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Der geheimnisvolle Doktor X – Wenn Bestien sich mit Fleisch einschmieren

Doctor X

Von Ansgar Skulme

Horror // In New York City treibt ein brutaler Mörder sein Unwesen. Über Monate hat sich herausgestellt, dass der Täter offenbar nur bei Vollmond zuschlägt. Die enormen Würgemale an den Hälsen der Opfer, die auf riesige Hände schließen lassen, und Hinweise auf Kannibalismus werfen jedoch die Frage auf, was für ein Mensch dazu überhaupt fähig ist. Angeblich wurde eine im Gesicht grausig entstellte Gestalt beobachtet, die sich allerdings auf zwei Beinen und auch ansonsten wie ein Mensch bewegte. Die Polizei vermutet den Täter im Umfeld eines von Doktor Xavier (Lionel Atwill) geleiteten Instituts. Dort finden sich mehrere Wissenschaftler, die durch eigenartiges Auftreten, verdächtige Vita oder auch sonderbare Marotten, Ansichten und Überzeugungen auffallen. Xavier glaubt, den Täter selbst entlarven zu können, erbittet sich für seine Tests aber 48 Stunden Handlungsfreiheit von der Polizei. Die Beamten willigen ein, doch der Reporter Lee Taylor (Lee Tracy) beschattet die Vorgänge heimlich weiterhin.

Das Zwei-Farben-Verfahren von Technicolor gelangte 1917 erstmals auf die Leinwände und wurde dann über verschiedene Prozesse hinweg bis in die 30er-Jahre hinein weiterentwickelt, ehe sich ab 1932 langsam das erste Drei-Farben-Verfahren etablierte. „Becky Sharp“ (1935) wurde schließlich der erste komplett in diesem Verfahren gedrehte abendfüllende Spielfilm – die Drei-Farben-Prozesse dominierten Hollywood fortan für Jahrzehnte. Zwei der letzten großen, berühmt gebliebenen Filme, die im Zwei-Farben-Verfahren entstanden waren: „Der geheimnisvolle Doktor X“ (1932) und „Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts“ (1933) – zwei unter Federführung der Warner Brothers produzierte Horrorfilme mit Lionel Atwill in der Hauptrolle, unter der Regie von Michael Curtiz. Wenn man so will, sieht man das Zwei-Farben-Verfahren in diesen Filmen auf seinem Höhepunkt angekommen. Auf guten Kopien fallen die farblichen Nachteile gegenüber dem frühen Drei-Farben-Verfahren im Grunde nur wenig auf. Mit diesem Farbprozess erfahrene Regisseure wussten die Stärken des Zwei-Farben-Verfahrens zudem geschickt zu nutzen. So wird in „Der geheimnisvolle Doktor X“ beispielsweise clever mit schaurig-düsteren Farbkontrasten, aber auch grellen Farbeffekten gearbeitet, die die wissenschaftlichen Gerätschaften und Experimente der Figuren geradezu lebendig werden lassen – begünstigt auch durch eindrucksvolle Kulissen, die dem deutschen expressionistischen Stummfilm verbunden sind, und durch für die damalige Zeit unglaublich gute Soundeffekte, die die gezeigten Maschinen erst recht realistisch machen. Was hier aus dem lediglich zur Verfügung stehenden Mono-Ton etwa fünf Jahre nach Erscheinen des ersten abendfüllenden Tonfilms der Filmgeschichte an Nuancen herausgekitzelt wurde, ist nicht nur bemerkenswert, sondern sucht geradezu seinesgleichen.

Sehr gute Schauspieler

Eine weitere große Stärke dieses Films sind die ziemlich abgedrehten Figuren, die im wirklich beängstigenden Finale, wenn der Täter in voller Maskerade entlarvt wird, dann sogar überboten werden. Eine ganze Reihe von „verrückten Professoren“, denen man die Taten durch die Bank zutraut. Das Broadway-Stück, auf dem dieser Film basiert, dürfte allein schon angesichts der Figuren ein echtes Erlebnis gewesen sein. Besonders Preston Foster überrascht, wenn man ihn aus seinen Gentleman-Rollen kennt, mit stilbildenden irren Blicken und dabei gefletschten Zähnen – als sei eine finstere Cartoon-Figur mit den Grimassen eines Freaks in Fleisch und Blut zum Leben erwacht. Man merkt in beinahe jeder Sekunde, dass der Film vor Einführung des Hays Codes produziert wurde, der die Freiheiten des US-Kinos bei Darstellung von Gewalt, Erotik und anderen Tabuthemen wenig später arg begrenzte.

