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Venom – Marvels düsteres Monster mit menschlicher Seite

Venom

Kinostart: 3. Oktober 2018

Von Iris Janke

SF-Action // Sie ist schwarz, sieht eklig klebrig und bedrohlich aus. Die alles verschlingende Masse stammt von einem fremden Planeten. Der außerirdische Symbiont muss einen menschlichen Wirt finden, nur so kann er überleben. Im Gegenzug verleiht er „seinem“ Mensch übermenschliche Kräfte. Gleich am Anfang des Films von Ruben Fleischer wird deutlich: Mit Venom ist nicht gut Kirschen essen.

Eigentlich verstehen sich Anne und Eddie prächtig

Venom und sein Wirt Eddie Brock (Tom Hardy, „Mad Max – Fury Road“) haben sich gesucht und gefunden: Journalist Eddie ist auf der Suche nach einer skandalträchtigen Story. Die Vermutung, dass Dr. Carlton Drake (Riz Ahmed) in seinem Konzern Life Foundation geheime Menschenversuche unternimmt, kommt ihm gerade recht, doch das Interview mit dem Wissenschaftler läuft aus dem Ruder, was Eddie den Job kostet. Einige Zeit später dringt er dennoch ins Labor der Life Foundation ein, wo er mit dem Parasit in Berührung kommt. Sogleich verbindet sich die schwarze Masse mit dem Journalisten und er mutiert zur Comic-Figur Venom, ausgestattet mit langen und spitzen Monsterzähnen und einer Zunge, die noch tödlicher zu sein scheint als seine Fang- und Reißzähne.

Das MRT zeigt Anne Eddies (r.) innere Werte

Regisseur Fleischer hat der US-amerikanischen Comic-Figur Venom aus dem Marvel-Fundus erstmals Leben in Spielfilmlänge eingehaucht. Versucht hatten dies schon viele vor ihm, meist vergeblich. In Sam Raimis „Spider-Man 3“ war Symbiont Venom 2007, gespielt von Topher Grace, zwar auf der Leinwand zu sehen, aber nur mit einem Gastauftritt.

Eddie – nicht immer als Venom unterwegs

Für wen ist diese Marvel Comic-Verfilmung sehenswert? Schwer zu sagen: Für Genre-Fans krankt Fleischers Venom sicher daran, jedem Zuschauer gefallen zu wollen. So mag es ein Fehler sein, den Film auf eine FSK-Freigabe ab zwölf Jahren auszurichten, um aus monetären Gründen auch die jüngeren Marvelfans ins Kino zu bringen. Es hätte ja nicht gleich bei jedem Zungenmord ein riesiges Blutbad geben müssen, aber derart blutarm? Etwas mehr vom Marvel-Film „Deadpool“ (FSK 16) wäre sicher schön gewesen. Zumal die Verpflichtung des „Zombieland“-Regisseurs Ruben Fleischer eigentlich humorige Action im richtigen Maß hätte erwarten lassen. Gelungen ist die Besetzung von Tom Hardy als Venom, zum schmückenden Beiwerk des Films und somit verschenkt gerät hingegen Michelle Williams („Manchester by the Sea“) als Anwältin und Eddies Freundin Weying. Die Actionszenen sind okay geraten, entsprechen dem, was wir von einem Blockbuster dieser Kategorie erwarten. Etwas mehr Härte wäre angemessen gewesen, das Schielen auf die geringe Altersfreigabe lässt „Venom“ etwas weichgespült erscheinen, sodass der Actionfilm letztlich nur mit „noch gut“ ins Ziel geht. Marvel-Fans jeden Alters sei geraten: Auf jeden Fall bis nach dem Abspann im Kinosessel sitzen bleiben, es gibt sehenswerte Zusatzszenen.

