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Der Horroctober: Horror zu Halloween – Simon empfiehlt

Gastbeitrag von Simon Kyprianou

Horror // Der Horroroctober stand an, langsam beginnt die kalte Jahreszeit, die Tage werden kürzer und kälter, bis der Monat an seinem letzten Tag mit Halloween endet, werden die Nächte stetig dunkler. Das habe ich mir zum Anlass genommen, auch selbst wieder mal etwas mit dem Horrorgenre zu beschäftigen, einem der wunderbarsten und wichtigsten Genres überhaupt. Einige Neusichtungen und auch einige Wiederansichten sind dabei, Gutes und Interessantes. Teilweise alte Filme, teilweise brandneue Werke, mal bekannte Filme, mal vergessene Schätze. Zum Zwecke von Anregungen und Tipps für die Leser habe ich zu jedem der Filme ein paar Worte notiert.

1) Das letzte Haus links (The Last House on the Left, USA 1972): Am Anfang konnte sich die dörfliche Idylle vom urbanen Chaos noch klar abgrenzen, am Ende ist sie dahin. Auch im vermeintlichen Idyll hat die Gewalt längst unter der Oberfläche gebrodelt. Auswege oder Räume, in denen sich Jugendliche überhaupt sorgenfrei entfalten könnten, gibt es anscheinend keine.

2) Misery (USA 1990): Der obsessive Fan, der „number one Fan“ ist für Rob Reiner und Stephen King das Ende für die Freiheit der Kunst und der Kreativität. Unter dem Joch eines solchen Fans können diese Kunst und Kreativität nur limitiert ausgelebt werden. Und wer kennt sie nicht, die Fans, die ihre Lieblingskunstwerke, seien es Bücher oder Filme, vor etwas abseitigen oder vielleicht auch nur nicht ganz gängigen Interpretationsansätzen geradezu fanatisch beschützen wollen. Natürlich fantastisch: James Caan und die zu Recht Oscar-gekrönte Kathy Bates.

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© Twentieth Century Fox Home Entertainment

3) Blair Witch Project (The Blair Witch Project, USA 1999): Daniel Myrick und Eduardo Sánchez sind gegenüber ihrem Found-Footage-Ansatz absolut konsequent. Der Wald, in dem beinahe der komplette Film spielt, dient dabei nicht nur als schaurige Kulisse, der Wald mit seinem immergleichen Wirrwarr aus Ästen, Blättern, Bächen und Bäumen wird zum Abbild der diffusen inneren Ängste der Figuren. Den Schrecken lässt „Blair Witch Project“ dabei nur erahnen, denn bei dem subjektiven Found-Footage-Ansatz kann der Horror ja gar nicht sichtbar werden, weil wir nur durch die Augen der Figuren sehen, die den Schrecken nur fühlen, wie wir ihn auch fühlen können.

4) Landhaus der toten Seelen (Burnt Offerings, USA/IT 1976): Der Film schafft Verbindungen innerhalb des Horrorkinos. Die Spiele mit Farben, die wüsten, aufgeladenen Farbräusche, die mehr oder weniger lebende Großmutter, die bedrohlich unter dem Dach haust, und die Familie die im Spukhaus, dem „Hounted House“ langsam zerbricht. Eine Inszenierung von unendlicher Sinnlichkeit veredelt „Landhaus der toten Seelen“ zu einem der großartigsten Horrorfilme überhaupt.

5) Knock Knock (USA/CHL 2015): Allumfassende Menschenfeindlichkeit wird in blutigen Exzessen zelebriert, wie so oft bei Eli Roth, der mit „Cabin Fever“ (2002) und „Hostel 2“ (2007) aber zwei gute Horrorfilme inszeniert hat. „Knock Knock“ ist leider dümmlich. Wo in „Hostel“ und jetzt auch in „Green Inferno“ ignorante Amerikaner mit dem Fremden konfrontiert werden, ist „Knock Knock“ eine unverhohlen sadistische Gewaltfantasie mit gefährlicher Moral. Zum Kinostart im Dezember werde ich den Film hier ausführlich vorstellen.