Da der Hays Code durch Zufall exakt an der Schnittstelle aufkam, als gerade die letzten großen Filme im Zwei-Farben-Verfahren von Technicolor erschienen waren und bevor der erste abendfüllende Film im Drei-Farben-Verfahren realisiert wurde, wirken speziell die späten Filme im Zwei-Farben-Verfahren ganz besonders spektakulär, da sie auch inhaltlich Maßstäbe setzten, die danach über Jahrzehnte nicht mehr erreicht werden durften und dafür bereits sowohl Ton als auch Farbe zur Verfügung hatten. Dieser Vorzug trifft letztlich nur auf sehr wenige US-Filme zu, die vor der endgültigen Abschaffung des Hays Codes im Jahr 1968 entstanden sind. „Der geheimnisvolle Doktor X“ und „Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts“ gelten als die letzten beiden dramatischen Spielfilme im Zwei-Farben-Verfahren – und somit handelt es sich hierbei streng genommen auch um die letzten abendfüllenden Farbfilme vor 1968, die gänzlich ohne inhaltliche Reglementierung durch den Hays Code zu Werke gehen konnten; der wurde zwar schon vor 1934 formell in die Wege geleitet, jedoch erst dann zur Pflicht – gegen Ende seines Bestehens aber natürlich zunehmend weniger streng ausgelegt. Aufgrund der Tatsache, dass der erste in exakt demselben Farbprozess entstandene Film zudem auch erst 1931 in die Kinos gekommen war – „The Runaround“, allerdings eine romantische Komödie, produziert von RKO Radio Pictures –, spielen „Der geheimnisvolle Doktor X“ und „Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts“ gewissermaßen in einer völlig eigenen filmstilistischen Liga des dramatischen Spielfilms.

Irrungen und Wirrungen

Um das kluge Konzept dieses Films noch eine Etage weiter zu erklären, sind an dieser Stelle auch ein paar Spoiler notwendig. Alle, die den Film noch nicht gesehen haben, sollten daher erst ab der nächsten Zwischenüberschrift weiterlesen. Achtung – jetzt! Besonders clever ist der Schachzug, dass der Titel des Films zwar auf Dr. X als Täter schließen lässt, dieser sich letztlich aber wirklich nur als der Polizei behilflicher Wissenschaftler entpuppt. Dies scheint oberflächlich betrachtet kaum zu rechtfertigen, dass der Film einzig seinen Namen im Titel trägt. Zumal er wiederum auch nicht als klassische Spürnase/Ermittlerfigur dargestellt wird, nach denen seinerzeit auch des Öfteren Spannungsfilme benannt wurden. Verstärkt wird diese Irreführung umso mehr, wenn man Atwill bereits aus seinen vielen anderen in den 30ern und 40ern entstandenen Horrorfilmen und Mysterythrillern kennt, in denen er häufig bösartige Schurken oder undurchsichtige Gestalten verkörperte.

Atwill spielte die Rolle des Dr. X im vorliegenden Film bereits in ähnlicher Art und Weise zwielichtig wie seine späteren Horror- und Mystery-Parts, es war allerdings erst sein zweiter abendfüllender Tonfilm als Hauptdarsteller, und auch im vorausgegangenen „The Silent Witness“ war sein späteres Image noch nicht herausgebildet worden. Dennoch glaube ich, dass die Irreführung – des Titels und Atwills Darstellung wegen – auch in den 30ern schon gut funktioniert haben dürfte. Genial ist zudem, wie die Wandlung von Preston Foster, der hier ohnehin von Anfang an ungewöhnlich schräg und durchgeknallt spielt, vor allem am Ende durch die Maskierung sogar noch wesentlich weiter getrieben wird, in der er ähnlich aussieht wie der berühmte Horrordarsteller Rondo Hatton, der an Akromegalie litt. Ausgerechnet Foster – der jüngste unter den Wissenschaftlern in diesem Film und Typ „Liebling aller Schwiegermütter“! Vermutlich haben einige junge Kinobesucherinnen nach Sichtung dieses Films verängstigt ihre Star-Fotos und Poster mit Fosters Konterfei unter dem Kopfkissen hervorgeholt und weggeworfen. Das Finale, in dem er immer wieder die Worte „Synthetisches Fleisch“ vor sich hin raunt und damit seine Erfindung anpreist, mit der er Menschen gewissermaßen neu formen kann, während er sich gleichzeitig damit einschmiert und langsam in ein Monster verwandelt, zählt zu den düstersten Errungenschaften des Horrorfilms im klassischen Hollywood.

Zwei Filme – eine Einheit

Auffällig sind ferner die vielen inhaltlichen Parallelen zum nachfolgenden Atwill/Curtiz/Zwei-Farben-Technicolor-Horrorstreifen „Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts“ – einer Produktion, die als zweiter Teil des Filmabends geradezu alternativlos zu sein scheint. Angefangen bei dem Motiv, Menschen neu erschaffen zu wollen, das hier mit künstlich erzeugtem Fleisch und dort mit Wachsfiguren bedient wird – wobei auch schon in „Doctor X“ Wachsfiguren auftauchen, mit denen die bisherigen Opfer nachgebildet sind, um die potenziellen Täter beim Experiment damit zu konfrontieren –, gelangt man zu den in beiden Filmen wirklich gruselig entstellten Täterfiguren, der eifrig ermittelnden Journalistenfigur als Identifikationsperson und auch zu handwerklich-stilistischen Parallelen, wie etwa, dass sich die im Freien spielenden Settings zu Beginn beider Filme deutlich ähneln.

