierten Perspektive trägt beispielsweise auch die Filmmusik von Leith Stevens bei, die den rauen Charme eines B-Pictures ausstrahlt: immer wuchtig, immer bedrohlich, immer volles Orchester, ein besonders bedrohliches Thema wird oft wiederholt, filigran ist anders. Nur einmal scheint es eine Idylle zu geben, aber sie ist falsch. Ein klassisches Adagio ertönt aus dem Radio, doch das Picknick unserer drei könnte für zwei von ihnen das letzte sein. Vögel kreisen bereits, das wirkt zusammen mit der Musik zunächst fast idyllisch, aber halt: Sind das schon die Geier? „The Hitch-Hiker“ lässt das im Unklaren.

Dekonstruktion von Männlichkeit

Und der Film hat auch sonst einen beunruhigenden Subtext. Dieser kleine, harte Männerthriller, man mag es kaum glauben, wurde von einer Frau inszeniert, von Ida Lupino. Nun mag es etwas ungerecht sein, nur deswegen Ansatzpunkte von Feminismus zu suchen, aber einen Touch von Männlichkeits-Dekonstruktion kann man hier durchaus finden. 1953 entstanden, atmet „The Hitch-Hiker“ das Nachkriegstrauma des Mannes, der seinen selbigen stehen sollte und damit nicht immer gut zurechtkam – nicht umsonst sind Gil und Roy Kriegsveteranen. So furchtbar der Krieg war, aus ihrem Ehealltag wollen sie nun zaghaft ausbrechen. Gil betont einmal, dass er außer im Krieg noch nie so lange von seiner Frau getrennt war – gerade einmal ein vielleicht verlängertes Wochenende! Roy sehnt die Junggesellenzeit noch stärker herbei, will auf der Amüsiermeile einer kleinen Stadt am liebsten gleich mal in eine Bar mit Tänzerinnen gehen, aber Gil ist da zurückhaltender, also wird das nichts. Der Wert der Familie, der wurde beim Wiederzusammenführen der Familien und der moralischen Rekonstruktion nach dem Kriege großgeschrieben, aber er kann auch erdrückend sein.

Gil und Roy wollen sich ein bisschen Freiheit gönnen, sind aber im Grunde zaghaft und unfähig zur Revolte. Emmett hat das andere Extrem gewählt, er ist ein Outlaw, der nie etwas geschenkt bekommen und sich alles selbst genommen hat. Ein bisschen klischeehaft, aber letztlich doch stimmig erklärt er, dass er nicht das Glück hatte, in einer intakten Familie aufzuwachsen. Also wollte er erst gar nicht ein Leben führen, in dem man auf andere Rücksicht nehmen muss und sich bindet. Wie man es auch hat, mit Bilderbuchfamilie wie Gil und Roy oder mit Familienhölle wie Emmett – alle sind unzufrieden und versuchen völlig verschiedene Wege des Aufbegehrens zu gehen. Lupino lässt diese Wege brutal aufeinanderprallen wie die Film-noir-Ästhetik auf die Weiten des Roadmovies und die gleißende mexikanische Sonne.

„The Hitch-Hiker“ verfällt nicht dem Fehler, die Welten von Täter und Opfern zu sehr zu parallelisieren, schon allein, weil Gil und Roy sich deutlich unterscheiden. Gegen Ende ist es Roy, der Mühe hat, seine Aggressionen im Zaum zu halten. Eine klassische Situation des Geiselfilms bekommt so eine Metabedeutung: Emmett zwingt Roy zum Kleidertausch, und als schließlich die Polizei den dreien auflauert und die ersten Schüsse fallen, ruft Roy immer wieder: „I’m not Myers!“ Ja, da ruft er nicht nur die Polizisten, sondern auch sich selbst an, erschrocken über die Vorstellung, durch die Extremsituation sich zu Dingen hinreißen zu lassen, die die Grenzen zwischen Gut und Böse infrage stellen. Genau dies – Achtung, Spoiler – geschieht dann auch: Der scheinbar sauharte Emmett wird festgenommen, ist ohne Knarre auf einmal ein jammerndes Würstchen, und Roy schlägt blindwütig auf den Wehrlosen ein. Den letzten Satz – Gil sagt zu Roy: „It’s all right now.“ – versieht Lupinos Inszenierung deutlich mit einem Fragezeichen.

