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Die Bounty (1984) – Meuterei auf hoher See

The Bounty

Von Lucas Gröning

Abenteuer // Im Jahre 1787 stach der britische Dreimaster „HMS Bounty“ unter der Führung von Lieutenant William Bligh in See und machte sich auf eine Reise durch die Südsee. Das Schiff und seine Crew sollten Stecklinge des Brotfruchtbaumes von Tahiti zu den Antillen bringen, deren Früchte als Nahrungsmittel für die von der britischen Regierung gehaltenen Sklaven vorgesehen waren. Während des langen Trips lief einiges aus dem Ruder, sodass es 1789 auf der Rückfahrt des Schiffes zur Meuterei unter der Führung des Oberbootsmanns Fletcher Christian kam, in deren Folge William Bligh gemeinsam mit 18 weiteren Crewmitgliedern von den Meuterern ausgesetzt wurde. Mit diesen gelang dem Lieutenant eine außergewöhnliche Leistung: Er und seine Leute legten 3.600 Seemeilen von Tonga bis Timor zurück und schafften es so, in ihre britische Heimat zurückzukehren. Teile der Meuterer wiederum besiedelten die entlegene Südseeinsel Pitcairn und versteckten sich so vor der britischen Regierung.

Drei große Kinoversionen der Meuterei

Die Geschichte von William Bligh, der „Bounty“ und der Meuterei diente als Vorlage für zahlreiche künstlerische Darstellungen. Die älteste davon ist wohl die Kurzgeschichte „Les Révoltés de la Bounty“ aus dem Jahre 1879 von Jules Verne. Später wurde diese Geschichte von den Autoren Charles Nordhoff und James Norman Hall zu einer Buchtrilogie ausgebaut. Diese Reihe stammt aus den 1930er-Jahren und umfasst die Titel „Meuterei auf der Bounty“ (1932), „Männer gegen das Meer“ (1933) und „Pitcairns Insel“ (1934). Die Buchtrilogie wiederum lieferte die Vorlage für die wohl bekanntesten Filmumsetzungen zu diesem historischen Ereignis: 1935, ein Jahr nach Veröffentlichung des letzten Romans, inszenierte Regisseur Frank Lloyd, welcher 1942 als Produzent mit Alfred Hitchcock an „Saboteure“ zusammenarbeitete, die Umsetzung „Meuterei auf der Bounty“ mit den Oscar-Preisträgern Charles Laughton („Das Privatleben Heinrichs VIII.“, „Spartacus“) und Clark Gable („Es geschah in einer Nacht“, „Vom Winde verweht“). 1962 folgte unter Lewis Milestone („Frankie und seine Spießgesellen“) eine gleichnamige Zweitverfilmung mit Hollywood-Legende und Academy-Award-Gewinner Marlon Brando („Der Pate“, „Apocalypse Now“) und Trevor Howard („In 80 Tagen um die Welt“, „Gandhi“). Die dritte große Kinoumsetzung des Stoffs schließlich stammt aus dem Jahr 1984, trägt den Titel „Die Bounty“ und basiert auf dem Buch „The Bounty“ von Richard Hough aus demselben Jahr. In dieser Verfilmung von Regisseur Roger Donaldson („No Way Out“, „Cocktail“) werden die beiden Hauptfiguren von den Oscar-Preisträgern Anthony Hopkins („Das Schweigen der Lämmer“, „Was vom Tage übrig blieb“) und Mel Gibson („Braveheart“, Lethal Weapon“) verkörpert. Diese bislang letzte große Verfilmung des Stoffs soll Gegenstand des vorliegenden Textes sein.

Der zahme Kapitän

Bleiben wir zunächst bei der logischerweise größten Gemeinsamkeit aller drei Verfilmungen: dem Plot. Bei der Inszenierung eines historischen Ereignisses sind die Freiheiten einer Filmcrew in der Regel recht begrenzt. Dementsprechend ähnlich sind sich die Drehbücher, dementsprechend gering fallen die Unterschiede in der Geschichte aus. Alle drei Filme eint somit die grundlegende Ausgangssituation: Lieutenant William Bligh (Hopkins) wird damit beauftragt, die angesprochenen Stecklinge zu transportieren. Sein erster Offizier Fletcher Christian (Gibson) unterstützt ihn dabei. In Folge der tyrannischen Herrschaft an der Bord der „Bounty“, welche sich vor allem durch übertriebene Strafen für kleinste Vergehen oder Undiszipliniertheiten auszeichnet, kommt es auf der Rückfahrt zur Meuterei, in deren Folge Bligh mit mehreren Männern ausgesetzt wird und die Reise über 3.600 Meilen nach Timor zurücklegt. Diese Story ist in allen drei Verfilmungen gleich. Doch es gibt einige entscheidende Aspekte, die die 1984er-Version anders macht.

