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Wie ein Schrei im Wind – Die Schöne und das Biest in der Wildnis

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The Trap

Von Andreas Eckenfels

Abenteuer // 50 Jahre bevor sich Leonardo DiCaprio in „The Revenant – Der Rückkehrer“ durch die kargen Wälder von British Columbia schleppt, schickt Regisseur Sidney Hayers den bulligen Oliver Reed in diesen unwirtlichen und gefährlichen, aber wunderschönen Landstrich Kanadas.

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La Bête weiß, wie man sich zur Wehr setzt

Angesiedelt Mitte des 19. Jahrhunderts, glänzt Reed als ungehobelter Trapper Jean La Bête, für den einzig das Recht des Stärkeren gilt. Drei Winter lang war er in seinem Kanu unterwegs und verdiente mit der Pelzjagd ein kleines Vermögen. Jetzt will er eine Frau finden, die hart arbeiten kann und ihm Kinder gebiert. Da trifft es sich gut, dass bei seiner Rückkehr vor der Pioniersiedlung ein Dampfschiff angelegt hat. An Bord ein trostloser Blick auf diese Zeit: verstoßene Frauen, darunter Trinkerinnen und Prostituierte, die meistbietend an die Siedler verkauft werden sollen.

Stumme Verzweiflung

Doch La Bête kommt zu spät, die besten Frauen sind schon weg. Wütend fordert der Trapper bei einem Pelzhändler (Rex Sevenoaks) 1.000 Dollar ein, die der ihm schuldet. Doch statt des Geldes schlägt die Frau (Barbara Chilcott) des Händlers La Bête ein hübsches Tauschobjekt vor: Eve (Rita Tushingham), die bei ihnen als Haushälterin lebt. Die junge Frau musste als Kind mit ansehen, wie ihre Eltern von Indianern getötet wurden. Seitdem sagt sie kein Wort. Doch das stört den Trapper nicht. Er packt die stumme Eve und ausreichend Vorräte in sein Kanu und bringt alles in seine einsam gelegene Waldhütte. La Bête bringt Eve das Jagen und das Fallenstellen bei. Doch im Bett erhält der Trapper dafür keine Gegenleistung. Die Frau bleibt distanziert. Sie ist ganz und gar nicht begeistert von ihrem neuen Leben in der Abgeschiedenheit und ihrem brutalen Partner wider Willen.

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Wer mopst da was aus meiner Hütte?

Der tägliche Überlebenskampf in der rauen Natur spielt auch in „Wie ein Schrei im Wind“ eine Rolle, viel mehr jedoch steht die Beziehung der zwei unterschiedlichen Figuren im Vordergrund. Oliver Reed beschrieb in einem Interview seine Figur als „menschliches Tier“ – dem ist nichts hinzuzufügen. Er verkörpert La Bête als eine kaum zu bändigende Naturgewalt. Im Gegensatz dazu steht die sanfte Eve, deren Verzweiflung ihr aufgrund ihres Schicksals förmlich ins Gesicht geschrieben steht. Rita Tushingham gibt als stumme Eve eine eindrucksvolle Leistung ab. Für ihr Filmdebüt in Tony Richardsons „Bitterer Honig“ hatte sie 1963 auf Anhieb unter anderem den Golden Globe gewonnen und war bei den Filmfestspielen in Cannes ausgezeichnet worden.

Dramatisches Schlussdrittel

Wie La Bête und Eve ihre Distanz langsam abbauen und er seine eigene einsame Seele zunehmend nach außen kehrt, ist hervorragend erzählt. Die Geschichte gipfelt in einem dramatischen Schlussdrittel, bei der sich die Verhältnisse umkehren: Nach einem Jagdunfall ist der starke Mann plötzlich auf die Hilfe der Frau angewiesen. Eve muss eine folgenschwere Entscheidung treffen …

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Selbst schwer verletzt gibt La Bête nicht auf

Die starken Schauspielerleistungen bilden das Fundament für den mitreißenden Abenteuerfilm. „Wie ein Schrei im Wind“ wurde größenteils an Originalschauplätzen vom Oscar-gekrönten Kameramann Robert Krasker („Der dritte Mann“) gedreht. Darüber hinaus kamen echte Tiere zum Einsatz. Der Angriff eines Pumas und eines Wolfsrudels auf Reed wirkte damals sicher ähnlich real wie DiCaprios schon jetzt legendärer Bärenkampf in „The Revenant – Der Rückkehrer“ 50 Jahre später.

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Wird Eve bei La Bête ausharren?

Veröffentlichung: 2. Juni 2016 als DVD

Länge: 100 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The Trap
USA 1966
Regie: Sidney Hayers
Drehbuch: David Osborn
Besetzung: Oliver Reed, Rita Tushingham, Rex Sevenoaks, Barbara Chilcott, Linda Goranson, Walter Marsh
Zusatzmaterial: Interview, Bildergalerie, Trailer, Booklet, Wendecover
Vertrieb: Pidax Film / Al!ve AG

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels
Fotos & Packshot: © 2016 Pidax Film / Al!ve AG

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Der Fluch von Siniestro – Der Werwolf von Weihnachten

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The Curse of the Werewolf

Von Volker Schönenberger

Horror // Welch stimmungsvoller Auftakt: Ein Bettler (Richard Wordsworth) trifft im 18. Jahrhundert ausgerechnet an jenem Tag in einer spanischen Ortschaft ein, an dem der dort herrschende Marqués Siniestro (Anthony Dawson) seine Hochzeit feiert. Der Tippelbruder begeht den fatalen Fehler, bei dem grausamen Despoten um eine milde Gabe zu bitten. Er wird gedemütigt und landet im Kerker, um dort für Jahre dahinzuvegetieren, vergessen vom Marqués. Nur die stumme Tochter des Kerkermeisters scheint Mitleid mit ihm zu haben.

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Der Bettler wird vorgeführt …

Als das Mädchen herangewachsen ist, will sich der greise Marqués an der jungen Frau vergreifen. Sie wehrt sich, dafür lässt er sie ebenfalls einkerkern. Sie landet in der Zelle des Bettlers. Der ist mittlerweile vertiert, vergewaltigt sie – und stirbt im Anschluss. Die junge Frau wird erneut zum Marqués gebracht und ersticht ihn. Ihr gelingt die Flucht in die Wälder, wo sie Monate verbringt – bis der Arzt Don Alfredo Corledo (Clifford Evans) sie findet – seine Figur fungiert mit Stimme aus dem Off als Ich-Erzähler.

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… und landet im Kerker …

Fortan wird sie gut versorgt. Und sie ist schwanger. Am Weihnachtstag bringt sie einen Sohn zur Welt. Ein böses Omen, wenn ein ungewolltes Kind dann geboren wird. Das bewahrheitet sich umgehend – die junge Frau stirbt nach der Geburt ihres Sohns, den Don Corledo Leon taufen lässt und wie einen Sohn aufzieht. Doch der Tod seiner Mutter bleibt nicht die einzige Unbill, die Leon ereilt, weil er als Kind einer Vergewaltigung an Weihnachten geboren wurde …

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… wo die Tochter des Kerkermeisters Mitleid zeigt

„Der Fluch von Siniestro“ schwelgt in Kostümen und Farben, dass es eine Freude ist, dank der prachtvollen Arbeit von Anolis Entertainment auf Blu-ray in nie gesehener Qualität zu bewundern. Die schöne lange Exposition mit den tragischen Schicksalen des Bettlers und der jungen Frau führt ganz wundervoll in die Geschichte ein, in der sich schon in der Kindheit des Knaben Leon Beunruhigendes ereignet. Doch erst, als er zum jungen Mann herangewachsen ist, bricht der Fluch von Siniestro vollends über ihn herein. Oliver Reed verkörpert ihn in seiner ersten bedeutsamen Rolle – er war im Anschluss in einigen Produktionen von Hammer Films zu sehen, darunter dem außergewöhnlichen, aber wenig bekannten Science-Fiction-Geheimtipp „Sie sind verdammt“.

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Als junge Frau trifft sie ein schreckliches Los

Kein Zufall sind die Reminiszenzen an „Der Wolfsmensch“ (1941) mit Lon Chaney jr. aus dem Hause Universal Films – aufgrund einer Distributionsvereinbarung durfte Hammer sich recht frei bei den Universal-Monstern bedienen, weshalb auch die Werwolf-Maske in „Der Fluch von Siniestro“ der von Lon Chaney jr. ähnelt.

