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Marihuana – John Wayne jagt Kiffer-Kommunisten

Big Jim McLain

Von Ansgar Skulme

Krimi // Ein versierter Schmugglerring überflutet den amerikanischen Drogenmarkt mit Marihuana. Der Ermittler Jim McLain (John Wayne) und sein Partner Mal Baxter (James Arness) werden nach Hawaii geschickt, um die Drahtzieher zu finden und zu stoppen. Sommer, Sonne, Strand, Meer und schöne Frauen, eine idyllische Ruhe – gestört von Tätern, Mittätern und Opfern. McLain und Baxter führen Dutzende Gespräche und recherchieren was das Zeug hält, doch es wird weitere Opfer geben, bevor McLain endlich den Kopf der Bande stellt.

Als ich „Marihuana“ vor gut zehn Jahren das erste Mal gesichtet habe, war mir noch nicht bekannt, dass es sich eigentlich um einen Propagandafilm handelt, in dem gar keine Marihuana-Händler, sondern Kommunisten gejagt werden. Ein Film, wie er damals gut zu einem Zeitgeist passte, der von den Machenschaften des Komitees für unamerikanische Umtriebe, unter Federführung von Joseph McCarthy, geprägt war. Erst in der Synchronfassung wurden aus den Kommunistenjägern plötzlich Drogenfahnder – und das auch nicht nur in Deutschland, sondern zumindest auch in der italienischen Fassung.

Wenn man drüber lachen kann …

Für sich genommen, ohne die Hintergründe zu kennen, funktioniert die deutsche Fassung einigermaßen gut. Auch wenn die Erklärungen mit zunehmender Dauer des Films immer kurioser anmuten. Generalstabsmäßig organisierte Marihuana-Einfuhr, organisiert von feinen, älteren Herren in Anzügen – nur ein Faktor, der dem wachen Zuschauer komisch vorkommen müsste. Der Schauplatz Hawaii und die Regie von Edward Ludwig machen den Film aber zumindest ansehnlich. Zu Ludwig jedoch später mehr. Da sich John Wayne vom Film noir ansonsten bemerkenswerterweise völlig fernhielt, ist „Marihuana“ auch unter diesem Gesichtspunkt in gewisser Weise interessant, da die Gelegenheiten recht rar gesät sind, ihn in Krimis oder Thrillern zu sehen. Ein Faktor zumindest wenn man Fan des „Dukes“ ist, was einem angesichts solcher Produktionen wie „Big Jim McLain“ jedoch leicht vergehen kann. Wayne hatte zuvor zwar schon viele Westernhelden aus der angeblichen US-Geschichte, aber noch nie einen zeitgenössischen Gesetzeshüter in einem Film gespielt. Auch danach folgten seine nächsten Polizistenrollen erst in den 70er-Jahren, kurz vor Ende seiner Karriere.

Wenn man einmal weiß, was es mit diesem Werk eigentlich auf sich hat, gesellt sich der Faktor hinzu, dass manche Szenen ins Komische umschlagen, die eigentlich ernst gemeint waren, und dass andere Szenen ihre schon vorhandene Absurdität noch steigern. Unbezahlbar ist beispielsweise der Gastauftritt von Hans Conried als schräger, geistig etwas neben der Spur umherirrender Autor, der in der Originalversion davon berichtet, wie er angeblich vor Jahren selbst in die Kommunistische Partei eingetreten ist, um mehr über sie zu lernen, während er in der deutschen Version in herrlich abstruser, fahriger Weise davon berichtet, wie er anfing Marihuana zu rauchen, um die Wirkung der Droge an sich zu testen. Während diese Szene allerdings auch schon im Original komisch gemeint ist – im Deutschen lediglich noch wesentlich absurder wirkt –, gestaltet sich das bei dem Gastauftritt von Paul Hurst in der Rolle des Mr. Lexiter schon etwas anders: In seiner Szene im Original berichtet Lexiter davon, sein Sohn sei der Kommunistischen Partei beigetreten, er verrate den Sprössling deswegen an Jim McLain. Der Vater liefert den Sohn aus und rechtfertigt das mit seiner angeblichen Bürgerpflicht. McCarthy war bestimmt sehr stolz auf diese Szene!

