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Tränen der Sonne – Bruce Willis als Retter in Nigeria

Tears of the Sun

Von Volker Schönenberger

Kriegs-Action // Militärputsch in Nigeria: General Mustafa Yakubu (Kanayo Chiemelu) dringt mit seinen Soldaten in den Präsidentenpalast ein und lässt Präsident Samuel Azuka (Howard Mungo) ermorden. Im ganzen Land bricht sich die Gewalt Bahn, als die siegreichen muslimischen Rebellen vom Volk der Fulani aus dem Norden ihren Triumph auskosten. Die christlichen Ibo aus dem Süden des Landes müssen einen Völkermord fürchten. Die UNO sieht tatenlos zu, während die USA bereits die Evakuierung ihrer Botschaft in Angriff nehmen.

Mission im Regenwald

Eine von Lieutenant Waters (Bruce Willis) geführte Einheit US Navy SEALs (u. a. Eamonn Walker, Cole Hauser) erhält einen Spezialauftrag: die Rettung der amerikanischen Ärztin Dr. Lena Fiore Kendricks (Monica Bellucci) und ihrer Mitarbeiter von der abgelegen im Regenwald platzierten St. Michael’s Mission. Die Elitesoldaten haben dabei die klare Anweisung, ihre Waffen nur zur Selbstverteidigung einzusetzen und nicht aktiv in Kämpfe einzugreifen – so die Regeln zum „Verhalten bei Feindberührung“ („Rules of Engagement“).

Nicht ganz einig: Dr. Kendricks (l.) und Lieutenant Waters

Das Ziel ist zügig erreicht, doch als Dr. Kendricks erfährt, dass Waters Order hat, ausschließlich die Ausländer zu retten und einheimische Mitarbeiter sowie Patienten zurückzulassen, reagiert sie stur. Folge: Waters und seine Männer machen sich mit 70 Schützlingen auf den gefahrvollen Weg.

Einige Elemente der Bürgerkriegs-Ausgangssituation sind möglicherweise vom Biafra-Krieg (1967–1970) inspiriert, die Handlung spielt jedoch nicht in der Zeit des Konflikts. US-Soldaten präsentieren sich auf fremdem Territorium als Retter – nun ja. Kritik an amerikanischen Militäreinsätzen im Ausland war offenbar nicht die Intention von „Tränen der Sonne“, das hat der Film mit den kurz zuvor entstandenen „Black Hawk Down“ (2001) und „Wir waren Helden“ (2002) gemeinsam. Haken wir die politische Aussage des Films also gleich ab und wenden wir uns dem Titel zu: „Tränen der Sonne“ – geht’s noch pathetischer? Immerhin sind diesmal keine deutschen Titel-Verhunzer verantwortlich, der Originaltitel „Tears of the Sun“ bedeutet dasselbe. Der getragene Score trägt das Seine zum Pathos bei. Kaum mal ein Moment ohne Hans Zimmers streicherdominierten Klänge. Bei all der Action spielt „Tränen der Sonne“ doch auch sehr auf der Gefühlsklaviatur. Und es sei eingestanden: Es funktioniert! In einigen emotionalen Szenen kommen wir den Figuren recht nah – lediglich Bruce Willis bleibt auf Distanz und gibt die coole Socke.

Waters (r.) führt eine heikle Mission an

Für HD-Fans unerfreulich: Der gut 21 Minuten längere Director’s Cut ist hierzulande nur auf DVD erschienen, auf Blu-ray gibt’s nur die Kinofassung. Die längere Version gibt „Tränen der Sonne“ durchaus mehr Tiefe und Differenzierung. Für einen genauen Vergleich der Unterschiede sei auf den Schnittbericht verwiesen.

