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Ready Player One – Zurück in die Zukunft

Ready Player One

Kinostart: 5. April 2018

Von Matthias Holm

Science-Fiction // 2010 schien Ernest Cline mit seinem Buch „Ready Player One“ einen Nerv getroffen zu haben. Die Hommage an die Popkultur der 80er-Jahre, die gleichzeitig auch eine dystopische Zukunft aufzeigt, kam sowohl bei Kritikern als auch bei Lesern gut an. Und wie das so ist mit erfolgreichen Büchern, ließ die Verfilmung nicht lange auf sich warten – und kein Geringerer als Steven Spielberg saß nun auf dem Regiestuhl, der Mann, der das Blockbuster-Kino nachhaltig geprägt hat. Doch ob diese Mischung wirklich funktioniert?

Finde das Easter Egg, werde reich

2045 ist die Welt heruntergewirtschaftet, zahllose Menschen leben in sogenannten Stacks – im Grunde genommen übereinander gestapelte Wohnwagen. Einer der Bewohner ist der junge Wade Watts (Tye Sheridan). Doch die Menschheit hat eine Möglichkeit, der Tristesse zu entkommen – denn der kongeniale Videospiel-Entwickler James Halliday (Mark Rylance) hat mit seinem damaligen Partner Ogden Morrow (Simon Pegg) die OASIS erschaffen, eine Art Virtual-Reality-Spielplatz, dessen Grenzen nur die eigene Fantasie sind und in dem fast alle Erdenbewohner zu versinken scheinen. Als der Erschaffer der OASIS starb, gab er seinen Spielern aber noch eine Aufgabe: Irgendwo in dem gewaltigen Spiel hat Halliday ein Easter Egg versteckt, mit dem man die alleinige Kontrolle über seine Simulation erhält – und damit die Kontrolle über den wichtigsten Wirtschaftsfaktor des 21. Jahrhunderts. Zusammen mit seinem besten Kumpel Aech (Lena Waithe) und der geheimnisvollen Art3mis (Olivia Cooke) sucht Wade in Gestalt seines Avatars Parzival nach dem Ei – immer verfolgt vom bösen Konzern IOI und dessen OASIS-Beauftragten Nolan Sorrento (Ben Mendelsohn).

Halliday (l.) und sein Partner Ogden Morrow stellen die OASIS vor

In der OASIS kann man alles sein und alles tun – und dies nimmt sich Spielberg direkt zu Beginn zu Herzen. Die ersten Fahrten durch die Virtual-Reality-Simulation sind atemberaubend, und hier erkennt man schon einen Unterschied zum Buch – während Ernest Cline seine OASIS wirklich als feuchten Traum eines 80er-Jahre-Nerds ausgelegt hat, ist das Spiel im Film deutlich breiter angelegt. Wer wollte nicht schon immer mal auf dem Snowboard die Pyramiden runterflitzen? Dadurch geht bis zu einem gewissen Grad der Charme der Vorlage verloren, allerdings öffnet sich die Geschichte auch einem weiteren Publikum.

Art3mis (links) und Parzival kommen einander näher

Das nämlich will der Film, einer möglichst großen Masse an Menschen Spaß machen. Für die Jüngeren gibt es eine Art „Dystopie light“ – die Grundzüge einer Gesellschaft, die sich selbst zugrunde gerichtet hat, sind da, werden aber nie sonderlich stark ausgespielt. Wenn es dann in die OASIS geht, ist der Plot um das Easter Egg nicht sonderlich ausgefeilt – das war er im Buch aber auch nicht. Viel mehr geht es um das Staunen, denn was hier optisch auf das Kinopublikum einprasselt, ist absolut wahnsinnig.

Zitate-Feuerwerk

Und hier dürfen besonders die älteren Zuschauer gern genauer hinschauen. Die Menge an versteckten Zitaten und Anspielungen ist schier endlos, allein die verschiedenen Avatare, die in den Frames spazieren gehen, sind das mehrmalige Schauen wert. Wenn dann noch in den Gesprächen und den Handlungen der Figuren Buckaroo Banzai, das Alien und andere zitiert werden, denkt man, das Ende der Fahnenstange sei erreicht. Da sollte der geneigte Horrorfan nur mal auf die zweite Aufgabe warten, die die Helden absolvieren müssen.

