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John Wick – Kapitel 3: Vom Auftragskiller im Ruhestand

John Wick: Chapter 3 – Parabellum

Kinostart: 23. Mai 2019

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // John Wick (Keanu Reeves) hetzt durch die Straßenschluchten von Manhattan. Weil er in der für derlei Taten verbotenen Zone des Hotels „The Continental“ einen italienischen Mafioso erschossen hatte, wurde ein Kopfgeld von 14 Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt – siehe die Ereignisse von „John Wick – Kapitel 2“ (2017). Dem Auftragskiller im Ruhestand bleiben nur noch wenige Minuten, bis die weltumspannende Gangsterorganisation um Punkt 18 Uhr die Jagd auf ihn offiziell eröffnet – in einem börsenähnlichen Saal wird er zum „Excommunicado“ erklärt. Wicks Ex-Kollegen wetzen bereits zuhauf die Messer und laden ihre Pistolen durch. Hinter jeder Ecke lauert der Tod.

John Wick treibt bei …

Mit dem Erstling „John Wick“ etablierten Regisseur Chad Stahelski und Titeldarsteller Keanu Reeves 2014 den des Tötens müden Auftragsmörder, der sich einfach nicht von den Fesseln seiner Vergangenheit befreien kann. Dank knallharter Action sowie der Starpower des Hauptdarstellers und diverser namhafter Nebendarsteller gewann der Film weltweit die Herzen von Genrefans, sodass den Fortsetzungen nichts im Wege stand. Hollywoods Gesetzmäßigkeiten und die Berechenbarkeit des Publikums brachten somit das nächste Franchise hervor. Bemerkenswert, dass Chad Stahelski außer den drei „John Wick“-Filmen bislang keine Regiearbeiten vorzuweisen hat. Nach aktuellem Stand wird er bei der „Highlander“-Neuverfilmung auf dem Regiestuhl sitzen. Der Kickboxer hat im Filmgeschäft zuvor in erster Linie als Stuntman und Stunt-Koordinator gearbeitet und mehrfach Keanu Reeves gedoublet – die beiden kennen einander seit der „Matrix“-Trilogie.

… „The Director“ eine alte Schuld ein

Kein Wunder also, dass der Fokus bei allen drei „John Wick“-Filmen auf Action liegt. Als Story-Unterbau fungiert der Mythos einer globalen Verbrecherorganisation – die „Hohe Kammer“ überwacht wie ein Krake die ganze Welt, vor ihr gibt es kein Entkommen. Ohne dass das bis ins Detail erläutert wird, entsteht der Eindruck, dass es sich dabei um eine Art Dachorganisation handelt, unter der die bekannten kriminellen Syndikate wie Camorra, Cosa Nostra (Mafia), Russenmafia, Triaden, Yakuza und andere aufgehängt sind, deren Killer ihre tödliche Arbeit nach einem kruden Kodex verrichten. Dass Verbrecher trotz ihres höchst unmoralischen Tuns fragwürdige Ehrbegriffe pflegen, kennen wir ja zur Genüge. Ob das alles der logischen Weisheit letzter Schluss ist, kann dahingestellt bleiben, bei all den Schusswechseln, Messerstechereien, Schlägereien und Verfolgungsjagden lassen sich Logiklöcher ignorieren, sofern man überhaupt in der Lage ist, sie angesichts des höllischen Tempos aller drei Filme wahrzunehmen.

Eins hat mich dennoch gestört – das Phänomen ist in derlei Filmen oft zu bemerken: Zwar wird John Wick als der absolut beste Auftragskiller etabliert, was seine Überlegenheit gegenüber den Konkurrenten erklärt. Aber zum einen ist er in den Jahren zuvor bereits außer Dienst gewesen und dürfte daher etwas eingerostet sein, zum anderen werden alle seine Gegner ebenfalls als mit Waffen oder ihren Körpern top ausgebildete Kampfmaschinen gezeichnet. Doch obwohl sie teilweise in großer Überzahl auf John Wick losgehen und ihm zudem immer wieder äußert schmerzhafte Treffer zufügen, gelingt es ihm jedes Mal aufs Neue, die Oberhand zu behalten. Wenn es von allen Seiten Kugeln hagelt, treffen diese in aller Regel immer nur die anderen; John muss zwar ebenfalls einstecken, lässt sich dadurch aber nicht außer Gefecht setzen. Aber vielleicht sollte ich beim Thema Glaubwürdigkeit einfach nicht päpstlicher als der Papst sein.

Vivaldi!

„John Wick – Kapitel 3“ ist gespickt mit Anspielungen und Zitaten, die nicht alle einfach zu erkennen sind – von Buster Keaton bis „The Raid“ finden sich einige Referenzen. Der Score folgt üblichen Pfaden von Actionfilm-Soundtracks, pausiert kaum einmal und fügt sich immerhin anständig und nicht allzu aufdringlich ein. Den absoluten Höhepunkt bildet ein einziges klassisches Stück – zugegeben einer meiner persönlichen Favoriten: Wenn unmittelbar vor dem Showdown kurz Ruhe vor dem Sturm herrscht, legt Hotelmanager Winston (Ian McShane) genüsslich eine Vinyl-Schallplatte auf, es ertönt der erste Satz des Winters aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ – das Allegro non molto. Ganz wunderbar und mit seiner Steigerung perfekt das Geschehen untermalend. Mich wundert, wie selten gerade in Actionfilmen klassische Musik eingesetzt wird, bietet sie doch Vielfalt und Dynamik in Hülle und Fülle. An sich müsste es auch nicht an alten Aufnahmen mangeln, die womöglich schon gemeinfrei sind und daher Kosten sparen – da befinde ich mich aber auf dem Terrain gefährlichen Halbwissens.

„The Adjudicator“ greift ein …

In seiner Rezension des zweiten Teils bemängelte Autor Andreas bezüglich der Actionszenen die fehlende Abwechslung. Davon kann in „John Wick – Kapitel 3“ keine Rede sein, die Action sprüht vor Ideen, auch die Martial-Arts-Einlagen überzeugen mit Vielfalt. Wer szenische Spoiler gern vermeidet, möge die beiden folgenden Absätze überspringen, weil ich ein paar Beispiele nenne.

Ab hier zwei Absätze mit szenischen Spoilern

So kommt es recht früh zu einem Messerkampf sondergleichen, bei dem sich sowohl John Wick als auch seine Gegner aus in Vitrinen ausgestellten Messern bedienen und diese als Wurfgeschosse in einem Tempo einsetzen, das Schusswechseln in nichts nachsteht. Etwas später führt seine Flucht den Protagonisten in einen Stall der New Yorker Kutscher, wo sich John zwischen diversen Pferden seiner Kontrahenten erwehrt und dabei auf clevere Weise die Neigung der Reittiere zum Ausschlagen nach hinten einsetzt – sehr schmerzhaft anzuschauen. Als ein Highlight geht durch, dass John Wick im marokkanischen Casablanca während eines Kampfs Unterstützung nicht nur von seiner alten Freundin (oder Kollegin) Sofia (Halle Berry) bekommt, sondern auch von ihren beiden scharfen belgischen Schäferhunden, die auf Kommando blitzschnell über ihre Opfer herfallen. Zum Finale im New Yorker „The Continental“ müssen sich John und der hilfreiche Concierge Charon (Lance Reddick) schließlich einer mit Reisebussen herangekarrten Übermacht erwehren, die allesamt mit schusssicheren Helmen und Klamotten ausgestattet sind. Wie man diese dennoch ausschalten kann, das bekommt das Publikum als großes, brutales Actionkino präsentiert.

Gewaltfans kommen auf ihre Kosten

Apropos brutal: Die Gewalt ist nicht von schlechten Eltern, um es milde auszudrücken. Speziell bei erwähntem Messerkampf zu Beginn kommt es zu Szenen, bei denen die FSK ein Auge zudrücken musste. Tatsächlich sehen wir ein Messer in ein Auge eindringen, John Wick hämmert wiederholt Messer in Schädel, auch eine Axt landet mit Wucht in einem Kopf. Während der zahlreichen Schießereien des Films sind etliche Kopfschüsse aus nächster Nähe zu betrachten, oft zwar im Dunkeln und bei der Rasanz der Inszenierung stets nur kurz im Bild, aber dennoch hart. Über die FSK-18-Freigabe darf sich der Verleih nicht wundern, immerhin erfolgte sie ohne Schnittauflagen.