Ida Lupinos kleine Schwestern der A-Filme

Die US-Amerikaner in der Fremde waren auch in einer inneren Fremde, in einer Ausnahmesituation, und wir können einmal rätseln, wie sie künftig damit zurechtkommen werden. Lupino gibt indes einen hübschen Tipp, der für die Parallelisierung zwischen geografischer und emotionaler Fremde bezeichnend ist: Der besonnenere Gil ist der Einzige, der sich in der Landessprache Spanisch verständigen kann. Übrigens haben zwei Lupino-Regiearbeiten einen Vergleichsfilm aus ausgerechnet jeweils demselben Jahr: John Sturges inszenierte mit der berühmten Barbara Stanwyck 1953 „Sekunden der Angst“, der ähnlich „The Hitch-Hiker“ fragt, ob nicht auch die Angst vor dem Fremden und der Fremde so manche Kalamität auslöst. In diesem in Setting und Reduktion ähnlichen Roadmovie-Thriller hätte die Stanwyck-Figur eine Lebensgefahr für ihren Mann und ihren Sohn viel schneller abwenden könnten, wenn sie sich doch nur minimal auf Spanisch verständigen könnte. „Die Männer“ von 1950 wiederum ist der A-Film-Bruder von Lupinos „Lügende Lippen“. Beide Filme thematisieren den Umgang mit körperlichen Behinderungen, nur hatte „Die Männer“ mit Fred Zinnemann einen bekannten Regisseur, mit Teresa Wright einen Star und mit Marlon Brando einen kommenden Superstar, der hier seinen fulminanten Einstand gab. Alle vier Filme sind hervorragend, und die Lupinos sind die dreckigen kleinen, aber dabei doch so großen Schwestern.

„The Hitch-Hiker“ ist besetzt mit wenig bekannten Darstellern und in der Rolle des Roy dem mittelbekannten Edmond O’Brien („Die barfüßige Gräfin“). Interessant ist, dass William Talman, der hier den Schurken gibt, wieder als (diesmal tragischer und sympathischer) Schurke in „No. 5 Checked Out“ (1956) auftaucht; dies ist ein grandioser TV-Kurzfilm Lupinos. Und ausgerechnet die wunderbare Teresa Wright, in „Die Männer“ an der Seite eines Kriegsversehrten (Marlon Brando), spielt ihrerseits eine Versehrte. Ob das alles Zufall ist? Fest steht jedenfalls dies: „The Hitch-Hiker“ basiert lose auf dem seinerzeit aufsehenerregenden Fall des 1952 in San Quentin hingerichteten Serienmörders Billy Cook. Es ist nachweisbar, dass Lupino zum Beispiel durch gleiche Ortsnamen die Parallelen soweit verdeutlichte, dass jeder sie damals verstand, wiewohl das in der Handlung nur ein loser Anknüpfungspunkt ist.

Style Queen of the Bs

Die Regisseurin erweist sich im Übrigen nicht nur als wacher Geist eines sehr interpretationsfähigen Filmes, sondern sie vergisst dabei auch nicht das Unterhaltungshandwerk. Die ersten paar Minuten sind von einer meisterhaften Noir-Archetypik, die den Atem anhalten lässt. Kein Dialog, keine Gesichter, nur die bedrohliche Musik und die Taten des Hitch-Hikers. Man sieht Beine, hört einen Schrei, einen Schuss, sieht eine Tasche herunterfallen, einen Arm einer Toten aus der Autotür baumeln … Schnell, ökonomisch, nie hektisch, aber ohne Umschweife, mit hartem Noir-Punktlicht, sogar die rotierende Zeitung darf nicht fehlen. Und Lupino ist so gemein, das erste wirkliche Gesicht nicht als bewegtes Bild der Filmhandlung zu zeigen, sondern als Steckbrieffoto Emmetts auf einer Zeitung. Bevor der eigentliche Film losgeht, hat eine Montage bereits die Stimmung und die Gefahr etabliert und ihr ein Gesicht gegeben, das damit schon als eines definiert ist, das sich in die Erzählung (und in die Gesellschaft) nicht integrieren lassen will.

Lupino schildert später auch immer wieder in kurzen Einsprengseln die Polizeiarbeit in solchen Montagesequenzen, wie das gutes, effizientes Warner-Bros.-Handwerk seit den Dreißigern war. Aufschlussreich mag sein, dass sie als eines von mehreren Regievorbildern Raoul Walsh genannt hat. Dieser war ebenfalls versiert im harten, direkten, ökonomischen Erzählen, dennoch oft mit Mehrwert. Montagen einer groß angelegten Verbrecherjagd gibt es beispielsweise in Walshs „Entscheidung in der Sierra“ (1941), starring Ida Lupino. Zwischen den Montagesequenzen von „The Hitch-Hiker“ findet sich wie erwähnt diese irritierende Abwechslung von Enge und Weite, Schatten und sengender Sonne, aber es gibt auch fein durchkomponierte Gesichtsstudien. In einem markanten Psychoduell am Anfang haben wir genau einmal je eine Großaufnahme von allen dreien – was fühlt jeder jetzt wohl? – und gehen dann wieder zu Zwei- oder Drei-Personen-Einstellungen über. Diese lassen uns aber nicht unbedingt in wohlige Distanz zurückfallen, sondern verschaffen uns einen Gesamtüberblick, der die Beunruhigung noch steigert: Wir können einschätzen, was die Protagonisten vielleicht noch nicht einschätzen können. Ganz klassischer und guter Hitchcockscher Suspense durch Informationsvorsprung.

