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Ich und Earl und das Mädchen – Die Außenseiterbande

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Me and Earl und the Dying Girl

Von Andreas Eckenfels

Tragikomödie // Vom Erwachsenwerden, der ersten Liebe, Freundschaft und dem Tod erzählten zuletzt der romantische „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ und der übernatürliche „Wenn ich bleibe“. Auch „Ich und Earl und das Mädchen“ schlägt in diese Kerbe, doch versucht das Jugenddrama von Regisseur Alfonso Gomez-Rejon („Warte, bis es dunkel wird“) der ernsten Thematik vor allem mit viel Humor zu begegnen. Autor Jesse Andrews hatte laut eigenen Worten auch diesen Witz im Sinn, als er seinen Debütroman verfasste, um mit seiner Geschichte den Tod seines Großvaters zu verarbeiten. Er durfte sein Werk selbst zum Drehbuch adaptieren.

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Earl (l.) und Greg sind „Arbeitskollegen“

Der 17-jährige Greg (Thomas Mann) hat sich in der Highschool einen todsicheren Überlebenstrick ausgedacht: Er vermeidet soziale Kontakte. Hauptsache nicht auffallen – so lautet seine Devise. So bleibt er für einen Großteil seiner Mitschüler weitgehend unsichtbar. Sein einziger Kumpel ist Earl (RJ Cyler) – allerdings stellt ihn Greg nur als seinen „Arbeitskollegen“ vor. Den Begriff „Freund“ vermeidet er in diesem Zusammenhang; eine zu enge Bindung soll das Ganze ja auch nicht werden.

Die Filmemacher und das Mädchen

Greg und Earl teilen allerdings eine Leidenschaft: Sie drehen ihre eigenen Versionen von Filmklassikern. Mit bescheidenen Mitteln haben die „Arbeitskollegen“ mehr als 40 Kurzfilme mit Titeln wie „A Sockwork Orange“, „Ate ½ (of My Lunch)“ oder „Don’t Look Now, Because a Creepy-Ass Dwarf Is about to Kill You!!! Damn.“ inszeniert. Die Parodien zeigen die beiden allerdings niemandem – bis Greg die krebskranke Rachel (Olivia Cooke, „The Quiet Ones“) kennenlernt.

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In der Schule hatte Greg mit Rachel (l.) eigentlich nie viel zu tun

Gregs Mutter (Connie Britto) verpflichtet ihren Sohn dazu, der an Leukämie erkrankten Nachbarstochter einen Besuch abzustatten. Was zunächst äußerst widerwillig beginnt, wird für Greg und Rachel zunehmend zu einem täglichen Ritual. Rachel versteht Gregs seltsamen Humor, deswegen traut er sich auch, ihr seine und Earls „Meisterwerke“ vorzuführen. Doch ihre Krankheit lässt sich nicht aufhalten. Während sich Rachels Zustand immer mehr verschlechtert, beschließt Greg, für sie einen ultimativen Abschiedsfilm zu drehen.

Crowd-Pleaser und Kritikerliebling

Eine besondere Ehre wurde „Ich und Earl und das Mädchen“ gleich nach seiner Premiere zuteil: Auf dem Sundance Festival 2015 wurde der Film sowohl mit dem Publikumspreis als auch mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet. Er ist also ein echter Crowd-Pleaser und begeisterte gleichzeitig auch die Kritiker. Viele weitere Preise folgten für diese wunderbar herzerwärmende Mischung aus Komödie und Drama.

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Gregs Vater mit Cat Stevens

Durch einige Trickszenen, den herrlichen Filmparodien und Gregs Off-Kommentaren erinnert der Film am ehesten an die Werke von Wes Anderson. Doch Gomez-Rajon findet seinen ganz eigenen skurril-humorvollen Erzählstil, gespickt mit vielen visuellen Ideen. Dazu der Soundtrack von Brian Eno.

Klaus Kinski und Titties

Zu den drei großartigen Jungdarstellern – grandios: Thomas Mann, wenn er Klaus Kinski mit deutschem Akzent imitiert, der supercoole Newcomer RJ Cyler, wenn er einfach nur „Titties“ sagt, und die süße Olivia Cooke, die für ihre Rolle die Haare abrasieren musste – gesellt sich mit Connie Britto, Nick Offerman, Molly Shannon und Jon Bernthal eine namhafte Nebendarstellerriege, die sich in ihren verrückten Rollen sichtlich wohlfühlt.

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Ziemlich beste Freunde: Rachel, Greg und Earl

„Ich und Earl und das Mädchen“ zählt für mich zu meinen persönlichen Top 10 des Filmjahres 2015. Nicht nur, weil überall Plakate von Motiven aus meiner geliebten Criterion Collection zu sehen sind, sondern weil es ein ehrlicher, humorvoller und lebensbejahender Film ist, der trotz des Themas nie melodramatisch auf die Tränendrüse drückt. Er erzählt davon, dass man sich vor nichts verstecken sollte und dass es nie zu spät dafür ist, andere Menschen kennenzulernen, da jede neue Begegnung eine Bereicherung für das weitere Leben sein kann.

Veröffentlichung: 24. März 2016 als Blu-ray und DVD

Länge: 106 Min. (Blu-ray), 100 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 6
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französisch u.a.
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch u.a.
Originaltitel: Me and Earl and the Dying Girl
USA 2015
Regie: Alfonso Gomez-Rejon
Drehbuch: Jesse Andrews
Besetzung: Thomas Mann, RJ Cyler, Olivia Cooke, Connie Britto, Nick Offerman, Molly Shannon, Jon Bernthal, Matt Bennett, Katherine Hughes
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Alfonso Gomez-Rejon, Entfallene Szenen, Gregs Film für Rachel, Die Entstehung des Films, Eine Unterhaltung mit Martin Scorsese und Alfonso Gomez-Rejon, Trailer zu Gregs Film, Ein Film von Greg Gaines und Earl Jackson, Filmografien von Greg Gaines und Earl Jackson, Bildergalerie, Original Kinotrailer
Vertrieb: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Fotos, Packshot & Trailer: © 2016 Twentieth Century Fox Home Entertainment

 

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