Bligh und Christian segeln zunächst Seite an Seite

So wird die Haupthandlung in Donaldsons Film von einer Rahmengeschichte begleitet. In dieser steht Lieutenant Bligh bereits nach seiner Heimkehr vor Gericht und muss sich dafür verantworten, warum sein Schiff einer Meuterei zum Opfer fiel. Er muss sich also rechtfertigen, seine Führungsqualitäten werden von den zuständigen Richtern infrage gestellt. Diese Verhandlung dient dazu, die Schuldfrage zu beantworten und uns Zuschauern die Frage zu stellen, wem wir selbst die Schuld an der Eskalation geben. Ist diese Frage in den vorherigen beiden Filmen eindeutig zu beantworten, können wir uns bei Donaldsons Adaption nicht sicher sein, was einem anderen wichtigen Herausstellungsmerkmal im 1984er-Film geschuldet ist: Im Gegensatz zu den anderen beiden Filmen erscheint William Bligh nämlich zu Beginn, bis zur Landung auf Taiti, als besonnener Mensch, über den wir auch recht viele Hintergrundinformationen erfahren. So wissen wir nach der Einführung, dass er sehr ehrgeizig ist und in der königlichen Marine eine steile Karriere anstrebt und außerdem, dass er eine Frau hat, die in der Heimat auf ihn wartet. Er und Christian werden hier zunächst als alte Freunde dargestellt. Zwischen ihnen besteht eine Beziehung, die derart innig ist, dass Bligh Christian unbedingt als seinen Ersten Offizier auf der Reise dabei haben will. Und auch auf der Reise selbst deutet sich zunächst nicht an, dass Bligh zu eben jenem Tyrann werden könnte, der er in den vorangegangenen Filmen ist, womit auch kein Grund vorhanden wäre, dass die Crew gegen ihn meutern könnte. Zwar ist Bligh auch in dieser Verfilmung ein Kapitän, der Undiszipliniertheiten durchaus bestraft und Wert auf autoritäre Führung legt, doch ist er zunächst weit entfernt davon, ein wirklich unfairer und tyrannischer Herrscher über sein Schiff zu sein.

Zwei Positionen

Vielmehr ist es seine Mannschaft, durch die er sich im Verlaufe der Geschichte zu eben jenem entwickelt. Das Gebilde seiner Crew wirkt von Beginn an instabil und weist antiautoritäre Tendenzen auf. So machen sich die Mitglieder beispielsweise hinter dem Rücken ihrer Vorgesetzten immer wieder über diese lustig. Dieses Antiautoritäre ist dabei zunächst nicht besonders schädlich, jedoch gibt es auch unter den ranghöheren Mitgliedern der Gruppe Individuen, denen dies auffällt und die versuchen, ihre Macht mit entsprechender Strenge zu erhalten. Repräsentiert wird diese Strenge vor allem durch den Steuermann John Fryer (Daniel Day-Lewis), der gegen Undiszipliniertheiten besonders rigoros vorgeht und dafür von Bligh zu Beginn auch nicht besonders geschätzt wird. Ihm gegenübergestellt wird Charles Churchill (Liam Neeson), welcher Teil der Crew ist und sich als besonders aufmüpfig herausstellt. In diesen beiden haben wir die zwei Extrempositionen vertreten, deren Aufeinanderprallen schlussendlich dazu führt, dass es auf der Bounty zur Eskalation kommt. Bligh und Christian hingegen repräsentieren eine vermittelnde Position zwischen den beiden Extremen, wodurch die Crew zunächst noch zusammengehalten wird.

Die Landung auf Tahiti ändert alles

Dies ändert sich mit der Ankunft in Tahiti, wo die Mannschaft für mehrere Monate bleiben muss. Das freie und unbeschwerte Leben auf der Insel wird hier als krasser Gegenentwurf zu dem autoritären Regiment gezeigt, aus dem die Briten kommen. Alles ist so frei und unbeschwert. So verlieben sich diverse Crewmitglieder mit der Zeit in tahitische Frauen, was dazu führt, dass sie die Insel nicht mehr verlassen wollen. Hier findet eine Verstärkung des antiautoritären Gedankenguts der niederen Ränge statt, was im Konflikt mit der Tatsache steht, dass sie sich nach wie vor im Dienst der britischen Marine befinden. Auch Fletcher Christian wird mit der Zeit von dem Leben auf der Insel angesteckt, er verliebt sich in eine der dort lebenden Frauen, welche von ihm sogar schwanger wird. Somit ist es tatsächlich die Liebe, die ihn aus den strengen Strukturen der Briten löst und dafür sorgt, dass er sich mit den übrigen Crewmitgliedern solidarisiert.

