RSS

Schlagwort-Archive: Matthew McConaughey

Free State of Jones – Unbekanntes Kapitel des Amerikanischen Bürgerkriegs

free_state_of_jones-packshot

Free State of Jones

Von Andreas Eckenfels

Historien-Kriegsdrama // Ende November gab das „Forbes“-Magazin die zehn größten finanziellen Kinoflops des Jahres bekannt. Noch vor „Snowden“, „Ratchet & Clank“ und „Stolz und Vorurteil & Zombies“ landete „Free State of Jones“ mit Matthew McConaughey auf Platz zwei der Liste.

Bei einem Produktionsbudget von 50 Millionen US-Dollar spielte das Bürgerkriegsdrama weltweit gerade mal 23,2 Millionen US-Dollar ein. Auch Oscar-Preisträger sind eben nicht vor Flops gefeit. Aber die Tatsache, dass niemand den Film im Kino sehen wollte, muss das ja noch lange nichts über dessen Qualität aussagen, oder?

Rebellion gegen die Konföderation

1862 tobt der Amerikanische Bürgerkrieg (1861–1865). Farmer Newton Knight (Matthew McConaughey) aus Jones County, Mississippi, ist als Sanitätssoldat für die Südstaaten an der Front im Einsatz. Als sein Neffe Daniel (Jacob Lofland) fällt, beschließt Knight zu desertierten. Er bringt die Leiche des Jungen nach Hause und kehrt zu seiner Frau Serena (Keri Russell) zurück.

MATTHEW McCONAUGHEY stars in THE FREE STATE OF JONES

Newton Knight (l.) und sein Neffe Daniel kämpfen auf der Seite der Konföderationsstaaten

Dort erfährt Knight, dass die Vertreter der Konföderierten hohe Abgaben von der Landbevölkerung fordern, um ihre Truppen zu unterstützen. Gleichzeitig hat die Südstaaten-Regierung als Reaktion auf Abraham Lincolns Emanzipations-Proklamation das sogenannte Zwanzig-Neger-Gesetz erlassen. Dieses Gesetz stellt einen männlichen Weißen pro zwanzig Sklaven vom Wehrdienst frei. So wurden die reichen Großgrundbesitzer geschützt. Ihre Sklaven konnten weiterhin die kostbare Baumwolle ernten und blieben ebenso unter der Kontrolle ihrer Eigentümer, falls sie es wagen sollten, aufmüpfig zu werden.

Die Utopie eines Staates der Gleichberechtigung

Der Unmut bei Knight kennt nun keine Grenzen. Der Deserteur beginnt, sich gegen die Obrigkeit zur Wehr zu setzen. Was als kleine Rebellion in den Sümpfen von Mississippi beginnt, wächst zu einer ganzen Bewegung zusammen, der sich nach und nach immer mehr geflüchtete Schwarze und desillusionierte Weiße anschließen. Newton und seinen Männern gelingt es, die Konföderierten aus Jones County zu vertreiben. Schließlich ruft er den unabhängigen Staat „Free State of Jones“ aus, indem die Menschen gleichberechtigt und friedlich miteinander leben sollen – egal welche Hautfarbe sie haben.

In a barn with the freedmen, Newt (Matthew McConaughey tells Moses (Mahershala Ali) there's a new president now.

Deserteur Newton bereitet mit Moses (l.) und anderen Verbündeten eine Rebellion vor

„Fackeln im Sturm“ (1985/86), „Glory“ (1989) oder „Gettysburg“ (1993): Nach der umfangreichen Aufarbeitung des Sezessionskrieges durch die Historiker haben sich auch zahlreiche Filmemacher an dem Thema abgearbeitet. Doch tatsächlich gelingt es Regisseur Gary Ross („Pleasantville – Zu schön, um wahr zu sein“), mit der Geschichte von Newton Knight ein bislang unbekanntes Kapitel des Amerikanischen Bürgerkriegs zu erzählen.

Fast wie Robin Hood

Nach einigen Schlachtenszenen zu Beginn wird das Geschehen größtenteils nach Mississippi verlagert, wo Knight seinen eigenen Krieg für die Unterdrückten führt. Wenn er und seine Anhänger sich in den Sümpfen verstecken, um vor möglichen Angriffen durch die Kavallerie geschützt zu sein, und dann den Konföderierten-Truppen am Weg auflauern, muss man unweigerlich an Robin Hood denken. Doch Lagerfeuerromantik kommt keine auf. Dafür ist das Thema auch viel zu ernst.