Venom – Monster mit hässlicher Fratze

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Tom Hardy sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Venom erweist sich beim Shoppen als Helfer in der Not

Länge: 112 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Venom
USA 2018
Regie: Ruben Fleischer
Drehbuch: Scott Rosenberg, Jeff Pinkner, Kelly Marcel, Will Beall, nach den Marvel-Comics von Todd McFarlane und David Michelinie
Besetzung: Tom Hardy, Michelle Williams, Marcella Bragio, Woody Harrelson, Jenny Slate, Riz Ahmed, Mac Brandt, Michelle Lee, Sope Aluko, Dr. Dan Lewis, Sam Medina
Verleih: Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Copyright 2018 by Iris Janke

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2018 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

 
5 Kommentare

Verfasst von - 2018/10/04 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Full Moon (II): Doctor Mordrid – Von Zauberern und Dinosauriern

Doctor Mordrid

Von Andreas Eckenfels

Fantasy-Abenteuer // Vor langer Zeit wurde der aus einer anderen Dimension stammende Dr. Anton Mordrid (Jeffrey Combs) auf die Erde geschickt, um diese vor finsteren Mächten zu beschützen. Getarnt als Wissenschaftler lebt der Zauberer gemeinsam mit seinem Raben Edgar Allan in einem Appartement-Komplex in New York City. Die Zeit des Wartens ist für Doctor Mordrid bald vorbei: Sein ebenfalls magiebegabter Erzfeind Kabal (Brian Thompson) kann sich aus seinem Gefängnis befreien und will die Erdenbewohner versklaven. Mit Unterstützung seiner Nachbarin Samantha (Yvette Nipar) bereitet sich Doctor Mordrid auf den ultimativen Kampf zwischen Gut und Böse vor.

Der Franchise-Traum

Mitte der 1980er-Jahre schwebte B-Movie-Produzent Charles Band Großes vor: Der Gründer von Empire Pictures holte keinen Geringeren als den legendären Marvel-Comiczeichner Jack Kirby („Fantastic Four“, „Iron Man“, „X-Men“) an Bord und plante, mit ihm ein weit verzweigtes Film-Franchise zu erschaffen, welches durch viele verschiedene Figuren eng miteinander verzahnt werden sollte. Denn was seit Jahrzehnten auf dem Comicmarkt gang und gäbe ist, muss doch auch im Filmbusiness funktionieren. Doch es kam anders. Empire Pictures ging nach einigen Hits wie „Ghoulies“ (1984), „Re-Animator“ (1985) und „Troll“ (1986) im Jahr 1988 pleite. Band hatte sich mit dem Zukauf eines italienischen Studios übernommen und war auch sonst schlicht überschuldet.

Doctor Mordrid soll die Erde beschützen

Dennoch ließ er sich nicht unterkriegen und gab nach dem Bankrott gleich die Gründung eines neuen Studios bekannt: Full Moon Entertainment. Mit ihm wollte Band sein lange geplantes Filmhelden-Universum nun endlich verwirklichen. Den Auftakt übernahm der große, kleine „Dollman“ (1991), der in der Fortsetzung „Tod im Spielzeugland“ (1993) bereits zum Duell mit den fiesen „Demonic Toys“ (1992) antrat. Ein weiterer Charakter war mit der von Jack Kirby aus alten „Empire Pictures“-Tagen entworfenen Figur des „Doctor Mortalis“ schnell gefunden. Dessen mehr als offensichtliche Anleihen an den berühmten Marvel-Zauberer „Doctor Strange“ waren sicherlich beabsichtigt. Nachdem der Name der Figur aus nicht ganz geklärten Gründen leicht verändert wurde, kam 1992 „Doctor Mordrid“ auf den amerikanischen „Direct to Video“-Markt.

Der böse Kabal kann sich von seinen Ketten befreien

Warum das Franchise nicht wirklich in die Gänge kam, erzählt Torsten Dewi, Mit-Autor der englischsprachigen Charles-Band-Biografie „Empire of the ’B’s“, ausführlich im informativen Booklet und zusammen mit Marco Erdmann im Audiokommentar der vorzüglichen Mediabook-Veröffentlichung von Wicked-Vision Media.