In der Arte-Mediathek verfügbar

„The Hitch-Hiker“ ist also, wie fast alles von Ida Lupino, ein Juwel unter den B-Pictures, das endlich einmal in einer vernünftigen deutschen Edition erscheinen sollte. Immerhin hat der deutsch-französische Kultursender Arte unter dem Titel „Die Filme von Ida Lupino“ vier ihrer Regiearbeiten und ein 2022 entstandenes 24-minütiges Porträt der Filmemacherin in seiner Mediathek platziert, darunter auch „The Hitch-Hiker“, der eigens für die Arte-Ausstrahlung den korrekt ins Deutsche übersetzten Titel „Der Anhalter“ verpasst bekam. Alle Filme, zu denen auch der erwähnte „Lügende Lippen“ zählt, können bis zum 7. Juli 2023 dort abgerufen werden.

Abschließend bin ich als Autor für 35 Millimeter – Das Retro-Filmmagazin so frei, auf die Ausgabe 27 der Zeitschrift hinzuweisen. Darin gab ich, zunächst noch als Gastautor, meinen Einstand für das Magazin, und das ausgerechnet mit einem ausführlichen Text über – genau! – Ida Lupino. Wer daran oder an den anderen Themen der Ausgabe Interesse hat: Noch ist sie im Online-Shop verfügbar. Zudem wird im Februar das bereits hier vorbestellbare Sonderheft „Melodram“ erscheinen, zu dem ich vier Texte beisteuern durfte. Einer davon behandelt Lupinos „Der Mann mit zwei Frauen“ (1953), der ebenfalls an angegebener Stelle in der Arte-Mediathek verfügbar ist.

Veröffentlichung (USA): 20. Oktober 2022 und 24. September 2019 als DVD, 15. Oktober 2013 als Blu-ray

Länge: 70 Min. (Blu-ray), 71 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK ungeprüft
Sprachfassungen: Englisch
Untertitel: Englisch
Originaltitel: The Hitch-Hiker
USA 1953
Regie: Ida Lupino
Drehbuch: Collier Young, Ida Lupino
Besetzung: Edmond O’Brien, Frank Lovejoy, William Talman, José Torvay, Sam Hayes, Wendell Niles, Jean Del Val, Clark Howat, Natividad Vacío
Zusatzmaterial: Audiokommentar der Filmhistorikerin Imogen Sara Smith
Label/Vertrieb: Kino Lorber Films (Blu-ray), Alpha Video (DVD 2022), KL Studio Classics (DVD 2019)

Copyright 2023 by Tonio Klein

Filmplakat & Packshots: Fair Use, Packshots auch: © Kino Lorber Films (Blu-ray),
Alpha Video (linke DVD), KL Studio Classics (rechte DVD)

 

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Clint Eastwood (XXXV): Dirty Harry in Das Todesspiel: Sein Schwanengesang

The Dead Pool

Von Tonio Klein

Actionkrimi // Noch nach der Jahrtausendwende kamen immer mal wieder Gerüchte um eine weitere „Dirty Harry“-Fortsetzung auf, aber mit einem Clint Eastwood in seinem achten und irgendwann neunten Lebensjahrzehnt konnte man diese kaum noch ernst nehmen. Nun hat der Gute auch die 90 Jahre überschritten, das Thema ist durch. Und so bleibt der mittlerweile mehr als 30 Jahre alte „Dirty Harry in Das Todesspiel“ Eastwoods letzte Verkörperung des legendären Cops Harry Callahan. Im Rückblick meint der Meister, vielleicht ein paar Dirty Harrys zuviel gedreht zu haben. Aber wenn überhaupt, so trifft dies höchstens auf den allzu popcorngefälligen Teil 3 zu. Die Teile 1 und 4 sind kompromisslos, Teil 2 ist eine Weiterentwicklung der Figur – man kann sie mögen oder nicht, aber die Filme lassen kaum kalt.

Update statt Aufguss

Teil 5, „Das Todesspiel“, scheint ein bisschen gefälliger zu sein und dem von mir ungeliebten dritten Teil nahezukommen. Aber nur auf den ersten Blick, denn schon die Handlung betreffend gibt es drei Filme in einem. Zum Ersten hat Harry den Mafiaboss Lou Janero (Anthony Charnota) ins Gefängnis gebracht und muss sich dessen Killer erwehren, zum Zweiten ist die Tatsache, dass Harry eine Ikone geworden ist, nun auch Teil der Handlung, und zum Dritten muss er im für die Reihe ungewohnten Stil eines klassischen Whodunits/Psychothrillers einen Mörder finden.

