RSS

Schlagwort-Archive: Melodram

Zum 100. Geburtstag von Jennifer Jones: Duell in der Sonne – Lektionen in Lust und Leidenschaft

Duel in the Sun

Von Ansgar Skulme

Western // Pearl Chavez (Jennifer Jones) wird nach dem Verlust ihrer Eltern auf der riesigen Ranch von Senator Jackson McCanles (Lionel Barrymore) aufgenommen. McCanles’ Ehefrau Laura Belle (Lillian Gish) war früher einmal eng mit Pearls Vater (Herbert Marshall) befreundet. Die Söhne der McCanles-Familie, Jesse (Joseph Cotten) und Lewt (Gregory Peck), werfen beide sofort ein Auge auf Pearl. Doch während der bodenständige Jesse die ruhigere Gangart wählt, zeigt sich der nur den Willen seines Vaters als Gesetz akzeptierende Unruhestifter Lewt schnell als notorischer Aufreißer, der Frauen genauso zu zähmen versucht wie frisch eingefangene Wildpferde.

Nach dem Welterfolg von „Vom Winde verweht“ (1939) hegte der Produzent David O. Selznick den verständlichen Wunsch, ein Projekt zu realisieren, das diese gigantischen Fußstapfen zu füllen vermochte. Ein paar Jahre zogen freilich ins Land, denn ein geplanter großer Wurf dieser Art wollte gut vorbereitet sein. Die Dreharbeiten forderten 1945 viele Monate, seine Premiere feierte der Western schließlich kurz vor Ende des Folgejahres. Davor befand sich „Duell in der Sonne“ geraume Zeit im Schnitt. Eine ursprüngliche Version des geordneten Rohmaterials, wenn nicht sogar eine frühe Schnittfassung, soll eine Länge von etwa 26 Stunden gehabt haben. Diese galt es zuschauerfreundlich zu straffen. Von Sittenwächtern als zu freizügig empfundene Szenen landeten im Zuge des Kürzungsprozesses nicht in der finalen Schnittfassung. Der Film ist in der bekannten Form schon äußerst offensiv für damalige Hollywood-Verhältnisse, wäre ansonsten aber noch viel deftiger geraten. „Duell in der Sonne“ machte bereits während der Produktionsphase als provokantes Werk mit Mut zur Sünde von sich reden. Die Zuschauer konnten und sollten lange vor der Veröffentlichung erahnen, was da auf sie zukam. Unterfüttert von der Affäre zwischen Produzent Selznick und Hauptdarstellerin Jennifer Jones, die zum Scheitern ihrer damaligen Ehen führte, ehe sie schließlich selbst ein Ehepaar wurden. So vermischten sich Elemente des wahren Lebens mit der Handlung des Films, was den wilden Charakter dieser Produktion für damalige Verhältnisse umso frecher machte. In manchen Regionen der USA wurde „Duell in der Sonne“ auch in seiner finalen Schnittfassung lange nicht aufgeführt, weil diese dem einen oder anderen immer noch zu sexy und moralisch verdorben erschien. Selznick investierte für die damalige Zeit beispiellose Summen in das Marketing. Die Werbung für den Film zeigte sich letztlich als so teuer, dass er unter dem Strich zwar kein Verlustgeschäft war, aber trotz immensen Publikumserfolges aufgrund der unglaublich hohen Ausgaben keine großen Gewinne generierte. Bei der zeitgenössischen Kritik scheiterte „Duell in der Sonne“, doch offenkundig wollten die zahlenden Zuschauer genau ein solches wildes, leidenschaftliches Kino sehen. Mag der Film vielen älteren Betrachtern auch aufgestoßen sein, dürfte er jüngeren Zuschauern, die gerade alt genug waren, um ein Ticket ergattern zu können, häufig gut gefallen haben.

Viele Köche veredeln den Brei

Zu den Superlativen dieses Films zählt auch ein hoher Verschleiß an Regisseuren. Darunter Produzent Selznick und einige große Namen wie William Dieterle („Der Wendepunkt“), William Cameron Menzies („Invasion vom Mars“) und Josef von Sternberg („Der blaue Engel“). Sternberg soll, dem Vernehmen nach, nur als Experte für die Beleuchtung, zur bestmöglichen Inszenierung von Jennifer Jones engagiert worden sein, Menzies wohl sogar nur Teil der „Second Unit“-Regisseure gewesen sein. Vermutlich hatte Dieterle neben King Vidor den Hauptanteil an den in der finalen Schnittfassung sichtbaren Szenen. Wenn man so will ist der Film also – ähnlich wie „Der Dieb von Bagdad“ (1940) – ein Puzzle aus von unterschiedlichen Regisseuren, die einander ablösten, realisierten Sequenzen, die nebeneinanderstehen und eine Einheit bilden sollen, wobei King Vidor, dem der Film auch in den Credits zugeschrieben wird, doch den mit Abstand deutlichsten Anteil am finalen Produkt haben dürfte.

Allerdings fungiert die grandiose Technicolor-Fotografie als Bindeglied, das den Einfluss der einzelnen Regisseure mit wunderbaren visuellen Ideen und Farbkompositionen gewissermaßen übertrumpft und rahmt. An dieser Stelle muss einmal mehr der Name des bedeutenden Kameramannes Ray Rennahan erwähnt werden, der zu den größten Technicolor-Virtuosen dieser Epoche gehörte und für seine Arbeit an Selznicks „Vom Winde verweht“ seinen ersten Oscar gewonnen hatte. An „Duell in der Sonne“ arbeitete er gemeinsam mit seinen ebenfalls preisgekrönten Kollegen Hal Rosson und Lee Garmes. Der Film ist schon allein aufgrund der Bilder jede Sichtung wert; eine der größten Errungenschaften, die Technicolor im klassischen Hollywood hervorgebracht hat und nicht umsonst 2015 in der Technicolor-Retrospektive der Berlinale vertreten gewesen. Es fällt schwer, hier einzelne Szenen hervorzuheben und dafür andere zu vernachlässigen. Dass die Farbe Rot als Farbe des Blutes und der roten Lippen hier eine ganz besondere Rolle spielt – kein Wunder. Ein Gesamtkunstwerk mit kameraästhetisch nur wenigen Mängeln. Zu epischer Größe gelangt „Duell in der Sonne“ ferner durch die Musik von Dimitri Tiomkin, für den die Zusammenarbeit mit Selznick zwar anstrengend war – da ihre Vorstellungen oft auseinandergingen –, der hier aber, einschließlich Ouvertüre und Schlussmusik in der sogenannten „Roadshow-Fassung“, eine seiner mitreißendsten Arbeiten hinterließ. Selznick war bekannt dafür, häufig künstlerische Differenzen mit seinen Crews zu haben, weil er gewissermaßen von anderen verlangte, seine eigenen Ideen perfektionistisch zu bebildern beziehungsweise zu vertonen, was sich bei der Produktion dieses Films am Regisseur-Verschleiß wie auch am Zwist mit Tiomkin zeigte. Aus heutiger Sicht wird sein launisches Verhalten aber auch auf Selznicks damalige Abhängigkeit von Amphetaminen zurückgeführt.

Wenn man sich Bizet im Western vorstellt

Jennifer Jones, die am heutigen 2. März 2019 einhundert Jahre alt geworden wäre, erinnert in „Duell in der Sonne“ vom ersten Augenblick an recht deutlich an Georges Bizets „Carmen“, und auch im weiteren Handlungsverlauf finden sich gewisse Parallelen zur berühmten Oper. Nur ist Pearl noch lange nicht die gewiefte Verführerin im Stil von Carmen, sondern macht sich diese Facette erst mit der Zeit immer mehr zu eigen. Sie macht ihre ersten forschen Versuche, den Männern auffordernde Blicke zuzuwerfen, ihnen ihr Interesse mit den Augen und ihrer Körperhaltung offensiv zu signalisieren, und bringt schon damit manch einen schnell um den Verstand. Dem Film gelingt es zudem gut, das von Pearl Chavez ständig durchlebte emotionale Hin und Her melodramatisch zu verpacken – bis zu einem Punkt, als sie sich einem ihrer Verehrer im wahrsten Sinne des Wortes ans Bein schmeißt. Wenn man so will, treibt „Duell in der Sonne“ das Bild von einer Frau, die sich einfach nicht entscheiden kann, die nicht weiß, was sie will und in ihrer Jugend vor allem Orientierung, Halt und Liebe sucht, gnadenlos auf die Spitze – sie verrennt sich, sie liebt, sie leidet, sie lockt, sie durchlebt Versuchung und Lust. Und die Männer, die sie kennenlernt, bilden ein breites Spektrum an unterschiedlichen Eigenschaften ab, mit denen sie sich auseinandersetzen muss. Insofern ist dieser Western ein äußerst konsequentes Melodram, manchmal opernartig extrovertiert, aber sehr klug darin, komplizierte Gefühlswelten zum vollen Ausbruch kommen zu lassen. Jennifer Jones erhielt zu Recht eine Oscar-Nominierung für diese Performance mit voller Hingabe, gespickt mit denkwürdigen, attraktiven Nah- und Großaufnahmen und einem wilden Wechselspiel aus Unsicherheit und erotischer Provokation. Ihren einzigen Oscar hatte sie 1944 für ihre Haupt- und Titelrolle in Henry Kings „Das Lied von Bernadette“ erhalten, ebenso den Golden Globe. „Duell in der Sonne“ lädt die Dynamiken zwischen Mann und Frau, über die Pearl im Verlauf der Handlung immer mehr lernt, mit sehr viel Energie auf und bebildert dies eindrücklich. Interessant ist dabei nicht nur die Unterschiedlichkeit der Herangehensweisen ihrer Verehrer, sondern auch wie sich die Problematik von verkannter Liebe und gespielter Ignoranz parallel in der Beziehung von Senator McCanles und seiner Frau spiegelt – in einer deutlich älteren Generation und mit anderen Typen Mensch. Auch die Reife des Alters schützt vor gewissen Torheiten nicht.