Es bleibt in der Familie

Charles Band erklärte die Inszenierung kurzerhand zur Familienangelegenheit, teilte sich mit seinem Vater Albert („Zoltan, Draculas Höllenhund“, 1977) die Regie, Bruder Robert war für den Soundtrack zuständig. Sogar Charles Bands damals elfjähriger Sohn Alex hat gegen Ende als Kind im Museum einen Kurzauftritt. Alex Band feierte Anfang 2000 kurzzeitig als Sänger von The Calling („Wherever You Will Go“) ein paar Charterfolge.

Samantha unterstützt Mordrid

Gleichzeitig verpflichtete Charles Band einen alten Bekannten für die titelgebende Hauptrolle: Nachdem er zuvor meist durchgeknallte Figuren gespielt hatte, durfte der charismatische Jeffrey Combs als geheimnisvoller Doctor Mordrid in seinen Morgenmantel gehüllt endlich auch mal in einer Heldenrolle glänzen. Im Gegensatz zu Doctor Strange ist das Full-Moon-Pendant nicht egozentrisch, sondern introvertiert und wortkarg angelegt, was ihn um einiges sympathischer als die von Benedict Cumberbatch verkörperte Figur macht. Gleichzeitig harmoniert Combs bestens mit Yvette Nipar, die vor und nach „Doctor Mordrid“ hauptsächlich durch TV-Serien wie „21 Jump Street“ und „RoboCop“ tingelte. Mit seiner kantigen Visage erweist sich Brian Thompson („Die City-Cobra“, „Moon 44“) ein weiteres Mal als Idealbesetzung für einen B-Movie-Bösewicht.

Als Saurier die Kinowelt beherrschten

Wer schon vorher nichts mit den eigenwilligen Full-Moon-Produktionen anfangen konnte, bei dem wird die Waage auch mit „Doctor Mordrid“ wohl kaum umschwenken. Dennoch gehört der „Doctor Strange“-Klon zweifelsohne zu den qualitativ besseren Filmen aus der Low-Budget-Schmiede. Wieder gibt es eine Vielzahl von belanglosen Dialogen, welche die mit knapp 70 Minuten sowieso knappe Laufzeit in die Länge ziehen. Die Gespräche werden diesmal aber dafür genutzt, die Hintergrundgeschichte und die Fähigkeiten des Superhelden näher zu beleuchten. Denn wer die Comic-Vorlage nicht kennt, muss natürlich erst mal erklärt bekommen, warum der Doktor seinen Geist vom Körper isolieren kann.

Die Actionszenen sind rar gesät, aber immerhin gibt es beim großen Finale eine Szene, die man garantiert nicht so schnell vergisst: Im Naturkundemuseum erwecken die Zauberer die Urzeit-Skelette eines Tyrannosarus Rex und eines Mammuts zum Leben und lassen sie gegeneinander antreten. Das Gigantenduell wurde unter anderem von David Allen per Stop-Motion-Technik umgesetzt. Der Effektemeister arbeitete bereits bei „Trancers“ (1984), „Ghoulies II“ (1988) und „Puppetmaster“ (1989) mit Charles und Albert Band zusammen. 1986 erhielt David Allen für seine Mitarbeit an Barry Levinsons „Das Geheimnis des verborgenen Tempels“ sogar eine Oscar-Nominierung.

Doctor Mordrid nutzt seine Kräfte

In Zeiten, in denen gerade „Terminator 2 – Tag der Abrechnung“ (1991) und „Jurassic Park“ (1993) die Möglichkeiten von Spezialeffekten in neue Sphären hievten, verlieh die von Ray Harryhausen perfektionierte alte Technik auch „Doctor Mordrid“ einen nostalgischen und magischen Charme. Gleichzeitig sorgten diese Sequenz und der Erfolg von Steven Spielbergs Saurier-Abenteuer auch beim deutschen Verleiher von „Doktor Mordrid“ für eine Kuriosität: Highlight entschied sich nicht nur dazu, das VHS-Cover nachträglich zu ändern und darauf statt des Helden das Dinosaurier-Skelett abzubilden – gleichzeitig wurde auch noch der Titel in „Rexosaurus“ geändert. Sachen gibt’s …

Für Nachschub ist gesorgt

Die Fans der Trash-Schmiede scharren schon länger mit den Hufen: Der Nachschub an Veröffentlichungen der Full-Moon-Collection von Wicked-Vision Media ist ins Stocken geraten. Aber keine Sorge: Wie Labelchef Daniel Perée im „Movieside“-Forum verriet, wird es auf jeden Fall weitergehen. Innerhalb der Collection sollen drei weitere Filme erscheinen, voraussichtlich als nächstes „Creepzone“ (1987). Danach ist geplant, eine oder zwei Boxen mit mehreren Filmen aus den Häusern Full Moon Entertainment und Empire Pictures zu veröffentlichen. Wir freuen uns schon drauf!

Dinos im Duell

Die Filme der „Full Moon Collection“ von Wicked-Vision Media haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet.

Veröffentlichung: 7. April 2017 als 2-Disc-Mediabook-Edition (Blu-ray & DVD) in drei limitierten Covervarianten (Cover A: 222 Stück, Cover B: 333 Stück, Cover C: 444 Stück)

Länge: 75 Min. (Blu-ray), 71 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Doctor Mordrid
Deutscher Alternativtitel: Rexosaurus
USA 1992
Regie: Albert Band, Charles Band
Drehbuch: C. Courtney Joyner
Besetzung: Jeffrey Combs, Yvette Nipar, Jay Acovone, Keith Coulouris, Ritch Brinkley, Brian Thompson, Pearl Shear, Jeff Austin
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Regisseur Charles Band und Hauptdarsteller Jeffrey Combs, Audiokommentar mit Torsten Dewi und Marco Erdmann, Videozone „Doctor Mordrid“, Uncut Footage: Hinter den Kulissen, Interviews, Trailer, Bildergalerie, 24-seitiges Booklet mit einem Essay von Torsten Dewi und einem exklusiven Interview mit Lee MacLead
Label/Vertrieb: Wicked-Vision Media

Copyright 2018 by Andreas Eckenfels

Szenenfotos & Packshots: © 2017 Wicked-Vision Media

 

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Ant-Man and the Wasp – Das große Krabbeln kehrt zurück

Ant-Man and the Wasp

Kinostart: 26. Juli 2018

Von Lutz R. Bierend

Fantasy-Action // Zugegeben: „Ant-Man“ war nie ein Comic, dessen Verfilmung ich entgegengefiebert habe. Zwar versprachen die heutigen technischen Möglichkeiten einige authentischere Einblicke in das Leben als ameisengroßes Wesen, als dies bei einem Klassiker wie Jack Arnolds „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“ 1957 realisierbar war, aber allein von Effekten kann heutzutage an sich kein Film mehr leben. Auch „Das große Krabbeln“ von Pixar musste mehr abliefern als lediglich eine Optik, die wirklich das Gefühl vermittelte, mit millimetergroßen Kameras aufgenommen worden zu sein.

Superheld mit Unterhaltspflicht

Trotzdem überraschte „Ant-Man“ 2015 auf angenehme Weise. Nicht nur vermittelte dessen erster Schrumpfgang in der heimischen Dusche vor allem in 3D wirklich das Gefühl, wie bedrohlich eine laufende Dusche in dieser Größe sein kann, auch erzählte er für einen Marvel-Film eine relativ unaufgeregte Geschichte von einem verantwortungslosen Mann, der ein verantwortungsvoller Vater sein möchte, was sich ebenfalls in der Beziehung zwischen dem von Michael Douglas gespielten Henry Pym zu seiner Tochter Hope (Evangeline Lilly) widerspiegelte. Und auch wenn man die Wandlung vom Saulus zum fürsorglichen Familienvater inzwischen aus jedem zweiten Roland-Emmerich-Film kennt, war dies im Marvel Cinematic Universe ein Novum. Welcher Superheld hatte schon ein Kind und musste sich mit Problemen wie Umgang und Unterhaltszahlungen beschäftigen?

Auf ins Quantenreich – die Frau wartet

Auch wenn im ersten Teil bei der Verhinderung der kommerziellen kriegerischen Nutzung des Schrumpfvorgangs im weiteren Sinne die Welt gerettet wurde, passierte dies auf einer sprichwörtlich kleinen Bühne. Ohne gigantische Monster, Aliens oder andere übermächtige Superschurken, die zurück ins Weltall geschossen werden mussten. Das verlieh dem ersten Teil eine gewisse Originallität. Auch war das Marvel Cinematic Universe eher eine Randerscheinung, die gerade mal ins Spiel kam, als der von Paul Rudd verkörperte Scott Lang alias Ant-Man in ein streng geheimes Avengers-Gebäude einbrechen und dabei den Falcon überwinden muss. Doch seit „The First Avenger – Civil War“ ist Ant-Man ein freier Mitarbeiter der Avengers und „Ant Man and the Wasp“ schließt an den verloren „Bürgerkrieg“ der Avengers auf dem Leipziger Flughafen an.

Hausarrest für Ant-Man

Scott Lang hat wegen seines Einsatzes für Captain America Hausarrest und darf seinen Garten nicht verlassen eine elektronische Fußfessel stellt das sicher. Zum Glück sind seine Ex-Frau und ihr neuer Mann wesentlich umgänglicher, seit Scott im ersten Teil der gemeinsamen Tochter Cassie das Leben gerettet hat. In Teil 2 braucht er nicht einmal mehr Unterhalt zu zahlen, um Umgang mit seiner Tochter zugestanden zu bekommen, aber natürlich passiert es beim Spielen an der auf dem Grundstück aufgebauten Erlebnistour schon mal, dass Scott mit dem Fuß durch den Gartenzaun bricht und einen Großeinsatz des FBI auslöst.

Sieht eigentlich ganz nett aus, versolt den Helden aber gehörig den Hintern: Ghost (Foto: Ben Rothstein)

Henry Pym musste in den Untergrund gehen, nachdem er zur Vernichtung der Yellowjackets das ganze Firmengebäude von Cross Technological Enterprises in Schutt und Asche gelegt hatte. Nachdem es Ant-Man im ersten Teil gelungen war, die Endlosschrumpfung ins Quantum Realm (Quantenreich) durch Modifikation seines Anzugs rückgängig zu machen, sind Pym und seine Tochter Hope besessen von der Idee, seine 1987 im subatomaren Quantenreich verlorene Frau wiederzufinden und ebenfalls zurückzuholen. Lilly darf als Wasp inzwischen den Prototypen ihres Anzugs tragen. Sein Laborgebäude hat Scott dank der Pym-Partikel auf Handkoffergröße geschrumpt, und er schafft es tatsächlich, einen Tunnel zur subatomaren Ebene aufzubauen – der erweist sich aber als noch nicht stabil.

Waffenhändler will Pym-Partikel stibitzen

Von hier an kann man sich eigentlich eine weitere Inhaltsangabe sparen, denn die Geschichte verläuft in der Dramaturgie eines mittelmäßigen Videospiel-Adventures. Besorge die notwendige Energiequelle! Vermeide es, dabei vom FBI erwischt zu werden! Vermeide es, vom betrügerischen illegalen Waffenhändler um deine Pym-Partikel gebracht zu werden, und vermeide die unbesiegbar erscheinende Ghost (Hannah John-Kamen), die die Energie des Quantenreiches zur Lösung ihrer persönlichen Probleme anzapfen will!

The Wasp greift ein (Foto: Ben Rothstein)

Leider fehlt dem Film alles, was den ersten „Ant-Man“ besonders gemacht hat. Langs Wunsch, seiner Tochter ein Vater zu sein, ist nur noch ein Vehikel, um Witze darüber zu machen, wie das FBI an der Nase herumgeführt wird. Die ironischen Spielereien mit dem Perspektivwechsel zwischen Ameisengröße (in welcher der Zweikampf zwischen Yellowjacket und Ant-Man auf der Spielzeug-Eisenbahn ein großes Actionsspektakel war), und der Außenperspektive (wo nur ein paar Lichter aufblitzen, während „Thomas, die kleine Eisenbahn“ gemütlich ihre Runden im Kinderzimmer dreht), fallen komplett unter den Tisch.

Wie geht es weiter?

Wenn Evangeline Lilly es in der Presse als feministische Errungenschaft feiert, dass „Ant-Man and the Wasp“ der erste Marvel-Film ist, bei dem eine weibliche Superheldin im Titel auftaucht, dann ist man geneigt, patriarchale Verschwörungstheorien zu entwickeln, weil die männlichen Macher dafür kein inspirierteres Drehbuch zur Verfügung gestellt haben. Bedauerlich, denn Lilly macht ihre Rolle als Superheldin äußerst anständig und ist als Superheldin fast überzeugender als Paul Rudd in der zweiten Titelrolle. Will man der Gerüchteküche des Internets glauben schenken, ist der Zweck des offenen Endes von „Ant-Man and the Wasp“ (Spoiler-Warnung für alle die „Avengers – Infinity War“ noch nicht gesehen haben,) eine Hintertür zu finden, damit es auch nach dem zerstörerischen Finale von „Avengers – Infinity War“ einen weiteren „Spider-Man“- oder „Doctor Strange“-Film geben kann.

Manchmal kommt es doch auf die Größe an

Das Marvel Cinematic Universe gestaltet sich langsam zu einer großen Fernsehserie, bei der jeder einzelne Marvel-Film wie eine Folge innerhalb dieser Serie behandelt wird. Leider ist „Ant-Man and the Wasp“ eine der belangloseren Folgen, die man eigentlich nur sehen muss, weil das Ende vielleicht eine Bedeutung für die nächste Folge hat und im zweiten Teil von „Avengers – Infinity War“ wichtig wird. Im Fernsehen oder bei Netflix mag man solche uninspirierten Episoden verschmerzen, aber wenn man für so eine Folge den Preis einer Kinokarte bezahlen soll, muss man es sich genau überlegen, ob man sich nicht doch auf die Zusammenfassung in der nächsten Folge beschränken sollte. Sollten die Gerüchte wahr sein, wird es diese sicherlich in „Infinity War 2“ geben und wenn sich dessen Macher auf den relvanten Inhalt von „Ant-Man and the Wasp“ beschränken, wird das keine fünf Minuten dauern. In der gesparten Zeit und mit dem gesparten Geld kann man lieber mit seinen Kindern ein Eis essen gehen. Das ist bei diesem Wetter unterhaltsamer.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Michael Douglas und Laurence Fishburne sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Ein schlagkräftiges Team

Länge: 118 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Ant-Man and the Wasp
USA 2018
Regie: Peyton Reed
Drehbuch: Chris McKenna, Erik Sommers, Paul Rudd, Andrew Barrer, Gabriel Ferrari
Besetzung: Paul Rudd, Evangeline Lilly, Michael Peña, Walton Goggins, Bobby Cannavale, Judy Greer, Michelle Pfeiffer, Laurence Fishburne, Michael Douglas
Verleih: Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Copyright 2018 by Lutz R. Bierend

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 Disney / Marvel Studios (Fotos: Ben Rothstein)

 

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