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Schlagwort-Archive: Mediabook

Gewinnspiel: 4 x Sechs schwarze Pferde auf DVD

Verlosung

Ein Cowboy (Audie Murphy), ein Revolverheld (Dan Duryea) und eine schöne Frau (Joan O’Brien) im Gebiet feindseliger Indianer und Banditen – das birgt knisternde Spannung. Koch Films hat den Western „Sechs schwarze Pferde“ von 1962 jüngst im Rahmen der „Edition Western Legenden“ auf DVD im schmalen Mediabook veröffentlicht und uns vier Exemplare zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Dafür herzlichen Dank im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Zwar bringt es mir Spaß, Filme unter die Leute zu bringen, weil sich die überwältigende Mehrzahl der Gewinnerinnen und Gewinner aufrichtig freut und höflich bedankt. Dennoch geht der Versand etwas ins Geld, zumal „Die Nacht der lebenden Texte“ nach wie vor keinen Cent Ertrag abwirft (die unten ab und zu eingeblendete Werbung schaltet WordPress). Daher: Auf völlig freiwilliger Basis darf mir jede/r Gewinner/in gern anbieten, das Porto in Höhe von 1,55 Euro zu übernehmen – oder höher beim Wunsch nach versichertem Versand. Gebt mir das aber bitte nicht schon im Kommentar mit eurer Antwort bekannt, sondern erst im Gewinnfalle. Ich will nicht in Verdacht geraten, die Sieger danach zuzuteilen.

Zwecks Teilnahme am Gewinnspiel begebt Ihr euch zu meiner Rezension des Films und beantwortet dort (also nicht hier unter dem Gewinnspiel) bis Sonntag, 18. August 2019, 22 Uhr, im Kommentarfeld die Frage am Ende des Textes.

Seid Ihr dazu nicht in der Lage, so schreibt das einfach hin. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die DVD. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Nur eine Teilnahme pro Haushalt. Ich behalte mir vor, Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht für den Lostopf zuzulassen oder ihnen im Gewinnfall nachträglich den Preis abzuerkennen, sofern mir Mehrfachteilnahmen unter Alias-Namen unterkommen. Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Die Rezension von „Sechs schwarze Pferde“ findet Ihr auch hier.

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

 

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Rasputin – Der wahnsinnige Mönch: Erst dämonischer Dracula, dann wollüstiger Wanderprediger

Rasputin – The Mad Monk

Von Volker Schönenberger

Historiendrama // Mit dem legendenumwitterten russischen Mönch bin ich erstmals durch den Disco-Hit „Rasputin“ von Boney M. in Berührung gekommen – meine allererste Lieblingsgruppe, das sei verschämt eingestanden. Ra-Ra-Rasputin, Lover of the Russian Queen – welch tolle Textzeile! War der Rauschebart wirklich Russia’s greatest love machine, wie die seinerzeit höchst erfolgreiche Popkombo von Frank Farian behauptete? Über den historischen Grigori Jefimowitsch Rasputin (1869–1916) bin ich nicht wirklich im Bilde, und es sind Zweifel angebracht, ob Verfilmungen wie „Rasputin, der Dämon der Frauen“ (1932) mit Conrad Veidt in der Titelrolle, „Rasputin, der Dämon von Petersburg“ (1960) oder „Rasputin – Orgien am Zarenhof“ (1983) ein authentisches Bild der historischen Persönlichkeit liefern.

Rasputin kriegt Mecker vom Bischof

Dies lag zweifellos auch nicht in der Absicht von Hammer Films, als sich das Studio entschloss, „Rasputin – Der wahnsinnige Mönch“ zu produzieren. Den Regiestuhl übernahm Don Sharp, der mit „Der Kuss des Vampirs“ (1963) und „Die Teufelspiraten“ (1964) bereits für Hammer tätig gewesen war und kurz zuvor für Hallam Productions „Ich, Dr. Fu Man Chu“ (1965) inszeniert und dort ebenfalls Christopher Lee in der Titelrolle geführt hatte. Gedreht wurde in den Kulissen des gerade (oder gleichzeitig) abgefilmten „Blut für Dracula“, in welchem natürlich einmal mehr Lee in der Titelrolle zu sehen ist. „Rasputin – Der wahnsinnige Mönch“ hält somit das hohe Niveau des Hammer-typischen Produktionsdesigns. Wer erkennt schon den Unterschied zwischen einem Vampirschloss in den Karpaten und einem Zarenpalast in St. Petersburg?

Vom Vampirkostüm in die Mönchsrobe

In der Rolle des Vampirfürsten Graf Dracula strahlt Christopher Lee bei aller Bösartigkeit stets Würde und Noblesse aus. Als Wanderprediger und Wunderheiler Rasputin darf er sich mal so richtig austoben – und er tut das mit Elan und mit einer Leinwandpräsenz, die seine Ko-Darsteller blass aussehen lässt und der Ausstrahlung seiner Dracula-Darstellungen in nichts nachsteht. Etwas mehr „larger than life“ als bei Dracula ist das angelegt, dennoch wirkt Lees Leistung zu keiner Zeit wie Overacting. Jedenfalls traut man Lees Rasputin jederzeit den Bösen Blick zu. Dem Vernehmen nach hatte Christopher Lee zur Vorbereitung ausgiebig über den historischen Rasputin recherchiert.

Der kann das mit die Frauen

Zu Beginn heilt der Wanderprediger durch Handauflegen die im Fieberwahn dahinsiechende Frau eines Gastwirts in einer Kaschemme im hinteren Russland. Im Anschluss widmet er sich ausgiebig Wein, Wodka und Weib. Ein eifersüchtiger Bauernbursche will das nicht hinnehmen und bezahlt dafür mit dem Verlust einer Hand. Für dieses Verhalten und andere Verfehlungen wird Rasputin vor seinen Bischof (Joss Ackland) beordert, dem er eine an sich nachvollziehbare Rechtfertigung liefert: Wenn ich beichte, biete ich Gott nicht nur Eifersucht und belanglose Streitigkeiten, sondern Sünden, die seine Vergebung wert sind. Eine wunderbare Begründung für Wollust, Trunksucht und sonstige Sünden. Vielleicht sollte ich zum Katholizismus konvertieren, da doch die Beichte eine sehr pragmatische Methode zu sein scheint, Vergebung zu erlangen. Nun gut, der Bischof hält diese Haltung für Blasphemie, aber was wissen die Pfaffen schon von weltlichen Genüssen?

Ab an den Zarenhof

Rasputin entzieht sich seinem geistlichen Boss, indem er sich nach St. Petersburg begibt, wo er sich nach einem siegreichen Trinkspiel bei Dr. Zargo (Richard Pasco) einnistet und Sonia (Barbara Shelley) kennenlernt, ihres Zeichens Hofdame der Zarin und eine der Betreuerinnen des jungen Zarewitsch (Robert Duncan). Mit hypnotischen Kräften und seiner Manneskraft macht er sie sich gefügig, und bald steht er vor der Zarin (Renée Asherson) persönlich.

Wer würde diesen Augen widerstehen?

Die sexuelle Komponente zieht sich mehr oder minder deutlich durch viele Hammer-Produktionen, hier kommt sie umso expliziter zum Tragen, wenn sich Rasputin mit einer Gespielin ins Heu oder Bett verzieht. Mitte der 1960er-Jahre stand das Studio noch in voller Blüte, sodass selbst das vergleichsweise ungewöhnliche Sujet des Historiendramas gemeistert wurde. Rasputins wollüstiges Treiben und sein Streben nach Einfluss bürgen dafür, dass die anderthalb Stunden ohne einen Anflug von Langeweile wie im Fluge vergehen. Der so actionreiche wie dramatische Showdown tut sein Übriges dazu. Insgesamt ist dennoch zu konstatieren, dass „Rasputin – Der wahnsinnige Mönch“ ohne Christopher Lee womöglich nur die Hälfte wert wäre.

Üppig ausgestattetes Mediabook

Anolis Entertainment hat das Werk in gewohnt üppiger Manier auf Blu-ray im Mediabook mit zwei Covervarianten gepackt, Mediabook-Verächter können auf eine Blu-ray im Softcase zugreifen, die alle digitalen Boni enthält. Darunter beispielsweise den Film auch im ursprünglichen CinemaScope-Format 2,55:1 – im Vergleich zu den 2,35:1 des Haupt-Features der Blu-ray. An der Bildqualität gibt es wie immer nichts auszusetzen. Beim Ton liegt die Original-Sprachfassung qualitativ deutlich vor der deutschen Synchronisation. Fans von Audiokommentaren werden gleich dreifach bedient: Zu zwei neuen mit bewährtem Personal – siehe unten – gesellt sich ein älterer mit den Darstellern Christopher Lee und Francis Matthews sowie den Darstellerinnen Barbara Shelley und Suzan Farmer. Ein 25-minütiges Making-of und ein viertelstündiges Featurette über Bücher zu Hammer-Filmen runden das Rundum-Sorglos-Paket ab. Englische Untertitel wären für mich das Tüpfelchen auf dem i gewesen, aber womöglich ist die Nachfrage in Deutschland nicht groß genug, dass sich der Zukauf oder die Produktion von diesen für Anolis rechnet. Sammler des Labels werden ohnehin bereits zugegriffen haben, und auch Freunden gepflegter Historien-Exploitation sei „Rasputin – Der wahnsinnige Mönch“ empfohlen.

Die Anolis-Entertainment-Reihe mit Produktionen von Hammer Films haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Christopher Lee sind in der Rubrik Schauspieler aufgelistet. Ein lesenswerter Text zu „Rasputin – Der wahnsinnige Mönch“ findet sich auch bei den Kollegen von „Evil Ed“.

Sonia scheint etwas zu klammern

Veröffentlichung: 25. Januar 2019 als Blu-ray im limitierten Mediabook (in zwei Covervarianten) und Blu-ray, 19. August 2004 als DVD

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 88 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Rasputin – The Mad Monk
GB 1966
Regie: Don Sharp
Drehbuch: Anthony Hinds (als John Elder)
Besetzung: Christopher Lee, Barbara Shelley, Richard Pasco, Francis Matthews, Suzan Farmer, Dinsdale Landen, Renée Asherson, Derek Francis, Joss Ackland, Robert Duncan
Zusatzmaterial: Filmfassung im Originalformat 2,55:1, Audiokommentar mit Christopher Lee, Barbara Shelley, Francis Matthews und Suzan Farmer, Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Gerd Naumann, Audiokommentar mit Uwe Sommerlad und Volker Kronz, „Tall Stories: The Making of Rasputin – The Mad Monk“ (25:21), „Hammer Novelisations – Brought to Book“ (15:07), britischer Kinotrailer, US Double Feature Trailer, TV Spots, Bildergalerie, nur Mediabook: 28-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad, nur Softcase: Wendecover
Label/Vertrieb Blu-ray: Anolis Entertainment GmbH
Label/Vertrieb DVD: Anolis Entertainment GmbH / EMS GmbH

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshots: © 2019 Anolis Entertainment GmbH

 
 

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The Man Who Killed Hitler and Then the Bigfoot – Die Jagd nach dem Monster

The Man Who Killed Hitler and Then the Bigfoot

Von Lucas Gröning

Abenteuerdrama // Ein Mann (Aidan Turner), uniformiert in Nazi-Kluft, dringt in ein Gebäude ein. Darin warten weitere Menschen in Uniformen der Nationalsozialisten. Der Mann kommt zu einer Rezeption. Er gibt dort seine Waffen ab und kann passieren. Plötzlich findet er sich in einem langen Gang wieder. Sein Ziel: die Tür am Ende des Ganges. Er nähert sich ihr mit langsamen Schritten. Auf seinem Weg holt er allerhand Materialien aus verschiedenen Winkeln seiner Kleidung heraus. Er greift unter seinen Hut, in seine Jacke, seine Hose, in einen seiner Schuhe. Aus all diesen Materialien hat er sich in Sekundenschnelle eine Waffe gebaut. Es wird klar, dass sich hinter der Tür eine Zielperson befindet. Eine Zielperson, die es zu infiltrieren gilt. Doch wer soll überhaupt getötet werden? Und wer ist der Mann, der mit dem Mord beauftragt wurde? Fragen über Fragen, die sich beim Sehen des illustren Schauspiels stellen. Mit schnelleren Schritten nähert sich der Mann seinem Ziel und wir Zuschauer nähern uns den Antworten auf unsere Fragen. Als der Mann angekommen ist öffnet er die Tür, tritt herein und … Cut.

Calvin Harris führt im Alter ein ruhiges Leben

Es ist der Beginn von Robert D. Krzykowskis Debütfilm „The Man Who Killed Hitler and Then the Bigfoot“ nach eigenem Drehbuch. Der Regisseur, vorher lediglich durch seinen Kurzfilm „Elsie Hooper“ und kleinere Produktionsjobs bekannt, hat es bereits mit dieser einen Szene, die auch gut aus einem James-Bond-Film hätte stammen können, geschafft, beim Zuschauer ungeheure Neugier zu wecken. Eine fantastische Szene, die so viele Fragen aufwirft, welche der Jungregisseur uns allerdings bereits mit dem Titel seines Werkes beantwortet. Die geheimnisvolle Zielperson des Mannes ist der Führer des nationalsozialistischen Deutschlands von 1933 bis 1945: Adolf Hitler. Der Mann, der den Flur entlang auf die Tür zuläuft, ist der Mann, der ihn töten wird und auch der Mann, der voraussichtlich das legendäre Monster Bigfoot töten wird. Wem das alles jetzt sehr verwirrend und trashig vorkommt, der hat zumindest teilweise recht, denn Geschichte, Fiktion und das Verhältnis beider zueinander wird von „The Man Who Killed Hitler and Then the Bigfoot“ tatsächlich in Teilen auf diese Art verhandelt.

Der alte Mann

Wir machen einen Zeitsprung. Jahre später, irgendwann in den 1980er-Jahren, sehen wir einen alten Mann (Sam Elliott) am Tresen einer Bar. Es ist der Mann, der viele Jahre zuvor Adolf Hitler getötet hat. In der Folge zeigt uns der Film das Leben des Mannes, der auf den Namen Calvin Barr hört. Er zeigt uns die langsamen, gequälten Schritte, die er geht, sein bescheidenes Heim, seinen Hund und seinen Alltag, der aus täglichen Spaziergängen zu seinem Bruder (Larry Miller) und dem nächtlichem Schauen von Fernsehserien besteht – ein tristes Leben. Immer wieder beobachten wir Calvin dabei, wie er einen traurigen Blick in den Spiegel wirft. Gleichbedeutend mit dem Spiegelblick ist die Ankündigung eines Zeitsprunges. Krzykowski zeigt uns dann das Leben des Mannes, wie es früher war, vor dem Mord am nationalsozialistischen Despoten. Er zeigt uns den Job, den Calvin vor dem Hitler-Attentat hatte. Er zeigt uns das Kennenlernen und die ersten Dates mit der Frau (Caitlin FitzGerald), mit der sich Calvin später verloben wollte, was jedoch aus unterschiedlichen Gründen nie funktionierte. Außerdem zeigt er uns die Vorbereitung auf die wichtige Mission, den Diktator des „Dritten Reichs“ zu ermorden. Es sind gerade diese zwei Aspekte, die das Leben des Calvin Barr in der Vergangenheit so sehenswert machen – Die Liebe zu Maxine und die abenteuerliche Mission, das Monster des Nationalsozialismus zu vernichten. Beide Lebensinhalte fehlen dem alternden Calvin in der Gegenwart der 80er, jedoch soll sich bald ein neues Monster zeigen, das zur Strecke gebracht werden muss.

Die Suche nach dem Guten

Eines Tages klopfen zwei FBI-Agenten (Ron Livingston, Rizwan Manji) an seine Tür und überreden ihn, sich einer neuen Gefahr anzunehmen. Er, der Adolf Hitler unter der Vertuschung aller beteiligten Regierungen ermordet hat, soll sich aufmachen, den Bigfoot zu töten. Dieser ist im Film der Überträger einer gefährlichen, tödlichen Krankheit, die sich im Falle eines Weiterlebens des Wesens über die gesamte Welt ausbreiten könnte. Nach ein wenig Überzeugungsarbeit willigt Calvin ein und begibt sich auf die Reise. Dabei wird er stets von seinem inneren Drang getrieben, das Böse und Schlechte aus der Welt zu verbannen. Viele Szenen zeigen uns, wie sich das herzensgute Wesen und die Suche nach dem Guten in der Welt in den Aktionen des Hitler-Mörders manifestieren. So ist er im Rahmen einer ständig mitschwingenden Melancholie nach bestem Willen freundlich und gibt beispielsweise einen gefundenen Lottoschein mit einem Gewinn zurück, ohne den Gewinn einzustreichen. Zugleich manifestiert sich dieses absolut Gute in seiner damaligen Freundin Maxine, die stehts nach Moralvorstellungen handelt, die die meisten Menschen wohl als richtig und gut ansehen würden. Im Zuge dessen wird sie von Calvin sogar als Heilige bezeichnet. Nach diesem absolut Guten strebt auch Calvin, findet in der Gegenwart jedoch erst mit der Jagd auf Bigfoot seine Chance, dieser Suche in einem angemessenen Rahmen nachzugehen, obwohl er selbst dem Zuschauer bereits seit Beginn als rechtschaffende Person vorgestellt wird. Nicht umsonst ist der Protagonist als einer der wenigen Menschen immun gegen die Krankheit des Bigfoot. Somit wird Calvin selbst zum Repräsentanten des Guten und Heiligen, findet jedoch von sich selbst abgesehen zu wenig davon in einer von Egosimus, Korruption und Bosheit geprägten Welt.