Bligh hingegen wirkt im Umfeld der Tahitianer wie ein Fremdkörper. Während die meisten Besatzungsmitglieder sich längst den lockeren Strukturen angepasst haben, die auf der Insel herrschen, besteht Bligh nach wie vor darauf, dass dieselben Regeln gelten wie auf dem Schiff. Dies wird besonders durch seine Kleidung deutlich. So ist er einer der Wenigen, die ihre Uniform nach wie vor tragen, was in der Umgebung zahlreicher halbnackter und ungepflegter Menschen vollkommen lächerlich und überzogen wirkt. Zugleich ist es gerade diese Nacktheit und offen zur Schau getragene Sexualität, die dem Kapitän fremd vorkommt. Während er sich durch ein Erinnerungsbild seine in der Heimat zurückgelassene Frau ins Gedächtnis ruft, die in der fernen Heimat auf ihn wartet, lebt seine Crew ihre Sexualität ohne Hemmungen aus. So ist es unmöglich für Bligh, selbst auch nur annährernd sexuell befriedigt zu werden, während um ihn herum alle Menschen Freiheiten ausleben, die sie bisher auf ihrer Reise nicht hatten. Dieser Faktor ist es, der ihn schlussendlich zu jenem Tyrann macht, der von der Mannschaft, angeführt von Fletcher Christian, im Verlaufe der Meuterei abgesetzt wird.

Unspektakuläre Kameraarbeit

Die Geschichte bietet somit tatsächlich psychologisch interessante Aspekte, die die beiden vorangegangenen Filme ausgeklammert haben. Insbesondere diese Aspekte machen Donaldsons Regiearbeit zu einem sehr guten Film. Die fantastischen schauspielerischen Leistungen einer Riege großartiger Darsteller tun ihr Übriges dazu. „Die Bounty“ weist jedoch auch kleinere Schwächen auf. Zuerst genannt sei ein Aspekt, für den der Film selbst relativ wenig kann: Wenn man mit den Ereignissen rund um die historische Meuterei auf der „Bounty“ vertraut ist, fällt es relativ schwer, gespannt und aufmerksam am Ball zu bleiben. Donaldsons Werk tut sich dahingehend relativ schwer, Spannung aufzubauen, diese konstant über die volle Länge zu halten und sich weit genug vom historischen Ereignis abzusetzen. Auch aus handwerklicher Sicht bietet seine Regiearbeit Anlass zur Kritik: So sind die Bilder insgesamt doch eher unspektakulär und bleiben nicht besonders nachhaltig im Gedächtnis hängen. Kameramann Arthur Ibbetson („Agenten sterben einsam“) hat hier wenige wirklich kreative Einstellungen gefunden, sodass sich der Film zu keinem Zeitpunkt fundamental von anderen großen Werken abhebt, in denen es um Seefahrten geht. Auch das Piratengenre hätte hier als Inspirationsquelle dienen können, klare Verweise sucht man jedoch vergebens. So bleibt der Film durch die hervorragende Charakterzeichnung zwar sehr gut, bietet jedoch davon abgesehen, sowohl filmhistorisch als auch im Kontext zu den vorangegangenen Werken rund um die Meuterei auf der „Bounty“ wenig Erfrischendes.

Bald kommt es zur Eskalation

Ccapelight pictures hat das Werk kürzlich im Mediabook-Format veröffentlicht. Die gewohnt sorgfältig prpduzierte Edition enthält den Film als Blu-ray und DVD. Geschichtsinteressierte Rezipienten finden im Booklet eine genaue Beschreibung der realen historischen Ereignisse sowie eine Passage, in der auf die historische Genauigeit der Filmumsetzungen eingegangen wird. Die Neuveröffentlichung ergibt Sinn, da die 2007 von Twentieth Century Fox Home Entertainment veröffentlichte DVD des Films inzwischen vergriffen ist. Parallel zum Mediabook hat capelight „Die Bounty“ auch einzeln neu auf DVD herausgebracht. Löblich, da trotz des mittlerweile nicht mal mehr neuen Formats Blu-ray DVDs nach wie vor nachgefragt werden.

Die bei „Die Nacht der lebenden Texte vorgestellten filmischen Adaptionen der Meuterei:

Die Bounty (USA 1984)
Meuterei auf der Bounty (USA 1962)
Meuterei auf der Bounty (USA 1935)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Daniel Day-Lewis, Mel Gibson, Anthony Hopkins, Liam Neeson und Laurence Olivier sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

17. Mai 2019 als 2-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD) und DVD, 5. Februar 2007 als DVD

Länge: 141 Min. (Blu-ray), 135 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Bounty
USA 1984
Regie: Roger Donaldson
Drehbuch: Robert Bolt
Besetzung: Mel Gibson, Anthony Hopkins, Laurence Olivier, Edward Fox, Daniel Day-Lewis, Bernard Hill, Phil Davis, Liam Neeson
Label 2019: capelight pictures
Vertrieb 2019: Al!ve AG
Label/Vertrieb 2007: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2019 by Lucas Gröning

Szenenfotos & Packshot DVD: © 2019 capelight pictures

 

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Hard Powder – Blutige Racheorgie im Schnee

Cold Pursuit

Kinostart: 28. Februar 2019

Von Iris Janke

Actionthriller // In den Bergen der Rock Mountains türmt sich der Schnee meterhoch rechts und links der Straße. Dafür, dass die Bewohner des kleinen Örtchens Kehoe trotz des vielen Schnees von A nach B kommen, sorgt Schneepflugfahrer Nels Coxman (Liam Neeson). Und weil er zu den extrem pflichtbewussten Männern gehört, die die Straße Tag und Nacht räumen, wird er sogar zum „Bürger des Jahres“ gewählt. Coxman fühlt sich zwar geehrt, doch statt große Dankesworte zu schwingen, kehrt er gleich zum Tagesgeschäft in sein riesiges Räumfahrzeug zurück und genießt die Ruhe zwischen den weißen Schneebergen.

Schnee ist sein Element: Nels Coxman

Umso härter trifft es ihn, als er und seine Frau Grace (Laura Dern, „Wild at Heart“) von der Polizei ins örtliche Leichenschauhaus bestellt werden. Der Grund: Ihr gemeinsamer Sohn Kyle ist dort aufgebahrt, die beiden bekommen zu hören, Kyle sei an einer Überdosis gestorben. Beide sind fassungslos, können nicht glauben, dass ihr braver Sohn drogensüchtig gewesen sein soll und sie davon absolut nichts mitbekommen haben. Grace verfällt in tiefe Depression, Nels hingegen macht sich pragmatisch auf die Suche nach der Wahrheit. Schnell erfährt er, dass der Drogenboss Trevor „Viking“ Calcote (Tom Bateman, „Mord im Orient Express“) hinter dem Tod seines Sohnes zu stecken scheint, und startet einen blutigen Rachefeldzug, dessen Opfer originelle Spitznamen wie Speedo, Santa und Limbo tragen und auf Nimmerwiedersehen in der Schneeidylle verschwinden.

Hinter dem Steuer seines Schneepflugs blüht Coxman auf

Hauptdarsteller Liam Neeson, spätestens seit dem ersten „96 Hours“-Teil auf den wortkargen Rächer spezialisiert, schlüpft perfekt in die Rolle des eigenbrötlerischen Schneepflugfahrers, der im Original von Stellan Skarsgård gespielt wird – denn bei „Hard Powder“ handelt es sich um das US-Remake der norwegischen Thriller-Groteske „Einer nach dem anderen“ („Kraftidioten“, 2014) von Hans Petter Moland. Die Tatsache, dass Moland auch das US-Remake des blutigen Frost-Thrillers verfilmt hat, ist gut und schlecht zugleich. Moland sorgt dafür, dass „Hard Powder“ nicht wesentlich schlechter geworden ist als das norwegische Original, zugleich fehlt frischer Wind. Ein Schuss Ironie ist zweifelsohne auch im US-Remake enthalten, trotzdem wirkt der blutlastige Rachethriller mit an die 20 Toten zu Blockbuster-mäßig und weichgespühlt. Trotzdem gelingt Moland auch hier ein durchaus solider Film, und wer das Original nicht kennt oder es auch nicht sehen will, wird nichts vermissen. Schade nur, dass sich offenbar nach wie vor nur wenige US-Zuschauer dazu durchringen können, einem gelungenen ausländischen Film eine Chance zu geben und sich stattdessen Hollywood-Remakes vorsetzen lassen. Liegt das wirklich nur am Fehlen einer amerikanischen Synchronisationskultur?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Liam Neeson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Auf Drogenboss Viking (l.) hat es der trauernde Vater abgesehen

Länge: 119 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Cold Pursuit
GB/NOR/KAN/USA/F 2019
Regie: Hans Petter Moland
Drehbuch: Frank Baldwin
Besetzung: Liam Neeson, Emmy Rossum, Laura Dern, Tom Bateman, Julia Jones, Domenick Lombardozzi, William Forsythe, Elysia Rotaru, John Doman, Raoul Max Trujillo
Verleih: Studiocanal Filmverleih