Vom Regisseur von „The Equalizer“

Für den Musikvideo-Regisseur Antoine Fuqua war „Tränen der Sonne“ der dritte Spielfilm nach „Bait – Fette Beute“ (2000) und „Training Day“ (2001). Mit Regiearbeiten wie „Shooter“ (USA 2007), „The Equalizer“ (USA 2014) nebst Fortsetzung sowie dem Western-Remake „Die glorreichen Sieben“ (USA 2016) hat er sich fest im Actiongenre etabliert. „Tränen der Sonne“ reiht sich mit stylischer, auf visuell hohem Niveau inszenierter Action gut in Fuquas Filmografie ein. Die Gewalt ist dabei hart, wird aber nicht als Exploitation präsentiert. Als Kriegs-Action empfehlenswert, als Kriegsdrama mit Einschränkungen.

Sie Navy SEALs geraten in Bedrängnis

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Antoine Fuqua sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Bruce Willis in der Rubrik Schauspieler.

Es wird brenzlig

Veröffentlichung: 14. November 2006 als Blu-ray (Kinofassung), 22. November 2007 als DVD im Steelbook (Director’s Cut), 6. September 2005 als DVD (Director’s Cut), 10. Februar 2004 als DVD (Kinofassung)

Länge: 121 Min. (Blu-ray, Kinofassung), 137 Min. (DVD, Director’s Cut), 116 Min. (DVD, Kinofassung)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Tears of the Sun
USA 2003
Regie: Antoine Fuqua
Drehbuch: Alex Lasker, Patrick Cirillo
Besetzung: Bruce Willis, Cole Hauser, Monica Bellucci, Eamonn Walker, Tom Skerritt, Johnny Messner, Nick Chinlund, Charles Ingram, Paul Francis, Chad Smith, Malick Bowens, Akosua Busia, Kanayo Chiemelu, Howard Mungo, Peter Mensah
Zusatzmaterial: keine Angabe
Label/Vertrieb: Sony Pictures Home Entertainment

Copyright 2019 by Volker Schönenberger
Szenenfotos & Packshot: © Sony Pictures Home Entertainment

 

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Die Passion Christi – Das Leid Jesu als antisemitischer Torture Porn?

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The Passion of the Christ

Von Volker Schönenberger

Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt. (Jesaja 53, 700 v. Chr., Texttafel zu Beginn des Films)

Religionsdrama // Als kurz nach der Jahrtausendwende die ersten Gerüchte aufkamen, runzelten viele die Stirn: Mel Gibson dreht einen Film über Jesus Christus – und das in Aramäisch?! Dafür geht doch niemand ins Kino! Es kamen schlussendlich noch Hebräisch und Latein hinzu, was das Ganze auch nicht vereinfachte, aber die Skeptiker irrten: „The Passion of the Christ“, so der Originaltitel, avancierte an den Kinokassen zum erfolgreichsten Film, der in den USA je mit einem R-Rating versehen in die Lichtspielhäuser kam – die aufgrund ausufernder Gewaltdarstellung erteilte Beschränkung, die Kindern und Jugendlichen unter 17 Jahren den Zutritt nur in Begleitung eines Erwachsenen gewährt, gilt in den Vereinigten Staaten als Kassengift. Es ist obendrein der erfolgreichste je gedrehte religiöse Film und der erfolgreichste nichtenglischsprachige Film. Von daher hat Mel Gibson wohl alles richtig gemacht.

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Kurz vor seiner Verhaftung geht Jesus in sich

Oder nicht? Auf die Gewaltdarstellung komme ich später zurück, zuvor sei ein oft genannter Kritikpunkt thematisiert: „Die Passion Christi“ weise antisemitische Tendenzen auf. Das ist leider nicht von der Hand zu weisen, die dargestellten jüdischen Hohepriester – ihres Zeichens Pharisäer – sind fanatische Eiferer, die Judas (Luca Lionello) nur zu gern die 30 Silberlinge dafür zuwerfen, dass er ihnen Jesus Christus (James Caviezel) ausliefert. Später gibt Judas das Blutgeld zurück und erhängt sich. Die jüdischen Schergen verprügeln Jesus erst einmal nach Herzenslust, schlagen auch während des Verhörs durch die Geistlichen auf ihn ein, von denen kritiklos hingenommen. Die Würdenträger werden in der Tat ausgesprochen abgefeimt gezeichnet, den Vorwurf muss sich Gibson gefallen lassen. Er hat derlei Ansichten 2006 dann ja auch mit ein paar eindeutigen Äußerungen bestätigt, nachdem er wegen Alkohols am Steuer von der Polizei angehalten worden war. Die Entschuldigung folgte zwar prompt, aber sie entfernt ja nicht die Gedanken aus dem Kopf, die er offenbar hatte. Da bleibt es nicht aus, 1 und 1 zusammenzuzählen und zu schlussfolgern: Wenn jemand davon faselt – besoffen hin oder her –, die Juden seien für alle Kriege verantwortlich, liegt der Gedanke nahe, seine etwas zuvor erfolgte Inszenierung jüdischer Geistlicher in einem Film sei wohl nicht ganz zufällig so ausgefallen, wie sie ausgefallen ist. „Die Juden haben den Heiland ermordet!“ Dieser uralte Vorwurf ist eine zulässige Interpretation von „Die Passion Christi“ – und das macht auch den Vorwurf des Antisemitismus zulässig. Im Netz finden sich weitere, detailreichere Begründungen für diesen Vorwurf, ich könnte sie aber mangels tieferer Kenntnis der Materie nur unbelegt abschreiben, daher beschränke ich mich auf das Offenkundige, das sich mir selbst erschlossen hat.

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Das letzte Abendmahl

Über Mel Gibson ist bekannt, dass er sich dem katholischen Traditionalismus verbunden fühlt, speziell dem Sedisvakantismus. Von mir aus sollen sich konfessionelle Abspaltungen, Freikirchen, Sekten und dergleichen in die Wolle kriegen, solange sie andere nicht damit behelligen. Für die meisten Filme Gibsons – ob vor oder hinter der Kamera – scheint mir seine religiöse Einstellung irrelevant zu sein. Bezüglich seiner Darstellung des Kreuzwegs Jesu ist es natürlich erwähnenswert, dass der Regisseur einer Glaubensgemeinschaft angehört, deren Haltung in vielen Aspekten vom römischen Katholizismus abweicht.

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Maria Magdalena ist Jesus treu ergeben

Bei der Suche nach einem Hauptdarsteller war es Gibson offenbar wichtig, jemanden zu finden, der mit ihm religiös auf einer Welle schwimmt. Wenn man sich James Caviezels Darstellung Jesu anschaut, kann man auch nicht umhin zu konstatieren, dass er eine gute Wahl war. Den Schmerz und das Akzeptieren des Schmerzes, die Zweifel am Kreuz, die in „Es ist vollbracht!“ umschlagen – das bringt er gut rüber, wohl nicht nur, weil seine Initialen passen. Caviezel ist selbst streng katholisch und ein Bewunderer Gibsons. Inwiefern die religiösen Ansichten der beiden sich decken, vermag ich nicht zu beurteilen, jedenfalls scheinen sich für „Die Passion Christi“ zwei gefunden zu haben. Caviezel wusste wohl vorher, worauf er sich einlässt – einen drohenden Karriereknick. 1998 hatte er die Hauptrolle in „Der schmale Grat“ von Terrence Malick erhalten, einem Regisseur, nach dem sich seinerzeit die geballte Starpower Hollywoods die Finger leckte – John Travolta und George Clooney beispielsweise waren mit Minimalstauftritten zufrieden, nur um dabei zu sein. Caviezel galt um die Jahrtausendwende als kommender Topstar, doch nach „Die Passion Christi“ blieb ihm der Sprung in die A-Liga verwehrt. Na ja, so hat jeder sein Kreuz zu tragen.

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Die Tempelgarde hat Jesus gefangen

Gibson arbeitet bekannte Details ab: Petrus (Francesco De Vito) verleugnet Jesus drei Mal, der römische Statthalter Pontius Pilatus (Hristo Shopov) gibt auf Verlangen des Pöbels statt Jesus den Verbrecher Barrabas (Pietro Sarubbi) frei und wäscht seine Hände in Unschuld. In manchen Visualisierungen orientierte sich der Regisseur an klassischen religiösen Kunstwerken, etwa bei der Darstellung der Stationen des Kreuzwegs. Jesu Mutter Maria (Maia Morgenstern) und Maria Magdalena (Monica Bellucci) kommen die Parts der aus der Ferne Mitleidenden zu, die die Folter und die Pein des Geplagten mitansehen – keine herausfordernden Rollen.

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Pontius Pilatus (3. v. l.) wundert sich: Das Volk will nicht Jesus (l.) in Freiheit sehen, sondern den Verbrecher Barrabas (2. v. r.)

Während der erneuten Sichtung von „Die Passion Christi“ kam mir wiederholt die Gewaltreflexion „Martyrs“ von 2008 in den Sinn, in der es darum ging, dass Folteropfer in einem Nahtodzustand spirituelles Erwachen erfuhren, wenn die Folter nur exzessiv genug ausfiel. Nicht auszuschließen, dass Pascal Laugier, Drehbuchautor und Regisseur des französischen Terrorfilms, ein wenig Inspiration aus Mel Gibsons Beitrag zum Torture-Porn-Genre gezogen hat, denn genau genommen ist der Film des Australiers nichts anderes. Die Handlung von „Die Passion Christi“ spielt sich weitgehend vom Moment der Verhaftung Jesu bis zu seiner Kreuzigung und dem – je nach Sichtweise – jämmerlichen Verrecken oder erhabenen Sterben ab.

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Der Gang zur Kreuzigung …

Wir bekommen hautnah zu sehen, wie zwei gewaltgeile römische Soldaten Jesus mit Peitschen die Haut vom Körper schälen. Es kommt auch eine Art neunschwänzige Katze mit eisernen Haken zum Einsatz, die ganze Fleischbrocken aus dem Körper reißt – so explizit in Szene gesetzt, dass es beim Zuschauen schmerzt. Die beiden Römer mühen sich redlich und strengen sich so sehr an, dass sie ab und zu innehalten müssen, um zu verschnaufen – eine etliche Minuten dauernde Sequenz, die die titelgebende Passion spürbar macht. Wenn das Gibsons Intention war – und daran kann an sich kein Zweifel bestehen –, so hat er sein Ziel erreicht.

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… ist eine Tortur sondergleichen

Aber weshalb das Ganze? Müssen wir die an Jesus verübte Gewalt so deutlich vor Augen geführt bekommen, um zu erkennen, was der Messias für unsere Erlösung auf sich genommen hat? Das kann man bejahen oder verneinen, Mel Gibson wollte es aber nun mal so haben. Ganz abwegig finde ich den Gedanken nicht. Nach „Die Passion Christi“ kann man sich jedenfalls die Leiden des Heilands noch besser vor Augen führen. Auch die Kreuzigung hat Gibson denkbar intensiv und peinigend inszeniert. Wer hat schon beim Gottesdienst einen Blick auf das Kreuz geworfen und darüber nachgedacht, was der historische Jesus – so es ihn denn gegeben hat – buchstäblich durchlitten haben muss? Will man das körperlich nachvollziehen, gibt einem Mel Gibson jedenfalls das Mittel dazu an die Hand. Ob das gut oder schlecht ist – entscheidet selbst, da wasche nun ich meine Hände in Unschuld.

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Was kann da Linderung bringen?

Als spirituelle Erfahrung hingegen erscheint „Die Passion Christi“ denkbar ungeeignet, wer daran interessiert ist, halte sich lieber an Martin Scorseses „Die letzte Versuchung Christi“ von 1988, der sich allerdings gegenüber der Bibel mehr Freiheiten nimmt und seinerzeit auf eine andere Weise ebenfalls große Kontroversen ausgelöst hat. Mel Gibson hat zwar die Evangelien miteinander vermengt, ihm war aber daran gelegen, eine vergleichsweise „werkgetreue“ Umsetzung vorzulegen. Dass er synchron zu den vier Kanon-Evangelien gleichzeitig vier Jesusfilme dreht, wäre auch zu viel des Guten gewesen. Natürlich traten zügig Kritiker auf den Plan, die dem Regisseur in vielen Details historische Ungenauigkeiten vorwarfen, aber da mag ich mich nicht einreihen. Wer glaubhaft machen kann, dass es sich bei den Evangelien um Geschichtsbücher handelt, möge gern den ersten Stein werfen. Ob in der Zeit, in der Jesus gekreuzigt worden sein soll, in Judäa tatsächlich die Sprachen Aramäisch, Hebräisch und – von den römischen Besatzern – Latein gesprochen worden sind, ist eine interessante sprachgeschichtliche Frage, für die Bewertung des Films aber nachrangig. Gibson wurde sogar vorgeworfen, er suggeriere damit nicht vorhandene Authentizität, was das Publikum manipuliere – ein absurder Einwand, sind Spielfilme doch per se manipulativ, wollen sie die Zuschauer mental in ihre Handlung hineinziehen. Bei mir hat das funktioniert, als Mittel zu diesem Zweck ist das akzeptabel.

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Passant Simon muss Jesus beim Tragen helfen

Die scharfe Kritik an der gezeigten Gewalt bewog den Regisseur, eine etwas entschärfte Fassung schneiden zu lassen, die als „Recut“ bekannt ist. Über die Unterschiede könnt Ihr euch bei den Kollegen von Schnittberichte informieren. Ob man beide Fassungen braucht, sei jedem selbst überlassen, so oder so ist die limitierte Collector’s Edition von capelight pictures eine herausragende Edition mit Kinofassung auf Blu-ray und DVD, Recut auf Blu-ray und Soundtrack auf CD. Auf einen groben Makel muss aber hingewiesen werden: Der an sich sehr interessante und lesenswerte Booklettext ist frei von jeder kritischen Würdigung des Films. Wer ein derart kontroverses Werk in aufwändiger Edition veröffentlicht, sollte tunlichst verschiedene Seiten beleuchten. Das ist kein Film, den man veröffentlicht, damit ihn sich Sammler einfach so ins Mediabook-Regal stellen (auch wenn das viele so gehandhabt haben werden). Denkbar, dass der Verzicht auf Kritik Teil des Deals beim Erwerb der Rechte für den deutschen Markt war, aber das macht es nicht viel besser.

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Maria Magdalena, Maria und Johannes (v. l.) begleiten Jesus zur Kreuzigungsstätte Golgatha

Fans eines gepflegten Torture-Porn-Exzesses kommen voll auf ihre Kosten, sofern sie gewillt sind, die getragene religiöse Epik hinzunehmen, die „Die Passion Christi“ atmet. Der Kritik an der ausufernden Gewalt schließe ich mich daher nicht an. Wer Leid zeigen will, zeige es richtig und nicht halbgar. Um das Drama als religiöses Werk zu goutieren, muss man aber wohl ähnliche Ansichten hegen wie Mel Gibson und James Caviezel. Das ist letztlich eine Frage des eigenen Glaubens oder Unglaubens, was jedoch nicht für Gibsons Darstellung der jüdischen Priester und der jüdischen Gemeinde gilt. Hier ist scharfe Kritik angebracht. Dennoch: Wer die großen religiösen Werke der Filmgeschichte kennen will, kommt nicht daran vorbei, sich auch „Die Passion Christi“ anzuschauen.

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Im Leid fühlt sich Maria Magdalena mit Jesus vereint

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Jim Caviezel sowie von und/oder mit Mel Gibson sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 11. April 2014 als 4-Disc Limited Collector’s Edition (2 Blu-rays, DVD, Soundtrack-CD), Blu-ray und DVD, 1. März 2005 als DVD (Highlight Video)

Länge: 127 Min. (Blu-ray Kinofassung), 122 Min. (Blu-ray Recut) 121 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Aramäisch/Hebräisch/Latein
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: The Passion of the Christ
USA 2004
Regie: Mel Gibson
Drehbuch: Benedict Fitzgerald, Mel Gibson
Besetzung: James Caviezel, Monica Bellucci, Maia Morgenstern, Christo Jivkov, Francesco De Vito, Hristo Shopov, Luca Lionello, Claudia Gerini, Fabio Sartor, Jarreth J. Merz
Zusatzmaterial: Dokumentation „Durch seine Wunden sind wir geheilt – Das Making of DIE PASSION CHRISTI“, zusätzlich nur Blu-ray: 4 Audiokommentare, Podiumsdiskussion mit Crew-Mitgliedern, 2 entfallene Szenen, 5 Featurettes, 2 TV-Spots, 2 Trailer, zusätzlich nur Collector’s Edition: Recut-Schnittfassung auf Blu-ray, 24-seitiges Booklet, Soundtrack-CD
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

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Es ist vollbracht!

Fotos: © 2017 capelight pictures / Al!ve AG

 

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James Bond 007 – Spectre: Der Held wird zum Mythos

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Spectre

Kinostart: 5. November 2015

Von Florian Schneider

Agenten-Abenteuer // Da ist er nun also, der voraussichtlich letzte Bond-Film mit Daniel Craig. Warum es meiner Meinung nach sogar mit Sicherheit sein letzter sein wird, sollte am Ende dieses Textes klar geworden sein.

Retrospektiv betrachtet ist mit „Spectre“ der große Masterplan hinter den vier Filmen klar zu erkennen, und es ist tatsächlich erstaunlich, wie klug diese Quadrologie, vor allem aus einer filmtheoretischen Perspektive, konzipiert ist und wie stimmig die einzelnen Teile aufeinander aufbauen.

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Wie immer unaufhaltbar: James Bond

Zum näheren Verständnis des Masterplans ein kurzgehaltener Exkurs in die Theorie der Genregeschichte:

Phase 1: Klassischer Genrefilm

Das Grundgerüst eines Filmgenres wird definiert, genrespezifische Handlungsmuster und Charaktere werden ausgearbeitet, eine genre-immanente Filmsprache etabliert sich.

Phase 2: Fortschreibung des klassischen Genrefilms

In dieser Phase finden die in Phase 1 gelernten Muster ihre Anwendung und erfahren erste Steigerungen und Radikalisierungen, etwa bezüglich einer Stereotypisierung der Charaktere oder einer Fokussierung auf bestimmte Handlungselemente.

Phase 3: Moderner Genrefilm

Zahlreiche Elemente des klassischen Genrefilms sind stark radikalisiert, Narration und Bildsprache unterliegen einer starken Selbstreflexion – der moderne Genrefilm ist in hohem Maße selbstreferenziell. Zahlreiche etablierte Handlungsmuster werden in übersteigerter Form dargeboten oder an ein historisches Ende gebracht, so zum Beispiel im Western beim Abgesang an den Wilden Westen und seinem klassischen Verständnis von Gut und Böse.

Phase 4: Postmoderner Genrefilm

Mit dem modernen Genrefilm ist die Fortschreibung der Genregeschichte an ein historisches Ende gekommen. Was in der postmodernen Phase geschieht, ist posthistorisch und damit mythisch, rein selbstreferenziell und oftmals stark ironisiert.

Wunderbarerweise arbeiten sich die Macher der letzten vier Bondfilme, also der Filme mit Daniel Craig als 007, beinahe sklavisch an diesem Schema ab.

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Ein Bond-Girl wie aus dem Bilderbuch: Madeleine Swann

„Casino Royale“ ist der Prototyp eines klassischen Agentenfilms. Als hätte es keinen Bond-Film vorher gegeben, wird unser Held als 007-Agent erst inthronisiert und von seiner Genre-Umgebung in seiner Handlungsweisen und charakterlich geprägt.
In „Ein Quantum Trost“ kennen wir diesen speziellen James Bond bereits, auch er selbst scheint zu wissen, was ihn im Lauf der Handlung erwartet. In Bezug auf die gesamte Serie ist „Ein Quantum Trost“ damit stereotyp und von den Filmen der Quadrologie damit vielleicht folgerichtig der einzige langweilige Stinker (vergleichbar mit den Dalton- und teilweise auch mit den Brosnan-Filmen in der Gesamtserie).