Auch nach Feuerzauber braucht Harry nur einen Schuss pro Treffer

Der zuerst genannte Handlungsstrang hat tatsächlich die Standardzutaten der Serie ein bisschen überpointiert recycelt (bei Anschlägen auf Harry werden ganze Magazine entleert, aber er meldet sich wie ein Phönix aus der Asche mit einem Treffer pro Schuss aus der 44er Magnum zurück). Das Thema „Berühmtheit“ und der Rätselkrimi harmonieren aber sehr gut miteinander und führen zu einem genauso anspielungsreichen wie cleveren und manchmal gar vergnüglichen Metakino. Immer schon waren Eastwood-Charaktere und war gerade Harry ein wandelnder Anachronismus aus einer verlorenen Zeit. „Das Todesspiel“ treibt es auf die Spitze und bezieht das Kino selbst in die Anachronismus-Thematik ein. Peter Swan (Liam Neeson), Regisseur eines drittklassigen Horrorfilms, hat nämlich das titelgebende Todesspiel kreiert, welches Spiel und blutigen Ernst vermischt: Man wettet auf das baldige Ableben einer Persönlichkeit. Angeblich natürlich, ohne an den Gewinnchancen herumzumanipulieren, und Callahan stehe nur auf der Liste, weil ihm ohnehin viele Dunkelmänner nach dem Leben trachten. Andererseits mordet sich bald jemand durch die Filmcrew … In diesem Film ist das Todesspielerische kaum noch von der Realität zu unterscheiden, und der Film stellt die etwas beunruhigende Frage, ob nicht das Profitieren vom Leid anderer ein wenig mit dem Herbeiführen dieses Leides vergleichbar ist. Oder geht es Hand in Hand? Dies sei nicht verraten.

„Ich mag nicht, dass mein Name auf der Liste steht.“

1988, da gab es zwar noch die harten Stallones und Schwarzeneggers, aber auch eine gewisse Vorliebe für technischen Schnickschnack und Spielereien für ein immer jüngeres Publikum (beispielsweise bei James Bond). Eastwood positioniert sich als Old-School-Haudegen, der aber auch die neue Zeit ironisiert. Funky Altmeister Lalo Schifrin hat einen teils sehr elektropoppigen Eighties-Soundtrack komponiert, aber auch auf traditionelle Instrumente nicht ganz verzichtet – hier treffen sich die neonglitzernden Achtziger (auch in der Bildästhetik) und die Siebziger, in denen Harry aus der Taufe gehoben wurde. Eine ziemlich spaßige Szene zeigt nebenbei, dass Harry für die neue verspielte Zeit vielleicht nicht mehr der Richtige ist. Er, der alle Mafiosi (zu) mühelos abknallt, flüchtet in seinem Wagen vor einem bombenbestückten, ferngesteuerten Spielzeugauto – und wird von diesem im wahrsten Sinne des Wortes in die Enge getrieben.

Auf der Suche nach dem Ich

Sobald im direkten Dialog die Methoden der Sensationspresse kritisch kommentiert werden, hat der Actionkrimi geringe Schwächen, denn auch in „Das Todesspiel“ kracht es gewaltig, und bei einem Teil des Publikums bedient er genau die Sensationsgier, die er anprangert. Geradezu genial wird der Film jedoch, wenn er eher indirekt arbeitet und über Verwischungen von Spiel und Realität nicht doziert, sondern sie selbst vorführt. Dies tut er so vielschichtig wie geschickt. Permanent geht es um die Frage, was die Identität eines Menschen ausmacht, immer geht es darum, jemand zu sein. Dies kann dazu führen, dass ein Rockstar auf dem absteigenden Ast zu Drogen greift (der damals noch unbekannte Jim Carrey in einer kleinen, aber markanten Rolle). Oder dass sich ein Nobody (Louis Giambalvo) als der gesuchte Killer ausgibt, nur um – mit seinem Suizid – ins Fernsehen zu kommen. Oder dass Swan ein allzu ausgeprägtes Ego hat und sich für einen Auteur statt einen C-Film-Regisseur hält.

Tod, die Wette gilt

Dies alles führt zum Kern: Jemand ist zu einem Mann ohne Eigenschaften geworden, der sich nur noch über, durch und in anderen definiert, was ihm gleichwohl nicht behagt. Eigentlich das Verstörendste: Wie ist eine Welt, in der es kein Ich mehr gibt, sondern dieses vollständig ein Abziehbild von präexistenten Mustern ist? So wie Dirty Harry mittlerweile nur noch als Ikone – wie gesagt, auch in der Filmhandlung – wahrgenommen wird, so geht es letztlich auch dem Mörder, und das kann nur zur Katastrophe führen.

Interview mit einer Ikone

Interessanterweise ist dieses ganze Spiel (ja, das mit dem „Todesspiel“, das ist schon sehr passend gewählt) durch eine Fülle von Reverenzen und Täuschungen inszenatorisch kongenial in Szene gesetzt – dabei gleichzeitig die Konventionen des Spannungs- und Actionkinos bedienend. Bei dem Tod einer etwas arrogant wirkenden Filmkritikerin (Ronnie Claire Edwards) kann man durchaus an Eastwoods Lieblingsfeindin Pauline Kael denken (böse, böse … Martin Walser musste für den fiktionalen Tod Marcel Reich-Ranickis in „Tod eines Kritikers“ seinerseits heftige Kritik einstecken). Der Name des Film-im-Film-Regisseurs Swan erinnert an den Plattenproduzenten Swan aus Brian De Palmas Horror-Rockmusical „Das Phantom im Paradies“ (1974) – dort ein Narziss, der mit dem Teufel paktiert und anderer Musiker Schwanengesang produziert, indem er ihre Songs klaut. In „Das Todesspiel“ ist Swan letzter (und nicht besonders verheißungsvoller) Rettungsanker für den von Jim Carrey gespielten Rockmusiker, dessen Schwanengesang kurz vor seinem Ableben ertönt – oder will er schon Harrys Schwanengesang einläuten? Zumal Swan es ist, der den Namen Harry Callahan auf die Todesspielliste gesetzt hat. Eine andere Szene zeigt, dass es beim Töten (jedenfalls im Whodunit-Handlungsstrang) immer auch um das tödliche Sezieren der Seele wie des Imago geht: Der Täter zerschlitzt wütend ein Foto Harrys; mit genau der gleichen Geste demonstrierte die geistesgestörte Mörderin in Eastwoods Regie-Einstand „Sadistico – Wunschkonzert für einen Toten“ (1971), welche Symbolik ihre Mordabsichten hatten.

Spiel des Lebens

Oftmals handelt dieser Film genauso von anderen Filmen wie vom wirklichen Leben und ist dadurch nicht nur ein bissiger Kommentar zum „guten alten Kino“ und neuen comicartigen Popcorn- und Gadgetkino. Vielmehr stellt „Das Todesspiel“ permanent die Frage, was passiert, wenn man Fiktion und Realität respektive Spiel und Leben (es geht um ein Spiel MIT dem Leben!) verwechselt. Dazu passt natürlich, dass ein Film im Film eine Rolle spielt. Eastwoods Regie-Erfüllungsgehilfe Buddy Van Horn inszeniert ihn zunächst inklusive ein paar schneller Schnitte so, als sei das der „richtige“ Film und nicht dokumentarisches Zeugnis von Dreharbeiten. Hierdurch jongliert „Das Todesspiel“ genauso mit seinen verschiedenen Ebenen wie durch die Tatsache, dass andauernd Menschen Identitätsprobleme haben. Sie werden mit anderen Menschen verwechselt, sie geben sich (bewusst oder unbewusst) für andere Menschen aus, sie kehren ihre tatsächliche Position in der Gesellschaft oder in dem Fiktion-Realitäts-Kosmos um. Das ist wohl die Konsequenz des auch in „Das Todesspiel“ wieder einmal zitierten Satzes Andy Warhols, jeder werde irgendwann für 15 Minuten weltberühmt sein. Ein Nobody gibt sich als Killer aus, um in die Glotze zu kommen. Harry gibt sich als Kameramann aus, um diesen Nobody vom Suizid abzuhalten. Harrys neuer Partner, Inspector Al Quan (Evan C. Kim, „Kentucky Fried Movie“), war früher in einer Erpresserbande und anschließend als Cop für Bandenbekämpfung zuständig. Zudem ein Chinese, der Harry durch fernöstliche Kampfkunst einmal zeigt, dass des Letzteren Magnum überhaupt nicht mehr gebraucht wird.

Aus dem mexikanischen Partner (Teil 1) ist ein Chinese geworden

Der Rockstar kann nur noch durch Drogen zu sich selbst (oder dem, was davon übrig ist) kommen. Die Film-Crew betrachtet die bittere Realität als bloßes Todesspiel. Harry gibt einem hünenhaften Gefangenen fälschlich zu verstehen, ein Zellengenosse habe ihn beleidigt. Harry schlägt Mafiosi zusammen, die ihn nicht umbringen, sondern beschützen (!) sollten (da der Trick mit dem hünenhaften Gefangenen funktioniert hatte).

Immer feste drauf – aber ob es immer den Richtigen trifft?

Harry bedroht Menschen mit der Waffe, die lediglich ein Autogrammheft statt einer Waffe zücken wollten. Selbst in der Art und Weise, in der sich die finale Konfrontation Harrys mit dem Täter abspielt, ist erkennbar, dass Swans Horrorfilm und die Realität ein reichlich perverses Wechselspiel spielen. Harry, der Vollstrecker, der (es sei angedeutet: nicht nur im übertragenen Sinne) den Spieß umdreht und eine der Horrorfilmszenen in die Realität verwandelt, kann durchaus als Vollstrecker eines fremden Willens gesehen werden. Des Willens eines Mannes, der nur noch im Anderen und in der medialen Selbstinszenierung existent ist. Der Vergleich mag zu hochgegriffen erscheinen, aber dies ließ mich an das legendäre Ende des Peeping Tom aus „Augen der Angst“ (1960) denken.

Noch im Schlussbild bewegen sich Harry und seine Freundin, die Reporterin Samantha Walker (Patricia Clarkson), gegen den Strom. Es sei ihnen und dem Film gegönnt. Harrys Schwanengesang hat unter der glatten Oberfläche einige sehr ambivalente Dissonanzen.

Samantha bringt Harry nicht nur ins Fernsehen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von oder mit Clint Eastwood haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Patricia Clarkson unter Schauspielerinnen, Filme mit Jim Carrey und Liam Neeson in der Rubrik Schauspieler.

Swan dreht Filme aus Fleisch und Blut

Veröffentlichung: 13. April 2012 als Blu-ray in der „Dirty Harry Collection“, 4. Juli 2008 als Blu-ray und DVD, 13. Dezember 2001 als DVD in der „Dirty Harry Edition“ und als DVD

Länge: 91 Min. (Blu-ray), 87 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: The Dead Pool
Alternativtitel: Das Todesspiel
USA 1988
Regie: Buddy Van Horn
Drehbuch: Steve Sharon
Besetzung: Clint Eastwood, Liam Neeson, Patricia Clarkson, Jim Carrey, Evan C. Kim, David Hunt, Michael Currie, Michael Goodwin, Darwin Gillett, Anthony Charnota, Christopher P. Beale, Jim Carrey, Louis Giambalvo, Ronnie Claire Edwards
Zusatzmaterial (nicht in allen Veröffentlichungen): Audiokommentar von Jack N. Green und David Valdes, Featurette „Die Kunst von Dirty Harry“ (21:39 Min.), „Dirty Harry“-Trailershow
Label/Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2023 by Tonio Klein

Szenenfotos & Packshots: © Warner Home Video

 
 

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Am Ende der Worte – Wenn der Polizeifunktionär „entsetzt“ ist

Am Ende der Worte

Ausstrahlung: 20. November 2022, 20:15 Uhr, 3sat, 15. November 2022, 22:00 Uhr, NDR

Von Volker Schönenberger

Krimidrama // Der Film besteht aus einer Aneinanderreihung von Vorurteilen gegen die Polizei. Wir können den Film nicht empfehlen. So Lars Osburg, stellvertretender Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Hamburg in einer am 15. November 2022 bei Facebook veröffentlichten Stellungnahme. Gefolgt von: Ich bin enttäuscht und entsetzt! Ui, da fühlt sich aber jemand auf den Schlips getreten! Wenn der Gute da mal nicht den Streisand-Effekt außer Acht gelassen hat. Mich jedenfalls hat diese Kritik erst recht neugierig gemacht.

Laura tritt der Bereitschaftspolizei bei

Im Zentrum der Handlung von „Am Ende der Worte“ steht Laura (Lisa Vicari), die nach Abitur und einem abgebrochenen Jurastudium gerade ihre Ausbildung an der Polizeischule absolviert hat. Sie ist damit in die Fußstapfen ihres Großvaters getreten. Nun beginnt die 24-Jährige aus einem Vorort von Bremen ihre Laufbahn bei der Bereitschaftspolizei Hamburg – mit durchaus hehren Idealen: Ich will den Menschen helfen, die sich selbst nicht helfen können. So äußert sie gegenüber ihrem Boss Hauptkommissar Keller (André Hennicke), der ihr zur Einstimmung gleich einen vor der Roten Flora von einer Bordsteinplatte zerschmetterten Einsatzhelm präsentiert (die Rote Flora ist ein Autonomes Zentrum im Hamburger Schanzenviertel, das der hanseatischen Law-and-Order-Fraktion lange Zeit ein Dorn im Auge war).

