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Tunnel Rats – Abstieg in die Hölle: Uwe Bolls Vietnam-Kommentar

Tunnel Rats

Von Volker Schönenberger

Kriegs-Action // Nach „Apocalypse Now“ und „Platoon“ kommt … steht es großspurig oben auf dem Cover von „Tunnel Rats – Abstieg in die Hölle“ zu lesen. Das ist viel zu hoch gegriffen, an die Meisterwerke von Francis Ford Coppola und Oliver Stone reicht Uwe Bolls 2008er-Regiearbeit natürlich nicht heran. Aber auch unterhalb dieser Vietnamkriegsfilm-Referenzen ist ausreichend Raum für anständige Qualität. Und wer sich von Bolls miesem Ruf als Regisseur nicht abschrecken lässt, erlebt am Ende eine angenehme Überraschung.

Harter Hund: Sergeant Hollowborn kennt kein Pardon

Im Vietnamkrieg hatte der Vietcong im Dschungel ein riesiges System von Tunneln angelegt, um wie aus dem Nichts kommend zuschlagen zu können. Mal waren diese Tunnel weit verzweigt, sodass die nordvietnamesischen Soldaten große Strecken darin zurücklegen konnten, mal waren sie kurz, mal lediglich Erdlöcher, mal handelte es sich um mit tödlichen Fallen versehene Attrappen. Nach der ersten Entdeckung dieser Tunnel durch US-Streitkräfte kam es zur Bildung spezieller Einheiten von GIs, den sogenannten Tunnelratten (Tunnel Rats). Deren Aufgabe war es, in die Tunnel einzudringen und Feinde aufzuspüren.

Der Tod aus dem Vietcong-Tunnel

„Tunnel Rats – Abstieg in die Hölle“ folgt einer Einheit dieser Tunnelratten unter der Leitung des völlig abgestumpften Sergeant Vic Hollowborn (Michael Paré), der nicht davor zurückschreckt, einen Kriegsgefangenen am nächsten Baum aufzuknüpfen. Das erschreckt zwar viele seiner untergebenen Soldaten, darunter Corporal Dan Green (Wilson Bethel) und Private Dean Garraty (Adrian Collins), mitten im Feindgebiet bleibt ihnen aber keine Wahl, als den Befehlen ihres Vorgesetzten zu folgen. Das Aufspüren der Tunnel samt der darin verborgenen Vietcong-Soldaten erweist sich als heikle Mission, die jederzeit tödlich enden kann.

Nordvietnamesischer Unter-Tage-Kriegsrat

2008 hatte Uwe Boll den Ehrgeiz entwickelt, sich von der reinen Exploitation seiner berüchtigten Videospiel-Verfilmungen zu entfernen und etwas ambitioniertere Projekte zu verwirklichen. Dieses Ziel kann mit dem in Südafrika gedrehten „Tunnel Rats“ als teilweise gelungen bezeichnet werden, der Kriegsfilm geht für mich als Fingerübung für den bald darauf entstandenen „Darfur – Der vergessene Krieg“ (2009) durch, der in meinen Augen Bolls bester Film ist. „Tunnel Rats“ kommt vollständig humorfrei und ohne jeden Trash-Appeal daher und zeigt das dreckige Kämpfen und Sterben sogar auch von der anderen, nordvietnamesischen Seite, auch wenn die US-Soldaten weitaus mehr Raum bekommen.

Auch Frauen kämpfen für den Vietcong

Die Charakterzeichnung lässt zu wünschen übrig, letztlich lernen wir keinen der Soldaten wirklich gut kennen. Identifikationspotenzial bleibt somit Mangelware, gleichwohl werden Angst und Leid der jungen Männer spürbar. Michael Parés fieser Sergeant Hollowborn orientiert sich klar erkennbar an dem von Tom Berenger verkörperten Sergeant Barnes in Oliver Stones „Platoon“, zieht im direkten Vergleich natürlich den Kürzeren. Phasenweise habe ich einen Handlungsfaden vermisst, Uwe Boll reiht letztlich eine Schleich- oder Kampfsequenz an die nächste und inszeniert somit einen eher szenisch wirkenden Kriegsfilm, der die Absicht des Regisseurs nicht ganz offenlegt. Für einen Antikriegsfilm ist „Tunnel Rats“ zu exploitativ angelegt, aber es ist doch zu spüren, dass Boll mehr wollte als reine Kriegs-Action zu inszenieren. Die Goldene Himbeere 2009 für die schlechteste Regie hat der Film nicht verdient – Boll erhielt sie in jenem Jahr allerdings zusammengenommen für drei Regiearbeiten; für „Schwerter des Königs – Dungeon Siege“ und „Postal“ mag Boll den Anti-Oscar sogar zu Recht verliehen bekommen haben, beide habe ich noch nicht gesichtet.

