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Blood Father – Mel Gibon mischt die Drogengangster auf

Blood Father

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Seine harten Tage hat er eigentlich hinter sich gelassen: Der Ex-Biker, Ex-Knacki und trockene Alkoholiker John Link (Mel Gibson) lebt zurückgezogen in einem Trailerpark, wo er sich als Tätowierer über Wasser hält. Die Zurückgezogenheit findet ein jähes Ende, als seine Tochter Lydia (Erin Moriarty, „True Detective“) in sein Leben platzt, von der er seit Jahren nichts gehört hatte. Lydia hat sich mit einem mexikanischen Drogenkartell eingelassen, nun trachten ihr die Gangster nach dem Leben. Schnell tauchen die ersten Halsabschneider vor Links Trailer auf. Nur das beherzte Eingreifen seines Nachbarn Kirby (William H. Macy, „Fargo – Blutiger Schnee“) verhindert ein Blutbad. Link muss mit seiner Tochter die Flucht ergreifen.

Der Ärger beginnt

Der dreckige Actionthriller wurde in New Mexico gedreht, ist aber eine französische Produktion mit einem französischen Regisseur: Jean-François Richet inszenierte 2005 das Remake „Das Ende – Assault on Precinct 13“ und 2008 die beiden „Public Enemy No. 1“-Filme mit Vincent Cassel. „Blood Father“ folgt nicht gerade neuen Pfaden: Ein vormals am Leben Gescheiterter bekommt auf seine alten Tage Gelegenheit, wenigstens etwas zu kitten – zum Beispiel das Verhältnis zu seiner Tochter. Das kann Action-Ikone Mel Gibson natürlich routiniert herunterspulen. Herausgekommen ist schnörkellose, flirrende Action mit einer ohne Rührseligkeit erzählten Vater-Tochter-Story und schonungslosem Body Count – denn Leben zählen nicht viel, wenn es um mexikanische Drogengeschäfte geht.

Die Nachbarn eilen zu Hilfe

Die gute Besetzung tut ihr Übriges. In einer Nebenrolle als Lydias Gangster-Freund Jonah setzt Diego Luna Akzente. Der Mexikaner ist bereits seit Anfang der 90er-Jahre stetig im Filmgeschäft aktiv, ergatterte aber erst jüngst als Cassian Andor in „Rogue One – A Star Wars Story“ seine erste große Hollywood-Hauptrolle. Als John Links alter Weggefährte tritt Tarantino-Favorit Michael Parks in Erscheinung, der nicht erst seit „From Dusk Till Dawn“ gern gesehener Gast in harten Genrefilmen ist.

John Link ist im Herzen stets Vater geblieben

Drehbuchautor Peter Craig schrieb auch an den Skripts von „Die Tribute von Panem – Mockingjay (1)“, „Die Tribute von Panem – Mockingjay (2)“ und „The Town – Stadt ohne Gnade“ mit. Der rohe „Blood Father“ ist kein Meilenstein des Actionkinos, überzeugt aber als stilsicherer Genrebeitrag.

Ein geheimnisvoller Killer heftet sich an die Fersen der Links

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Mel Gibson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Showdown in der Wüste

Veröffentlichung: 28. Oktober 2016 als Blu-ray im Steelbook, Blu-ray und DVD

Länge: 88 Min. (Blu-ray), 85 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Niederländisch
Originaltitel: Blood Father
F 2016
Regie: Jean-François Richet
Drehbuch: Andrea Berloff, Peter Craig, nach Craigs Roman
Besetzung: Mel Gibson, William H. Macy, Erin Moriarty, Diego Luna, Michael Parks, Miguel Sandoval
Zusatzmaterial: Interviews, B-roll, Original-Trailer
Vertrieb: Splendid Film / WVG Medien GmbH

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Splendid Film / WVG Medien GmbH

 
 

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Die Passion Christi – Das Leid Jesu als antisemitischer Torture Porn?