Technisch ist dies alles auf allerhöchstem Niveau. Sobald man in der OASIS ist, vergisst man sofort, dass dies jetzt nicht der reale Schauplatz ist, sondern nur Animation. Dazu kommt ein Soundtrack, der den Retro-Flair der Romanvorlage perfekt einfängt – wer in den ersten Filmsekunden bei den Takten von Van Halens „Jump“ nicht mit den Füßen wippt, ist eh ein Griesgram.

Auch in der realen Welt wird es für Wade gefährlich

Und wenn dann im Finale Parzival einen Ghettoblaster in die Luft hält, aus dem „We’re Not Gonna Take It“ dröhnt, in seinen DeLorean steigt und zahllose Film- und Videospielfiguren auf die gesichtslosen Drohnen von IOI treffen, weiß man zwar, wie der Kampf ausgeht – und trotzdem sitzt man wie ein kleines Kind vor der Leinwand und bestaunt das Spektakel. Denn das ist „Ready Player One“. Der Film macht vieles anders als das Buch, bleibt dessen Geist aber stets treu – man achte auf diverse Poster in Hallidays Kinderzimmer – und ist verdammt unterhaltsam. In diese Zukunft kehren wir gern wieder zurück.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Steven Spielberg sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Das begehrte Ei

Länge: 140 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Ready Player One
USA 2018
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Zak Penn, Ernest Cline, nach Clines Roman
Besetzung: Tye Sheridan, Olivia Cooke, Mark Rylance, Lena Waithe, Ben Mendelsohn, Philip Zao, Win Morisaki, Simon Pegg
Verleih: Warner Bros. Entertainment GmbH

Copyright 2018 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 Warner Bros. Entertainment GmbH, Szenenfotos courtesy of Warner Bros. Pictures, Foto 1 + 3: Jaap Buitendijk

 

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BFG – Sophie & der Riese: Der Stoff, aus dem die Träume sind

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The BFG

Von Andreas Eckenfels

Fantasy-Abenteuer // 2016 feierten zwei große Geschichtenerzähler runden Geburtstag: Filmemacher Steven Spielberg wurde am 18. Dezember 70 Jahre alt, der 1990 verstorbene Autor Roald Dahl („James und der Riesenpfirsich) wäre am 13. September 100 Jahre alt geworden. Passend dazu erweckte Spielberg eines der bekanntesten Kinderbücher von Dahl zum Leinwandleben: „Sophiechen und der Riese“ aus dem Jahr 1982. Genau genommen, ist es nicht das erste Mal, dass der Regisseur einen Stoff von Dahl verfilmt. Auch „Gremlins – Kleine Monster“ (1984), bei dem Spielberg als Produzent tätig war, ist von einem Werk des britischen Schriftstellers inspiriert.

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Waisenkind Sophie liest mitten in der Nacht noch ein Buch …

Doch was sich eigentlich wie die perfekte Kombination für einen ordentlichen Kinohit anhörte, entpuppte sich im Sommer 2016 überraschenderweise als einer der größten Flops des Jahres. Bei geschätzten Produktionskosten von 140 Millionen US-Dollar spielte das Fantasy-Abenteuer gerade mal 178 Millionen US-Dollar weltweit ein. Danach wurde spekuliert: Hat Steven Spielberg etwa seine Magie verloren?

Erinnerungen an „E.T.“

Die inhaltlichen Parallelen zu „E.T. – Der Außerirdische“ (1982) hat Iris bereits in ihrer Kritik zum Kinostart herausgearbeitet. Die ungewöhnliche Freundschaft zwischen dem Waisenkind Sophie (Ruby Barnhill) und dem Riesen (Mark Rylance, „Bridge of Spies“) ist das Herzstück der Geschichte. Melissa Mathison (1950–2015) trug maßgeblich dazu bei, dass diese auch funktioniert. Sie verfasste sowohl für den Spielberg-Klassiker als auch für „BFG – Sophie & der Riese“ die Drehbücher. Ihr sind die Worte „For our Melissa“ im Abspann gewidmet.

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… als sie plötzlich ein merkwürdiges Geräusch hört

Lag es eventuell am Filmtitel? Immerhin kann man heutzutage bei dem „F“ im Akronym von „Big Friendly Giant“ auch an ein nicht gerade kinderfreundliches Wort denken. Schon im Videospiel-Shooter „Doom“ gab es eine Waffe, die auf die Abkürzung „BFG“ hörte, was übersetzt etwa „Verdammt große Waffe“ bedeutet. Auch wären eventuell mehr als die lediglich knapp 300.000 Besucher in Deutschland ins Kino gegangen, hätte man den hierzulande bekannten Titel „Sophiechen und der Riese“ ohne das „BFG“ genutzt. In der Romanübersetzung wird der Riese übrigens „GuRie“ für „Guter Riese“ genannt. Auch der Sommerstarttermin hat womöglich einen Teil zum Misserfolg beigetragen – Fantasystoffe schaut man doch lieber im Winter an, oder?

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Der Riese bläst mit einer Trompete die Träume in die Kinderzimmer

Magische Momente

Das Live-Motion-Capture-Verfahren der Figuren, die Animation der Gesichter und die Erschaffung der digitalen Welt der Riesen ist wunderbar gelungen. Wie der Riese durch das nächtliche London stapft und mit seiner Trompete die Träume in die Schlafzimmer der Kinder bläst, seine Höhle, in dem er den Stoff, aus dem die Träume sind, zusammenmixt, und der Ort, an dem er diese einfängt – das alles sorgt durchaus für märchenhafte Momente. Doch bei dem Zusammenspiel zwischen Ruby Barnhill und den animierten Figuren bleiben die Emotionen etwas auf der Strecke. Die Elfjährige muss den Großteil der Handlung als einzige reale Figur tragen, was nicht immer überzeugend ist.

Recht altbacken wirkt außerdem die Geschichte, bei der am Ende Queen Elizabeth (Penelope Wilton) und das britische Militär um Hilfe gebeten werden, um die neun bösen Riesen zu bekämpfen, die „BFG“ drangsalieren und Kinder fressen. Auch habe ich mich gefragt, ob sich „BFG“ ganz allein im Land der Riesen überhaupt wohlfühlen wird, wenn seine Artgenossen verschwunden sind?

Blubberwasser verursacht Furzelbäume

Kinder ab zwölf Jahren, die das Tempo vom neuesten Superheldenfilm gewohnt sind, können sich bei „BFG – Sophie & der Riese“ vielleicht schnell langweilen. Aber alle anderen Zuschauer werden sich dennoch von dem Märchen verzaubern lassen: Die Großen werden von der technischen Brillianz beeindruckt sein. Die Kleinen dürfen über die merkwürdige Sprache des Riesen und seine „Furzelbäume“ nach dem Genuss von „Blubberwasser“ lauthals lachen.

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Der Riese und Sophia werden beste Freunde

Parallel zur Spielberg-Verfilmung ist hierzulande übrigens auch die britische Zeichentrickadaption „The Big Friendly Giant – Sophie und der Riese“ von 1989 auf DVD erschienen.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Steven Spielberg sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Veröffentlichung: 1. Dezember 2016 als 3D-Blu-ray, Blu-ray und DVD

Länge: 117 Min. (Blu-ray), 112 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: The BFG
USA/IND 2016
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Melissa Mathison, nach dem Kinderbuch „Sophiechen und der Riese“ („The BFG“) von Roald Dahl
Besetzung: Ruby Barnhill, Mark Rylance, Penelope Wilton, Jemaine Clement, Rebecca Hall, Rafe Spall, Bill Hader
Zusatzmaterial: Wie BFG zum Leben erweckt wird (ca. 27 Min.), BFG und ich (ca. 2 Min), Riesensprache: Die wundervollen Wörter bei BFG (ca. 3 Min.), Die Charaktere der Reisen (ca. 5 Min.), Eine Hommage an Melisa Mathison (ca. 6 Min.), Originaltrailer in Deutsch und Engisch (je ca. 2 Min.)
Vertrieb: Constantin Film

Copyright 2017 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2016 Constantin Film

 
 

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BFG – Big Friendly Giant: Freundlicher Riese in den Fußstapfen von E.T.

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The BFG

Kinostart: 21. Juli 2016

Von Iris Janke

Fantasy-Abenteuer // Lang ist es her, dass „E.T. – Der Außerirdische“ mit dem Fahrrad durch den Nachthimmel schwebte. Jetzt bringt dessen Regisseur Steven Spielberg mit „BFG – Big Friendly Giant“ ein anderes fremdartiges Wesen und dessen Freundschaft mit einem zehnjährigen Mädchen auf die große Leinwand.

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Der BFG beschützt Sophie vor seinen übel gesinnten Artgenossen

Die Verfilmung von Roald Dahls („Charlie und die Schokoladenfabrik“) Kinderbuch „The BFG“ („Sophiechen und der Riese“) erreicht sicher nicht den Charme von Spielbergs 1982er-Blockbuster „E.T. – Der Außerirdische“. Trotzdem verströmt Dahls Geschichte über verlassene Kinder und ihre Wünsche auch in Spielbergs Hollywood-Verfilmung eine gewisse Magie. Der große dünne Riese (Mark Rylance) mit dem struppigen grauen Haar und dem freundlichen Gesicht vermag zu faszinieren. Er entführt die kleine Sophie (Ruby Barnhill) aus ihrem Bett in einem Londoner Waisenhaus und nimmt sie und die Zuschauer mit in seine Riesenhöhle. Alles in dieser zauberhaften, düsteren Grotte scheint perfekt auf die Bedürfnisse dieses besonderen Riesen eingerichtet zu sein.

Andere Riesen sind nicht so freundlich

Doch in der Welt des freundlichen Riesen leben auch andere, noch größere, gar nicht so nette Riesen. Im Gegensatz zum BFG ernähren sie sich nicht nur von Gurken, sondern fressen besonders gern kleine Kinder. Und seit sie ahnen, dass der BFG ein kleines Mädchen versteckt, haben sie gerade darauf besonderen Appetit.

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Ungleiche Freunde: der große BFG und die kleine Sophie

Es wird niemanden verwundern, dass Dahls Geschichte über die Freundschaft zwischen der kleinen Sophie und dem freundlichen Riesen an die altbekannte Freundschafts-Story der kleinen Gertie alias Drew Barrymore mit dem Außerirdischen E.T. erinnert – und das nicht nur wegen des gemeinsamen Regisseurs Steven Spielberg. Sicher hat diese Buchverfilmung nicht den alten Charme von E.T. und manch einer mag Spielbergs digital-bunten Anstrich von „BFG – Big Friendly Giant“ als unpassend, wenig märchenhaft und vielleicht sogar aufdringlich empfinden. Doch vielleicht tut gerade dieser Anstrich im neuen technischen Gewand der Buchverfilmung gut.

Steven Spielberg zitiert sich selbst

Selbst das Kinoplakat erinnert an „E.T. – Der Außerirdische“: Wieder einmal steht die Hand des Protagonisten – diesmal die des BFG – im Vordergrund: Diesmal ist es die komplette, riesige dünne Handfläche und nicht nur der kleine Zeigefinger. Spielbergs tricktechnisch perfekte „BFG“-Version ist fantasievoll-bunt und hat durchaus das Zeug, ein Disney-Klassiker zu werden. Dass sich die Zeiten geändert haben, Altes entstaubt wurde, werden vermutlich die Kinder, die diese Verfilmung anschauen, gar nicht bemerken, während die Erwachsenen noch nach dem Charme eines E.T. suchen.

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E.T.-Stil: Für Sophie hat der BFG immer seine Riesenhand parat

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Steven Spielberg sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet.

Länge: 115 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: The BFG
USA/IND 2016
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Melissa Mathison, nach dem Kinderbuch „Sophiechen und der Riese“ („The BFG“) von Roald Dahl
Besetzung: Rebecca Hall, Bill Hader, Mark Rylance, Matt Frewer, Jemaine Clement, Penelope Wilton, Ólafur Darri Ólafsson
Verleih: Constantin Film Verleih GmbH

Copyright 2016 by Iris Janke

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Constantin Film Verleih GmbH

 

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