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Captain Marvel – Marvels mächtigste Heldin ist da!

Captain Marvel

Kinostart: 7. März 2019

Von Andreas Eckenfels

Fantasy-Action // Das Marvel Cinematic Universe (MCU) steht vor einem großen Umbruch. Neue Helden kommen, alte Recken gehen. Bevor Phase 3 des MCU ab dem 25. April mit „Avengers – Endgame“ offiziell beendet wird, lernen wir mit Carol Danvers alias Captain Marvel eine der neuen Kämpferinnen für das Gute kennen. Der 21. Film innerhalb des MCU bietet gleich eine doppelte Premiere: Erstmals wird eine weibliche Superheldin in den Mittelpunkt der Handlung gestellt, dargestellt von Oscar-Preisträgerin Brie Larson („Raum“). Gleichzeitig übernimmt mit Anna Boden erstmals eine Frau die Regie bei einem Marvel-Film – wenn auch gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Ryan Fleck. In beiden Punkten hatte zuvor ausnahmsweise die ansonsten stets hinterherhinkende Konkurrenz aus dem DC Extended Universe die Nase vorn. Ob „Captain Marvel“ einen ähnlichen Erfolg an den Kinokassen feiern wird, wie „Wonder Woman“ von Patty Jenkins, wird die nahe Zukunft zeigen.

Mentor und Schülerin: Yon-Rogg und Vers

In der Abspannszene von „Avengers – Inifinity War“ (2018) konnte Nick Fury (Samuel L. Jackson) mit seinem Pager einen letzten Notruf an Captain Marvel (Larson) absetzen. Die erstmals 1968 in Comic-Form in Erscheinung getretene Superheldin ist somit die letzte Hoffnungsträgerin, um mit ihren Fähigkeiten die aussichtslos erscheinende Schlacht gegen Thanos doch noch in einen Sieg umzumünzen. Ihre hier erzählte Vorgeschichte setzt dabei im Jahr 1995 ein, ist also zeitlich vor dem ersten MCU-Film „Iron Man“ (2008) angesiedelt.

Zurück auf der Erde

Wenn wir Carol Danvers das erste Mal begegnen, hört sie auf den Namen Vers und gehört einer galaktischen Elite-Einheit der Krees an. Da sie nachts im Schlaf von Erinnerungen und Visionen heimgesucht wird, trainiert sie in dieser Zeit lieber mit ihrem Mentor Yon-Rogg (Jude Law) ihre Kampftechnik. Doch ihr Temperament und ihre Energiestöße, die sie aus ihren Armen schießen lassen kann, hat Vers noch nicht ganz im Griff. Da kommt ein neuer Auftrag gerade recht. Gemeinsam mit ihrem Team, dem unter anderem auch Korath (Djimon Hounsou) und Minn-Erva (Gemma Chan) angehören, soll sie unter Yon-Roggs Führung ein besetztes Territorium zurückerobern. Dieses ist in die Hände der Skrulls gefallen. Die Alien-Rasse ist der Erzfeind der Krees und verfügt über eine besondere Fähigkeit: Die Kreaturen können ihre Gestalt wandeln.

Auf der Erde macht sich Vers mit dem öffentlichen Nahverkehr vertraut

Der Einsatz geht schief. Vers wird gefangen genommen und erhält von Talos (Ben Mendelsohn), dem Anführer der Skrulls, eine Spezialbehandlung. Doch bevor der Außerirdische ihre Erinnerungen scannen kann, gelingt der Soldatin mit einer Rettungskapsel die Flucht. Vers landet krachend auf der Erde – in einer Blockbuster-Videothek in Los Angeles. Auch einige Skrulls haben es auf den Planeten geschafft und nehmen jetzt zur Tarnung fleißig das Aussehen verschiedener Passanten an. Gemeinsam mit dem herbeigerufenen S.H.I.E.L.D-Agenten Nick Fury jagt Vers schließlich den Aliens hinterher. Dabei werden ihre Visionen und Déjà-Vus immer intensiver. Bald findet Vers heraus, dass sie schon einmal auf der Erde war. Als Air-Force-Piloten, die 1989 einen folgenschweren Absturz hatte. Ihr damaliger Name: Carol Danvers.