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The Passion of the Christ

Von Volker Schönenberger

Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt. (Jesaja 53, 700 v. Chr., Texttafel zu Beginn des Films)

Religionsdrama // Als kurz nach der Jahrtausendwende die ersten Gerüchte aufkamen, runzelten viele die Stirn: Mel Gibson dreht einen Film über Jesus Christus – und das in Aramäisch?! Dafür geht doch niemand ins Kino! Es kamen schlussendlich noch Hebräisch und Latein hinzu, was das Ganze auch nicht vereinfachte, aber die Skeptiker irrten: „The Passion of the Christ“, so der Originaltitel, avancierte an den Kinokassen zum erfolgreichsten Film, der in den USA je mit einem R-Rating versehen in die Lichtspielhäuser kam – die aufgrund ausufernder Gewaltdarstellung erteilte Beschränkung, die Kindern und Jugendlichen unter 17 Jahren den Zutritt nur in Begleitung eines Erwachsenen gewährt, gilt in den Vereinigten Staaten als Kassengift. Es ist obendrein der erfolgreichste je gedrehte religiöse Film und der erfolgreichste nichtenglischsprachige Film. Von daher hat Mel Gibson wohl alles richtig gemacht.

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Kurz vor seiner Verhaftung geht Jesus in sich

Oder nicht? Auf die Gewaltdarstellung komme ich später zurück, zuvor sei ein oft genannter Kritikpunkt thematisiert: „Die Passion Christi“ weise antisemitische Tendenzen auf. Das ist leider nicht von der Hand zu weisen, die dargestellten jüdischen Hohepriester – ihres Zeichens Pharisäer – sind fanatische Eiferer, die Judas (Luca Lionello) nur zu gern die 30 Silberlinge dafür zuwerfen, dass er ihnen Jesus Christus (James Caviezel) ausliefert. Später gibt Judas das Blutgeld zurück und erhängt sich. Die jüdischen Schergen verprügeln Jesus erst einmal nach Herzenslust, schlagen auch während des Verhörs durch die Geistlichen auf ihn ein, von denen kritiklos hingenommen. Die Würdenträger werden in der Tat ausgesprochen abgefeimt gezeichnet, den Vorwurf muss sich Gibson gefallen lassen. Er hat derlei Ansichten 2006 dann ja auch mit ein paar eindeutigen Äußerungen bestätigt, nachdem er wegen Alkohols am Steuer von der Polizei angehalten worden war. Die Entschuldigung folgte zwar prompt, aber sie entfernt ja nicht die Gedanken aus dem Kopf, die er offenbar hatte. Da bleibt es nicht aus, 1 und 1 zusammenzuzählen und zu schlussfolgern: Wenn jemand davon faselt – besoffen hin oder her –, die Juden seien für alle Kriege verantwortlich, liegt der Gedanke nahe, seine etwas zuvor erfolgte Inszenierung jüdischer Geistlicher in einem Film sei wohl nicht ganz zufällig so ausgefallen, wie sie ausgefallen ist. „Die Juden haben den Heiland ermordet!“ Dieser uralte Vorwurf ist eine zulässige Interpretation von „Die Passion Christi“ – und das macht auch den Vorwurf des Antisemitismus zulässig. Im Netz finden sich weitere, detailreichere Begründungen für diesen Vorwurf, ich könnte sie aber mangels tieferer Kenntnis der Materie nur unbelegt abschreiben, daher beschränke ich mich auf das Offenkundige, das sich mir selbst erschlossen hat.

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Das letzte Abendmahl

Über Mel Gibson ist bekannt, dass er sich dem katholischen Traditionalismus verbunden fühlt, speziell dem Sedisvakantismus. Von mir aus sollen sich konfessionelle Abspaltungen, Freikirchen, Sekten und dergleichen in die Wolle kriegen, solange sie andere nicht damit behelligen. Für die meisten Filme Gibsons – ob vor oder hinter der Kamera – scheint mir seine religiöse Einstellung irrelevant zu sein. Bezüglich seiner Darstellung des Kreuzwegs Jesu ist es natürlich erwähnenswert, dass der Regisseur einer Glaubensgemeinschaft angehört, deren Haltung in vielen Aspekten vom römischen Katholizismus abweicht.