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Geburt am Weihnachtstag

„The Rape of Sabena“ lautet der Titel eines zu Zeiten der spanischen Inquisition spielenden Films, den Hammer Films drehen wollte. Weil man Zensurbestrebungen der katholischen Kirche fürchtete, wurde das Projekt nie verwirklicht. Die Kulissen standen aber bereits, sodass die Handlung von Hammers einzigem Werwolf-Film „Der Fluch von Siniestro“ nach Spanien verlegt wurde. Dass es der einzige Werwolf-Film werden würde, war zum Filmstart natürlich keine ausgemachte Sache. Aber weil Hammer damit viele Probleme mit der britischen Zensurbehörde bekam, ließ das Studio es gar nicht erst auf weitere Versuche ankommen.

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Leon (l.) und sein Kumpel freuen sich des Lebens

Das Bonusmaterial ist exquisit (siehe unten). Ein sehr schönes Gimmick auf der Disc ist der Einbau des 18-seitigen Comics zum Film, der 1978 in der Januar-Ausgabe des Magazins „The House of Hammer“ erschienen ist. Sehenswert ist auch das 23-minütige Featurette „The Props That Hammer Built“, in dem der Hammer-Historiker Wayne Kinsey Exponate seiner Sammlung von Requisiten des Filmstudios vorstellt. Das, um nur meine zwei Favoriten des Bonusmaterials zu nennen. Auch die Aufmachung von Mediabook inklusive des ausführlichen und schön bebilderten Booklets hält das gewohnte Anolis-Niveau. Da verwundert es nicht, dass die Edition in beiden Covervarianten plus der herkömmlichen Amaray-Case-Edition mittlerweile vergriffen ist. Auf dem Sammlermarkt sind die drei Fassungen zu finden, ganz billig sind sie aber nicht mehr.

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Aber Leon trägt …

Der Werwolf als Schauergestalt des Films – das ist etwas überschaubarer als beispielsweise beim Vampir. Sowohl einige ältere Werwolf-Filme als auch modernere haben ebenso das Zeug zum Klassiker. Was das angeht, braucht sich „Der Fluch von Siniestro“ aus England beileibe nicht hinter seinem 20 Jahre älteren US-amerikanischen Vorbild „Der Wolfsmensch“ zu verstecken. Plant jemand den Aufbau eines Werwolf-Regals in der Filmsammlung? „Der Fluch von Siniestro“ gehört zwingend dort hinein.

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… ein grausames Schicksal in sich

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Terence Fisher sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Oliver Reed in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 29. August 2014 als Blu-ray im limitierten Mediabook (in zwei Covervarianten) und Blu-ray, 12. April 2013 und 24. August 2007 als DVD (Koch Media)

Länge: 92 Min. (Blu-ray), 89 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deutsch
Originaltitel: The Curse of the Werewolf
GB 1961
Regie: Terence Fisher
Drehbuch: Anthony Hinds (als John Elder), nach dem Roman „The Werewolf of Paris“ von Guy Endore
Besetzung: Clifford Evans, Oliver Reed, Yvonne Romain, Catherine Feller, Anthony Dawson, Josephine Llewellyn, Richard Wordsworth, Hira Talfrey, Justin Leon, John Gabriel, Warren Mitchell, Anne Blake, George Woodbridge, Michael Ripper, Ewen Solon
Zusatzmaterial: Exklusiver Audiokommentar mit Dr. Rolf Giesen und Volker Lange, Making-of „The Curse of the Werewolf“, Lycanthropy Featurette, Dokumentation „Von Hammer geschaffene Requisiten“ („The Props That Hammer Built“), Comic, deutscher Kinotrailer, englischer Kinotrailer, Werberatschlag, deutsche Titel- und Endsequenz, Bildergalerien, 36-seitiges Booklet
Vertrieb: Anolis Entertainment

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

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Fotos & Packshots: © 2014 Anolis Entertainment

 

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Sie sind verdammt – Unbekanntes Science-Fiction-Kleinod von Hammer Films

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The Damned

Von Volker Schönenberger

Science-Fiction // Wie viele vergessene Perlen der Filmgeschichte harren noch ihrer deutschen Erstveröffentlichung? Es dürften zahllose sein. Glücklicherweile gibt es mittlerweile einige Label, die sich dieser Aufgabe verschrieben haben. Ihnen stehen nicht immer große Mittel zur Verfügung, sodass Bild- und Tonqualität sowie das Bonusmaterial etwas zu wünschen übrig lassen. Aber besser so als gar nicht.