Kein Überflieger

„Höher, weiter, schneller, Baby!“ Mit diesem Spruch starten Carol Denvers und Pilotenkollegin Maria Rambeau (Lashana Lynch) in ihren Maschinen in die Lüfte. Doch so ganz will dieses Motto zunächst nicht passen. Ein echter Überflieger ist „Captain Marvel“ nicht geworden, dafür ein solider, unterhaltsamer Blockbuster, dem es allerdings etwas an Spektakel fehlt. Der erste Einsatz gegen die Skrulls könnte aus einer „Star Trek“-Folge stammen, gegen Ende gibt es eine Flug-Verfolgungsjagd durch einen engen Canyon, welche in ihrer Machart an „Star Wars“ erinnert. Diese Actionszenen erfüllen ihren Zweck, wirken aber etwas uninspiriert und es fehlt an der nötigen Dramatik, um wirklich mit ihnen mitfiebern zu können. Vielleicht war die Inszenierung dieser Sequenzen für die Filmemacher Boden/Fleck, die sich mit kleinen Indie-Perlen wie „Half Nelson“ (2006) einen Namen gemacht haben, doch eine Nummer zu groß.

Digitale Verjüngunskur

Dafür spielen sie ihre Qualitäten in anderen Bereichen voll aus und können sich auf ihren namhaften Cast verlassen. Sobald das Geschehen vom All auf die Erde verlagert wird, fühlt sich das 21. MCU-Abenteuer auch überaus geerdet an. Dass ein Großteil der Kulissen und auch die Alien-Masken am Computer generiert sind, erkennt man nur selten. Das Duo Brie Larson und Samuel L. Jackson, die beide schon gemeinsam in „Kong – Skull Island“ (2017) arbeiteten, erweist sich als perfekt eingespieltes Team. Im Stil eines Buddy-Movies fetzen sie sich ordentlich, jagen den Bösewichtern hinterher und geben einander Rückendeckung. Dabei gibt Larson zunächst eine eher zurückhaltende Performance ab, doch je mehr ihre Figur wieder zu sich selbst findet, ihre Erinnerungen zurückkehren, lässt sie ihre verbissene Ernsthaftigkeit hinter sich und es huscht immer häufiger ein Lächeln über ihr Gesicht. Samuel L. Jackson ist natürlich ein Selbstgänger, grandios wie immer. Kaum zu glauben, dass er im vergangenen Dezember seinen 70. Geburtstag gefeiert hat – erst recht nicht, da sein Gesicht einer digitalen Verjüngungskur unterzogen wurde. Marvel hatte diese Methode bereits für einige Szenen mit Robert Downey Jr. in „The First Avenger – Civil War“ (2016) und Michael Douglas in „Ant-Man“ (2015) angewendet, aber den vermeintlich jungen Samuel L. Jackson während der Dauer eines kompletten Films zu sehen, ist überzeugend gelungen. Ebenso wurde auch Clark Gregg als Agent Coulson auf jung getrimmt. Wenn man sich dazu die absolut lächerlich wirkende Anfangssequenz mit Nicole Kidman und Temuera Morrison aus „Aquaman“ (2018) ins Gedächtnis ruft, ist das MCU in diesem Bereich dem Konkurrenten klar überlegen.

Dort sind auch Talos (l.) und die anderen Skrulls gelandet

Die Geschichte gibt zum Glück auch Ben Mendelsohn die Möglichkeit, trotz seiner Alien-Maske und mithilfe der Sprache seiner Figur die nötige Tragik zu verleihen und nicht wie etwa in „Ready Player One“ einen recht generischen Schurken zu geben. Und dann ist da noch der heimliche Star des Films, über den jeder sprechen wird: die coole Katze Goose! Ob das Pelztier nach Anthony Edwards’ Charakter gleichen Namens aus „Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel“ (1986) benannt ist?