Zwischen Langeweile und Eskalation

Schnell bekommt die junge Frau mit, dass Alkohol in der Truppe zum guten Ton gehört. Auf die Frage, wie der Job so sei, erwidert ihr neuer Kollege Tom (Daniel Michel): Komplette Langeweile oder halt totale Eskalation. Mit ihm und weiteren Kolleginnen und Kollegen kommt sie einigermaßen gut klar, etwa Lupus (Ludwig Trepte), dem sie bei ihrer ersten Einsatzfahrt unterstellt ist. Lupus hat eigene Vorstellungen über die Vorschriften im Dienst und legt diese schon mal nach seinem Ermessen aus, um einen Einsatz erfolgreich zu gestalten. Gleich am ersten Tag lernt Laura bei einer überraschenden Konfrontation zudem die in Deutschland nur geduldete Syrerin Amila (Meryem Ebru Öz) kennen, zu der sie langsam eine fast freundschaftliche Beziehung aufbaut. Nach und nach gestalten sich die Einsätze brenzliger. Nachdem ihr Großvater gestorben ist, berichtet Laura beim Kuchen auf der Trauerfeier von ihren Erfahrungen der ersten Monate: Gewaltfähigkeit – ich glaub’, das war das Erste, was ich lernen musste.

Lupus hat seine eigene Sicht der Vorschriften

Angesichts der harschen Worte des GdP-Funktionärs mag es verwundern, wie unspektakulär und sogar differenziert „Am Ende der Worte“ die Bereitschaftspolizei charakterisiert und ihren Dienstalltag beschreibt. Fast hätte man nach Lars Osburgs Kritik erwarten können, dass die Hundertschaft, der sich Laura anschließt, als Horde gewaltgeiler Hooligans in Uniform porträtiert wird, die nur darauf aus sind, Linke und Ausländer zu vertrimmen, aber das trifft es überhaupt nicht. Hier werden junge Leute gezeigt, die nach mehr oder minder ausgiebiger Vorbereitung in die Lage versetzt werden, das Gewaltmonopol des Staats auszuüben und damit mal anständig, mal weniger anständig klarkommen. Über allem steht der Korpsgeist. Man muss sich blind auf den anderen verlassen können, ob draußen auf der Straße oder anschließend bei der Aufarbeitung und Protokollierung, wenn ein Einsatz aus dem Ruder gelaufen ist. Und auch hier durchbricht „Am Ende der Worte“ das gängige Klischee, wenn nämlich am Ende bei einer Gerichtsverhandlung der Korpsgeist gerade nicht aufrechterhalten wird. Da möchte man Herrn Osburg süffisant fragen, ob es ihn womöglich gestört habe, dass diese bedingungslose Loyalität bei der Bereitschaftspolizei-Einheit im Film eben nicht um jeden Preis gilt.

Racial Profiling

Bei der Auflösung einer illegalen Party verlangt Lupus natürlich ausgerechnet von dem Gast die Papiere, den er aufgrund von dessen Aussehen für einen Ausländer hält – und damit für verdächtig. Racial Profiling nennt sich dieses Vorgehen, das gegen den Gleichheitsgrundsatz von Artikel 3 des Grundgesetzes verstößt. Über Verbreitung und Häufigkeit von Racial Profiling bei der Polizei kann man streiten, nicht jedoch darüber, dass es vorkommt. Im Falle von „Am Ende der Worte“ ist es klar erkennbar ein einzelner Polizist – eben Lupus –, der so vorgeht, wenn auch von seinen Kollegen gebilligt oder zumindest geduldet. Zu keinem Zeitpunkt kommt allerdings der Eindruck auf, das sei übliches Vorgehen à la Wir ziehen immer erst die Ausländer raus, womöglich gar von der Führung legitimiert. Wer behauptet, die Bereitschaftspolizistinnen und -polizisten würden allesamt als Rassisten gebrandmarkt werden, liegt falsch. Der Film ist eine Aneinanderreihung von Vorurteilen und Klischees über die Polizei, die die GdP Hamburg in aller Deutlichkeit zurückweist. Ein Polizeifunktionär kann zurückweisen, was er will, auch wenn seine Vorwürfe ins Leere führen. Nicht das Problem des Films, wenn sich GdP-Mann Osburg eine anheimelnde Porträtierung seines Berufsstands wünscht, wie sie in fiktiven Fernsehformaten wie „Großstadtrevier“ (seit 1984) und „Notruf Hafenkante“ (seit 2007) zu beobachten ist, um nur zwei Beispiele zu nennen, die Polizeiarbeit in Hamburg zeigen. Apropos „Notruf Hafenkante“: Dort spielt von Anfang an Fabian Harloff mit, wenn auch nicht als Polizeibeamter, sondern als Notarzt. In „Am Ende der Worte“ hat er einen kurzen Auftritt als Beamter des Landeskriminalamts, der sich zu Recht darüber echauffiert, dass ein vorschnelles Eingreifen von Lupus und den anderen gegen Drogendealer eine monatelange Observation zunichte gemacht hat.

Nach getaner Arbeit

Selbst Lupus, der sich nach und nach als Antagonist entpuppt, ist keinesfalls ein gewaltgeiler Rassist, sondern er will gute Polizeiarbeit leisten. Das, was er unter guter Polizeiarbeit versteht, und mit den Mitteln, die er für richtig hält, auch wenn sie nicht immer von den Vorschriften abgedeckt werden. Ihm gegenüber steht die Hauptfigur Laura, bei der deutlich wird, dass sie über Umwege zur Polizei gekommen ist. Sie folgt Idealen, merkt aber im Einsatz, dass diese mit den Mitteln des Gewaltmonopols schwer einzulösen sind.

