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Schlagwort-Archive: Nastassja Kinski

Die Braut des Satans – Hammers letzter Horror

To the Devil a Daughter

Von Lars Johansen

Horror // Eine Vierzehnjährige zieht sich aus, um sich mit einem Teufelsbalg zu paaren. Etwas später macht sie das auch in einem „Tatort“, nur ohne Teufelsbraten. Und vielleicht ist es tatsächlich das, was von der Schauspielkarriere der jungen Nastassja Kinski bleiben wird. Aber erst einmal zurück an den Anfang: Meine erste Begegnung mit diesem Film liegt schon über 40 Jahre zurück, und dabei traf ich nicht auf den Film direkt, sondern auf ein Buch aus dem Tessloff-Verlag über das Filmemachen („Die Braut des Satans – Wie ein Filmteam arbeitet“) von Marjorie Bilbow, für das Christopher Lee ein Vorwort geschrieben hatte.

Nasty Nun

1976 war der Hammer-„Dracula“ mit Lee zum ersten Mal im deutschen Fernsehen ausgestrahlt worden, und jetzt so etwas in der kleinen Stadtteilbibliothek in den Händen zu halten, war eine große Sache. Dazu kam noch Nastassja Kinski in der Titelrolle, die seit ihrem „Tatort“-Auftritt einem pubertierenden Teenager sehr erotische Träume verpasst hatte. Der Film selber erschien in den 80ern zwar auf Video, wurde aber ziemlich schnell indiziert und dadurch genauso unerreichbar wie die Kinski. 2009 fiel mir dann ein Bootleg in die Hände und ich konnte den Mythos zum ersten Mal sehen. Jetzt endlich, zehn Jahre später, hat sich ein offizielles Label gefunden, das den Film, der mittlerweile schon ab 16 freigegeben ist, legal und in ausgezeichneter Qualität veröffentlicht hat. Denn, so viel vorweg, die Qualität ist tatsächlich sehr gut, was bei einem verlässlichen Label wie Anolis Entertainment nicht wirklich zu verwundern vermag.

Gezwungenes Grinsen

Um etwas zur Entstehungsgeschichte zu sagen, muss man ein wenig ausholen. Der Autor der Vorlage, Dennis Wheatley, war am Okkulten sehr interessiert und gehörte zum Umfeld von Aleister Crowley, den er zwar nicht unbedingt positiv beschreibt, der aber großen Einfluss auf ihn hatte. So drehen sich viele seiner Arbeiten, von denen nur relativ wenige in Deutschland veröffentlicht wurden, um das Thema der schwarzen Messen, welches in den 50er- und 60er-Jahren mindestens in England und den USA äußerst populär war, konnte es doch dadurch relativ explizit Sexualität thematisieren, ohne in der Schmuddelecke zu landen. In der Tradition von Huysmans oder, etwas trivialisierter, William Hope Hodgsons Geisterjäger Carnacki, welchen Wheatley in den 70ern in seiner Anthologie fantastischer Autoren wiederveröffentlichte, hatte er durchaus Erfolg als Bestsellerautor, der aber nach seinem Tod Ende der 70er-Jahre ziemlich schnell abflaute, da seine literarische Qualität mit den Genannten ganz sicher nicht mithalten konnte. Jedenfalls freundete er sich mit Christopher Lee an und gestattete ihm, einige seiner Bücher verfilmen zu lassen. Das klappte endlich 1968 mit „Bestien lauern vor Caracas“ („The Lost Continent“) von Michael Carreras, der eher etwas campy daherkommt und vor allem mit „The Devil Rides Out“, der einer der besten Hammer-Filme der 60er-Jahre geworden ist, auch wenn er gar keinen so großen Erfolg hatte, in den USA floppte und in Deutschland erst sehr spät und nur im Fernsehen als „Die Braut des Teufels“ gezeigt wurde. Christopher Lee ist großartig als okkult gebildeter Duc de Richleau, der einen Freund aus den Klauen des fiesen Teufelsbeschwörers Moccata befreit, den Charles Gray wunderbar unterkühlt spielt. Terence Fishers Regie ist wirklich effizient und zusammen mit dem feinen Drehbuch von Richard Matheson hebt sie dieses unterschätzte kleine Meisterwerk weit hinaus über die ewigen Fortsetzungen von Hammers Erfolgsfilmen Dracula und Frankenstein. Aber im Zeitalter von „Rosemarys Baby“ aus dem gleichen Jahr war damit kein Teufelskind zu gewinnen.

