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Ninja – Die Killermaschine: Ein Shinobi im Wilden Westen

Enter the Ninja

Von Lucas Gröning

Action // Wenn man Kinder fragt, was sie werden wollen, wenn sie erwachsen sind, kommen vermutlich viele Antworten, die sich auf die jeweils aktuelle, oder auch die historisch gewachsene Popkultur beziehen. Einige werden antworten, dass sie sich als Cowboy Schussduelle im wilden Westen liefern wollen, einige wollen ihr Schwert wie ein glorreicher Ritter für die Krone des Königs schwingen, wiederum andere wollen wie Luke Skywalker oder Rey mit einem Lichtschwert gegen die bösen Sith in den Kampf ziehen. All diese Beispiele werden durch eine spezifische Eigenschaft geeint: den Kampf. Die Anwendung von Gewalt fasziniert uns bereits in Kindertagen und diese Faszination lässt uns, einmal implementiert, für den Rest unseres Lebens wohl nicht mehr los.

Cole absolviert erfolgreich seine Ausbildung zum Ninja

Ein weiteres Beispiel für eine Figur, die sich in die vorher benannte Reihe problemlos einfügen könnte, ist der Ninja. Ich für meinen Teil war bereits als Kind fasziniert von den dunklen, vermummten Gestalten, die in der Lage sind, sich durch die Nacht zu schleichen und ihre Feinde auf die leise, unbemerkte Weise auszuschalten. Stets wohnte diesen Figuren eine mysteriöse, unergründliche Seite bei, und die eigentlichen Motive ihres Handelns blieben, wie sie selbst, im Dunkeln. Dadurch werden die im feudalen Japan entstandenen Assassinen zum einen extrem interessant, zum anderen wohnt ihren schnellen, präzisen Kampftechniken etwas unglaublich, nun ja, Cooles bei.

Vom Regisseur von „Delta Force“

Umso mehr freute ich mich auf den Film „Ninja – Die Killermaschine“ von Menahem Golan, produziert im Hause Cannon Films. Der Israeli ist vor allem bekannt für seine Regiearbeiten „Delta Force“ (1986) mit Chuck Norris und „Over the Top“ (1987) mit Sylvester Stallone sowie als einer der beiden Köpfe von Cannon Films. Für „Enter the Ninja“, so der Originaltitel, holte sich Golan erneut einen absoluten Superstar an seine Seite, der die Hauptfigur seines Filmes spielen sollte: Franco Nero. Der Italiener erlangte weltweit Berühmtheit für seine Darstellung der Figur Django in Sergio Cobuccis gleichnamigem Italowestern von 1966, der außer vielen inoffiziellen Fortsetzungen mit „Djangos Rückkehr“ (1987) auch ein offizielles Sequel nach sich zog, in welchem Nero erneut mitwirkte. Fortsetzungen hat auch „Ninja – Die Killermaschine“ zu bieten. In „Die Rückkehr der Ninja“ (1983) und „Die Herrschaft der Ninja“ (1984) übernahm jedoch nicht mehr Franco Nero die Hauptrolle, sondern ausgerechnet ein Darsteller, der im ersten Film einen der Gegenspieler des Italieners mimt: Shō Kosugi, für den „Ninja – Die Killermaschine“ das Leinwanddebüt markierte. Der Streifen war Startschuss dafür, dass sich Kosugi in den 80er-Jahren zu einem der profiliertesten Darsteller für Ninja-Filme entwickelte.

