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Madame Mallory und der Duft von Curry – Wellnesskino ohne jede Substanz

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The Hundred-Foot Journey

Gastrezension von Simon Kyprianou

Komödie // Familie Kadam flüchtet nach ihrer gewaltsamen Vertreibung aus Indien nach Europa und strandet in Frankreich. Dort wollen die passionierten Köche ein Restaurant eröffnen und so kauft der Papa (Om Puri) das leer stehende Haus genau gegenüber von Madame Mallorys (Helen Mirren) Edel-Restaurant „Le Saule Pleureur“. Dank der überragenden Kochkünste des jungen Inders Hassan (Manish Dayal) läuft der Laden auch. Da sind Spannungen mit Madame Mallory programmiert.

Kein Vergleich mit „Mein Leben als Hund“

Schaut man sich „Madame Mallory und der Geschmack von Curry“ an, ist es kaum zu glauben, dass Lasse Hallström früher einmal ganz wunderbare Filme gedreht hat, wie beispielsweise „Mein Leben als Hund“, über den Nicolas Winding Refn gesagt hat: I saw this film with my mother when I was very young. It’s the only movie aside from „It’s a Wonderful Life“ during which I’ve cried because I was happy.

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Madame Mallory is not amused

„Madame Mallory und der Geschmack von Curry“ ist das, was der Filmanalytiker Wolfgang M. Schmitt jr. in seiner Polemik zum Zustand des Kinos als „Wellnessfilme“ bezeichnet hat: ein Minimalkonsens für das ach so kultivierte Arthaus-Publikum; ein quasi inhaltsloser Film, der die ernsthaften ihm zugrunde liegenden Themen mit ekelhaftem Zuckerguss umhüllt, sodass sich auch wirklich jeder Zuschauer wohlfühlen kann.

Rassismus als Wohlfühlthema

Dieser politisch betäubende Unsinn ist sich selbst gegenüber dermaßen gleichgültig, dass selbst schmerzhafte Themen wie Rassismus und Integration nicht mehr weh tun. Nebenbei ist der Film dabei selbst latent rassistisch, weil wohl nahezu jedes Indien-Klischee bestätigt und bedient wird. Statt politisch zu werden, wird hier eben über den „Geist des Gemüses“ geschwafelt.

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Küss die Hand, gnä’ Frau

Am schlimmsten vielleicht ist aber die Formlosigkeit: biederste Postkartenästhetik, unsäglich ausgeleuchtet. Nicht einmal die anmutige Helen Mirren kann so viel Unfug etwas entgegensetzen. Weshalb Steven Spielberg und Oprah Winfrey „Madame Mallory und der Duft von Curry“ produziert haben, wird ihr Geheimnis bleiben.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Helen Mirren sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet.

Veröffentlichung: 5. Februar 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 122 Min. (Blu-ray), 118 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The Hundred-Foot Journey
IND/UAE/USA 2014
Regie: Lasse Hallström
Drehbuch: Steven Knight, nach einer Vorlage von Richard C. Morais
Besetzung: Helen Mirren, Om Puri, Manish Dayal, Charlotte Le Bon, Amit Shah, Farzana Dua Elahe, Dillon Mitra, Aria Pandya, Clément Sibony, Juhi Chawla, Shuna Lemoine
Zusatzmaterial: „Madame Mallory und der Duft von Curry“ mit Steven Spielberg und Oprah Wwinfrey (12 Min.), Am Set mit Oprah Winfrey (4 Min.), Coconut Chicken (5 Min.), Das Rezept, die Zutaten, die Reise (16 min.), deutscher und englischer Trailer
Vertrieb: Constantin Film

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

Fotos, Packshot & Trailer: © 2015 Constantin Film

 

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