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Schlagwort-Archive: Neil Patrick Harris

Der Oscar – Aufzucht und Pflege

So lief die lange Nacht der Academy Awards 2015

Gastbeitrag von Simon Kyprianou

Es ist Februar, im Terminkalender des geneigten Filmfans markiert und angestrichen ist also alljährlich die Oscar-Verleihung – ein erfahrungsgemäß eher durchwachsenes Ereignis in dem selten die wirklich besten Filme des Jahres nominiert sind. Mehrheitlich sind es Filme die einen Hauch von Anspruch vorweisen können, aber bloß nicht zu viel. Unlängst fragte sich ein Kritikerkollege völlig zu Recht, wieso nicht statt der Filme mit der oft dünnen Fassade des Anspruchs gute Blockbuster geehrt werden können.

Freude und Ärger schon bei den Nominierungen

Ein Blick auf die Nominierungen brachte auch wieder einigen Ärger: „American Sniper“ mit vielen Nominierungen, Bennett Millers großartiger „Foxcatcher“ nicht als bester Film nominiert, sondern lediglich für die beste Regie. „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ zeigt großes Desinteresse am Genie eines Mathematikers und schlachtet Stephen Hawkings Leben Gazetten-artig aus, hat selbstredend ebenfalls eine Menge Nominierungen in der Tasche.

Endlos auf dem Roten Teppich

Nach zwei Uhr morgens unserer Zeit begann die Veranstaltung dann endlich, nach schier endlos erscheinenden Stunden der Plaudereien auf dem Roten Teppich (mit den gewohnt grässlichen deutschen Oscar-Moderatoren). Neil Patrick Harris führte durch den Abend. Der Star aus „How I Met Your Mother“ moderierte den Abend recht vergnüglich, inklusive „Birdman“-Auftritt in Unterhose, inklusive der obligatorischen Musical-Einlagen, inklusive der üblichen Gags. Nett und harmlos.

Bildausfall in Deutschland

Die Übertragung begann mit einer fünfminütigen Übertragungs-Störung, der die Nennung des besten Nebendarstellers zum Opfer fiel. Oscars gab’s erfreulicherweise einige für Wes Andersons „Grand Budapest Hotel“: für das Szenenbild, für Haare und Make-up, für Kostümdesign und für den Soundtrack des großen Alexandre Desplat, der in dieser Kategorie gleich zwei Mal nominiert war (auch für „The Imitation Game“).

Die Trophäe für das beste Drehbuch gewann „Birdman“, die fürs beste adaptierte Drehbuch „The Imitation Game“, dessen Autor Graham Moore eine schöne Rede auf Lager hatte. In letztgenannter Kategorie hätte man Paul Thomas Anderson den Sieg für seine geniale Thomas-Pynchon-Adaption „Inherent Vice – Natürliche Mängel“ natürlich ebenfalls gegönnt.

Sehr schön: „Ida“ gewinnt den Auslands-Oscar

Bester fremdsprachiger Film wurde nach seinem Siegeszug beim Europäischen Filmpreis erwartungsgemäß „Ida“, mit einer ebenfalls sehr schönen Rede von Pawel Pawlikowski, der seine Redezeit souverän um das Doppelte überzog. Allerdings hätte man ihn nicht ausgerechnet in dem Moment abwürgen dürfen, als er den Oscar seiner verstorbenen Frau widmete. Gewohnt peinlich beim Unterbinden von zu langen Reden, die Organisatoren.

Der Academy Award für die beste Kamera ging an den virtuosen Emmanuel Lubezki für „Birdman“. Lubezki durfte sein Genie schon unter den Regisseuren Alfonso Cuarón und Terrence Malick beweisen. Für seine Kameraarbeit zu Cuaróns Weltraumdrama „Gravity“ hatte er den Oscar bereits im vergangenen Jahr nach Hause getragen.

Grüße nach Moskau

Der Oscar für den besten Schnitt ging an Tom Cross für „Whiplash“. Erfreulich war der Oscar des besten Dokumentarfilms, der an Laura Poitras und „Citizenfour“ ging. Ob sich Edward Snowden in Moskau gefreut hat? Erfreulich ebenfalls der Oscar für die beste Hauptdarstellerin, der verdient an die göttliche Julianne Moore für „Still Alice“ ging. Marion Cotillard hätte man ihn für „Zwei Tage, eine Nacht“ aber ebenfalls gegönnt. Völlig zu Recht hat „Glory“ von John Legend und Common den Oscar für den besten Filmsong gewonnen. Das Stück aus dem Martin-Luther-King-Film „Selma“ wurde in einer wundervoll emotionalen Show dargeboten.

Nebendarsteller souverän ins Ziel

Bei den Nebendarstellern gab’s keine Überraschungen, dort waren die Wettquoten vermutlich auch am niedrigsten: Die Oscars erhielten J. K. Simmons für seine Darstellung des besessenen Musiklehrers in „Whiplash“ und Patricia Arquette für ihre Rolle der Mutter in „Boyhood“. Beim Wettstreit um den besten Hauptdarsteller waren große Schauspieler nominiert: Michael Keaton, Steve Carell – Schauspieler die den Oscar wirklich verdient hätten. Gewonnen hat Eddie Redmayne mit einer guten, aber unbedeutenden Leistung in einem unbedeutenden Film: dem Stephen-Hawking-Biopic „Die Entdeckung der Unendichkeit“. Auch das keine Überraschung, hatte Redmayne doch zuvor schon Golden Globe, BAFTA und Screen Actors Guild Award abgeräumt – ein hundertprozentiger Dreifaltigkeits-Indikator für den Oscar (Dank für die Erkenntnis an Arthur von Filmfutter).

„Birdman“ ist der Sieger

Der beste Film und der beste Regisseur wurden in den frühen deutschen Morgenstunden gekürt, beide Oscars gingen erwartbar an „Birdman“.

Eine lange, Nacht – reich an Werbeunterbrechungen – ohne große Überraschungen also, mit Tiefen und Höhen. Am Ende kann man froh sein, dass „American Sniper“, „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ und „Boyhood“ vergleichsweise leer ausgegangen sind. Man trauert mit Steve Carell, Michael Keaton und Bennett Miller. Man freut sich mit Laura Poitras, Julianne Moore und Pawel Pawlikowski.

Traurig war auch der Animationsfilm-Oscar. Das große Meisterwerk „Die Legende der Prinzessin Kaguya“, dieses warmherzige Meisterstück, wurde übergangen zugunste von „Baymax – Riesiges Robowabohu“.

Die komplette Siegerliste gibt es hier.

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

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5 Kommentare

Verfasst von - 2015/02/23 in Kino, Veranstaltungen

 

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David Fincher (II): Gone Girl – Das perfekte Opfer

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Gone Girl

Gastrezension von Simon Kyprianou

Thriller // David Finchers Verfilmung des gleichnamigen Romans von Gillian Flynn wurde schon im Vorfeld von Freunden des Buches kritisch diskutiert. Für Empörung sorgte vor allem Finchers Aussage, das Ende des Buches für den Film zu ändern. Der Film hält sich nun dennoch nah an Flynns Vorlage, an ihre Geschichte über das Ehepaar Nick und Amy Elliott Dunne (Ben Affleck, Rosamund Pike), das sich gegenseitig im wahrsten Sinne des Wortes bekriegt – bis Amy am fünften Hochzeitstag verschwindet.

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Die Dunnes – ein glückliches Paar?

„Gone Girl“ ist ein Film der Oberflächen. Die Personen haben kaum Persönlichkeit, sind meist reduziert auf ihren Rollentyp in der Geschichte: der betrügerische Ehemann, die hinterlistige Ehefrau, die dümmliche Talkshow-Tante, der abgebrühte Staranwalt – Stereotypen die man zur Genüge kennt. Beziehungen zwischen den Figuren werden kaum ausbuchstabiert, Glück und Zufriedenheit gibt es sowieso nur in Rückblenden, deren Verlogenheit und Falschheit aus jeder Pore tropft.

Fincher bedient nach und nach alle nur erdenklichen Amerika-Stereotypen: zum Beispiel die blondierte Talkshow Aufhetzerin, der groteske Medienterror, ein Talkshow-Geständnis, die Todesstrafe, einen Staranwalt, das in goldenes Licht getauchte Suburbia-Setting und eine TV-Homestory. Letztendlich entblößt er dann deren Oberflächlichkeit, Unmenschlichkeit und Leere. Das ist wenig subtil, aber wirkungsvoll.

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Nick sucht seine Frau

Dabei wirken seine Bilder selbst oberflächlich und austauschbar, genau wie die unnatürlich strahlenden Gesichter der Protagonisten – ein bisschen zu clean und steril, sie sind unästhetisch, oft sogar hässlich, eher auf dem Niveau einer TV-Soap-Opera. Fincher plädierte ja, ganz im doch etwas fragwürdigen Duktus des Zeitgeistes, für die Fernsehserie als das „bessere Kino“ und wetterte in der Süddeutschen Zeitung gegen das analoge Kino. Genau so inszeniert er auch „Gone Girl“, hin zur Serie, weg vom Kino und damit weg von der Schönheit und von der Wahrhaftigkeit. Mit dieser Absage an das Kino fängt er aber präzise einen erschreckenden Zeitgeist ein, einen Zeitgeist der Oberflächlichkeit. So wird „Gone Girl“ auf der Metaebene zu einem Horrorfilm, nämlich über das fatale Sterben des Kinos – ein sowieso häufiges Thema in diesem Jahr, auch in Cronenbergs „Maps to the Stars“ präsent. Form und Inhalt zerfließen so wundervoll miteinander.

„Gone Girl“ ist ein langsam treibender, aber hoch spannender Thriller, eine radikale Dekonstruktion des Ideals der heilen Ehe und Familie. Es ist ein Film, der den erschreckenden Zeitgeist grausam widerspiegelt und ein wundervoll grausamer Americana-Albtraum.

David Fincher bei „Die Nacht der lebenden Texte“:

Alien 3 (1992, geplant)
Sieben (1995)
Fight Club (1999, geplant)
Zodiac – Die Spur des Killers (geplant)
The Social Network (2010)
Verblendung (2011)
House of Cards – Die komplette erste Season (USA 2013)
Gone Girl – Das perfekte Opfer (2014)

Veröffentlichung: 5. Februar 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 146 Min. (Blu-ray), 142 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Gone Girl
USA 2014
Regie: David Fincher
Drehbuch: Gillian Flynn, nach ihrem eigenen Roman
Besetzung: Ben Affleck, Rosamund Pike, Neil Patrick Harris, Tyler Perry, Carrie Coon, Kim Dickens
Zusatzmaterial: Audiokommentar von David Fincher
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2015 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshot: © 2015 Twentieth Century Fox Home Entertainment

 
 

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A Million Ways to Die in the West – McFarlane im Mainstream

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A Million Ways to Die in the West

Von Simon Kyprianou

Westernkomödie // Seth MacFarlanes Werke wie „Ted“, „Family Guy“ und „American Dad“ konnten durchweg durch radikale, rohe Anarchie glänzen. In der Hinsicht ist „A Million Ways to Die in the West“ schon eine herbe Enttäuschung: eine seelenlose und mutlose Komödie, die nur als Star-Vehikel taugt und deren Humor einem höchstens ein müdes Grinsen entlockt.

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Albert – ein überforderter Schaffarmer

Cowboy Albert (Seth MacFarlane) fällt auf, dass der Wilde Westen ein hartes Pflaster voller Gefahren ist. Daher führt er ein eher ruhiges Leben – manche behaupten auch das eines Feiglings. Seine Freundin Louise (Amanda Seyfried) verlässt ihn daraufhin und bändelt mit dem erfolgreichen Draufgänger Foy (Neil Patrick Harris, „How I Met Your Mother“) an. Albert findet Trost in den Armen der heißen, rauen Anna (Charlize Theron), nur ist die blöderweise – wenn auch gegen ihren Willen – die Freundin des Gangsterbosses Clinch (Liam Neeson), der nun mit seiner Bande Albert an den Kragen will.

Bei dieser vielversprechenden Prämisse, dem klassischen Western-Setting, hätte man von MacFarlane eine subversive Americana-Satire erwarten können. Stattdessen liefert er eine blöde, vollends auf den Mainstream zugeschnittene Konsens-Komödie ab, deren Humor sich beinahe ausschließlich aus sexistischem Pipi-Kaka-Unsinn ergibt, der eigentlich völlig zahm und langweilig ist. Von MacFarlanes üblicher bitterböser Kreativität gibts hier leider keine Spur zu finden.

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Mit Clinch ist nicht zu spaßen

Die Stars bleiben allesamt schwer unterfordert, wirken teilweise gar gelangweilt, und MacFarlanes Regie ist im Vergleich zu „Ted“ geradezu stümperhaft schlecht. Er schleust den Film gezwungen von Pointe zu Pointe, kann nie einen schönen Filmfluss erzeugen, alles wirkt seltsam abgehackt und eher notdürftig zusammengeflickt.

„A Million Ways to Die in the West“ ist leider misslungen und passt eher zu den üblichen mutlosen Hollywood-Mainstram-Komödien, als zu MacFarlane. Hoffentlich läuft’s bei dem für den kommenden Sommer angekündigten „Ted 2“ besser.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Charlize Theron sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Liam Neeson, Ryan Reynolds und/oder Patrick Stewart in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 9. Oktober 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 116 Min. (Blu-ray), 111 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Türkisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch, Italienisch, Indonesisch
Originaltitel: A Million Ways to Die in the West
USA 2014
Regie: Seth MacFarlane
Drehbuch: Seth MacFarlane, Alec Sulkin, Wellesley Wild
Besetzung: Seth MacFarlane, Charlize Theron, Liam Neeson, Amanda Seyfried, Giovanni Ribisi, Neil Patrick Harris, Sarah Silverman, Christopher Hagen, Wes Studi, Christopher Lloyd, Ryan Reynolds, Patrick Stewart
Zusatzmaterial: Alternativer Anfang, alternatives Ende, unveröffentlichte/erweiterte/alternative Szenen, Gag Reel, Spiel mir das Lied vom anderen Westen, Für eine Handvoll Dreck … in deinem Mund, Eine Menge glorreicher Halunken, Audiokommentare
Vertrieb: Universal Pictures Germany GmbH

Copyright 2014 by Simon Kyprianou

Fotos, Packshot & Trailer: © 2014 Universal Pictures Germany GmbH

 

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