Die 90er sind wieder da

Nach der allgemeinen Nostalgiewelle auf die 80er-Jahre feiert das Comic-Abenteuer jetzt das darauffolgende Jahrzehnt. Und das mit einem großen Augenzwinkern: CD-Rom-Laufwerke in Windows-95-Rechnern, die Ewigkeiten benötigten, bis die Daten eingelesen waren, Videotheken mit großen Pappaufstellern oder die Grunge-Mode. Für alle, die dabei waren, ein großer Spaß. Gleichzeitig sorgt auch schon wie in „Guardians of the Galaxy“ der passende Soundtrack für Stimmung: Von R.E.M. über Nirvana bis hin zu TLC werden zahlreiche zeitgenössische Hits serviert. Und nur wenn Carol Danvers zu den Takten von „Just a Girl“ von No Doubt die Bösewichte in einer Rockerkneipe verprügelt, dringt die ansonsten eher subtil vermittelte feministische Botschaft etwas zu laut ins Gehör.

Schlummernde Kräfte

Dass die Ursprungsgeschichte von Captain Marvel diesmal unüblich nicht chronologisch erzählt wird, sondern sich durch Rückblenden nach und nach zusammensetzt, ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits durchbricht diese Herangehensweise erfrischend das übliche Muster, andererseits verliert die Titelfigur durch die ständige Ungewissheit und ihre Suche nach ihrer Identität auch etwas von ihrer Stärke. Doch sobald Carol im letzten Akt zu sich selbst gefunden hat, mit voller Energie sowie neuer Anzugfarbe in den Himmel steigt und im Kosmos durch ein Raumschiff wie durch Butter gleitet, dann können wir erahnen, welche Kräfte in Marvels mächtigster Heldin schlummern. Und diese wird Captain Marvel in „Avengers – Endgame“ mit Sicherheit ohne zuvor angezogene Handbremse demonstrieren können.

S.H.I.E.L.D.-Agent Nick Fury in jungen Jahren – und noch mit zwei Augen

Abschließend zwei Hinweise: Ja, die leider verstorbene Comic-Legende Stan Lee (1922–2018) erhält eine Würdigung, und wie üblich bei Marvel-Filmen heißt es: Während des Abspanns sitzen bleiben! In der Mitte und am Ende folgen je noch eine kurze Szene.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Brie Larson sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Samuel L. Jackson und Jude Law unter Schauspieler.

Höher, weiter, schneller, Captain Marvel!

Länge: 124 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Captain Marvel
USA 2019
Regie: Anna Boden, Ryan Fleck
Drehbuch: Anna Boden, Ryan Fleck, Geneva Robertson-Dworet
Besetzung: Brie Larson, Gemma Chan, Ben Mendelsohn, Samuel L. Jackson, Jude Law, Lee Pace, Annette Bening, Djimon Hounsou, Clark Gregg, Lashana Lynch
Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Copyright 2019 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Szenenfotos & Trailer: © 2019 Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

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Venom – Marvels düsteres Monster mit menschlicher Seite

Venom

Kinostart: 3. Oktober 2018

Von Iris Janke

SF-Action // Sie ist schwarz, sieht eklig klebrig und bedrohlich aus. Die alles verschlingende Masse stammt von einem fremden Planeten. Der außerirdische Symbiont muss einen menschlichen Wirt finden, nur so kann er überleben. Im Gegenzug verleiht er „seinem“ Mensch übermenschliche Kräfte. Gleich am Anfang des Films von Ruben Fleischer wird deutlich: Mit Venom ist nicht gut Kirschen essen.

Eigentlich verstehen sich Anne und Eddie prächtig

Venom und sein Wirt Eddie Brock (Tom Hardy, „Mad Max – Fury Road“) haben sich gesucht und gefunden: Journalist Eddie ist auf der Suche nach einer skandalträchtigen Story. Die Vermutung, dass Dr. Carlton Drake (Riz Ahmed) in seinem Konzern Life Foundation geheime Menschenversuche unternimmt, kommt ihm gerade recht, doch das Interview mit dem Wissenschaftler läuft aus dem Ruder, was Eddie den Job kostet. Einige Zeit später dringt er dennoch ins Labor der Life Foundation ein, wo er mit dem Parasit in Berührung kommt. Sogleich verbindet sich die schwarze Masse mit dem Journalisten und er mutiert zur Comic-Figur Venom, ausgestattet mit langen und spitzen Monsterzähnen und einer Zunge, die noch tödlicher zu sein scheint als seine Fang- und Reißzähne.

Das MRT zeigt Anne Eddies (r.) innere Werte

Regisseur Fleischer hat der US-amerikanischen Comic-Figur Venom aus dem Marvel-Fundus erstmals Leben in Spielfilmlänge eingehaucht. Versucht hatten dies schon viele vor ihm, meist vergeblich. In Sam Raimis „Spider-Man 3“ war Symbiont Venom 2007, gespielt von Topher Grace, zwar auf der Leinwand zu sehen, aber nur mit einem Gastauftritt.

Eddie – nicht immer als Venom unterwegs

Für wen ist diese Marvel Comic-Verfilmung sehenswert? Schwer zu sagen: Für Genre-Fans krankt Fleischers Venom sicher daran, jedem Zuschauer gefallen zu wollen. So mag es ein Fehler sein, den Film auf eine FSK-Freigabe ab zwölf Jahren auszurichten, um aus monetären Gründen auch die jüngeren Marvelfans ins Kino zu bringen. Es hätte ja nicht gleich bei jedem Zungenmord ein riesiges Blutbad geben müssen, aber derart blutarm? Etwas mehr vom Marvel-Film „Deadpool“ (FSK 16) wäre sicher schön gewesen. Zumal die Verpflichtung des „Zombieland“-Regisseurs Ruben Fleischer eigentlich humorige Action im richtigen Maß hätte erwarten lassen. Gelungen ist die Besetzung von Tom Hardy als Venom, zum schmückenden Beiwerk des Films und somit verschenkt gerät hingegen Michelle Williams („Manchester by the Sea“) als Anwältin und Eddies Freundin Weying. Die Actionszenen sind okay geraten, entsprechen dem, was wir von einem Blockbuster dieser Kategorie erwarten. Etwas mehr Härte wäre angemessen gewesen, das Schielen auf die geringe Altersfreigabe lässt „Venom“ etwas weichgespült erscheinen, sodass der Actionfilm letztlich nur mit „noch gut“ ins Ziel geht. Marvel-Fans jeden Alters sei geraten: Auf jeden Fall bis nach dem Abspann im Kinosessel sitzen bleiben, es gibt sehenswerte Zusatzszenen.

Venom – Monster mit hässlicher Fratze

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Tom Hardy sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Venom erweist sich beim Shoppen als Helfer in der Not

Länge: 112 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Venom
USA 2018
Regie: Ruben Fleischer
Drehbuch: Scott Rosenberg, Jeff Pinkner, Kelly Marcel, Will Beall, nach den Marvel-Comics von Todd McFarlane und David Michelinie
Besetzung: Tom Hardy, Michelle Williams, Marcella Bragio, Woody Harrelson, Jenny Slate, Riz Ahmed, Mac Brandt, Michelle Lee, Sope Aluko, Dr. Dan Lewis, Sam Medina
Verleih: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Copyright 2018 by Iris Janke

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

 
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Verfasst von - 2018/10/04 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Doctor Mordrid – Von Zauberern und Dinosauriern

Doctor Mordrid

Von Andreas Eckenfels

Fantasy-Abenteuer // Vor langer Zeit wurde der aus einer anderen Dimension stammende Dr. Anton Mordrid (Jeffrey Combs) auf die Erde geschickt, um diese vor finsteren Mächten zu beschützen. Getarnt als Wissenschaftler lebt der Zauberer gemeinsam mit seinem Raben Edgar Allan in einem Appartement-Komplex in New York City. Die Zeit des Wartens ist für Doctor Mordrid bald vorbei: Sein ebenfalls magiebegabter Erzfeind Kabal (Brian Thompson) kann sich aus seinem Gefängnis befreien und will die Erdenbewohner versklaven. Mit Unterstützung seiner Nachbarin Samantha (Yvette Nipar) bereitet sich Doctor Mordrid auf den ultimativen Kampf zwischen Gut und Böse vor.