Folglich nimmt Cole den Kampf gegen eine Vielzahl von Verbrechern auf, doch …

Nun zum Film selbst, in welchem ein gewisser Zachi Noy („Eis am Stiel“) eine Nebenrolle als „The Hook“ hat: Die Story erzählt sich relativ gradlinig und unkompliziert: Der Amerikaner Cole (Franco Nero) will unbedingt in den Rang eines Ninjas erhoben werden und muss für diese Ehre eine letzte Prüfung bestehen. Nachdem er diese erfolgreich hinter sich gebracht hat, wird er von seinem Meister, sehr zum Missfallen seines Kontrahenten Hasegawa (Shō Kosugi), zum Ninja ernannt. Hasegawa sieht Cole aufgund seiner amerikanischen Abstammung als unwürdig des Ranges eines Shinobi an. Im Anschluss verlässt Cole den Orden, um seinen alten Freund Frank (Alex Courtney) auf den Philippinen zu besuchen. Frank, mit dem Cole vor langer Zeit gemeinsam beim Militär war und dort im angolanischen Buschkrieg gekämpft hat, ist inzwischen zum Alkoholiker mutiert und lebt mit seiner Frau Mary Ann (Susan George) auf einem Anwesen. Die beiden besitzen darüber hinaus Teile des umliegenden Landes und stellen diese als Arbeitsfläche für die Einheimischen zur Verfügung. Schon bald wird Cole klar, dass das idyllische Leben trügerisch ist, denn die Schergen des Immobilienmoguls Venarius (Christopher George) tyrannisieren die Bevölkerung und versuchen alles, um Frank dazu zu bringen, ihrem Boss das Areal zu überschreiben. Nun ist es an Ninja Cole, sich dem Despoten in den Weg zu stellen. Nach einigen verherrenden Niederlagen ersucht Venarius selbst die Hilfe eines Ninjas, der sich dem Neuankömmling in den Weg stellen soll, womit die Stunde von Coles altem Rivalen Hasegawa schlägt.

Eine Orgie der Gewalt

Viele Gedanken kamen mir beim Sichten des Films in den Sinn und lange fragte ich mich, was das übergeordnete Thema von Menahem Golans Film ist. Geht es um die Macht des raubtierhaften Kapitalismus, der auch vor kriminellen Handlungen nicht zurückschreckt, um sich die Schwächsten der Gesellschaft einzuverleiben? Geht es, in diesem Zusammenhang, um das Klären von Eigentumsverhältnissen zwischen dem Großkapital und dem Kleinbürgertum? Bearbeitet der Film Fragen von Rassismus und der Zuschreibung von Identitäten aufgrund von Herkunft? Nach dem Sichten muss man sagen: Es ist all das und doch nichts davon. „Ninja – Die Killermaschine“ zieht all diese Themen auf, mal mehr mal weniger stark, weigert sich jedoch, sie konsequent zu bearbeiten. Stattdessen nimmt er eine klare Position in all diesen Bereichen ein und konzentriert die jeweiligen Gegenseiten in den Antagonisten des Films, namentlich in Venarius und seinen Schergen. Diese repräsentieren das kriminelle, bösartige, rassistische Großkapital. Folglich fällt es auch uns Zuschauern einfach, diese als Antagonisten fern jeder Ambivalenz anzunehmen und ihnen bis zum Finale nur das Schlechteste zu wünschen. Cole, Frank und Mary Ann wiederum repräsentieren die Gegenseite. Cole zieht als strahlender, die Antagonisten bekämpfender Held die Zuschauer ganz automatisch auf seine Seite, Frank wirkt mit all seinen Problemen und seiner dennoch kämpferischen Art sympathisch und Mary Ann zieht als sich um ihren Mann sorgende und kümmernde, aber dennoch emanzipierte Frau ganz automatisch die Sympathien auf sich. Diesen krassen Gegensatz und diese klare Klassifikation in Gut und Böse nutzt der Film, um der Seite der Antagonisten eine Welle der Gewalt entgegenzuschleudern, die vom Zuschauer schon fast nicht mehr hinterfragt werden kann. Dafür landete „Ninja – Die Killermaschine“ 1983 auf dem bundesdeutschen Index, 2008 erfolgt turnusmäßig nach 25 Jahren die Listenstreichung.

Wildwest auf den Philippinen

Neben dem Zuschauer ist es auch der Staat, der die dort herrschenden Konflikte nicht hinterfragt. Im Gegensatz zum Zuschauer nimmt er jedoch nicht einmal mehr eine klare Position ein, er enthält sich dem laufenden Konflikt gänzlich. Die Länderein auf den Philippinen werden so zu einem unkontrollierten, gesetzlosen Raum, in dem stattdessen das Recht der Stärkeren gilt. In gewisser Weise erinnert die dargestellte Welt an den Wilden Westen, der sich ebenfalls durch eine teils rechtsfreie Zone auszeichnet, womit eine direkte Referenz an die Schauspielkarriere von Hauptdarsteller Franco Nero gegeben ist. Gerade der von ihm verkörperte Cole versucht, anstelle des Staates die Ordnung wiederherzustellen und der unkontrollierten Macht der Tyrannei Einhalt zu gebieten. In dieser Rolle des klassisch-westlichen Helden macht Nero einen hervorragenden Job, eine allzu große Herausforderung wird an ihn jedoch nicht gestellt. Er gibt den sympathischen Strahlemann, verhaut die bösen Jungs und spendiert dem Zuschauer ab und an ein paar ganz witzige One-Liner. Lediglich in den Passagen, in denen Nero tatsächlich in das Kostüm eines Ninjas schlüpft und mit der Eleganz eines Shinobi gegen die heraneilenden Feinde kämpft, fremdelt er mit seiner Rolle. Es sind Passagen, die charakterlich so gar nicht zu Neros eigener Existenz als Darsteller, aber auch nicht zu seinem generell sehr an einen Cowboy angelehnten Charakter passen wollen. Die geistliche, nachdenkliche, und in sich gekehrte Identität als Shinobi tut sich schwer damit, sich mit der zu vereinbaren, die Cole repräsentiert, wenn er als Zivilbürger unterwegs ist. Die dadurch entstehende Unglaubwürdigkeit ist die wohl größte Schwäche des Films.

… bald stellt sich ihm sein alter Feind Hasegawa in den Weg

Es bleibt nicht die einzige. Die Kulissen sind teilweise recht lieblos und detailarm gestaltet, die Bilder zeugen in den meisten Fällen von wenig Innovation und die Dialoge wirken in weiten Teilen schon recht trashig. Wenn man allerdings in der Lage ist sich auf diesen trashigen Charakter einzulassen, wird man mit „Ninja – Die Killermaschine“ recht viel Spaß haben können. Wer sich sich allerdings auf die Suche nach einem ernsten Ninja-Film mit glaubwürdigen Darstellern, vielschichtigen Figuren und vielleicht auch spektakulären Actionsequenzen begibt, ist bei Golans Werk an der falschen Adresse.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Franco Nero haben wir in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Veröffentlichung: 4. Oktober 2019 und 22. Mai 2012 als Blu-ray und DVD

Länge: 99 Min. (Blu-ray), 95 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 18
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: Enter the Ninja
Alternativtitel: Die Rache des Ninja
USA 1981
Regie: Menahem Golan
Drehbuch: Dick Desmond
Besetzung: Franco Nero, Susan George, Shô Kosugi, Christopher George, Alex Courtney, Will Hare
Zusatzmaterial: Originaltrailer, Trailershow
Label 2019: HanseSound
Vertrieb 2019: Studio Hamburg Enterprises

Copyright 2019 by Lucas Gröning

Szenenfotos & unterer Packshot: © 2019 Studio Hamburg Enterprises

 

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Teenage Mutant Ninja Turtles – Out of the Shadows: Zu viel des nicht Guten

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Teenage Mutant Ninja Turtles – Out of the Shadows

Kinostart: 11. August 2016

Von Matthias Holm

Fantasy-Action // 2014 erntete Zerstörungs-Guru Michael Bay reichlich Gegenwind für die „Teenage Mutant Ninja Turtles“-Neuverfilmung, dabei hatte er das Reboot nur produziert. Doch Regisseur Jonathan Liebesman hatte sich wohl so viel bei Bay abgeguckt, dass seine Interpretation der mutierten Schildkröten wie ein weiterer Teil des „Transformers“-Franchises wirkte – und dementsprechend bei Kritikern und vielen Fans unten durchfiel. Dennoch war dem Film einiger Erfolg beschieden und so bekommen wir – entgegen meiner in der Rezension zum ersten Teil geäußerten Hoffnung – einen zweiten Teil spendiert.

Left to right: Donatello, Michelangelo, Leonardo and Raphael in Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows from Paramount Pictures, Nickelodeon Movies and Platinum Dunes

Die Schildkröten sind zurück

Nach den Geschehnissen des Vorgängers fristen die vier Turtles weiterhin ein Dasein im Untergrund von New York City. Das ändert sich, als ihre Freundin April O’Neal (Megan Fox) herausfindet, dass der Bösewicht Shredder (Brian Tee) von seinen Gefolgsleuten aus dem Gefängnis geholt werden soll. Bei der Befreiungsaktion gelangt der finstere Japaner durch Teleportation in die schleimigen Tentakeln von Krang (Stimme: Brad Garrett). Der interdimensionale Bösewicht beauftragt Shredder, die fehlenden Komponenten des Teleportationsgeräts zu finden, damit die beiden mit einer ultimativen Waffe gemeinsam über die Erde herrschen können. Dazu gibt Krang Shredder sogar ein Geschenk mit auf den Weg: ein Mutations-Serum, mit dem er die tumben Verbrecher Bebop (Gary Anthony Williams) und Rocksteady (Sheamus) in ein Warzenschwein und ein Nashorn verwandelt. Viel zu tun also für die Ninja-Schildkröten.

Left to right: Stephen Amell as Casey Jones and Megan Fox as April O'Neil in Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows from Paramount Pictures, Nickelodeon Movies and Platinum Dunes

Casey und April helfen

Eins sei direkt gesagt: „Out of the Shadows“, so der Zusatztitel, ist besser als der 2014er-Film. Das war angesichts dessen bescheidener Qualität aber auch nicht schwierig. Die Drehbuchautoren Josh Appelbaum und André Nemec haben im zweiten Anlauf wohl verstanden, was den Reiz an den Teenage Mutant Ninja Turtles ausmacht: einfacher, pubertärer Quatsch. Gerade die neuen Antagonisten Krang, Bebop und Rocksteady passen hervorragend in diese Schiene, sie geben dem ganzen Treiben etwas von dem anarchischen Spaß, den zum Beispiel die Zeichentrickserie in den 80er- und 90er-Jahren ausgemacht hat.

Schildkröten ohne Entwicklung

Leider gilt das nicht für den Rest des Figuren-Ensembles. Die Turtles haben sich nach dem ersten Film in keiner Weise weiterentwickelt. Immer noch müssen sich die Brüder als Team vernünftig organisieren. Was im ersten Film ein durchaus plausibles Thema war, wirkt im zweiten wie ein lauer Aufguss derselben Geschichte. Und auch die neuen Konflikte innerhalb der Gruppe werden so dilettantisch eingeführt und aufgelöst, dass sie den Zuschauer kalt lassen.

Left to right: Bebop and Rocksteady in in Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows from Paramount Pictures, Nickelodeon Movies and Platinum Dunes Productions

Bebop (l.) und Rocksteady zerstören

Die von Megan Fox porträtierte April O’Neal stellt sich zwar nicht mehr ganz so blöd an wie im ersten Teil, bekommt aber auch deutlich weniger Zeit auf der Leinwand, als dass sie in irgendeiner Form relevant sein kann – mit Ausnahme ihrer ersten Szene, in der sie sich plötzlich wie ein Schulmädchen verkleiden muss. Der altbekannte Michael-Bay-Sexismus lässt grüßen, obwohl mit Dave Green jemand anders auf dem Regiestuhl sitzt. Da wir gerade bei Bays Trademarks sind: Selten hat man offensichtlicheres Product Placement gesehen. Auch der menschliche Neuzugang, „Arrow“-Darsteller Stephen Amell als Hockey-liebender Polizist Casey Jones, bleibt über die komplette Laufzeit ohne Charakter und ist einfach überflüssig.

Brauchen wir Teil 3?

Das größte Problem von „Teenage Mutant Ninja Turtles – Out of the Shadows“: Es gibt einfach zu viel von allem. Zu viele Figuren, die unwichtig sind. Zu viele peinliche Sprüche und Gags. Zu viele Schauplätze, die keine Relevanz für den Plot haben. Und natürlich ein überbordendes Finale mitsamt CGI-Overkill, das die Augen noch zwei Tage später jucken lässt. Dabei gibt es den einen oder anderen guten Ansatz, wie zum Beispiel den Soundtrack. Aber brauchen wir wirklich einen dritten Film dieses Franchises, um vielleicht endlich eine vernünftige, moderne Inkarnation der Turtles zu sehen?

Behind the scenes on the set of Teenage Mutant Ninja Turtles: Out of the Shadows from Paramount Pictures, Nickelodeon Movies and Platinum Dunes

Unauffällig ist anders

Länge: 118 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Originaltitel: Teenage Mutant Ninja Turtles – Out of the Shadows
USA/HK/CHN/KAN 2016
Regie: Dave Green
Drehbuch: Josh Appelbaum, André Nemec, nach Figuren von Peter Laird und Kevin Eastman
Besetzung: Alan Ritchson, Noel Fisher, Pete Ploszek, Jeremy Howard, Megan Fox, Stephen Amell, Tyler Perry, Brian Tee, Gary Anthony Williams, Sheamus
Verleih: Paramount Pictures Germany GmbH

Copyright 2016 by Matthias Holm

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Paramount Pictures Germany GmbH

 

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