Unrated drüben, FSK 16 hüben

In den USA ist „Tunnel Rats“ sowohl mit einer R-Rated-Freigabe als auch ungeprüft (unrated) als sogenannter Director’s Cut veröffentlicht worden. Das macht etwas stutzig, findet sich doch auf der deutschen Blu-ray und DVD kein Director’s-Cut-Vermerk. Gleichwohl handelt es sich bei der ab 16 Jahren freigegebenen Fassung um die ungekürzte Version des Films. Die Unterschiede beider Fassungen könnt Ihr im Schnittbericht nachlesen. Angesichts einiger heftiger Gewaltspitzen überrascht die niedrige Altersfreigabe – saßen etwa Boll-Fans im FSK-Gremium, das über den Film zu befinden hatte? Womöglich würdigten die Bewerter auch, dass sich der Filmemacher an einem ernsthaften Kommentar zum Vietnamkrieg versucht hatte. Einige arg hämische Sätze in der einen oder anderen Filmkritik tun „Tunnel Rats – Abstieg in die Hölle“ jedenfalls Unrecht. Die Messlatten „Apocalypse Now“, „Platoon“ und „Full Metal Jacket“ reißt Uwe Boll zwangsläufig, aber sein erster Kriegsfilm hat mir auch bei meiner zweiten Sichtung gut gefallen. Weit davon entfernt, perfekt zu sein, aber auch alles andere als ein Ärgernis. Bedauerlich, dass der streitbare Regisseur seinen Job an den Nagel gehängt hat. Und angesichts einiger fragwürdiger politischer Äußerungen in der jüngsten Vergangenheit möchte man ihm zurufen: „Schuster, bleib bei deinem Leisten!“

Im Dschungelkrieg …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Uwe Boll haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Michael Paré unter Schauspieler.

… lauert überall der Tod

Veröffentlichung: 27. Juli 2012 als Special Edition Blu-ray 3D (inkl. 2D-Fassung), 14. Mai 2009 als Special Edition Blu-ray und DVD

Länge: 96 Min. (Blu-ray), 92 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Tunnel Rats
KAN/D 2008
Regie: Uwe Boll
Drehbuch: Dan Clarke, Uwe Boll
Besetzung: Michael Paré, Wilson Bethel, Mitch Eakins, Brandon Fobbs, Jane Le, Scott Ly, Rocky Marquette, Garikayi Mutambirwa, Nate Parker, Adrian Collins, Brad Schhmidt, Jeffrey Christopher Todd, John Wynn, Scot Cooper
Zusatzmaterial: deutscher und englischer Audiokommentar, Outtakes, Interviews, Trailershow, Wendecover
Label: splendid film
Vertrieb: WVG Medien GmbH

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © splendid film

 

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Big Kill – Stadt ohne Gnade: Auf nach Arizona!

Big Kill

Von Volker Schönenberger

Western // Weil sich Jake Logan (Scott Martin) in einem mexikanischen Kaff mit der Tochter von General Morales (Danny Trejo) eingelassen hat, müssen er und sein Kumpel Travis Parker (Clint Hummel) Hals über Kopf im Bleihagel die Flucht ergreifen. Ein zuvor getätigter Raubzug der beiden mag dabei auch eine Rolle spielen, dass die Mexikaner nicht gut auf die beiden „Gringos“ zu sprechen sind. Morales ist so sauer, dass er die beiden mit einem Soldatentrupp sogar über die Grenze verfolgt. Zum Glück für die beiden Nichtsnutze duldet Colonel Granger (Michael Paré) von der US-Kavallerie den Grenzübertritt nicht, weshalb der mexikanische Offizier unverrichteter Dinge beidrehen muss.

General Morales ist sauer

Im von Granger geführten Fort trifft das Duo auf den Buchhalter Jim Andrews (Christoph Sanders) aus Philadelphia, der sich auf dem Weg nach Big Kill in Arizona befindet, wo sein Bruder einen Saloon betreibe. Weil der Gute ein arges Greenhorn ist und noch nicht einmal eine Waffe trägt, schließen sich ihm Jake und Travis als Bodyguards an. In Big Kill eingetroffen, erfährt Jim, dass der Saloon dem Bürgermeister (K. C. Clyde) gehört. Von Jims Bruder hingegen fehlt jede Spur. Stattdessen werden die drei Zeuge, wie ein Prediger (Jason Patric) mit dem Colt tödliches Recht spricht. Bald darauf erscheint auch noch der Revolverschwinger Johnny Kane (Lou Diamond Phillips) auf der Bildfläche, der es genießt, wenn er in tödlicher Absicht seinen Colt ziehen kann, und den Neuankömmlingen den guten Rat gibt, beizeiten weiterzuziehen.

Jake (l.) und Travis nehmen Reißaus

Sieben Jahre benötigte Hauptdarsteller, Drehbuchautor und Regisseur Scott Martin, bis er sich nach seinem eher entbehrlichen Debüt „Battle Force – Todeskommando Aufklärung“ (2012) erneut auf den Regiestuhl setzte. Vom Sizilien des Zweiten Weltkriegs wechselte er für „Big Kill – Stadt ohne Gnade“ in den Wilden Westen. Gedreht in New Mexico, reiht Martin einige typische Motive und Figuren des Genres aneinander und vermengt sie zu einer zwar generischen, gleichwohl aber jederzeit unterhaltsamen Story. Trotz Hochglanz-Optik sieht man dem Indie-Western sein geringes Budget aufgrund der reduzierten Sets zwar an, andererseits kostet ein staubiges Filmset mit einigen Holzhäusern ja auch nicht die Welt. Etwas Schmutz hätte dem Streifen gut zu Gesicht gestanden und mehr Atmosphäre gebracht, aber auch so mag „Big Kill – Stadt ohne Gnade“ Westernfans bis zum obligatorischen Showdown gefallen. Außerdem gibt es mehr als genug räudige Western mit Unrat und Schlamm, da bringt eine etwas andere Farbe Abwechslung ins Spiel, zumal die Kostüme liebevoll gestaltet sind. In puncto Bildgestaltung hat Martins Kameramann Mark Atkins seine Western-Hausaufgaben gemacht. Bis hin zum finalen Shoot-out ist zu erkennen, dass die Crew das Genre kennt.

Die beiden begleiten Jim Andrews (M.) nach Big Kill

Danny Trejo („Machete Kills“, „Dead in Tombstone“) dreht unermüdlich. Seine ausufernde Filmografie erklärt sich aber teilweise damit, dass er bisweilen nur denkbar kurze Auftritte absolviert. So auch in diesem Fall – nach dem eingangs geschilderten Prolog war’s das für ihn. Dasselbe gilt für Michael Paré („Straßen in Flammen“, „Bone Tomahawk“). Trejo und Paré, im B-Segment gern gesehene Gesichter, dienen offenbar lediglich dazu, als bekannte Namen auf dem Cover von Blu-ray und DVD das Kaufinteresse zu wecken. Immerhin haben Jason Patric („The Lost Boys“, „Sleepers“) und Lou Diamond Phillips („Young Guns – Sie fürchten weder Tod noch Teufel“, „La Bamba“) größere Rollen spendiert bekommen, sodass „Big Kill – Stadt ohne Gnade“ insgesamt mit dem Prädikat „gut besetzt“ ins Ziel geht. Die Stars und die weniger bekannten Darsteller gleichermaßen haben sichtlich Spaß an diesem Große-Jungs-Film, in welchem Frauen mit Ausnahme der unberechenbaren Liebesdame Felicia Stiletto (Stephanie Beran) eher als Staffage dienen – auch das passt zu dieser kleinen Liebeserklärung an den klassischen Western.

Travis (l.) hat’s nicht so mit den Karten

Manchen mag die Dauer von mehr als zwei Stunden etwas zu lang erscheinen, zumal sich das Intro und die Einführung der Figuren Zeit nehmen, aber da es stets kurzweilig bleibt, kann von „Längen“ nicht die Rede sein. Puristen des klassischen Westerns werden womöglich die Nase rümpfen, dass sich ein dahergelaufener Filmemacher aus dem Independent-Sektor ihr Genre aneignet, aber wenn das derartig augenzwinkernd geschieht wie bei „Big Kill – Stadt ohne Gnade“, können wir über ein paar Kinderkrankheiten und Stereotype schon hinwegsehen. Dass jemand mit Messern zu einer Schießerei erscheint, ist jedenfalls das verschmitzte Tüpfelchen auf dem i. Sicher kein außergewöhnlicher Western, der das Genre voranbringt, aber einer, der es am Leben erhält.

Kennt man ja: Die Bösen lungen an der Kirche herum

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Michael Paré und Danny Trejo haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Showdown

Veröffentlichung: 21. Februar 2020 als Blu-ray und DVD

Länge: 127 Min. (Blu-ray), 123 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: Big Kill
USA 2019
Regie: Scott Martin
Drehbuch: Scott Martin
Besetzung: Scott Martin, Clint Hummel, Christoph Sanders, Jason Patric, Lou Diamond Phillips, K. C. Clyde, Michael Paré, Danny Trejo, Stephanie Beran, Elizabeth McLaughlin, Audrey Walters, Jermaine Washington, Dennis LaValle, David MAnzanares, Sarah Minnich
Zusatzmaterial: Trailershow, Wendecover
Label/Vertrieb: Lighthouse Home Entertainment

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2020 Lighthouse Home Entertainment

 

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Puppet Master – Das tödlichste Reich: Nazi-Puppen greifen an

Puppet Master – The Littlest Rich

Von Volker Schönenberger

Horror // Asche auf mein Haupt: Mit der 1989 mit „Puppet Master“ gestarteten Reihe von Charles Bands Produktionsfirma Full Moon Features bin ich nie in Berührung gekommen – warum auch immer. Insofern kann ich auch keine Auskunft darüber geben, ob der 13. Teil „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ das Franchise würdig fortsetzt.

Was geht in André Toulon vor?

Nach seiner Scheidung quartiert sich Edgar Easton (Thomas Lennon) vorerst wieder bei seinen Eltern ein – seine Mutter Suzanne (Laurie Guzda) freut sich, sein Vater Tom (James Healy Jr.) weniger. Für den stellt der in einem Comicladen arbeitende und selbst Comics zeichnende Sohn eine Enttäuschung dar, erst recht, weil er seine Ehefrau ziehen ließ, die sich nach Toms Ansicht als Mutter gut geeignet hätte. Im Zimmer seines verstorbenen Bruders entdeckt Eddie eine morbide schwarze Puppe mit Totenkopfgesicht. Er findet heraus, dass in Kürze eine Convention stattfindet, auf der mehrere solcher Puppen versteigert werden sollen. Anlass der Veranstaltung: der 30. Jahrestag einer grausamen Mordserie durch den Erbauer der Puppen. Mit seiner Jugendfreundin Ashley (Jenny Pellicer) und seinem Boss und Kumpel Markowitz (Nelson Franklin) bricht er zu dem Ereignis auf.

Mit Udo Kier und Michael Paré

Kenner der Reihe werden es wissen: Der Puppenbauer heißt André Toulon. In „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ verkörpert ihn Udo Kier, der nach wie vor oft im Genrefilm anzutreffen ist. Offenbar muss man ihn nur fragen. Aber er adelt jeden Film, auch diesen, wenn auch leider denkbar kurz und lediglich im Prolog. Michael Paré („Straßen in Flammen“) ist mir als Police Detective nicht groß aufgefallen. Ebenfalls dabei: Barbara Crampton, seinerzeit schon bei „Der Re-Animator“ (1985) und „From Beyond – Aliens des Grauens“ (1986) am Start und auch in den gelungenen „You’re Next“ (2011) und „The Lords of Salem“ (2012) zu sehen. Eine echte Genrefilm-Expertin also, die auch schon im ersten, im Fahrwasser von „Chucky – Die Mörderpuppe“ (1988) produzierten „Puppet Master“ in einer kleinen Rolle mitgewirkt hat. Im neuen Teil spielt Crampton Officer Carol Doreski, die die Convention-Teilnehmer durch das Haus André Toulons führt. Bald darauf erwachen die Puppen zum Leben und richten mit ihren mörderischen Klingen ein blutiges Gemetzel an.

Ashley und Eddie kommen einander näher

Besonders im Gedächtnis bleibt mir eine an den Tod von John Hurts Figur in „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ (1979) erinnernde Sequenz, wenn ihr versteht, was ich meine. Die animatronischen Puppen sind angetan, Gorehounds viel Freude zu bereiten. Das sieht natürlich alles etwas trashig aus, ist aber CGI-Splatter allemal vorzuziehen. Ab und zu kann man auch mal wieder freigelegte Brustkörbe und aus Bäuchen hervorquellende Gedärme sehen. Einige offenherzige Sexszenen gibt es ebenfalls zu bewundern. Die FSK fand das nicht ganz so amüsant und verweigerte die Freigabe, sodass das Label Pierrot le Fou „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ mit dem SPIO/JK-Siegel für keine schwere Jugendgefährdung veröffentlicht.

Luft nach oben

Wenn die Puppen rauskriegen, wo wir sind, sind wir geliefert. Sätze wie dieser machen deutlich, wie ernst „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ zu nehmen ist: überhaupt nicht. Wer mit der Reihe vertraut ist, wird einige Puppen aus vorherigen Filmen identifizieren können, ich spare mir die Nennung von Namen, die ich doch nur irgendwo abgeschrieben hätte. Was ich mitbekommen habe: Bei „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ handelt es sich offenbar um ein Reboot, das in einer anderen Realität angesiedelt ist als die Vorgänger. Das erklärt, weshalb André Toulon diesmal nationalsozialistisches Gedankengut hegt und seine Puppen die Jagd auf Juden, Schwarze und andere eröffnen lässt. Diese politisch potenziell unkorrekte Prämisse reizt der Film allerdings überhaupt nicht aus, da es letztlich um eine Aneinanderreihung unterhaltsamer Tötungssequenzen geht. Das Regisseursduo Sonny Laguna und Tommy Wiklund („Vittra“, „We Are Monsters“) verpasst die große Gelegenheit, daraus viel schwarzen Humor zu generieren, zumal die Puppen zwar ansprechend gestaltet ausfallen, aber stets nur kurz in Aktion treten und daher keine individuellen Merkmale entwickeln. Da ist in mancherlei Hinsicht noch massig Luft nach oben. Das Geschehen krankt obendrein etwas am Schlaftabletten-Charisma des Hauptdarstellers Thomas Lennon, aber wer sieht sich einen „Puppet Master“-Film schon in der Erwartung großer Schauspielkunst an?

Eine tödliche Puppe

„Puppet Master – Das tödlichste Reich“ feierte seine Deutschlandpremiere im Sommer 2018 beim Fantasy Filmfest. Das Drehbuch schrieb S. Craig Zahler, der als Drehbuchautor und Regisseur zuvor mit „Bone Tomahawk“ (2015) und „Brawl in Cell Block 99“ (2017) auf sich aufmerksam gemacht hatte. Eine Fortsetzung von „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ ist angedacht. Bereits fertig, aber hierzulande noch ohne Premieren- oder Veröffentlichungstermin: „Puppet Master – Blitzkrieg Massacre“, der aber nicht im selben Universum anzusiedeln ist wie dieser Film, wenn ich das richtig sehe. Wer sich auf einen Schlag alle elf dem offiziellen Kanon der Reihe zugehörigen Teile der Reihe zulegen will und das nötige Kleingeld übrig hat, kann bei Wicked-Vision Media zuschlagen: Dort erscheint im Oktober die auf 333 Exemplare limitierte Puppet Master Collection (Ultimate TRUNK Collection).

Werden die Fans der „Puppet Master“-Reihe bedient?

Ich vermute, dass „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ seine Freunde finden wird und auch schon gefunden hat. Ein Blick auf Rotten Tomatoes zeigt bei der Kritikerwertung Tomatometer anständige 67 Prozent, die Publikumswertung Audience Score liegt bei 54 Prozent, der gleiche Wert findet sich in der User-Wertung der IMDb (Stand Juli 2019). Ob Fans der gesamten Reihe angetan sind, kann ich nicht wirklich einschätzen, nehme es aber an.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Udo Kier und Michael Paré sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Und noch eine

Veröffentlichung: 12. Juli 2019 als Limited 2-Disc Edition Mediabook (Blu-ray & DVD, limitiert auf 2.000 Exemplare)

Länge: 89 Min. (Blu-ray), 86 Min. (DVD)
Altersfreigabe: SPIO/JK geprüft: keine schwere Jugendgefährdung
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Puppet Master – The Littlest Rich
GB/USA 2018
Regie: Sonny Laguna, Tommy Wiklund
Drehbuch: S. Craig Zahler
Besetzung: Thomas Lennon, Jenny Pellicer, Nelson Franklin, Charlyne Yi, Michael Paré, Barbara Crampton, Udo Kier, Alex Beh, Matthias Hues, Anne Beyer, Victoria Hande, Betsy Holt, James Healy Jr., Laurie Guzda
Zusatzmaterial: Interviews, Drehtagebuch, Die Ankunft der Killerpuppen, Trailer, Poster, Booklet
Label: Pierrot le Fou
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2019 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshot: © 2019 Pierrot le Fou

 

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