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Schlagwort-Archive: Liebeskomödie

Howard Hawks (I): Leoparden küsst man nicht – Screwball in Perfektion

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Bringing up Baby

„Die Nacht der lebenden Texte“-Autor Simon hat Lust verspürt, ein paar Filme dieses großen Hollywood-Regisseurs vorzustellen, da bot sich eine kleine Reihe an.

Von Simon Kyprianou

Liebeskomödie // Howard Hawks‘ „Leoparden küsst man nicht“ gilt als eine der größten Screwball-Komödien überhaupt. Allerdings war der Film trotz guter Kritiken seinerzeit an den US-Kinokassen ein veritabler Flop, was der Regisseur in der Nachbetrachtung darauf zurückführte, dass darin keine normalen Menschen vorkämen. Wie in dem zwei Jahre später entstandenen „His Girl Friday – Sein Mädchen für besondere Fälle“ geht es um Menschen, die gerade dabei sind, das gesellschaftliche Ideal zu erfüllen, sich ihrer Rolle in der Gesellschaft zu ergeben: zu heiraten und eine Familie zu gründen bzw. zu heiraten und sich gemeinsam ganz der Arbeit hinzugeben.

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Susan bringt totales Chaos in Davids Leben

In der ersten Szene von „Sein Mädchen für besondere Fälle“ berichtet die weibliche Hauptfigur ihrem Ex-Ehemann und Arbeitgeber von ihrer am nächsten Tag angesetzten Eheschließung mit ihrem Verlobten. In der ersten Szene von „Leoparden küsst man nicht“ wird von der für den Folgetag geplanten Hochzeit der Hauptfigur Dr. David Huxley (Cary Grant) mit seiner Verlobten Alice (Virginia Walker) berichtet.

Katharine Hepburn – eine Frau wie ein Orkan

Natürlich findet keine dieser Hochzeiten wirklich statt, denn beide Filme tun alles um ihre jeweilige Hauptfigur davon abzuhalten. Sie wollen die Figuren mit aller Macht daran hindern, in ein ödes gesellschaftliches, konservatives Ideal einzutreten. Einen Tag vor den bevorstehenden Eheschließungen konfrontiert Hawks seine Figuren dann jeweils mit einer anderen, einer anarchischen Figur. Im Falle von „Leoparden küsst man nicht“ ist es die kesse Susan (Katharine Hepburn), die wie eine Naturkatastrophe über Davids Leben hinwegfegt. Sie zerstört praktisch die gesamte Existenz des Erdaltertumsforschers: sein Auto, sein Lebenswerk im Museum, seine Chance auf eine Spende in Millionenhöhe, am Ende wird ihn gar seine Ehefrau in spe verlassen.

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Die beiden landen sogar hinter Gittern

Susan terrorisiert David den ganzen Film über bis zur Verzweiflung. Schließlich sitzt er in den Trümmern seiner Existenz. Als ihn Susan erneut aufsucht, äußert er, sie habe sein ganzes Leben zerstört, aber er habe noch nie soviel Spaß gehabt wie in der gemeinsamen Zeit mir ihr. Die Gagdichte ist wahnwitzig, die Bedeutung von „Leoparden küsst man nicht“ für das moderne Komödienkino ist gar nicht hoch genug zu bewerten, aber es ist auch ein herausragender Liebesfilm: Die Liebe erscheint als brutale Katastrophe, die über die Menschen hinwegfegt und alles mit sich in den Abgrund reißen kann. Sie ist etwas schier Unbegreifliches, das man selbst vielleicht als grausam empfindet, aber doch nicht mehr missen will.

Maschinengewehr-Dialoge

Die Dialoge sind fantastisch geschrieben, die Wortwitz-Dichte ist derartig hoch, dass man davon schier überrollt wird. Vor allem aber können Hawks’ Schauspieler die Dialoge auch atemberaubend schnell, laut und hart vortragen. Man liest in diesem Kontext immer wieder von den sogenannten „Maschinengewehr-Dialogen“. Eine derartige Geschwindigkeit in den Dialogen – wie man sie etwa auch in Billy Wilders Komödien („Eins, Zwei, Drei“) findet – gibt es heute kaum mehr. Auch ist die Komik extrem physisch, „Leoparden küsst man nicht“ enthält unheimlich viel Slapstick – Grant scheint häufiger hinzufallen als zu laufen – und der titelgebende Leopard selbst ist natürlich ein wunderbares Mittel visueller Komik.

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Mal wieder zu Boden gegangen

Der deutsche Regisseur Christian Petzold („Yella“) sagte in einem Interview, er würde liebend gern eine Komödie wie „Leoparden küsst man nicht“ drehen, leider sei ein solches Projekt in Deutschland gar nicht realisierbar, die notwendigen Produktionsmittel (zum Beispiel einen Writers’ Room) gebe es hierzulande einfach nicht.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Howard Hawks sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 17. Oktober 2008 & 12. September 2000 als DVD

Länge: 97 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Bringing up Baby
USA 1938
Regie: Howard Hawks
Drehbuch: Hagar Wilde, Dudley Nichols
Besetzung: Cary Grant, Katharine Hepburn, Virginia Walker, May Robson, Walter Catlett
Zusatzmaterial: Starinfos, Filmdokumentation: „Ein verdammt gutes Leben – Howard Hawks“ von Hans-C. Blumenberg; Trailer, Wendecover
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment

Copyright 2016 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © Studiocanal Home Entertainment

 
 

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Ein himmlischer Liebhaber – Robert Downey jr. schlägt wiedergeboren über die Stränge

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Chances Are

Liebeskomödie // Pro-Prolog – das Jahr 1963: Louie Jeffries (Christopher McDonald) und Corinne (Cybill Shepherd) heiraten. Als Louies Trauzeuge fungiert Philip (Ryan O‘Neal), bester Freund der beiden – der Corinne natürlich ebenso liebt, aber ein anständiger Kerl ist.

Mittels Seelenwanderung zügig zurück auf die Erde

Prolog: Am Hochzeitstag offenbart Corinne ihrem Mann, dass sie schwanger ist. Kurz darauf ist Louie tot, beim Überqueren einer Straße hat er nicht aufgepasst und ist von einem Auto erfasst worden. Seine Seele landet in einer Zwischenwelt, wo er dermaßen herumquengelt, dass man ihm die sofortige Wiedergeburt als Sohn der Eheleute Finch genehmigt. Leider misslingt es, ihm die Spritze für das vollständige Vergessen seiner Vergangenheit zu verabreichen.

Riskant: Reinkarnation ohne Tilgung der Erinnerungen

Die Haupthandlung setzt 23 Jahre später ein: Yale-Absolvent Alex Finch (Robert Downey jr.) macht durch Zufall die Bekanntschaft von Philip, der sich nach wie vor vor Sehnsucht nach Corinne verzehrt. Die aber klammert sich an ihre verlorene Liebe. Parallel verliebt sich Alex in Corinnes und Louies Tochter Miranda (Mary Stuart Masterson). Als er im Hause Jeffries zu Gast ist, spuken ihm einige seltsame Erinnerungen im Kopf herum, bis ihm schließlich klar wird: Er ist die Wiedergeburt von Corinnes Ehemann Louie. Weil er dessen Seele in sich trägt, ist er auf eine sonderbar spirituelle Weise gleichzeitig Mirandas Vater. Die Verwicklungen nehmen ihren Lauf.

Ist das romantisch und amüsant? Auf eine etwas altbacken 80er-Jahre-Art und Weise sicherlich. Spielfreudige Stars ergehen sich in allerlei Albernheiten. Das gleitet bisweilen etwas zu sehr ins Klamaukige ab, etwa wenn Downeys Alex mit einer dicken und reichen Matrone eine kesse Sohle aufs Parkett legt, um ihr eine satte Spende für eine von Corinne organisierte Ausstellung im Museum aus dem Kreuz zu leiern.

Humor aus den 80ern

Von der zeitgenössischen Filmkritik ist „Ein himmlischer Liebhaber“ seinerzeit wohlwollend aufgenommen worden. Das lässt sich heute nicht mehr ganz halten, der dort gezeigte Humor ist doch etwas in die Jahre gekommen. Die Fantasy-Sequenz in der Zwischenwelt unmittelbar nach Louies Tod wirkt reichlich absurd. Lassen wir „Ein himmlischer Liebhaber“ als leidlich unterhaltsame Liebeskomödie mit Fantasy-Einschlag durchgehen. Fans von Robert Downey jr. können ihren Liebling mal blutjung genießen, sollten sich aber auf einige Overacting-Sequenzen einstellen.

Veröffentlichung: 28. August 2015 als DVD

Länge: 104 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Chances Are
USA 1989
Regie: Emile Ardolino
Drehbuch: Perry Howze, Randy Howze
Besetzung: Robert Downey jr., Cybill Shepherd, Ryan O’Neal, Mary Stuart Masterson, Christopher McDonald, Josef Sommer, Joe Grifasi, Henderson Forsythe
Zusatzmaterial: US-Kinotrailer, US-TV-Spot, Bildergalerie seltener Artworks, Wendecover
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Packshot: © 2015 Al!ve AG / explosive media

 

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Punch-Drunk Love – Der Rausch des Verliebtseins in strahlenden Bildern

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Punch-Drunk Love

Von Simon Kyprianou

He walks really funny, and his head is kind of funny, and his ears are a little bit funny and I haven’t seen you naked, but that might be funny, too. (Paul Thomas Anderson auf der Presse-Konferenz in Cannes 2002 über Adam Sandler)

Liebeskomödie // Er leitet eine Pümpel-Fabrik, seine sieben Schwestern gehen ihm auf die Nerven, er neigt zu Wutausbrüchen, ist gerade auf eine Telefonsex-Falle hereingefallen und wird damit von Dean Trumbell (Phillip Seymour Hoffman) erpresst. Barry Eagen (Adam Sandler) hat’s nicht leicht. Doch dann tritt Lena Leonard (Emily Watson) in sein Leben und er verliebt sich in sie.

Ein frivoler Tanz

Vom ersten Moment an ist „Punch-Drunk-Love“ ein Film der nicht stillsteht, ein frivoler, romantischer Tanz von Adam Sandler und Emily Watson, irgendwo zwischen dem Utopianismus von Billy Wilder und Jacques Tati. Die Farben strahlen, so das Blau von Sandlers Anzug und das Rot von Watsons Kleid. „Punch-Drunk-Love“ will genau so unmelodisch sein wie der hektische und nervenaufreibende Soundtrack, den Anderson exzessiv verwendet.

Die Hindernisse der Liebe

Es ist ein bizarrer, virtuoser Rausch der Gefühle. Man gewinnt den Eindruck, Paul Thomas Anderson gehe es gar nicht um eine Geschichte, sondern lediglich darum, das diffuse Gefühl des Verliebtseins zu visualisieren, den pulsierenden Tunnelblick des Verliebten, das Verschwimmen der Realität und um die surrealen Hindernisse, die sich der Liebe immer wieder in den Weg stellen. Zu Anfang trottet Adam Sandler herrlich tumb und betäubt durch die Geschichte. Erst später, wenn er sich verliebt, wacht er auf, füllt sich wieder mit Leben. Adam Sandler spielt das grandios.

Musik als Spiegel der Seele

Die Musik ist für Anderson ein narratives Element, mit der Musik erzählt er uns von den Seelenzuständen seiner Figuren, erzählt uns wie sie sich fühlen. Am Ende ist sie nicht mehr aufgekratzt und hektisch, sie ist zur Ruhe gekommen, genau wie der ganze Film. Die Liebenden sitzen ineinander verschlungen zusammen am Klavier und die Musik ist ganz zärtlich, leise und fragil-melodisch. Ein wunderschöner Film.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Paul Thomas Anderson sind in unserer Rubrik Regisseure aufgeführt, Filme mit Adam Sandler unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 2. Mai 2014 als DVD, 22. Oktober 2010 als Mediabook-DVD (Reihe „Große Kinomomente“)

Länge: 91 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Punch-Drunk Love
USA 2002
Regie: Paul Thomas Anderson
Drehbuch: Paul Thomas Anderson
Besetzung: Adam Sandler, Emily Watson, Philip Seymour Hoffman, Luis Guzmán, Rico Bueno
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Packshots: © 2010/2014 Universum Film / Senator Home Entertainment

 

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