Ein wilder Genremix

Diese Suche nach dem Guten erzählt Robert D. Krzykowski, indem er sich bei verschiedensten Filmgenres bedient. In Grundzügen sehen wir ein Drama, das von der Suche nach der eigenen Existenz, dem Sinn des Lebens und dem, wie bereits erwähnt, absolut Guten in der Welt geprägt ist. Darüber hinaus werden uns Szenen gezeigt, die an Agentenfilme angelehnt sind. Andere Abschnitte wie die Anfangsszene der Gegenwartserzählung erinnern an Western, gepaart mit einem Schuss klassischer Action. Zu guter Letzt sehen wir klare Referenzen an das Trashgenre – vor allem beim Aufeinandertreffen des Protagonisten und des Bigfoots und natürlich bei der grundlegenden Ausgangslage des Films, indem Geschichte bewusst verfälscht und mit bekannten fiktionalen Erzählungen vermischt wird. Damit macht uns der Regisseuer und Verfasser des Drehbuchs klar, dass wir diesen Film aus historischer Sicht nicht ernst zu nehmen haben. Auf Basis dieser einigermaßen abwegigen, aber immerhin logisch hergeleiteten Geschichte erzählt uns der Filmemacher tatsächlich eine schöne Story, die viele Fragen rund um das Alter, den Sinn des Lebens und das Streben nach einem bestimmten Lebenszustand stellt. Krzykowskis Werk weiß dabei von der ersten bis zur letzten Sekunde zu unterhalten, auch wenn dem Film die intellektuelle Tiefe anderer großer Werke abgeht, die dieselben Fragen aufwerfen. Darüber hinaus stimmt das Verhältnis der Längen in den einzelnen Szenen ab und an nicht. Manche wirklich spannende Szenen brechen teilweise abrupt ab, während andere, weniger fesselnde Passagen sich oft sehr langgezogen anfühlen. Die tolle Geschichte, die starken schauspielerischen Leistungen, allen voran von Hauptdarsteller Sam Elliott, die schönen Kulissen, sowie die wundervolle Musik von Joe Kraemer („Jack Reacher“, „Mission: Impossible – Rogue Nation“) machen jedoch vieles wieder wett. Auch die tolle Kameraarbeit von Alex Vendler („The Woman“, „Melvin Goes to Dinner“) soll hier Erwähnung finden.

Bald muss sich Calvin auf die Jagd nach einer neuen Gefahr machen

Somit bleibt ein technisch hervorragendes Drama, das seine Zuschauer unterhalten dürfte, dabei die großen Fragen des Lebens stellt, im Hinblick auf eine zufriedenstellende Beantwortung oder zumindest den Versuch dieser Beantwortung gegenüber vergleichbaren Filmen jedoch abfällt.

capelight pictures hat das Werk kürzlich im Mediabook-Format veröffentlicht. Die gewohnt sorgfältig produzierte Edition enthält den Film als Ultra HD Blu-ray, Blu-ray, und DVD. Im Booklet findet sich ein interessantes Interview mit Regisseur Robert D. Krzykowski. Geführt wurde es von „Die Nacht der lebenden Texte“-Autor Leonhard Elias Lemke im Auftrag von „Deadline – Das Filmmagazin“.

14. Juni 2019 als 3-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Ultra HD Blu-ray, Blu-ray & DVD) Blu-ray und DVD

Länge: 98 Min. (Ultra HD Blu-ray und Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Man Who Killed Hitler and Then the Bigfoot
USA 2018
Regie: Robert D. Krzykowski
Drehbuch: Robert D. Krzykowski
Besetzung: Sam Elliott, Aidan Turner, Sean Bridgers, Ron Livingston, Caitlin FitzGerald, Larry Miller, Ellar Coltrane, Rizwan Manji, Mark Steger, Nikolai Tsankov
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Robert D. Krzykowski, Behind the Scenes, entfallene Szenen, Interview mit Soundtrack-Komponist Joe Kraemer, Robert D. Krzykowskis Kurzfilm „Elsie Hooper“, Trailershow, nur Mediabook: 24-seitiges Booklet mit einem Interview mit Regisseur und Drehbuchautor Robert D. Krzykowski
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2019 by Lucas Gröning

Szenenfotos & 3er-Packshot: © 2019 capelight pictures

 

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