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Das Filmjahr 2014 – Top 12 Simon Kyprianou (II)

6. Nymph()maniac Vol. I & II

Nymphomaniac 03 photo by Christian Geisnaes_A4

Nymph()maniac Vol. I & II, © 2014 Concorde Home Entertainment

Lars von Triers irrsinnige Sex-Odyssee ist ein kluges, emanzipiertes, feministisches, radikales Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

5. Coherence

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Coherence, © 2014 Bildstörung

Klügere und gewitztere Science-Fiction gab es lange nicht mehr zu sehen. Ein Film darüber, wie fragil und brüchig menschliche Beziehungen doch sind.

4. All Is Lost

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All Is Lost, © 2013 Universum Film

Kino aufs Wesentliche reduziert, nämlich auf den Menschen. Während andere Filme in diesem Jahr sich mehr auf Affen oder laufende Autos konzentrieren inszeniert Chandor einen durch und durch humanistischen Film. Redford liefert das beste Schauspiel des Jahres.

3. Polizeiruf 110 – Smoke on the Water

Dominik Grafs vierte Regiearbeit für die „Polizeiruf 110“-Reihe setzt den unfassbaren Wahnsinn von „Cassandras Warnung“ fort. Unzuverlässig erzählt, epileptisch geschnitten, die meiste Zeit über kaum verständlich, voller wahnsinniger Zooms und Schwenks, ein Film über die Gefahr des Digitalen, über die Gefahr der Technisierung, ein Thriller-Ungeheuer. Fernsehen, das das Kino alt aussehen lässt.

2. Maps to the Stars

I love this film more than I love my own mustache, hat John Waters gesagt.
Der lustigste Film des Jahres und wohl auch der radikalste, die groteske Selbstverbrennungs-Szene muss man wahrlich gesehen haben. Regisseur David Cronenberg schießt so brutal und ungnädig gegen Hollywood, dass man sich fragt ob man weinen muss oder lachen darf. Bei „Die Nacht der lebenden Texte“ startet im Februar eine Rezensionsreihe über Cronenberg, zu der ich u. a. einen Beitrag über „Maps to the Stars“ liefern werde, also haltet uns die Treue.

1. Zwei Tage, eine Nacht

Der schönste, mutigste, intelligenteste und schmerzhafteste Film des vergangenen Jahres. Humanistisches Kino, kritische Betrachtung der Gesellschaft und doch herrlich unpolitisch. Kraftstrotzendes Kino!

Zu meinen Rängen 12 bis 7 geht’s hier.

Copyright 2015 by Simon Kyprianou

 
 

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Nymph()maniac Vol. I & II – Amoralisches Porno-Epos!?

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Nymph()maniac Vol. I & II

Von Simon Kyprianou

Drama // Die Erwartungen auf „Nymph()maniac“ wurden im Vorfeld schon durch von Triers gewitzt-freche Werbekampagne befeuert und mit Vorab-Skandalen geschwängert. Wenn man dann jedoch den Film sieht muss man sich ob der Harmlosigkeit des Films fragen, wo all diese Skadale und Amoralitäten abgeblieben sind – von Trier hat uns offenbar lustvoll an der Nase herumgeführt.

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Joe liegt verprügelt in der Gasse – das Unheil beginnt

Die verprügelte Joe (in der Gegenwart: Charlotte Gainsbourg, als junge Frau: Stacy Martin) wird von Seligman (Stellan Skarsgård) in einer Gasse gefunden. Er will ihr helfen und nimmt sie mit nach Hause, wo sie ihm eröffnet: „I am a bad human beeing“, worauf Seligman entgegnet „There are no bad human beings.“ Dann beginnt sie, ihm in acht Kapiteln ihre Lebensgeschichte zu erzählen.

Nymphomaniac 14 photo by Christian Geisnaes_A4

Joe erzählt Seligman aus ihrem Leben

Die Aufteilung in zwei Volumes und auch die Unterschiede dieser zwei Teile erinnern stark an Tarantinos „Kill Bill“. Der erste Teil ist schnell, komisch, eine Groteske, der zweite Teil wirkt ernsthafter, düsterer und nachdenklicher. Auch sonst ist der Film voll von Hommagen und Verweisen: Bergman, Kubrick, Tarkovskij und auch eigene Filme werden zitiert, mal subtil und versteckt, mal offesichtlich und komisch.

„Nymph()maniac“ ist ein Analogiefilm: Der hochintellektuelle Seligman verweist stets von Joes Bericht auf übergeordnete Sinnzusammenhänge und Wahrheiten. So hievt er die Erzählung immer wieder auf eine intellektuelle, reflektierende Ebene.

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Nur eine von vielen sexuellen Eskapaden

„Chaos Reigns“ hieß es in „Antichrist“, dabei würde dieser Ausspruch wesentlich besser zu „Nymph()maniac“ passen – hier lässt von Trier den Wahnsinn wirklich walten. Volume 1 ist ein verrückter Film, der sich keine visuelle Spielerei versagt, es ist ein wilder Mix aus düsterem Seelendrama und durchgeknallter Groteske, der jedoch nie Gefahr läuft, in die Lächerlichkeit abzudriften – eine Groteske über die Absurdität und die selbstzerstörerische Kraft der Liebe, vor allem aber von Sexualität, vor deren Wirkung und Einfluss ein jeder betroffen ist.

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Endlich wieder vereint: Willam Dafoe und Charlotte Gainsbourg

„Nymph()maniac 2“ ist ein radikaler Wechsel im Vergleich zu Teil 1. Die verrückte Groteske weicht dem ernsthaften, abgründigen Drama, wie auch die Jugend der Protagonistin Joe langsam endet (und der schauspielerische Wechsel von Stacey Martin zu Charlotte Gainsburg stattfindet).

Der Ton wird deutlich härter, und mit dem Alter wird das Leben auch langsamer. Auf diese Weise konnte Lars von Trier in Teil 1 noch fünf Episoden in 110 Minuten verpacken, in Teil 2 sind es lediglich drei Episoden in 130 Minuten. Es geht bergab mit Joe, eine geschändete Seele, verloren in sich selbst, von niemandem geliebt, allerhöchstens begehrt. Die Lust führt dazu, dass jeder Schritt sie weiter nach unten reißt, es offenbart sich der Zwist zwischen Kind und Sexualität, zwischen Liebe und Rache.

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Uma Thurman – großartig als durchgeknallte betrogene Ehefrau

Gegen Ende des Films positioniert sich Lars von Trier so direkt wie nie zuvor als Feminist und nimmt damit hoffentlich den Misogynie-Vorwürfen ein für alle Mal den Wind aus den Segeln. Er liebt seine weibliche(n) Figur(en), er fühlt mit ihnen und er leidet mit ihnen. Nicht zuletzt deswegen ist der Leidensweg von Joe auch für das Publikum so ehrlich und berührend.

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Auch Udo Kier ist mal wieder mit an Bord

Bei meiner Sichtung lag die Kinofassung vor, der etwas später erscheinende Director‘s Cut ist wesentlich länger. Die zusätzlichen Szenen sollen durchaus auch pornografischer Natur sein, aber keineswegs ausschließlich. Dem Vernehmen nach dienen sie hauptsächlich der Kohärenz der Geschichte. Vergleicht man die Spieldauern der Blu-ray-Discs ergibt sich eine Diskrepanz von mehr als 80 Minuten – es kann sich also lohnen, mit dem Kauf auf das Erscheinen des Director‘s Cuts zu warten.

„Nymph()maniac“ kann nicht ganz an die Meisterwerke von von Trier wie etwa „Breaking the Waves“ (1996) und „Europa“ (1991) anschließen, weder visuell noch intellektuell. Stellenweise wirkt es zu einfach. Sehenswerte Filme sind die beiden Teile dennoch allemal.

Nymphomaniac 03 photo by Christian Geisnaes_A4

Joe und ihre einzige wahre Liebe

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Lars von Trier sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Uma Thurman unter Schauspielerinnen, Filme mit Willem Dafoe und Udo Kier in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: Kinofassung und Director’s Cut ab 20. November 2014 jeweils als Blu-ray und DVD

Länge: 241 Min. (Kimofassung, Blu-ray), 232 Min. (Kinofassung, DVD), 327 Min. (Director’s Cut, Blu-ray), 313 Min. (Director’s Cut, DVD)
Altersfreigabe: FSK 16 (Kinofassung), FSK 18 (Director’s Cut)
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte
Originaltitel: Nymph()maniac Vol. I & II
DK/D/BEL/GB/F 2013
Regie: Lars von Trier
Drehbuch: Lars von Trier
Besetzung: Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgård, Stacy Martin, Shia LaBoeuf, Christian Slater, Jamie Bell, Uma Thurman, Connie Nielsen, Willem Dafoe, Udo Kier, Jean-Marc Barr
Zusatzmaterial: Interviews mit Charlotte Gainsbourg, Stellan Skarsgård, Stacy Martin, Shia LaBeouf, Trailer
Vertrieb: Concorde Home Entertainment

Copyright 2014 by Simon Kyprianou
Fotos & Packshots: © 2014 Concorde Home Entertainment

 

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