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Gewinnspiel: 2 x Platoon auf Blu-ray im Mediabook

Verlosung

Mit Charlie Sheen, Willem Dafoe, Tom Berenger, Johnny Depp und Forest Whitaker famos besetzt, gehört „Platoon“ (1986) zu den großen filmischen Aufarbeitungen des Vietnamkriegs. FilmConfect Home Entertainment hat den Auftakt von Oliver Stones Vietnam-Trilogie kürzlich exklusiv für eine Drogeriekette als Blu-ray im Mediabook veröffentlicht. Wer keine Filiale in der Nähe hat, muss nicht verzagen: Das Label hat uns zwei Exemplare zum Verlosen zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns dafür herzlich im Namen der kommenden Gewinnerinnen und Gewinner.

Teilnahmebedingungen

Weil die Preise recht wertig sind, ist diesmal zwecks Teilnahme am Gewinnspiel zweierlei zu erledigen:

1. Bitte begebt euch zu meiner „Platoon“-Rezension und beantwortet dort im Kommentarfeld die beiden Fragen am Ende des Textes.

2. Bitte begebt euch zur Rubrik Krieg/Militär und tragt dort ins Kommentarfeld eure persönliche Top 3 der Kriegsfilme ein.

Die Frist zur Teilnahme endet am Sonntag, 24. Juni, um 22 Uhr. Alle veröffentlichten Antworten landen im Lostopf. Nicht verzweifeln, wenn Ihr euren Kommentar nicht sogleich erblickt – aus Sicherheitsgründen schalten wir ihn erst frei. Das ist aber Formsache.

Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“!

Wollt Ihr kein Gewinnspiel und keine Rezension verpassen? Folgt „Die Nacht der lebenden Texte“! Entweder dem Blog direkt (in der rechten Menüleiste E-Mail-Adresse eintragen und „Folgen“ anklicken) oder unserer Facebook-Seite.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen

Teilnahmeberechtigt sind alle, die eine Versandanschrift innerhalb Deutschlands haben oder bereit sind, die Differenz zum Inlandsporto zu übernehmen. Für Transportverlust übernehme ich keine Haftung (verschicke aber sicher verpackt und korrekt frankiert, bislang sind noch alle Sendungen bei den Empfängern eingetroffen). Gewinnerinnen oder Gewinner, die sich drei Tage nach meiner zweiten Benachrichtigung nicht gemeldet haben, verlieren den Anspruch auf die Blu-ray. In dem Fall lose ich unter den leer ausgegangenen Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen neuen Namen aus.

Autorinnen und Autoren von „Die Nacht der lebenden Texte“ sowie deren und meine Familienmitglieder dürfen leider nicht mitmachen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werde ich im Lauf der Woche nach Ende der Frist bekanntgeben, indem ich diesen Text um einen Absatz ergänze, und sie auch per E-Mail benachrichtigen.

Gewonnen haben

– Lilly,
– Rainer Pampuch.

Herzlichen Glückwunsch! Ihr werdet benachrichtigt.

Die Rezension von „Platoon“ findet Ihr auch hier, unsere Rubrik Krieg/Militär auch hier.

Copyright 2018 by Volker Schönenberger

 

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Platoon – Oliver Stones Vietnamkriegs-Trauma

Platoon

Von Volker Schönenberger

Kriegsdrama // Zu den tragenden Klängen von Samuel Barbers „Adagio for Strings“ verlässt eine Schar junger Soldaten nach langem Überseeflug den Truppentransporter in Vietnam. Unter ihnen Chris Taylor (Charlie Sheen), der sich doch tatsächlich freiwillig als Infanterist – sprich: Kanonenfutter – zum Militäreinsatz in Fernost gemeldet hat. Zur Begrüßung gibt’s gleich ein paar gut gefüllte Leichensäcke zu sehen, die den Weg in die Heimat antreten, und spöttische Sprüche erfahrener GIs.

Kein Cleverle: Chris Taylor hat sich freiwillig nach Vietnam gemeldet

Kurz darauf findet sich Taylor auf kräftezehrender Patrouille im undurchdringlichen Dickicht des Dschungels wieder. Sein Sergeant Robert Barnes (Tom Berenger) zeigt sich als harter Hund, während Sergeant Elias Grodin (Willem Dafoe) Taylor immerhin fürsorglich von etwas Übergepäck befreit. Bereits nach einer Woche bereut der Freiwillige, nach Vietnam gegangen zu sein – und dabei ist er noch nicht mal einem Vietcong begegnet.

Briefe an Oma

Von Taylors Gedanken und Gefühlen erfahren wir mittels der Briefe, die er an seine Großmutter schreibt und die das Publikum per Stimme aus dem Off rezitiert bekommt. Kein abwegiger Gedanke, dass Oliver Stone dort seine eigenen Gedanken wiedergibt – der Regisseur und Drehbuchautor von „Platoon“ war als junger Mann wiederholt in Vietnam, erst als Aushilfslehrer, später in Uniform zum Kampfeinsatz, bei dem er auch Vietcong-Soldaten tötete.

Keine Gnade: Ein Dorf wird niedergebrannt

Auf den Philippinen gedreht, bildete „Platoon“ 1986 den Auftakt zu Oliver Stones Vietnam-Trilogie, die er 1989 mit „Geboren am 4. Juli“ („Born on the Fourth of July“) fortsetzte und 1993 mit „Zwischen Himmel und Hölle“ („Heaven & Earth“) beendete. Natürlich kann sich der Regisseur nicht freimachen von faszinierenden Kriegsbildern und ikonischen Motiven, dafür ist der Polit-Aktivist dann doch auch zu sehr Filmemacher – und zwar ein hochbegabter. Davon zeugt auch die vorzügliche Musikauswahl. Barber erwähnte ich bereits, das 1938 von ihm komponierte „Adagio for Strings“ erklingt mehrfach. Wenn Stone zum vietnamesischen Sonnenaufgang „White Rabbit“ von Jefferson Airplane erklingen lässt und Taylor zum ersten Mal die Kifferhöhle der „Potheads“ seiner Einheit („Platoon“) betritt, sind wir tief in soldatischer Romantik von Kameradschaft und Coolness angelangt. Wenn man gemeinsam zu „Tracks of My Tears“ von Smokey Robinson & The Miracles mitsingt, entstehen eben Männerfreundschaften, und die Schrecken des Krieges sind für eine Weile weit weg. Doch schnell holt der Tod die Soldaten wieder ins Leben zurück.

Von der Zwangsläufigkeit von Kriegsverbrechen

Krieg gebiert Kriegsverbrechen, so viel wird schnell klar – als wüssten wir das nicht sowieso schon. Nachdem die Einheit von Taylor, Elias und Barnes die ersten Todesopfer zu beklagen hat, gibt es kein Halten mehr. Mit Sergeant Barnes in vorderster Front. Männer zerbrechen. Andere werden härter und härter. Auch nicht gut. Am Ende – ein Napalm-Inferno.

Keine Freunde: Barnes (l.) und Elias

Hubschrauber, die über dem Dschungel ihre Bahnen ziehen und tödliche Geschosse ins Grün abfeuern, Menschen, die dort unten sterben wie nichts. Darübergelegt erneut Barbers Klänge. Helikopter, die bei der Landung Staub und Rauchschwaden aufwirbeln. Der Sogwirkung solcher ikonischer Motive konnte sich Olvier Stone offenbar nicht entziehen. Er wollte es wohl auch nicht. Vielleicht ist es diese gewisse Ambivalenz, die die Klasse von „Platoon“ ausmacht. Einerseits setzt er zumindest den anständigen oder vermeintlich anständigen US-Soldaten in Vietnam ein Denkmal – etwas, das jede Antikriegsbotschaft konterkariert, zumal die feindlichen nordvietnamesischen Truppen komplett gesichtslos bleiben (und sie hatten weitaus mehr Opfer zu beklagen als die US-Streitkräfte). Was die GIs in Fernost eigentlich zu suchen haben, geht dabei unter, immerhin erkennen sie die Sinnlosigkeit ihres Tuns. Andererseits zeigt Stone schonungslos und brutal die Verrohung, die der Krieg für die Menschen in ihm mit sich bringt, eine Verrohung, der einige von ihnen nur zu gern nachgeben. Der Regisseur muss dafür kein Massaker von Mỹ Lai nachstellen, aber im Kopf wird es ihm bei der Ausarbeitung einiger Szenen herumgespukt haben.

