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Vetala – Untote in indischer Netflix-Serie

Betaal

Von Volker Schönenberger

Horror-Miniserie // In der indischen Mythologie bezeichnet Vetala oder Betaal einen Wiedergänger, also einen aus dem Jenseits zurückgekehrten Toten, einen wiederbelebten Leichnam. Das erinnert natürlich nicht zuletzt an die guten alten Zombies. Mit der gleichnamigen vierteiligen indischen Miniserie erhält das arg überstrapazierte Untotengenre eine reizvolle neue Facette.

Lasst den Tunnel zu!

Zu Beginn der ersten Folge bekommen wir per Texteinblendung den letzten Eintrag des Tagebuchs von Colonel Lynedoch (Richard Dillane) zu lesen, der vom 17. Juni 1857 datiert: We came to help these people. But they resist. The mutiny has reached us. How dare they? I will use their own guardians against them. I will harness the Betaal’s curse, and grind these savages into the dirt … It seems there are rebels in the tunnel. I must go … Der britische Kolonial-Offizier beklagt sich also darüber, dass die Menschen, denen er helfen wollte, Widerstand leisten. Der Aufstand sei nah, nun werde er gegen die Rebellen ihre eigenen Wächter einsetzen, den Fluch Betaals entfachen und die Wilden zu Staub zermalmen. Anscheinend haben sich Rebellen im Tunnel verschanzt.

Der indische Aufstand von 1857

Eine etwas später gezeigte Gedenktafel verrät, dass Lynedoch der „90th Taunton Volunteers“ der East India Company angehörte, die während des Indischen Aufstands von 1857 spurlos verschwand. Im Hier und Heute Zentralindiens will das Bauunternehmen Surya Development erwähnten Tunnel für eine bedeutsame Verkehrstrasse erschließen. Doch das unbeugsame Dorf Nilja leistet Widerstand, wehrt sich nach Kräften gegen das Projekt. Die Zeit drängt, weil sich der Ministerpräsident persönlich zur Einweihung angekündigt hat. Ajay Mudhalvan (Jitendra Joshi), leitender Angestellter des Konzerns, gerät unter Druck und beauftragt die von Kommandantin Tyagi (Suchitra Pillai) geleitete „Baaz Squad“ der Polizeieinheit CIPD mit der Räumung von Dorf und Tunnel.

Die Baaz Squad eröffnet das Feuer

Das CIPD steht gerade unter besonderer Beobachtung, weil ein vorangegangener Einsatz der Baaz Squad zu Toten geführt hatte. Der Spezialeinheit wird brutales Vorgehen und sogar Mord vorgeworfen. Tyagi kennt dann auch diesmal keine Gnade und befiehlt ihrem Unteroffizier Vikram Sirohi (Viineet Kumar) sogar, das Feuer auf die Dörfler zu eröffnen, die den Eingang des verbarrikadierten Tunnels blockieren. Weil Sirohi zögert, lässt Mudhalvan einen eigens zu diesem Zweck vorbereiteten Sprengsatz detonieren, um die Eskalation herbeizuführen. Das gelingt, und nach kurzem Feuergefecht dringt die Baaz Squad in den Tunnel vor. Dort erwartet die Einsatzkräfte eine unheimliche Begegnung der mörderischen Art. Doch es sind nicht die erwarteten maoistischen Naxaliten-Rebellen, die sich dort verschanzt haben – Tote erheben sich …

Systemkritik und koloniales Erbe

Sowohl Kapitalismuskritik als auch Anspielungen auf die Kolonialgeschichte Indiens in Zombie-, Verzeihung: Vetala-Horror zu verpacken – Respekt! Allein damit hat es sich „Vetala“ bereits verdient, ein großes internationales Publikum zu erreichen. Der Widerstand der Dörfler gegen die Umsiedlung ist natürlich zum Scheitern verurteilt. Geld regiert eben auch in Indien die Welt, ein paar Tote sind als Kollateralschäden zu verschmerzen. Das bekommt in der ersten Episode „Der Tunnel“ breiten Raum. Speziell Ajay Mudhalvan erweist sich als besonders skrupelloses Exemplar der kapitalistischen Gattung.

Little Drummer Boy schlägt den tödlichen Takt

In der zweiten Folge „Die Baracken“ verbarrikadieren sich die Baaz Squad und einige andere Überlebende in einer alten Kaserne der Briten und harren der Dinge, die da kommen. Die Zombies, so wir die Wiedergänger denn so nennen dürfen, schlurfen nicht langsam in Verwesung begriffen wie bei George A. Romero, sie sind schnell – sehr schnell. Ab und zu marschieren sie auch recht diszipliniert, der militär-kolonialen Vergangenheit des britischen Empires geschuldet. Und ein untoter Soldat schlägt die Trommel dazu. Kostümierung und Szenenbild haben mir gut gefallen, in den alten Militär-Räumlichkeiten der Briten haben mich einige Sets sogar ein wenig an das Videospiel und dessen Verfilmung „Silent Hill“ erinnert. Das bringt Atmosphäre, und für Hochspannung ist jederzeit gesorgt.

Shah Rukh Khan und Blumhouse

„Vetala“ ist ein Projekt von Red Chillies Entertainment, der Produktionsfirma, die der indische Superstar Shah Rukh Khan und seine Ehefrau Gauri Khan 2003 gegründet haben. Vermutlich mangels eigener Horror-Erfahrung, holte man sich diese in Gestalt von Blumhouse Productions hinzu, seit der Jahrtausendwende mit etlichen Genrewerken erfolgreich, darunter die Reihen „Paranormal Activity“, „The Purge“ und „Insidious“. Auch bei Jordan Peeles außergewöhnlichem Rassismus-Horrortrip „Get Out“, Spike Lees Ku-Klux-Klan-Drama „BlacKkKlansman“ und M. Night Shyamalans Mystery-Thriller „Glass“ handelt es sich um Blumhouse-Produktionen. Das Unternehmen war 2018 auch an der Entstehung von „Ghul“ beteiligt, der ersten Horror-Miniserie von „Vetala“-Schöpfer Patrick Graham, die bislang ebenfalls exklusiv bei Netflix zu sehen ist. Der nicht gerade indische Name fällt auf, und in der Tat handelt es sich bei Graham um einen Briten, der in Mumbai arbeitet. Seiner IMDb-Biografie zufolge ist er einer der wenigen westlichen Autoren und Regisseure, die in der indischen Filmindustrie tätig sind.

Gegen die Untoten muss schon …

„Vetala“ ist bislang nicht deutsch synchronisiert worden und kann in englischer Tonspur mit beispielsweise deutschen oder englischen Untertiteln geschaut werden. Ich empfehle aus atmosphärischen Gründen die Original-Fassung in Hindi mit zahlreichen englischen Einschüben. Das koloniale Erbe Indiens erwacht mit „Vetala“ auf clevere Weise zu neuem, untotem Leben. Die üblichen Zombies herkömmlicher Machart bringen mittlerweile kaum noch neue Impulse, da lohnt der Blick auf dem südasiatischen Subkontinent umso mehr.

Lucio Fulci lässt grüßen

Ganz am Ende der letzten Episode „Der Oberst“ gönnt sich „Vetala“ eine schöne Hommage an Lucio Fulcis „Woodoo – Die Schreckensinsel der Zombies“ (1979) auch unter den Titeln „Zombi 2“ und „Zombie Flesh Eaters“ bekannt. Zombies in Indien hat es im Übrigen bereits 2014 in „The Dead 2“ gegeben, dabei handelt es sich aber nicht um eine indische Produktion, sondern um eine britische. Sogar eine Fortsetzung von „Vetala“ erscheint möglich, wenn auch nicht unbedingt wahrscheinlich. So oder so kann es jedenfalls mit indischem Horror gern weitergehen.

Die vier Episoden:

Der Tunnel (The Tunnel, 45:44)
Die Baracken (The Barracks, 49:47)
Der Kampf (The Battle, 46:57)
Der Oberst (The Colonel, 45:33)

… großes Kaliber aufgefahren werden

Veröffentlichung: 24. Mai 2020 bei Netflix

Länge: 188 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Hindi (mit Englisch), Englisch, Spanisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Hindi, Französisch, Russisch
Originaltitel: Betaal
IND 2020
Regie: Patrick Graham, Nikhil Mahajan
Drehbuch: Patrick Graham, Adhir Bhat, Suhani Kanwar
Besetzung: Viineet Kumar, Aahana Kumra, Suchitra Pillai, Jatin Goswami, Siddharth Menon, Manjiri Pupala, Jitendra Joshi, Syna Anand, Meenal Kapoor, Ankur Vikal, Richard Dillane
Streaming-Plattform: Netflix

Copyright 2020 by Volker Schönenberger

Szenenfotos, Plakate & Trailer: © 2020 Netflix

 
 

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Horror für Halloween (II): Stephen King’s The Stand – Das letzte Gefecht: Episches Gut gegen Böse

The Stand

Von Volker Schönenberger

This is the way the world ends.
This is the way the world ends.
This is the way the world ends.
Not with a bang but a whimper. (T. S. Eliot, dt. Übersetzung: Auf diese Weise geht die Welt zugrunde. Nicht mit einem Knall, sondern mit einem Winseln.)

Horror-Miniserie // In einer streng geheimen militärischen Forschungseinrichtung im ländlichen Kalifornien wird ein tödliches Virus freigesetzt. Der diensthabende Wachmann pfeift auf die Vorschriften, rennt zu seinem Haus auf dem Gelände, schnappt sich Frau und Kind und flieht, während im Innern die Menschen sterben wie die Fliegen. Der Vorspann setzt ein, und passenderweise bekommen wir über den Bildern all der Toten „Don’t Fear the Reaper“ von Blue Öyster Cult zu hören.

Aber natürlich war auch der Wachmann bereits infiziert, er und seine Lieben tragen das Virus in die Welt hinaus. Bevor der Erkrankte an einer Tankstelle im osttexanischen Kaff Arnette seinen letzten Atemzug tätigt, warnt er den zu Hilfe geeilten Stu Redman (Gary Sinise) vor einem dunklen Mann, der dem Auto eine Weile gefolgt sei. Er habe gedacht, er könne ihm entkommen. Aber niemand entkommt dem dunklen Mann. War das Virus in der Forschungseinrichtung noch innerhalb weniger Minuten tödlich, so ist es in der Außenwelt offenbar mutiert, um sich besser ausbreiten zu können. Die Ansteckung erfolgt zwar unmittelbar, zügig zeigen sich Symptome einer harmlosen Sommergrippe oder eines Schnupfens, aber bis zum unvermeidlichen Tod dauerte es fortan ein wenig länger, sodass binnen weniger Wochen 99,4 Prozent der Menschheit tot sind, dahingerafft von der sogenannten Supergrippe, die auch den Namen „Captain Trips“ bekommen hat.

Stephen Kings bester Roman?

Heute bin ich etwas von Stephen King und seinen Romanen abgekommen, aber bis in die 90er-Jahre hinein war er mein absoluter Lieblingsautor – und „The Stand – Das letzte Gefecht“ mein Lieblingsroman. Ich hatte das Epos um den großen Kampf zwischen Gut und Böse in den 80ern in der gekürzten Fassung gelesen, die veröffentlicht worden war, weil Kings Verlag Ende der 70er noch nicht bereit war, einen mehr als tausendseitigen Horrorroman zu veröffentlichen. Erst 1990 erschien die um 400 Seiten erweiterte vollständige Fassung, auch sie legte ich mir umgehend zu und verschlang sie zügig. Endzeit-Visionen haben mich stets fasziniert, Kings Roman gehört vielleicht zu den ersten Apokalypsen, die ich in Literatur oder Film wahrnahm – so genau entsinne ich mich nicht mehr. Umso neugieriger war ich auf die 1994er-Verfilmung als Miniserie, zumal mir die – nach heutigen Maßstäben nicht besonders gut gealterte – zweiteilige Romanverfilmung „Es“ von 1990 seinerzeit gut gefallen hatte. „The Stand – Das letzte Gefecht“ fesselte mich über die gesamten vier Episoden, und die erneute Sichtung anlässlich dieser Rezension bestätigte meine Erinnerung.

Auch Stu Redman wird interniert

Das gesamte Szenario der Auslöschung fast der gesamten Menschheit und des sich anbahnenden Kampfes zwischen dem ultimativen Bösen und der Macht des Guten entfaltet sich anhand der Überlebenden, die wir kennenlernen. Da ist Stu Redman von der Tankstelle, der mit seinen Leidensgenossen jenes Abends alsbald von der Armee interniert wird. Alle anderen sterben, er hingegen zeigt keinerlei Symptome der Infektion. Der gehörlose und des Sprechens nicht mächtige Nick Andros (Rob Lowe) trifft auf seinem Weg den etwas zurückgebliebenen Tom Cullen (Bill Fagerbakke), den er mitnimmt, auch wenn sich ihre Kommunikation schwierig gestaltet, weil Tom nicht lesen kann. Der verkrachte Popsänger Larry Underwood (Adam Storke) war unmittelbar vor dem Ausbruch der Pandemie auf dem Sprung zum Star, konnte kurz danach aber nur noch seine Mutter zu Grabe tragen. Dasselbe musste Fran Goldsmith (Molly Ringwald) mit ihrem Vater tun. Sie trägt das ungeborene Kind ihres verstorbenen Freundes in sich und ist gemeinsam mit dem nerdigen Nachbarsjungen Harold Lauder (Corin Nemec) unterwegs. Und dann ist da noch Nadine Cross (Laura San Giacomo), die sich Larry Underwood angeschlossen hat. Die beiden fühlen sich zueinander hingezogen, doch Nadine weigert sich, mit ihm zu schlafen, weil sich ihre Jungfräulichkeit bewahren will. Aber für wen? Oder was?

Wer hat Angst vorm dunklen Mann?

Sie alle und auch andere träumen von der 106-jährigen Mutter Abagail Freemantle (Ruby Dee), die sie in Nebraska erwartet. Dort gilt es, eine neue, eine bessere Gesellschaft aufzubauen. Doch sie alle haben auch von einer anderen Person geträumt: vom dunklen Mann – Randall Flagg (Jamey Sheridan), der Verkörperung des Bösen. Er schart bereits seine Helfershelfer um sich, darunter den Mörder Lloyd Henreid (Miguel Ferrer), den er aus dem Knast befreite, und den durchgeknallten „Müllmann“ (Matt Frewer), der gern Bomben baut und nicht davor zurückschreckt, eine ganze Stadt in Flammen zu setzen. Und während Abagail und die Ihren nach Boulder, Colorado aufbrechen, schlägt Randall Flagg sein Hauptquartier in Las Vegas, Nevada auf.

Zwischen Fran und Stu keimen romantische Gefühle auf

Die Entstehung fürs Fernsehen kann „The Stand – Das letzte Gefecht“ zu keinem Zeitpunkt leugnen, auch einige visuelle Spezialeffekte wirken nach heutigen Maßstäben nicht mehr State of the Art. Damit muss man umgehen können, dann allerdings erschließt sich dem geneigten Zuschauer der Reiz dieser epischen Saga. Die hervorragend restaurierte Fassung lässt den Vierteiler auf Blu-ray in neuem Glanz erstrahlen – die Bildqualität hat mir ausgesprochen gut gefallen. Über die Tonqualität kann ich mangels anständiger technischer Ausstattung nur bedingt Auskunft geben, jedenfalls konnte ich sowohl bei der englischen Original-Sprachfassung als auch bei der deutsche Synchronisation alle Dialoge gut verstehen und sonstige Geräusche sowie den Score anständig wahrnehmen.

Der Endkampf naht

Natürlich kann man die Konfrontation zwischen den Mächten des Guten und des Bösen für simpel oder gar naiv halten, aber bietet uns der „Krieg der Sterne“ letztlich anderes? Der religiöse Unterton findet nicht meinen Beifall, aber damit kann ich als der Atheist, der ich bin, im Film umgehen. So faszinierend die Ausbreitung der Supergrippe, die Vernichtung der Menschheit und die Etablierung der Protagonisten und Antagonisten zu verfolgen waren – sobald sich die Fronten gebildet haben, schleichen sich ein paar Längen ein. Glücklicherweise sind uns viele der Figuren ans Herz gewachsen, und wir wollen wissen, wer überlebt und wie es allen ergeht. Das erhält die Spannung, was der Dramaturgie etwa der dritten Episode allein nicht gelungen wäre.

Mit einer Personalie bin ich nicht zufrieden: Als Personifizierung des Bösen hätte ich mir einen charismatischeren Darsteller gewünscht als Jamey Sheridan („Sully“). Er hat zwar ein sinistres Grinsen, geht für mich aber nur als Berufsjugendlicher mit Vokuhila durch. Auch seine Figur Randall Flagg erscheint mir nicht bis ins Letzte durchdacht. Obwohl er als übermächtig und nahezu allwissend gezeichnet wird, leistet er sich ein paar menschliche Aussetzer und Wutausbrüche, die nicht recht zu ihm passen. Ich entsinne mich allerdings nicht, ob Stephen King Randall Flagg schon im Roman so charakterisiert hatte. Stephen King hat die Figur auch in seinem Roman „Die Augen des Drachen“ sowie im „Der dunkle Turm“-Zyklus aufgegriffen.

Von Kathy Bates zu Ed Harris

Ein paar interessante Personalien zeigen sich in kleinen Nebenrollen: In zwei der vier Episoden tritt der im Juni 2019 verstorbene Max Wright als Militärarzt Dr. Herbert Denninger in Erscheinung – wir kennen ihn als Willie Tanner aus „Alf“. In der ersten Episode haben Oscar-Preisträgerin Kathy Bates („Misery“), Ed Harris („Die Truman Show“) und Jeff Goldblum („Jurassic World – Das gefallene Königreich“) kurze Auftritte. „The Stand“-Regisseur Mick Garris – er verfilmt übrigens gern Stephen King – gibt sich in der ersten Episode ebenfalls die Ehre, während seine Kollegen John Landis („American Werewolf“) und Sam Raimi („Tanz der Teufel“) in der finalen Folge zu sehen sind. Auch der Basketball-Superstar Kareem Abdul-Jabbar gibt sich ein Stelldichein – in den ersten beiden Folgen sehen wir ihn als etwas wirr wirkenden Prediger. Schließlich haben wir den Großmeister des literarischen Horrors und Autor der Romanvorlage Stephen King persönlich, der in den beiden letzten Episoden in Erscheinung tritt. Also achtet auf die bekannten Gesichter!

Kennen wir den nicht?

Eine Neuverfilmung des Romans ist bereits 2014 angekündigt worden. 2018 wurde bekannt, dass daraus eine zehnteilige Serie werden wird. Regie führt Josh Boone („Das Schicksal ist ein mieser Verräter“), der auch unter den Drehbuchautoren und Produzenten zu finden ist. Mit James Marsden als Stu Redman, Whoopi Goldberg als Mutter Abagail, Alexander Skarsgård als Randall Flagg, Amber Heard als Nadine Cross und Greg Kinnear als Glenn Bateman sowie Marilyn Manson liest sich die Besetzung prominent. Einstweilen tut es aber auch die erste Adaption von 1994, bei der ich zwar einige Kritikpunkte ausgemacht habe, die ich aber dennoch auch 2019 mit Genuss geschaut habe. Andere mögen sich an den Makeln mehr stören, aber wer darüber hinwegsehen kann, bekommt ein Endzeit-Panorama geboten, das mit sympathischen Protagonisten punktet und über vier Folgen vorzüglich unterhält.

Die Episoden im Überblick:

1. The Plague (89 Min.)
2. The Dreams (89 Min.)
3. The Betrayal (89 Min.)
4. The Stand (93 Min.)

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Stephen-King-Adaptionen sind in unserer Rubrik Filmreihen aufgelistet. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Kathy Bates haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Jeff Goldblum und Ed Harris unter Schauspieler.

Veröffentlichung: 26. September 2019 als Blu-ray, 4. Oktober 2007 und 19. März 2004 als DVD

Länge: 359 Min. (Blu-ray), 346 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: The Stand
USA 1994
Regie: Mick Garris
Drehbuch: Stephen King, nach seinem eigenen Roman
Besetzung: Gary Sinise, Molly Ringwald, Rob Lowe, Jamey Sheridan, Laura San Giacomo, Ruby Dee, Ossie Davis, Miguel Ferrer, Corin Nemec, Matt Frewer, Adam Storke, Ray Walston, Bill Fagerbakke, Tom Holland, Kareem Abdul-Jabbar, Stephen King, Mick Garris, John Landis, Sam Raimi, Kathy Bates, Jeff Goldblum, Ed Harris
Zusatzmaterial: Audiokommentar mit Cast & Crew, Making-of
Label/Vertrieb Blu-ray: Universal Pictures Germany GmbH
Label 2004er-DVD: Paramount
Vertrieb 2004er-DVD: Universal Pictures Germany GmbH
Label/Vertrieb 2004er-DVD: Warner Home Video

Copyright 2019 by Volker Schönenberger

Szenenfotos & Packshot Blu-ray: © 2019 Universal Pictures Germany GmbH

 
 

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House of Cards – Das Original – Die komplette erste Miniserie: Eine gewaltige Polit-Tragödie

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Gastrezension von Simon Kyprianou

TV-Miniserie // Das US-Remake sorgt seit 2013 als herausragende Polit-Dramaserie für Furore; in diesem Zuge wurde nun endlich auch das BBC-Original aus den 90er-Jahren mit einem längst überfälligen deutschen DVD- und Blu-ray-Release bedacht.

Die Tatsache, dass die BBC-Serie „House of Cards“ das politische Tagesgeschäft in England nach dem Ausscheiden von Margaret Thatcher so facettenreich und realistisch und dadurch auch so erschreckend und dramatisch darstellen kann, liegt wahrscheinlich daran, dass das als Vorlage dienende Buch von Michael Dobbs stammt. Dobbs gehörte selbst der Conservative Party an, war drei Jahre lang Berater von Thatcher und ein Jahr lang Stabschef. Er wusste um die Wirren und Grausamkeiten der Politik, war selbst ein Teil davon – die angesehene Tageszeitung „The Guardian“ bezeichnete ihn damals als „Westminster’s baby-faced hit man„.

Paul Seeds BBC-Serie „House of Cards“ degradiert Menschen zu Schachfiguren. Sie werden zu Marionetten der mächtigen Männer, teilweise unwissend, teilweise unfreiwillig und wehrlos werden sie Teil des politischen Spiels und der Intrigen des Politikers Francis Urquhardt (Ian Richardson). Sein Ziel ist es, den Premierminister zu seinen eigenen Gunsten zu stürzen. Hier wird eine Politik gezeigt, für die der Mensch nicht zählt, sondern nur seine Leistung. Intrigen werden gesponnen, Menschen verführt, Karrieren zerstört und Abgründe geschaffen. Die Serie ist immer dann am tragischsten, wenn man mit ansehen muss, wie Urquhardt aus Menschen wehrlose Bauernopfer macht, wenn große menschliche Dramen entstehen, wenn die Unwissenden und Unschuldigen zu Fall gebracht werden.

Zwangsläufig verfällt das Publikum früher oder später der verführerisch bösen, machiavellistischen Figur Francis Urquhardt mit seinem charmanten Lächeln und den kühlen blauen Augen, der von Ian Richardsson großartig gespielt wird. Er bezieht den Zuschauer durch direkte Anrede in sein Komplott ein, macht ihn wie selbstverständlich zu einem Mittäter und nimmt ihm so jede Chance zur Distanzierung – man steckt von Anfang an mittendrin.

Minute für Minute verdichtet sich House of Cards immer mehr und wächst so zu einem gewaltigen, shakespearischen Polit-Melodram heran, dessen präzise und tiefgründige Spannung einen über die gesamten 224 Minuten in ihren Bann zieht und einen lange nach Serienende über die komplexen Figuren und ihre Schicksale nachdenken lässt.

Veröffentlichung: 25. März 2014 als Blu-ray und Doppel-DVD

Länge: 224 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: House of Cards
GB 1990
Regie: Paul Seed
Drehbuch: Andrew Davies, nach einem Roman von Michael Dobbs
Besetzung: Ian Richardson, Susannah Harker, David Lyon, Miles Anderson, Penny Guy, Diane Fletcher, Malcolm Tierney, Kenny Ireland
Zusatzmaterial: Audiokommentar
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Packshot: © 2014 Ascot Elite Home Entertainment

 

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