… und heuert den Sushikoch und Topkiller Zero an

Die vielen Toten zu zählen, dazu war ich während der Pressevorführung des Films nicht in der Lage. Der Body Count mag den der beiden Vorgänger toppen, wozu auch eine Äußerung Chad Stahelskis gegenüber „Entertainment Weekly“ passt, wonach der Regisseur denkt, „the movie’s death count will ,land slightly north‘ of the previous film’s“ (die Zahl der Toten werde leicht höher liegen als beim Vorgänger).

Der trifft in New Yorks Grand Central Station erstmals auf John Wick

Oscar-Preisträgerin Halle Berry („Monster’s Ball“) erwähnte ich bereits, ebenso Ian McShane, 2004 für die Westernserie „Deadwood“ mit dem Golden Globe prämiert, der den umtriebigen Manager des New Yorker „The Continental“ verkörpert. Weitere illustre Namen schmücken die Besetzung: Als in Casablanca ansässiger Gangster ist Jerome Flynn zu sehen, der mit Tyrion Lannisters Kumpel Bronn eine beliebte Figur in „Game of Thrones“ spielt. Laurence Fishburne tritt erneut als New Yorker Gangster Bowery King auf, der John Wick hilft und damit einiges riskiert. Schön auch, endlich mal wieder Anjelica Huston („Die Addams Family“) zu sehen – die Oscar-Preisträgerin („Die Ehre der Prizzis“) sieht sich als „The Director“ genannte Patronin einer osteuropäischen (weißrussischen?) Verbrecherorganisation von John Wick zur Unterstützung genötigt, fühlt sich aber auch der „Hohen Kammer“ verpflichtet. Hier deuten ein paar Bemerkungen auf die Vergangenheit des Killers hin. Stammt er etwa selbst aus Weißrussland? Erwähnt sei auch Asia Kate Dillon („Orange Is the New Black“), die als eiskalte Botschafterin/Schiedsrichterin (im Original: „The Adjudicator“) der „Hohen Kammer“ John Wicks Helfer aufsucht und ihnen die Konsequenzen ihres Tuns veranschaulicht.

Showdown mit Mark Dacascos

Kommen wir last not least zu Mark Dacascos, dem ich nach „Crying Freeman – Der Sohn des Drachen“ (1995) und „Pakt der Wölfe“ (2001) eine größere Karriere gegönnt hätte. Ihn sehen wir als japanischen Sushi-Meister und Spitzenkiller Zero, der John Wick als Vorbild verehrt, was ihn selbstverständlich nicht daran hindert, dem Kollegen gehörig auf den Pelz zu rücken. Die Auseinandersetzung zwischen beiden wird als Showdown aufgebaut und wird dem final auch gerecht.

Auf ihre Hunde lässt Sofia nichts kommen

An sich war geplant und angekündigt, es fürs Kino bei einer Trilogie zu belassen. Die TV-Serie „The Continental“ ist bereits in Vorbereitung, darin wird es um die globale Hotelkette gehen, in der die gedungenen Killer sicheres Terrain finden, weil in den Gebäuden laut Regelwerk keine Missetaten ausgeübt werden dürfen. Mittlerweile ist es zwar alles andere als eine originelle Idee, aus Kinohits Fernsehserien zu machen, angesichts der hohen Qualität vieler aktueller TV-Umsetzungen kann das aber natürlich gut funktionieren. Hoffen wir, dass es den Produzenten gelingt, aus dem in den Kinofilmen etwas stückhaft entwickelten Mythos des nicht greifbaren globalen Gangsterzusammenschlusses eine schlüssige Legende zu stricken, die über eine gesamte Staffel und länger ihrer eigenen Logik treu bleibt.