6) The Others (USA/SP/F/IT 2001): Wunderbar klassizistischer, feinfühliger Hounted-House-Film – punktgenau inszeniert und wirklich schaurig. Das twistige Ende hätte es gar nicht mehr gebraucht. Schönster Moment: die Begegnung im Nebel.

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© Universum Film

7) Der Babadook (The Babadook, AUS/KAN 2014): Der am spannendsten gescheiterte Film des Jahres, auf den William Friedkin großes Lob angestimmt hat. Elegant gefilmt, inhaltlich hochinteressant, aber doch zu nah an den Vorbildern und zu unentschlossen, um wirklich das Fürchten zu verbreiten. Am Ende leider auch eine unnötige Auffahrt an Krawall, die dem sonst so geerdeten Film nicht wirklich steht. Dennoch: Regisseurin Jennifer Kent sollte man unbedingt im Auge behalten.

8) Mary Reilly (USA/GB 1996): Kaum ein Bild in „Mary Reilly“ ist hell, meist sind die wunderschön schaurigen Kulissen des alten Englands in Schatten und Nebel gehüllt, die Welt wird schier von der Dunkelheit verschluckt. Das Schlachthaus und die Leichenhalle dieser dunklen, kalten Stadt liegen praktischerweise direkt nebeneinander. In dieser herrlich klassischen anmutenden Gruselwelt erzählt Stephen Frears mit betörender Zärtlichkeit von Mary Reilly (Julia Roberts) und ihrem Zusammentreffen mit Dr. Jekyll/Mr. Hyde (John Malkovich). Der Film ist strukturiert als eine Aneinanderreihung von kurzen Begegnungen, und bei jeder Begegnung lässt der Schrecken ganz behutsam ein wenig mehr von sich erahnen. Die schönste Entdeckung des Oktobers, mit Abstand.

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© Sony Pictures Home Entertainment

9) Das Stendhal Syndrom (La sindrome di Stendhal, IT 1996): Eine Frau wird vergewaltigt, will Rache an der Männerwelt üben und wird dabei zum Mann. Hitchcocks „Vertigo“ radikal weiter gedacht, auf gewisse Weise jedenfalls. Ein berauschendes visuelles Fest, ein wüster, wilder, bizarrer Film, der sich nie in die Karten schauen lässt. Der letzte große Film von Dario Argento.

10) Alexandre Ajas Maniac (Maniac, 2012): Nichts an „Maniac“ ist subtil, mit wenigen Ausnahmen bindet uns Regisseur Franck Khalfoun an die Perspektive des titelgebenden Wahnsinnigen (daher kaum im Bild: Elijah Wood). Spätestens seit „Augen der Angst“ („Peeping Tom“, 1960) ist die subjektive Kamera ja fester Bestandteil des Horrorfilms; in „Maniac“ wird sie so konsequent beibehalten wie selten zuvor. An einem Psychogramm oder einer Reflexion der Figur hat der Regisseur kein Interesse, dafür wäre eine Außensicht vonnöten gewesen. Khalfoun will den Zuschauer einfach einsperren in die psychischen und traumatischen Gefängnisse im Kopf des Maniacs, er macht das Publikum wie selbstverständlich zu Handlangern und Komplizen der bestialischen Gewalttaten. Die betörend schöne, sinnliche, in urbanes Neonlicht getauchte Inszenierung – man fühlt sich an Walter Hill und Nicolas Winding Refn erinnert – ist problematisch, bindet sie die Gräultaten doch in eine berauschende Ästhetik ein. Doch macht diese Ambivalenz das Remake von William Lustigs „Maniac“ (1980) nur noch schwerer ertragbar. Ein radikales Film-Ungeheuer, in der ungekürzten Fassung der „Cinema Extreme“-Edition bei uns allerdings beschlagnahmt.

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

 

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Landhaus der toten Seelen – Horror-Großtat unter unserem Radar

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Burnt Offerings

Von Simon Kyprianou

Horror // Die Familie Rolf, der Vater Ben (ganz fantastisch: Oliver Reed), die Mutter Marion (Karen Black), der kleine Sohn David (Lee Montgomery) und die Tante Elizabeth (herrlich: Bette Davis), wollen einfach nur einen geruhsamen Sommerurlaub verbringen. Dabei sind sie auf eine Villa gestoßen, von der Marion vom ersten Anblick an entzückt ist und die es zu einem geradezu lächerlichen Preis zu mieten gibt. Der einzige Haken ist die Mutter der Eigentümer. Sie lebt abgeschieden unter dem Dach, Familie Rolf soll sich während ihres Aufenthalts um die Greisin kümmern. Marion erklärt sich gern bereit, diese Arbeit zu übernehmen. Dass die Besitzer, ein älteres Geschwisterpaar, einen etwas wunderlichen Eindruck machen, ist schnell vergessen und der Sommerurlaub in der Villa beschlossene Sache.

Doch bereits nach kurzer Zeit bröckelt das Idyll: Die Familie lebt sich auseinander, Ben leidet an schrecklichen Albträumen, die eigentlich vitale und jugendliche Tante Elizabeth wird von heute auf morgen kränklich. Vor allem Marion verändert sich stark, fühlt sich von dem Haus und der unter dem Dach lebenden alten Dame sonderbar angezogen.

Albtraumhafter Rausch der Bilder

Das langsame Zerbrechen der Familie, die am Anfang noch trügerisch harmonisch erscheint, wird von Dan Curtis präzise beobachtet. Das Leben in der Villa lässt die bereits vorhandenen Risse anfangs erst sichtbar werden und sie dann aufklaffen. Immer mehr entgleitet den Figuren die Kontrolle, immer mehr fallen sie in einen traumartigen Schockzustand, genau wie der Film selbst immer albtraumhaftere Bilder für den Schrecken findet. Regisseur Dan Curtis inszeniert wilde, wüste Farbräusche, ganz wie bei Dario Argentos „Suspiria“, der fast zeitgleich erschien. Selbst profane Dinge werden bei Curtis zu mysteriösen Brutstätten des Übels: So verwandelt sich ein Swimming-Pool plötzlich in eine grünlich-trübe Welt des Schreckens. Traumszenen sind bei Curtis völlig losgelöst von der eigentlichen Handlung, die Traumszenen setzten sich in zu einer ganz eigenständigen kleinen Horror-Geschichte zusammen.

Curtis spielt mit dem Horrorgenre, umgeht seine Regeln und bricht mit Erwartungen, treibt ein Spiel mit vagen, oft trügerischen Andeutungen, die nicht selten ins Leere laufen. Überhaupt ist beinahe alles an dem Film vage, der Schrecken lässt sich nur erahnen, schwelt bedrohlich unter der Oberfläche. Erst am Ende darf er sich in einem kurzen, aber eindringlichen Finale entladen, und doch bleiben eigentlich alle Fragen offen.

Einfluss aufs Horrorgenre

„Burnt Offerings“, so der Originaltitel von „Landhaus der Toten Seelen“, ist wie ein dunkler Riss. Einen klaren Blick auf den Schrecken gibt er nicht frei, er lässt ihn nur erahnen, aber das was man sehen kann ist bereits mehr als genug. Die Bedeutung von „Landhaus der toten Seelen“ für das Horrorgenre ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Für den großartigen Ti West („The House of the Devil“, „The Innkeepers – Hotel des Schreckens“) beispielsweise war er ein wichtiger Einfluss. Umso schlimmer, dass er in einschlägigen Listen der besten Horrorfilme so gut wie nie auftaucht und gerade hier in Deutschland so sträflich unbekannt ist.

Veröffentlichung: 27. September 2013 als DVD-Hartbox

Länge: 112 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Burnt Offerings
USA 1976
Regie: Dan Curtis
Drehbuch: William F. Nolan, Dan Curtis, nach einem Roman von Robert Marasco
Besetzung: Karen Black, Oliver Reed, Burgess Meredith, Eileen Heckart, Lee Montgomery, Dub Taylor, Bette Davis, Joseph Riley, Todd Turquand, Anthony James
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Regisseur und Darstellern, Trailer, Filmografien
Vertrieb: NSM Records

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Packshots: © 2013 NSM Records

 
 

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