Bettspiele

Es dauerte noch ein paar Jahre, bevor sich Hammer des nächsten Werkes von Wheatley annahm, der gern zusagte, war er doch von „The Devil Rides Out“ sehr begeistert gewesen. Das sollte sich bei „Die Braut des Satans („To the Devil a Daughter“) radikal ändern. Sowohl Lee als auch Wheatley äußerten sich wenig begeistert über das Resultat. Richard Widmark hatte die ganze Drehzeit über schlechte Laune und Klaus Kinski sagte gleich ab – man hatte ihn in der Rolle des Vaters von Nastassja Kinskis Figur besetzen wollen. Schlechte Voraussetzungen für einen Film, den Hammer ohnehin schon mit der deutschen „Terra Filmkunst“ und einem weiteren Partner realisieren musste. Der australische Regisseur Peter Sykes hatte mit „Dämonen der Seele“ („Demons of the Mind“, 1972) schon mal einen Film für Hammer realisiert, versandete aber danach im Fernsehen. Das sprach insgesamt nicht gerade für einen erfolgreichen Film. Aber es sollte dann doch ein wenig anders kommen. Nur leider nicht für Hammer, denn obwohl der Film ein weltweiter Erfolg wurde, blieb der Gewinn vor allem bei den koproduzierenden Firmen hängen. Und so war dies der vorläufig letzte Kino-Horrorfilm des Studios.

Mehr Bettspiele

Pater Michael Rayner (Lee), ein exkommunizierter Priester, plant, den Satan auf die Erde loszulassen. Dazu braucht er zum einen eine jungfräuliche Nonne (Nastassja Kinski), die im Rahmen einer schwarzen Messe gezeugt worden ist, zum anderen einen teuflischen Säugling, der, 16 Jahre später, ebenfalls bei einer solchen Gelegenheit gezeugt und dann mit eben dieser Nonne zusammengebracht werden muss. Aus dieser Verbindung soll Astaroth entstehen, der als teuflischer Avatar die Welt beherrschen wird. Doch der eigentliche Vater des Mädchens (Denholm Elliott) bekommt Gewissensbisse und informiert den Okkult-Bestseller-Autoren John Verney (Widmark), der das Mädchen, welches aus einem deutschen Kloster nach London geflogen wird, am Flughafen abfängt. Als sie seine Agentin (Honor Blackman) ermordet und flieht, kommt es zu einem Wettlauf gegen die Zeit, der weitere Opfer kosten wird.

Teller Dwellar

Das klingt unspektakulär, ist aber ansprechend inszeniert und mit einer Riege exzellenter Schauspieler garniert, zu denen sich als weitere deutsche Beigabe Eva Maria Meineke gesellt. Elliott ist als völlig verängstigter Vater einfach großartig, Lee war selten besser in einer wirklich bösen Rolle, Widmark macht einen mehr als ordentlichen Job und die Kinski ist sehr dekorativ. Aber mehr wird auch nicht von ihr verlangt. Wenn sie durch das zeitgenössische London irrt, dabei wie eine Drogensüchtige wankt und fällt und niemand der Passanten eingreift, hat das tatsächlich hohe Qualität. Honor Blackman bringt hochintelligente Erotik in die Szene und selten ist der Horror „gothic“, vielmehr ganz und gar zeitgemäß. Gerade das macht einige Szenen, die im hellen Tageslicht einer modernen Großstadt spielen, so unheimlich. Also eigentlich alles gut, aber dann gibt es noch das Finale, und das bleibt, ohne dass ich hier spoilern möchte, viel zu unspektakulär. Der Spannungsbogen bis dahin stimmt und wird nicht überdehnt, aber dann passiert – nichts. Ein paar Lichteffekte, eine betrübliche Auflösung und das war es dann. Dieses Ende macht einen wirklich guten Film zu einer dann insgesamt doch nur mittelmäßigen Angelegenheit.

Das kalte Grausen

Das Bild der Blu-ray ist exzellent, die Extras nicht zu üppig, aber zielführend und die kleine Doku sehr klug und informativ geworden. Anolis leistet hier wie gewohnt sehr gute Arbeit. Dann ist da noch der Audiokommentar, den diesmal Dr. Rolf Giesen, Volker Kronz und Uwe Sommerlad eingesprochen haben. Sie werden dabei dem Film, den sie nicht zu mögen scheinen, leider nicht ganz gerecht. Sie fallen einander ins Wort, schweifen ab und Uwe Sommerlad scheint der Einzige zu sein, der weiß worüber er hier redet. Rolf Giesen, den ich einmal sehr geschätzt habe, ist hier nur noch ein Schatten seiner selbst und erzählt ein paar nette Anekdoten, die nichts erklären. Volker Kronz klingt wie ein medienaffiner Buchhalter. Aber diese kleine Einschränkung fällt nicht weiter ins Gewicht, denn die Veröffentlichung ist insgesamt eine runde Sache geworden.

Messerscharf kombiniert

Die Anolis-Entertainment-Reihe mit Produktionen von Hammer Films haben wir in unserer Rubrik Filmreihen aufgeführt, Filme mit Christopher Lee und Richard Widmark unter Schauspieler. Ein lesenswerter Text zu „Die Braut des Satans“ findet sich auch bei den Kollegen von „Evil Ed“.

Veröffentlichung: 23. August 2019 als Blu-ray im limitierten Mediabook (in drei Covervarianten) und Blu-ray

Länge: 93 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: To the Devil a Daughter
GB/BRD 1976
Regie: Peter Sykes
Drehbuch: Christopher Wicking, nach einem Roman von Dennis Wheatley
Besetzung: Richard Widmark, Christopher Lee, Honor Blackman, Denholm Elliott, Michael Godliffe, Nastassja Kinski, Eva Maria Meineke, Anthony Valentine, Petra Peters, Frances de la Tour
Zusatzmaterial 2019: Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen, Uwe Sommerlad und Volker Kronz, Dokumentation: „Dark Arts: Inside ‚To The Devil a Daughter‘“, Interview mit Synchronsprecher Christian Rode, britischer Kinotrailer, deutscher Kinotrailer, Super-8-Fassung, amerikanische Radiospots, amerikanisches Pressbook, deutscher Werberatschlag, Bildergalerie, nur Mediabook: 28-seitiges Booklet mit Texten von Dr. Rolf Giesen und Uwe Sommerlad
Label/Vertrieb: Anolis Entertainment GmbH

Copyright 2019 by Lars Johansen

Szenenfotos & Packshots: © 2019 Anolis Entertainment GmbH

 

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Katzenmenschen – Nastassja Kinskis blutiges Miau

Katzenmenschen_Cover

Cat People

Von Volker Schönenberger

Horror // Ein reizvolles Double Feature – wenn auch mit ein paar Stunden Pause dazwischen geschaut: erst das schwarz-weiße 1942er-Original, später das farbige 1982er-Remake von „Katzenmenschen“. Bereits der Vorspann des jüngeren verdeutlicht, dass es zwei völlig unterschiedliche Filme sind: Die Credits erscheinen vor dem Hintergrund rötlichen Wüstensands, der mit menschlichen Knochen gespickt ist. Ein daran anschließender Prolog zeigt, wie Männer eines in alter Zeit in der Wüste lebenden Stammes eine junge Frau an einen Baum binden. Nachts nähert sich ihr ein Panther …

Irena Gallier (Nastassja Kinski) ist nach dem Tod ihrer Eltern im Waisenhaus und bei Pflegeeltern aufgewachsen, nun kommt die junge Frau zu ihrem Bruder Paul (Malcolm McDowell, „Uhrwerk Orange“) nach New Orleans. Bald darauf verschwindet Paul und eine Prostituierte wird in einem Stundenhotel von einem Panther angegriffen. Der Zoologe Oliver Yates (John Heard) kann das Tier fangen und in den Zoo bringen – Beginn einer Kette verstörender Ereignisse, die Irena an die entsetzlichen Grenzen ihrer Identität bringen.

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Oliver und seine Kollegin Alice trauen ihren Augen nicht

Nette Anspielung: Wie in meiner Rezension des Originals erwähnt, gab eine Sequenz des Films einem Effekt den Namen: Lewton Bus. Eine vergleichbare Szene findet sich auch im Remake, gefolgt von einer Swimmingpool-Szene, die ebenfalls eng am Original klebt. Werten wir es weniger als Kopie denn als Hommage, da sich die Neuverfilmung ansonsten stark von der Vorlage löst. Eine Legende von Katzenmenschen ist Grundlage beider Filme – Wesen, die unter gewissen Bedingungen ihre menschliche Gestalt ablegen und zu Panthern werden. Darin erschöpfen sich die Gemeinsamkeiten.

Regisseur Paul Schrader („Ein Mann für gewisse Stunden“) findet seinen eigenen Ansatz. Der ist deutlicher und drastischer als im Original, was sowohl Gewalt als auch Sex angeht. Verließ sich Jacques Torneur bei seiner Regie 1942 visuell in erster Linie auf das Spiel von Licht und Schatten, so nehmen 1982 nackte Haut, Blut und visuelle Spezialeffekte breiten Raum ein. Es hätte der Swimmingpool-Szene keinen Abbruch getan, wenn Yates dort im Wasser plantschende Kollegin Alice (Annette O’Toole) ein Bikini-Oberteil angehabt hätte, um ein Beispiel zu nennen. Auch das Inzestmotiv des Remakes ist im Original nicht zu finden. Permanentes Zerfleischen sollte niemand erwarten, Gewalt wird eher punktuell gezeigt – dann aber auch mal heftig: Was streckt der Zoowärter auch seinen Arm in den Pantherkäfig?

Tourneurs klassischer Grusel war stilprägender und hat fürs Horrorgenre zweifellos mehr getan als die Neuverfilmung. Die hat in ihrer stylishen 80er-Anmutung aber auch ihre Qualitäten. Ein paar Längen sind zu überbrücken, knapp zwei Stunden hätten es nicht werden müssen. Dennoch fesselt der Film und bietet visuell und inhaltlich durchaus die eine oder andere Überaschung.

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Kann das wirklich Irena sein?

Nastassja Kinski ist in der Rolle der Irena nun erstmals auf Blu-ray zu sehen. Klare Konturen, deutliche Farben, scharfes Bild – der HD-Transfer erscheint gelungen, seine drei Jahrzehnte sieht man dem Film nicht an.

David Bowie steuerte den von Giorgio Moroder komponierten Titelsong „Putting out the Fire (Theme from Cat People)“ bei.

Zur Rezension des 1942er-Originals von „Katzenmenschen“ geht’s auch hier. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Malcolm McDowell und Ray Wise sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet. Im „Katzenmenschen“-Remake hat Wise allerdings nur einen Kurzauftritt.

Veröffentlichung: 8. November 2013 als Blu-ray

Länge: 118 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Cat People
USA 1982
Regie: Paul Schrader
Drehbuch: Alan Ormsby
Besetzung: Nastassja Kinski, Malcolm McDowell, John Heard, Annette O’Toole, Ruby Dee, Frankie Faison, Ray Wise, Ed Begley Jr.
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur Paul Schrader, Interview mit Paul Schrader (10 Min.), intimes Porträt von Paul Schrader von 2000 (25 Min.), Diskussion mit Effektkünstler Tom Burman (11 Min.), visuelle Effekte (3 Min.), Filmemacher Robert Wise über Val Lewton (3 Min.), Deutscher Trailer, US-Trailer, Trailer des Originalfilms „Cat People“ (1942)
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2013 by Volker Schönenberger
Fotos & Packshot: © 2013 Koch Media

 

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