At a millpond, Barbour (Bill Tangradi) and McLemore (Thomas Francis Murphy) and their soldiers wait for the rebels to surrender.

Vor der zahlen- und ausstattungsmäßigen Überlegenheit der Konföderiations-Soldaten …

Unter anderem basierend auf dem Sachbuch „The State of Jones“ von Sally Jenkins und John Stauffer wird die historische Begebenheit von Ross spannend, authentisch und faktenreich aufgearbeitet. McConaughey liefert als Freiheitsheld mit Backenbart dabei eine gewohnt überzeugende Vorstellung ab. Sehr emotional ist das Spiel von Mahershala Ali („House of Cards“) als Moses Washington, der noch ein beängstigend großes, eisernes Sklavenhalsband trägt, als Knight ihn erstmals trifft.

Sprung in die Zukunft

Ross beschränkt sich nicht darauf, Knight vorzustellen. Er packt auch zahlreiche Randerscheinungen der Zeit und die Nachwirkungen von Knights Schaffen mit in die Geschichte hinein – was das Drehbuch unnötig überfrachtet. Das geht sogar so weit, dass die Haupthandlung immer wieder kurzzeitig in die Zukunft springt: Knight hatte mit der Afro-Amerikanerin Rachel (Gugu Mbatha-Raw) Kinder. Rachels Urenkel Davis Knight wurde Ende der 1940er-Jahre nach seiner Heirat mit einer weißen Frau wegen „Rassenmischung“ angeklagt – weil er wenigstens zu einem Achtel Schwarzer sei. Die Gerichtsverhandlung würde sicherlich genügend Stoff für einen eigenen Film bieten.

Zu viel Stoff, zu wenig Zeit

Auch die Phase der „Reconstruction“, die die Übergangsperiode nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs bis 1877 bezeichnet, hat viele spannende Geschichten zu bieten, die Ross trotz der mehr als zweistündigen Laufzeit nur andeuten kann.

Newt (Matthew McConaughey) and his men (Sean Bridgers, left, Artrial Clark, right) in a gun battle on the main street in downtown Ellisville

… lassen sich Newton und seine Männer nicht abschrecken

So zerfällt das Historiendrama in der zweiten Hälfte zunehmend in Einzelepisoden, die teilweise auch durch statische Bilder mit Texttafeln zur Einordnung eingeleitet werden. Da Ross dabei auch inszenatorisch nicht mehr viel Neues einfällt, wirkt alles etwas wie Kapitel in einem Schulbuch, die der Filmemacher abarbeitet. Dennoch: Wer historisch interessiert ist, erhält mit „Free State of Jones“ einen eindringlichen und ungewöhnlichen Blick auf den Amerikanischen Bürgerkrieg und lernt eine Persönlichkeit kennen, die weit entfernt von den bekannten Schlachtfeldern eigene Kämpfe für mehr Menschlichkeit ausgefochten hat.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Mahershala Ali und Matthew McConaughey sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Seated on Newt & Rachel's porch, when Rachel's (Gugu Mbatha-Raw) wheel jams, Serena (Keri Russell) offers to hold the baby so Rachel can fix the wheel.

Newtons Ehefrau Serena (l.) und seine spätere Geliebte Rachel

Veröffentlichung: 10. November 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 140 Min. (Blu-ray), 134 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Free State of Jones
USA 2016
Regie: Gary Ross
Drehbuch: Gary Ross, Leonard Hartman
Besetzung: Matthew McConaughey, Mahershala Ali, Keri Russell, Gugu Mbatha-Raw, Christopher Berry, Sean Bridgers, Jacob Lofland, Thomas Francis Murphy
Zusatzmaterial: Interviews, Wendecover
Vertrieb: EuroVideo Medien

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2016 EuroVideo Medien

 
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

Kubo – Der tapfere Samurai: Die Vergänglichkeit der Dinge

Kubo-Plakat

Kubo and the two Strings

Kinostart: 27. Oktober 2016

Von Matthias Holm

Puppentrick-Fantasy // Das Stop-Motion-Studio Laika hat zwar erst vier Filme produziert, sich damit aber bereits einen fantastischen Ruf erarbeitet. Gerade „Coraline“ kam 2009 im Gewand eines Kinderfilms daher, war aber im Kern ein düsteres, verstörendes Märchen. Nun kommt zwei Jahre nach „Die Boxtrolls“ mit „Kubo – Der tapfere Samurai“ ein neuer Stop-Motion-Film ins Kino. Und obwohl sich die Samurai-Geschichte mit ein paar generischen Story-Elementen behilft, könnte „Kubo“ das bisherige Meisterstück des Studios sein.

