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The Believer – Der jüdische Nazi

The Believer

Von Lucas Gröning

Drama // In den 1960er-Jahren ereignete sich in den Vereinigten Staaten von Amerika eine bemerkenswerte Geschichte: Daniel Burros, ein jüdisch-aufgezogener junger Mann, schloss sich der nationalsozialistischen American Nazi Party an und arbeitete sich im Laufe der Zeit bis zum Sekretär der Organisation hoch. Auch nach seinem Austritt aus der Partei blieb er der Neonazi-Szene treu und trat weiteren Organisationen und Parteien bei. Überfälle, Mordversuche und Folterungen an jüdischen Mitgliedern der Gesellschaft sowie Gegnern der nationalsozialistischen Ideologie gehörten in dieser Zeit zu Burros’ Taten. 1965 beging er Selbstmord, nachdem seine jüdische Herkunft von einem Journalisten der New York Times aufgedeckt worden war. Die Geschichte diente Henry Bean als Grundlage seiner Regiearbeit „The Believer“ aus dem Jahr 2001, für die er auch das Drehbuch verfasst hatte. Für die Hauptrolle des Daniel Burros verpflichtete der Regisseur Ryan Gosling („Blade Runner 2049“, „The Place Beyond the Pines“), der damals lediglich durch kleine Nebenrollen wie in Boaz Yakins „Remember the Titans“ aufgefallen war. Henry Bean selbst ist vor allem als Drehbuchautor bekannt und zeichnete in dieser Rolle unter anderem für „Venus Rising“ (1995) und „Basic Instinct – Neues Spiel für Catherine Tramell“ (2006) verantwortlich. Die Geschichte des jüdischen Nazis inszenierte Henry Bean als eine von nur zwei Regiearbeiten – 2007 folgte noch das Drama „Noise“ mit Tim Robbins und William Hurt.

Viele Irrwege

Dafür nahm sich Bean einige kreative Freiheiten und verlegte die Story aus den 1960ern in die Gegenwart. Wir lernen den für den Film in Danny Balint umbenannten Protagonisten gleich als brutalen Schlägertypen kennen, der in der ersten Szene des Films einen Juden, scheinbar ohne Grund, verfolgt und auf offener Straße zusammenschlägt. In der Folge lernt Danny die faschistischen Intellektuellen Curtis Zampf (Billy Zane) und Lina Moebius (Theresa Russell) kennen, die aufgrund einiger pseudointellektueller Äußerungen großes Potenzial in dem Neonazi erkennen. Lediglich sein offen zur Schau getragener Antisemitismus wird als Schwäche entlarvt, da Zampf und Moebius ihre Ablehnung des Judentums subtiler in die Gesellschaft tragen wollen. Ihr Ansinnen ist, nach außen hin, eine Erneuerung und Modernisierung der klassischen nationalsozialistischen Gedanken, um Brücken hin zum intellektuellen, konservativen Bürgertum zu bauen und so den Weg in die gesellschaftliche Mitte zu finden. Trotzdem sehen sie in ihm die Möglichkeit, Neonazis für ihre Idee um sich zu scharren und sie als Attentäter zu missbrauchen, etwa für Mordanschläge auf Juden in Schlüsselpositionen der Gemeinschaft. Dazu wird Danny, zusammen mit anderen Neonazis, zu einem Camp eingeladen, in welchem diese lernen sollen, mit Schusswaffen umzugehen und Anschläge auf die Gegner der Organisation zu planen. Während die Nazis genau das tun, kommt der Journalist Guy Danielsen Dannys Geheimnis auf die Spur und droht, die jüdische Identität des Protagonisten an die Öffentlichkeit zu bringen. Währenddessen verliebt sich Danny in die Tochter von Lina Moebius, Carla (Summer Phoenix), welche zunehmend ein Interesse am Judentum entwickelt und dahingehend von Danny unterrichtet wird. So viel zur, zugegebenermaßen komplizierten Geschichte es Werkes.

Anfangs ist Danny noch einer von mehreren gefestigten Nazis …

Die Frage stellt sich nun: Wie kann man die Geschichte lesen? Ist „The Believer“ eine Außeinandersetzung mit der Neonaziszene in den Vereinigten Staaten? Sehen wir hier das Eindringen von Aspekten rechter Ideologien in die Mitte der Gesellschaft und damit einen Vorboten auf unsere Gegenwart geprägt von Trump, AfD und Co.? Bietet das Drama eventuell eine Auseinandersetzung mit den generellen Themen Radikalisierung, Ideologie, Antisemitismus oder Religion im Allgemeinen? All diese Ideen müssen wohl über Bord geworfen werden, ist der Film doch wesentlich intelligenter, als wir es auf den ersten Blick annehmen.

Gott als Diktator eines schwachen Volkes

Es geht hier weniger um die Verhandlung gesellschaftlicher Gestaltungspositionen, als um den Protagonisten selbst. Henry Bean konzentriert sich in seinem Werk auf Danny und dessen inneren Konflikt zwischen seiner jüdischen Vergangenheit (und auch Gegenwart) und seiner nach außen getragenen Identität als Neonazi. Beide Seiten seiner Persona koexistieren und stehen zusätzlich im Konflikt mit den äußeren Einflüssen, die auf Danny einprallen. Kommen wir zunächst zum inneren Konflikt und der Frage, warum dieser überhaupt vorhanden ist: Könnte sich Danny nicht einfach für eine Seite entscheiden oder beiden Ideen abschwören, sowohl der des Nationalsozialismus als auch der des Judentums? So einfach ist es leider nicht, wie uns „The Believer“ besonders durch seine Rückblenden klarmachen will. Diese zeigen Danny als aufgeweckten, diskursorientierten Schüler an einer jüdischen Lehreinrichtung. Er debattiert dort angeregt mit Mitschülern und seinem Lehrer über Aspekte des Judentums. Das größte Thema der Diskussionen ist die Aufforderung Abrahams durch Gott, seinen Sohn Isaak zu opfern. Obwohl ein Engel Abraham von der Ermordung Isaaks abhält, interpretiert Danny den blinden Gehorsam des israelischen Stammvaters als Verherrlichung einer autoritären Ideologie. Gott wird von ihm ab diesem Moment als Faschist betrachtet. Nicht zuletzt aufgrund des vehementen Widerspruchs der anderen Anwesenden wiederum interpretiert er die Lehren des Judentums fortan generell als faschistisch, während alle anderen diese in seinen Augen falsch deuten. Zugleich sieht er in der Rolle Abrahams als blindem Gefolgsmann Gottes die Schwäche des jüdischen Volkes repräsentiert. Die Juden seien somit grundsätzlich schwach, in einer permanenten Opferrolle und verlieren somit ihre Existenzberechtigung.

In der Gegenwart wiederum sehen wir Dannys Sicht auf die Religion ebenfalls aus zwei Perspektiven. Zum einen wird uns der Antisemitismus präsentiert, der sich aus seinem Denken und seinem Studium der jüdischen Kultur entwickelt hat. Zum anderen eine tiefe Faszination für jüdische Schriften, Traditionen und auch die hebräische Sprache. Somit ist es nicht das Judentum an sich, das die Hauptfigur des Werkes verabscheut, sondern lediglich einige Aspekte, die mit ihren Vorstellungen nicht vereinbar sind. Diese Aspekte, gepaart mit der von ihm konstatierten Schwäche des jüdischen Volkes, hält Danny für derart verabscheuenswürdig, dass er in Teilen so weit wie möglich weg will von dieser Ideologie – der Grund für sein Dasein als Neonazi.

