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Schlagwort-Archive: Kurt Russell

Gewinnspiel: 1 x Das mörderische Paradies als Limited Collector’s Edition Mediabook

Verlosung

Kurt Russell als Reporter in Miami, dessen Arbeit die Aufmerksamkeit eines Serienkillers weckt – das verspricht Spannung. OFDb Filmworks hat den Thriller „Das mörderische Paradies“ von 1985 im Mediabook-Format mit Blu-ray und DVD veröffentlicht und uns ein Exemplar der Covervariante B zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerin oder des kommenden Gewinners!

Teilnahmebedingungen

Zwar bringt es mir Spaß, Filme unter die Leute zu bringen, weil sich die überwältigende Mehrzahl der Gewinnerinnen und Gewinner aufrichtig freut und höflich bedankt. Dennoch geht der Versand etwas ins Geld, zumal „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress). Daher: Auf völlig freiwilliger Basis darf mir jede/r Gewinner/in gern anbieten, das Porto in Höhe von 2,70 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Gebt mir das aber bitte nicht schon im Kommentar mit eurer Antwort bekannt, sondern erst im Gewinnfalle. Ich will nicht in Verdacht geraten, die Sieger danach zuzuteilen.

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel sind bis Sonntag, 15. Dezember 2019, 22 Uhr, folgende Fragen zu beantworten, was euch nach Lektüre meiner Rezension des Films keine Probleme bereiten sollte:

1. Für welchen Film erhielt der Regisseur eine Oscar-Nominierung?

2. Was für ein Auto fährt die Hauptfigur?

3. Welcher Schauspieler ist in „Das mörderische Paradies“ in einer frühen Rolle als Cop zu sehen? Zwei Jahre später spielte er in „Die Unbestechlichen“ ebenfalls einen Ermittler.

4. Welcher Spannungs-Klassiker wird auf in meinen Augen plumpe Weise zitiert?

5. Von wem stammt der Soundtrack?

6. Wie viele Stunden Vorsprung bekommt das „Miami Journal“ bei der Informationspolitik der Polizei gegenüber der Konkurrenz eingeräumt?

7. Wie lautet der Name des Autors, der den Booklettext des Mediabooks verfasst hat?

Einen Fehlschuss gebe ich euch – jeder hat ja mal einen Blackout, daran soll die Teilnahme nicht scheitern, also landet Ihr mit sechs korrekten Antworten im Lostopf. Minimal fehlerhafte Schreibweisen und Tippfehler toleriere ich, wenn klar ist, wer oder was gemeint ist. Alle Kommentare werden erst nach Ende der Abgabefrist veröffentlicht. Während der Laufzeit des Gewinnspiels werde ich nach und nach die Namen aller bislang eingegangenen Kommentatorinnen und Kommentatoren hier unten auflisten.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Hat sich die Gewinnerin oder der Gewinner drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verliert er oder sie den Anspruch auf das Mediabook. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Ich behalte mir vor, Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht für den Lostopf zuzulassen oder ihnen im Gewinnfall nachträglich den Preis abzuerkennen, sofern mir Mehrfachteilnahmen unter Alias-Namen unterkommen. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinnerin oder den Gewinner werde ich im Lauf von zwei Wochen nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Bislang teilgenommen haben (mit sieben korrekten Antworten, sofern nicht anders vermerkt):

01. Björn Kramer
02. michael
03. Jens Albers
04. Thomas Hortian
05. Mathias Wagner
06. Tim wolter
07. Matthias Klug
08. Andreas H.
09. Michael Behr
10. Rico Lemberger
11. Klaus
12. Frank H.
13. Jens
14. Jan R
15. Birgit
16. Thomas Oeller

Gewonnen hat Mathias Wagner. Herzlichen Glückwunsch! Du wirst benachrichtigt.

Die Rezension von „Das mörderische Paradies“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

 

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Das mörderische Paradies – Wenn der Serienkiller durchklingelt

The Mean Season

Von Volker Schönenberger

Thriller // Je von Philip Borsos gehört? Ich auch nicht. Sein IMDb-Eintrag bezeichnet ihn als leading Canadian Filmmaker (führenden kanadischen Filmemacher). Für seine dritte Kurzfilm-Doku „Nails“ erhielt er 1980 immerhin eine Oscar-Nominierung, im selben Jahr gewann er den Genie Award. Seinem ersten Langfilm „Der Fuchs“ (1982) folgte 1985 sein wohl bekanntestes Werk – der Thriller „Das mörderische Paradies“, den OFDb Filmworks gerade im formschönen Mediabook-Format mit Blu-ray und DVD veröffentlicht hat. Borsos’ nur acht Regiearbeiten umfassende Karriere endete leider frühzeitig – er starb 1995 im Alter von nur 41 Jahren an Leukämie.

Die vermeintlich intakte Beziehung zwischen Malcolm und Christine gerät auf den Prüfstand

„Das mörderische Paradies“ – das ist offenbar Miami, Schauplatz des Films. Eine Phase mit unbeständigem Wetter und Sturmgefahr setzt langsam ein, „The Mean Season“ lautet dann auch der Originaltitel. Wir lernen Malcolm Anderson (Kurt Russell) kennen, der mit seinem Mustang Cabriolet in die Redaktion fährt. Der erfahrene Polizeireporter des „Miami Journal“ wird sogleich mitsamt Fotograf Andy Porter (Joe Pantoliano) zu einem Leichenfund am Strand beordert – eine junge Frau wurde ermordet. Die beiden Journalisten haben keine Hemmungen, das Haus der Familie der Toten aufzusuchen und mit der Mutter des Opfers zu sprechen, um eine schön gefühlige Story zu bekommen. Malcolm nimmt sogar ohne zu fragen ein Foto mit. Aber nach acht Jahren im Job fühlt er sich ausgebrannt, beklagt sich bei seinem Boss Bill Nolan (Richard Masur), er wolle seinen Namen nicht mehr neben Fotos toter Menschen sehen. Der winkt ab, weil es nun mal der Job eines Reporters sei, zu berichten, etwas, das Malcolm zufälligerweise besonders gut könne.

Der Mörder und der Journalist

Nicht nur sein Boss mag Malcolms Schreibe, sein Bericht über den Fund der toten jungen Frau beschert ihm einen neuen Fan: den Mörder (Richard Jordan), der bald nur noch „Numbers Killer“ genannt wird, weil er seine Opfer nummeriert. Die junge Frau war nur die Nummer 1. Fortan führt Malcolm regelmäßige Telefonate mit dem Serienkiller. Er schneidet die Gespräche mit und gibt die Aufnahmen an die beiden Cops Phil Wilson (Richard Bradford) und Ray Martinez (Andy Garcia) weiter. Doch bald äußert Malcolms Gesprächspartner sein Missfallen darüber, dass der Reporter in den Medien all den Ruhm ernte. Und er entwickelt ein Interesse an Malcolms Freundin Christine Connelly (Mariel Hemingway). Der Lehrerin gefällt es gar nicht, dass ihr Liebster regelmäßig mit einem Mörder telefoniert und mehr und mehr zum Bestandteil der Mordserie wird. An sich wollen beide ohnehin ihre Jobs aufgeben und anderswo neu anfangen.

Der Reporter wird selbst zum Gegenstand des Medieninteresses

Was soll die plumpe „Psycho“-Anspielung? Christine steht unter der Dusche, vor dem Badezimmer bewegt sich zu dramatischer Musik ein Schatten, doch dann ist es natürlich nur Malcolm. Na ja, das gab dem Regisseur Gelegenheit, Mariel Hemingways Brüste in Szene zu setzen. Glücklicherweise bleibt es bei diesem einen unnötigen Versuch, Spannung aufzubauen, sie bildet sich mit der Entwicklung der Beziehung zwischen Malcolm und dem Serienmörder fast von allein. Dabei haben wir es gar nicht mit einem flirrenden und pulsierenden Thriller zu tun, wie man es erwarten könnte. Die Musik von Lalo Schifrin („Kobra, übernehmen Sie“, „Amityville Horror“) hält sich zurück, was gut passt: „Das mörderische Paradies“ lebt von seiner Dialogstärke, bei der keine Szene ohne die von Kurt Russell verkörperte Hauptfigur auskommt. Malcolm spricht mit dem Mörder, mit den Cops, mit Christine, mit seinem Boss und anderen. Das verlangt nach Aufmerksamkeit, dann aber erschließt sich der Reiz dieses „Beziehungs-Thrillers“, in welchem der Reporter mit dem Objekt seiner Berichterstattung eine verhängnisvolle Affäre eingeht.

Medienkritik nur am Rande

Weniger relevant erscheint mir das Thema Medienkritik. Zwar schimmern zwangsläufig Fragen nach der Verantwortung der Presse und ethischen Verhaltens ihrer Angehörigen durch, aber darum geht es letztlich nicht wirklich, auch wenn die Kamera permanent auf Malcolm hält und wir speziell im ersten Drittel viel Zeit in den Redaktionsräumen verbringen und die Atmosphäre dort glaubhaft inszeniert wirkt. Dazu mag beigetragen haben, dass echte Angestellte des „Miami Herald“ an der Produktion mitwirkten, etwa als Statisten und in beratender Funktion. Russell spielt diesmal keine spektakuläre Figur wie Snake Plissken in „Die Klapperschlange“ (1981) oder den Helikopterpiloten in der Antarktis in „Das Ding aus einer anderen Welt“ (1982). Manche mögen Journalisten ein mondänes Dasein nachsagen, dieser Polizeireporter jedoch ist eher ein Normalbürger, der in etwas hineingezogen wird, das seine Fähigkeiten übersteigt. Auch das kann Kurt Russell also. Später bekommt dann auch die Psyche des Serienkillers mehr und mehr Gewicht – etwa dann, wenn wir ihn erstmals vollständig zu Gesicht bekommen.

Das bringt den Mörder auf die Palme

Wie arbeiten die Massenmedien mit den Behörden zusammen? Ein Deal kommt zustande: Weil Malcolms Draht zum Killer natürlich für die Polizei von höchstem Interesse ist, erklären sich die Ermittler bereit, das „Miami Journal“ exklusiv vorab mit Informationen zu versorgen. Bill Nolan fordert 24 Stunden vor allen anderen Medien, sein „Verhandlungspartner“ bietet 6 Stunden an – Noland reduziert auf 18 Stunden, man einigt sich auf 10. Läuft die Pressearbeit der Polizei wirklich so? Auch dieses Feld dient lediglich als Mittel zum Zweck, die Thriller-Handlung voranzutreiben. Mit seiner Düsternis und dem Blick in die Köpfe von Protagonist und Antagonist lässt sich „Das mörderische Paradies“ durchaus als Neo-noir-Thriller klassifizieren, auch wenn es an einer Femme fatale mangelt – Christine Connelly dient nicht diesem Zweck. Sie verstärkt Malcolms Zwiespalt, der zwar einerseits genug von seinem Job hat, andererseits aber Blut geleckt hat und womöglich doch etwas Ruhm einheimsen will, auch wenn er dies abstreitet. Anders als er seiner Lebensgefährtin gegenüber behauptet, hat er seinem Arbeitgeber noch gar nicht gekündigt, obwohl sie an ihrer Schule bereits ihren Abschied eingereicht hat.

Mediabook von OFDb Filmworks

Das letzte Drittel läuft dann auf einen Showdown hinaus, während sich ein Sturm zusammenbraut – „The Mean Season“ ist in vollem Gange. Ein zu Unrecht zu wenig beachteter Thriller, was sich hierzulande mit dem ansprechenden Mediabook von OFDb Filmworks vielleicht etwas ändert. Es enthält den Film auf Blu-ray und DVD in guter Bild- und Tonqualität, über die englischen Untertitel zusätzlich zu den deutschen freue ich mich besonders. Mit Ausnahme des Trailers in deutscher und englischer Version enthalten die Discs leider keinerlei Bonusmaterial. Immerhin ist der lange Booklettext von Stefan Jung erwartungsgemäß lesenswert, die Lektüre sei nach erfolgter Sichtung des Films empfohlen. OFDb Filmworks haut nicht eine Veröffentlichung nach der anderen raus, dafür aber stets interessante Filme. „Das mörderische Paradies“ reiht sich da gut ein.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Kurt Russell sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Veröffentlichung: 22. August 2019 als 2-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, 2 Covervarianten à 1.000 und 333 Exemplare), 7. September 2004 als DVD

Länge: 104 Min. (Blu-ray), 100 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Mean Season
USA 1985
Regie: Philip Borsos
Drehbuch: Christopher Crowe, nach einem Roman von John Katzenbach
Besetzung: Kurt Russell, Mariel Hemingway, Richard Jordan, Richard Masur, Richard Bradford, Joe Pantoliano, Andy Garcia, Rose Portillo, William Smith
Zusatzmaterial Mediabook: Trailer, 16-seitiges Booklet mit einem Text von Stefan Jung
Label/Vertrieb Mediabook: OFDb Filmworks
Label/Vertrieb DVD: MGM

Copyright 2019 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2019 OFDb Filmworks

 
 

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Star Force Soldier – Nur ein bewaffneter Mann ist ein guter Mann

Soldier

Von Leonhard Elias Lemke

SF-Action // Der Prolog öffnet uns den Film mit Kriegsgetöse. 1996 – die Stunde „Null“. Die am lautesten schreienden Neugeborenen sind gerade richtig, um zu den Soldaten der Zukunft zu werden. Mit 17 ist die Ausbildung abgeschlossen, bis dahin werden ihnen Sätze wie „Ein Soldat ist nur glücklich, wenn er Befehle befolgen kann!“ eingebläut. Psychische Indoktrinierung und hartes körperliches und technisches Training sind einziger Lebensinhalt. Aber welches Leben? Wer auf der Strecke bleibt, wird nicht nur ausgesiebt, sondern ganz aus dem Leben genommen. Todd 3465 (als Erwachsener: Kurt Russell) ist der Beste seines Jahrgangs. Fahnenträger. Gleich Elitesoldat. Wir springen in sein 38. Lebensjahr. Vernarbt, mit Name, Kennnummer und Blutgruppe sind ihm ins Gesicht tätowiert – immerhin ist er eine teure Investition, die der Kapitalismus am Leben erhalten will.

Soldaten aus der Retorte

Seinen Arm zieren Kriegsschauplätze: Er hat den „6-Städte-Krieg“ gekämpft, hat getötet in Moskau und auf fremden Monden. Später wird Todd sagen: „Nur Soldaten kämpfen gegen Soldaten.“ Das stimmt nicht ganz, Kollateralschäden werden billigend in Lauf genommen, durch Zivilisten wird gern hindurchgeschossen. Das Schlachtfeld ist sein Zuhause, die wahre Bedeutung eines Heims hat er nie kennengelernt. Sein Blick ist tot, wie es bei einer fast perfekten Kampfmaschine sein muss. „Fast perfekt“, denn es gibt immer ein Update. Die neueste Generation der Universal Soldiers wurde im Genlabor erzeugt, ihre DNA nach Belieben manipuliert. Präziser, fitter, kaltblütiger. Noch bessere Krieger für das Kapital. Caine 607 (Jason Scott Lee) ist das Topmodell, in einem Kräftemessen mit Todd – und zwei weiteren Soldaten der ersten Generation – lässt er dem alten Eisen keine Chance. Die vermeintlich toten Soldaten werden auf einem Müllplaneten entsorgt – doch Todd entsteigt seinem Grab und findet Zuflucht bei einer Familie, die dort lebt, am Rande des Universums, ausgestoßen von der offiziellen Gesellschaft. Der abgehalfterte, innerlich – er hat keine Bestimmung mehr – und äußerlich Verwundete wird von der kleinen Gemeinschaft aufgefangen. Eine Annäherung findet nur langsam statt, man hat verständlicherweise Angst vor der lebenden Waffe. Die erste Bindung stellt Todd zu Nathan her, dem kleinen Sohn seiner Ziehfamilie. Auch der spricht nicht. „Männerkommunikation“. So etwas wie Erotik überkommt ihm beim Anblick von Sandra (Connie Nielsen). Unter einer dankenden Umarmung ihrerseits erzittert sein Körper, den er bisher nur zum Zerstören gebraucht hat.

Western-Showdown im Weltraum

Als die neue Generation der Soldiers später das aufkeimende Idyll zunichte macht, muss Todd wieder zur Maschine werden. So bejubeln wir ein ausuferndes Finale, dass „Star Force Soldier“ zu einem Western im Weltraum werden lässt und auch im unausweichlichen Endkampf nicht enttäuscht. Das Herz muss über das manipulierte Fleisch obsiegen. Hollywood. Aufwendige Sets, reale Explosionen, dicke Wummen, gut choreografierte Fights mit klaffenden Wunden. So cheesy die Story sein mag, so intensiv und fürs Genre nachhaltig ist die Verpackung.

Sandra bringt Todd auf den Gedanken, dass Körper nicht nur zum Töten da sind

Regisseur Paul W. S. Anderson hat bei Fans einen zwiespältigen Ruf. Nach seinem hervorragenden „Shopping“ vertraute man ihm 1995 die filmische Adaption des Videospiels „Mortal Kombat“ an. Für die einen war es eine weichgespülte Enttäuschung, die anderen frohlockten, dass man sich überhaupt an diese Umsetzung wagte, und hatten ihren Spaß. Spaß hat man überhaupt immer bei Anderson – sonst wäre Milla Jovovich wohl auch nicht schon so lange seine Partnerin. Zwei Jahre nach dem tödlichen Kampf gelang ihm mit „Event Horizon“ ein „Shining“ im Weltraum, das noch heute zu schauern weiß – für die Produzenten 1998 damit der richtige Mann für „Star Force Soldier“. Und in der Tat vereint Anderson in seinem vierten Spielfilm das Aufgetragene und Überzogene aus „Mortal Kombat“ mit dem Knallharten und Unerbittlichen aus „Event Horizon“. Schaueffekte werden bei Anderson zum Inhalt, die Storys stehen auf wackeligeren Beinen als seine durchtrainierten Mimen – das ist eben Actionkino.

Muckis und Gefühl – Kurt Russell

Den Titelheld verkörpert Kurt Russell überzeugend mit Muskelkraft UND Herzblut. Die Gage wird sicher proper gewesen sein, aber Russell ist bekanntlich ein Fan der Science-Fiction, die Rolle dürfte ihn gereizt haben. Viel Ausdruck, ohne überflüssige Worte zu verlieren – das steht maskulinen Figuren gut zu Gesicht. Um dem Nachdruck zu verleihen, brachte er sich zudem mit 47 Jahren in eine physische Form, die jeden 30-jährigen neidisch werden lassen dürfte. So lassen sein Spiel und seine Physis das Publikum daran glauben, dass dieser Mann einzig dem Krieg dienen soll. Übrigens wird der junge Todd von seinem Sohn Wyatt gespielt, der vor kurzem in „Operation: Overlord“ prominent wurde. Russell entgegen steht mit Jason Scott Lee („Dragon – Die Bruce-Lee-Story“) ein ebenso schauspielerisch wie physisch talentierter Darsteller. Deutlich jünger als Russell, konnte er gar noch mehr Muskelmasse draufpacken und sich zu einem menschgewordenen Pitbull formatieren. Jason Isaacs („Black Hawk Down“) gibt den Nazi-Offizier der Zukunft mit einem leichten Lächeln im Mundwinkel – plakativer konnte seine Rolle kaum entworfen sein und dem verschrieb er sich voll. Das Gary „Predator 2“ Busey hier fast schon den Guten gibt, mag irritieren, doch auch seine Figur bekommt am Ende ihr Fett weg.

Commando

Monetär war der SF-Actioner ein gewaltiger Flop: Bei 60 Millionen – zwei Panzerfahrzeuge allein verschlangen eine davon – Dollar Budget spielte er in den USA lediglich 15 Millionen ein. Was der Film sein will, kann er. Vielleicht war er jedoch nicht versiert genug aufgestellt, um eine breitere Zielgruppe zu erreichen. „Star Force Soldier“ ist für ein Publikum zu empfehlen, das sich mit traumatisierten Männern identifizieren kann, die nichts von der Liebe wissen und nur mit einer Waffe in der Hand zu sich selbst finden können. Sie verlieren ihre Maskulinität, wenn man ihnen ihren Soldatenstatus nimmt. Inhaltlich gibt es nicht viel mehr zu holen. Die Geschichte von Andersons Film konzentriert sich ganz auf diese einfache Prämisse, es ist ein Männerfilm, den man so heute nicht mehr machen würde. Dies kann man ihm einerseits vorwerfen, andererseits liegt gerade darin seine Stärke. Es ist ein Film der späten 90er, der keinen Hehl aus seiner fast banalen Geradlinigkeit macht. Ein bisschen Tiefe gab man ihm, indem Drehbuchautor David Webb Peoples ihn im gleichen Universum ansiedelte wie „Blade Runner“ – für den er ebenfalls am Screenplay schrieb. In Ridley Scotts Meilenstein des Science-Fiction-Genres ist von Schlachten am „Tannhäuser Tor“ die Rede – und selbiges findet eben auch hier Erwähnung. Todd wird auch dort im Krieg eingesetzt, er ist ein naher Verwandter der Replikanten. Diese filmübergreifende Verbindung macht weitere Gedankengespinste interessant und führt zu einer höheren Wahrscheinlichkeit der stetigen Wiederentdeckung, wer sich mit Scotts Film oder dem Science-Fiction-Kino im Allgemeinen beschäftigt. Wer hier filmisch keinen Bergman erwartet, bekommt einen SF-Actionknaller erster Güte inklusive Zeitreise in die 90er.

Seine Kraft – und das gigantische Budget – setzt er in die Verpackung der maximal zweizeiligen Story. Hier kracht und scheppert es noch richtig, aufwendige Sets gehen in Flammen auf, zerspringen in tausend Teile, und Stuntmen fliegen durch die Gegend. Fette 90er-Action, wie sie heute kaum noch gemacht wird – vor allem nicht im Big-Budget-Segment. Schade, dass man aber auch unbedingt zeigen wollte, wie weit man schon mit der digitalen Tricktechnik sei. So trüben einige schwache Animationen aus Windows-98-PCs ein bisschen das Bild der glanzvollen Spezialeffekte.

In Deutschland nun erstmals ungeschnitten

„Star Force Soldier“ erscheint dank Koch Films in Deutschland erstmals ungekürzt – das kann somit als Erstveröffentlichung bezeichnet werden, denn „cut“ gilt nicht. Damals gab es zum DVD-Release bei uns nur eine stark geschnittene Fassung, die den Film seiner Konsequenz und starken Make-up-Effekte beraubte und den Zuschauer in einigen sehr holprigen Cuts fragend zurückließ. Zudem gab es damals nur eine deutsche Tonspur. Gerade dieses Werk kann man nur uncut genießen und es bedarf auch Russells kerniger One-Liner – hier wahrlich kein Mann vieler Worte – im O-Ton, um richtig Spaß zu haben. Die Neuveröffentlichung ist also schon offensichtlich heiß erwartet und dringend nötig, sie wird durch die Form des Mediabooks noch versüßt. Dieses kommt in zwei Cover-Varianten und mit Booklet, in welches ich leider keinen Einblick hatte, weswegen ich nichts über dessen Qualität sagen kann. Extras gibt es auch noch auf den Discs: ein Audiokommentar mit Anderson, Isaacs und Koproduzent Jeremy Bolt, ein bereits in den 90ern produziertes Making-of, Interviews und eine Bildergalerie (Guckt ihr euch sowas noch an?). Die Form stimmt und wird dem produktionstechnischen Aufwand des Streifens gerecht. Kaufempfehlung. Für Männer.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Kurt Russell sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Das waren die 90er

Veröffentlichung: 28. März 2019 als Limited 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, zwei Covervarianten), 6. Juli 2000 als DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 93 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Soldier
GB/USA 1998
Regie: Paul W. S. Anderson
Drehbuch: David Webb Peoples
Besetzung: Kurt Russell, Jason Scott Lee, Jason Isaacs, Connie Nielsen, Sean Pertwee, Gary Busey, Jared Thorne, Taylor Thorne, Mark Bringelson, James Black, Mark De Alessandro, Duffy Gaver
Zusatzmaterial: deutscher und englischer Trailer, Audiokommentar von Paul W. S. Anderson, Jason Isaacs und Jeremy Bolt, Making-of, Interviews, Bildergalerie
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2019 by Leonhard Elias Lemke
Szenenfotos & Packshots: © 2019 Koch Films

 
 

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