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Tod im Watt: Die Flut ist pünktlich

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Gastrezension von Matthias Holm

TV-Krimidrama // Der deutsche Film steckt in einer Krise. Mit dieser Behauptung stehe ich vermutlich nicht allein da. Im Kino sind nur noch Produktionen vom Kaliber Schweiger / Schweighöfer erfolgreich, im Fernsehen läuft nur der „Tatort“ rund. Umso schöner, wenn mal ein interessanter Film aus Deutschland kommt, denn das ist Thomas Bergers „Die Flut ist pünktlich“ allemal.

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Was hat die Eheleute so entfremdet?

Eines Morgens wird ein Toter im Watt aufgefunden. Die einzige Polizistin vor Ort, Maike (Bernadette Heerwagen), kennt den Mann persönlich: Es ist Alexander Halbach (August Zirner), Besitzer eines Ferienhauses und Vater von Mia (Leonie Benesch), einer Freundin von Maike. Ist der erfahrene Wattwanderer von der Flut überrascht worden? Oder verbirgt seine Witwe Bettina (Ina Weisse) etwas? Sie hat offensichtlich ein Verhältnis mit dem Pensionsbesitzer Tom (Jürgen Vogel).

„Die Flut ist pünktlich“, der 2013 beim Filmfest Hamburg lief und am 24. Februar im ZDF seine TV-Premiere hatte, wirkt typisch norddeutsch. Die Landschaft ist wunderbar fotografiert, sodass man in Toms Pension am liebsten gleich ein Zimmer mieten möchte. Doch die schöne Umgebung verbirgt so einiges.

Dabei ist die Krimihandlung nur zweitrangig. In erster Linie geht es um die Geschichte zweier Eheleute, die sich wegen fehlender Kommunikation auseinander leben. In Rückblenden erfährt man Ausschnitte aus den letzten Stunden von Alexander und wie er versucht, mit seiner Frau ins Reine zu kommen. Auch bei Maike und ihrem Vater (Jan Peter Heyne) fehlt es an Gesprächen. Der Vater will es nicht wahrhaben, dass seine Tochter von der Insel will, und beendet jedes Gespräch, das in diese Richtung geht.

Die Stille und das typisch Norddeutsche machen sich auch in der Inszenierung bemerkbar. Der Film hat viele stille Momente und ist sehr ruhig und gelassen. Nur die Hintergrundmusik scheint nie Ruhe zu geben.

Mit superben Darstellern und einer interessanten Geschichte, die mit einer schmerzlichen Auflösung aufwartet, ist „Die Flut ist pünktlich“ kein Meilenstein der deutschen Fernsehunterhaltung geworden, aber immerhin ein Lichtblick, dass in Deutschland nicht nur schmierige Mainstream-Komödien gedreht werden.

Veröffentlichung: 28. März als DVD

Länge: 89 Min.
Altersfreigabe: FSK 12
Sprachfassungen: Deutsch
Untertitel: keine
D 2013
Regie: Thomas Berger
Drehbuch: André Georgi, nach einer Erzählung von Siegfried Lenz
Besetzung: Ina Weisse, August Zirner, Bernadette Heerwagen, Jürgen Vogel, Leonie Benesch, Nicolette Krebitz
Zusatzmaterial: –
Vertrieb: Studio Hamburg Enterprises

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Maikes Papa ist ein norddeutscher Bauer, wie er im Buche steht

Copyright 2014 by Matthias Holm
Fotos & Packshot: © 2014 Studio Hamburg Enterprises

 

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Viel Meer: Die Nordsee – Unser Meer

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Gastrezension von Anja Rohde

Natur-Doku // Vom norddeutschen Wattenmeer über die norwegischen Fjorde nach Schottland, Holland und zurück – die Nordsee und die Landschaft drumherum sind überall traumhaft schön. Das von der NDR-Naturfilmschmiede „Doclights“ im Frühjahr 2013 ins Kino gebrachte Projekt zeigt in technisch perfekten Aufnahmen Küstenlandschaften, typische Menschen und vor allem Tiere, unter und über Wasser – nun auch auf DVD und Blu-ray.

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Schon schön hier

„Das wär‘ doch was für den Beamer“, sagt der technikaffine Mann, und recht hat er. Je größer das Bild, desto besser, denn die Aufnahmen sind grandios. Zehn Helikopterflugtage lang war das Team unterwegs, um klare, scharfe Luftaufnahmen zu machen. Für die Tieraufnahmen wurden Spezialkameras verwendet, beispielsweise HD-Highspeedkameras, mit denen ein rasanter Vogelflug ohne Gewackel begleitet werden kann und das Motiv in keinem Moment aus dem Bild rutscht. Die sensationellen Unterwasseraufnahmen sind dem Rebreather-System zu verdanken – ein Atem-Kreislauf-System für den Taucher, das keine die Tiere störenden Luftblasen verursacht und deswegen besonders nahe Einstellungen ermöglicht.

Thoralf Grospitz und Jens Westphalen sind erfahrene Naturfilmer und mehrfach preisgekrönt. Für das „Meer vor der Haustür“ können sie sich besonders begeistern: 2000 Drehtage, 60 Drehorte, tausende Reisekilometer, Spezialtechnik – und dann beobachten, heranpirschen, warten, Material sammeln. Florian Graner zeichnet für die Unterwasseraufnahmen verantwortlich. Der Meeresbiologe arbeitete als wissenschaftlicher Taucher, bevor er für den Naturfilm tätig wurde. Seine Spezialität ist Tauchen in großen Tiefen, was ihm zusammen mit dem oben genannten blasenfreien Atemsystem zu einzigartigen Aufnahmen verhilft: plaudernde Kegelrobben in einer Unterwasserhöhle, ein aasfressender Eishai, der eine tote Robbe aufspürt und wegträgt, und nicht zuletzt die wunderbare Sequenz mit einer Frau, die zusammen mit einer Robbe schwimmt und taucht.

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Es lässt sich aushalten

Axel Prahl fungiert weniger als Sprecher denn als Erzähler. Aus Schleswig-Holstein stammend, bringt er das richtige Idiom für einen Nordseefilm mit. Manchmal ist der Tonfall vielleicht ein bisschen zu nett. Es ist zwar ganz bezaubernd, wie er mit aufmunternden Worten die kleine Helgoländer Lumme anstupst, ins Wasser zu springen, aber an einigen Stellen wäre auch fast ein etwas trockenerer, mehr dokumentarischer Tonfall angebracht gewesen. Und das schreibe ich als fanatische Axel-Prahl-Verehrerin – er möge mir verzeihen.

Sein Zitat „Wenn alles, was da lebt, aus Wasser ist, dann muss das Meer doch mehr sein als nur Wasser“ allerdings passt hervorragend zu „Die Nordsee – Unser Meer“. Die gelungene Auswahl der Motive, deren abwechslungsreiche Montage, Zeitraffer und Zeitlupen zeigen die immense Vielfalt und Schönheit dieser Landschaft – das ist ein wunderbarer kleiner Urlaub auf dem Heimkinosofa.

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Kreaturen der Tiefe

Veröffentlichung: 29. November 2013 als Blu-ray und DVD

Länge: 90 Min.
Altersfreigabe: FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Holländisch
D 2013
Regie: Thomas Behrend, Florian Graner, Thoralf Grospitz, Jan Haft, Alexander Haßkerl, Christina Karliczek, Hans-Peter Kuttler, Robert Morgenstern, Felix Pustal, Ernst Sasse, Jens Westphalen, Kay Ziesenhenne
Drehbuch: Jörn Röver
Sprecher: Axel Prahl
Zusatzmaterial: Making-of, Interview mit Axel Prahl, Interview mit Producerin Britta Kiesewetter und Schnittregisseur Klaus Müller, Kinotrailer, Kinoteaser, Trailershow
Vertrieb: WVG Medien GmbH / polyband Medien GmbH

Copyright 2013 by Anja Rohde

Fotos, Packshot & Trailer: © 2013 WVG Medien GmbH / polyband Medien GmbH

 

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