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Maria Magdalena ist Jesus treu ergeben

Bei der Suche nach einem Hauptdarsteller war es Gibson offenbar wichtig, jemanden zu finden, der mit ihm religiös auf einer Welle schwimmt. Wenn man sich James Caviezels Darstellung Jesu anschaut, kann man auch nicht umhin zu konstatieren, dass er eine gute Wahl war. Den Schmerz und das Akzeptieren des Schmerzes, die Zweifel am Kreuz, die in „Es ist vollbracht!“ umschlagen – das bringt er gut rüber, wohl nicht nur, weil seine Initialen passen. Caviezel ist selbst streng katholisch und ein Bewunderer Gibsons. Inwiefern die religiösen Ansichten der beiden sich decken, vermag ich nicht zu beurteilen, jedenfalls scheinen sich für „Die Passion Christi“ zwei gefunden zu haben. Caviezel wusste wohl vorher, worauf er sich einlässt – einen drohenden Karriereknick. 1998 hatte er die Hauptrolle in „Der schmale Grat“ von Terrence Malick erhalten, einem Regisseur, nach dem sich seinerzeit die geballte Starpower Hollywoods die Finger leckte – John Travolta und George Clooney beispielsweise waren mit Minimalstauftritten zufrieden, nur um dabei zu sein. Caviezel galt um die Jahrtausendwende als kommender Topstar, doch nach „Die Passion Christi“ blieb ihm der Sprung in die A-Liga verwehrt. Na ja, so hat jeder sein Kreuz zu tragen.

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Die Tempelgarde hat Jesus gefangen

Gibson arbeitet bekannte Details ab: Petrus (Francesco De Vito) verleugnet Jesus drei Mal, der römische Statthalter Pontius Pilatus (Hristo Shopov) gibt auf Verlangen des Pöbels statt Jesus den Verbrecher Barrabas (Pietro Sarubbi) frei und wäscht seine Hände in Unschuld. In manchen Visualisierungen orientierte sich der Regisseur an klassischen religiösen Kunstwerken, etwa bei der Darstellung der Stationen des Kreuzwegs. Jesu Mutter Maria (Maia Morgenstern) und Maria Magdalena (Monica Bellucci) kommen die Parts der aus der Ferne Mitleidenden zu, die die Folter und die Pein des Geplagten mitansehen – keine herausfordernden Rollen.

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Pontius Pilatus (3. v. l.) wundert sich: Das Volk will nicht Jesus (l.) in Freiheit sehen, sondern den Verbrecher Barrabas (2. v. r.)

Während der erneuten Sichtung von „Die Passion Christi“ kam mir wiederholt die Gewaltreflexion „Martyrs“ von 2008 in den Sinn, in der es darum ging, dass Folteropfer in einem Nahtodzustand spirituelles Erwachen erfuhren, wenn die Folter nur exzessiv genug ausfiel. Nicht auszuschließen, dass Pascal Laugier, Drehbuchautor und Regisseur des französischen Terrorfilms, ein wenig Inspiration aus Mel Gibsons Beitrag zum Torture-Porn-Genre gezogen hat, denn genau genommen ist der Film des Australiers nichts anderes. Die Handlung von „Die Passion Christi“ spielt sich weitgehend vom Moment der Verhaftung Jesu bis zu seiner Kreuzigung und dem – je nach Sichtweise – jämmerlichen Verrecken oder erhabenen Sterben ab.

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Der Gang zur Kreuzigung …

Wir bekommen hautnah zu sehen, wie zwei gewaltgeile römische Soldaten Jesus mit Peitschen die Haut vom Körper schälen. Es kommt auch eine Art neunschwänzige Katze mit eisernen Haken zum Einsatz, die ganze Fleischbrocken aus dem Körper reißt – so explizit in Szene gesetzt, dass es beim Zuschauen schmerzt. Die beiden Römer mühen sich redlich und strengen sich so sehr an, dass sie ab und zu innehalten müssen, um zu verschnaufen – eine etliche Minuten dauernde Sequenz, die die titelgebende Passion spürbar macht. Wenn das Gibsons Intention war – und daran kann an sich kein Zweifel bestehen –, so hat er sein Ziel erreicht.

