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Knives Out – Mord ist Familiensache: Agatha Christie hätte ihre Freude

Knives Out

Von Volker Schönenberger

Krimikomödie // Die Filmografie des Regisseurs Rian Johnson liest sich denkbar interessant: Sein Langfilm-Debüt „Brick“ mit dem jungen Joseph Gordon-Levitt entpuppte sich 2005 als Jugend-Krimidrama im Highschool-Milieu, dessen coole Dialoge wie aus einem Film noir entnommen wirken. „Brothers Bloom“ (2008) porträtiert zwei von Adrien Brody und Mark Ruffalo verkörperte Brüder, die als internationale Betrüger unterwegs sind. „Looper“ (2012) hatte erneut Joseph Gordon-Levitt als Hauptdarsteller, der in einem Science-Fiction-Setting als Berufskiller agiert, dessen Aufträge aus der Zukunft kommen und der eines Tages sein 30 Jahre älteres Ich töten soll. Fünf Jahre später ging es für Johnson auf der Karriereleiter ein paar Stufen aufwärts: „Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi“ (2017) wurde zwar wie alle jüngeren „Krieg der Sterne“-Filme kontrovers aufgenommen, macht sich in der Filmografie aber natürlich schmuck. Und ist mit all seinen Stars ein gutes Übungsfeld für weitere Regiearbeiten, bei denen man viele Darstellerinnen und Darsteller von prächtiger Prominenz bändigen muss.

Bestseller-Autor Harlan Thrombey (M.) ist 85 Jahre alt geworden

Das gilt besonders für „Knives Out – Mord ist Familiensache“, der mit illustren Namen nur so gespickt ist. Im Zentrum der Handlung steht der erfolgreiche Krimiautor Harlan Thrombey (Christopher Plummer), den seine Haushälterin Fran (Edi Patterson) am Morgen nach seinem 85. Geburtstag tot auffindet. Trotz durchgeschnittener Kehle proklamieren die Behörden offiziell Selbstmord als Todesursache. Die beiden Polizisten Elliot (LaKeith Stanfield) und Wagner (Noah Segan) befragen die zahlreichen Familienmitglieder, die nach der Geburtstagsparty noch anwesend sind, beginnend mit Harlans Tochter Linda Drysdale (Jamie Lee Curtis) und ihrem Ehemann Richard (Don Johnson). Da sind etwa Thrombeys jüngster Sohn Walt (Michael Shannon), der das Verlagshaus der Familie leitet, und Schwiegertochter Joni Thrombey (Toni Collette), Witwe des vor 15 Jahren verstorbenen Sohns Neil. Harlan unterstützte Joni finanziell und bezahlte obendrein jedes Jahr die Studiengebühren ihrer Tochter Meg (Katherine Langford). Während der Befragung durch die beiden Kriminalbeamten wundern sich die Familienmitglieder über den im Hintergrund sitzenden Typen. Der stellt sich als Benoit Blanc (Daniel Craig) vor, seines Zeichens berühmter Privatdetektiv.

Die Pflegerin im Fokus

Brillant inszeniert: In diesen etwa 20 ersten Minuten der ersten Befragungen zeigt sich bereits der virtuose Einsatz von Montage und Schnitt. Geschickt wechselt Regisseur Rian Johnson die Befragten aus – was der eine gefragt wird, beantwortet die andere, um ein Beispiel zu geben. Enthüllungen über Gespräche – und Streitigkeiten – am Abend der Geburtstagsparty werden als Rückblenden gezeigt. Schnell offenbaren sich diverse Motive für einen Mord am Patriarchen. Benoit Blanc entdeckt zügig, dass Harlan Thrombeys junge Pflegerin Marta Cabrera (Ana de Armas) eine Schlüsselrolle zukommt. Die Tochter einer Einwandererfamilie aus Ecuador genoss das uneingeschränkte Vertrauen des Bestsellerautors. Sie hat eine Eigenschaft, die sie für Blanc zur perfekten Unterstützerin macht …

Doch dann müssen drei Ermittler den Tod des Familienoberhaupts untersuchen

Eine Rolle spielen auch Wanetta „Nana“ Thrombey (K Callan), Harlan Thrombeys Mutter, deren Alter niemand mehr weiß, und Linda und Richard Drysdales Sohn Hugh Ransom (Chris Evans), der am Abend des Geburtstags nach einem Streit mit seinem Großvater wütend aus dem Haus stürmte. Eine weitere interessante Figur ist Walt Thrombeys minderjähriger Sohn Jacob, gespielt von Jaeden Martell, den wir aus der zweiteiligen Stephen-King-Verfilmung „Es“ (2017) und „Es – Kapitel 2“ (2019) kennen. Leider bekommt er zu wenig Zeit, sich zu entfalten. Jacobs eher reaktionäre Einstellung hätte einiges hergegeben, so bleibt es bei ein paar Wortgefechten mit seiner freigeistigen Cousine Meg.

Von Hercule Poirot zu Sherlock Holmes

Puh, jetzt reicht es aber mit den Figuren. Immer diese Ensemble-Filme! Ich muss mir mal wieder ein Kammerspiel mit zwei Personen zum Rezensieren suchen. Ein paar Nebenrollen tauchen in „Knives Out – Mord ist Familiensache“ noch auf, aber das soll es zum Inhalt auch gewesen sein. Es entspinnt sich ein geradezu klassisch anmutendes Whodunit-Rätselspiel, bei dem das Publikum auf diverse Fährten und in die Irre geführt wird. Auch Benoit Blanc muss tief graben, aber er steht in bester Tradition eines Hercule Poirot, jenes von Agatha Christie ersonnenen belgischen Meisterdetektivs. Oder auch eines Sherlock Holmes, nennt er Marta doch spaßeshalber einmal sogar Watson.

Linda Drysdale und …

Auch wenn Blanc einen ganz anderen Typus verkörpert als Hercule Poirot, passt der Agatha-Christie-Vergleich doch insofern, als Rian Johnson 2010 in einem Interview bekannt hat, die Grande Dame der englischen Kriminalliteratur sehr zu lieben. In der Nacht zuvor erst sei ihm der Gedanke gekommen, einen schön altmodischen Krimi zu drehen: I haven’t told anyone this yet, but I was thinking last night it would be great to do an old fashioned murder mystery. Und so kam es zu „Knives Out“.

… ihr Bruder Walt sowie …

Nach knapp einer Stunde wird das Whodunit fürs Publikum plötzlich zu einem vermeintlichen Ende geführt – und dann geht es erst richtig los, und bald wissen wir nicht mehr, wo uns der Kopf steht. Dabei gibt es ein paar entscheidende Hinweise, die wir serviert bekommen. Wer ausreichend Agatha Christie gelesen hat, hat es vielleicht leichter – ich habe das in der Tat, aber meine Lektüre zahlreicher ihrer Romane liegt lange zurück. Jedenfalls kommt es zu fein ausgeklügelten Wendungen, die viel Freude bereiten.

Weltpremiere beim Toronto International Film Festival

Gedreht wurde im letzten Quartal 2018 im US-Bundesstaat Massachusetts, seine Weltpremiere feierte „Knives Out – Mord ist Familiensache“ am 7. September 2019 beim Toronto International Film Festival. Ende November jenes Jahres folgte die US-Premiere mit flächendeckendem Kinostart, in Deutschland lief die Krimikomödie ab dem 2. Januar 2020 in den Lichtspielhäusern.

… Schwägerin Joni sind scharf aufs Erbe

Mit Agatha Christie im Kopf lieferte Rian Johnson tatsächlich einen sehr britisch wirkenden Krimi ab, auch wenn er in den USA spielt. Auch Szenenbild und Kulissen tragen zu dem Eindruck bei. Die genaue geografische Lokalisierung der Handlung im Film ist mir entgangen, vielleicht wurde sie gar nicht genannt. Vermutlich soll sich das Thrombey-Anwesen irgendwo in Massachusetts nicht allzu weit von Boston entfernt befinden.

Es gibt ein Publikum für raffinierte Krimikomödien

Bemerkenswert, dass in Zeiten solcher Larger-than-Life-Blockbuster wie den Filmen des Marvel Cinematic Universe und der „Fast & Furious“-Reihe ein solch dialoglastiges Ensemble-Krimiratespiel reüssieren kann. Für die Raffinesse, den feinen Humor und die scharfen Dialoge gibt es offenbar ein Publikum. Die spielfreudigen Stars trugen zweifellos ein Gutteil dazu bei, Menschen in die Kinos zu locken.

Gestatten: Blanc. Benoit Blanc

Da wir unbedingt wissen wollen, wie alle Fäden zusammenlaufen, vergehen die mehr als zwei Stunden auch wie im Flug. Auf subtile Weise streute Rian Johnson zu allem Überfluss ein paar gesellschaftliche Kommentare ein: Sicher nicht umsonst kommt die nach dem Erbe gierende US-Familie Thrombey nicht allzu gut weg, während wir mit der sympathischen Marta mitfiebern und ihr wünschen, aus dem Schlamassel heil herauszukommen. Eine Lateinamerikanerin! Was würde Donald Trump dazu sagen? Aber vermutlich würde er gar nicht so weit kommen, darüber nachzudenken, sondern nach einer halben Stunde aufstehen und gehen, weil ihn die Vielzahl der Figuren und der klug ersonnene Plot überfordern.

Wiedersehen bei James Bond

Ohne die Corona-Krise hätten wir Marta-Darstellerin Ana de Armas („Blade Runner 2049“) schon kurz nach „Knives Out“ an der Seite von Daniel Craig auf der großen Leinwand wiedersehen können: Die 1988 in Kuba Geborene spielt in „James Bond 007 – Keine Zeit zu sterben“ mit. Aktuell ist der Kinostart für den November angesetzt. Sowohl de Armas als auch Craig waren für ihre Parts in „Knives Out“ übrigens für einen Golden Globe nominiert – ebenso wie der Film. Rian Johnsons Originaldrehbuch erhielt sogar eine Oscar-Nominierung, unterlag aber dem koreanischen Sensations-Abräumer „Parasite“.

Pflegerin Marta steht im Zentrum des Geschehens

Manche Filme sind Kritikerlieblinge ohne großen Erfolg an den Kinokassen, manche sind Publikumslieblinge, an denen die Kritiker kaum ein gutes Haar lassen. Die geistreiche Krimikomödie „Knives Out – Mord ist Familiensache“ vereint beide Gruppen – und das völlig zu Recht. Und deshalb wird Daniel Craig den Privatdetektiv Benoit Blanc beizeiten erneut verkörpern. Rian Johnson wird erneut für Drehbuch und Regie verantwortlich zeichnen, viel mehr ist noch nicht bekannt. Freuen wir uns darauf!

Welche Absichten verfolgt Harlans Enkel Hugh Ransom?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Toni Collette und Jamie Lee Curtis haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Daniel Craig, Chris Evans, Christopher Plummer und Michael Shannon unter Schauspieler.

Wanetta „Nana“ Thrombey schaut sich das Ganze scheinbar unbeteiligt an

Veröffentlichung: 8. Mai 2020 als 2-Disc 4K Ultra HD Blu-ray (inkl. Blu-ray), Blu-ray und DVD

Länge: 131 Min. (Blu-ray), 126 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Knives Out
USA 2019
Regie: Rian Johnson
Drehbuch: Rian Johnson
Besetzung: Daniel Craig, Chris Evans, Jamie Lee Curtis, Toni Collette, Michael Shannon, Don Johnson, Ana de Armas, Katherine Langford, Christopher Plummer, LaKeith Stanfield, Noah Segan, Jaeden Martell, Riki Lindhome, Edi Patterson, Frank Oz, M. Emmet Walsh, K Callan, Raúl Castillo, nur Stimme: Joseph Gordon-Levitt
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Rian Johnson, Kameramann Steve Yedlin und Noah Segan (Schauspieler), entfernte Szenen, Rian Johnson: Planning the Perfect Murder, Meet the Thrombeys (Viral Ads), 3 Kinotrailer, Trailershow, nur Blu-ray: Kino-Kommentar von Rian Johnson, Multi-Part-Dokumentation „Making a Murder“, Director and Cast Q&A
Label/Vertrieb: Leonine

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & 4K-UHD-Packshot: © 2020 Leonine

 
 

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Shape of Water – Das Flüstern des Wassers: So lieben wir Guillermo del Toro

The Shape of Water

Kinostart: 15. Februar 2018

Von Matthias Holm

Fantasy-Melodram // Guillermo del Toro hatte es in letzter Zeit nicht leicht: Sein Kaijū-Film „Pacific Rim“ war eine sinnfreie Prügel-Orgie mit einer spannenden Welt, die man dafür lieben oder, wie im Fall von Blogbetreiber Volker, als „Dumm-Spektakel“ bezeichnen kann. Auch sein folgender Film „Crimson Peak“ hatte wieder starke visuelle Qualitäten, aber die Schauermär kam einfach nicht in die Puschen. Da kommt es etwas überraschend, dass nun Del Toros jüngste Regiearbeit „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ bei den Golden Globes für sieben Trophäen nominiert war und zwei mit nach Hause nahm – für del Toros Regie und den Soundtrack. Bei den Oscars hat das Fantasy-Melodram sogar satte 13 Mal die Chance auf einen Goldjungen. Jede dieser Nominierungen ist gerechtfertigt, denn „Shape of Water“ ist endlich mal wieder ein fantasievolles Märchen für Erwachsene – eine Kategorie, auf die sich der Mexikaner bestens versteht.

Elisa tagträumt gern

In den 60er-Jahren arbeitet die stumme Elisa (Sally Hawkins, „Paddington 2“) in einer geheimen Forschungseinrichtung der Regierung zusammen mit ihrer Freundin Zelda (Octavia Spencer, „The Help“) als Putzfrau. Eines Tages wird ein merkwürdiges Wesen (Doug Jones, „Pans Labyrinth“) in die Einrichtung gebracht, begleitet von dem sadistischen Richard Strickland (Michael Shannon, „Nocturnal Animals“). Zwischen dem Meereswesen und Elisa entwickeln sich zarte Bande und zusammen mit ihrem Nachbarn Giles (Richard Jenkins, „Cabin in the Woods“), Zelda und dem Forscher Hoffstetler (Michael Stuhlbarg, „A Serious Man“) versucht sie, ihren neuen Freund aus der Einrichtung zu retten.

Ein Herz für Außenseiter

„Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ ist vor allen Dingen ein Film über Außenseiter. Sämtliche Figuren, die als die Guten auftreten, haben irgendeinen Makel, der sie in der Gesellschaft beeinträchtigt, in der sie leben. Giles zum Beispiel ist schwul, was ihn als Illustrator um seinen Job gebracht hat. Zelda hat als Schwarze in den 60ern eh einen schweren Stand und der Wissenschaftler Hoffstelter lebt zwischen zwei Welten. Doch die offensichtlichsten Außenseiter sind Elisa und das Amphibienwesen.

Elisa hat durch einen Gewaltakt ihre Stimme verloren und kann so nur noch eingeschränkt mit dem Rest der Welt kommunizieren. Das macht ihr zwar wenig aus, doch gerade in einem Streitgespräch mit Giles kommt ihre gesamte Frustration hoch. Sally Hawkins trägt „Shape of Water“ zu jeder Zeit, allein durch ihre Mimik und Gestik übermittelt sie selbst die kleinsten Gemütsänderungen. Das Amphibienwesen hingegen ist ein komplett Fremder, der unsere Welt direkt mit Gewalt in Verbindung bringt. Doug Jones schafft es mit seinen Bewegungen, dieser unwirklichen Kreatur etwas Menschliches zu geben, ohne jedoch das Animalische zu verharmlosen, das diese Figur ausmacht. Die Romanze der beiden wirkt also nur auf den ersten Blick etwas merkwürdig, im Kontext der restlichen Geschichte ist sie absolut stimmig.

Die Kreatur

Erst als sämtliche Figuren ihren Makel annehmen und als ein Teil von sich betrachten, können sie über sich hinauswachsen und das Richtige tun. Der klare Gegenpol dazu ist Strickland. Er steht für die patriarchale Struktur, in der sich die Welt befindet, er sieht sich als denjenigen, der das Sagen, die Gewalt hat – und er duldet kein Aufbäumen von Menschen, die nicht seinen Werten entsprechen. Diese Denke wurde ihm lange eingetrichtert, in einer Szene mit einem Vorgesetzten sieht man, wie er sich nach Anerkennung für seine Taten verzehrt – und doch nur Ablehnung erhält. Damit ist er, als jemand im Dienste des Militärs, auch die Anti-These zu Hoffstetler, der sich in einer ähnlichen Lage befindet, sich allerdings für die moralisch richtige Handlungsweise entscheidet. Michael Shannon ist der perfekte Antagonist zu Elisa, der Trieb und die pure Boshaftigkeit, die von seiner Figur ausgehen, sind zutiefst furchteinflößend.

Blutige, schöne Effekte

Auch in der Ausstattung punktet „Shape of Water“: Wie bereits del Toros Vorgänger-Filme wirkt alles real, von Eilsas und Giles Wohnung über einem Kino bis hin zu dem dunklem Labor. Gleiches gilt für die Spezialeffekte, die, del-Toro-typisch, auch punktuell sehr blutig sein können – die FSK-Freigabe ab 16 Jahren geht durchaus in Ordnung. Dazu kommt ein verträumter Soundtrack von Alexandre Desplat, der, wie auch der Film, gekonnt zwischen heiter-verspielten Klängen und düsteren Tönen wechselt und so den Zuschauer in die Welt zieht.

Ein einziges Manko weist der Film auf – er ist nicht sonderlich aufregend. Die Geschichte bewegt sich in vorhersehbaren Bahnen, es gibt keine großen Überraschungen. So herrscht zwar ein konstantes Erzähltempo vor, etwas Varianz hätte hier und da nicht geschadet. Das ist aber nur ein kleiner Makel in einem ansonsten fantastischen Film, mit dem del Toro an die Qualität eines „Pans Labyrinth“ anknüpft. Man darf auf die Oscar-Verleihung gespannt sein und ob sich „Shape of Water“ gegen die starke Konkurrenz durchsetzen kann, zum Beispiel „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Guillermo del Toro sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Sally Hawkins und Octavia Spencer unter Schauspielerinnen, Filme mit Michael Shannon in der Rubrik Schauspieler.

Strickland (l.) im Streit mit Hoffstetler

Länge: 123 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: The Shape of Water
USA 2017
Regie: Guillermo del Toro
Drehbuch: Guillermo del Toro, Vanessa Taylor
Besetzung: Sally Hawkins, Doug Jones, Michael Shannon, Richard Jenkins, Octavia Spencer, Michael Stuhlbarg, David Hewlett, Nick Seacry, Stewart Arnott
Verleih: Twentieth Century Fox

Copyright 2018 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2018 Twentieth Century Fox

 

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Nocturnal Animals – Kino als Obsession mit dem Vergangenen

Nocturnal Animals

Von Simon Kyprianou

Thrillerdrama // Die Rahmenhandlung von „Nocturnal Animals“ spielt sich in der Welt der Reichen und Schönen ab. Man konnte in der Rezeption des Films viele Stimmen hören und lesen, die ihn als Reflexion über die Oberflächlichkeit und Schrecklichkeit dieser Luxuswelt – eine Welt, die Regisseur Tom Ford sicher nur allzu gut kennt – gedeutet haben, und das trifft sicher auch zu. Allerdings ist das unangenehm distanziert beobachtete Leiden einer schönen Frau in einer schönen Umgebung eigentlich keine sonderlich gelungene Reflexion oder Kritik.

Susan ist unglücklich mit ihrem Leben

Aber der Film hat noch eine andere, wesentlich interessantere Ebene: Wenn Susan (Amy Adams) von ihrem früheren Freund Edward (Jake Gyllenhaal) ein bisher unveröffentlichtes Manuskript seines Romans „Nocturnal Animals“ zugeschickt bekommt, lässt Ford die den Rahmen bildende Geschiche über dieses Manuskript in zwei weitere Geschichten abgleiten. Beide verweisen mehr oder weniger unmittelbar in die Vergangenheit von Susan und Edward. Dabei erzählt uns Ford etwas Essenzielles über das Kino: dass das Kino immer die Obsession mit dem Vergangenen ist; die Möglichkeit, einen, wenn auch unweigerlich verzerrten Blick auf das ewig und zugleich flüchtig gewordene Vergangene zu werfen.

Verzahnung zweier Geschichten

Tom Fords Metalepse eröffnet gleich zwei unterschiedlich beschaffene Wege in das Vergangene: einmal als fiktionalisierte, in Genrekonventionen eingearbeitete Rape-and-Revenge-Geschichte in Form des Manuskripts, einmal als kurze, brüchige Erinnerungsfragmente von Susan, aus der Vergangenheit erinnert durch die Lektüre des Manuskripts.

Die Geschichte von Edwards Manuskript berührt sie

Die Entführungs- und Rachegeschichte des Manuskripts dreht sich um Tony Hastings (ebenfalls Jake Gyllenhaal), der mit seiner Familie von Fremden nachts auf dem Highway bedrängt wird, die dann seine Frau (Isla Fisher) und Tochter (Ellie Bamber) entführen, vergewaltigen und umbringen. Ford inszeniert das sehr effektiv, er findet Bilder unmittelbaren Schreckens, die Szenen nächtlicher Autofahrt beispielsweise sind hervorragend beklemmend inszeniert, und die (De-)Konstruktion der männlichen Figur und die Darstellung ihres Leids sind ebenfalls sehr gelungen.
Wieso Fords Perspektive auf Amy Adams’ Figur in der Rahmenhandlung so kalt und distanziert ist, jede Zartheit vermissen lassend, bleibt fraglich. Trotz ihrer Reue und ihres Schmerzes lässt er ihre Figur in den letzten Szenen endgültig in den Abgrund gleiten – ohne die geringste Empathie für Susan, das scheint dann doch einigermaßen befremdlich.

Zweite Regiearbeit nach „A Single Man“

Auch drücken sich die harten Konturen von Fords genau durchdachtem narrativem Konzept bisweilen allzu deutlich sichtbar durch. An einigen Stellen wäre vielleicht Zurückhaltung die bessere Lösung für „Nocturnal Animals“ gewesen, der sicher kein schlechter Film ist, Fords brilliantem Regiedebüt „A Single Man“ allerdings in keinem Moment das Wasser reichen kann.

Darin muss Familienvater Tony den Tod seiner Frau und Tochter erleben

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Amy Adams und Andrea Riseborough haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Jake Gyllenhaal und Michael Shannon unter Schauspieler.

Zusammen mit dem Sheriff will er Rache üben

Veröffentlichung: 27. April 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 116 Min. (Blu-ray), 112 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch, Italienisch, Türkisch, Hindi, Arabisch, Norwegisch,
Originaltitel: Nocturnal Animals
USA 2016
Regie: Tom Ford
Drehbuch: Tom Ford, nach dem Roman „Tony and Susan“ von Austin Wright
Besetzung: Jake Gyllenhaal, Amy Adams, Michael Shannon, Isla Fisher, Laura Linney, Aaron Taylor-Johnson, Armie Hammer, Michael Sheen, Andrea Riseborough
Zusatzmaterial: Making-of
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2017 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2017 Universal Pictures Germany GmbH

 

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