Lillian Gish, früher ein großer Stummfilmstar, erhielt für ihre Rolle der Laura Belle McCanles in „Duell in der Sonne“ – eine starke, weise Frau, die bereits viel Zurückweisung und gespielten Hass erdulden musste und versucht, die Familie zusammenzuhalten – ebenfalls eine Oscar-Nominierung, erstaunlicherweise ihre erste und einzige. Und ihr Film-Ehemann Lionel Barrymore, der nicht nur als Senator McCanles, sondern damals bereits seit mehreren Jahren wirklich im Rollstuhl saß, sich hier aber sogar einmal im Sattel eines Pferdes zeigt und obendrein einen wahrlich bemerkenswerten Stunt mitmachte, hätte eine Nominierung genauso verdient gehabt. Barrymore verstand sich bestens darauf, den verbohrten Kauz mit rassistischem Unterton zu geben, entlockt seiner Figur gegen Ende aber auch eine unerwartete emotionale Tiefe, die wirklich berührt. Seine finale Szene, an der Seite von Harry Carey, vor glühend rotem Himmel, ist nicht nur eine der visuell genialsten des Films, sondern im Grunde auch inhaltlich viel stärker und ergreifender als das folgende Finale von Pearl Chavez, das es mit der Melodramatik grenzwertig auf die Spitze treibt und aus heutiger Sicht leider etwas angestaubt wirkt.

Starke Präsenzen

Man könnte hier ohnehin über etliche Darstellerleistungen ganze Seiten schreiben. Wundervoll beispielsweise auch Walter Hustons bitterböse, sarkastisch-lustige Darbietung als geistlicher Sündenaustreiber, der sich immer wieder im Ton vergreift, dadurch selbst ad absurdum führt und in seinen Predigten so ausschweifend gestikuliert und betont, dass man kein Wort davon ernst nehmen mag. Der Vater der späteren Regielegende John Huston gewann bald darauf, unter der Regie seines Sohnes, seinen einzigen Oscar für „Der Schatz der Sierra Madre“ (1948), ehe er leider schon 1950 starb. Überraschend und tragisch, da er in diesen berühmten späten Rollen wahrlich vor Lebensfreude und Energie sprudelt.

Dann ist da Herbert Marshall, ein verdienstvoller Schauspieler und früher Tonfilmstar mit interessanter Stimme, der hier für eine Art Cameo, für die ersten zehn Minuten des Films gewonnen werden konnte. Marshall verstand sich gut darauf, theaterhafte Melodramatik mimisch und sprachlich auf die Erfordernisse eines Spielfilms herunterzubrechen, was gerade in dieser Rolle sehr wichtig ist und bestens gelingt. Sein Scott Chavez ist ein moralischer Hardliner, der zum Glück nie erfahren wird, was später im Verlauf des Films aus seiner Tochter wird, obwohl er sich im Angesicht des Todes das komplette Gegenteil erhofft. Der Film provoziert also nicht nur mit Versuchung, sondern schon zu Anfang auch mit dem Gegenteil – der radikalen Abkehr von Versuchung: Scott Chavez, der für sich selbst den Tod fordert und es als Verbrechen bezeichnet, den Namen seiner Familie mit einer Frau wie der Mutter seines Kindes entehrt zu haben, weil diese untreu ist und es sogar in der Öffentlichkeit bunt treibt. Selbst eine solch kurze Rolle mit einem Schauspieler des Renommees von Herbert Marshall zu besetzen oder einen Stummfilmstar wie Lillian Gish für eine große Rolle zu reaktivieren, sind Aspekte, die in etwa eine Vorstellung von der Größe des Projekts geben. Selznick wollte die ganz pompöse Bühne. Auch in weiteren relativ kleinen Rollen finden sich Schauspieler, die dem Publikum bereits durch Filmhauptrollen bekannt sein konnten. Wobei manche dieser Auftritte – wenn nicht sogar der von Herbert Marshall – eventuell erst in der finalen Schnittfassung so kurz geraten sind.

Nicht zuletzt sollte Gregory Peck hervorgehoben werden, der seine Darbietung in dem Film zwar offenbar rückblickend als keine besondere Herausforderung empfand – jedoch fällt sie aus heutiger Sicht ziemlich aus dem Rahmen vieler anderer seiner berühmtesten Rollen. Peck spielte häufig recht verschlossene, zugeknöpfte Charaktere und bekam ab den 50ern wenig Gelegenheit gegen den Strich zu agieren. In „Duell in der Sonne“ stellt er jedoch das krasse Gegenteil dar: einen Aufreißer, dessen Blick schon in seiner ersten Szene von Pearl Chavez’ Rücken abwärts wandert. Und er macht sich verdammt gut auf diesem ungewöhnlichen Terrain. Wäre der Film zehn Jahre später entstanden, hätte er vermutlich die Rolle von Joseph Cotten gespielt, aber hier ist er das schwarze Schaf unter den beiden Brüdern und es macht Spaß, ihn einmal so zu sehen.