Abwesenheit des Intellektuellen

Inmitten der nationalsozialistischen Gemeinschaft findet Danny eine Heimat. Diese vereint zwei Aspekte, die ihm sehr wichtig sind: Zum einen die Ablehnung des Judentums, zum anderen die angestrebte Überlegenheit, die in ihrer Ideologie propagiert wird, sowohl in intellektueller, als auch in körperlicher Hinsicht. Kurzum: Er sieht in der vermeintlichen Stärke des Nationalsozialimus ein Gegenstück zur von ihm ausgemachten Schwäche des Judentums. Doch auch auf Seiten der Nazis fühlt sich Danny im Verlauf alles andere als heimisch. Zum einen symphatisiert er nicht mit der Idee von Zampf und Moebius, eine Aufweichung des Nationalsozialismus in Form bürgerlicher, konservativer Ideen voranzutreiben, zum anderen wird ihm immer wieder bewusst gemacht, dass er sich im Dunstkreis der Nazis nicht in dem intellektuellen Milieu befindet, welches er für seine Seelenheimat benötigt. Dies wird anhand mehrerer Szenen deutlich: Zum Beispiel geht Danny mit einigen Verbündeten in ein koscheres Restaurant und sorgt dort für Ärger. Der Unterschied zwischen Danny und den anderen wird in dieser Szene sehr subtil herausgearbeitet. Während seine Mitstreiter lediglich dumme Kommentare von sich geben und beispielsweise Sandwiches mit Fleisch und Käse bestellen wollen (Produkte, die mit koscheren Essgewohnheiten nicht vereinbar sind), zitiert Danny aus jüdischen Schriften und versucht die Betreiber des Restaurants eher durch inhaltliche und in seinen Augen sinnentleerte Lücken in den Texten bloßzustellen.

Das Gleiche sehen wir, wenn der Protagonist auf andere Juden trifft, beispielsweise in Synagogen. Er diskutiert mit diesen auf Augenhöhe und schafft es in den meisten Fällen, sie argumentativ auszumanövrieren. Den anderen Nazis wiederum fehlen diese intellektuelle Tiefe und dieses Bewusstsein der jüdischen Kultur. In einer weiteren Szene schleichen sich die Faschisten in eine Synagoge ein, um dort zu randalieren. Während sie im Zuge dessen eine Tora (der erste Teil der Tanach, der hebräischen Bibel) beschmutzen, entwendet Danny ihnen diese und weist zögerlich auf ihre Bedeutung hin, während sich die anderen Nazis unwissend zeigen. Es zeigt sich der Unterschied zwischen dem blinden, antiintellektuellen Hass der übrigen Nazis und der, zumindest teilweise fundierten, Ablehnung der Ideen durch Danny, die lediglich in ein fehlgeleitetes Extrem gestiegen ist. Folgerichtig fragt Danny die anderen dann auch danach, wie sie etwas hassen können, was sie nicht verstehen und womit sie sich nicht beschäftigt haben. Auf eine Antwort wartet Danny vergeblich.

… doch seine Überzeugungen drohen zu bröckeln

In diesen Konflikten zwischen der Ablehung des Judentums und der gleichzeitigen Verehrung der heiligen Schriften liegt das große Problem der Hauptperson. Danny lehnt die Unterwerfung der Juden vor einem aus seiner Sicht faschistischen Gott ab und tut dies als Schwäche ab. Im Nationalsozialismus wiederum sieht er zwar in gewisser Weise Gegenstücke dazu, findet jedoch keine intellektuelle Seelenheimat und erfährt auch, wie seine Sicht auf die Überlegenheit des Nationalsozialismus entlarvt wird. Zugleich empfindet er trotz seiner offensichtlichen Ablehnung des Judentums eine tiefe Liebe zur jüdischen Kultur und zum Menschen an sich, die er nicht abstreifen kann. Am besten wird dieser Konflikt in einer Szene dargestellt, in der die staatliche Obrigkeit Danny zwingt, sich Erfahrungsberichte von Überlebenden des Holocaust anzuhören. Einer von ihnen erzählt, dass er dabei zusehen musste, wie sein Sohn von einem Nazi umgebracht wurde. Die Hinrichtung wird dabei szenisch dargestellt und ereignet sich so auch in Danny Kopf. Dieser stellt sich vor, wie er in die Rolle des Nazis schlüpft, der das Kind hinrichtet. Später im Film sehen wir die Szene erneut. Während er immer noch die Rolle des Nazis einnimmt, ist er gleichzeitig der flehende Vater, welcher der Ermordung seines Kindes beiwohnen muss. Danny wird somit Opfer und Täter zugleich und uns wird gezeigt, wie er sich durch seinen Konflikt und dessen Sinnlosigkeit selbst Schaden zufügt. Es bleibt ihm lediglich die reine Liebe zur menschlichen Existenz mit all ihren Fehlern und dem Akzeptieren ihrer Schwächen. Ein Versuch des Ausmerzens dieser ist weder möglich noch in irgendeiner Form zielführend.

Die Bilder der Hinrichtung sind schlussendlich die wohl eindringlichsten, furchtbarsten, aber auch besten in einem rundum genialen Drama, das sich zwar extrem sperrig zeigt, seinen Rezipienten aber eine fantastische Charakterstudie präsentiert, sofern diese dazu bereit sind, sich auf dieses anspruchsvolle Werk einzulassen. Ein wirklich fantastischer Film mit einem großartigen Ryan Gosling in einer frühen Rolle. Ein Jammer, dass Henry Bean anschließend nur noch einmal auf den Regiestuhl zurückgekehrt ist.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Ryan Gosling sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgeführt.

Auch Carla lässt ihn an seiner Identität zweifeln

Veröffentlichung: 21. Juni 2019 als 3-Disc Limited Collector‘s Edition Mediabook (Ultra HD Blu-ray, Blu-ray & DVD) und DVD, 12. Juni 2009 als DVD unter dem Titel „Inside a Skinhead“

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 95 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Believer
Alternativtitel: Inside a Skinhead
USA 2001
Regie: Henry Bean
Drehbuch: Henry Bean
Besetzung: Ryan Gosling, Summer Phoenix, Peter Meadows, Garret Dillahunt, Kris Eivers, Joel Marsh Garland, Billy Zane, Theresa Russell
Zusatzmaterial: Verschiedene Texte (Hintergrundinformationen zu den realen Ereignissen und eine Einordnung dieser, ein Text zum Entstehungsprozess des Films, eine Analyse des Filmstoffs, ein Text zur realen Neonaziszene der USA), Trailershow
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2019 by Lucas Gröning
Szenenfotos: © 2019 capelight pictures

 

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The Boys from Brazil – Träumen Nazis von Hitler-Klonen?

The Boys from Brazil

Von Leonhard Elias Lemke

Thriller // „The Boys from Brazil“ ist eine fulminante Doku über die Kicker vom Zuckerhut: Pelé, Ronaldo, Ronaldinho, Kakà und Co. Natürlich nicht! „The Boys from Brazil“ ist ein dreifach Oscar-nominierter, zu keinem Zeitpunkt zimperlicher Thriller mit Horror- und Science-Fiction-Anleihen aus dem Jahr 1978 von Franklin J. Schaffner („Papillon“, „Planet der Affen“), mit einer bizarren Nazi-Thematik und Starbesetzung – basierend auf dem Bestseller von Ira Levin, von dem auch die Vorlage zu Roman Polanskis „Rosemaries Baby“ stammt.

Wiederholt sich die Geschichte?

Anfang der 70er-Jahre treffen sich einige im Exil lebende ehemalige SS-Offiziere unter der Führung von Dr. Josef Mengele (Gregory Peck) in Paraguay, um ein geheimes Projekt in Gang zu bringen. Der junge Nazi-Forscher Barry Kohler (Steve Guttenberg) macht den in Wien ansässigen Nazi-Jäger Ezra Lieberman (Laurence Olivier) auf diese Zusammenkunft aufmerksam. Nach einigem Zögern stellt Lieberman eigene Nachforschungen an. Er begreift den diabolischen Plan der Alt-Nazis: Mit Hilfe moderner Gentechnik ist es ihnen gelungen, aus biologischen Überresten Adolf Hitlers 94 Jungen zu klonen und diese in Adoptivfamilien unterzubringen, um so ein „Viertes Reich“ zu erschaffen.

Der Nazi-Arzt Josef Mengele plant Ungeheuerliches

Damit aus den Hitler-Klonen auch möglichst genaue Ebenbilder des Schreckensherrschers werden, sollen die Kinder genauso sozialisiert werden, wie einst Hitler. Beruf, Alter, Lebensumstände etc. der Adoptivfamilien müssen genau denen aus Hitlers Kindheit entsprechen. Nächste Schwierigkeit für die SS-Schergen ist nun, dass Hitlers Vater mit 65 Jahren starb. Folglich müssen in allen 94 Adoptivfamilien die Väter pünktlich getötet werden, was sich zu einem schwierigen Unterfangen entwickelt – zumal Lieberman und Justiz immer näher rücken.

Big Budget Exploitation mit drei Oscar-Preisträgern

„The Boys from Brazil“, hierzulande seinerzeit mit dem deutschen Titelzusatz „Geheimakte Viertes Reich“ in den Kinos gelaufen, besticht vor allem durch seine bizarre, durchkonstruierte Geschichte, die aber funktioniert. Man nimmt sich einer hoch exploitativen Storyline ernsthaft an, hat keine Angst, Weltstars ins Genrebecken zu werfen. Freilich wirkt schon der Begriff „Nazi-Klon“ nicht sonderlich glaubwürdig, und man denkt unweigerlich an Filme wie „Zombies – Die aus der Tiefe kamen“ (1977) mit immerhin Peter Cushing, doch versteht es Regisseur Franklin J. Schaffner (Oscar 1971 für „Patton – Rebell in Uniform“), die Story glaubwürdig voranzubringen.

Journalist Barry Kohler erfährt davon und kontaktiert …

Das ist auch ein Verdienst der starken Schauspieler, welche die plakativen Figuren nicht der Lächerlichkeit preisgeben, sondern gar bierernst nehmen, wobei vor allem Peck zum Overacting neigt – der Zuschauer kann sich hier gewiss nicht immer ein Lächeln verkneifen. Auch die jungen Hitler-Klone mit ihrem auffallenden Seitenscheitel und herrischem Wesen sind herrlich augenzwinkernd in Szene gesetzt. Diese komödiantische Note des Films scheint allerdings der deutschen Zensurbehörde damals entgangen zu sein, denn sie kürzte ihn um 25 Minuten und beraubte ihn so seiner besten Szenen.

… den Nazi-Jäger Ezra Lieberman

Die Oscar-Preisträger Peck (1963 für seine Hauptrolle in „Wer die Nachtigall stört“) und Olivier (1949 für die Titelrolle in „Hamlet“) liefern sich ein spannendes Gefecht auf Distanz – Olivier erhielt dafür eine weitere Oscar-Nominierung. Schließlich kommt es zum finalen Showdown mit Herzschlagfinale. Bis in die Nebenrollen besitzt der Film geballte Starpower: Bruno Ganz, James Mason, Lilli Palmer, Uta Hagen, Steve „Police Academy“ Guttenberg und Sky du Mont sind unter anderen zu sehen. Die Musik von Jerry Goldsmith unterstreicht hervorragend die einzelnen Passagen des Films und passt sehr gut zu den Originalschauplätzen, an denen gedreht wurde. Auch der Komponist reiht sich in die Riege der an dieser Produktion beteiligten Oscar-Preisträger ein: Er wurde 1977 für seinen Score des Horrorfilms „Das Omen“ prämiert – sein einziger Academy Award bei satten 18 Nominierungen, eine davon für „The Boys from Brazil“. Zu guter Letzt wurde 1979 nach Olivier und Goldsmith auch Robert Swink für einen Oscar nominiert – für seinen Schnitt.

Esther Lieberman hat Angst um ihren Mann

„The Boys from Bazil“ sollte nicht als tiefgründige Geschichtslehrstunde verstanden werden, sondern als eine (hoffentlich für immer) rein fiktive Geschichte, die unterhält, überzeugt und einen auch ab und an zum Lächeln bringt. Übrigens lebte der echte Josef Mengele zum Zeitpunkt des Erscheinens des Films unbehelligt in Südamerika und könnte ihn im Kino gesehen haben …

The Boys are finally back – in HD!

Koch Films hat den Thriller erstmals auf Blu-ray in Deutschland veröffentlicht – eine verdiente Ehre – und lässt seine Figuren, tollen Schauplätze und Sets so in schärfstem Schwarz-Weiß-Rot erstrahlen. Neben der (zu ignorierenden) deutschen Kurzfassung gibt es die Super-8-Fassung, beide deutsche Synchronfassungen, den tollen Soundtrack Goldsmiths, obligatorische Trailer und Bildergalerie sowie ein Promo-Featurette.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit James Mason, Laurence Olivier und Gregory Peck sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Eduard Seibert (r.) ist Mengeles Mann im Hintergrund

Veröffentlichung: 8. November 2018 als Blu-ray und DVD

Länge: 125 Min. (Blu-ray), 120 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Boys from Brazil
Alter deutscher Titelzusatz: Geheimakte Viertes Reich
GB/USA 1978
Regie: Franklin J. Schaffner
Drehbuch: Heywood Gould, nach einem Roman von Ira Levin
Besetzung: Gregory Peck, Laurence Olivier, James Mason, Lilli Palmer, Uta Hagen, Steve Guttenberg, Denholm Elliott, Rosemary Harris, John Dehner, John Rubinstein, Bruno Ganz, Michael Gough, Sky du Mont, Carl Duering, Linda Hayden
Zusatzmaterial: 2 Synchronfassungen, Trailer, Featurette, Bildergalerie
Label/Vertrieb: Koch Films

Copyright 2019 by Leonhard Elias Lemke
Senenfotos & Packshot: © 2018 Koch Films

 

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Romper Stomper – Russell Crowe als Nazi-Skinhead

Romper Stomper

Von Volker Schönenberger

Krimidrama // Wer will schon in einem düsteren Tunnel einer Horde Nazi-Skinheads über den Weg laufen? Dieses Schicksal widerfährt drei jungen Vietnamesen in Melbourne. Die rechtsradikale Bande um ihren Anführer Hando (Russell Crowe) und dessen besten Freund Davey (Daniel Pollock) schlägt das Trio übel zusammen. So finster beginnt das australische Drama „Romper Stomper“. Kurz danach schließt sich die junge Gabe (Jacqueline McKenzie) aus gutem Hause dem rassistischen Haufen an. Sie will ihrem Vater ausweichen, der sie sexuell missbraucht hat. Die in der Stadt lebenden Vietnamesen sind nicht gewillt, sich von den Skinheads unterkriegen zu lassen. Eine Eskalation der Gewalt ist unausweichlich.

Beste Freunde: Davey (l.) und Hando

Der Begriff „Romper Stomper“ bezeichnet jemanden, der mit dem Fuß von oben auf eine am Boden liegende Person aufstampft. 1994 in Deutschland indiziert, wurde das raue Drama 2012 von der Liste gestrichen und in adäquaten Editionen ungekürzt mit angemessener FSK-18-Freigabe von capelight pictures veröffentlicht. Regisseur und Drehbuchautor Geoffrey Wright („Cherry Falls – Sex oder stirb“) fängt die grobe Körperlichkeit der Skinheads in einigen Szenen sehr gut ein. Die ungeschönte Brutalität des Films löste in einigen Ländern heftige Kontroversen aus. Die Figur des Hando basiert lose auf einem echten Nazi-Gewalttäter, der in Australien wegen Mordes einsitzt. Dem Vernehmen nach ließen sich einige rassistische Gewalttäter von Hando inspirieren. Manche begreifen es halt nie. Angeblich genießt „Romper Stomper“ in der Neonazi- und Skinhead-Szene Kultstatus. Verherrlichung der gezeigten Gewalt konnte ich allerdings nicht bemerken, Faszination ging für mich davon nicht aus. Der im Film zu hörende Nazi-Punkrock inklusive rassistischer Texte wurde eigens dafür komponiert, rechtsradikale Musiklabel bootlegten die Songs leider später. Score und Songs treiben die Handlung passend voran und bringen Tempo.

Zum Scheitern verurteilte Existenzen

Wright geht es weniger um eine Einordnung der politischen Haltung der Nazi-Skinheads – an der Verwerflichkeit ihres Denkens und Tuns besteht ohnehin kein Zweifel. Der Regisseur zeichnet auch kein dokumentarisches Sittenbild einer gewalttätigen Subkultur, er zeigt vornehmlich die Aussichtslosigkeit schäbiger Existenzen, deren Dasein zum Scheitern verurteilt ist. Das ist unbequem anzuschauen und von unangenehmer Intensität. Wenn der Filmemacher denn die Absicht verfolgte, die inneren Motive seiner Protagonisten darzustellen, so erscheint das allerdings misslungen – ich jedenfalls konnte derlei nicht feststellen.

Gabe schließt sich den Nazi-Skinheads an

Russell Crowe war seinerzeit in den USA und Europa noch unbekannt und auch in seiner australischen Heimat kein Topstar. Dies änderte sich mit seiner Hauptrolle des gewalttätigen Neonazis Hando. 1992 wurde er dafür als bester Hauptdarsteller mit dem AFI Award des Australischen Filminstituts geehrt. Auch der Ton und der Score von „Romper Stomper“ erhielten den Preis. Crowes erstes Hollywood-Engagement folgte 1995 in Sam Raimis „Schneller als der Tod“ („The Quick and the Dead“) mit Sharon Stone und Gene Hackman. Stone, die den Western koproduzierte, setzte Crowes Besetzung persönlich durch.

Als TV-Serie umgesetzt

Brandaktuell ist eine australische Serienadaption mit sechs Episoden, die auf dem Film beruht und in Australien bereits heftig diskutiert wird. Geoffrey Wright inszenierte zwei Folgen, einige Darsteller des Films wirken ebenfalls wieder mit, darunter Jacqueline McKenzie. Ob das sein muss, sei dahingestellt und kann ohne Kenntnis der Serie ohnehin nicht beantwortet werden. Der Film „Romper Stomper“ jedenfalls ist in seiner fatalistischen Darstellung der Nazi-Skinheads jederzeit eine Sichtung wert und als wichtiger Karriereschritt des späteren Oscar-Preisträgers Russell Crowe („Gladiator“) ohnehin interessant.

Mit dem jederzeit gewaltbereiten Hando …

Daniel Pollock erlebte den Kinostart von „Romper Stomper“ nicht mehr: Im April 1992 beging er Selbstmord, indem er sich in Sydney vor einen Zug warf. Russell Crowe schrieb darüber das Lied „The Night that Davey Hit the Train“. Pollock ruhe in Frieden.

… legt man sich besser nicht an

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Russell Crowe sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Die Skinheads geraten in Bedrängnis

Veröffentlichung: 7. Dezember 2012 als 2-Disc Limited Collector’s Edition Mediabook (Blu-ray & DVD), Blu-ray und DVD

Länge: 93 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch
Originaltitel: Romper Stomper
AUS 1992
Regie: Geoffrey Wright
Drehbuch: Geoffrey Wright
Besetzung: Russell Crowe, Daniel Pollock, Jacqueline McKenzie, Alex Scott, Leigh Russell, Dan Wyllie, James McKenna, Eric Mueck, Frank Magree, Tony Lee
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Regisseur Geoffrey Wright, Interviews mit Russell Crowe, Tony Lee, Paul McDonald und Geoffrey Wright, Kinotrailer, nur Blu-ray: Hinter den Kulissen Photoshoot, Trailershow, nur Mediabook: 24-seitiges Booklet
Label: capelight pictures
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

Fotos & Packshot: © capelight pictures / Al!ve AG

 

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