In der Synchronfassung wird aus dem Sohn allerdings ein Opfer gemacht: Er soll Selbstmord begangen haben und dazu gezwungen worden sein, da er in den Drogenhändler-Kreisen an die falschen Leute geraten sei. Als der Vater in dieser Version vom Wiedersehen mit seinem Sohn, nachdem dieser drogenabhängig geworden war, berichtet, entspannt sich ein Dialog zwischen Paul Hurst und John Wayne, der in beiden Versionen in gewisser Weise sicherlich dramatisch wirken mag, allerdings ziemlich komisch ist, wenn man weiß, dass die deutsche Fassung inhaltlich improvisiert wurde: Als John Wayne sich näher nach dem Vater/Sohn-Treffen erkundigt, bekommt er alberne Antworten wie, dass auffällig gewesen sei, dass der Sohn während des Beisammenseins sehr viel geraucht habe; als Wayne nachhakt, wird über den merkwürdigen Geruch des Rauchs philosophiert. Die Szene ist unter diesem Gesichtspunkt ein Paradebeispiel für unfreiwillige Komik – die in dem Falle noch nicht einmal in der deutschen Fassung so intendiert war, letztlich aber trotzdem entsteht.

Wie umständlich man in der deutschen Fassung versuchte, der neuen Story irgendwie Sinn zu geben, erweist sich unter anderem, als Paul Hurst den Ermittlern ein Foto in der Zeitung präsentiert, das im Original seinen filmischen Sohn zeigt, der sich nun für die Kommunistische Partei engagiert, aber seinen Namen geändert hat, woraufhin sein Filmvater beteuert, dass er ohnehin nicht mehr denselben Namen wie dieser Kommunist tragen will. Pathos und Patriotismus bis zum Abwinken. In der deutschen Fassung, wo der Sohn aber ein bereits totes Drogenopfer ist, hieß Edwin White – der Mann auf dem Foto – plötzlich nicht mehr früher Lexiter, sondern ist eine andere Person, die für den Tod des Sohnes verantwortlich sein soll.

Law & Order: Honolulu

Rückwirkend auch ziemlich albern und unfreiwillig amüsant ist es, Dan Liu, der damals wirklich Polizeichef von Honolulu war, inmitten all der vielen Widersinnigkeiten dieses Films zu sehen. Ein aufrechter, stolzer Gesetzeshüter, der heroisch als großer Amerikaner durchs Dorf getrieben wird, aber letztlich dabei mithilft, dass Kommunisten und – auch wenn er das nicht ahnen konnte – Kiffer in einer so oder so hanebüchenen Geschichte dämonisiert werden; wie so ein Möchtegern-Sheriff, der sich mit goldenem Stern und polierten Stiefeln auf die Schwächsten der Stadt stürzt und sich besonders stolz dafür feiern lässt, indem er auf Schauspieler macht und dabei obendrein keinen Geringeren als sich selbst verkörpert. Der Film schadet seinem Image als ernst zu nehmender Polizist aus heutiger Sicht definitiv und macht ihn zu einer Witzfigur, zumal sein schauspielerisches Talent überschaubar ist. Schade, dass sich der erste chinesisch-amerikanische Polizeichef einer Stadt in der Geschichte der USA dafür hergegeben hat. Es mag aber sein, dass er kaum eine andere Wahl hatte, denn Senator McCarthy mochte Menschen bekanntlich nicht besonders, die nicht so dachten wie er oder nicht taten, was er für richtig hielt. Neben Liu wurden weitere auf Hawaii bekannte Persönlichkeiten wie der Newsreporter „Red“ McQueen, der Bischof Kinai Ikuma und der Universitätsprofessor Joel Trapido für Rollen engagiert, um dem verbreiteten Gedankengut einen ebenso authentisch greifbaren wie durch die Realität legitimierten Charakter zu verleihen.