Hüte dich vor dem Mondkönig

Kubo (Stimme: Art Parkinson) lebt mit seiner Mutter (Charlize Theron) am Rande eines kleinen Dorfes. Jeden Tag erzählt der Junge den Bewohnern fantastische Geschichten mit seinem magischen Instrument – wenn er darauf spielt, bewegen sich Origami-Blätter nach Kubos Willen. Doch eines Tages bemerkt er zu spät, dass die Nacht angebrochen ist. Seine Mutter hatte ihn immer wieder darauf hingewiesen, dass er bei Nacht nicht draußen sein dürfe – der Mondkönig (Ralph Fiennes) hat es nämlich auf ihn abgesehen. So kommt es durch einige Verwicklung dazu, dass Kubo eine magische Samurai-Rüstung finden muss, um gegen den göttlichen Mondkönig zu bestehen.

1700.0180.still.laika.0002 Kubo (voiced by Art Parkinson) is swept up by his magic origami wings in animation studio LAIKA’s epic action-adventure KUBO AND THE TWO STRINGS, a Focus Features release. Credit: Laika Studios/Focus Features

Kubo hat magische Kräfte

Die Suche nach den Gegenständen, die der junge Held braucht, gestaltet sich recht konventionell. Er trainiert, muss sich Herausforderungen stellen und lernt dabei zwei Gefährten kennen. Dabei wirkt vor allem der Sprung zwischen den Orten der Handlung eher willkürlich, sodass die Welt nicht homogen wirkt. Aber wie fantastisch diese Welt aussieht!

2400.1080.still.laika.0001 Monkey (voiced by Academy Award winner Charlize Theron) finds herself in a fierce battle to protect Kubo in animation studio LAIKA’s epic action-adventure KUBO AND THE TWO STRINGS, a Focus Features release. Credit: Laika Studios/Focus Features

Ein Affe im Kampf um das wichtige Schwert

Jede Einstellung von „Kubo – Der tapfere Samurai“ ist mit Liebe komponiert und wirkt perfekt für die Stop-Motion-Figuren, die sich in dem Film bewegen. Auch die Figuren haben genügend Eigenheiten, um nachhaltig im Gedächtnis zu bleiben. Man freut sich richtig, mit Kubo diese Welt zu erkunden, die stark an der japanischen Mythologie angelehnt ist. Besonders die Gegner, auf die die Abenteuer-Gruppe trifft, sind einfach hervorragend gestaltet.

2700.0120.still.laika.0004 (l-r.) Beetle, Kubo, and Monkey set off on a promising path in animation studio LAIKA’s epic action-adventure KUBO AND THE TWO STRINGS, a Focus Features release. Credit: Laika Studios/Focus Features

Auf der Suche nach den magischen Gegenständen

Auch die Geschichte, so generisch sie verläuft, ist deutlich tiefsinniger als man denkt. Vor allem setzt sie sich mit der Verarbeitung von Verlusten auseinander. Sämtliche wichtige Figuren haben etwas verloren und finden im Verlauf eine Art, damit umzugehen. Sie akzeptieren die Vergänglichkeit der Dinge.

Meisterwerk mit Abstrichen

Lediglich die leicht vorherzusehenden Twists und eben die typische Geschichte halten „Kubo – Der tapfere Samurai“ davon ab, ein komplettes Meisterwerk zu sein. Ansonsten passt alles: Optik, Musik, die – englischen – Synchronsprecher. Allerdings seien Eltern gewarnt: Zwischenzeitlich gibt es, ähnlich wie in „Coraline“, einige wirklich düstere und unheimliche Momente, die nicht wirklich für die Jüngeren geeignet sind.

