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Fast & Furious 9 – Ist Blut dicker als Wasser?

F9 – The Fast Saga

Kinostart: 15. Juli 2021

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Beinahe hätte ich unter diesem Text doch wieder den Trailer eingebettet, aber zur Sicherheit habe ich ihn mir vorher gründlich angeschaut. Lasst euch gesagt sein: Meidet ihn! Der Trailer nimmt die eine oder andere Überraschung vorweg. Auch wenn das „Fast & Furious“-Franchise nie für herausragende Story-Entwicklungen und clevere Wendungen berühmt war, fand ich während meines Besuchs der Pressevorführung des neunten Teils der Saga einige Aha-Effekte durchaus erbaulich. Und am erbaulichsten fallen sie eben dann aus, wenn man das Erlebnis erst während des Kinobesuchs hat. Im Trailer stellen sie eher ein Ärgernis dar.

Auch auf dem Lande sind Dom und Letty stets wachsam

Sehr genau nachgedacht habe ich darüber, welche Szenenfotos ich einbauen und Figuren nebst ihrer Darsteller/innen ich hier nennen will. Insofern bin ich zuversichtlich, in meiner Rezension Spoiler zu vermeiden. Unvermeidbar ist natürlich die Nennung von Dominic „Dom“ Toretto (Vin Diesel) und Letty (Michelle Rodriguez). Die beiden haben sich mit Doms Sohn Brian (doppelt besetzt mit Isaac und Immanuel Holtane) auf dem Lande so gemütlich wie ereignislos eingerichtet. Mit der Ereignislosigkeit hat es ein Ende, als Ramsey (Nathalie Emmanuel), Roman (Tyrese Gibson) und Tej (Chris „Ludacris“ Bridges) auftauchen, drei Mitglieder der „Familie“.

Im Einsatz gerät die Familie mal wieder unter Beschuss

Ihr alter Strippenzieher Mr. Nobody (Kurt Russell) hat dem Team eine Videobotschaft mit einem Hilferuf geschickt. Klar, dass sich Dom und Letty nicht lange bitten lassen (Dom lehnt tatsächlich anfangs ab, an Vorhersehbarkeit kaum zu überbieten). Kurz darauf finden sich alle fünf bei einer wilden Verfolgungsjagd in irgendeinem lateinamerikanischen Staat wieder, bei der sie unversehens auf einen starken neuen Gegenspieler treffen: Jakob (Wrestling-Topstar John Cena).

Wilde Hatz in Mittelamerika

Wenig überraschend: Die Werte der Familie und insbesondere der Zusammenhalt innerhalb dieser spielen eine gewohnt wichtige Rolle. Diesmal sogar mehr und anders als sonst, denn ein Prolog, der in späteren Rückblenden immer wieder aufgegriffen wird, führt uns zu einen Autorennen im Jahr 1989, wo wir den jungen Dominic Toretto (Vinnie Bennett) kennenlernen.

Letty fackelt nicht lange

Einmal mehr spielt die modernste Technik eine große Rolle, und da wir gewöhnliches Filmpublikum davon wenig verstehen, kann man uns viel vormachen, was beispielsweise die erst im Vorvorgänger „Fast & Furious 7“ (2015) zur Familie gestoßene Nathalie Emmanuel („Game of Thrones“) als Ramsey weidlich auskostet. Objekt der Begierde der Guten wie der Bösen ist diesmal eine Gerätschaft, die in den falschen Händen eine globale Katastrophe bis hin zum Zusammenbruch der Staaten oder Gesellschaften zur Folge hätte. Ohne Superlative kommt die „Fast & Furious“-Reihe bekanntermaßen nicht aus. Die Familie muss sich erneut mit Cyberterroristin Cipher (Charlize Theron) herumplagen, und Dom trifft mehr oder minder zufällig wieder auf Magdalene „Queenie“ Shaw (Helen Mirren), die wir aus „Fast & Furious 8“ (2017) und dem Spin-off „Fast & Furious – Hobbs & Shaw“ (2019) kennen. Glanzleistungen in puncto Schauspielkunst und Dialogregie werden nicht geboten, speziell diverse Einzeiler sind eher zum Haareraufen. Aber das kennen wir ja von der Reihe. Ein paar humorige Sprüche lassen schmunzeln. Ob das unfreiwillige Komik ist, sei dahingestellt.

Hans und Klärchen? Nein – Roman (l.) und Tej

Gedreht wurde an internationalen Stätten bereits 2019. Weshalb der Film je nach Land erst im Mai, Juni und Juli 2021 in die Kinos kam und kommt, dürfte bekannt sein – ein Tipp: Es beginnt mit C. Die Handlung führt mal wieder rund um den Erdball. Auf Schauplätzen in Amerika, Europa und Asien werden erwartungsgemäß massig schnittige und weniger schnittige Autos fachgerecht geschrottet. Die Devise lautet hier ebenso erwartungsgemäß: Mehr ist mehr. Wer meinte schon in „Fast & Furious 8“ seien Naturgesetze wie die Schwerkraft außer Kraft gesetzt worden, wird sich in der Fortsetzung die Augen reiben, wie man diverse Actionsequenzen aus dem achten Teil diesbezüglich locker toppen kann. Verraten sei, dass in einigen Szenen diesmal auch Magnetismus eine wichtige Rolle spielt. Das was dabei herauskommt, spottet allerdings jeder Wahrscheinlichkeit, was auch für die Schwerkraft gilt, die bald darauf auf ganz andere Weise zum Tragen kommt.

Mit Ramsey (l.) als Beifahrerin drückt Letty auf die Tube

Ihr merkt schon: Justin Lin („Star Trek – Beyond“) macht auch in seiner fünften „Fast & Furious“-Regiearbeit keine Logik-Gefangenen und legt an Action eine Schippe drauf, auch wenn das kaum möglich schien. Fans der Reihe bekommen das, was sie sich erhoffen, weshalb „Fast & Furious 9“ sein Publikum in den Kinosälen vermutlich finden wird, sofern Corona die Kapazitäten nicht abwürgt (erste Zahlen aus Übersee deuten einen Hit an). Wer die Reihe bislang mit Missachtung straft, bekommt keinen Anlass, daran etwas zu ändern. Mir hat das Spektakel mit seiner Vielzahl unterschiedlicher Fahrzeuge am Boden – und einiger in der Luft – gefallen. Ein „Guilty Pleasure“, zu dem ich stehe. Für Blockbuster mit hohen „Production Values“ wie diesen wurde der Ausdruck „Over the Top“ ersonnen.

Welche Absichten verfolgt Jakob?

Bleibt abzuwarten, wie sich der schon legendäre Zoff zwischen Dwayne Johnson und Vin Diesel am Set von „Fast & Furious 8“ auf Besetzung und Produktion der beiden fest eingeplanten abschließenden Teile 10 und 11 auswirken wird. Topstar Johnson fehlt in „Fast & Furious 9“, und das macht sich durchaus schmerzlich bemerkbar, gehört er doch aktuell zu den größten Actionstars überhaupt. Kürzliche Interview-Äußerungen von Vin Diesel deuten immerhin an, alles sei gar nicht so schlimm gewesen – Diesel sprach gar von „tough love“. Selbst Tyrese Gibson, der öffentlich geäußert hatte, nie mehr mit Johnson drehen zu wollen, äußerte jüngst in einer Talkshow, mit diesem „reconnected in a real way“ zu sein (im Video ab 6:30 zu sehen und zu hören). Egal, ob das rein professionelle Gründe hat, um dem Franchise die bestmögliche Besetzung zu garantieren, oder derlei Versöhnungen aufrichtig gemeint sind: Einer Rückkehr von Dwayne Johnson in „Fast & Furious 10“ oder „Fast & Furious 11“ scheint also nichts mehr im Wege zu stehen. Die Familienwerte gehen eben über alles.

Einiges geht zu Bruch

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Justin Lin haben wir in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Jordana Brewster, Nathalie Emmanuel, Helen Mirren, Michelle Rodriguez und Charlie Theron unter Schauspielerinnen, Filme mit Vin Diesel, Tyrese Gibson, Michael Rooker und Kurt Russell in der Rubrik Schauspieler.

Körperbeherrschung galore: Dominic Toretto

Länge: 143 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: F9 – The Fast Saga
USA/THAI/KAN 2021
Regie: Justin Lin
Drehbuch: Daniel Casey, Justin Lin
Besetzung: Vin Diesel, Michelle Rodriguez, Tyrese Gibson, Chris „Ludacris“ Bridges, Nathalie Emmanuel, Charlize Theron, Helen Mirren, John Cena, Kurt Russell, Michael Rooker, Finn Cole, Anna Sawai, Lucas Black, Shad Moss, Vinnie Bennett, Isaac Holtane, Immanuel Holtane, Jordana Brewster
Verleih: Universal Pictures International Germany

Copyright 2021 by Volker Schönenberger
Filmplakat & Szenenfotos: © 2021 Universal Pictures International Germany

 

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Fast & Furious 8 – Wenn es Autos regnet

The Fate of the Furious

Von Volker Schönenberger

Actionthriller // Erinnern wir uns: Am Ende von „Fast & Furious 7“ (2015) fuhren Dominic „Dom“ Toretto (Vin Diesel) und Brian O’Conner (Paul Walker) in ihren Autos nebeneinander her, bis sich ihre Wege an einer Gabelung trennten. Eine Schlussszene, die besonders den Fans des 2013 tödlich verunglückten Paul Walker sehr ans Herz ging, aber wohl niemanden kaltlassen konnte, der sich auf diese überdimensionale Actionreihe mit ihrem emotionalen Fokus auf die „Familie“ eingelassen hat. Glücklicherweise vermied es Drehbuchautor Chris Morgan, Brian synchron zu seinem Darsteller den Filmtod sterben zu lassen. Das wäre des Melodrams für Teil 8 wohl etwas zu viel des Guten gewesen. Kurz wird erwähnt, man wolle Brian mit seiner Frau Mia aus der Angelegenheit heraushalten, das war es dann – ein paar versteckte Tribute lassen sich noch entdecken. Angemessen.

Cipher plant Ungeheuerliches

Gleich zu Beginn von „Fast & Furious 8“ sprühen die Macker wieder vor Testosteron. Das Gedächtnis von Leticia „Letty“ Ortiz (Michell Rodriguez) ist wiederhergestellt, für sie und Dom ist endlich die Zeit für die Flitterwochen gekommen. Im kubanischen Havanna muss Dom seinem Cousin Fernando (Janmarco Santiago) aus der Patsche helfen – der hat Schulden beim lokalen Platzhirsch Raldo (Celestino Cornielle) und sein Auto verpfändet. Wir befänden uns nicht in der „The Fast and the Furious“-Reihe, wenn da nicht ein Rennen unter Kerlen eine Lösung bieten würde – ein illegales, ist ja klar. Kurz befreit Dom noch die Rostlaube seines Cousins von überflüssigem Ballast und motzt sie mit ein paar Boostern auf, dann kann es losgehen.

Deckard Shaw hat lange genug im Knast gesessen

Dieser so rasante wie explosive Start gibt die Turbo-Taktzahl vor, die der achte Teil des Franchises an den Tag legt. Er wurde tatsächlich in Kuba gedreht – als erster US-Film seit Beginn des amerikanischen Embargos gegen Kuba. Der sibirische Showdown des Films entstand in Island. Ich gebe gern zu, die Reihe jahrelang bewusst ignoriert zu haben, bis ich eines Tages zufällig dann doch mal in einen der Filme hineingeschaut habe – es mag Teil fünf gewesen sein. Kurz darauf hatte ich alle bis dato entstandenen Beiträge weggeatmet, hüstel. Es gibt eben eine Zeit für Over-the-Top-No-Brainer-Action wie diese. Obendrein birgt das Drumherum mit der aus im Lauf der Zeit zu einer echten Familie zusammengewachsenen Protagonistenschar dank der warmherzigen Werte Freundschaft, Liebe und Loyalität ein Identifikationspotenzial, das aus all der Coolness und – trotz starker Frauen – dem Machismo herausragt.

Dominic gegen die Familie

Kurz nach dem Rennen trifft Dom auf Cipher (Charlize Theron), die eine Mission für ihn und offenbar ein Faustpfand gegen ihn in der Hand hat. Luke Hobbs (Dwayne Johnson) lässt sich gleichzeitig von Mr. Nobody (Kurt Russell) für einen Auftrag anheuern, der die Mitwirkung der gesamten Familie erforderlich macht. Und so finden sich denn Hobbs, Dom und Letty, Tej Parker (Chris „Ludacris“ Bridges), Roman Pearce (Tyrese Gibson) und Ramsey (Nathalie Emmanuel, „Game of Thrones“) in Berlin ein und klauen ein EMP-Gerät. Dom jedoch linkt seine Lieben und befördert die Beute mit seinem Auto geradewegs ins Flugzeug von Cipher, die sich als Cyber-Terroristin mit gewaltigen Plänen entpuppt. Hobbs landet im Knast, wo er auf keinen Geringeren als Deckard Shaw (Jason Statham) trifft – die beiden haben noch die eine oder andere Rechnung miteinander offen.

Es regnet Autos

Eine Schande, wie in diesen Filmen mit tollen Autos umgegangen wird! Von leichten Dellen im Blech bis zum Totalschaden ist jede Stufe der Zerstörung vertreten – mit Tendenz zur Verschrottung. Wer beim Anblick von Luxus-Sportwagen nicht die kleinste Faszination verspürt, werfe den ersten Stein (auf eins der Autos). Von ihrem ersten Aufeinandertreffen im Knast an werden Hobbs und Deckard nicht müde zu betonen, wie sehr sie sich darauf freuen, einander beizeiten in einem kernigen 1:1-Zweikampf gegenüberzustehen. Wer da den Beginn einer wunderbaren Freundschaft vermutet, hat einiges verstanden, was die Reihe ausmacht (es führte 2019 zu „Fast & Furious – Hobbs & Shaw“). „Fast & Furious 8“ sprüht erwartungsgemäß vor knackigen Onelinern, die zwischen supercool und an der Grenze zur Selbstparodie lavieren.

Prominent besetzte Nebenfiguren

Mit Luke Evans als Deckard Shaws kleiner Bruder Owen konnte natürlich gerechnet werden. Die illustre Besetzung reichern auch Kristofer Hivju („Game of Thrones“) als Ciphers rechte Hand Rhodes und Scott Eastwood, Sohn von Clint, als Mr. Nobodys rechte Hand Little Nobody (sic!) an. Sogar Helen Mirren („Die Queen“) tritt in Erscheinung. Mittendrin gewann ich kurz den Eindruck, Éastwoods Little Nobody werde trotz anfänglicher Verspottung als festes Mitglied zur Familie stoßen, aber er taucht nicht in der Besetzungsliste von „Fast & Furious 9“ auf, also wird das wohl nichts. Teil 10 und 11 sind als vermeintlicher Abschluss übrigens auch schon angekündigt. Angesichts des weltweiten Riesenerfolgs von „Fast & Furious 8“ an den Kinokassen wundert das wohl niemanden. Der mit Corona-bedingt enormer Verspätung im Juli 2021 in den deutschen Kinos startende Teil 9 ist allerdings ohne Dwayne Johnson über die Bühne gegangen. Ob es daran liegt, dass er sich mit Hauptdarsteller und Produzent Vin Diesel in den nicht vorhandenen Haaren lag, weil dem während des Drehs von Teil 8 die Ankündigung des Spin-offs „Fast & Furious – Hobbs & Shaw“ sauer aufgestoßen war, bleibt spekulativ. So viel zum Thema Familie, aber was wäre ein Testosteron-geladenes Spektakel wie dieses ohne ein wenig Radau zweier Platzhirsche?

Die Familie rätselt: Weshalb hat Dom sie verraten?

Unverständlich: Universal Pictures hat den etwas mehr als zwölf Minuten längeren Extended Director’s Cut nicht auf Disc pressen lassen, sondern nur in Form eines digitalen Download-Codes zur Verfügung gestellt. Aber vielleicht bin ich dafür auch nur zu altmodisch. Um herauszufinden, ob sich die Langfassung lohnt, empfiehlt sich der Blick auf den Schnittbericht. Bei mir hat er dazu geführt, dass ich mich in Verzicht übe.

Glaubwürdig?

Kommen wir abschließend zum Aspekt der Glaubwürdigkeit. Kleiner Scherz, ein für die „Fast and Furious“-Reihe seit jeher irrelevantes Kriterium. „Fast & Furious 8“ wird dem Franchise vermutlich mit Ausnahme einiger frisch ins Filmalter hineingewachsener Jugendlicher kaum neue Fans bescheren, da es mittlerweile weltweit kaum noch Actionfreunde geben dürfte, denen die Sportwagen-Spektakel kein Begriff sind. Mir jedenfalls hat „Fast & Furious 8“ viel Spaß gemacht – ein „Guilty Pleasure“ sondergleichen, mit enorm hoher Starpower und ebenso hohen „Production Values“.

Hobbs fackelt nicht lange

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Nathalie Emmanuel, Helen Mirren, Michelle Rodriguez und Charlize Theron haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Vin Diesel, Scott Eastwood, Luke Evans, Tyrese Gibson, Dwayne Johnson, Kurt Russell und Jason Statham unter Schauspieler.

Dominic Toretto an seinem Lieblingsplatz: hinter dem Lenkrad

Veröffentlichung: 24. August 2017 als 4K Ultra HD Blu-ray, Blu-ray im Steelbook, Blu-ray, 2-Disc Special Edition DVD und DVD

Länge: 148 Min. (Digital Copy, Director’s Cut), 136 Min. (Blu-ray, Kinofassung), 131 Min. (DVD, Kinofassung)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: The Fate of the Furious
CHN/USA/JPN 2017
Regie: F. Gary Gray
Drehbuch: Chris Morgan
Besetzung: Vin Diesel, Jason Statham, Dwayne Johnson, Michelle Rodriguez, Tyrese Gibson, Chris „Ludacris“ Bridges, Charlize Theron, Kurt Russell, Nathalie Emmanuel, Luke Evans, Elsa Pataky, Kristofer Hivju, Scott Eastwood, Janmarco Santiago, Celestino Cornielle, Helen Mirren
Zusatzmaterial (z. T. nur Blu-ray): Audiokommentar von Regisseur F. Gary Gray, „Der kubanische Geist“, „In der Familie“, „Autokultur“, „Alles über die Stunts“, „Hinter den Kulissen – Die Familie“, erweiterte Kampfszenen, Trailershow, Kinofassung und Director’s Cut als Digital Copy, Wendecover
Label/Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2020 Universal Pictures Germany GmbH

 

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Crisis – Von legalen und illegalen Drogen

Crisis

Von Volker Schönenberger

Thriller // Der DEA-Drogenfahnder Jake Kelly (Armie Hammer) bereitet als verdeckter Ermittler einen großen Fentanyl-Deal vor. Seine Chefin Garrett (Michelle Rodriguez) macht ihm Druck, in kurzer Zeit Verhaftungen zu liefern. Kelly will daraufhin seine kriminellen Handelspartner überzeugen, ganze Lkw-Ladungen des Rauschgifts über die Grenze von Kanada in die USA zu bringen. Zuvor war ein einzelner Kurier mit einer Tasche voller Fentanyl beim Versuch des Grenzübertritts geschnappt worden, was die Drogenbosse misstrauisch werden lässt und Kelly in Gefahr bringt. Zu allem Überfluss kämpft Jakes Schwester Emmie (Lily-Rose Depp) mit ihrer Drogensucht.

Ein Drogenkurier wird an der Grenze gestellt

Die alleinerziehende Detroiterin Claire Reimann (Evangeline Lilly) ist gerade von ihrer Oxycodon-Sucht runtergekommen, als die Nachricht vom Tod ihres Sohns sie aus der Bahn wirft. Er soll an einer Überdosis Rauschgift gestorben sein, doch etwas macht sie stutzig und sie versucht, auf eigene Faust herauszufinden, was geschehen ist.

Das große Geld in der Pharmabranche

Der von der knallharten Meg Holmes (Veronica Ferres) geleitete Pharmakonzern Northlight steht kurz davor, ein revolutionäres, nicht süchtig machendes Schmerzmittel auf den Markt zu bringen. Es winken gigantische Erlöse, weshalb eine vom Universitätsprofessor Dr. Tyrone Brower (Gary Oldman) vorgenommene Versuchsreihe an Mäusen mit fatalen Resultaten nicht ins Wunschbild passt. Browers Northlight-Verbindungsmann Dr. Bill Simons (Luke Evans) macht dem Akademiker deshalb ebenso Druck wie dessen Vorgesetzter Geoff Talbot (Greg Kinnear), der um die lukrativen Verbindungen der Bildungseinrichtung zu dem milliardenschweren Unternehmen fürchtet.

Drogenfahnder Jake Kelly fädelt undercover einen großen Deal ein

Mann, ist das spannend! Und clever konstruiert! Zwei der Handlungsstränge werden sich beizeiten miteinander verweben, nämlich die Ermittlungen der trauernden Mutter Claire mit den Ereignissen um den Drogenfahnder Jake. Die Geschichte um das anscheinend gefährliche Schmerzmittel und den bald von Skrupeln geplagten Universitätsprofessor weist dagegen keine direkten Verbindungen zu den erstgenannten Storylines auf. Brower entschließt sich, zum Whistleblower zu werden – er kontaktiert die zuständige Arzneimittelbehörde FDA, womit er seinen Job und seine Reputation gefährdet. Die drei Handlungsfäden entwickelten geradezu einen Sog, der mich tief in die Story hineinzog (nur widerwillig stoppte ich zwischendurch den Player, um die Wäsche aus der Maschine zu holen).

Claire Reimann will wissen, warum ihr Sohn sterben musste

Ein Blick auf die Filmografie des Regisseurs Nicholas Jarecki offenbart nur wenige Arbeiten, schon gar nicht einen solchen Knaller: Der Doku „The Outsider“ (2005) über die Dreharbeiten zu James Tobacks Thriller „When Will I Be Loved“ (2004) folgte erst 2012 mit dem Thriller „Arbitrage – Macht ist das beste Alibi“ mit Richard Gere und Susan Sarandon der erste lange Spielfilm. Zwischendurch hatte Jarecki gemeinsam mit Bret Easton Ellis („American Psycho“) dessen Kurzgeschichtensammlung „Die Informanten“ zum Drehbuch umgeschrieben – „Informers“ startete 2009 in den US-Kinos. Die neun Jahre Wartezeit vom Spielfilmdebüt bis zum Nachfolger „Crisis“ haben sich gelohnt.

Unsere Vroni!

Der Ensemblefilm mit namhafter Besetzung hätte trotz seiner ohnehin üppigen Laufzeit von knapp zwei Stunden sogar noch länger sein können, da aufgrund der vielschichtigen Story nicht jeder Star ausreichend Raum zum Atmen bekommt. Die Rollen der nicht nur aus der „Fast & Furious“-Reihe bekannten Michelle Rodriguez und Luke Evans beispielsweise fallen eher unbedeutend aus, was ich bedaure, da ich beide schätze. Aber es ist ohnehin kein Film der vielschichtigen Charaktere. Oldman liefert gewohnt souverän ab, seine Figur ist trotz einiger bald aufkommender Anschuldigungen aber gänzlich integer. Oldman hat eine feine Szene mit unserer Vroni – und auch Veronica Ferres gibt da eine gute Figur ab. Sie spielt ja immer wieder in internationalen Produktionen an der Seite großer Hollywoodstars, etwa Casey Affleck („Every Breath You Take“, 2021), Michael Caine („Best Sellers“, 2021) und Keanu Reeves („Siberia – Tödliche Nähe“, 2018).

Dr. Tyrone Brower muss sich seiner Verantwortung …

„Crisis“ thematisiert die Opioidkrise in den USA, was der Film am Ende auch mit einer Texteinblendung aufgreift. Am Rande kommt auch #metoo zum Tragen, aber nur nebenbei und nicht die Story überfrachtend. Die Gegenüberstellung der Storys um legale und illegale Rauschmittel übt einen unwiderstehlichen Reiz aus, wobei man aus einem anderen Blickwinkel gerade daran auch Kritik üben kann: Beide Storys hätten auch zwei Filme hergegeben, wobei die Northlight-Affäre dafür noch etwas aufgepeppt hätte werden müssen. Und wer ihre mangelnde Verbindung mit dem Fentanyl-Deal des Undercover-Agenten kritisiert, tut das mit einiger Berechtigung. Da mir beide Stränge unabhängig voneinander gefallen habe, wertet das den Film für mich nicht ab, aber das mögen andere anders sehen. Für mich gilt: Das Interessante ist gerade die Gegenüberstellung. Eine narrative Verzahnung kann da kontraproduktiv sein.

Karriereende für Armie Hammer?

Für Armie Hammer („Hotel Mumbai“, „Lone Ranger“) markiert „Crisis“ womöglich seine letzte große Rolle. Nach verschiedenen massiven Vorwürfen liegt seine Karriere auf Eis. Der Kinostart der längst fertigen Agatha-Christie-Verfilmung „Tod auf dem Nil“ von Kenneth Branagh wurde auf 2022 verschoben. Kevin Spacey wurde seinerzeit aus „Alles Geld der Welt“ (2017) komplett herausgeschnitten. Ob das Armie Hammer mit „Tod auf dem Nil“ auch blüht?

… und seinem Boss Geoff Talbot (l.) stellen

An Steven Soderberghs famosen „Traffic – Die Macht des Kartells“ (2000) kommt „Crisis“ nicht heran (Mensch, liegt auch schon zwei Jahrzehnte zurück), das muss aber auch nicht sein, da unter dieser Messlatte reichlich Raum für hervorragende Drogenthriller bleibt. Den nutzt „Crisis“ weidlich aus.

Bill Simons erledigt die Schmutzarbeit für …

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Evangeline Lilly und Michelle Rodriguez haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Luke Evans, Armie Hammer, Greg Kinnear und Gary Oldman unter Schauspieler.

… die Konzernchefin Meg Holmes

Veröffentlichung: 21. Mai 2021 als Blu-ray und DVD

Länge: 118 Min. (Blu-ray), 113 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Crisis
KAN/BEL 2021
Regie: Nicholas Jarecki
Drehbuch: Nicholas Jarecki
Besetzung: Gary Oldman, Armie Hammer, Evangeline Lilly, Greg Kinnear, Michelle Rodriguez, Luke Evans, Lily-Rose Depp, Guy Nadon, Veronica Ferres, Kid Cudi, Indira Varma, Nicholas Jarecki
Zusatzmaterial: Making-of, Trailer, Wendecover
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2021 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2021 capelight pictures, Fotos: Philippe Bosse

 

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