In einem Punkt allerdings setzt sich „Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts“ leider auf ganzer Linie gegen seinen Vorgänger durch: Während Glenda Farrell die Reporterin im Wachsfiguren-Horror energisch, mitreißend, geschwätzig, humorvoll, aber auch schlau und glaubwürdig verletzlich spielt, gelingt es Lee Tracy in „Der geheimnisvolle Doktor X“ bedauerlicherweise nicht, dass man ihm die Rolle des Helden, der den Fall am Ende sicher in den Hafen schaukelt, abkauft, obwohl er nach dem Ausscheiden der Polizisten als letzte wirklich positive Identifikations- und potenzielle Heldenfigur in der Handlung verbleibt. Tracy spielt die Rolle zwar lustig und lockert damit immer wieder die abgründige Handlung und die ansonsten fast durchweg ziemlich irren Figuren auf, man hat jedoch die ganze Zeit das Gefühl, dass er in der Realität keine fünf Minuten in seiner heimlichen Beobachterposition überleben würde. Man stelle sich vor, die Welt sei von einem brutalen Verrückten bedroht, dessen Kollegen ebenfalls zumindest nicht vor dem einen oder anderen fragwürdigen Experiment zurückschrecken – und die Rettung der Menschheit liege einzig in den Händen eines Kaspers, der von Anfang an mehr Glück als Verstand hat. God save the Queen! Das Ganze mutet ähnlich an, als hätte man beispielsweise Eddi Arent nicht als spaßigen Gehilfen der Inspektoren in den deutschen Edgar-Wallace-Filmen der 60er besetzt, sondern ihm einfach gleich selbst die Rolle des Ermittlers, der die Täter zur Strecke bringt, und die Konfrontation mit Figuren wie dem Buckligen von Soho, dem Frosch mit der Maske oder dem feuerroten Mönch mit der Peitsche überlassen. Für einen sogenannten Pre-Code-Film, der noch ohne die Zwänge des Hays Codes entstand, ist das enttäuschend.

Großartige Kopie als Grundlage der DVD

Obwohl Technicolor dieses Vorgehen eigentlich untersagte, wurde von dem Film parallel auch eine schwarz-weiße Version gedreht. Während für die Farbversion Ray Rennahan als Kamermann zuständig war, der später für „Vom Winde verweht“ (1939) und „König der Toreros“ (1941) zwei Oscars gewann, wurde die Schwarz-Weiß-Version von Richard Towers gefilmt. Die übliche Vorgehensweise hierbei war, dass beide Kameras parallel liefen und die Farbkamera den Vorzug hinsichtlich der besten Positionen zum Geschehen bekam. Die Szenen wurden im Normalfall also nicht allein deswegen mehrmals gedreht, um beide Versionen zu ermöglichen, sondern beide Versionen gleichzeitig eingefangen. Ein deutlicher Unterschied zu der damals ebenfalls üblichen Praxis, ausgewählte Filme in verschiedenen Sprachfassungen zu drehen, wo es dann wirklich von Nöten war, die meisten Szenen mehrmals zu drehen – nicht nur allein der Sprachen wegen, sondern auch weil die Darsteller der meisten Rollen von Version zu Version wechselten und man in der Regel maximal die Stars beibehielt, wenn die Sprachbarriere nicht unüberwindlich war, oder Nebendarsteller, die mehrere der Sprachen beherrschten.

Der Grund für das Erstellen der Schwarz-Weiß-Version kann in verschiedenen Aspekten gesucht werden. Zum einen wäre es sehr teuer gewesen, für jede Kleinstadt Farbkopien zu produzieren, selbst wenn man diese dort bereits überall hätte vorführen können, und außerdem hätte es sich zweifellos als problematisch herausgestellt, eine solche Vielzahl an Kopien pünktlich in ordnungsgemäßer Qualität bereitzustellen. Zum anderen wollte man den Abnehmern auch die Option lassen, sich selbst für eine preisgünstigere Alternative zu entscheiden. Ferner dürften die Schwarz-Weiß-Fassungen auch als eine Art von Sicherheitskopien fungiert haben, da der Farbfilm damals eine recht neue Errungenschaft war und man jederzeit mit Problemen beim Kopieren oder der Haltbarkeit rechnen musste. Technicolor hingegen wollte seine Vormachtstellung auf dem Markt natürlich so eindeutig wie möglich gestalten und arbeitete daher mit Auflagen für die Studios, die die Technicolor-Farbfilmprozesse nutzten. Dass die Warner Brothers von dem Film einfach trotzdem eine Schwarz-Weiß-Version erstellten, geriet zum unmittelbaren Grund dafür, dass sich Technicolor aus der Zusammenarbeit zurückzog, weshalb „Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts“ schließlich zum letzten dramatischen Spielfilm überhaupt im Zwei-Farben-Verfahren wurde. Bei Warner dachte man sich dann aber offensichtlich „Wenn schon, denn schon!“ und drehte, ganz dreist, auch von „Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts“ eine Schwarz-Weiß-Fassung.

Die auf der deutschen DVD von „Der geheimnisvolle Doktor X“ befindliche Kopie ist das Ergebnis einer fantastischen Restaurierung durch die UCLA Archives und sieht besser aus als die Kopie von „Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts“, die man unter anderem auf der deutschen DVD des zugehörigen Remakes „Das Kabinett des Professor Bondi“ findet, welche den Originalfilm von 1933 in der englischen Sprachfassung als Bonus enthält. Etwas schade ist, dass die Schwarz-Weiß-Fassung von „Doctor X“, für die es sogar eine komplett eigenständige deutsche Synchronfassung gibt, nicht auf der DVD enthalten ist. Vielleicht wird diese ja zu einem späteren Zeitpunkt erscheinen oder irgendwann Teil einer größeren Special Edition sein. Da die DVD auch ansonsten jegliches Bonusmaterial vermissen lässt, besteht auf alle Fälle viel Spielraum. Der Film, noch dazu in dieser Bild- und vor allem Farbqualität, ist den Kauf aber so oder so ohne jede Frage wert – auch ohne Blu-ray. Für alle, die sich fragen, was Humphrey Bogart auf dem auf der DVD befindlichen Aufdruck zu suchen hat, zudem noch die abschließende Erklärung: Das hier verwendete Artwork gehört zu dem Film „Die Rückkehr des Dr. X“ (1939), einem lose auf „Der geheimnisvolle Doktor X“ basierenden Horrorfilm, in dem der in diesem Genre schon aus damaliger Sicht ungewöhnlich besetzte Bogart die Hauptrolle spielte. Es handelt sich allerdings nicht um eine Fortsetzung im eigentlichen Sinne.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Lionel Atwill sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 1. Dezember 2017 als DVD

Länge: 73 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch & Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Doctor X
USA 1932
Regie: Michael Curtiz
Drehbuch: Robert Tasker & Earl Baldwin, nach einem Theaterstück von Howard Warren Comstock & Allen C. Miller
Besetzung: Lionel Atwill, Fay Wray, Lee Tracy, Preston Foster, John Wray, Harry Beresford, Arthur Edmund Carewe, Leila Bennett, Robert Warwick, George Rosener
Zusatzmaterial: keins
Vertrieb: Studio Hamburg Enterprises

Copyright 2018 by Ansgar Skulme

Fotos & Packshot: © 2018 Studio Hamburg Enterprises

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Der stolze Rebell – Hoffnung im Schatten des Krieges

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The Proud Rebel

Von Ansgar Skulme

Western-Melodram // Ein früherer Südstaatensoldat (Alan Ladd) reist nach dem Bürgerkrieg mit seinem Sohn David (David Ladd) in den Norden, stetig auf der Suche nach einem Arzt für das Kind. Der Junge musste in Abwesenheit des Vaters mit ansehen, wie das Haus der Familie niederbrannte und die Mutter dabei zu Tode kam – seitdem hat er die Sprache verloren und hängt mehr denn je an seinem treuen Freund, einem kleinen Hund. Nur die alleinstehende Linnett Moore (Olivia de Havilland) und ein freundlicher Mediziner (Cecil Kellaway) kümmern sich um die Kriegsverlierer, aber auch auf dem Land von Miss Moore droht den Gebeutelten Unheil: Die Burleigh-Familie (unter anderem: Dean Jagger) hat es auf die Ländereien abgesehen und der Geschäftsmann Bates (James Westerfield) auf den Hund vom kleinen David …

Das Ganze liest sich auf den ersten Blick schrecklich vorhersehbar und rührselig, aber da man dem ohnehin in seinen 50er-Jahre-Filmen häufig recht resigniert wirkenden Alan Ladd diese Rolle hervorragend abkauft und seinem Sohn David im Alter von nur zehn Jahren eine enorm gute schauspielerische Leistung gelang, funktioniert dieses Spätwerk von Michael Curtiz durchaus ansprechend. David Ladd wurde verdient für gleich zwei reguläre Golden Globes nominiert und letztlich mit einem Special Award als bester jugendlicher Darsteller ausgezeichnet. „Der stolze Rebell“ wirkt bemerkenswert aufrichtig und ist dadurch bewegend, was letztlich in erster Linie dem guten Gespür von Michael Curtiz zu verdanken ist, die Bilder nüchtern zu belassen, da die Story ohnehin melodramatisch genug ist. Es besteht schlicht keine Notwendigkeit einer Dopplung von melodramatischer Handlung und Bildsprache, wie man es etwa von Douglas Sirk („Was der Himmel erlaubt“) kennt. Im Ergebnis heißt das: Viel glaubwürdiger als „Der stolze Rebell“ kann man ein Melodram im Grunde kaum inszenieren.

Momente das Abschieds

Glaubwürdig ist der Film aber auch, weil man Olivia de Havilland – hier im fünften ihrer nur sechs Filme aus den 50er-Jahren zu sehen – die bescheidene, alleinstehende Frau als ehrlich und liebevoll abnimmt; rüstig verwaltet sie ein großes Stück Land und ist glücklich, als sie sieht, wie sich der kleine Junge über sein neues Zuhause freut, das bisher ihr alleiniges Heim war. Einmal mehr überzeugt de Havilland als starke Kämpferin für das Gute, der alles Böse komplett fremd zu sein scheint – das Rollenprofil, mit dem sie seit den 30er-Jahren berühmt geworden war. Es war nicht nur ihr letzter Kino-Western, dem lediglich noch eine Episode der Serie „Big Valley“ von 1965 folgte, sondern auch ihr letzter Film mit Michael Curtiz, dem Regisseur, der sie mit Filmen wie „Unter Piratenflagge“ (1935) und „Die Abenteuer des Robin Hood“ (1938) berühmt gemacht hatte.