Frisches Blut aus den Staaten

„Duell in der Sonne“ wurde in den USA offenbar bereits 1999 erstmalig auf DVD veröffentlicht. 1999, das Jahr in dem auch in Deutschland der DVD-Boom ganz langsam ins Rollen kam. Man kann also behaupten, dass es sich wohl um einen der ersten Filmklassiker handelt, die man in den Staaten unbedingt auf DVD herausbringen wollte. Erstaunlicherweise hat eine US-Blu-ray allerdings wesentlich länger auf sich warten lassen. Dieser Umstand macht jedoch auch Hoffnung dahingehend, dass der Sprung nach Deutschland noch gelingt, denn es ist zwar nicht immer so, dass dafür erst einmal die Blu-ray in den USA erscheinen muss, aber der Regelfall. Spätestens jetzt sollte also der Weg für eine solche offizielle Veröffentlichung hierzulande geebnet sein. Dann aber bitte auch mit integrierter Ouvertüre und Schlussmusik, so wie der Film auch im Kino als „Roadshow-Fassung“ und 2015 auf der Berlinale lief. Diese Bestandteile des Films werden gern einmal vergessen oder in den „Extras“ versteckt, obwohl es im klassischen Hollywood in einigen ganz großen Projekten Ouvertüren, Intermezzo-Musik im Mittelteil und Schlussmusiken nach dem Abspann zu hören gab. Bezüglich der klassischen deutschen Synchronfassung besteht auch jeder Grund zur Freude. Mit Peck und Cotten treten zwei Schauspieler auf, die des Öfteren von Wolfgang Lukschy synchronisiert wurden. Hier spricht er Peck, aber Heinz Engelmann macht sich für Joseph Cotten sogar noch besser als Lukschy – irgendwie lebendiger und tiefgründiger.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Joseph Cotten und Gregory Peck sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung (USA): 15. August 2017 als Blu-ray und DVD, 25. Mai 2004 als DVD, 19. Januar 1999 als DVD

Länge: 138 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Duel in the Sun
USA 1946
Regie: King Vidor u. v. m.
Drehbuch: David O. Selznick, Oliver H. P. Garrett & Ben Hecht, nach einem Roman von Niven Busch
Besetzung: Jennifer Jones, Joseph Cotten, Gregory Peck, Lionel Barrymore, Lillian Gish, Herbert Marshall, Walter Huston, Charles Bickford, Joan Tetzel, Harry Carey
Verleih: The Selznick Studio

Copyright 2019 by Ansgar Skulme
Filmplakat: Fair Use

 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

Zum 100. Geburtstag von Rita Hayworth: König der Toreros – Brot und Spiele

Blood and Sand

Von Ansgar Skulme

Abenteuermelodram // Schon als Kind träumt Juan Gallardo (Rex Downing) davon, einmal Matador wie sein Vater zu werden – und nicht nur irgendeiner, sondern der beste und somit der König unter den Toreros. Um seinen Traum zu verwirklichen, nimmt er mit Freunden den weiten Weg von Sevilla nach Madrid auf sich. Alles läuft nach Plan: Der erwachsene Juan (Tyrone Power) stößt an die Spitze der Szene vor, wird ein gefeierter Star, heiratet mit Carmen Espinosa (Linda Darnell) die liebe Frau, für die es schon seit Kindheitstagen keinen anderen gegeben hat. Ein früher sehr erfolgreicher Matador namens Garabato (J. Carrol Naish) arbeitet nun als sein Diener, und Juans nachdenklicher Freund El Nacional (John Carradine), der den Stierkampf von Tag zu Tag mehr verachtet, ist auch nach vielen Jahren immer noch an seiner Seite – als Berater und in der Arena. Doch in der gnadenlosen und mörderischen Welt von Ruhm und Erfolg, wird man schnell ausgenutzt oder von Neidern diskreditiert. Der Journalist Natalio Curro (Laird Cregar) hetzt die Meute nicht nur gegen die Stiere, sondern auch die Stierkämpfer auf, der Matador Manolo de Palma (Anthony Quinn) will schon lange aus Juan Gallardos Schatten treten und Doña Sol (Rita Hayworth) hat in ihrem Bett immer ein Plätzchen für erfolgreiche, gut aussehende Männer frei, mag der Reiz auch schon am nächsten Tag wieder verflogen sein.

Dem im heute georgischen Tiflis geborenen Regisseur Rouben Mamoulian kommt ein besonderer Platz in der Filmgeschichte zu, da er den ersten abendfüllenden Spielfilm im Drei-Farben-Verfahren von Technicolor inszenieren durfte: „Becky Sharp“ (1935). Im Grunde ein Zufall, da der eigentlich für das Projekt verpflichtete Regisseur Lowell Sherman während der Dreharbeiten starb, woraufhin Mamoulian, der zuvor unter anderem bereits mit „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ (1931) von sich reden gemacht hatte, kurzerhand noch einmal ganz von vorn begann. Trotz seiner Erfahrung mit dem Verfahren drehte Mamoulian danach aber über Jahre keinen weiteren Farbfilm mehr. 1940 inszenierte er Tyrone Power und Linda Darnell in „Im Zeichen des Zorro“ – ein großer Erfolg von nachhaltiger Popularität, der dazu führte, dass man ihm auch das nachfolgende Projekt des Traumpaars Power/Darnell übertrug, mit gewissen Parallelen zum Vorgänger hinsichtlich Protagonisten, Schauplätzen und Flair: „König der Toreros“ (1941) war bereits der vierte gemeinsame Film des Leinwandduos aus dem Hause 20th Century Fox und der erste davon, der in Farbe gedreht wurde. Eine überraschende Abschiedsvorstellung, denn da Pläne für eine erneute Zusammenarbeit – insbesondere in „Der Hauptmann von Kastilien“ (1947) – nicht realisiert werden konnten, wurde „König der Toreros“ gleichzeitig auch zum letzten gemeinsamen Film von Tyrone Power und der blutjungen Linda Darnell, die erst im Oktober 1941 ihren 18. Geburtstag feierte und zu diesem Zeitpunkt schon auf eine beachtliche Filmkarriere zurückblicken konnte.