Fortsetzung folgt?

Chad Stahelski hat im Gespräch mit „Entertainment Weekly“ bereits verlauten lassen, Lust auf und massig Ideen für einen vierten Teil zu haben, zudem endet „John Wick – Kapitel 3“ denkbar offen – und das ganz in der Tradition der Vorgänger, bei denen die Handlung der beiden Fortsetzungen jeweils unmittelbar ans Finale des vorherigen Films anschließt. Im Interview mit dem Filmportal „IndieWire“ hatte der Regisseur zwar geäußert, er und Keanu Reeves hätten bei keinem der Filme erwartet, Fortsetzungen zu drehen, angesichts der massiven Cliffhanger in Teil 2 und 3 erscheint diese Aussage aber als Augenwischerei. Keanu Reeves jedenfalls sagte im Gespräch mit „GQ“, er selbst habe weiterhin Lust auf John Wick und werde die Figur spielen, so weit ihn seine Füße tragen würden, sofern das Publikum danach verlange. Das scheint der Fall zu sein: Wenn man sich allein die für Hollywood wichtigen Einnahmen am US-Startwochenende anschaut, ist festzustellen, dass Teil 3 die beiden Vorgänger deutlich übertrumpft hat – das Interesse an John Wick ist also enorm gestiegen. Wenn wir den Gedanken einmal weiterspinnen, spricht nach einem etwaigen „John Wick – Kapitel 4“ nichts gegen Prequels à la „John Wick – Der erste Auftrag“ und „John Wick – Der Aufstieg“. Immerhin wurde John Wick schon als Möchtegern-Ruheständler als der Beste seines Fachs geschildert, da bietet ein Blick auf seine aktive Laufbahn einige Möglichkeiten. Das ist jetzt aber wirklich spekulativ, die Filmtitel entspringen einzig meiner Fantasie. Bleiben wir vorerst bei „John Wick – Kapitel 3“, der angetan ist, in Actionfans, die die beiden Vorgänger mögen, Begeisterung hervorzurufen. Insgesamt ist zu konstatieren: Und Action! Aber sowas von.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Laurence Fishburne und Keanu Reeves sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Durch die Wüste

Länge: 130 Min.
Altersfreigabe: FSK 18
Originaltitel: John Wick: Chapter 3 – Parabellum
USA 2019
Regie: Chad Stahelski
Drehbuch: Derek Kolstad, Shay Hatten, Chris Collins, Marc Abrams
Besetzung: Keanu Reeves, Halle Berry, Laurence Fishburne, Mark Dacascos, Asia Kate Dillon, Lance Reddick, Jason Mantzoukas, Anjelica Huston, Ian McShane
Verleih: Concorde Filmverleih GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Concorde Filmverleih GmbH

 

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Ant-Man and the Wasp – Das große Krabbeln kehrt zurück

Ant-Man and the Wasp

Kinostart: 26. Juli 2018

Von Lutz R. Bierend

Fantasy-Action // Zugegeben: „Ant-Man“ war nie ein Comic, dessen Verfilmung ich entgegengefiebert habe. Zwar versprachen die heutigen technischen Möglichkeiten einige authentischere Einblicke in das Leben als ameisengroßes Wesen, als dies bei einem Klassiker wie Jack Arnolds „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“ 1957 realisierbar war, aber allein von Effekten kann heutzutage an sich kein Film mehr leben. Auch „Das große Krabbeln“ von Pixar musste mehr abliefern als lediglich eine Optik, die wirklich das Gefühl vermittelte, mit millimetergroßen Kameras aufgenommen worden zu sein.

Superheld mit Unterhaltspflicht

Trotzdem überraschte „Ant-Man“ 2015 auf angenehme Weise. Nicht nur vermittelte dessen erster Schrumpfgang in der heimischen Dusche vor allem in 3D wirklich das Gefühl, wie bedrohlich eine laufende Dusche in dieser Größe sein kann, auch erzählte er für einen Marvel-Film eine relativ unaufgeregte Geschichte von einem verantwortungslosen Mann, der ein verantwortungsvoller Vater sein möchte, was sich ebenfalls in der Beziehung zwischen dem von Michael Douglas gespielten Henry Pym zu seiner Tochter Hope (Evangeline Lilly) widerspiegelte. Und auch wenn man die Wandlung vom Saulus zum fürsorglichen Familienvater inzwischen aus jedem zweiten Roland-Emmerich-Film kennt, war dies im Marvel Cinematic Universe ein Novum. Welcher Superheld hatte schon ein Kind und musste sich mit Problemen wie Umgang und Unterhaltszahlungen beschäftigen?

Auf ins Quantenreich – die Frau wartet

Auch wenn im ersten Teil bei der Verhinderung der kommerziellen kriegerischen Nutzung des Schrumpfvorgangs im weiteren Sinne die Welt gerettet wurde, passierte dies auf einer sprichwörtlich kleinen Bühne. Ohne gigantische Monster, Aliens oder andere übermächtige Superschurken, die zurück ins Weltall geschossen werden mussten. Das verlieh dem ersten Teil eine gewisse Originallität. Auch war das Marvel Cinematic Universe eher eine Randerscheinung, die gerade mal ins Spiel kam, als der von Paul Rudd verkörperte Scott Lang alias Ant-Man in ein streng geheimes Avengers-Gebäude einbrechen und dabei den Falcon überwinden muss. Doch seit „The First Avenger – Civil War“ ist Ant-Man ein freier Mitarbeiter der Avengers und „Ant Man and the Wasp“ schließt an den verloren „Bürgerkrieg“ der Avengers auf dem Leipziger Flughafen an.

Hausarrest für Ant-Man

Scott Lang hat wegen seines Einsatzes für Captain America Hausarrest und darf seinen Garten nicht verlassen eine elektronische Fußfessel stellt das sicher. Zum Glück sind seine Ex-Frau und ihr neuer Mann wesentlich umgänglicher, seit Scott im ersten Teil der gemeinsamen Tochter Cassie das Leben gerettet hat. In Teil 2 braucht er nicht einmal mehr Unterhalt zu zahlen, um Umgang mit seiner Tochter zugestanden zu bekommen, aber natürlich passiert es beim Spielen an der auf dem Grundstück aufgebauten Erlebnistour schon mal, dass Scott mit dem Fuß durch den Gartenzaun bricht und einen Großeinsatz des FBI auslöst.

Sieht eigentlich ganz nett aus, versolt den Helden aber gehörig den Hintern: Ghost (Foto: Ben Rothstein)

Henry Pym musste in den Untergrund gehen, nachdem er zur Vernichtung der Yellowjackets das ganze Firmengebäude von Cross Technological Enterprises in Schutt und Asche gelegt hatte. Nachdem es Ant-Man im ersten Teil gelungen war, die Endlosschrumpfung ins Quantum Realm (Quantenreich) durch Modifikation seines Anzugs rückgängig zu machen, sind Pym und seine Tochter Hope besessen von der Idee, seine 1987 im subatomaren Quantenreich verlorene Frau wiederzufinden und ebenfalls zurückzuholen. Lilly darf als Wasp inzwischen den Prototypen ihres Anzugs tragen. Sein Laborgebäude hat Scott dank der Pym-Partikel auf Handkoffergröße geschrumpt, und er schafft es tatsächlich, einen Tunnel zur subatomaren Ebene aufzubauen – der erweist sich aber als noch nicht stabil.

Waffenhändler will Pym-Partikel stibitzen

Von hier an kann man sich eigentlich eine weitere Inhaltsangabe sparen, denn die Geschichte verläuft in der Dramaturgie eines mittelmäßigen Videospiel-Adventures. Besorge die notwendige Energiequelle! Vermeide es, dabei vom FBI erwischt zu werden! Vermeide es, vom betrügerischen illegalen Waffenhändler um deine Pym-Partikel gebracht zu werden, und vermeide die unbesiegbar erscheinende Ghost (Hannah John-Kamen), die die Energie des Quantenreiches zur Lösung ihrer persönlichen Probleme anzapfen will!

The Wasp greift ein (Foto: Ben Rothstein)

Leider fehlt dem Film alles, was den ersten „Ant-Man“ besonders gemacht hat. Langs Wunsch, seiner Tochter ein Vater zu sein, ist nur noch ein Vehikel, um Witze darüber zu machen, wie das FBI an der Nase herumgeführt wird. Die ironischen Spielereien mit dem Perspektivwechsel zwischen Ameisengröße (in welcher der Zweikampf zwischen Yellowjacket und Ant-Man auf der Spielzeug-Eisenbahn ein großes Actionsspektakel war), und der Außenperspektive (wo nur ein paar Lichter aufblitzen, während „Thomas, die kleine Eisenbahn“ gemütlich ihre Runden im Kinderzimmer dreht), fallen komplett unter den Tisch.

Wie geht es weiter?

Wenn Evangeline Lilly es in der Presse als feministische Errungenschaft feiert, dass „Ant-Man and the Wasp“ der erste Marvel-Film ist, bei dem eine weibliche Superheldin im Titel auftaucht, dann ist man geneigt, patriarchale Verschwörungstheorien zu entwickeln, weil die männlichen Macher dafür kein inspirierteres Drehbuch zur Verfügung gestellt haben. Bedauerlich, denn Lilly macht ihre Rolle als Superheldin äußerst anständig und ist als Superheldin fast überzeugender als Paul Rudd in der zweiten Titelrolle. Will man der Gerüchteküche des Internets glauben schenken, ist der Zweck des offenen Endes von „Ant-Man and the Wasp“ (Spoiler-Warnung für alle die „Avengers – Infinity War“ noch nicht gesehen haben,) eine Hintertür zu finden, damit es auch nach dem zerstörerischen Finale von „Avengers – Infinity War“ einen weiteren „Spider-Man“- oder „Doctor Strange“-Film geben kann.

Manchmal kommt es doch auf die Größe an

Das Marvel Cinematic Universe gestaltet sich langsam zu einer großen Fernsehserie, bei der jeder einzelne Marvel-Film wie eine Folge innerhalb dieser Serie behandelt wird. Leider ist „Ant-Man and the Wasp“ eine der belangloseren Folgen, die man eigentlich nur sehen muss, weil das Ende vielleicht eine Bedeutung für die nächste Folge hat und im zweiten Teil von „Avengers – Infinity War“ wichtig wird. Im Fernsehen oder bei Netflix mag man solche uninspirierten Episoden verschmerzen, aber wenn man für so eine Folge den Preis einer Kinokarte bezahlen soll, muss man es sich genau überlegen, ob man sich nicht doch auf die Zusammenfassung in der nächsten Folge beschränken sollte. Sollten die Gerüchte wahr sein, wird es diese sicherlich in „Infinity War 2“ geben und wenn sich dessen Macher auf den relvanten Inhalt von „Ant-Man and the Wasp“ beschränken, wird das keine fünf Minuten dauern. In der gesparten Zeit und mit dem gesparten Geld kann man lieber mit seinen Kindern ein Eis essen gehen. Das ist bei diesem Wetter unterhaltsamer.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Michael Douglas und Laurence Fishburne sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Ein schlagkräftiges Team

Länge: 118 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Ant-Man and the Wasp
USA 2018
Regie: Peyton Reed
Drehbuch: Chris McKenna, Erik Sommers, Paul Rudd, Andrew Barrer, Gabriel Ferrari
Besetzung: Paul Rudd, Evangeline Lilly, Michael Peña, Walton Goggins, Bobby Cannavale, Judy Greer, Michelle Pfeiffer, Laurence Fishburne, Michael Douglas
Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Copyright 2018 by Lutz R. Bierend

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 Disney / Marvel Studios (Fotos: Ben Rothstein)

 

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John Wick – Kapitel 2: Leichen pflastern seinen Weg

John Wick – Chapter 2

Von Andreas Eckenfels

Actionthriller // „Hast du ,John Wick‘ gesehen?” So schallte es Anfang 2015 aus allen Ecken. Selbst dem Genre ansonsten eher weniger zugeneigte Filmfreunde zeigten sich von dem brutalen, aber auch coolen Rachethriller begeistert. Ein Garant für den Erfolg war Keanu Reeves, der mit der ikonischen Titelrolle ein lang herbeigesehntes Comeback feiern konnte. Nachdem „John Wick“ quasi über Nacht zum Kultfilm avancierte, war schnell klar, dass die Geschichte des stoischen und stets adrett gekleideten Auftragkillers noch lange nicht zu Ende erzählt ist.