Die Polizistin trifft auf die Syrerin Amila

Überhaupt Gewalt: Wer mitbekommt, wie manche Polizistinnen und Polizisten im Einsatz bei linken Demonstrationen und Fußballspielen ihr Gewaltmonopol aus- und überreizen, kann über die in „Am Ende der Worte“ dargestellte Gewaltbereitschaft einzelner Mitglieder der gezeigten Hundertschaft nur müde lächeln. Hier traut sich der Film viel zu wenig, was ganz besonders bei einem Einsatz rund um eine offenbar heikle Demonstration deutlich wird: Er wird überhaupt nicht gezeigt! Eben noch sitzen die Einsatzkräfte gut gelaunt in ihren Mannschaftswagen und vertreiben sich die Zeit mit einer bescheuerten Wette (igitt!), dann kommt der Marschbefehl, alle setzen ihre Helme auf, nehmen sich Schild und Schlagstock – und Schnitt, wir sehen sie nach wohl anstrengendem Tun erschöpft beisammensitzen. Da haben Drehbuchautorin Lena Fakler und Regisseurin Nina Vukovic aber schön den Schwanz eingezogen. Auf diese Weise kann man natürlich nicht einmal das umstrittene Pfefferspray thematisieren, das manch Unschuldiger gern mal in die Fresse gesprüht bekommt (und das gar nicht mal so selten sogar die Zahl der verletzten Polizistinnen und Polizisten in die Höhe treibt – dann nämlich, wenn es so vehement in der Luft verteilt wird, dass die eigenen Kolleginnen und Kollegen in die Pfefferspray-Wolke hineinrennen). Schade drum, hier wurde eine Chance verpasst (die dem Hamburger GdP-Vize sicher den Schaum vor den Mund getrieben hätte).

Erst in Hof, dann in Braunschweig

„Am Ende der Worte“ feierte seine Premiere Ende Oktober 2021 auf den Hofer Filmtagen und wurde wenige Tage später auch beim Internationalen Filmfestival von Braunschweig gezeigt. Die Fernsehpremiere erfolgte am 15. November 2022, nicht unbedingt prominent platziert an einem Dienstag um 22 Uhr. Auch die kurz darauf folgende Ausstrahlung zur besten Sendezeit 20:15 Uhr bei 3sat am Sonntag, 20. November, ist denkbar unglücklich gewählt – in direkter Konkurrenz zu einem „Tatort“ im Ersten, mithin für dieselbe Zielgruppe. Das hat „Am Ende der Worte“ fürwahr nicht verdient, auch wenn das Krimidrama nicht angetan ist, jenseits von Gegreine eines Polizeifunktionärs eine seriöse Debatte über die Bereitschaftspolizei und das Wesen des Gewaltmonopols auszulösen. Es ist bis zum 30. Dezember 2022 in der Mediathek des Ersten verfügbar und geht beim 3sat-Publikumspreis 2022 ins Rennen.

Ein fataler Einsatz für Laura und Lupus

Wir sind uns der Kunstfreiheit bewusst und wollen diese auch in keiner Weise in Abrede stellen. Allerdings gibt es ausdrücklich keine Empfehlung der GdP Hamburg, sich diesen Film anzusehen. So enden die Ausführungen des Gewerkschaftsfunktionärs Osburg über „Am Ende der Worte“. Immerhin löblich, dass er das Grundrecht der Kunstfreiheit kennt und zu würdigen weiß. Letztlich besteht seine Kritik aus Platitüden, die dem vergleichsweise harmlosen Krimidrama in keiner Weise gerecht werden und sich auf eins reduzieren lassen: Mimimi!

Die Nachwuchspolizistin muss Farbe bekennen – nur welche?

Länge: 90 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Audiodeskription für Blinde und Sehgeschädigte
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Am Ende der Worte
D 2022
Regie: Nina Vukovic
Drehbuch: Lena Fakler
Besetzung: Lisa Vicari, Ludwig Trepte, Meryem Ebru Öz, Pascal Houdus, Natalie Thiede, Fabian Harloff, André Hennicke, Daniel Michel, Ibrahim Al-Khalil, Caroline Junghanns, Konstantin-Philippe Benedikt, Jens Weiser, Annalena Haering, Ulrike von Gawlowski
Produktion: klinkerfilm Production UG / Norddeutscher Rundfunk

Copyright 2022 by Volker Schönenberger
Plakat: © 2022 klinkerfilm Production UG / Norddeutscher Rundfunk,
Szenenfotos auch: © 2022 Alena Sternberg

 

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