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Die Zeitfalle – Klaus Kinski und der Kristall

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Timestalkers

Von Andreas Eckenfels

SF-Thriller // In seinen letzten Lebensjahren trat Klaus Kinski in einer Reihe zweifelhafter Machwerke auf. Einerseits, um weiterhin ein luxuriöses Leben führen zu können, andererseits benötigte er Geld, um sein Wunschprojekt „Kinski Paganini“ schließlich doch noch realisieren zu können. Der Auftritt als Bösewicht in dem US-Fernsehfilm „Die Zeitfalle“ kam da gerade recht.

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Scott (r.) lässt das rätselhafte Foto untersuchen

Geschichtsprofessor Scott McKenzie (William Devane), dessen Frau und Sohn bei einem Autounfall vor seiner eigenen Haustür ums Leben kamen, ist ein glühender Fan des Wilden Westens. Bei einer Auktion antiker Gegenstände aus dieser Zeit, erhält er für eine Kiste inklusive Einschussloch den Zuschlag. Als er sie öffnet, weckt ein Foto aus dem Jahr 1886 sein Interesse. Darauf sind drei offene Särge mit Leichen zu sehen, dahinter steht ein Mann. Das Paradoxe: Dieser hält eine .357 Magnum in den Händen – eine Waffe, die erst viele Jahrzehnte später in Produktion ging. Hat Scott hier vielleicht den Beweis dafür gefunden, dass Zeitreise möglich ist?

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Scott bekommt Besuch von der Zeitreisenden Georgia

Als kurze Zeit später Georgia Crawford (Lauren Hutton) in sein Leben tritt, wird seine Theorie bestätigt: Sie stammt aus dem Jahr 2586 und ist auf der Jagd nach dem Mann auf dem Foto. Wie sie erklärt, handelt sich dabei um Dr. Joseph Cole (Klaus Kinski), der zusammen mit Georgias Vater (John Considine) ein führender Wissenschaftler ihrer Zeit ist. Beide entwickelten die Zeitreise, doch sie gerieten in einen erbitterten Streit über die weitere Nutzung dieser Technik. Georgia glaubt, dass Cole in das Jahr 1886 zurückkehren will, um dort einen ihrer Vorfahren – einen Berater von US-Präsident Grover Cleveland – umzubringen, damit ihr Vater niemals das Licht der Welt erblickt. Scott willigt ein, ihr bei der Suche nach Cole behilflich zu sein. Gemeinsam reisen sie zurück in die Vergangenheit.

Massentauglicher Film der Woche

Ähnlich wie der US-Fernsehsender ABC mit beispielsweise „Starflight One – Irrflug ins All“ ließ auch CBS eine Vielzahl von TV-Filmen produzieren, die als „Film der Woche“ beworben werden konnten. Diese Produktionen griffen häufig Trends erfolgreicher Kinofilme auf, um ihre Zuschauer an die Bildschirme zu locken. Auch der am 10. März 1987 erstausgestrahlte „Die Zeitfalle“ macht da keine Ausnahme. Wirft man einen genaueren Blick auf die Handlung, so fallen doch einige klare Parallelen zu „Terminator“ auf. Zeitreisen waren zudem spätestens seit „Zurück in die Zukunft“ wieder ein beliebtes Thema, welches man gut für ein familienfreundliches Massenpublikum umsetzen konnte.

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Scotts westernbegeisterter Freund John Cody (M.) hilft bei der Spurensuche

Brian Clemens diente die Kurzgeschichte „The Tintype“ von Ray Brown als Vorlage. Der Brite hatte sich als Autor zahlreicher TV-Serien wie „Mit Schirm, Charme und Melone“ oder „Die Profis“ einen Namen gemacht. Die Zeitreisethematik griff Clemens später in seinem Skript zu „Highlander II – Die Rückkehr“ erneut auf.

Verschwendung von Zeitreise-Energie

In „Die Zeitfalle“ genügt ein handlicher Kristall, um durch die Zeit zu reisen. Das nimmt teilweise absurde Formen an: Da Kinski als Bösewicht Cole nicht in ein von Zäunen und Wachposten geschütztes Forschungsgelände eindringen kann, reist er kurzerhand zurück ins Jahr 1926. Da es diese Einrichtung damals noch nicht gab, kann er sich an diesem Ort nun frei bewegen. Also sehen wir Kinski ein paar Minuten dabei zu, wie er im Grünen gemütlich einen Abhang hinunterläuft und auf einer großen Wiese stehen bleibt. Schwupps geht es mit dem Kristall wieder ins Jahr 1986 und er befindet sich hinter dem zuvor abgesperrten Bereich. Simpel oder clever? Auf jeden Fall eine ganz schöne Verschwendung von Zeitreise-Energie.

Simpel und naiv

Simpel verläuft die Geschichte auch weiter. Regisseur Michael Schultz, der heute noch aktiv fürs TV tätig ist und zuvor einige Richard-Pryor-Komödien wie „Car Wash – Der ausgeflippte Waschsalon“ drehte, will seinen Zuschauern auch nicht mehr Wendungen zumuten. Die schnellen Sprünge zwischen den Jahrhunderten sind durch einige Effekte und die Kleidung klar voneinander getrennt. Der PC im Heimgebrauch war Ende der 80er-Jahre noch nicht allzu verbreitet. Die einfachen Grafiken, die genutzt werden, wenn Cole etwa seine hochtechnologisierten Geräte gebraucht, dürften aber schon damals als billig eingestuft worden sein.

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Im Jahr 2586 geraten die Wissenschaftler Dr. Cole (l.) und Dr. Crawford über ihre Erfindung in Streit

Die durchaus namhaften Stars William Devane und Lauren Hutton können auch nicht mehr zu dieser naiven Produktion beitragen. Der einstige Western- und Horrordarsteller Forrest Tucker („Chisum“, „Die Teufelswolke von Monteville“) hat hier seinen letzten Auftritt. Kinski darf wenigstens einmal wie in seinen besten Zeiten einen ordentlichen Wutausbruch vor der Kamera hinlegen. Fans des exzentrischen Schauspielers dürfen also durchaus einen Blick riskieren.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Klaus Kinski sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 15. Juli 2016 als DVD

Länge: 91 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Timestalkers
USA 1987
Regie: Michael Schultz
Drehbuch: Brian Clemens, Ray Brown
Besetzung: William Devane, Klaus Kinski, Lauren Hutton, John Ratzenberger, Forrest Tucker, Tracey Walter, James Avery
Zusatzmaterial: Trailer, Wendecover
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2016 Al!ve AG / Pidax Film

 

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Starflight One – Irrflug ins All: Colt Seavers im Flugzeug, das nicht landen konnte

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Starflight – The Plane That Couldn’t Land

Von Andreas Eckenfels

SF-Katastrophenfilm // In der legendären Simpsons-Folge „Die Akte Springfield“ (Staffel 8, Episode 10) erzählt Homer seinen Kollegen Lenny und Carl stolz, wie er sich durch einen Trick mit der Überwachungskamera während der Arbeitszeit in Moe’s Taverne verdrücken will. Ein Film habe ihn zu dieser Idee inspiriert. „Der Bus, der nicht langsamer werden durfte“ soll der sehr lange Titel gewesen sein. Natürlich ist dies eine wunderbare Anspielung auf den Actionhit „Speed“ und Homers Langtitel fasst die Handlung eigentlich bestens zusammen.

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Die Presse geht mit auf den Jungfernflug der „Starflight One“

Was hat das mit dem Katastrophenfilm „Starflight One – Irrflug ins All“ zu tun? Nun, als ich den Untertitel des Originaltitels las, musste ich unweigerlich an diese Simpsons-Folge denken. „The Plane That Couldn’t Land“ – ein Flugzeug kann nicht landen, weil es antriebslos im Weltall herumschwebt. Ja, ganz plump gesagt, ist dies der Inhalt des Films, damit auch jeder Zuschauer sofort begreift, um was es geht. Da lobe ich mir zur Abwechslung mal den deutschen Untertitel von „Starflight One“. „Irrflug ins All“, wie er in der nun veröffentlichten DVD-Ausgabe heißt, oder der zuvor genutzte Titel „Irrflug ins Weltall“ bringen die Handlung weniger reißerisch auf den Punkt.

Ein paar Jahre zu spät dran

Der Original-Titelzusatz hört sich eigentlich wie eine Parodie auf all die großen Katastrophenfilme der 70er-Jahre an. Doch die Mechanismen der vierteiligen „Airport“-Reihe (1970–1979) und ähnlicher Werke wurden bereits in den wunderbaren Zucker-Komödien „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug“ (1980) und „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff“ (1982) ordentlich durch den Kakao gezogen. Und „Starflight One – Irrflug ins All“ will auch gar keine Komödie sein. Der TV-Film wurde am 27. Februar 1983 auf dem US-Sender ABC ausgestrahlt und war mit seinem Szenario schlichtweg ein paar Jahre zu spät dran. Denn wenn es bereits eine Parodie zu einer Filmgattung gibt, ist dies ein sicheres Anzeichen dafür, dass sich eine Idee bereits durch zigfache Wiederholung totgelaufen hat. Da hilft auch eine Verlegung der bekannten Geschichte ins Weltall nicht viel.

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Captain Briggs (l.) und Ingenieur Josh beraten sich nach der Katastrophe

Immerhin verpflichtete ABC mit Jerry Jameson einen erfahrenen TV- und Kino-Regisseur von Katastrophenfilmen. Auf sein Konto gehen unter anderem „Hochhaus in Flammen“ (1974), ein TV-Film, der Kapital aus dem Kinohit „Flammendes Inferno“ (1974) schlagen sollte, sowie „Airport ’77 – Verschollen im Bermuda-Dreieck“ (1977). Als Piloten der „Starflight One“ holte Jameson den „Ein Colt für alle Fälle“-Star Lee Majors ins Cockpit. Mit Majors hatte der Regisseur bereits in der TV-Serie „Der sechs Millionen Dollar Mann“ (1974–1978) und dem Fernsehfilm „High Noon, Part II – The Return of Will Kane“ (1980) zusammengearbeitet. Dazu versammelte Jameson weitere Schauspielveteranen in „Starflight One – Irrflug ins All“, darunter Hal Linden, Lauren Hutton und Robert Webber.

Die Columbia im Dauereinsatz

Eine Katastrophe geschieht auf dem Jungfernflug der „Starflight One“: Das erste Passagierflugzeug mit dreifacher Überschallgeschwindigkeit versucht auf dem Flug von Los Angeles nach Sydney eine Kollision mit Trümmerteilen eines Satelliten zu vermeiden. Doch ein defekter Raketenantrieb sorgt dafür, dass das Flugzeug aus der Erdatmosphäre geschossen wird. Die mit 59 Passagieren sowie Crew und einigen Presseleuten besetzte „Starflight One“ treibt schwerelos im Orbit um die Erde. Der Sauerstoff an Bord wird langsam knapp. Jetzt kann nur noch die NASA helfen.

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Die Passagiere müssen hilflos mit ansehen …

Es ist überraschend, dass der von Majors gespielte Captain Cody Briggs nicht der Held von „Starflight One – Irrflug ins All“ ist. Es ist die Besatzung des Space Shuttles „Columbia“, welche dem Überschallflugzeug zu Hilfe eilt – und das sage und schreibe dreimal innerhalb von 24 Stunden, wenn ich richtig gezählt habe. So oft hebt das Space Shuttle ab, versucht mit mal mehr, mal weniger Erfolg, eine Handvoll Passagiere der „Starflight One“ aufzunehmen und landet sicher auf der Erde. Schnell wieder aufgetankt, geht es für die Crew erneut hoch ins Weltall, um die nächsten Menschen zu retten. Es bleibt nicht die einzige haarsträubende Skurillität fernab jeglicher Realität, die uns Jameson als Tatsache verkaufen will.

US-Langfassung mit an Bord

Weniger überraschend bleiben die eindimensionalen Figuren, deren belanglosen privaten Probleme zu Beginn kurz umrissen werden, wie im Genre des Katastrophenfilms üblich. Diese spielen für die weitere Handlung keinerlei Rolle und dienen nur dazu, die Laufzeit ein wenig in die Länge zu ziehen. Das dachten sich wohl auch die Produzenten der deutschen Kinofassung, die am 25. Mai 1984 veröffentlicht wurde: Dort fehlen größtenteils die Szenen, in der es um die Affäre zwischen der geschiedenen Mutter Erica (Lauren Hutton) und Captain Briggs geht. Auf der von Koch Films veröffentlichten Special Edition befinden sich löblicherweise sowohl die deutsche Kinofassung als auch die etwa sechs Minuten längere US-Version. Nicht synchronisierte Passagen sind mit deutschen Untertiteln versehen.

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… wie der Verbindungsschlauch zum Space Shuttle „Columbia“ in Flammen aufgeht

Die Andocksequenzen zwischen der „Columbia“ und der „Starflight One“ bleiben die einzigen wirklichen Spannungsmomente, die der Film zu bieten hat. Nicht alle Passagiere schaffen rechtzeitig den gefährlichen Gang durch einen Rettungsschlauch, da sich dieser durch ein funkenschlagendes Kabel aus der defekten Flugzeug-Außenwand entzündet. Es ist ein durchaus dramatischer Moment, bei dem einige Menschen ums Leben kommen. Doch Captain Briggs und seine Besatzung schauen nur leicht erstaunt und enttäuscht dem Treiben zu, als wollten sie sagen: Naja, beim nächsten Mal wird es schon klappen. Auch hält sich die Panik an Bord in einem gemäßigten Rahmen.

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Briggs und Erica hoffen dennoch weiter auf Rettung

Für die Aufnahmen der Starts und Landungen des Space Shuttles konnte Jameson auf Archivaufnahmen der NASA zurückgreifen. Für die weiteren visuellen Effekte zeichnet Spezialist John Dykstra („Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung“) verantwortlich, der allerdings aufgrund des begrenzten Budgets „Starflight One – Irrflug ins All“ auch nicht mehr vor dem drohenden Absturz in die Bedeutungslosigkeit retten kann. Als möglicher PR-Film für die unmöglichen Abenteuer der NASA ist der TV-Film allerdings ganz brauchbar.

Veröffentlichung: 12. Mai 2016 als 2-Disc Special Edition DVD

Länge: 103 Min. Deutsche Kinofassung, 110 Min. US-Langfassung
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Starflight – The Plane That Couldn’t Land
USA 1983
Regie: Jerry Jameson
Drehbuch: Robert M. Young, Peter R. Brooke
Besetzung: Lee Majors, Hal Linden, Lauren Hutton, Ray Milland, Gail Strickland, Tess Harper
Zusatzmaterial: Trailer, Bildergalerie
Vertrieb: Koch Films

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2016 Koch Films

 

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