3200.0560.still.laika.0001 Kubo (voiced by Art Parkinson) proves he’s the son of a samurai as he takes on the vengeful Moon King in animation studio LAIKA’s epic action-adventure KUBO AND THE TWO STRINGS, a Focus Features release. Credit: Laika Studios/Focus Features

Bereit zum Kampf

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Rooney Mara und Charlize Theron sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Ralph Fiennes und Matthew McConaughey in der Rubrik Schauspieler.

Länge: 101 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Originaltitel: Kubo and the Two Strings
USA 2016
Regie: Travis Knight
Drehbuch: Marc Haimes, Chris Butler
Stimmen: Art Parkinson, Charlize Theron, Rooney Mara, Matthew McConaughey, Ralph Fiennes, George Takei
Verleih: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2016 by Matthias Holm

Filmplakat & Trailer: © 2016 Universal Pictures Germany GmbH, Fotos: © 2016 Laika Studios / Focus Features

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

Interstellar – Nolan lernt dazu

Interstellar-Cover

Interstellar

Von Simon Kyprianou

Science-Fiction // Auch wenn Christopher Nolan freilich nicht der brillante Regisseur ist, den viele aus ihm machen, so ist er zumindest mal ein interessanter Filmemacher.

Interstellar-01-Vater-Tochter

Cooper wird seine kleine Murph zurücklassen

Angefangen hat es mit Kurzfilmen, und Nolans früher Gehversuch „Doodlebug“ könnte ebenso gut vom jungen Roman Polanski stammen. Dann twistete er mit „Memento“ einen Blödsinnsfilm daher, dessen Struktur wohl nur darum achronologisch ist, weil man sonst gemerkt hätte, dass es kaum mehr als ein langweiliger TV-Krimi ist. „Inception“ zeigt eines von Nolans Problemen schön auf: die Verwechlsung von komplex und kompliziert. „Inception“ mag kompliziert sein, komplex ist er nicht, eine Reflexion über Träume und Bewusstsein schon gar nicht.

Über den Mangel an emotionaler Fallhöhe

Ein guter Actionfilm ist es auch nicht, dafür ist Nolans Action-Regie zu schwerfällig, sein alle Register der Actionfilm-Locations durchdeklinierender Duktus zu nervtötend. Seine emotionale Fallhöhe ist lächerlich beziehungsweise gar nicht vorhanden. In „Inception“ sind Emotionen nur Mittel zum Zweck: Die Beziehung von Cobb (Leonardo DiCaprio) und seinen Kindern wird niemals ausbuchstabiert, Nolan sucht keine Bilder für das Vermissen. Es ist nur der Motor, den Nolan dazu verwendet, die Handlung in Gang zu bringen, der den Grundstein für die Ereigniskette legen soll.

Auch Cobbs’ Beziehung zu seiner Frau Mal (Marion Cotillard) dient nur der Verkomplizierung. Anders da James Cameron beispielsweise. Man kann Nolan und Cameron, die beiden maßlosen Regie-Wunderkinder, gut miteinander vergleichen. Cameron erhob in „Terminator 2“ die Beziehung vom Terminator und dem jungen John Connor zum Kernthema seines Films und zeichnete seine Figuren feinsinnig und empathisch.

Spiele mit der Lüge

Die interessantesten Werke von Nolan bisher, waren – von „Doodlebug“ einmal abgesehen – die „Dark Knight“-Filme: drei hervorragende, brachiale und kluge Filme; Filme die Ideologien durchdenken, „The Dark Knight“ Anarchie, „The Dark Knight Rises“ (eine Form des) Kommunismus, inklusive Gulags auf dem Hudson River. Auch um Lüge und Wahrheit geht es bei Nolan immer und speziell in den „Dark Knight“-Filmen, die mit der politische Lüge spielen. „Memento“ und „Prestige“ sind auch Spielereien mit Lüge und Wahrheit.

Interstellar-03-Raumschiff

Wohin führt die Reise?

„Interstellar“ ist nun ein sehr interessanter Nolan-Film, ambitioniert, teuer, maßlos. Wer mehr über die Handlung wissen möchte, schaut sich am besten Volkers Text zum Kinostart an. Er betrachtet den Film zudem aus einem anderen Blickwinkel und bewertet ihn etwas besser als ich.