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… ist eine Tortur sondergleichen

Aber weshalb das Ganze? Müssen wir die an Jesus verübte Gewalt so deutlich vor Augen geführt bekommen, um zu erkennen, was der Messias für unsere Erlösung auf sich genommen hat? Das kann man bejahen oder verneinen, Mel Gibson wollte es aber nun mal so haben. Ganz abwegig finde ich den Gedanken nicht. Nach „Die Passion Christi“ kann man sich jedenfalls die Leiden des Heilands noch besser vor Augen führen. Auch die Kreuzigung hat Gibson denkbar intensiv und peinigend inszeniert. Wer hat schon beim Gottesdienst einen Blick auf das Kreuz geworfen und darüber nachgedacht, was der historische Jesus – so es ihn denn gegeben hat – buchstäblich durchlitten haben muss? Will man das körperlich nachvollziehen, gibt einem Mel Gibson jedenfalls das Mittel dazu an die Hand. Ob das gut oder schlecht ist – entscheidet selbst, da wasche nun ich meine Hände in Unschuld.

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Was kann da Linderung bringen?

Als spirituelle Erfahrung hingegen erscheint „Die Passion Christi“ denkbar ungeeignet, wer daran interessiert ist, halte sich lieber an Martin Scorseses „Die letzte Versuchung Christi“ von 1988, der sich allerdings gegenüber der Bibel mehr Freiheiten nimmt und seinerzeit auf eine andere Weise ebenfalls große Kontroversen ausgelöst hat. Mel Gibson hat zwar die Evangelien miteinander vermengt, ihm war aber daran gelegen, eine vergleichsweise „werkgetreue“ Umsetzung vorzulegen. Dass er synchron zu den vier Kanon-Evangelien gleichzeitig vier Jesusfilme dreht, wäre auch zu viel des Guten gewesen. Natürlich traten zügig Kritiker auf den Plan, die dem Regisseur in vielen Details historische Ungenauigkeiten vorwarfen, aber da mag ich mich nicht einreihen. Wer glaubhaft machen kann, dass es sich bei den Evangelien um Geschichtsbücher handelt, möge gern den ersten Stein werfen. Ob in der Zeit, in der Jesus gekreuzigt worden sein soll, in Judäa tatsächlich die Sprachen Aramäisch, Hebräisch und – von den römischen Besatzern – Latein gesprochen worden sind, ist eine interessante sprachgeschichtliche Frage, für die Bewertung des Films aber nachrangig. Gibson wurde sogar vorgeworfen, er suggeriere damit nicht vorhandene Authentizität, was das Publikum manipuliere – ein absurder Einwand, sind Spielfilme doch per se manipulativ, wollen sie die Zuschauer mental in ihre Handlung hineinziehen. Bei mir hat das funktioniert, als Mittel zu diesem Zweck ist das akzeptabel.

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Passant Simon muss Jesus beim Tragen helfen

Die scharfe Kritik an der gezeigten Gewalt bewog den Regisseur, eine etwas entschärfte Fassung schneiden zu lassen, die als „Recut“ bekannt ist. Über die Unterschiede könnt Ihr euch bei den Kollegen von Schnittberichte informieren. Ob man beide Fassungen braucht, sei jedem selbst überlassen, so oder so ist die limitierte Collector’s Edition von capelight pictures eine herausragende Edition mit Kinofassung auf Blu-ray und DVD, Recut auf Blu-ray und Soundtrack auf CD. Auf einen groben Makel muss aber hingewiesen werden: Der an sich sehr interessante und lesenswerte Booklettext ist frei von jeder kritischen Würdigung des Films. Wer ein derart kontroverses Werk in aufwändiger Edition veröffentlicht, sollte tunlichst verschiedene Seiten beleuchten. Das ist kein Film, den man veröffentlicht, damit ihn sich Sammler einfach so ins Mediabook-Regal stellen (auch wenn das viele so gehandhabt haben werden). Denkbar, dass der Verzicht auf Kritik Teil des Deals beim Erwerb der Rechte für den deutschen Markt war, aber das macht es nicht viel besser.

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Maria Magdalena, Maria und Johannes (v. l.) begleiten Jesus zur Kreuzigungsstätte Golgatha

Fans eines gepflegten Torture-Porn-Exzesses kommen voll auf ihre Kosten, sofern sie gewillt sind, die getragene religiöse Epik hinzunehmen, die „Die Passion Christi“ atmet. Der Kritik an der ausufernden Gewalt schließe ich mich daher nicht an. Wer Leid zeigen will, zeige es richtig und nicht halbgar. Um das Drama als religiöses Werk zu goutieren, muss man aber wohl ähnliche Ansichten hegen wie Mel Gibson und James Caviezel. Das ist letztlich eine Frage des eigenen Glaubens oder Unglaubens, was jedoch nicht für Gibsons Darstellung der jüdischen Priester und der jüdischen Gemeinde gilt. Hier ist scharfe Kritik angebracht. Dennoch: Wer die großen religiösen Werke der Filmgeschichte kennen will, kommt nicht daran vorbei, sich auch „Die Passion Christi“ anzuschauen.

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Im Leid fühlt sich Maria Magdalena mit Jesus vereint

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von und/oder mit Mel Gibson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 11. April 2014 als 4-Disc Limited Collector’s Edition (2 Blu-rays, DVD, Soundtrack-CD), Blu-ray und DVD, 1. März 2005 als DVD (Highlight Video)

Länge: 127 Min. (Blu-ray Kinofassung), 122 Min. (Blu-ray Recut) 121 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Aramäisch/Hebräisch/Latein
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Passion of the Christ
USA 2004
Regie: Mel Gibson
Drehbuch: Benedict Fitzgerald, Mel Gibson
Besetzung: James Caviezel, Monica Bellucci, Maia Morgenstern, Christo Jivkov, Francesco De Vito, Hristo Shopov, Luca Lionello, Claudia Gerini, Fabio Sartor, Jarreth J. Merz
Zusatzmaterial: Dokumentation „Durch seine Wunden sind wir geheilt – Das Making of DIE PASSION CHRISTI“, zusätzlich nur Blu-ray: 4 Audiokommentare, Podiumsdiskussion mit Crew-Mitgliedern, 2 entfallene Szenen, 5 Featurettes, 2 TV-Spots, 2 Trailer, zusätzlich nur Collector’s Edition: Recut-Schnittfassung auf Blu-ray, 24-seitiges Booklet, Soundtrack-CD
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

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Es ist vollbracht!

Fotos: © 2017 capelight pictures / Al!ve AG

 

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Wir waren Helden – Soldaten waren sie!

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We Were Soldiers

Von Volker Schönenberger

Kriegs-Action // Ein Trupp französischer Soldaten bewegt sich im Juni 1954 durchs zentrale Hochland von Vietnam. Es sind die letzten Tage des Französischen Indochinakriegs. Die Einheit gerät in einen Hinterhalt der Việt Minh und wird in einem der Gefechte der Schlacht am Mang-Yang-Pass vollständig massakriert. Việt-Minh-Anführer Nguyễn Hữu An (Duong Don) macht keine Gefangenen, weil er annimmt: Kill all they send, and they will stop coming. Töte man alle, die auftauchen, werde der Feind irgendwann aufhören, weitere Soldaten zu schicken.

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Glücklich verheiratet: Hal und Julie

Die Franzosen haben das offenbar tatsächlich irgendwann eingesehen, aber dann kommen die Amerikaner: Elf Jahre später erhält Lieutenant Colonel Hal Moore (Mel Gibson) den Auftrag, das 7. Kavallerieregiment der 1. US-Kavalleriedivision in Vietnam in den Kampf zu führen. Die Truppen sollen nach einer neuartigen Methode vorgehen: Tollkühne Helikopterpiloten wie Major Bruce „Snake“ Crandall (Greg Kinnear) fliegen die Männer zum Ort des Geschehens, setzen sie dort ab und holen sie nach Ende des Kampfes wieder ab. So die Idealvorstellung, die in den USA wieder und wieder geübt wird, bevor es nach Südostasien geht.