Wie genau es der Film mit Gesetzestreue und aufrechten Männern, die ihr Land beschützen, wirklich nimmt, sieht man in einer Szene, als „Big Jim McLain“ beim Ausparken beinahe in den Gegenverkehr rast, weil er damit beschäftigt ist, einer Frau hinterherzuschauen, ihr zuzuwinken und daher zunächst auf der Gegenspur fährt, die er erst verlässt, als ihn von dem nächsten auf dieser Spur in die richtige Richtung steuernden Auto gefühlt nur noch etwa ein Meter trennt. Der Gesetzeshüter schrammt hier so knapp an einem von ihm unnötig verschuldeten Frontalunfall mit zudem überzogener Geschwindigkeit beim Ausparken vorbei, dass man sich nicht ganz sicher ist, ob dieser Ablauf der Szene in der Form geplant war. Im Film wurde diese Aufnahme jedenfalls belassen. Solche Vorbilder brauchte das Land!

Wettstreit der Dämonisierungen

Während man für die ersten deutschen Synchronfassungen von Michael Curtiz‘ „Casablanca“ (1942) und Alfred Hitchcocks „Notorious“ (1946 – deutscher Titel der Fassung: „Weißes Gift“) noch die Möglichkeit der Verfälschung nutzte, um die eigene Nazi-Vergangenheit des Landes zu verschweigen, indem man aus Nazis Drogenhändler machte oder sie gleich ganz zu unterschlagen versuchte, drehte man bei „Marihuana“ nun also den Spieß um: Man versuchte einer Hetze entgegenzuwirken, indem man sich in der deutschen Fassung nicht daran beteiligte und aus den politisch verfolgten Kommunisten gewissenlose Drogenhändler machte. Dies mag ein edles Bestreben sein, doch aus heutiger Sicht scheitert das Ansinnen, da die deutsche Fassung letzten Endes lediglich eine eigene Dämonisierung anstelle der Dämonisierung im Original setzt, indem Marihuana-Konsumenten wie schwerste Junkies und die Folgen des Marihuana-Konsums in etwa wie das Rauchen von Heroin dargestellt werden. Das ist wissenschaftlich kaum sinnvoller als die politischen Ansichten von Joseph „Joe“ McCarthy zum Kommunismus, zum damaligen Zeitpunkt mag es immerhin dem Stand der Dinge entsprochen haben.

Wenn man den Film mit genügend Naivität betrachtet, geht er in der deutschen Fassung als einigermaßen unterhaltsamer Noir mit ein paar bekannten Gesichtern und ein paar guten Schauspielern – wie etwa dem großartigen Alan Napier in einer äußerst undankbaren Rolle als Chef der Kommunisten-Bande – durch. Vor allem die beschwingten Auftritte von Nancy Olson und Veda Ann Borg in den einzigen beiden einigermaßen großen weiblichen Rollen, helfen dem Werk mehrfach über die Zeit, während sich die Männer am laufenden Meter gegenseitig mit hochgradigem Politschwachsinn belegen.

Es ist überliefert, dass Nancy Olson das Drehbuch überhaupt nicht mochte und nur einwilligte, mitzuwirken, da sie gern mit John Wayne arbeiten wollte und obendrein damit die Chance bekam, sechs Wochen auf Hawaii zu verbringen. Sie spekulierte darauf, dass der Film sowieso floppen würde, übersah jedoch den Image-Schaden durch die wiederkehrenden Fernsehausstrahlungen in späteren Jahren. Olson war – und ist womöglich immer noch – eine liberale Demokratin. Am Set soll sie sich diverse politische Diskussionen mit Wayne geliefert haben, ohne jedoch die Eskalation zu provozieren, obwohl Wayne einer der Gründe gewesen war, warum sie in die Rolle eingewilligt hatte.

Ein interessanter Randaspekt des Films ist zudem der Verweis auf die Lepra-Kolonie Kalaupapa – gewissermaßen das einzig wirklich dokumentarisch Wertvolle an diesem Film, auch wenn er gern ein Politlehrfilm gewesen wäre. Die Existenz solcher Orte wird schnell einmal vergessen. Die Insel – zunächst nur wie ein dunkler Vorbote in einer Luftaufnahme zu sehen – schließlich sogar als Schauplatz zu nutzen und John Wayne persönlich den Schritt wagen zu lassen, verleiht dem Film einige beklemmende, reflektierende, gut inszenierte Momente, und als die Krankenschwester erklärt, wie die Bewohner von ihren Neugeborenen getrennt werden, damit diese sich nicht anstecken, kommt sogar kurz ein Moment der Rührung auf. Angeblich wurden sogar wirklich Außenaufnahmen direkt auf Kalaupapa gedreht und es heißt, John Wayne sei persönlich vor Ort gewesen.

Ein eher putziger Propagandafilm

„Marihuana“ war der erste von John Waynes unabhängiger Produktionsfirma Wayne-Fellows Productions (später: Batjac Productions) realisierte Film und wurde mittels eines Deals von den Warner Brothers in die Kinos gebracht. Wer nun allerdings behaupten wollte, dass dies Warner von der Verantwortung für den Propaganda-Inhalt weitestgehend befreit, sollte nicht vergessen, dass der Verleih bereits im Vorjahr „Ich war FBI-Mann M. C.“ (Originaltitel: „I Was a Communist for the F.B.I.“) in die Lichtspielhäuser gebracht hatte und es sich hierbei sogar um eine hauseigene Produktion handelte, die das spektakuläre, kaum fassbare Kunststück fertigbrachte als Propagandafilm in der Kategorie „Bester Dokumentarspielfilm“ für den Oscar nominiert zu werden. Das allein beweist schon recht eindrücklich, wie es um die USA seinerzeit bestellt war und wie sich auch die Academy politisch kompromittieren ließ. Im Vergleich zu diesem üblen Hetz- und Hasswerk, dessen Protagonist den Hass seines eigenen Sohnes auf sich zieht, da er sich zur Tarnung als Kommunist ausgibt, um damit seinem Land zu helfen, während der Bursche „natürlich“ keinen dreckigen „Kommi“ als Vater haben will, mutet „Marihuana“ sogar noch recht putzig an. Wer darüber hinaus noch Bedarf an derartigen Schinken hat, wird mit Republic Pictures‘ „The Red Menace“ (1949) und dem von Howard Hughes produzierten RKO-Film „The Whip Hand“ (1951) fündig. Letztgenannter Film ist tatsächlich sogar ziemlich lange spannend und schaurig, bis sich herausstellt, dass die gruselige Bedrohung von Kommunisten unter Führung eines mit massivem deutschem (Nazi-)Akzent Englisch sprechenden Irren verursacht wird, der alle nur denkbaren Klischees erfüllt. Dann ist es vorbei – und man kommt aus dem Kopfschütteln und Lachen nicht mehr heraus. Zunächst sollten die Täter Nazis sein und im Film verblieben letztlich auch Verweise darauf, dass die gezeigten Kommunisten früher Nazis gewesen sind, doch Nazis allein reichten Howard Hughes nicht, da Kommunisten als Bedrohung gerade voll im Trend waren. Daher wurde das Drehbuch rechtzeitig entsprechend modifiziert und umfangreiche Nachdrehs wurden angesetzt. Was für eine Geldverschwendung! Der Charakterdarsteller Peter Brocco, der in den 50er-Jahren kurzzeitig selbst auf der Schwarzen Liste stand und entsprechend politisch beäugt wurde, spielte übrigens sowohl in „Marihuana“ als auch „The Whip Hand“ mit. Manche Dinge im Leben muss man nicht verstehen.

Special Edition für einen solchen Film?

Edward Ludwig als Regisseur auf einen Film wie „Marihuana“ zu reduzieren, wäre ein Fehler. Niemand würde auf die Idee kommen, dies mit Gordon Douglas („Formicula“) wegen seiner Regietätigkeit bei „Ich war FBI-Mann M. C.“ oder mit dem zweifach Oscar-prämierten William Cameron Menzies („Invasion vom Mars“) wegen „The Whip Hand“ zu tun. Ludwig mag der weniger bekannte Regisseur sein, hat in den 50er-Jahren aber mehrere wirklich sehenswerte B-Abenteuerfilme unterschiedlicher Sub-Genres gedreht, wie etwa den Piratenfilm „Die Geliebte des Korsaren“ (1952), den von einer Waldbrandkatastrophe handelnden „Flucht vor dem Feuer“ (1952) und das in 3D gedrehte Brasilien-Abenteuer „Der Schaz der Jivaro“ (1954). Hierbei erwies er sich mitsamt seiner Kamera-Crews als Versteher von in satten Farben getränkten Technicolor-Bildern und clever eingeflochtenen, farblich überwältigenden Studioaufnahmen, die manche 50er-Abenteuer erst so richtig reizvoll machen. Seine Abenteuerfilme jenes Jahrzehnts sind, so scheint es mir immer, handwerklich-stilistisch sehr dicht mit den etwa zeitgleich im Genre entstandenen Arbeiten von Lewis R. Foster („Gold in Neuguinea“) verwandt. Ähnliches gilt für seine 50er-Jahre-Western. Man sollte auch hinsichtlich Ludwigs Zusammenarbeiten mit John Wayne nicht durcheinanderkommen, da Edward Ludwig sowohl mit John Wayne als auch mit dessen Beiname-Namensvetter John Payne jeweils drei Spielfilme drehte. Payne war in den 50ern als Hauptdarsteller ebenfalls sehr erfolgreich und von ebendiesem John Payne wurde Ludwig später auch noch regelmäßig als Regisseur von Episoden der Westernserie „The Restless Gun“ engagiert, die für Payne maßgeschneidert worden war. Eine enge Bindung zwischen dem Regisseur Edward Ludwig und dem „Duke“ John Wayne als Schauspieler bestand hingegen in jedem Fall nicht.

Ich persönlich würde mich schon allein deswegen über eine deutsche DVD von „Marihuana“ freuen, da es ein Film von Edward Ludwig ist. In Italien ist die dortige „Marihuana“-Synchronadaption schon lange auf dem Markt und die entsprechende DVD enthält zudem auch die politisch mehr als fragwürdige Originaltonspur. Problematisch mag sein, dass die deutsche Synchronfassung offenbar einige Minuten gekürzt ist und ein paar besonders pathetische Momente ausspart, die im Kontext von Marihuana und Drogentoten kaum zu erklären sind; darunter etwa das militärverherrlichende Ende. Die italienische „Marihuana“-Synchronisation ist interessanterweise länger. Den Film nun in einer Form zu veröffentlichen, dass bis dato fehlende Passagen im Original mit Untertiteln eingegliedert werden, ist aufgrund der abweichenden Handlungen beider Fassungen kaum sinnvoll. Die deutsche Bildfassung braucht man zudem schon allein deswegen, weil sonst die weiter oben beschriebene Szene mit Paul Hurst nicht mehr funktioniert, da aus dem Zeitungsartikel in der englischen Fassung der Kommunisten-Kontext hervorgeht und in der deutschen Version aufwendig ein anderes Insert mit inhaltlich abweichendem deutschen Text und demselben Foto von Edwin White eingefügt wurde. All dies können, neben der Story an sich, Erklärungen sein, warum der Film zu den eher wenigen Wayne-Streifen ab den 40er- und 50er-Jahren gehört, die bisher noch keine deutsche DVD spendiert bekommen haben. Es müsste eine Art Special Edition her, die die gekürzte deutsche Bildfassung enthält. Ob ein solcher Film diesen Aufwand verdient hat, scheint dann allerdings auch wieder diskutabel. Wenn man sieht, welche Billig-Western aus den 30ern es bereits nach Deutschland auf DVD geschafft haben, nur weil John Wayne darin mitspielt, obwohl es Hunderte andere Western derselben Qualität aus dieser Zeit ohne Wayne gibt, gilt das Argument, dass der Film nicht auf DVD erscheinen darf, weil er Schrott ist, aber zumindest schon einmal nicht. Ich hätte einen Vorschlag hinsichtlich einer DVD-Veröffentlichung, der all den Absurditäten dieses Films irgendwie sogar gerecht werden würde: Wie wäre es damit, neben der deutschen Bildfassung, auch die ungekürzte Fassung auf Deutsch vorzulegen, die fehlenden Passagen einfach neu zu synchronisieren und dabei den Marihuana-Kontext beizubehalten? Das bietet Raum für sehr viel Spaß – mit all den pathetischen Bildern dazu, die bisher nicht umsonst fehlten. Mit so einer Neusynchro ließe sich sicherlich auch die Einblendung des Kommunisten in der Zeitung irgendwie umschiffen. Das ist freilich Blödsinn, aber „Joe“ McCarthy hätte es verdient.

Was genau die Kommunisten in diesem Film oder auch generell überhaupt so Böses im Schilde führen, was ihre Pläne im Gesamten sind, um an die Weltherrschaft oder woran auch immer zu gelangen oder was Kommunismus in den Augen eines Jim McLain oder „Joe“ McCarthy konkret bedeutet, kurzum: was es überhaupt zu verhindern gilt und wovor ganz Amerika gerettet werden muss, klärt der Film übrigens nie auf – die Handlung eiert dahingehend zunehmend fadenscheinig um den heißen Brei. Die Unsachlichkeit des Films folgt einer simplen Logik: „Die Kommis sind halt einfach böse und haben Schlimmes vor.“ Die Drahtzieher hängen den ganzen Film über nur in einem einzigen schicken Anwesen am Strand herum und der Chef verteilt aus dem Zusammenhang gerissene, teils auch offenkundig recht belanglose Anweisungen. So sieht sie also aus: die Bedrohung! Wahrscheinlich ist alles, was sie planen, so schlimm, dass es geradezu unaussprechlich ist und deswegen nicht erwähnt wird. Diese peinliche Oberflächlichkeit und das pseudo-selbstverständliche Getue hinter all den Vorwürfen und der Hetze sind das Verwerflichste an „Big Jim McLain“.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit John Wayne sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Für die Genehmigung zur Nutzung des restaurierten Plakatmotivs bedanken wir uns bei Jerry Murbach, dem Betreiber der Seite Dr. Macro’s High Quality Movie Scans.

Veröffentlichung (USA): 22. Mai 2007 als DVD in „The John Wayne Film Collection“

Länge: 90 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Big Jim McLain
USA 1952
Regie: Edward Ludwig
Drehbuch: James Edward Grant, Richard English & Eric Taylor
Besetzung: John Wayne, Nancy Olson, James Arness, Alan Napier, Veda Ann Borg, Hans Conried, Hal Baylor, Gayne Whitman, Gordon Jones, Robert Keys
Verleih: Warner Brothers

Copyright 2017 by Ansgar Skulme
Filmplakat: Fair Use

 

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Wir sind die Millers – Eine schrecklich nette Familie

We’re the Millers

Kinostart: 29. August 2013

Von Volker Schönenberger

Komödie // Lieber in den Tag hinein leben, als Verantwortung übernehmen: Obwohl er die Collegezeit lange hinter sich gelassen hat, vertickt David (Jason Sudeikis) in Denver immer noch Marihuana – zwar im kleinen Stil, aber das Einkommen stimmt. Als ihm Drogenbestand und Barvermögen eines Tages geraubt werden, gerät er bei seinem Lieferanten Brad Gurdlinger (Ed Helms aus der „Hangover“-Reihe) in Bedrängnis. Der zwingt den Kleindealer, eine große Ladung Marihuana aus Mexiko in die USA zu schmuggeln.

Um an der Grenze unauffällig zu wirken und Durchsuchungen zu vermeiden, legt sich David eine Tarnidentität als spießiger Familienvater zu. Die dazugehörige Familie klaubt er in seiner Umgebung zusammen: Seine als Stripperin arbeitende Nachbarin Rose (Jennifer Aniston) fungiert als Ehefrau, der einsame Verlierertyp Kenny (Will Poulter) und die obdachlose Ausreißerin Casey (Emma Roberts) geben Sohn und Tochter. Im Wohnmobil fährt die ungleiche „Familie“ ständig zankend nach Mexiko. Am Ort der Übergabe eingetroffen, erweist sich die zu schmuggelnde Drogenladung als weit größer als angekündigt. Es soll nicht die einzige Komplikation bleiben.

WirsinddieMillers

Familie Fürchterlich auf Tour: die Millers

Klingt vorhersehbar? Nun ja – wie sich die Beziehung der vier Protagonisten entwickeln wird, lässt sich in der Tat schon zu Beginn des Trips erraten. Überraschungen gibt’s eher im Detail, etwa wenn ein ebenfalls per Wohnmobil reisendes Ehepaar pikante Vorlieben offenbart. Die Gags sitzen mal gut, mal so lala, wirken allerdings gelegentlich etwas zusammenhanglos aneinandergereiht. Obendrein sprühen zwischen Jennifer Aniston und Jason Sudeikis nicht gerade die Funken.

Man kann es gut oder schlecht finden – so oder so weiß der Filmzuschauer, was ihn in einem Film mit Jennifer Aniston erwartet: seichte Unterhaltung mit trotz kleiner Anzüglichkeiten familienfreundlichem Humor und sympathischen Figuren. Insofern bietet „Wir sind die Millers“ einen angenehmen Kinobesuch, ohne nachhaltig in Erinnerung zu bleiben. Mal eine ganz andere Rolle für „Friends“-Star Aniston wäre schön, bleibt aber vorerst ein frommer Wunsch: Ihre Filmographie in der IMDb zeigt drei kommende Projekte – alles Komödien. Apropos „Friends“: Unmittelbar zu Beginn des Abspanns folgen einige Outtakes, einer davon dürfte besonders Fans der TV-Serie gefallen.

„Wir sind die Millers“ mag ein Jennifer-Aniston-Vehikel sein, doch auch die anderen Darsteller verdienen Erwähnung: Der aus „Saturday Night Live“ bekannte Jason Sudeikis und Aniston haben mit „Kill the Boss“ (2011) bereits einen gemeinsamen Film gedreht. Auf Will Poulter wurde Hollywood 2007 durch den britischen Film „Der Sohn von Rambow“ aufmerksam. Emma Roberts („Scream 4“) hat eine Hauptrolle im Gia Coppolas bereits abgedrehtem Drama „Palo Alto“ mit James Franco und Val Kilmer. In einer Nebenrolle als mexikanischer Drogenbaron ist zu guter Letzt der in Berlin geborene Tomer Sisley zu sehen, bekannt durch die Titelrolle der beiden „Largo Winch“-Filme.

Länge: 110 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: We’re the Millers
USA 2013
Regie: Rawson Marshall Thurber
Drehbuch: Bob Fisher, Steve Faber, Sean Anders, John Morris
Besetzung: Jennifer Aniston, Jason Sudeikis, Will Poulter Emma Roberts, Ed Helms, Tomer Sisley
Verleih: Warner Bros. Pictures Germany

Copyright 2013 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Foto & Trailer: © 2013 Warner Bros. Entertainment Inc. (Foto: Michael Tackett)

 

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