Der Franchise-Traum

Mitte der 1980er-Jahre schwebte B-Movie-Produzent Charles Band Großes vor: Der Gründer von Empire Pictures holte keinen Geringeren als den legendären Marvel-Comiczeichner Jack Kirby („Fantastic Four“, „Iron Man“, „X-Men“) an Bord und plante, mit ihm ein weit verzweigtes Film-Franchise zu erschaffen, welches durch viele verschiedene Figuren eng miteinander verzahnt werden sollte. Denn was seit Jahrzehnten auf dem Comicmarkt gang und gäbe ist, muss doch auch im Filmbusiness funktionieren. Doch es kam anders. Empire Pictures ging nach einigen Hits wie „Ghoulies“ (1984), „Re-Animator“ (1985) und „Troll“ (1986) im Jahr 1988 pleite. Band hatte sich mit dem Zukauf eines italienischen Studios übernommen und war auch sonst schlicht überschuldet.

Doctor Mordrid soll die Erde beschützen

Dennoch ließ er sich nicht unterkriegen und gab nach dem Bankrott gleich die Gründung eines neuen Studios bekannt: Full Moon Entertainment. Mit ihm wollte Band sein lange geplantes Filmhelden-Universum nun endlich verwirklichen. Den Auftakt übernahm der große, kleine „Dollman“ (1991), der in der Fortsetzung „Tod im Spielzeugland“ (1993) bereits zum Duell mit den fiesen „Demonic Toys“ (1992) antrat. Ein weiterer Charakter war mit der von Jack Kirby aus alten „Empire Pictures“-Tagen entworfenen Figur des „Doctor Mortalis“ schnell gefunden. Dessen mehr als offensichtliche Anleihen an den berühmten Marvel-Zauberer „Doctor Strange“ waren sicherlich beabsichtigt. Nachdem der Name der Figur aus nicht ganz geklärten Gründen leicht verändert wurde, kam 1992 „Doctor Mordrid“ auf den amerikanischen „Direct to Video“-Markt.

Der böse Kabal kann sich von seinen Ketten befreien

Warum das Franchise nicht wirklich in die Gänge kam, erzählt Torsten Dewi, Mit-Autor der englischsprachigen Charles-Band-Biografie „Empire of the ’B’s“, ausführlich im informativen Booklet und zusammen mit Marco Erdmann im Audiokommentar der vorzüglichen Mediabook-Veröffentlichung von Wicked-Vision Media.

Es bleibt in der Familie

Charles Band erklärte die Inszenierung kurzerhand zur Familienangelegenheit, teilte sich mit seinem Vater Albert („Zoltan, Draculas Höllenhund“, 1977) die Regie, Bruder Robert war für den Soundtrack zuständig. Sogar Charles Bands damals elfjähriger Sohn Alex hat gegen Ende als Kind im Museum einen Kurzauftritt. Alex Band feierte Anfang 2000 kurzzeitig als Sänger von The Calling („Wherever You Will Go“) ein paar Charterfolge.

Samantha unterstützt Mordrid

Gleichzeitig verpflichtete Charles Band einen alten Bekannten für die titelgebende Hauptrolle: Nachdem er zuvor meist durchgeknallte Figuren gespielt hatte, durfte der charismatische Jeffrey Combs als geheimnisvoller Doctor Mordrid in seinen Morgenmantel gehüllt endlich auch mal in einer Heldenrolle glänzen. Im Gegensatz zu Doctor Strange ist das Full-Moon-Pendant nicht egozentrisch, sondern introvertiert und wortkarg angelegt, was ihn um einiges sympathischer als die von Benedict Cumberbatch verkörperte Figur macht. Gleichzeitig harmoniert Combs bestens mit Yvette Nipar, die vor und nach „Doctor Mordrid“ hauptsächlich durch TV-Serien wie „21 Jump Street“ und „RoboCop“ tingelte. Mit seiner kantigen Visage erweist sich Brian Thompson („Die City-Cobra“, „Moon 44“) ein weiteres Mal als Idealbesetzung für einen B-Movie-Bösewicht.

Als Saurier die Kinowelt beherrschten

Wer schon vorher nichts mit den eigenwilligen Full-Moon-Produktionen anfangen konnte, bei dem wird die Waage auch mit „Doctor Mordrid“ wohl kaum umschwenken. Dennoch gehört der „Doctor Strange“-Klon zweifelsohne zu den qualitativ besseren Filmen aus der Low-Budget-Schmiede. Wieder gibt es eine Vielzahl von belanglosen Dialogen, welche die mit knapp 70 Minuten sowieso knappe Laufzeit in die Länge ziehen. Die Gespräche werden diesmal aber dafür genutzt, die Hintergrundgeschichte und die Fähigkeiten des Superhelden näher zu beleuchten. Denn wer die Comic-Vorlage nicht kennt, muss natürlich erst mal erklärt bekommen, warum der Doktor seinen Geist vom Körper isolieren kann.

Die Actionszenen sind rar gesät, aber immerhin gibt es beim großen Finale eine Szene, die man garantiert nicht so schnell vergisst: Im Naturkundemuseum erwecken die Zauberer die Urzeit-Skelette eines Tyrannosarus Rex und eines Mammuts zum Leben und lassen sie gegeneinander antreten. Das Gigantenduell wurde unter anderem von David Allen per Stop-Motion-Technik umgesetzt. Der Effektemeister arbeitete bereits bei „Trancers“ (1984), „Ghoulies II“ (1988) und „Puppetmaster“ (1989) mit Charles und Albert Band zusammen. 1986 erhielt David Allen für seine Mitarbeit an Barry Levinsons „Das Geheimnis des verborgenen Tempels“ sogar eine Oscar-Nominierung.

Doctor Mordrid nutzt seine Kräfte

In Zeiten, in denen gerade „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ (1991) und „Jurassic Park“ (1993) die Möglichkeiten von Spezialeffekten in neue Sphären hievten, verlieh die von Ray Harryhausen perfektionierte alte Technik auch „Doctor Mordrid“ einen nostalgischen und magischen Charme. Gleichzeitig sorgten diese Sequenz und der Erfolg von Steven Spielbergs Saurier-Abenteuer auch beim deutschen Verleiher von „Doktor Mordrid“ für eine Kuriosität: Highlight entschied sich nicht nur dazu, das VHS-Cover nachträglich zu ändern und darauf statt des Helden das Dinosaurier-Skelett abzubilden – gleichzeitig wurde auch noch der Titel in „Rexosaurus“ geändert. Sachen gibt’s …

Für Nachschub ist gesorgt

Die Fans der Trash-Schmiede scharren schon länger mit den Hufen: Der Nachschub an Veröffentlichungen der Full-Moon-Collection von Wicked-Vision Media ist ins Stocken geraten. Aber keine Sorge: Wie Labelchef Daniel Perée im „Movieside“-Forum verriet, wird es auf jeden Fall weitergehen. Innerhalb der Collection sollen drei weitere Filme erscheinen, voraussichtlich als nächstes „Creepzone“ (1987). Danach ist geplant, eine oder zwei Boxen mit mehreren Filmen aus den Häusern Full Moon Entertainment und Empire Pictures zu veröffentlichen. Wir freuen uns schon drauf!

Dinos im Duell

Die Filme der Wicked-Vision-Media-Reihe „Full Moon Collection“:

01. Lurking Fear (Lurking Fear, 1994)
02. Doctor Mordrid (Doctor Mordrid, 1992)

Veröffentlichung: 7. April 2017 als 2-Disc-Mediabook-Edition (Blu-ray & DVD) in drei limitierten Covervarianten (Cover A: 222 Stück, Cover B: 333 Stück, Cover C: 444 Stück)

Länge: 75 Min. (Blu-ray), 71 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Doctor Mordrid
Deutscher Alternativtitel: Rexosaurus
USA 1992
Regie: Albert Band, Charles Band
Drehbuch: C. Courtney Joyner
Besetzung: Jeffrey Combs, Yvette Nipar, Jay Acovone, Keith Coulouris, Ritch Brinkley, Brian Thompson, Pearl Shear, Jeff Austin
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Regisseur Charles Band und Hauptdarsteller Jeffrey Combs, Audiokommentar mit Torsten Dewi und Marco Erdmann, Videozone „Doctor Mordrid“, Uncut Footage: Hinter den Kulissen, Interviews, Trailer, Bildergalerie, 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Torsten Dewi und einem exklusiven Interview mit Lee MacLead
Label/Vertrieb: Wicked-Vision Media

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos & Packshots: © 2017 Wicked-Vision Media

 

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