Neuer Hund, neues Haus, alte Probleme

Die Fortsetzung setzt kurz nach dem Ende des ersten Teils ein: John Wick holt sich seinen heiß geliebten Ford Mustang zurück, dessen Diebstahl die vorigen Ereignisse erst in Gang setzte. Das Gefährt ist noch im Besitz von Abram (Peter Stormare), dem Bruder von Viggo Tarasov, der der Oberbösewicht im Vorgänger war und von dem leider gerade überraschend verstorbenen Michael Nyqvist dargestellt wurde. Abram weiß, dass es kein gutes Ende nehmen wird, wenn man sich Wick zum Feind gemacht hat. Mit seinen Worten trägt er selbst zur Legendenbildung des Killers bei und sorgt bei seinen Untergebenen für schlotternde Knie. Er soll recht behalten. 15 Filmminuten und etliche Leichen später hat Wick seinen Ford Mustang wieder. Da er den Wagen ebenfalls als Waffe einsetzen musste, ist dieser zwar fast schrottreif. Doch Aurelio (John Leguizamo), einer seiner wenigen Freunde, wird ihn in seiner Werkstatt schon wieder flottkriegen.

John Wick ist wieder auf den Hund gekommen

Zeit für eine Atempause bleibt dem Killer allerdings nicht. Der erhoffte Ruhestand mit seinem neuen Hund im frisch erworbenen neuen Eigenheim währt nicht lange. Denn Santino D’Antonio (Riccardo Scamarcio) steht plötzlich an seiner Türschwelle und erinnert Wick an einen alten Blutschwur, den er noch nicht abgegolten hat. Der Gangsterboss will seine Schwester Gianna (Claudia Gerini) umbringen lassen, damit er selbst an die Spitze eines international agierenden Verbrechersyndikats gelangt. Der Kodex der geheimen Killervereinigung macht es Wick unmöglich, den Auftrag abzulehnen. Also reist er nach Rom, um seinen vermeintlich letzten Mord zu begehen …

Regeln und Rituale

Auch wenn die 119 Leichen aus dem Erstling nicht ganz erreicht werden, liegt der Body Count im zweiten Kapitel mit 116 Opfern nur unwesentlich darunter. Es bleibt aber nicht der einzige Punkt, bei dem die Fortsetzung dem Vorgänger stets ein klein wenig unterlegen ist. Nicht nur aufgrund der beinharten Feuergefechte zog „John Wick“ in seinen Bann. Vielmehr waren es die frischen Ideen rund um die Regeln und Rituale, die innerhalb der Killervereinigung gelten. Das Hotel „The Continental“, in welchem sich die Profimörder einquartieren können; Golddukaten, die als Zahlungsmittel fungieren – solche Einfälle faszinierten. Zwar erfahren wir in der Fortsetzung etwas mehr von dieser geheimen Parallelwelt, in der die Worte Blut und Ehre eine enorme Bedeutung besitzen, dennoch geht der Überraschungseffekt etwas verloren. Nach dem oben beschriebenen fulminanten Auftakt von „John Wick – Kapitel 2“ muss man sich erstmal auf etwas Leerlauf einstellen.

Der Killer tut bald wieder das, was er am besten kann

Doch keine Sorge, sie ist nicht von langer Dauer. Nachdem unser neuer Lieblingskiller sein Zielobjekt in Rom ausgeschaltet hat, ist es mit der Ruhe vorbei. Da Wick seine Schwester getötet hat, setzt ausgerechnet D’Antonio ein Kopfgeld von sieben Millionen Dollar auf ihn aus. Bei solch einer Summe sagt keiner seiner professionell ausgebildeten Kollegen „Nein“. Wick ist nirgends mehr sicher, jede Sekunde muss er mit dem nächsten Angriff rechnen. In Zwischenschnitten und Parallelmontagen stellen sich Wick pausenlos Gegner in den Weg. Von den kompromisslosen Schusswechseln, die aus kürzester Distanz mit voller Härte geführt werden und die mit perfekt choreografierten „Gun Fu“-Kampfszenen gewürzt sind, bis hin zum finalen Endkampf in einem Museum mit Spiegelkabinett werden die Erwartungen an ein stylisches Actionfest erfüllt.

Stahelski vereint die „Matrix“-Stars

Allerdings: Obwohl all diese Szenen auf einem hohen Niveau liegen und in schnellem Tempo vorgetragen werden, fehlt es ein wenig an Abwechslung. Selten legt Wick mal seine Waffe beiseite und nutzt beispielsweise einen Bleistift als Tötungsinstrument. Ein wenig mehr Auto-Action wie im ersten Teil hätte ich mir ebenfalls gewünscht. Auch interessante Figuren wie die stumme Killerin Ares (Ruby Rose) kommen angesichts der Fülle an gesichtslosen Gegnern leider viel zu kurz. Von den zahlreichen Fights bleibt nur der lange Zweikampf mit seinem hartnäckigsten Widersacher Cassian (Common) im Gedächtnis, der zunächst in Rom, später in den Straßen von New York ausgetragen wird und im Waggon einer U-Bahn stichhaltig endet.

Kollege Cassian erweist sich als Wicks härtester Gegner

Immerhin ließ es sich Chad Stahelski nicht nehmen und organisierte eine kleine „Matrix“-Reunion. Der Regisseur selbst fungierte in der bahnbrechenden Science-Fiction-Trilogie als Stunt-Double von Keanu „Neo“ Reeves. Im zweiten „John Wick“ ist nun auch Lawrence „Morpheus“ Fishburne in der Rolle von Bowery King mit von der Partie, der dem verfolgten Auftragskiller aus der Patsche hilft.

Bowery King unterhält ein Netzwerk aus Brieftauben und Bettlern in New York

Vielleicht liegt es daran, dass es sich bei „John Wick – Kapitel 2“ um einen Mittelteil handelt, dass es an den ganz großen Höhepunkten mangelt, weil sich die Macher diese für den bereits bestätigen dritten und vermutlich finalen Teil aufheben wollen. Nach der Filmtrilogie könnte die „John Wick“-Welt noch weiterleben: Derzeit wird über eine TV-Serie nachgedacht, in der die Ereignisse rund um die weltweite „The Continental“-Hotelkette als Dreh- und Angelpunkt dienen.

Wird D’Antonio die Rache von John Wick zu spüren bekommen?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Laurence Fishburne, Franco Nero und Keanu Reeves sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 27. Juni 2017 als 4k-UHD, Blu-ray, Blu-ray im limitierten Steelbook und DVD

Länge: 123 Min. (Blu-ray), 118 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: John Wick – Chapter 2
USA/HK/IT/KAN 2017
Regie: Chad Stahelski
Drehbuch: Derek Kolstad
Besetzung: Keanu Reeves, Riccardo Scamarcio, Ian McShane, Ruby Rose, Common, Lance Reddick, Laurence Fishburne, Claudia Gerini, John Leguizamo, Peter Stormare, Franco Nero
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Keanu Reeves und Chad Stahelski, entfallene Szenen, RetroWick: Der unerwartete Erfolg von John Wick, John Wick im Training, Wick-vizzed, Die Verbrecherwelt des John Wick, Freunde und Vertraute: Kenaus und Chads Zusammenarbeit, Car Fu zum Mitfahren, Kameratest: Entwicklung einer Kampfszene, Wicks „Werkzeugkiste“, Mitgezählt, Wicks Hund, deutsche Kinotrailer, Original Kinotrailer
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshots: © 2017 Concorde Home Entertainment

 

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