Eine echte Perle beschert uns explosive media mit dem in Schwarz-Weiß gedrehten „Sie sind verdammt“ von 1963, der nur auf DVD erscheint, nicht auf Blu-ray. Dabei handelt es sich um einen wenig bekannten Film der ungleich bekannteren Horrorspezialisten Hammer Films. Laut IMDb-Trivia benannten sich die englischen Punkrocker „The Damned“ danach, das konnte ich aber nicht verifizieren.

Von Halbstarken bedroht

Die Handlung lässt sich grob in zwei Abschnitte aufteilen, die unterschiedlicher kaum sein könnten – eine Uneinheitlichkeit, die gleichermaßen verwundert wie fasziniert. Zu Beginn lässt sich der reiche US-Tourist Simon Wells (Macdonald Carey) in einem südenglischen Küstenstädtchen von der jungen Joan (Shirley Anne Field) in eine Falle locken: Ihr Bruder King (Oliver Reed) und dessen Gang schlagen ihn zusammen und rauben ihn aus. Trotz allem schließt sich Joan kurz darauf Wells an. King und seine Halbstarken bleiben den beiden auf den Fersen. In der Nähe einer Militärbasis erreicht King seine Schwester und Wells, doch das Paar stürzt über die Klippe – und gelangt in eine merkwürdige unterirdische Einrichtung, in der sich neun Kinder aufhalten, offenbar abgeschnitten von der Außenwelt. Ihre Haut ist eiskalt …

Viel mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. „Sie sind verdammt“ thematisiert auf ebenso ungewöhnliche wie eindringliche Weise die damalige Angst vor einer atomaren Auseinandersetzung der Blöcke und dem nuklearen Winter. Wenn sich der Amerikaner Wells im ersten Teil mit King und seiner Gang herumplagen muss, ist noch völlig offen, in welche Richtung sich die Handlung entwickelt. Mit dem Auftreten der Kinder wechselt die Tonalität völlig, es stellt sich Beklemmung ein. Weshalb werden sie dort festgehalten? Das Ende schließlich ist finster.

Im Visier der Kommunistenjäger

Der 1909 im US-Staat Wisconsin geborene Regisseur Joseph Losey († 1984) war in den 50er-Jahren ins Visier der US-Kommunistenjäger geraten und nach Europa ausgewandert. Im Anschluss an „Sie sind verdammt“ inszenierte er das Drama „Der Diener“ und das Kriegsgerichtsdrama „Für König und Vaterland“.

Empfohlen von Joe Dante

Joe Dante, Regisseur solch feiner Horrorfilme wie „Piranhas“ und „The Howling – Das Tier“, nannte „Sie sind verdammt“ one of the key films of the 1960’s. Das mag zutreffen, der Film und speziell das Finale lassen frösteln. Das Cover und im Netz zu findende alte Plakate rücken das in den USA als „These Are the Damned“ vermarktete Werk in die Nähe des SF-Horrorfilms „Das Dorf der Verdammten“ („Village of the Damned“, 1960). Das führt in die Irre. „Sie sind verdammt“ ist ein Science-Fiction-Drama, das bei aller Düsternis doch mit nur wenigen Horrorelementen auskommt.

Bild- und Tonqualität sind besser als befürchtet. Leider befinden sich auf der DVD weder deutsche noch englische Untertitel und außer einem Trailer auch keinerlei Bonusmaterial. Diesen visuell kraftvollen Film hätte ich mir gern als aufwändiges Mediabook zugelegt. Eine echte vergessene Perle. Ein lesenswerter Text zu „Sie sind verdammt“ findet sich auch bei den Kollegen von Evil Ed.

Veröffentlichung: 28. August 2015 als DVD

Länge: 91 Min.
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch
Untertitel: keine
Originaltitel: The Damned
Alternativtitel: These Are the Damned
GB 1963
Regie: Joseph Losey
Drehbuch: Evan Jones, nach dem Roman „Children of the Light“ von H. L. Lawrence
Besetzung: Macdonald Carey, Shirley Anne Field, Oliver Reed, Viveca Lindfors, Alexander Knox, Nicholas Clay, Walter Gotell
Zusatzmaterial: Original Kinotrailer, Wendecover
Vertrieb: Al!ve AG

Copyright 2015 by Volker Schönenberger
Packshot: © 2015 Al!ve AG / explosive media

 

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