Mit Alan Ladd, der sich zunächst vor dem raubeinigen Umgang des Regisseurs mit seinen Stars gefürchtet hatte, drehte Curtiz unmittelbar danach noch den Kriminalfilm „Das tödliche Netz“ (1959). Binnen nur weniger weiterer Jahre sollten die Hollywood-Karrieren beider Stars und des Regisseurs enden: Michael Curtiz starb 1962, Alan Ladd 1964 und Olivia de Havilland war nachfolgend nur noch in vier Hauptrollen im Kino zu sehen – 1964 in ihrer letzten. Ein Spätwerk war der Film aber auch für den angehenden Jungstar Tom Pittman, welcher einen der beiden Söhne der Burleigh-Familie spielt. Pittman wurde seinerzeit als Nachfolger von James Dean gehandelt, starb aber fünf Monate nach der Premiere des Films mit 26 Jahren bei einem Autounfall. Der Film „Verboten!“, eine Zusammenarbeit mit Samuel Fuller, und seine erste Kinohauptrolle „High School Big Shot“, die ihm im Doppelpack wahrscheinlich eine große Tür aufgestoßen hätten, erschienen 1959 erst posthum.

Ein rares Synchronvergnügen

In den USA wurde der Film 2011 von Echo Bridge Home Entertainment auf DVD veröffentlicht und dabei offen als Familienfilm angepriesen – mit einem Cover, das stark an Disney-Veröffentlichungen von Produktionen jener Zeit erinnert. Zuvor gab es bereits 2007 eine Veröffentlichung, im August 2015 folgte eine weitere. Kurzum: Selbst in seinem Herkunftsland schieben kleine Labels den Film hin und her. Für den Kino-Verleih in den USA war ursprünglich Buena Vista zuständig, in Deutschland wurde der Film von MGM auf die Leinwand gebracht. Offen bleibt, ob es aus dieser Sachlage einen Ausweg für das Werk auf eine deutsche DVD gibt. Lohnend wäre eine Veröffentlichung in der Bundesrepublik schon allein deswegen, weil es sich hierbei um einen der wenigen Filme handelt, in denen Werner Peters (1918–1971) in der Hauptrolle, als Stimme von Alan Ladd, zu hören ist – ein auch vor der Kamera in den 50er- und 60er-Jahren durchaus namhafter deutscher Schauspieler („Der Untertan“, 1951), der es bis ins internationale Kino und in Filme wirklich großer Regisseure schaffte. Peters arbeitete in den 50ern zwar häufig als Synchronsprecher und war auch oftmals in recht großen Rollen im Einsatz, den an erster Stelle genannten Star eines Films durfte er aber leider nur ausgesprochen selten sprechen. Wer nach weiteren Beispielen Ausschau hält, dem sei noch der Film noir „Der Henker nimmt Maß“ (1957) empfohlen, in dem Werner Peters in einer Doppelrolle für Jack Palance zu hören ist. Auch hierbei handelt es sich um eine MGM-Veröffentlichung – ein Studio, das oftmals mit ungewöhnlichen Synchronbesetzungen auffiel und auch gern einmal lange bewährte Kontinuitäten missachtete, im Falle von Peters aber einen guten Schachzug tätigte.

Von der Reduzierung des Michael Curtiz

Abschließend bietet es sich an, ausgehend von diesem Film und anknüpfend an meinen Text zu „Goldene Erde Kalifornien“ (1938), den allgemeinen filmhistorischen Umgang mit Michael Curtiz zu kritisieren, nicht zuletzt was die Veröffentlichung seiner Filme bis heute anbelangt – speziell in Deutschland. Curtiz war ein überaus fleißiger Regisseur, der gewissermaßen bis zum letzten Atemzug auf höchstem Niveau arbeitete. Einer, der bereits in den 30er-Jahren enorm erfolgreich gewesen ist und nach dem Tonfilm auch alle neuen Farbverfahren stets zeitnah erproben durfte. Schon Anfang der 30er war er eine sichere Bank und die Produzenten brachten ihm großes Vertrauen entgegen. Viele seiner 30er-Filme waren bei uns in Deutschland noch sehr lange im TV präsent, regelmäßig im Nachtprogramm der ARD und der dritten Programme vertreten, und sind es teilweise noch heute. Ab Ende der 30er-Jahre wird Curtiz‘ Schaffen aber zu sehr mit Blick auf seine Zusammenarbeiten mit Errol Flynn (und Olivia de Havilland) reduziert – nicht nur in Deutschland.

Von den mehr als 30 Filmen, die er nach dem Zweiten Weltkrieg bzw. etwa ab seinem 60. Lebensjahr bis zu seinem Tod binnen weniger als 20 Jahren fertigstellte, sind viele heute kaum noch bekannt, obwohl von fast allen (sogar von fast allen seit Anfang der 30er-Jahre!) eine deutsche Synchronfassung angefertigt wurde. Curtiz drehte rund 100 Tonfilme, die beinahe von Beginn an erfolgreich waren, und hatte zuvor auch schon rund 70 Stummfilme realisiert, aber eine Michael-Curtiz-Box oder -Collection lässt selbst in den USA oder Großbritannien bis heute auf sich warten. Curtiz war weder nur der Haus-und-Hof-Regisseur von Errol Flynn, als der er gern einmal verkauft wird, noch brachte der an Heiligabend geborene Regie-Veteran in den 50ern nicht mehr als lediglich die beiden großen Weihnachtsklassiker „Weiße Weihnachten“ (1954) und „Wir sind keine Engel“ (1955) zustande. Bis zu seinem Tod im Alter von 75 Jahren war er quer durch die Genrewelt aktiv, und noch seine finalen drei Filme waren bei Licht betrachtet Hausnummern: die Mark-Twain-Verfilmung „Abenteuer am Mississippi“ (1960), das heute fast vergessene Biopic „Franz von Assisi“ (1961) und schließlich der John-Wayne-Western „Die Comancheros“ (1961), doch ebenso stiefmütterlich wie „Franz von Assisi“ werden auch die meisten anderen Filme behandelt, die er vor, nach und während seiner Zeit mit Errol Flynn drehte. Selbst seine im TV noch einigermaßen präsent gebliebenen 30er-Filme gibt es hierzulande größenteils nicht auf DVD.

Das Problem der Vielseitigkeit

Die Filmografie von Michael Curtiz sachgemäß und qualitativ angemessen zugänglich zu machen und in ihrer Breite zu erschließen, für die Errol Flynn nur ein Baustein war, ist eine große, bisher nicht bewältigte Aufgabe. Was in Deutschland an Filmen vergessen wurde, wurde in den USA zu einem guten Teil zumindest degradiert. Stellt sich eigentlich nur die Frage, wo man zuzugreifen und dies zu ändern beginnt. Selbst wenn man vorerst nur die Filme ab dem Beginn seines wirklich großen Erfolgs mit einigen Genre-Meilensteinen im Horror-, Kriminal- und Gangsterfilm Anfang der 30er berücksichtigt, bleiben von dort aus bis zu seinem Tode immer noch dreißig Jahre eher spärlich beleuchtete Kinogeschichte übrig.

Der gebürtige Budapester Michael Curtiz ist einer der Regisseure, denen es zum Verhängnis geworden zu sein scheint, dass sie praktisch alles konnten, dies ausgewogen zeigten und einfach nicht auf ein Genre festzunageln sind, mit dem man sie assoziiert. John Ford verbindet man mit dem Western, James Whale oder Tod Browning mit dem Horrorfilm, Hal Roach mit Slapstick, Alfred Hitchcock mit dem Thriller, Cecil B. DeMille mit epischen Großproduktionen; allesamt werden sie als Meister des jeweiligen Sektors ausgerufen – und das sicher nicht zu Unrecht, aber ihre Schwerpunkte waren auch dementsprechend gelagert. Und Michael Curtiz, der keinen wirklichen Schwerpunkt hatte, sondern alles ausprobierte, technisch und inhaltlich sehr offen war, assoziiert man … mit Errol Flynn und „Casablanca“ (1942). Der einzige sehr rege bei großen Studios aktive Regisseur, dem man auf diese Weise Unrecht tut, ist er aber sicher nicht. Man könnte nun beispielsweise mit Allan Dwan weitermachen, dem das Cinema-Ritrovato-Festival in Bologna immerhin erst vor wenigen Jahren eine Retrospektive widmete, aber das ist eine andere Geschichte.

Olivia de Havilland bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Goldene Erde Kalifornien (1938)
Der stolze Rebell (1958)
Wiegenlied für eine Leiche (1964)

Michael Curtiz bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Goldene Erde Kalifornien (1938)
Der stolze Rebell (1958)
Die Comancheros (1961)

Veröffentlichung (USA): 12. August 2015, 3. Mai 2011 und 22. Mai 2007 als DVD

Länge: 103 Min. (Kino)
Originaltitel: The Proud Rebel
USA 1958
Regie: Michael Curtiz
Drehbuch: Joseph Petracca & Lillie Hayward, nach einer Geschichte von James Edward Grant
Besetzung: Alan Ladd, Olivia de Havilland, Dean Jagger, David Ladd, Cecil Kellaway, Harry Dean Stanton, Tom Pittman, Henry Hull, Eli Mintz, John Carradine, Percy Helton
Vertrieb: Buena Vista Film Distribution Company & Metro-Goldwyn-Mayer

Copyright 2016 by Ansgar Skulme
Filmplakat: Fair Use

 

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Goldene Erde Kalifornien – Michael Curtiz’ vergessenes Epos

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Gold Is Where You Find It

Von Ansgar Skulme

Western // In Kalifornien tobt ein erbitterter Widerstreit zwischen Farmern, angeführt von dem altmodischen Colonel Ferris (Claude Rains), und an der Goldsuche interessierten Bergbauern und Minenbesitzern unter der Führung des Moguls Harrison McCooey (Sidney Toler). In Jared Whitney (George Brent) hat McCooey einen fähigen Ingenieur in seinen Reihen, doch der freundet sich ausgerechnet mit Colonel Ferris‘ Sohn Lance (Tim Holt) an und verguckt sich obendrein in Ferris‘ Tochter Serena. Umso mehr sich die Lage zuspitzt, umso ärger gerät Whitney zwischen die Fronten …

