RSS

Schlagwort-Archive: Nelson Mandela

Mandela – Der lange Weg zur Freiheit: Blogger löchern einen Regisseur

Mandela-Cover

Mandela – Long Walk to Freedom

Historiendrama // Justin Chadwicks Biopic über den südafrikanischen Freiheitskämpfer bietet einen guten chronologischen Überblick über die Stationen in Nelson Mandelas Leben. Wie ich schon in meiner Rezension anlässlich des Kinostarts schrieb, verfehlt der Film allerdings sein Ziel, Mandelas Wesen zu ergründen. Vielleicht ist es aber auch kaum filmisch darstellbar, welche inneren Kämpfe ihn zu seinem friedlichen Weg bewogen haben, nachdem ihm so viel angetan worden war.

Mandela-04

Eine letzte Berührung

Im Rahmen einer konzertierten Aktion unter Bloggern hatte ich die Möglichkeit, Regisseur Justin Chadwick anlässlich der Heimkino-Veröffentlichung des Films eine Frage zu stellen. Hier ist sie samt seiner Antwort (meine Übersetzung darunter):

Die Nacht der lebenden Texte: Mandelas biggest life effort was the absolute will to freedom – to free his country and not a violent or hateful approach. Where exactly did you try to show his inner struggle and his inner reasons for that?

Justin Chadwick: I think a lot of his behavior comes from his ancestry – his tribal background – the Xhosa tribe. And he took those values that he had been taught as a young man by the elder. His father was an advisor to the king – Mandela was already predestined to be that as a young man. A lot of his core beliefs were informed by his ancestry. But I also think he has a great belief in his country and his people that was unshakeable and that came from his upringing. And he was true all his life to his people and to his land and he worked so hard all of his life, he sacrificed everything: his freedom, his health, his family, the love of his life – all to work for his people and his land. So that’s a rare thing – isn’t it? Give me an example of a politician who serves under that terms and doesn’t do anything for his own gain but who really truly believes in his principles – and stayed true to this principles. It wasn’t that Mandela adapted through prison – in fact the world came to Mandela. He came to prison with a set of ideas and it was the world who came closer to Mandela. And I think the combination of the character he was and also his background with his family and definately the Xhosan tradition.

Mandela-16

Präsident von Südafrika

Die Nacht der lebenden Texte: Mandelas größte Lebensleistung war sein absoluter Wille zur Freiheit – Freiheit für sein Land ohne Hass und Gewalt. Wo genau haben Sie versucht, sein inneres Ringen und seine Beweggründe dafür zu zeigen?

Justin Chadwick: Ich denke, dass sein Verhalten sich zu großen Teilen aus seiner Abstammung herleiten lässt – aus seinem Stammeshintergrund, den Xhosa. Er hat die Werte angenommen, die ihm als junger Mann von den Älteren vermittelt worden waren. Sein Vater war Berater des Königs – Mandela war schon als junger Mann auserkoren, in seine Fußstapfen zu treten. Eine Menge seiner tiefsten Überzeugungen beruhen auf seiner Herkunft. Ich glaube aber auch, dass er einen ebenso starken wie unerschütterlichen Glauben an sein Land und sein Volk hatte, der seinen Ursprung darin hatte, wie er aufgezogen worden war. Mandela ist sich selbst, seinem Volk und und seinem Land stets treu geblieben. Er hat sein ganzes Leben sehr hart gearbeitet und alles geopfert: Freiheit, Gesundheit, Familie, die Liebe seines Lebens – all das im Dienst seines Volks und seines Lands. Das ist sehr selten, nicht wahr? Gebt mir ein Beispiel eines Politikers, der unter diesen Umständen seinem Land dienen soll und nicht alles für den eigenen Vorteil tut, sondern der aufrichtig an seine Prinzipien glaubt – und ihnen treu bleibt. Es ist keineswegs so, dass die Inhaftierung Mandela geformt hat – tatsächlich ist die Welt zu ihm gekommen. Er ist mit einer Ansammlung von Ideen ins Gefängnis gegangen, es war die Welt, die sich ihm dann genähert hat. Es ist die Kombination aus seinem Charakter, seinem familiären Hintergrund und definitiv der Xhosa-Tradition, die ihn ausmacht.

Die Fragen der übrigen Blogger

Zwei Beiträge sind leider nicht mehr online, somit beginnen wir mit der Frage von Sonja von Zeilenkino.

Last not least geht es hier zur Frage von Arthur von Filmfutter.

Zu meiner Rezension anlässlich des Kinostarts geht’s auch hier. Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Naomie Harris haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt.

Veröffentlichung: 5. September 2014 als Blu-ray und DVD

Länge: 147 Min. (Blu-ray), 142 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Mandela – Long Walk to Freedom
GB/RSA 2013
Regie: Justin Chadwick
Drehbuch: William Nicholson, nach Nelson Mandelas Autobiografie
Besetzung: Idris Elba, Naomie Harris, Tony Kgoroge, Fana Mokoena, Jamie Bartlett, Deon Lotz
Zusatzmaterial: Ausführliches Making-of, Making-of-Featurettes, Nelson-Mandela-Tribute-Videos, Mithäftling und Weggefährte Mandelas über Robben Island, das Massaker von Sharpeville und den Prozess, Audiokommentar des Regisseurs, Kinotrailer und Teaser
Vertrieb: Universum Film

Copyright 2014 by Volker Schönenberger

Fotos, Packshot & Trailer: © 2014 Universum Film / Senator Film Verleih

 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

Mandela – Der lange Weg zur Freiheit: Wer war der Mensch hinter dem Mythos?

Mandela-Plakat

Kinostart: 30. Januar 2014

Historiendrama // Stellt euch vor, Ihr könntet einen geliebten Menschen für eine Weile nicht berühren! Vielleicht eine Tochter, die sich eine Woche lang anderswo aufhält, eine Lebensgefährtin oder einen Lebensgefährten, die oder der sich für eine Weile auf Dienstreise befindet. Oder eine ganz frische Beziehung, bei der man einander vielleicht mal ein paar Tage nicht sehen kann. Schlimm? Wohl kaum – der Schmerz ist süß und zu ertragen, die nächste Berührung abzusehen. Nelson Mandela hingegen musste 21 Jahre lang warten, bis er seine geliebte Ehefrau Winnie überhaupt nur an die Hand nehmen und sie umarmen durfte. In der Szene dieser ersten Berührung und anderen kleinen Momenten von „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ ist der Zuschauer ganz nah dran am Leid, das der Freiheitskämpfer für sein Volk auf sich nahm. Eine weitere grausame Auflage der Haft: Seine Töchter durften ihn erst im Alter von 16 Jahren besuchen. Die erste Begegnung mit Zindzi nach 13 Jahren wird gezeigt, der Gedanke ist kaum zu ertragen.

Mandela-05

Protest: Mandela verbrennt seinen Pass

Wie konnte der von Idris Elba überzeugend verkörperte Nelson Mandela trotz dieser Behandlung nach seiner Entlassung diesen außergewöhnlichen Versöhnungskurs fahren? Dass es das Richtige war und Südafrika ansonsten vielleicht in einem blutigen Rache-Bürgerkrieg versunken wäre, der Gedanke mag rational gefasst werden. Aber wie konnte Mandela emotional so sehr seine Leidensgeschichte bewältigen, wie er es getan hat?

Diese Frage zu beantworten, ist für einen Film zweifellos schwierig. Leider unternimmt „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ gar nicht erst den Versuch. Dabei macht der Film auf den ersten Blick vieles richtig: Anhand wichtiger Ereignisse sowohl in Südafrika als auch im Leben Mandelas entfaltet sich eine chronologische Darstellung seiner Biografie. Diese hier nachzuerzählen, ist überflüssig, sie kann allerorten nachgeschlagen werden, sei es im Mandela-Eintrag bei Wikipedia oder in Nelson Mandelas Autobiografie „Der lange Weg zur Freiheit“, auf der das Drehbuch beruht.

Mandela-07

Mandela (stehend rechts) und seine Mitstreiter werden zu langer Haft verurteilt

Der Film zeigt das Leben des am 5. Dezember 2013 verstorbenen Nelson Mandela auf seriöse und sorgfältige bis behutsame Weise – vielleicht etwas zu behutsam, obwohl seine Anfälligkeit für die Reize der Frauen durchaus thematisiert wird. Außer Elba verstehen auch die anderen Darsteller ihr Handwerk. Naomie Harris gibt glaubwürdig Winnie Madikizela, die große Liebe in Mandelas Leben. Ihre Radikalisierung und Verbitterung bilden einen guten Kontrast zum Versöhnungskurs ihres Mannes. Dort hätte Regisseur Justin Chadwick vielleicht einhaken und den Versuch wagen können, Mandelas Gefühlswelt zu untersuchen. Es ist schade, dass der Film in der Hinsicht an der Oberfläche bleibt. So ist „Mandela – Der lange Weg zur Freiheit“ eine schöne und sehenswerte filmische Erinnerung an einen großen Mann und dessen Lebensleistung. Letztlich mangelt es dem Werk aber an Tiefenwirkung. Zum Verständnis von Mandelas Wesen trägt es nicht allzu viel bei.

Für ihren Filmsong „Ordinary Love“ wurden U2 bereits mit einem Golden Globe ausgezeichnet. Auch für die Oscar-Verleihung am 2. März kann sich die irische Band Hoffnung machen. Angesichts der eher durchschnittlichen Qualität des Lieds sind Auszeichnung und Nominierung wohl eher Anerkennung des langjährigen politischen Engagements – auch gegen das Apartheid-Regime Südafrikas. Die Band setzt sich seit langer Zeit auch für die Nelson Mandela Foundation ein.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Naomie Harris haben wir in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgeführt.

Länge: 147 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Mandela – Long Walk to Freedom
GB/RSA 2013
Regie: Justin Chadwick
Drehbuch: William Nicholson, nach Nelson Mandelas Autobiografie
Besetzung: Idris Elba, Naomie Harris, Tony Kgoroge, Fana Mokoena, Jamie Bartlett, Deon Lotz
Verleih: Senator Film Verleih

Copyright 2014 by V. Beautifulmountain

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2013 Senator Film Verleih

 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: