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Ironclad – Bis zum letzten Krieger: Rache für die Magna Carta

Ironclad

Von Volker Schönenberger

Historien-Abenteuer // Am 15. Juni 1215 unterzeichnete der englische König Johann Ohneland die Magna Carta, ein Dokument, das seine Macht erheblich einschränkte und die Stellung des Adels sicherte. Das Schriftstück gilt als Grundlage der britischen Verfassung, gar als einer der großen Meilensteine der Menschheit auf dem Weg zur Demokratie und zu Freiheitsrechten.

König John will die Schmach nicht auf sich beruhen lassen

„Ironclad – Bis zum letzten Krieger“ erzählt mit historischen Freiheiten bis hin zur völligen Fiktion, was König John (Paul Giamatti) im Anschluss an die Unterzeichnung der Magna Carta so anstellt. Ihm steht der Sinn nach Vergeltung für die erlittene Demütigung. Ein Abt und drei Tempelritter geraten zwischen die Fronten, als sie in einer Burg Zuflucht vor dem Regen suchen, die kurz darauf von König John mit mörderischen Absichten aufgesucht wird. Nur der Templer Thomas Marshal (James Purefoy) überlebt. Er schließt sich Baron William de Albany (Brian Cox) an, der beschließt, Burg Rochester auf der Route nach London einzunehmen, um den König dort aufzuhalten. Ein paar Raubeine schließen sich ihnen an, darunter Gil Becket (Jason Flemyng), der stets auf der Suche nach einem mehr oder minder willigen Rock ist. Bald zieht der König sein Belagerungsnetz um die Burg zusammen. Mit sich führt er dänische Söldner unter ihrem mächtigen Anführer Tiberius (Vladimir Kulich). Baron de Albanys junger Knappe Guy (Aneurin Barnard) ahnt bald, dass kaum einer von ihnen eine Überlebenschance hat, sofern nicht bald die Franzosen vom Kontinent übersetzen.

Die Einschläge kommen näher …

Der keusche Tempelritter Marshal hat bereits sein Schweigegelübde gebrochen, da macht es nichts, dass er sich auch noch in die aparte Burgdame Isabel (Kate Mara) verguckt. So kann man natürlich ein paar Kampfpausen überbrücken. „Ironclad – Bis zum letzten Krieger“ wartet mit tollen Darstellern auf, legt aber den Fokus weniger auf großes Schauspielerkino als auf eine grimmige Mittelalter-Atmosphäre und blutiges Belagerungsgetümmel. Menschen werden gespalten, Gliedmaßen abgehackt, Köpfe zerschmettert. Sonderlich tiefschürfend fällt das nicht aus, unterhaltsam allemal. Das Testosteron überträgt sich vom Bildschirm auf die Zuschauer, sodass wir uns alsbald als Teil der Belagerten fühlen.

… der Dänenkrieger Tiberius ebenfalls

Drehbuchautor und Regisseur Jonathan English inszenierte fünf Jahre später auch die Fortsetzung „Ironclad 2 – Bis aufs Blut“, die aber die Wucht des Vorgängers nicht erreicht. „Ironclad – Bis zum letzten Krieger“ ist gefundenes Fressen für Freunde gewalttätiger Ritter-Abenteuer.

Kampfpause: Knappe Guy (l.) und Templer Marshal

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Brian Cox, Jason Flemyng und Paul Giamatti haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Kann die Burg gehalten werden?

Veröffentlichung: 14. November 2014 als Blu-ray und DVD in 2-Movies-Edition (mit „Ironclad 2 – Bis aufs Blut“), 7. Oktober 2011 als Blu-ray im Steelbook, Blu-ray und DVD

Länge: 121 Min. (Blu-ray), 116 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Ironclad
GB/CH/USA/D 2011
Regie: Jonathan English
Drehbuch: Jonathan English (Ko-Autor: Erick Kastel, erster Entwurf: Stephen McDool)
Besetzung: James Purefoy, Brian Cox, Kate Mara, Derek Jacobi, Paul Giamatti, Charles Dance, Jason Flemyng, Jamie Foreman, Mackenzie Crook, Rhy Parry Jones, Aneurin Barnard
Zusatzmaterial: Interviews mit Cast & Crew, B-Roll, Trailer
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2018 by Volker Schönenberger
Szenenfotos: © 2011 Universum Film

 

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Es ist schwer, ein Gott zu sein – Welch schweres Geschütz von einem Film!

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Trudno byt bogom

Von Simon Kyprianou

Science-Fiction // 30 Wissenschaftler reisen zu einem mit der Erde beinahe identischen Planeten, der im finsteren Mittelalter feststeckt. Intellektuelle werden dort gejagt und getötet, die Renaissance wird somit verhindert, das Mittelalter findet kein Ende. Einer der Wissenschaftler, Anton (Leonid Yarmolnik), soll die Bevölkerung der Stadt Arkanar infiltrieren. Er nimmt dazu die Identität von Don Rumata an, lebt in einem Schloss mit seiner Frau. Er soll die Gesellschaft nach vorn bringen, darf jedoch nicht wirklich eingreifen. Mehr und mehr muss er feststellen: Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein.

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Arkanar ist eine triste Welt …

Diese Handlung kann man im Film kaum nachvollziehen. Figurenkonstellationen, Motivationen und Dialoge bleiben vage oder auch völlig unverständlich, aber das konnte man ja in der Filmkritik schon vielerorts lesen, bei „Die Nacht der lebenden Texte“ auch schon in der Rezension von Kay Sokolowsky. Im informativen Booklet, dass der Veröffentlichung von Bildstörung beiliegt, steht zwar, dass die Handlung nachvollziehbar werde, wenn man sich als Zuschauer Mühe gibt, mir zumindest blieb sie über weite Strecken schleierhaft. Die meisten Handlungsangaben werden wohl der Buchverlage der Strugatzki-Brüder entstammen oder dem Verleihtext, oder aber dem Wikipedia-Artikel, dessen ich mich zwecks Zusammenfassung des Inhalts ebenfalls bedient habe.

Etwas Aufschluss im Interview mit Regisseur Aleksei German

Das Booklet enthält immerhin viele aufschlussreiche Deutungsansätze, im ausführlichen Interview mit Aleksei German findet man dazu einige politische Ansätze, um sich dem Film anzunähern. Dazu erfährt man einiges über die langwierige Entstehungsgeschichte des Films, der erst nach Germans Tod von dessen Witwe fertiggestellt wurde.

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… die im finsteren Mittelalter feststeckt

„Es ist schwer, ein Gott zu sein“ beeindruckt allein schon deswegen, weil es die radikalste Abkehr von ästhetischen oder narrativen Normen seit langem ist. Das hat nichts mehr mit Kino zu tun, wie man es kennt, nichts mehr mit Kino, in dem man etwas erzählt bekommt. Nein, Germans Film ist eine Einladung, oder vielleicht eher eine Aufforderung, ihn zu erleben, ihn zu durchleben. Aleksei German erwähnt auch immer wieder in dem Interview, dass es ihm wichtig ist, Kino zu machen, wie kein anderer es macht. Er führt das unter anderem darauf zurück, dass er nie eine Filmhochschule besucht hat. Daher sind filmische Einflüsse auf Germans Werk schwer feststellbar, Einflüsse aus der Malerei dafür auf jeden Fall. Hieronymus Bosch dürfte jedenfalls eine wichtige Inspirationsquelle gewesen sein.

Die Schrecknisse eines außerirdischen Mittelalters

„Es ist schwer, ein Gott zu sein“ ist eine Tour de Force – dieser Ausdruck wird im Kontext des Films sicher oft gefallen sein. Die Kamera bewegt, kriecht, kämpft sich mal schwerfällig, mal schleudernd, und irgendwie auch subjektiv, ohne dass man ahnen kann, durch die Augen welches Subjekts man gerade blickt, durch die fantastischen Sets, und fängt mit grausamer Beiläufigkeit überall Schrecklichkeiten ein – Folter, Mord und Gewalt, zerfledderte Leichen. Es ist das Erleben einer Welt, die ganz ohne Hoffnung auskommen muss, und das ist eine schmerzliche Erfahrung.

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Leid und Tod findet man dort überall …

„Es ist nicht leicht ein Gott zu sein“ ist ein großer Film, ein einmaliger Film, sicher ein Meisterwerk. Ein Film, wie man ihn nie zuvor gesehen hat, der mit keinem Filmemacher vergleichbar ist, der sich allen Kategorien des Vergleichens entzieht. Und es ist ein Film mit dem man als Zuschauer kämpfen muss, um ihn auszuhalten. Aber eines ist gewiss: Es lohnt sich.

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… ebenso wie Armut und Krankheit

Die Filme der „Drop Out“-Reihe von Bildstörung haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt. Kay Sokolowsky hat „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ durchaus kritischer bewertet. Zu seiner Rezension anlässlich des Kinostarts geht’s auch hier.

Veröffentlichung: 27. November 2015 als Blu-ray und DVD

Länge:177 Min. (Blu-ray), 170 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Russisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Trudno byt bogom
RUS 2013
Regie: Aleksei German
Drehbuch: Leonid Yarmolnik, Aleksei German, Swetlana Karmalita, nach dem Roman von Arkadi und Boris Strugatzki
Besetzung: Gali Abaidulow, Juri Aschikhmin, Remigijus Bilinskas, Waleri Boltischew, Aleksandr Tschutko, Wasili Domratschjow, Lew Elisejew, Jewgeni Gertschakow, Valentin Golubenko, Waleri Gurjanow
Zusatzmaterial: Interview mit Aleksei German Jr. (Sohn des Regisseurs), Interview mit Drehbuchautorin Svetlana Karmalita (Witwe des Regisseurs), „Aleksei German“ – f Ron Holloways Langinterview mit Aleksei German, „Jenseits der Kamera“ – Dokumentarfilm von Aleksandr Pozdnjakov, „Germans Blutdruck ist heute 122/85“ – Dokumentarfilm von Peter Shepotinnik, „Die Geschichte des Arkanar-Massakers“ – eine Würdigung von Daniel Bird, Booklet mit einem Essay von Anton Dolin und Auszügen aus seinem langen Interview mit Aleksei German, Schuber
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos: © 2013 Studio Sever / Russia 1 TV / Packshots: © 2015 Bildstörung

 
 

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Es ist schwer, ein Gott zu sein … und dabei zuzusehen

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Trudno byt bogom

Kinostart: 3. September 2015 (in ausgewählten Programmkinos, Termine und Orte auf der Website des Verleihs)

Gastrezension von Kay Sokolowsky

Science-Fiction // Die Gebrüder Arkadi und Boris Strugatzki zählen mit gutem Grund zu den bedeutendsten Autoren der SF-Literatur, ihre Erzählungen werden als moderne Klassiker des Genres gefeiert. Mehrere davon wurden für das Kino adaptiert. So machte Andrej Tarkowski 1979 aus „Picknick am Wegesrand“ seinen bekanntesten Film, den düster-mystischen „Stalker“. Und 1989 versuchte sich der deutsche Regisseur Peter Fleischmann am Roman „Es ist nicht leicht, ein Gott zu sein“. Die äußerst bunte Produktionsgeschichte dieses Spielfilms, der sich zu einem der kostspieligsten Debakel des deutschen Nachkriegskinos auswuchs, hätte dem russischen Avantgarde-Regisseur Aleksei German eine Warnung sein sollen. Es gibt nämlich Bücher, mit denen sich Filmemacher besser nicht anlegen sollten. Dass German es trotzdem gewagt hat, spricht für seine Unerschrockenheit. Dass er noch vor dem finalen Schnitt starb, spricht wiederum für die Widerspenstigkeit der Vorlage.

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Unfröhliches Treiben in Don Rumatas Burg

Auf den ersten Blick wirkt die Story von der fehlenden Leichtigkeit des Gottseins gar nicht so kompliziert: Irdische Wissenschaftler beobachten heimlich die Eingeborenen eines fremden Planeten. Die Zivilisation dieser humanoiden Aliens hat frappierende Ähnlichkeit mit dem Mittelalter der Menschheit. Religiöser Wahn, Kastenwesen, Willkür, entsetzliche Armut und Grausamkeit – es fehlt nichts, was zu einer anständigen Ära der Finsternis gehört. Den terranischen Gelehrten ist allerdings strikt untersagt, sich den Ureinwohnern zu offenbaren, ihnen auch bloß die geringste Hilfestellung zu leisten. Jegliche Einmischung könnte die wissenschaftlichen Erkenntnisse verderben und außerdem für das Forschungsobjekt unabsehbare Folgen haben. (Diese Regel haben sich die „Star Trek“-Autoren übrigens für die „Oberste Direktive“ ausgeliehen.)

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„Gott“ in perfekter Schmutztarnung: Anton/Rumata

Im Königreich Arkanar spielt der Erdling Anton (Leonid Yarmolnik) bereits seit mehreren Jahren die Rolle des Fürsten Rumata. Als sich jedoch Don Reba (Aleksandr Tschutko), der königliche Sicherheitsminister, mit Hilfe des „Heiligen Ordens“ an die Macht putscht und einen faschistischen Gottesstaat errichtet, in dem Künstler, Intellektuelle und Wissenschaftler erbarmungslos verfolgt werden, gerät Anton/Rumata in einen schweren Gewissenskonflikt: Darf er abseits stehen, wenn die Wesen, die er kennen- und lieben gelernt hat, gefoltert und abgeschlachtet werden, obwohl ihm technische Mittel zur Verfügung stehen, diesen Teufelsspuk zu beenden?

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Immerhin – in der Folterkammer fällt kein Regen

Aleksei German beschränkt sich in seinem Dreistundenfilm auf die Schilderung des Pfaffen-Coups; und sogar davon zeigt er wenig. Die Handlung ist kaum zu begreifen, kennt man den Strugatzki-Roman nicht. Eine sonore russische Erzählerstimme (der Film läuft auch bei uns nur in der Originalfassung) streut zwar aus dem Off Häppchen von Informationen ein. Die sorgen aber eher für Verwirrung als Erklärung. Was German zweifellos beabsichtigte. Sein letztes Werk ist konzipiert wie eine Zentrifuge, die dem Zuschauer das Hirn zermalmen soll, ein Mahlstrom aus Morast und Mist. Germans Kamerablick ist von einer Impertinenz, ja, Geilheit, die sich kein Dschungelcamp traut. Die Linse nähert sich vor allem Anton/Rumata so nah wie technisch möglich, sie kriecht ihm über und beinahe unter die Haut.

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Mut zur Hässlichkeit: Leonid Yarmolnik als Anton/Rumata

Überhaupt ist der Regisseur besessen von Haut, zumal der nicht so schön glatten. Immer wieder zeigt er uns Vernarbte, Verbrannte, Verstümmelte – in einem hässlichen Staat ist offenbar kein Gesicht frei von Makeln. Nicht mal das des verborgenen Gottes Anton/Rumata, den Leonid Yarmolnik mit mindestens so viel Charisma wie Selbstverleugnung spielt. In Germans Bildern schaut nämlich niemand gut aus, und Yarmolnik ist fast immer zu sehen. Selten tut er dabei appetitliche Dinge. Er riecht an Leichen, schmeißt mit Fäkalien, reibt in offenen Wunden, sabbert beim Saufen, schnuppert an Schaben, et cetera. Es ist spätestens nach 30 Minuten dieser mit der Handkamera montierten, unruhig über die Visagen, die Wunden und die Lumpen fliegenden, wie im Fieber aus gewohnten Perspektiven stolpernden, um sich selbst kreisenden Aufnahmen klar, dass „Gott“ Anton/Rumata vom Wahnsinn der Welt, die er bloß erforschen wollte, angesteckt wurde. Leider folgen 147 weitere Minuten, die nichts anderes berichten.

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Nur von Schlamm und Gülle zusammengehalten: Don Rumatas Burg

Niemand läge falsch, der hier von einem „Feelbad-Movie“ spräche. „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ kann einem wahrhaftig die Laune versauen; und wenn die vorher schon mies war, sollte einem danach besser keiner in die Quere kommen. Denn neben der unablässig durch die Gegend flickernden Kamera hat der Zuschauer auch ein Schwarz-Weiß zu ertragen, in dem es Schwarz und Weiß gar nicht gibt. Dafür 50.000 Schatten aus Grau – was wiederum dazu passt, dass regelmäßig deformierte Kadaver, unsachgemäß entfernte Körperteile und die Anwendung scharfer Gegenstände auf menschliche Haut (siehe oben) veranschaulicht werden. Splatterfreunde könnten bei Germans Film Juwelen ausgraben. Sie müssten dazu jedoch durch penetranten Nieselregen, pestilenzialische Dünste und ein Nichts von Dramaturgie waten: So was kann sich hinziehen. Es ist schon schwer, ein Schrott zu sein.

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Nicht von Heidi Klum gecastet: Komparsen in „Es ist schwer, ein Gott zu sein“

Germans Film will verstören und bestimmt auch verärgern: Viele der Komparsen scheinen geistig oder körperlich beschädigt, nicht wenige Sequenzen wirken wie Hommagen an Tod Brownings Meisterwerk „Freaks“ (1932): Sie zeigen den Menschen, der von der Norm abweicht, als Abnormität. Politisch korrekt kann man das nicht nennen. Aber in all dem Modder und Mief, Gebrabbel und Geblubber der endlosen, auf ein Ende gar nicht ausgelegten Einstellungen erscheinen die wenigen ansehnlichen Figuren wie suspekte Exoten. „Es ist schwer, ein Gott zu sein“ konfrontiert den Betrachter mit dessen eigenen Vorurteilen über Schönheit, Makel und Attraktion. Das tut weh; doch intelligente Menschen haben die Moral von Germans Geschicht’ nach maximal 30 Minuten (siehe oben) begriffen, alle anderen werden es eh nie kapieren. Diese anderen verlassen fluchtartig das Kino – und unsereins bleibt brav hocken, um sich noch elender zu fühlen.

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„Gib Pfötchen! – Aus! Aus!!!“

Als ich Haare auf und Flausen in meinem Kopf hatte, vor circa 30 Jahren, wäre ich vor Germans letztem Spielfilm bewundernd auf dem Boden gekrochen. Die geschlossene, stilistisch nie brechende Ästhetik, dieser depressive November in jedem Frame, diese Unbarmherzigkeit mit den Figuren und vor allem die Scheißegalheit des Regisseurs gegen sämtliche Publikumserwartungen – das alles hätte mich dazu gebracht, German zu meinem Idol zu erklären und jede erreichbare Vorstellung dieses Films zu besuchen. Eventuell habe ich seither so viel Dunkelheit, Ödnis und Leid erfahren, dass ich mir derlei im Kino nicht mehr gern antue. Vielleicht aber auch war ich damals bloß ein snobistischer Nerd.

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Ratloses Publikum verlässt das Kino von Arkanar

Oder bin ich, auf andere Weise, weiterhin zu borniert? Man gebe mir bitte weitere 30 Jahre – möglicherweise werde ich dann schlau genug für German sein. Bis dahin kann ich dieses Musterbeispiel eines filmischen Privatvergnügens, diese monströse Extravaganz, diese tragische Verranntheit eines bedeutenden Künstlers allerdings nur den Härtesten der Gesottenen empfehlen.

Länge: 177 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Originaltitel: Trudno byt bogom
RUS 2013
Regie: Aleksei German
Drehbuch: Leonid Yarmolnik, Aleksei German, Swetlana Karmalita, nach dem Roman von Arkadi und Boris Strugatzki
Besetzung: Gali Abaidulow, Juri Aschikhmin, Remigijus Bilinskas, Waleri Boltischew, Aleksandr Tschutko, Wasili Domratschjow, Lew Elisejew, Jewgeni Gertschakow, Valentin Golubenko, Waleri Gurjanow
Verleih: Bildstörung / Drop-Out Cinema

Copyright 2015 by Kay Sokolowsky
Filmplakat: © 2015 Bildstörung / Fotos: © 2013 Studio Sever / Russia 1 TV

 
2 Kommentare

Verfasst von - 2015/09/06 in Film, Kino, Rezensionen

 

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