Die Schlacht im Ia-Drang-Tal

Am 14. November 1965 kommt es zur ersten großen Auseinandersetzung des Vietnamkriegs: der Schlacht im Ia-Drang-Tal. Trotz permanenter Luftunterstützung können Moore und seine Männer es nicht verhindern, eingekesselt zu werden. Die nordvietnamesischen Truppen rücken ihnen so eng auf die Pelle, dass die US-Flugzeuge den Feind mit ihren Bomben und Raketen nicht dezimieren können.

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Seine Ehefrau verbirgt die Angst um ihren Mann

Neben den üblichen unerfahrenen Soldaten wie dem jungen 2nd Lieutenant Jack Geoghegan (Chris Klein) finden wir weitere Stereotypen des Kriegsfilms, darunter den erfahrenen Sergeant Major Basil Plumley (Sam Elliott), ein Kerl wie eine Eiche, den nichts aus der Ruhe bringen kann. Auch ein Kriegsfotograf greift ins Geschehen ein: Joe Galloway (Barry Pepper), der dann auch zur Waffe greift und Seite an Seite mit den anderen Soldaten ums Überleben kämpft. Das wird arg plakativ, wenn ihn nach Ende der Schlacht eingeflogene Reporterkollegen befragen wollen – hier Galloway, in Uniform, dreckig bis zur Schwärze, dort die übrigen Journalisten, in Zivil, sauber gekleidet, ahnungslos. Endgültig zu viel wird es, wenn Hal Moore kurz darauf mit Tränen in den Augen zu Reporter Galloway sagt, er könne es sich nie verzeihen, dass seine Männer gestorben sind und er selbst nicht. Hohler kann soldatisches Pathos nicht sein, Hauptsache mit getragenen Streicherklängen unterlegt.

Waren das Helden?

Während der langen, ja ausufernden Kampfszenen mit ihrem enorm hohen Body Count auf beiden Seiten und der drastischen Darstellung des Sterbens war ich kurz versucht, „Wir waren Helden“ eine Antikriegs-Botschaft zuzugestehen. Zu sinnlos erscheint es, dass Soldaten 14.000 Kilometer weit transportiert werden, um dort aus antikommunistischen Motiven gegen ein kleines Land zu kämpfen. Sie sind aber dann doch alle zu heldenhaft, die Männer um Hal Moore – jederzeit bereit, für die Kameraden alles zu tun. Sie waren eben Soldaten, wie der Originaltitel des Films ausdrückt: „We Were Soldiers“. Das impliziert: Sie taten das, was zu tun war, weil es ihnen befohlen worden ist. Der deutsche Verleih hielt es offenbar für nötig, das Heldentum stärker zu betonen – „Wir waren Helden“ eben.

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Es geht los

In einzelnen, kurzen Momenten versucht der Film, eine Haltung zu entwickeln, einen Hauch von Kritik einzubringen – woran auch immer: Der Erzähler aus dem Off spricht zu Beginn von einem Krieg, den sein Land nicht verstehe. Wen er allerdings mit seinem Land meint, bleibt offen. Es mag die Friedensbewegung sein, die damals in den USA gegen den Vietnamkrieg auf die Straße ging, was bei manchen Apologeten des Krieges eine Dolchstoßlegende entstehen ließ. Wenn nach dem Massaker an den französischen Soldaten zehn Jahre übersprungen werden, sehen wir 1964 in Fort Benning (Georgia) zwei Offiziere, die den kommenden Gegner nicht recht ernst nehmen: Der eine spricht von Höhlenmenschen in Pyjamas. Als sein Nebenmann erwidert, diese hätten bereits die französische Armee geschlagen, äußert er nur geringschätzig: The French Army? What’s that? Da hat man wohl den Gegner sträflich unterschätzt, soll das heißen, das Thema bleibt aber Momentaufnahme, später geht es ausschließlich ums Soldatentum.