Kompliziert, nicht komplex

Wieder verwechselt Nolan komplex und kompliziert: viele Planeten, verschiedene Zeitrechnungen, unpassender Surrealismus. Das hilft dem Film überhaupt nicht, nimmt ihm aber lange nicht so viel, wie dem vollends auf jener behaupteten Komplexität aufbauenden „Inception“, der sich ja einzig und allein als Spiel mit dieser Komplexität versteht.

Aber erneut ist es ein politisches Werk, ein ideologischer Film. Viele Filme in jüngster Zeit scheinen die Menschheit abschaffen zu wollen, wie die „Transformers“-Filme. Oder jüngst „Chappie“, der meint, menschliches Bewusstsein einfach auf einem USB Stick speichern zu können (sic!) und dann fröhlich eine Mensch-Roboter-Patchworkfamilie gründet. Aber das ist Nolans Ideologie nicht. Mehrfach wird in diesem Film die Idee angesprochen einfach anderswo eine neue Menschheit zu „züchten“ und die alte aufzugeben. Doch Nolan lehnt das ab, das behandelt er wie etwas Obszönes.

Interstellar-02-McConaughey

Astronaut Cooper in seinem Element

Humanismus mit dem Holzhammer

Er versucht einen humanistischen Film zu drehen. Da gibt es eine Vater-Kinder-Geschichte und einen herzzerreißend pathetischen Monolog über die Liebe. Kitschig, peinlich, aber dann doch, ja, schön. Interessant ist lediglich die Übertreibung und das Pathos – alles andere ist langweilig, leider, sagte Christian Kracht. Der einst so emotionslose Nolan hat doch dazugelernt, wenn er auch mit dem Holzhammer vorgeht.

Abgesehen davon liefert Nolan mit „Interstellar“ ein durch und durch dramatisches, dynamisches, wunderbar inszeniertes Weltraumepos, dessen Bilder einen bisweilen staunen lassen. Auch Nolans Schauspielführung ist hier wesentlich gelungener als früher, durchweg einwandfrei. Apropos Bilder: Nolan ist ja auch ein Verfechter des analogen Films, nur leider konnte man den Film beinahe nirgends mehr analog abgespielt im Kino sehen.

Interstellar-04-Raumschiff

Der Weltraum – unendliche Weiten

Musik wie aus „2001 – Odyssee im Weltraum“

Hans Zimmers Soundtrack ist längst nicht mehr so unsägliches Gedröhne, Gehämmer und Gekrache wie man es von ihm gewohnt ist, sondern ein beinahe schon feinsinniger Score, der dafür aber äußerst aufdringlich an die Musik von „2001 – Odyssee im Weltraum“ angelehnt ist. Alles in allem ist „Interstellar“ ein guter Science-Fiction-Film – nicht das Meisterwerk, dass viele darin sehen, aber ohne Frage ein gelungener Film.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Christopher Nolan sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Jessica Chastain, Casey Affleck, Michael Caine, Matt Damon, John Lithgow und Matthew McConaughey unter Schauspielerinnen bzw. Schauspieler.

Veröffentlichung: 31. März 2015 als 2-Disc-Steelbook-Edition Blu-ray, Blu-ray und DVD

Länge: 168 Min. (Blu-ray), 163 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Spanisch, Audiodeskription für Blinde: Englisch
Untertitel: Deutsch und Englisch für Hörgeschädigte, Spanisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch, Isländisch
Originaltitel: Interstellar
USA/GB 2014
Regie: Christopher Nolan
Drehbuch: Jonathan Nolan, Christopher Nolan
Besetzung: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain, Wes Bentley, Michael Caine, John Lithgow, Topher Grace, Casey Affleck, Ellen Burstyn, Matt Damon
Zusatzmaterial: Interstellar: Eine Reise – Ursprünge, Einflüsse und Erzählstrukturen, Der Dreh auf Island: Millers Planet / Manns Planet – So entstehen zwei völlig unterschiedliche Welten in ein und demselben Land, Astronomische Orientierungshilfen – Wie gefilmte Spezialeffekte die Illusion einer echten Weltraumreise vermitteln, Miniaturen im All – Eine Erkundung der in großem Maßstab gebauten Modelle, die im Film verwendet werden, u. v. m.
Vertrieb: Warner Home Video

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2015 Warner Home Video

 
 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: