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The Sea of Trees – Im Wald der Selbstmörder

The Sea of Trees

Von Volker Schönenberger

Drama // Der mythen- und legendenumwobene Wald Aokigahara am Fuß des Fuji in Japan hat seit den 60er-Jahren als Selbstmörderwald traurige Berühmtheit erlangt. Jährlich versuchen dort etliche Verzweifelte, sich das Leben zu nehmen – viele erfolgreich. Regelmäßig durchsucht die Polizei den Wald auf der Suche nach Leichen und Überlebenden, die sich im dichten Gehölz verirrt haben. Die Popularität des Waldes unter Selbstmordkandidaten wird auf einen 1960 erschienenen Roman von Matsumoto Seichō zurückgeführt, in welchem eine Protagonistin der Erzählung im Aokigahara den Freitod wählt – ein Werther-Effekt also.

Arthur Brennan fliegt nach Japan …

Der Aokigahara ist auf vielfältige Weise kulturell aufgearbeitet worden ob in Mangas und Animes, Filmen oder Musikstücken. Zuletzt in Gus Van Sants („Good Will Hunting“) Drama „The Sea of Trees“. Matthew McConaughey spielt den Selbstmordkandidaten Arthur Brennan, der eigens aus den USA nach Japan gereist ist, um sich im Aokigahara zu entleiben.

Im Gehölz verlaufen

Als sich Arthur gerade eine Überdosis Tabletten verpassen will, bemerkt er den Japaner Takumi Nakamura (Ken Watanabe, „Godzilla“), der sich die Pulsadern aufschlitzen wollte, dann aber beschloss, am Leben zu bleiben. Nakamura hat im dichten Wald die Orientierung verloren. Arthur will ihm helfen, doch bald müssen die beiden feststellen, dass sie sich hoffnungslos verirrt haben. Ihre Suche nach einem Weg hinaus wird zu einer inneren Einkehr und Reflexion über das Leben. Wird der Wald die beiden Todeskandidaten freigeben?

… um Selbstmord zu begehen

In Rückblenden lernen die Zuschauer Arthurs Frau Joan (Naomi Watts) kennen und erfahren, wie die Ehe der beiden verlaufen ist, letztlich auch, was ihn zu einem Selbstmordandidaten werden ließ.

Buhrufe in Cannes

„The Sea of Trees“ wurde von der Kritik wenig wohlwollend aufgenommen. Bei der Weltpremiere im Mai 2015 als Wettbewerbsbeitrag in Cannes gab es Buhrufe und Gelächter unter den anwesenden Kritikern, wobei anzuführen ist, dass so ein Festivalpublikum bisweilen gnadenlos ist. Bei Rotten Tomatoes hat das Drama eine Kritikerwertung von nur 12 Prozent positiven Rezensionen – bei einer Publikumswertung von immerhin 40 Prozent.

Im Aokigahara trifft er auf einen anderen Verzweifelten

Ganz so arg mies ist „The Sea of Trees“ nicht. Regisseur Gus Van Sant verlässt sich zugegebenermaßen etwas zu sehr auf seine tollen Stars. McConaughey und Watanabe überzeugen erwartungsgemäß, wobei der Fokus mehr auf dem US-Star liegt als auf dem Japaner, was schade ist. Auch an Naomi Watts‘ Schauspiel ist nichts auszusetzen. Phasenweise – aber eben nicht durchgehend – gelingt es auch, den Mythos des Waldes in düstere Atmosphäre umzusetzen. Insgesamt fehlt es „The Sea of Trees“ aber an Tiefe, in der Rückschau unter Berücksichtigung einiger Wendungen auch an Plausibilität. Ob das Drama wirklich einen „ bedrückender Tiefpunkt in Gus Van Sants Karriere“ darstellt, möge jeder Zuschauer selbst entscheiden. Eine Sichtung hat es verdient, nachhaltige Wirkung entfaltet es nicht.

Die beiden wollen dem dichten Gehölz entrinnen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Matthew McConaughey sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Erinnerung an die Zeit mit Ehefrau Joan

Veröffentlichung: 13. Januar 2017 als Blu-ray und DVD

Länge: 107 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Sea of Trees
USA 2015
Regie: Gus Van Sant
Drehbuch: Chris Sparling
Besetzung: Matthew McConaughey, Naomi Watts, Ken Watanabe
Zusatzmaterial: Featurette: „A Story of Beauty and Tragedy“, deutscher Trailer, internationaler Trailer, US-Trailer, Wendecover
Vertrieb: Ascot Elite Home Entertainment

Copyright 2017 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2017 Ascot Elite Home Entertainment

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Die Bestimmung – Allegiant: Trilogie in vier Akten

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The Divergent Series – Allegiant

Kinostart: 17. März 2016

Von Iris Janke

SF-Abenteuer // Es hätte so schön sein können … Der erste Teil der dystopischen Trilogie „Die Bestimmung“ – Divergent“ kam 2014 ins Kino und überraschte ganz im Stil von „Die Tribute von Panem“. Damals wurde Protagonistin Tris (Shailene Woodley) als „Unbestimmte“ zur jugendlichen Heldin. Sie sprang auf fahrende Züge – und wieder runter. Sie hüpfte von Dächern und zeigte, dass nicht nur Jennifer Lawrence in „Die Tribute von Panem“ als Heldin aller Teenie-Mädchen und fast ebenso vieler Teenie-Jungs eine gute Figur machen kann.

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Lieben einander und kämpfen Seite an Seite: Four und Tris

Nach dem zweiten Teil „Die Bestimmung – Insurgent“ im Jahr 2015 kommt jetzt der dritte Teil der Bestseller-Jugendbuchtrilogie von Veronica Roth ins Kino. Wer mit diesem dritten Film-Teil des deutschen Regisseurs Robert Schwentke („R.I.P.D.“, „Die Bestimmung – Insurgent“) bereits mit einem krönenden Abschluss gerechnet hat, hat sich allerdings zu früh gefreut. Ganz den Vorbildern letzter Teile in Jugendbuch-Reihen („Harry Potter“, „Die Tribute von Panem“, „Twilight“) folgend, ist auch der letzte Part von „Die Bestimmung“ in zwei Teile aufgeteilt.

Raus aus Chicago

Dabei ist der Inhalt schnell erzählt: Die Regierung der Stadt Chicago ist gestürzt, das System mit der Unterteilung der Bevölkerung in Fraktionen zusammengebrochen. Tris’ Freund und Mitstreiter Four (Theo James), ihre Freundin Christina (Zoë Kravitz), Buder Caleb (Ansel Elgort), der wankelmütige Peter (Miles Teller) und Tori (Maggie Q) fliehen und versuchen, die monströse Mauer zu überwinden, die die teilweise zerstörte Stadt umschließt. Doch entgegen allen Erwartungen, hinter der Grenzanlage endlich Frieden und eine neue Heimat zu finden, wartet dort auf Tris und ihre Freunde eine neue schockierende Welt …

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Durchsetzungsfähig: Fours‘ Mutter Evelyn

Zu offensichtlich ist – trotz glatter, zuweilen zugegeben auch ansprechender Film-Optik –, dass anscheinend lediglich versucht wurde, einfach das Doppelte an Gewinn aus der filmischen Umsetzung des dritten und damit letzten Buches zu pressen. Der erste Part dieses dritten Teils krankt besonders daran, dass die Story zu sehr ausgewalzt wurde, an den Haaren herbeigezogen und arg vorhersehbar wirkt. Eine eher düstere und damit attraktivere Variante hätte vermutlich eine erneute Verpflichtung von Neil Burger gebracht, der als Regisseur des ersten Teils „Die Bestimmung – Divergent“ eben jene Film-Finsternis nicht hat vermissen lassen.

Die Darsteller reißen’s nicht raus

Selbst das Darstellerteam um die zweifellos gute und erneut unaufdringlich agierende Hauptdarstellerin Shailene Woodley vermag da nicht viel zu reißen: Im Film-Team der Jugendidentifikationsfiguren kämpfen erneut der sicher nicht nur von Tris angeschmachtete Schönling Four (Theo James), Zoë Kravitz als Tris’ Freundin Christina und Ansel Elgort als Tris’ Buder Caleb. Das Film-Team „Eltern-Generation“ bilden diesmal Allzweckwaffe Jeff Daniels (zuletzt in „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“ und „Steve Jobs“) als Anführer David und erneut Naomi Watts („The Impossible“) als Fours Mutter Evelyn sowie Octavia Spencer als Amite-Anführerin Johanna. Retten können leider selbst diese Routiniers den beinahe überflüssigen ersten Part vom letzten Teil der „Bestimmungs“-Saga nicht.

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Tris wandelt sich von der Amazone zur Kämpferin im kleinen Weißen

Insgesamt also eine durchaus beachtliche Darstellerriege, die sich eigentlich nicht verstecken müsste und die keineswegs schuld daran ist, dass dieser Teil eher enttäuscht. Trotzdem, um der um den vierten Teil künstlich erweiterten Film-Trilogie ihren hoffentlich würdigen Abschluss zu geben, werden sich die Fans vermutlich auch den letzten Teil geben oder auch gönnen – einfach der Vollständigkeit halber. „Die Bestimmung – Ascendant“ ist für den Juni 2017 angekündigt.

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Erst wohltätig, dann egoistisch: der undurchsichtige David

Länge: 121 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: The Divergent Series – Allegiant
USA 2016
Regie: Robert Schwentke
Drehbuch: Noah Oppenheim, Adam Cooper, Bill Collage, nach einem Roman von Veronica Roth
Besetzung: Shailene Woodley, Zoë Kravitz, Naomi Watts, Jeff Daniels, Miles Teller, Maggie Q, Ansel Elgort, Jonny Weston, Bill Skarsgård, Ray Stevenson
Verleih: Concorde Filmverleih GmbH

Copyright 2016 by Iris Janke

Filmplakate, Fotos & Trailer: © 2016 Concorde Filmverleih GmbH

 

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Gefühlt Mitte Zwanzig – Was sind die Goldenen Jahre?

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While We’re Young

Gastrezension von Andreas Eckenfels

Komödie // Nach „Greenberg“ arbeitete Regisseur Noah Baumbach („Der Tintenfisch und der Wal“) in „Gefühlt Mitte Zwanzig“ ein zweites Mal mit Ben Stiller zusammen. Diesmal steht der „Walter Mitty“-Star, der gerade seinen 50. Geburtstag feierte, nicht allein im Mittelpunkt: In Baumbachs Komödie geht es um zwei Paare, die trotz großen Altersunterschieds eine ungewöhnliche Freundschaft miteinander eingehen.

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Josh und Cornelia sind mit ihrem Leben eigentlich ganz zufrieden

Dokumentarfilmer Josh (Stiller) und seine Frau Cornelia (Naomi Watts) sind Mitte vierzig, eigentlich recht zufrieden mit ihrem Leben. Allerdings sind sie ziemlich genervt davon, dass ihre besten Freunde nur noch ein Gesprächsthema haben: Kinder. „Wenn du ständig in Babyklassen herumhängst, verhältst Du dich bald selbst wie ein Baby“, stellt Cornelia einmal fest, als sie ihre Freundin mit ihrem Nachwuchs begleitet. Josh wiederum kämpft seit Jahren mit der Fertigstellung eines Films. Er wird es im Dokumentarfilmsegment wohl nie so weit bringen wie sein mehrfach prämierter Schwiegervater Leslie (Charles Grodin, „Midnight Run – 5 Tage bis Mitternacht“).

Mittvierziger treffen auf Mittzwanziger

Alles ändert sich, als Josh und Cornelia den ambitionierten Jungfilmer Jamie (Adam Driver) und die Eismacherin Darby (Amanda Seyfried) kennenlernen. Mit Mitte zwanzig ist das Paar bereits verheiratet, sie hören Schallplatten, er tippt seine Drehbücher auf der Schreibmaschine, sie schauen mit Vorliebe abgenudelte VHS-Kassetten, spielen Brettspiele und haben ein Haushuhn namens Nico. „Sie haben all den Kram in ihrer Wohnung, was wir früher hatten und weggeworfen haben. Nur – bei ihnen sieht es gut aus“, erzählt Cornelia überrascht.

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Nur von den Kindergeschichten der Freunde ist das kinderlose Paar genervt

Josh und Cornelia verbringen immer mehr Zeit mit dem jungen Paar – er geht mit ihm zum Inlineskaten, sie geht mit ihr zum Hip-Hop-Tanzkurs, gemeinsam unternehmen die Vier einen Selbstfindungstrip, bei dem sie sich im wahrsten Sinne des Wortes mal so richtig auskotzen können. Die Alten sind von der brodelnden Energie der Jungen beflügelt. Durch die Freundschaft fühlen sie sich endlich wieder wie Mitte zwanzig, als das Leben noch leicht und unbeschwert war. Doch bald stellt sich heraus, dass ihr Treffen kein Zufall war.

Blick auf zwei Generationen

Wenn der Abspann von „Gefühlt Mitte Zwanzig“ beginnt, erklingt – wie häufig bei Baumbach – ein Song von David Bowie. Diesmal ist es „Golden Years“ – und genau, um die Frage, wann diese „Goldenen Jahre“ eigentlich beginnen, geht es in seiner Komödie: Mit vierzig, wenn das Leben wie bei Josh und Cornelia anscheinend in gradlinigen, sorglosen, allerdings auch langweiligen Bahnen verläuft? Oder sollte man wie Jamie und Darby nicht ans Morgen denken und so früh wie möglich alles ausprobieren, was einem gerade in den Sinn kommt?

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Jamie tippt seine Drehbücher auf der Schreibmaschine

Was diesen entlarvenden Blick auf die Generationen so besonders und gleichzeitig so komisch macht, ist der Rollentausch, den Baumbach vornimmt: Nicht die erfahrenen Josh und Cornelia sind die Lehrmeister, sondern das Paar hängt den jungen Twens an den Lippen und bewundert deren offene Herangehungsweise ans Leben. Besonders witzig: Das junge Paar verweigert sich den neuen Trends komplett; im Gegensatz zu Josh und Cornelia googeln sie etwa nicht auf ihrem Smartphone herum, wenn ihnen gerade das Wort Marzipan nicht einfällt. „Lass es uns einfach nicht wissen“, sagt Jamie. Die Jungen sind es hier, die die alten Werte aufrechterhalten.

Welches ist die richtige Lebenseinstellung?

Mit intelligenten Dialogen, humorigen Szenen und einem großartigen Darsteller-Quartett kann „Gefühlt Mitte Zwanzig“ überzeugen. Einzig das etwas verkorkste Ende enttäuscht und fühlt sich so an, als ob Baumbach bis zuletzt selbst keine rechte Antwort darauf eingefallen ist, welche Lebenseinstellung nun für ihn die richtige ist. Das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden.

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Darby hört gern Schallplatten

Somit erreicht der Film nicht ganz die Qualität seines vorigen Hits „Frances Ha“. Dessen Hauptdarstellerin, Baumbachs Gattin Greta Gerwig, sollte in „Gefühlt Mitte Zwanzig“ ursprünglich die Rolle von Darby übernehmen. Aus Termingründen musste sie allerdings absagen. Doch in Baumbachs neuem Film „Mistress America“ ist Gerwig wieder mit dabei. Deutscher Kinostart der ebenfalls empfehlenswerten Komödie ist der 10. Dezember.

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Haben Cornelia und Josh in ihrem Leben etwas verpasst?

Veröffentlichung: 4. Dezember 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 98 Min. (Blu-ray), 94 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: While We’re Young
USA 2014
Regie: Noah Baumbach
Drehbuch: Noah Baumbach
Besetzung: Ben Stiller, Naomi Watts, Amanda Seyfried, Adam Driver, Adam Horovitz, Maria Dizzia, Charles Grodin
Zusatzmaterial: Interviews mit Ben Stiller und Noah Baumbach, Featurettes: „Hip Hop Tanzkurs“, „Regisseur Noah Baumbach“, „Die Darsteller“, Wendecover
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2015 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshots & Trailer: © 2015 Universum Film

 

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