Die Ehefrauen bangen daheim um ihre Männer – und bleiben pflichtbewusst

Den ohnehin nicht wirklich eingeschlagenen Pfad der Kritik am Wesen des Krieges verlässt „Wir waren Helden“ vollends mit der Darstellung der bangenden Familien daheim: Offiziersgattin Julie Moore (Madeleine Stowe) organisiert den Zusammenhalt der Ehefrauen am Stützpunkt. Sie lässt auch die Telegramme mit den Nachrichten an die Ehefrauen Gefallener zu sich bringen, um die bittere Botschaft persönlich zu überbringen. Das bringt großen Schmerz für die Witwen mit sich, aber je ein Wort der Kritik? Ein Aufschrei einer der Witwen über die Sinnlosigkeit des Todes ihres Liebsten? Fehlanzeige. Ist’s Zufall, dass in diesen Szenen stets das Sternenbanner zu sehen ist? Trotz all ihrer Angst halten die Ehefrauen den Männern an der Front und damit der US-Army als Ganzes brav den Rücken frei – über den Tod des Ehemanns hinaus. So wünscht sich eine Krieg führende Nation die Ehefrauen ihrer Soldaten.

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Lieutenant Colonel Hal Moore führt seine Soldaten in den Kampf …

Soldaten und ihre Angehörigen haben pflichtbewusst zu sein – sie sind eben Soldaten. Dieser kritiklose Militarismus wertet „Wir waren Helden“ leider stark ab. „Leider“ deshalb, weil er als Kriegs-Actionfilm enorm unterhaltsam und spannend geraten ist und zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommt – und das, obwohl es über weite Strecken ununterbrochen und ohne Abwechslung mit Kampfszenen zur Sache geht. Das könnte irgendwann langweilen, tut es aber nicht. Regisseur Randall Wallace hat für seine zweite Regiearbeit nach „Der Mann in der eisernen Maske“ (1998) mit Leonardo DiCaprio gut aufgepasst, was Schlachtenszenen angeht: Für Mel Gibsons „Braveheart“ (1995) und Michael Bays „Pearl Harbor“ (2001) hatte er die Drehbücher geschrieben, also immerhin schon als Autor Erfahrung mit kriegerischen Auseinandersetzungen gesammelt.

Kriegs-Action ohne kritische Töne

Korrekte Namen, korrekte Schauplätze – „We Were Soldiers“ suggeriert Authentizität. Abgesehen von einigen aus Gründen der Dramaturgie veränderten Geschehnissen könne es so gewesen sein. Auch der echte Hal Moore gab dem Film dem Vernehmen nach seinen Segen. Aber vielleicht glaubt er auch heute noch, in einem gerechten Krieg gekämpft zu haben. Mit ganz viel Augenzudrücken lässt sich „Wir waren Helden“ als reine Kriegs-Action sehr gut schauen, erst recht, wenn man Heldenkino mag. Für Hollywoods A-Liga ist das viel zu wenig. Als Beitrag zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der US-Intervention in Vietnam ist der Film denkbar ungeeignet. Aber da befindet er sich mit Filmen wie „Rambo II – Der Auftrag“, „Missing in Action“ und „Im Wendekreis des Söldners“ in guter Gesellschaft.

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… und fordert Luftunterstützung an

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von und/oder mit Mel Gibson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

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Moore ist den Männern jederzeit ein Vorbild

Veröffentlichung: 6. September 2007 als Blu-ray, 5. November 2003 als DVD (FSK 16), 19. März 2003 als DVD

Länge: 138 Min. (Blu-ray), 133 Min. (DVD), 121 Min. (DVD FSK 16)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: We Were Soldiers
USA/D 2002
Regie: Randall Wallace
Drehbuch: Randall Wallace, nach einer Vorlage von Harold G. Moore und Joseph L. Galloway
Besetzung: Mel Gibson, Madeleine Stowe, Greg Kinnear, Sam Elliott, Chris Klein, Keri Russell, Barry Pepper, Duong Don, Ryan Hurst, Robert Bagnell, Marc Blucas, Josh Daugherty, Jsu Garcia, Jon Hamm, Clark Gregg, Desmond Harrington, Dylan Walsh
Zusatzmaterial: keine Angabe
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © Concorde Home Entertainment

 

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