Um alle unter der Regie von Michael Curtiz entstandenen Hits aus den 30er-Jahren aufzuzählen, reichen die Finger an zwei Händen nicht. Man kann guten Gewissens behaupten, dass wohl von keinem Hollywood-Regisseur so viele verschiedene 30er-Jahre-Filme noch in den 2000er-Jahren deutsch synchronisiert hierzulande im frei empfangbaren Fernsehen wiederholt worden sind. Er war einer derjenigen, die schon im Zwei-Farben-Verfahren von Technicolor Tonfilme drehen durften, bevor das Drei-Farben-Verfahren ab 1935 seinen Siegeszug antrat. Freilich wird mit Curtiz‘ Technicolor-Blütezeit heute vor allen Dingen „Die Abenteuer des Robin Hood“ (1938) assoziiert, wenngleich dieser Film eigentlich von William Keighley begonnen und von Curtiz erst während der Produktion übernommen wurde. Doch es gab da noch einen Film, den man nicht vergessen sollte, Curtiz‘ ersten und einzigen vor „Robin Hood“ entstandenen Film im Drei-Farben-Verfahren, schon 1937 abgedreht und ein Vierteljahr vor dem berühmten Errol-Flynn-Epos im Kino gestartet: „Goldene Erde Kalifornien“, Originaltitel „Gold Is Where You Find It“.

Olivia de Havilland am Vorabend des Weltruhms

An zweiter Stelle des Vorspanns genannt finden wir den Namen von Olivia de Havilland, deren Karriere sich seit 1935 im Aufwind befand und die mit dem nachfolgenden „Robin Hood“-Abenteuer endgültig zum Superstar werden sollte. Hier ist sie, wenngleich von den Warner Brothers längst als Star ins Feld geführt, in einer etwas knapp gehaltenen Rolle zu sehen, die vor allem in der stark gekürzten deutschen Fassung ein wenig untergeht, welche zuletzt im TV auf TNT Film lief – es fehlen gut 20 Minuten. Es erscheint rätselhaft, warum der Film in Deutschland so extrem geschnitten wurde, obwohl die Synchronfassung ohnehin erst in den 60er-Jahren entstand.

In den USA ist mittlerweile aber, erst vor knapp zwei Jahren, zumindest die Originalversion in der Warner Archive Collection auf DVD erschienen – und das natürlich ungekürzt. Fans der mittlerweile 100-jährigen de Havilland sollten daher besser gleich zur US-DVD greifen, auch wenn die deutsche Synchronfassung handwerklich gut gelungen ist – darin ist mit Heinz Engelmann ein Altmeister zahlreicher Western-Synchronrollen für Claude Rains zu hören. Die massiven Kürzungen könnten auch eine Erklärung dafür sein, warum der Film in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Curtiz-Regiearbeiten aus den 30ern eher selten wiederholt wurde und trotz seines Alleinstellungsmerkmals, dass es Curtiz‘ erster Film im Drei-Farben-Verfahren von Technicolor war, bis heute nicht bei uns auf DVD herausgebracht worden ist.

Für ein Epos sicher kurz, aber …

Zugegebenermaßen sind gut 90 Minuten für ein Epos keine besonders stattliche Länge, jedoch bringt die historisch bedeutsame Geschichte ebenso wie die Besetzung alle erforderlichen Anlagen für eine epische Erzählung mit sich. Curtiz hatte schon etliche Jahre keinen Western mehr gedreht und realisierte auch in der Folge zunächst nur ein paar Genre-Beiträge mit Errol Flynn, ehe er erst 1954, nach 14 Jahren Pause, wieder zum Western zurückkehrte. In „Goldene Erde Kalifornien“ jedoch zeigt er eindrucksvoll die Befähigung des Genres zur unterhaltsamen Geschichtsstunde, als hätte er nur darauf gewartet, seinen monumentalsten Western endlich drehen zu können. Der Konkurrenzkampf zweier amerikanischer Träume, das Duell von Landwirtschaft mit Goldsuche, werden für starke Bilder und dramatische Wendungen genutzt. Spaß macht zudem das motiviert wirkende Darsteller-Ensemble, unter anderem mit dem späteren zweiten „Charlie Chan“ der großen 20th-Century-Fox-Ära, Sidney Toler, der seinen Minen-Mogul McCooey mit gutem Gespür für die Ausrichtung der Kamera und die eigenen Blickrichtungen stets galant ins rechte Bild rückt – wahrscheinlich Tolers beste Rolle, bevor er als Chan Kult-Status erlangte.

Claude Rains, der bei den Dreharbeiten noch nicht einmal 50 Jahre alt war, spielt wie selbstverständlich den in die Jahre gekommenen Farmer-Patriarchen, eine Rolle, die um die 15 Jahre mehr auf dem Rücken haben dürfte. Es sollte die einzige Westernrolle in Rains‘ langer Karriere bleiben. Tim Holt, der wenig später zu einem Star der Fließband-Produktion im Western-Genre wurde, spielte hier seine erste große Rolle – ein früher A-Western gefolgt von vielen B- und C-Western, ein Strudel aus dem ihn praktisch nur John Ford für „Faustrecht der Prärie“ (1946), John Huston für „Der Schatz der Sierra Madre“ (1948) und Produzenten-Legende Howard Hughes für den Film noir „Ein Satansweib“ (1951) zwischenzeitlich herausholten. Bekannte Western-Gesichter wie George „Gabby“ Hayes und Russell Simpson sowie weitere gefragte Charakterdarsteller der alten Schule (Harry Davenport, Henry O’Neill) und der etwas jüngeren Generation (John Litel) runden das Gesamtbild ab.

Und dann ist da noch Barton MacLane in seiner Paraderolle als käuflicher, fieser und brutaler Misthund, die er in zahlreichen Filmen verkörperte. MacLane war auf den grobschlächtigen, harten Brocken, der seine Dialoge, wenn man so will, oft beinahe bellte, derart stark abonniert, dass sich in den 40er- und 50er-Jahren unter US-Teenagern sogar der Ausspruch „Don’t give me that Barton MacLane!“ durchsetzte. Damit wurden Zurechtweisungen durch Autoritätspersonen kommentiert, denen die Teenies somit gewissermaßen unterstellten, in ihrem Gestus und/oder Duktus auf Barton MacLane zu machen. Nicht zuletzt sollte erwähnt werden, dass das relativ späte Auftauchen einer seinerzeit wirklich namhaften Schauspielerin wie Margaret Lindsay innerhalb der Geschichte durchaus ein zusätzlicher Aspekt ist, der dem Werk epischen Charakter verleiht. Eine Schauspielerin dieses Formats trat nicht ohne Grund in einer Nebenrolle auf. Zu vergleichen ist dies etwa mit dem Auftauchen diverser Stars im Laufe der Geschichte von „Die zehn Gebote“ (1956).

Einzig fehlt das Zugpferd

Herrliche Technicolor-Bilder, ein Regisseur der das Genre noch neu für sich zu entdecken vermochte, ein in der Breite sehr gut aufgestelltes Darsteller-Ensemble inklusive einiger später durch bestimmte Rollen bzw. Rollentypen Kult gewordener Schauspieler (Toler, Hayes, MacLane), eine historisch relevante Geschichte, ein mit Gespür für epische Dramatik geschriebenes Drehbuch und dazu noch Musik von Max Steiner – da bleibt eigentlich nur ein Thema offen: der Hauptdarsteller. Und der könnte eine weitere Erklärung dafür sein, warum „Goldene Erde Kalifornien“ über all die Jahre nie der Sprung in die erste Riege des Genres gelungen ist. George Brent ist einer der Darsteller, denen man schnell nachsagt, zu oberflächlich gewesen zu sein, zu oft zu sehr den Strahlemann hervorzukehren. Ein gutaussehender Typ mit gepflegtem Oberlippenbart, dem allerdings aus irgendeinem Grunde das gewisse Etwas von Errol Flynn oder Clark Gable fehlte. Er spielt die Rolle engagiert und ist auch in den tragischen Momenten durchaus überzeugend – es wäre unfair, ihm vorzuwerfen, dass er die ganze Zeit nur gut auszusehen versucht; jedoch gelingt es ihm nicht, dieser groß angelegten Story die nötige Portion Führungsqualität mitzugeben.

So bleibt unter dem Strich ein Film, der aus seinem Potenzial zu wenig macht, aber trotzdem ein hohes Niveau erreicht und eigentlich nur wegen einer für die Story zu geringen Laufzeit und dem falschen Hauptdarsteller daran scheitert, sich auf Augenhöhe mit den ganz großen epischen Klassikern des Genres einzureihen. Nichtsdestotrotz muss unbedingt unterstrichen werden, dass es sich hierbei um das im Grunde erste Western-Epos im Drei-Farben-Verfahren von Technicolor, wenn nicht gar den ersten wirklich großen in Farbe gedrehten Western per se handelt und so oder so um einen der besten, inhaltlich wie stilistisch komplettesten Western der 30er-Jahre.

Olivia de Havilland bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Goldene Erde Kalifornien (1938)
Der stolze Rebell (1958)
Wiegenlied für eine Leiche (1964)

Michael Curtiz bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Goldene Erde Kalifornien (1938)
Der stolze Rebell (1958)
Die Comancheros (1961)

Veröffentlichung (USA): 7. Oktober 2014 als DVD

Länge: 94 Min.
Altersfreigabe: FSK unbekannt
Originaltitel: Gold Is Where You Find It
USA 1938
Regie: Michael Curtiz
Drehbuch: Warren Duff, Robert Buckner, nach einer Geschichte von Clements Ripley
Besetzung: George Brent, Olivia de Havilland, Claude Rains, Margaret Lindsay, John Litel, Marcia Ralson, Barton MacLane, Tim Holt, Sidney Toler, George „Gabby” Hayes, Russell Simpson, Harry Davenport, Henry O’Neill
Vertrieb: Warner Archive Collection

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Filmplakat: Fair Use

 

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