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Matrix Resurrections – Lang erwartet?

The Matrix Resurrections

Von Volker Schönenberger

Science-Fiction // Irgendwo in der Matrix gerät die junge Bugs (Jessica Henwick) in einen Einsatz diverser „Agents“. Diese werden auf sie aufmerksam, doch sie erhält unerwartete Unterstützung von einem der dunkel gekleideten Herren. Er entpuppt sich als ein gewisser Morpheus (Yahya Abdul-Mateen II) …

Unverhofftes Team: Morpheus (l.) und Bugs

In der realen (?) Welt ist Thomas Anderson (Keanu Reeves) der Schöpfer der erfolgreichen Videospielreihe „The Matrix“. Sind es Erinnerungen oder Wahnvorstellungen, die er in seine Programmierungen einfließen lässt? Die Videospielfigur Trinity jedenfalls basiert auf seiner Café-Bekannten Tiffany (Carrie-Anne Moss). Oder stellt Tiffany eine Verkörperung von Trinity dar? Andersons Psychoanalytiker (Neil Patrick Harris) versucht die Verwirrung seines Patienten mit blauen Tabletten zu unterdrücken. Doch bald folgt Anderson alias Neo wieder dem weißen Kaninchen und erkennt die Welt, wie sie ist.

Revolutionär war einmal

„Matrix“ war 1999 in mancherlei Hinsicht revolutionär. Zum Beispiel bei den visuellen Effekten mit beeindruckenden Martial-Arts-Einlagen und dem Einsatz von Zeitlupe in Actionszenen, etwa der „Bullet Time“. Zum Beispiel auch bei der visionären Idee, dass künstliche Intelligenz den Menschen eine virtuelle Realität vorgaukelt, während sie tatsächlich in Brutkästen vor sich hin vegetieren, um den Maschinen Energie zu liefern. Die Fortsetzungen „Matrix Reloaded“ und „Matrix Revolutions“ (beide 2003) wurden weniger enthusiastisch aufgenommen als der Vorgänger, um es milde auszudrücken. Das gilt ebenso für „Matrix Resurrections“, laut Warner-Pressetext „das lang erwartete nächste Kapitel der wegweisenden Filmreihe“. Wenn da mal nicht der Wunsch Vater des Gedanken war. Auf diesen vierten Aufguss hat wohl eher nur eine verschwindend kleine Minderheit gewartet. Die enttäuschenden Kino-Einspielergebnisse sprechen jedenfalls eine deutliche Sprache: Wenn ein 190-Millionen-Dollar-Film an den Kinokassen lediglich 156,6 Millionen Dollar einspielt, darf von einem veritablen Flop gesprochen werden.

Auf in die Matrix!

Dabei bietet „Matrix Resurrections“ Fanservice en masse, aber wenn eben nur wenige Fans den Film herbeigesehnt haben, hilft das nichts. Teil vier verpasst die Gelegenheit, dem „Matrix“-Universum neue Facetten hinzuzufügen. Tatsächlich scheint es in erster Linie darum zu gehen, die Liebesgeschichte von Neo und Trinity wieder aufleben zu lassen. Trinity war bekanntermaßen in „Matrix Revolutions“ tragischerweise gestorben, was manch einen Taschentuchalarm auslöste. Die Trauer der Fans über Trinitys Ableben reichte aber offenbar nicht aus, nun aufgrund des Wiederaufflammens der Beziehung vor Freude zu juchzen. Dazu gibt es auch keinen Anlass, denn so recht mag der Funke nicht überspringen. Was nicht an Keanu Reeves und Carrie-Anne Moss liegt – die beiden spinnen durchaus erfolgreich das unsichtbare Band zwischen ihren Figuren neu. Aber hatten wir Sehnsucht danach? Eher nicht.

Thomas Anderson ist verwirrt

Fanservice gibt es auch beim Personal: So haben Lambert Wilson seinen Part als Merowinger und Jada Pinkett Smith ihre Rolle als Niobe aus „Reloaded“ und „Revolutions“ wieder übernommen (ich spare mir an dieser Stelle sicherheitshalber Gags über Glatzen und Ohrfeigen). Neu hingegen ist „How I Met Your Mother“-Star Neil Patrick Harris als Seelenklempner, hinter dem erwartbar mehr steckt als nur Neos Therapeut. Das macht den Kohl nicht fett, bringt aber immerhin eine schöne kleine Szene, die in einem Dialog zwischen Anderson und dem Therapeuten die „Bullet Time“ persifliert. Selbstzweckhaft, aber ansehnlich.

Immerhin ein paar neue Ideen

Natürlich versucht „Matrix Resurrections“ den Schein zu wahren und neue Ideen einzubauen. Das ist gerade im ersten Drittel auch gar nicht schlecht gelungen, wenn etwa die Thematisierung der „The Matrix“-Videospielreihe unvermittelt eine Meta-Ebene erschafft, indem Warner (!) „Matrix 4“ fordert und das Entwicklungsteam rund um Thomas Anderson die ersten drei Teile Revue passieren lässt. Wer da gut aufpasst, wird einige Parallelen zu den ersten drei Filmen entdecken. Charmant, charmant.

Wird der Seelenklempner helfen?

Das war es dann aber auch mit Innovationen. Beim Rest bediente sich Regisseurin Lana Wachowski sowohl storytechnisch als auch visuell bei den drei Vorgängern. Wir haben Zeitlupen, Linsenreflexionseffekte, Action, Action und Action. Und die haben wir einfach schon viel zu oft in der Form gesehen. Irgendwann neigen sich die knapp zweieinhalb Stunden dem Ende zu und wir schrecken auf: War’s das? Ja, das war’s, wenn man die sinnlose Endcredit-Szene ignoriert, wofür es gute Gründe gibt.

Morpheus bietet mal wieder eine rote Pille an

Lana Wachowski hat geäußert, aufgrund persönlicher Verluste und Trauerfälle in ihrem realen Leben zu den fiktiven Figuren Neo und Trinitiy zurückgekehrt zu sein, wohingegen ihre Schwester Lilly Wachowski genau das zum Anlass nahm, eben nicht wieder mit der Schwester gemeinsam Regie zu führen. Lana wiederum begann mit den Dreharbeiten im Februar 2020 in San Francisco. Der Tross zog einen Monat später nach Deutschland um, da das Gros der Szenen im Studio Babelsberg in Potsdam gefilmt werden sollte. Die Corona-Pandemie führte zu einigen Unterbrechungen, sodass die Dreharbeiten erst im November 2020 zu Ende gingen. Auch die Nachproduktion im Frühjahr 2021 erfolgte in Babelsberg.

Wie real ist unsere Realität?

Kurz vor der Jahrtausendwende gab es einige Filme, die auf faszinierende Weise Fragen über die Realität und ihre Wahrnehmung aufwarfen. „Dark City“ (1998), „Die Truman Show“ (1998) und „The 13th Floor – Bist du was du denkst?“ (1999) seien genannt, und „Matrix“ war natürlich der spektakulärste Beitrag zu diesem Science-Fiction-Sujet. Eine der zentralen Fragen in „Matrix“ war dabei die, ob Neo die blaue oder die rote Pille einwerfen soll. Soll er sich mit der blauen Pille weiter der Illusion hingeben oder mit der roten Pille der grausigen Realität stellen? Dieser Aspekt, der angetan ist, das Publikum zum Nachdenken zu bringen, spielt leider in „Matrix Resurrections“ nahezu überhaupt keine Rolle mehr. Bedauerlich, dabei fällt es an sich gar nicht schwer, diese vermeintlich wilde Science-Fiction-Fantasie auf unser Hier und Heute übertragen (und das zeichnet gute Science-Fiction aus). Will ich mich dem Eskapismus hingeben oder dem harten Alltag stellen? Auch deshalb dockt Teil vier nicht nur aufgrund der chronologischen Abfolge eher an die beiden Vorgänger an als an „Matrix“. An den ersten Film habe ich beste Erinnerungen, viele ikonische Bilder haben sich mir nachhaltig eingebrannt. Von „Reloaded“ und „Revolutions“ kann ich das nicht behaupten, und die Bilder von „Matrix Resurrections“ beginnen bereits kurz nach der Sichtung zu verblassen.

Etwas Übung kann nicht schaden

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Carrie-Anne Moss und Christina Ricci haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Neil Patrick Harris und Keanu Reeves unter Schauspieler.

Ein Pärchen wie Hans und Klärchen

Veröffentlichung: 16. Juni 2022 als 2-Disc Edition UHD Blu-ray im Steelbook (inkl. Blu-ray), 2-Disc Edition UHD Blu-ray (inkl. Blu-ray), Blu-ray im Steelbook, Blu-ray und DVD

Länge: 148 Min. (Blu-ray), 142 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Matrix Resurrections
USA/AUS 2021
Regie: Lana Wachowski
Drehbuch: Lana Wachowski, David Mitchell, Aleksandar Hemon
Besetzung: Keanu Reeves, Carrie-Anne Moss, Yahya Abdul-Mateen II, Jonathan Groff, Jessica Henwick, Neil Patrick Harris, Jada Pinkett Smith, Priyanka Chopra Jonas, Christina Ricci, Lambert Wilson, Andrew Caldwell
Zusatzmaterial: keine Angabe
Label: Warner Bros. Entertainment
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2022 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Trailer: © 2021 Warner Bros. Entertainment Inc. and Village Roadshow Films North America Inc., Foto-Credit: Courtesy of Warner Bros. Pictures, Packshots: © 2022 Warner Bros. Entertainment

 
 

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Jupiter Ascending – Augenwischerei

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Jupiter Ascending

Kinostart: 5. Februar 2015

Von Matthias Holm

SF-Abenteuer // Kurz vor der Jahrtausendwende schlug ein Film an den Kassen ein, der sich bis heute als stilbildendes Meisterwerk etabliert hat: „Matrix“ gelang es, mit seiner Vermischung aus tollen Effekten und einer visionären Story um gebeugte und virtuelle Realität Publikum und Kritiker gleichermaßen zu begeistern. Nach zwei mäßigen Fortsetzungen, dem filmgewordenen LSD-Trip „Speed Racer“ und der deutschen Koproduktion „Cloud Atlas“ versuchen die Wachowskis nun mit geballter Starpower, den ersten großen Blockbuster des Jahres 2015 zu liefern.

Von der Putzfrau zur Weltenherrscherin

Die junge Jupiter Jones (Mila Kunis) ist nicht unbedingt zufrieden mit ihrem Leben. Als Tochter einer russischen Immigrantin putzt sie jeden Tag die Domizile der Reichen und Schönen. Der triste Alltag hat ein Ende, als Caine (Channing Tatum) in ihr Leben tritt. Der gutaussehende Mann ist ein Alien – und soll Jupiter zu seinem Auftraggeber bringen. Jupiter ist nämlich die Reinkarnation einer Königin der Außerirdischen. Doch deren Nachfahren denken gar nicht daran, ihre Besitztümer an die rechtmäßige Herrscherin zu geben. Besonders der missgünstige Balem (Eddie Redmayne) will unbedingt selbst auf den Thron.

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Jupiter ist von königlichem Blut

Das Drehbuch der Wachowskis hat durchaus gute Ideen. Unsterblichkeit durch DNA-Manipulation oder die Herkunft der Menschheit sind Beispiele dafür, dass „Jupiter Ascending“ viel Potenzial hat. Doch während in der „Matrix“ alle Fäden konsequent zu Ende gedacht wurden und das Geschehen auch eine philosophische Komponente trug, bleibt „Jupiter Ascending“ fast schon unangenehm oberflächlich. Beinahe hat man die Vermutung, dass die Geschwister mit mehr als einem Auge auf das Mainstream-Publikum geschielt haben.

Die Frau – ohne männliche Unterstützung geht gar nichts

Ein fader Beigeschmack bleibt auch für mich als Videospieler: Es gab in letzter Zeit viele Diskussionen wegen der Video-Reihe „Tropes vs. Women in Videogames“ bei YouTube, in denen Anita Sarkeesian die fehlende Gleichberechtigung von Mann und Frau in Videospielen kritisiert. Ein Punkt, den sie anführt, ist die berühmte „Damsel in Distress“, die Prinzessin in Nöten. Genau dieser Punkt wird in „Jupiter Ascending“ ausgereizt bis zum Gehtnichtmehr. Obwohl Jupiter eigentlich eine starke Hauptfigur sein soll, gelingt es ihr nie, sich allein aus misslicher Lage zu befreien – immer muss sie von Caine gerettet werden. Eine starke, unabhängige Frau sieht anders aus.

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Ein mächtiger Raumgleiter

Ein Hochgenuss ist die Optik des Films. Auch wenn die 3D-Effekte zu vernachlässigen sind – das Design und die Schauwerte sind atemberaubend. Besonders die außerirdische Technik sieht einfach gut aus. Eine großartige Szene ist dabei Jupiters Versuch, an die Besitztümer aus ihren vorherigen Leben zu kommen: Während das restliche Design auf Hochglanz poliert ist, wirkt die Alien-Behörde wie eine Zukunftsvariante des Hauses, das verrückt macht aus „Asterix erobert Rom“. In dieser Sequenz hat übrigens Regie-Meister Terry Gilliam einen Gastauftritt.

Mehr Schein als Sein

Das Problem von „Jupiter Ascending“: Es ist ein typischer „Style-over-Substance“-Film. Und in solchen Filmen kommen die Schauspieler selten gut weg. Schwer enttäuscht bin ich vom Oscar-nominierten Eddie Redmayne. Auch wenn er in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ eine tolle Performance als Stephen Hawking abliefert – als Bösewicht eignet er sich überhaupt nicht. Auch Channing Tatum („Foxcatcher“), der zuletzt mehr für seine schauspielerischen Fähigkeiten als für seinen Körper gelobt wird, tut den gesamten Film über nichts anderes als finster in die Kamera zu gucken. Und Mila Kunis? Sieht gut aus und hinterlässt auch keinen bleibenden Eindruck. Sean Beans Nebenrolle als Caines Freund lässt sich mit dem Wort „überflüssig“ wohl am besten beschreiben.

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Caine (l.) und Stinger

Eine Geschichte, die nicht ansatzweise an ihre Grenzen geht, mittelmäßige Schauspiel-Leistungen und eine grandiose Optik – „Jupiter Ascending“ ist leider keine zweite „Matrix“ geworden. Wer allerdings mal den Kopf abschalten und sich berauschen lassen möchte – dafür ist dieser Film immer noch eine bessere Wahl als die „Transformers“-Reihe.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Mila Kunis haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Sean Bean, Eddie Redmayne und Channing Tatum unter Schauspieler.

Länge: 127 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Jupiter Ascending
USA 2015
Regie: Andy Wachowski, Lana Wachowski
Drehbuch: Andy Wachowski, Lana Wachowski
Besetzung: Channing Tatum, Mila Kunis, Eddie Redmayne, Sean Bean, James D’Arcy, Douglas Booth, Gugu Mbatha-Raw, Tuppence Middleton, Charlotte Beaumont, Maria Doyle Kennedy
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2015 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2015 Warner Bros. Ent.

 

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