Ein redlich verdienter Academy Award

Der eigentliche Star des Films ist allerdings die grandiose Kameraarbeit von Ray Rennahan und Ernest Palmer, die Mamoulians von Gemälden berühmter Maler inspirierte Visionen höhst beeindruckend in die Tat umsetzten. Begünstigt dadurch, dass der Technicolor-Farbfilm seit 1935 noch einmal merkliche Fortschritte gemacht hatte. Folgerichtig gab es einen Oscar für die beste Farbkameraarbeit und eine zusätzliche Nominierung für das beste Szenenbild in einem Farbfilm, wenngleich Mamoulian unverdient ohne Nominierung ausging, obwohl ihm neben großartigen Bildideen und sehr guter Schauspielerführung auch das Kunststück gelang, Spanien glaubwürdig zu inszenieren, ohne jemals dort gewesen zu sein. Kein Wunder also, dass „König der Toreros“ 2015, im Rahmen der Retrospektive zum 100. Geburtstag von Technicolor, zu einer gefeierten Wiederaufführung auf der Berlinale kam. In den USA gibt es seit einigen Jahren eine Blu-ray, aber in Deutschland ist dieses Meisterwerk bis heute nicht einmal auf DVD erschienen und – soweit ich es überschauen kann – auch sehr lange nicht mehr im Fernsehen ausgestrahlt worden. Ein treffendes Beispiel dafür, wie oberflächlich (frühere) Hollywood-Studios heutzutage manchmal sogar mit wirklich renommierten Klassikern aus ihrem eigenen Fundus umgehen. Einen solchen Film sollte man weder vergessen noch unterschlagen. Und wenn ich gerade vom Vergessen und Unterschlagen spreche, sei auch gleich erwähnt, dass man bei einem Film wie diesem schnell einmal dazu tendiert, nur über die Bildsprache zu reden, obwohl es auch die Musik, unter Federführung von Alfred Newman, durchaus in sich hat, die gerade in ruhigen Momenten einige für das damalige Hollywood sehr ungewöhnliche Klänge vorweist. Wenn durch das Dunkel, durch die Stille, durch die Katakomben wehmütig-melancholischer, klagend wirkender, traditioneller Gesang wie düstere Vorahnungen hallt, hat das etwas vom leisen Hauch des Todes, der aus weiter Ferne langsam und bedrückend zu den Protagonisten dringt.

Es steckt eine Menge dahinter

Der Film ist ferner ein gutes Beispiel dafür, dass ein Nebendarsteller-Oscar pro Jahr kaum reicht und manchmal selbst für einen Film noch zu wenig wäre. Besonders Laird Cregar ist hier, in einer seiner ersten Filmrollen, eine wirkliche Meisterleistung mit mutigen Ansätzen gelungen. Hervorzuheben nicht nur, weil er zum Zeitpunkt des Drehs – unabhängig davon, dass sein Geburtsjahr mal mit 1913, mal mit 1914, gelegentlich auch mit 1916 angegeben wird – in jedem Fall noch keine 30 Jahre alt war, obwohl dies auf den ersten Blick kaum zu glauben ist. Ich habe mich zu Cregar und seiner Figur in „König der Toreros“ bereits vor geraumer Zeit in meiner Rezension von „Die Narbenhand“ (1942) ausführlich geäußert. Sein gestenreiches, sprachlich präzises, extrovertiertes, durchdachtes, ganz nebenbei auch noch sein tatsächliches Alter kaschierendes Spiel hätte den Academy Award sicherlich verdient gehabt, erhielt allerdings nicht einmal eine Nominierung. Bei der damaligen Konkurrenz vielleicht zu verschmerzen: Sydney Greenstreet (für „Die Spur des Falken“), Walter Brennan („Sergeant York“), Charles Coburn („Mary und der Millionär“) und James Gleason („Urlaub vom Himmel“) hatten bei der Preisverleihung in der Nebendarsteller-Kategorie das Nachsehen gegen Donald Crisp („Schlagende Wetter“). Es war das Jahr der Altstars – bis auf Walter Brennan waren alle Nominierten über 30 Jahre älter als Laird Cregar, Brennan rund 20 Jahre älter. Angesichts dieser einseitigen Nominierungspraxis erscheint es möglich, dass man Cregar und seine provokant, voller Anspielungen dargebotene Rolle schlichtweg unter den Tisch gekehrt hat. Die inbrünstige Abrechnung mit der meinungsbildenden Presse, die sich über seinen Journalisten Curro vollzieht, ist hier nur die Spitze eines lebhaften Eisberges.

Neben Laird Cregar glänzen in „König der Toreros“ besonders der als Spanier ziemlich überraschend besetzte John Carradine, der zwar vor allem für seine Horrorfilme bekannt ist, hier aber sicher eine seiner wichtigsten und tiefgründigsten Filmrollen spielte, sowie der immer sehenswerte J. Carrol Naish, der in jeder seiner wenigen Szenen enorme charakterliche Stärke in einem geschwächten und gebrochenen früheren Torero-Helden ausstrahlt. Gerade die Figuren von Carradine und Naish regen, ebenso wie Alla Nazimova in der Rolle von Gallardos Mutter, immer wieder zur Reflexion über das blutige Geschäft, riskantes Spielen mit dem eigenen Leben, Tierquälerei, Sensationslust und kommerzielle Gier an. Nichtsdestotrotz war, bei aller Kritik am Gezeigten, durchaus im Gespräch, für die Veröffentlichung in Ländern, in denen Stierkämpfe beliebt und legal waren, eine Alternativfassung des Films mit umfangreicheren Stierkampfszenen zu erstellen, die der Freude am fragwürdigen Schauspiel in der Arena hätte Rechnung tragen sollen. Die Drehs der Stierkampfszenen, die im finalen Film zu sehen sind, fanden in Mexiko statt, wobei Tyrone Power offenbar als einziger Schauspieler mit ins Nachbarland reiste. Ihm zur Seite stand der später durch seine B-Western berühmt gewordene Regisseur Budd Boetticher als technischer Berater. Es wurde allerdings sorgsam darauf geachtet, dass der wertvolle, durchaus risikofreudige Star dem Stier beim Dreh nicht zu nahe kam, mochte ihn Boetticher noch so gut vorbereitet haben.

Ein Star ist geboren – Rita Hayworth in Technicolor

Der große Durchbruch wurde „König der Toreros“ vor allem für Rita Hayworth, die am 17. Oktober 2018 einhundert Jahre alt geworden wäre. Man lieh sie extra für den Film von Columbia Pictures aus, nachdem MGM zuvor abgelehnt hatte, Hedy Lamarr für die Rolle zu verleihen und auch andere gut denkbare Varianten wie Maria Montez, Gene Tierney, Jane Russell, Dorothy Lamour, Carole Landis und Betty Grable schließlich verworfen worden waren. Rouben Mamoulian gab später an, dass Hayworth ihre Rolle nicht nur so gespielt habe wie er sich die Figur vorgestellt habe – seine Erwartungen seien sogar übertroffen worden. Hayworth, die hier zum ersten Mal in einem Technicolor-Film zu sehen war, legte damit den Grundstein für ihr Image als eine der verführerischsten Schauspielerinnen des klassischen Hollywood-Tonfilms. Natürlich kommt die erotische Ausstrahlung der Figur erst richtig zur Geltung, wenn das Rot auch wirklich rot ist. Und dazu immer wieder das zielgerichtete Nutzen von Mimik und Gestik, genauer gesagt: der schlaue Einsatz der Stimme und das Vermitteln von Hintergedanken durch geschickte Bewegungen des Mundes beim Sprechen, ein anmutiger Gang, forderndes Zuwerfen von Blicken, provozierendes Spiel mit den Augen, den Händen, der gesamten Körperhaltung – alles so attraktiv und sexy wie es nur geht. Zu einem Zeitpunkt als der Film noir gerade erst im Entstehen begriffen war, spielte sie schon hier – in einem ganz anderen Kontext – eine Femme fatale in Reinkultur, schlichtweg die pure Versuchung. Sie dürfte damit ein Stück weit Anteil daran haben, wie sich das Frauenbild im Noir entwickelt hat. In „König der Toreros“ wurde ein forscher Grundstein gelegt; ihr zu danken.

Ein interessanter Zufall, dass 1941 rückblickend als das Geburtsjahr des Film noir ausgemacht wurde und genau in selbigem auch „König der Toreros“ erschien. Sogar in tatsächlichen Noirs wurde Hayworth’ Niveau der Femme-fatale-Darstellung aus Mamoulians Matadoren-Abenteuer nur selten erreicht. Ein Typ Frau, dem sich manch einer sogar noch zuwenden wird, wenn ihm vorher schon klar ist, dass es am Ende schlecht ausgeht, denn selbst ein bitteres Ende mag die Zeit mit ihr davor dennoch wert gewesen sein. Bezeichnend, dass sie in „König der Toreros“ zunächst einmal mit George Reeves als Liebhaber auftritt, der ab 1951 keinen Geringeren als „Superman“ für das Fernsehen verkörperte, und später im Film feurig mit Anthony Quinn tanzt, der im Laufe seines Lebens Vater von einem Dutzend Kindern werden würde. Um eine Figur wie diese Doña Sol zu führen und zu zähmen, brauchte es Typen wie Superman, Faktoren wie (Tyrone) Power und Profis wie Anthony Quinn. Mit zarten 22 muss man eine solche Rolle erst einmal so spielen wie Rita Hayworth – noch dazu im Kontext einer klassischen Hollywood-Filmindustrie, der aus heutiger Sicht ein manchmal doch recht prüde scheinender Ruf vorauseilt. Mit ihrer frechen und mutigen Darbietung ergänzt sich Hayworth in „König der Toreros“ blendend mit Laird Cregar, obwohl beide sich im Film so gut wie nicht unmittelbar begegnen.

Stars mit traurigen Schicksalen

Bedauerlicherweise sind mit diesem Film auffallend viele tragische Schicksale verknüpft. Laird Cregar starb bereits Ende 1944, nachdem er sich einer radikalen Abmagerungskur unterzogen hatte, mit allenfalls 31 Jahren (das umstrittene Geburtsjahr erwähnte ich schon) an einem Herzinfarkt. Tyrone Power starb 1958 mit 44 Jahren, während der Dreharbeiten zu „Salomon und die Königin von Saba“, durch einen Infarkt, weil er sich in einer Fechtszene überanstrengt hatte – in Madrid, einem der beiden zentralen Schauplätze von „König der Toreros“. Einige Monate später starb auch „Superman“ George Reeves mit 45 Jahren unter mehr oder minder mysteriösen Umständen, die der Film „Die Hollywood-Verschwörung“ (2006) – mit Ben Affleck als George Reeves – zu beleuchten versucht und dabei alle gängigen Theorien zum Hergang verbildlicht. Linda Darnell fiel 1965 mit nur 41 Jahren einem Brand zum Opfer. Rita Hayworth wies etwa im selben Alter erste Anzeichen von Alzheimer auf, was dazu führte, dass sie sich im Laufe der 70er-Jahre schließlich aus dem Filmgeschäft zurückziehen musste – unter anderem weil es ihr nicht mehr möglich war, sich ihre Texte zu merken – und später sogar entmündigt wurde. Die eigentliche Diagnose dauerte lange. Es spannte sich ein Zeitraum von sage und schreibe rund zwei Jahrzehnten auf, in dem ihr Zustand nicht wirklich geklärt war und sie irgendwie weiterzumachen versuchte – während sich in der Presse zuweilen auch traurige Schlagzeilen und Bilder wiederfanden, die weh getan haben müssen. All dieser bitteren Historie steht der Lichtblick gegenüber, dass Rex Downing, der den jungen Juan Gallardo zu Beginn von „König der Toreros“ in mehreren schönen Szenen verkörpert, noch lebt. Er ist mittlerweile 93 Jahre alt und einer der wenigen Zeitzeugen aus dem Hollywood-Kino der 30er und 40er, die damals in relativ großen Rollen zu sehen waren und heute noch unter uns weilen. Begonnen hatte er seine Laufbahn schon Mitte der 30er als Teil der beliebten Comedy-Kinoserie „Die kleinen Strolche“. Sein Bruder Barry war in den 30ern und 40ern ebenfalls ein gefragter Kinderstar in Hollywood.

Der Tag wird kommen

Dass dieser Film in Deutschland nicht auf DVD erscheinen wird, ist beinahe unvorstellbar. Es kann sich nur um eine Frage der Zeit handeln, zumal 20th Century Fox zu den Lizenzgebern gehört, die ihre Rechte bei entsprechenden Angeboten durchaus abtreten und nicht so lange auf ihren Klassikern sitzen, bis sich der eine oder andere nur noch mit notdürftigen Bootlegs zu helfen weiß. Angesichts des Umstandes, dass ein mit allen Wassern gewaschener Produzenten-Dino wie Darryl F. Zanuck die Entscheidung traf, die Tradition der Testvorführungen vor der Premiere mit „König der Toreros“ zu brechen und den Film also ohne Preview auf das Publikum loszulassen, da er mit dem Ergebnis so zufrieden war, dass der Film ihn – dem Vernehmen nach – gewissermaßen mehr überzeugte als jemals ein anderer zuvor, ist es erstaunlich, warum „König der Toreros“ nie den von anderen epischen Produktionen aus den 30er- bis 50er-Jahren (zwischen zwei und gut drei Stunden Laufzeit) gehaltenen Olymp erklommen hat. Besonders ist dieser Film aber auch schon allein deswegen, weil das Metier der Toreros in klassischen Hollywood-Produktionen erstaunlich selten als Schauplatz gewählt wurde. Der Abenteuer-Sektor in den ersten drei Jahrzehnten Hollywood-Tonfilm hatte seine Schwerpunktfelder sowie -handlungsorte und andere Sparten und Schauplätze, zu denen es nur ein paar wenige Vorzeigeexemplare gibt. Obwohl sich das Leben von Matadoren brillant für dramatische und melodramatische Erzählungen eignet, ist der Korpus an US-Filmen darüber – erst recht an großen Filmen – in diesem Zeitfenster bemerkenswert überschaubar. Dafür wurde „König der Toreros“ allerdings immerhin schnell Gegenstand mehrerer Parodien aus verschiedenen Ländern – auch aus Hollywood natürlich.

In Deutschland kam der Film im Sommer 1950 in einer auch heute noch erhaltenen wunderbaren, klassischen Synchronisation ins Kino. Tyrone Power wurde von Curt Ackermann synchronisiert, der hinter Hans Nielsen mit Abstand sein häufigster deutscher Sprecher war. Diese gelungene Synchronfassung ist ein gutes, wenn man so will, spätes Beispiel für sehr frühe deutsche Nachkriegssynchronisationen, da hier noch einige Stimmen zu hören sind, die nicht zu den wirklich geläufigen Synchronstimmen der 50er-Jahre gehören, sondern sozusagen noch eine Synchronepoche vorher anzusiedeln sind und im weiteren Verlauf der 50er-Jahre wie aus dem Synchronstudio verschwunden scheinen. Dadurch wirkt die Fassung im Grunde so, als sei sie wirklich bereits 1941 entstanden, obwohl sie natürlich erst etliche Jahre später erstellt worden ist. Dass Laird Cregar beim Dreh erst ungefähr 27 Jahre alt war, glaubt einem angesichts dieser Version allerdings wahrscheinlich kein Mensch mehr, denn der deutsche Sprecher klingt gut und gern 30 Jahre älter – macht seine Sache aber wohlgemerkt hervorragend. Auch so etwas funktioniert im Synchron.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Tyrone Power und Anthony Quinn sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung (USA): 9. Juli 2013 als Blu-ray und DVD, 1. Mai 2007 als DVD in der „Tyrone Power Collection“

Länge: 125 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Blood and Sand
USA 1941
Regie: Rouben Mamoulian
Drehbuch: Jo Swerling, nach einem Roman von Vicente Blasco Ibáñez
Besetzung: Tyrone Power, Linda Darnell, Rita Hayworth, Alla Nazimova, Laird Cregar, John Carradine, Pedro de Cordoba, J. Carrol Naish, Anthony Quinn, George Reeves
Verleih: Twentieth Century Fox

Copyright 2018 by Ansgar Skulme
Filmplakat: Fair Use

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , ,

Love, Simon – Wie kompliziert die Liebe sein kann

Love, Simon

Kinostart: 28. Juni 2018

Von Iris Janke

Tragikomödie // Niemand hat gesagt, dass es einfach ist, die große Liebe zu finden. Das muss auch der 17-jährige Simon Spier (Nick Robinson, „Du neben mir“) feststellen, als er erwachsen wird. Nur, dass es bei ihm noch ein wenig komplizierter ist. Denn Simon ist homosexuell – und keiner soll es wissen. Weil sich Simon wie all seine heterosexuellen Freunde trotzdem verlieben will, versucht er in einem anonymen Schul-Chat auf gleichgesinnte Mitschüler zu treffen.

Schwarm vieler Mädchen: Simon

Damit, sich tatsächlich ein halbes Jahr vor dem Highschool-Abschluss zu verlieben und sein eigentlich längst fälliges Coming-out zu wagen, rechnet Simon allerdings nicht wirklich. Schließlich führt er ein amerikanisches Bilderbuch-Familienleben mit glücklichen, halbwegs lockeren Eltern (Jennifer Garner, Josh Duhamel), seiner kleinen Schwester Nora (Talitha Eliana Bateman) und seinen besten Freunden Leah (Katherine Langford), Abby (Alexandra Shipp) und Nick (Jorge Lendeborg Jr.).

Schwarm vieler Jungen: Leah (r.)

Als sich einer seiner Mitschüler anonym als schwul outet, ist Simons Interesse geweckt. Simon und der Junge, der sich Blue nennt, tauschen ihre intimsten Gedanken aus. Wer ist Blue? Kompliziert wird es allerdings, als Simons Mitschüler Martin zufällig einen Chat-Verlauf zwischen Simon und Blue entdeckt und abfotografiert. Martin droht Simon mit dem Zwangs-Outing, es sein denn, Simon organisiert ein Date mit seiner besten Freundin.

Nach dem Debütroman von Becky Albertalli

Die Jugendbuchverfilmung „Love, Simon“ von Greg Berlanti („So spielt das Leben“) nach Becky Albertallis Debütroman „Nur drei Worte“ ist eigentlich eine ganz normale Coming-of-Age-Geschichte über eine Teenager-Liebe. Einziger Unterschied: Die Hauptfigur Simon liebt Männer. Die Verfilmung dieses Themas ist ebenso neu, wie traurig – im Jahr 2018 (!) sollte eine gleichgeschlechtliche Liebe unter Jugendlichen in dieser Zeit auf jeden Fall Filmthema sein können, verwunderlich ist nur, dass sie es erst jetzt das erste Mal ist. Umso wichtiger, dass sich ein großes US-Studio wie Twentieth Century Fox des Themas annimmt.

Ganz normaler Schulalltag für Simon (2. v. l.)

Grund für die besonders feinfühlige Herangehensweise von Regisseur Greg Berlanti mag sein, dass er selbst schwul ist. So nahm er sich bereits im Jahr 2000 mit der Tragikomödie „Der Club der gebrochenen Herzen“ dieses Themas an. Demzufolge gerät die Verfilmung von „Love, Simon“ einfühlsam und leicht, agiert niemals mit erhobenem Zeigefinger, ist dabei immer unterhaltsam, mit witzigen Elementen und unverbrauchten, Darstellern gespickt – so wie jede Verfilmung einer ersten Teenager-Love-Story sein sollte.

Ganz normale Eltern: Emily und Jack

Länge: 110 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Originaltitel: Love, Simon
USA 2018
Regie: Greg Berlanti
Drehbuch: Elizabeth Berger, Isaac Aptaker, nach Becky Albertallis Roman „Simon vs. The Homo Sapiens Agenda“
Besetzung: Nick Robinson, Jennifer Garner, Josh Duhamel, Katherine Langford, Alexandra Shipp, Logan Miller, Keiynan Lonsdale, Jorge Lendeborg Jr., Talitha Eliana Bateman, Tony Hale, Natasha Rothwell
Verleih: Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Copyright 2018 by Iris Janke

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 Twentieth Century Fox

 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: