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Lion – Der lange Weg nach Hause: Der verlorene Sohn

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Lion

Kinostart: 23. Februar 2017

Von Volker Schönenberger

Familiendrama // Der fünfjährige Saroo schlief eines Nachts im indischen Khandwa in einem Zug ein, als er auf seinen Bruder wartete. Als er erwachte, fand er sich in voller Fahrt wieder, ohne Möglichkeit, den Zug zu verlassen – bis im 1.600 Kilometer von seiner Heimatstadt und seiner Familie entfernten Kalkutta die Türen geöffnet wurden. Weil er weder seinen Familiennamen noch den Namen seines Wohnorts kannte, blieb er als Gestrandeter in der westbengalischen Metropole, lebte dort wochenlang auf der Straße, bis er in ein Waisenhaus kam. Versuche der Behörden, ihn zu identifizieren wieder mit seiner Familie zu vereinen, blieben erfolglos. Nach einiger Zeit wurde Saroo von den Eheleuten Sue and John Brierley adoptiert, die ihn in ihre Heimat Hobart mitnahmen, der Hauptstadt des australischen Bundesstaats Tasmanien.

25 Jahre später fand Saroo seine Familie wieder.

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Der kleine Saroo fährt ins Ungewisse

Puh – allein der Gedanke daran lässt erschaudern. Die bewegendsten Geschichten schreibt doch immer noch das Leben, und es verwundert nicht, dass Saroo Brierleys 2014 veröffentlichte Autobiografie zügig als Film umgesetzt worden ist. Dem indischen Knirps Sunny Pawar gelingt es in seinem Filmdebüt spielend, dass wir mit dem jungen Saroo mitleiden, wohl wissend, dass er erst als Erwachsener Erlösung finden wird.

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Die Eheleute Brierley adoptieren den verlorenen Jungen

Die Adoption durch die von Nicole Kidman und David Wenham verkörperten Eheleute Brierley erfolgt im Film nach einer Dreiviertelstunde. Bald darauf adoptieren sie einen weiteren, etwas älteren indischen Jungen – Mantosh, anfangs gespielt von Keshav Jadhav, als Erwachsener von Divian Ladwa. Zügig erfolgt dann ein Zeitsprung, Saroo (Dev Patel, „Slumdog Millionär“) ist nun ein junger Mann, der in Melbourne studiert und mit seiner Kommilitonin Lucy (Rooney Mara) eine Beziehung beginnt. Bei einer Verabredung mit Freunden bringt der Anblick der Süßspeise Jalebi eine ferne Erinnerung zurück. Er erhält den Tipp, Google Earth zu nutzen, um seine Heimatstadt zu finden.

Nominiert für sechs Oscars

Sechs Oscar-Nominierungen sind der Lohn für ein von Anfang bis Ende bewegendes Drama: als bester Film, für Nebendarstellerin Nicole Kidman und Nebendarsteller Dev Patel, für das beste adaptierte Drehbuch, die Kamera und den Score. Kidmans Rolle nimmt allerdings wenig Raum ein, ein Monolog mit Tränen in den Augen ist die nachhaltigste Szene, das reicht der Academy offenbar schon für eine Nominierung. Da „Lion – Der lange Weg nach Hause“ bei den Golden Globes trotz vier Nominierungen leer ausging, geht der Film nicht als Favorit in die Oscar-Verleihungen.

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Student Saroo beginnt eine Beziehung mit Lucy …

Am Ende drückt der Werbefilmer Garth Davis in seinem Spielfilm-Regiedebüt etwas sehr auf die Tränendüse, aber mal ehrlich: Bei solchen Filmen will man doch auch zum Taschentuch greifen. Wie wäre Saroos Leben verlaufen, wäre er nicht durch eine kleine Unachtsamkeit von seiner Familie getrennt worden? Die Adoption verschaffte ihm eine geborgene Kindheit und eine Zukunft. Aber kann das den Verlust aufwiegen, den er erlitten hat? Saroos Drang, seine Familie zu finden, gibt die Antwort vor.

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… und nimmt die Suche nach seinen Wurzeln auf

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Nicole Kidman und/oder Rooney Mara sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet.

Länge: 118 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Lion
AUS/USA/GB 2016
Regie: Garth Davis
Drehbuch: Luke Davies, nach Saroo Brierleys Autobiografie „A Long Way Home“
Besetzung: Sunny Pawar, Dev Patel, Nicole Kidman, Rooney Mara, Abhishek Bharate, Priyanka Bose, Tannishtha Chatterjee, Nawazuddin Siddiqui, David Wenham
Verleih: Universum Film / Tobis

Copyright 2017 by Volker Schönenberger

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2017 Universum Film / Tobis

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 2017/02/22 in Film, Kino, Rezensionen

 

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Stanley Kubrick (III): Eyes Wide Shut – Strangers in the Night

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Eyes Wide Shut

Von Simon Kyprianou

Drama // Dr. William Harford (Tom Cruise) hatte Streit mit seiner Frau Alice (Nicole Kidman). Kurz darauf wird er mitten in der Nacht zu einer Patientin gerufen. Der Besuch artet in einer surrealen Odyssee durch die Nacht aus, die Williams Realität aus den Fugen geraten lässt.

Masken als Metapher

„Eyes Wide Shut“ ist eine fragmentarische Odyssee, ein zynisches Vexierspiel, ein exzessiver Rausch, untergliedert in Episoden, die sich am Ende alle als Sackgassen entpuppen. Kubrick lässt Tom Cruise eine Reise ohne Ziel und Grund antreten, nur um am Ende wieder am Anfang anzukommen. Die Maskerade der Gesellschaft hält Kubrick hier sprichwörtlich auf der Bildebene fest, in einer beinahe schon frech-offensichtlich entgleisenden Metapher.

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„Eyes Wide Shut“ ist ein Film über die unkontrollierbaren Untiefen und Strömungen des Schicksals und des Zufalls, die unser Leben lenken, aus der Bahn werfen und zum Kentern bringen. Kubricks wunderschöne Bilder sperren uns meist ein und beengen uns: in Apartments, Schlösser, Wohnungen, Cafés – in ständig wiederkehrende Situationen unerbittlicher menschlicher Konfrontation.

Ein Rätsel von einem Film

Nur zwischendrin können sich die Bilder befreien, auf den Straßen von New York, die die Episoden miteinander verbinden. Dabei bedient sich der Film einer Wiederholungsstruktur: Einmal lässt sich William durch die verschiedenen Stationen der Nacht treiben, danach sucht er sie bei Tag erneut auf, um zu versuchen ihr Geheimnis zu lösen. Am Ende aber bleibt „Eyes Wide Shut“ geheimnisvoll. Kubrick findet sich ab mit der Unmöglichkeit von Wahrheiten und Antworten, der Unmöglichkeit klar zu sehen, selbst wenn die Augen weit aufgerissen sind. Der Film verbleibt als Frage, als Angriff, als Rätsel – ein unnahbarer, großer letzter Film. Vielleicht sogar Kubricks bester Film.

Verfilmung der „Traumnovelle“ von Arthur Schnitzler

Die Option zur Verfilmung von Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“ hatte sich Stanley Kubrick bereits 20 Jahre vor Entstehung von „Eyes Wide Shut“ gesichert. Die Handlung verlegte er von Wien ins moderne New York City, ansonsten hielt sich Kubrick aber überraschend werktreu an die Vorlage.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Stanley Kubrick sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Nicole Kidman in der Rubrik Schauspielerinnen, Filme mit Tom Cruise unter Schauspieler.

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Veröffentlichung: 6. November 2014 als Blu-ray in „The Masterpiece Collection“, 20. Mai 2011 als Blu-ray in der „Visionary Filmmaker Collection“, 6. Dezember 2007 als Blu-ray, 7. Dezember 2007 als 2-Disc Special Edition DVD, 23. August 2001 als DVD

Länge: 159 Min. (Blu-ray), 153 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch u. a.
Originaltitel: Eyes Wide Shut
GB/USA 1999
Regie: Stanley Kubrick
Drehbuch: Stanley Kubrick, Frederic Raphael, nach Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“
Besetzung: Tom Cruise, Nicole Kidman, Marie Richardson, Vinessa Shaw, Sky du Mont, Sydney Pollack, Todd Field, Rade Serbedzija, Leelee Sobieski, Fay Masterson
Zusatzmaterial: k. Ang.
Vertrieb: Warner Home Video

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Copyright 2016 by Simon Kyprianou
Packshots: © Warner Home Video

 

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The Railway Man – Die Liebe seines Lebens: Von Zügen und Folter

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The Railway Man

Von Matthias Holm

Drama // Die Schlacht um Singapur 1942 stellt bis heute eine der größten Niederlagen des britischen Militärs dar. Die daraufhin gefangenen Soldaten wurden in Arbeitslager gesteckt, viele von ihnen arbeiteten an der Eisenbahnlinie von Siam nach Burma, die bereits 1957 in David Leans Klassiker „Die Brücke am Kwai“ mit Alec Guinness thematisiert wurde. Nun erzählt „The Railway Man“, basierend auf dem gleichnamigen autobiografischen Buch, vom Schicksal von Eric Lomax.

Gefangen in Singapur

Eric Lomax (Colin Firth) lernt im Zug die attraktive Patti (Nicole Kidman) kennen. Die beiden verlieben sich, nach einiger Zeit heiraten sie. Doch etwas quält Eric, er neigt zu Wutausbrüchen. Patti weiß, dass der Grund dafür in seiner Vergangenheit liegen muss, zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Sie kontaktiert Erics ehemaligen Kameraden Finlay (Stellan Skarsgård). Der erzählt Patti davon, wie ihre Einheit nach der britischen Kapitulation gefangen genommen wurde – und warum es der Japaner Nagase (jung: Tanroh Ishida, älter: Hiroyuki Sanada) auf Eric (jung: Jeremy Irvine) abgesehen hatte.

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Eric wird …

Der deutsche Zusatztitel „Die Liebe seines Lebens“ ist absolut unnötig. „The Railway Man“ ist nicht mal im Ansatz ein Liebesfilm. Patti bringt zwar den Stein ins Rollen, letzten Endes dreht sich der Film aber um die Bewältigung der Vergangenheit und um Vergebung.

Farbenfrohes Singapur, graues England

Dabei kann sich Regisseur Jonathan Teplitzky auf zwei Dinge komplett verlassen: Zum einen sind das die Bilder seines Kameramanns Gary Phillips. Gerade die Szenen in Singapur sind enorm farbenfroh und kraftvoll – man spürt förmlich das schwüle Klima. Im Gegensatz dazu ist England blass und grau, vor allem, je weiter Eric in seine Psychosen abdriftet.

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… von seiner Vergangenheit heimgesucht

Zum anderen hat Teplitzky ein famoses Darsteller-Ensemble zusammenbekommen. Allen voran ist da natürlich Colin Firth, der als Eisenbahn-Enthusiast und Kriegsveteran famos aufspielt und dem man seine Stimmungsschwankungen perfekt ansieht. Nicole Kidman hält sich dagegen etwas zurück, gibt ihrer Patti dadurch aber auch eine gewisse Würde.

Verwirrende Zeitsprünge

Nur die Erzählstruktur des Films ist etwas konfus geraten. Gerade zum Anfang verwirren die häufigen Zeitsprünge. Auch schafft der Film es nicht, ein erzählerisches Gleichgewicht zwischen seiner Haupthandlung und dem Kriegsgeschehen zu finden, die beiden Erzählstränge buhlen teilweise zu sehr um die Aufmerksamkeit der Zuschauer.

„The Railway Man“ ist ein gutes Zeitporträt geworden, das auch nicht vor einigen fiesen Folterszenen zurückschreckt. Nur vermischen sich leider die beiden narrativen Ebenen nicht zu einem stimmigen Ganzen, sodass der Film nur das Prädikat „sehenswert“ bekommt.

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Patti will ihrem Mann helfen

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Nicole Kidman sind in unserer Rubrik Schauspielerinnen aufgelistet, Filme mit Colin Firth in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 26. November 2015 als Blu-ray und DVD

Länge: 108 Min. (Blu-ray), 104 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Railway Man
AUS/GB/CH 2013
Regie: Jonathan Teplitzky
Drehbuch: Frank Cottrell Boyce, Andy Paterson, nach dem Roman von Eric Lomax
Besetzung: Colin Firth, Nicole Kidman, Stellan Skarsgård, Hiroyuki Sanada, Jeremy Irvine, Tanroh Ishida
Zusatzmaterial: Making-of, Trailer, Trailershow
Vertrieb: Koch Media

Copyright 2015 by Matthias Holm

Fotos, Packshots & Trailer: © 2015 Koch Media

 
 

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