Mit „Skyfall“ an sich am Ende angelangt

„Skyfall“ hingegen führt die mit „Casino Royale“ begonnene Geschichte eigentlich schon an ihr Ende und setzt damit voraus, dass die lediglich mit „Ein Quantum Trost“ praktizierte Fortschreibung der klassischen Geschichten tatsächlich viel umfangreicher ist – was sie ja mit den Bond-Filmen vor der Ära „Craig“ im Bewusstsein der Zuschauer auch wirklich ist. Über diesen Umweg funktioniert das Bild eines in die Jahre gekommenen und müden Helden, der von seiner Vergangenheit eingeholt wird und daran beinahe zugrunde geht.

Mit „Spectre“ in die Postmoderne

„Spectre“ wiederum hat diesen Abgesang bereits hinter sich: Bond ist jetzt postmoderner Mythos, die „Bond-Frau“ ist (Léa Seydoux) lediglich eine Art Zitat zahlreicher bisheriger Gespielinnen unseres Helden, Bösewicht Oberhauser (Christoph Waltz) ist natürlich eine Inkarnation des bekanntesten Superschurken, der wahren Nemesis Bonds: Ernst Stavro Blofeld. Auch wird in „Spectre“ die Geschichte James Bonds nicht einfach durch eine weitere Handlungsvariante fortgeschrieben (oder wiederholt), vielmehr ist die gesamte Handlung gespickt mit Zitaten etlicher Vorgängerfilme und damit eigentlich eine Collage aus bereits Geschehenem und Gesehenem.

Oberhauser = Blofeld

Das ist auf einer Metaebene durchaus amüsant, aber natürlich für einen eigenständigen Film nicht ausreichend. Deshalb gibt es auch in „Spectre“ eine Art eigener Geschichte, in der Blofeld alias Oberhauser mit seinem Verbrechersyndikat (S.P.E.C.T.R.E) nicht nur versucht, sich an James Bond zu rächen und ihn dabei auf perfide Weise zu töten, sondern eine Art Weltherrschaft anstrebt, indem er die Kontrolle über ein gemeinsames Computernetzwerk aller bedeutenden Geheimdienste zu erlangen versucht. Auch das Ende ist übrigens ein Zitat aus einem früheren Bond-Film – aus welchem genau, wird hier selbstverständlich nicht verraten.

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Superschurke: Blofeld alias Oberhauser

„Spectre“ ist hinsichtlich seiner Bedeutung für die Quadrologie und damit für die Bond-Reihe insgesamt ein äußerst intelligenter Vertreter seiner Zunft, der außerdem mit hohen Schauwerten und überdurchschnittlichen Darstellern zu überzeugen weiß.

Und wie geht es jetzt weiter? Mein nicht allzu gewagter Tipp: Die Konsequenzen, die sich durch die Ära Daniel Craig ergeben haben, nämlich, dass die Geschichte unseres Helden mit „Skyfall“ zu Ende erzählt und mit „Spectre“ final resümiert wurde, diese Konsequenzen werden geflissentlich ignoriert werden und es wird wieder heißen: „Mein Name ist Bond, James Bond.“

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Naomie Harris haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt, Filme mit Daniel Craig, Ralph Fiennes und Christoph Waltz unter Schauspieler.

Länge: 148 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Spectre
GB/USA 2015
Regie: Sam Mendes
Drehbuch: John Logan, Neal Purvis, Robert Wade, Jez Butterworth
Besetzung: Daniel Craig, Christoph Waltz, Léa Seydoux, Ralph Fiennes, Monica Bellucci, Naomie Harris, Ben Whishaw, Andrew Scott, Rory Kinnear, Jesper Christensen
Verleih: Sony Pictures Releasing GmbH

Copyright 2015 by Florian Schneider

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2015 Sony Pictures Releasing GmbH

 

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