Copyright 2019 by Iris Janke

Filmplakate, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Studiocanal Filmverleih

 

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Operation Chromite – Die Landung bei Incheon

In-cheon sang-ryuk jak-jeon

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // „Operation Chromite“ lautete der Codename für die Landung bei Incheon, ein Unternehmen im Koreakrieg. Im September 1950 gelang es alliierten Truppen unter dem Kommando von General Douglas MacArthur, einen Brückenkopf hinter den weit in Südkorea vorgedrungenen nordkoreanischen Verbänden zu bilden. Es war die erste Wende in dem verlustreichen Konflikt, der 1953 ohne Friedensvertrag endete und die Teilung Koreas zementierte.

General MacArthur hat einen Plan

Die südkoreanische Produktion „Operation Chromite“ wartet mit Liam Neeson in der Rolle MacArthurs sogar mit einem klangvollen US-Namen auf. Der Hollywood-Star („Silence“) ist allerdings offenkundig in erster Linie angeheuert worden, um die Chancen auf eine internationale Vermarktung zu verbessern. Er hat nicht allzu viel Bildschirmzeit, seine Szenen fallen nicht groß ins Gewicht, verteilen sich aber immerhin über die gesamte Lauflänge. Am nachhaltigsten in Erinnerung bleibt ein arg pathetischer Monolog, in dem MacArthur seine Motivation für die Operation begründet. Nicht gerade Neesons größte schauspielerische Glanzleistung, vielleicht war er mit dem typisch koreanischen Pathos nicht vertraut. Es zieht sich durch den gesamten Film, verstärkt durch den getragenen Score.

Colonel Lim Gye-jin ahnt das Bevorstehende

Im Mittelpunkt steht ohnehin ein anderer Soldat: Der südkoreanische Marine-Lieutenant Jang Hak-soo (Lee Jung-jae), ein Überläufer Nordkoreas, führt eine Gruppe Soldaten in verdeckter Operation hinter die feindlichen Linien, um die Landung bei Incheon vorzubereiten. Die Spione bleiben jedoch nicht lange unentdeckt.

Zwei Todfeinde treffen aufeinander

Die schmerzhafte Teilung des Landes ist im südkoreanischen Kino permanent Thema, ob im Actionthriller „Shiri“ (1999), in Park Chan-wooks formidablem Militärdrama „JSA – Joint Security Area“ (2000) oder dem umstrittenen „Silmido“ (2003) um eine geheime Einheit südkoreanischer Todgeweihter, die für ein Attentat auf den nordkoreanischen Diktator Kim Il-sung rekrutiert werden. Beide Landesteile mussten und müssen aufgrund der Teilung viele Opfer bringen, das zieht sich auch durch die filmischen Beiträge. „Operation Chromite“ macht da keine Ausnahme, der Blutzoll ist hoch, gestorben wird auf drastische Weise, unvermittelt und nebenbei, selten auch mit erhabenem Pathos. Die südkoreanischen Spione ahnen, dass sie Teil eines Himmelfahrtskommandos sind, das kaum einer von ihnen überleben wird.

Lieutenant Jang Hak-soo ist aufgeflogen

Auf der Gegenseite gibt Lee Beom-su als nordkoreanischer Colonel Lim Gye-jin eine herrlich gnadenlose und diabolische Figur ab. Das macht „Operation Chromite“ zwangsläufig zu einer arg einseitigen Betrachtung der Auseinandersetzung und gibt Anlass zu Kritik. Damit muss man umgehen können, dann entfaltet der etwas in der Farbsättigung reduzierte „Operation Chromite“ aber seine nicht zu bestreitende Wirkung als wuchtiges Kriegsgemälde.

Die Landung beginnt

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Liam Neeson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

MacArthur erweist einem Gefallenen die Ehre

Veröffentlichung: 20. Januar 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 111 Min. (Blu-ray), 106 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Koreanisch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Originaltitel: In-cheon sang-ryuk jak-jeon
Internationaler Titel: Battle for Incheon – Operation Chromite
KOR 2016
Regie: John H. Lee
Drehbuch: Man-Hee Lee
Besetzung: Liam Neeson, Lee Jung-jae, Lee Beom-su, Jeong Jun-ho, Jin Se-yeon, Mathew Darcy, Sean Dulake, Justin Rupple
Zusatzmaterial: u. a. Wendecover
Vertrieb: Splendid Film / WVG Medien GmbH

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Splendid Film / WVG Medien GmbH

 

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