Mit vier Oscars prämiert

Vier Oscars gab’s 1987 für „Platoon“: als bester Film, für Oliver Stones Regie, den Ton und den Schnitt. Zuvor hatte das Kriegsdrama bereits drei Golden Globes als bester Film, für die beste Regie und Nebendarsteller Tom Berenger abgeräumt. Bei der Berlinale jenes Jahres wurde Stone für seine Regie mit einem Silbernen Bären prämiert. Mit Michael Ciminos „Die durch die Hölle gehen“ („The Deer Hunter“, 1978), Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“ (1979) und Stanley Kubricks „Full Metal Jacket“ (1987) bildet „Platoon“ das große Quartett der Vietnamkriegsdramen. Während die beiden Ende der 1970er-Jahre entstandenen Vorgänger eher mythischen Trips ähneln, zeigt Stone den Dschungelkampf authentischer, als schmutziges Sterben mitten im Urwald und fern der Heimat. Das mag nicht nur an Stones eigenen Vietnamerinnerungen liegen, sondern auch daran, dass der Vietnamveteran Dale Dye beim Dreh als Berater am Set fungierte – er tritt auch in einer Nebenrolle als Captain Harris in Erscheinung und hat einen Audiokommentar zum Film eingesprochen.

Keine Angst: Elias pirscht sich voran

„Platoon“ machte Charlie Sheen zum Star und schlägt den Bogen zu seinem Vater Martin, der sieben Jahre zuvor ebenfalls die Hauptrolle in einem der großen Vietnamfilme gespielt hatte: „Apocalypse Now“, in welchem Sohn Charlie angeblich auch mal als Statist durchs Bild läuft. Mit „Wall Street“ (1987) etablierte sich Charlie Sheen für eine Weile in der A-Liga, schlug dann aber den Weg in Richtung seichtere Stoffe ein, was vielleicht verhindert hat, dass er sich ganz oben festsetzt. Später mögen auch ein paar private Eskapaden ihr Teil dazu beigetragen haben, aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls zeigt „Platoon“ nicht nur große Schauspielkunst von Willem Dafoe und Tom Berenger, die dafür beide für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert wurden (den ihnen allerdings Michael Caine für „Hannah und ihre Schwestern“ wegschnappte); der Film ist obendrein gespickt mit klangvollen Namen, die später zu mehr oder weniger großem Ruhm kamen oder sich als Charakterkopf-Nebendarsteller etablierten: Forest Whitaker, Johnny Depp, Kevin Dillon, Tony Todd, Keith David, John C. McGinley – noch Fragen?

Ist „Platoon“ ein Antikriegsfilm?

Jawohl, eine: Ist „Platoon“ ein Antikriegsfilm? Gegenfrage: Was ist überhaupt ein Antikriegsfilm? Geht es darum, die Schrecken der gewalttätigen Auseinandersetzungen zu vermitteln, ist die erste Frage zu bejahen. Stone macht auch deutlich, dass Krieg die Beteiligten verrohen lässt, was Kriegsverbrechen zu einer Zwangsläufigkeit macht. Aber viele Bilder faszinieren wie erwähnt doch auch. Ohnehin gibt es ja die These, ein Film, der Bilder von kriegerischen Auseinandersetzungen zeigt, könne per Definition kein Antikriegsfilm sein. Ein schwieriges Thema, das ich nicht bis ins Letzte durchleuchten kann. Phasenweise gibt „Platoon“ ein deutliches Statement gegen den Krieg ab, in manchen Sequenzen womöglich nicht. Ein großes, ja herausragendes Kriegsdrama ist es zweifellos. Stones Regiearbeit reiht sich sowohl bei den großen Vietnamkriegsdramen weit vorn ein als auch im Kriegsfilmgenre an sich.

Kein Entrinnen: Tod im Dschungel

FilmConfect Home Entertainment hat die alten Fox-Scheiben des Films als ansprechende Repacks veröffentlicht. Steelbook-Fans können zwischen zwei verschiedenen Ausführungen wählen – beide sehen schnieke aus und machen die Entscheidung schwer. Zusätzlich hat sich eine große Drogeriekette exklusiv die mir vorliegende Mediabook-Edition des Labels gesichert. Auch sie weiß optisch zu gefallen und hat im Booklet einen zuvor bereits anderswo veröffentlichten Text von Dr. Marcus Stiglegger zu bieten. Wie wir das von dem umtriebigen Filmwissenschaftler kennen, liest sich der Text fachkundig und aufschlussreich. Leider wurde am Lektorat gespart, einige Fehler trüben das Lesevergnügen. Das reicht von Namenschreibweisen (Berekley statt Berkeley, Shen statt Sheen) über fehlerhafte Silbentrennung bis hin zu falschen Satzzeichen. Unschön angesichts des höheren Preises, der für Mediabooks gegenüber Blu-rays in herkömmlicher Verpackung zu zahlen ist – wobei sich die Preise der Filmconfect-Mediabooks in akzeptablem Rahmen unter 18 Euro bewegen. Manche Mediabook-Fans werden sich an ein paar Fehlern nicht stören, so sie diese überhaupt wahrnehmen.

In welcher Edition auch immer: Wer großem Kriegskino etwas abgewinnen kann, kommt an „Platoon“ nicht vorbei. Welche Filme über den Vietnamkrieg sind eure Favoriten? Habt Ihr Empfehlungen nicht ganz so bekannter Filme über den Konflikt – ob ernsthafte Dramen oder Exploitation-Action?

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme von Oliver Stone sind in unserer Rubrik Regisseure aufgelistet, Filme mit Willem Dafoe, Johnny Depp, Tony Todd und Forest Whitaker in der Rubrik Schauspieler.

Veröffentlichung: 27. April 2018 als Blu-ray im Mediabook (exklusiv über eine Drogeriekette vertrieben), 8. Dezember 2017 als Blu-ray im silbernen Steelbook mit Prägung, 27. Oktober 2017 als Blu-ray im grünen Steelbook, 30. September 2016 als Blu-ray im Mediabook-Kombipack „Oliver Stone Collection“ (mit „JFK“ und „Wall Street“) 10. Juni 2011 als Blu-ray, 4. September 2006 als DVD

Länge: 120 Min. (Blu-ray), 115 Min. (DVD)
Altersfreigabe: FSK 16
Sprachfassungen: Deutsch, Englisch, Französich, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch u. a.
Untertitel: Deutsch, Englisch für Hörgeschädigte, Französich, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch, Dänisch, Schwedisch, Norwegisch, Finnisch, Türkisch u. a.
Originaltitel: Platoon
GB/USA 1986
Regie: Oliver Stone
Drehbuch: Oliver Stone
Besetzung: Charlie Sheen, Tom Berenger, Willem Dafoe, Keith David, Forest Whitaker, Kevin Dillon, John C. McGinley, Johnny Depp, Tony Todd, Mark Moses, Corey Glover
Zusatzmaterial: Audiokommentar von Oliver Stone, Audiokommentar von Militärberater Dale Dye, entfallene und erweiterte Szenen, Rückblick auf „Platoon“, Dokumentationen, Mini-Dokumentationen, TV-Spots, Original-Kinotrailer, Booklet
Label/Vertrieb Oliver Stone Collection, Steelbooks & Mediabook: FilmConfect Home Entertainment
Label/Vertrieb Blu-ray & DVD: Twentieth Century Fox Home Entertainment

Copyright 2016 by Volker Schönenberger

Packshot Steelbooks: © FilmConfect Home Entertainment, Szenenfotos: © Twentieth Century Fox Home Entertainment

 
 

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Snowden – Der großer Bruder sieht alles

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Snowden

Kinostart: 22. September 2016

Von Andreas Eckenfels

Politthriller // Im Juni 2013 geisterte plötzlich ein Name durch die weltweite Medienlandschaft: Edward Snowden. Der 1983 geborene US-Geheimdienstmitarbeiter brachte eine unfassbare Enthüllung ans Licht: Seit Jahren überwachen die USA unter dem Deckmantel des Anti-Terrorkampfes die globale Telekommunikation und das Internet. Dabei belauscht die dafür zuständige NSA nicht nur mutmaßliche Terroristen, sondern auch ihre eigenen Bürger ebenso wie ausländische Regierungen, die der USA an sich in Freundschaft verbunden sind.

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Der schüchterne Computernerd Edward Snowden …

Die US-Regierung erklärte den Whistleblower Snowden daraufhin zum Staatsfeind Nummer 1. Der Geheimnisverräter flüchtete ins Exil nach Moskau, wo er noch heute weilt. Doch für einen Großteil der Weltbevölkerung ist Snowden ein moderner Held und Idealist, der zum Wohle aller ein großes privates Opfer eingegangen ist und damit die Debatte um Privatsphäre und Datenmissbrauch ins Licht der Öffentlichkeit gerückt hat.

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… lernt die extrovertierte Lindsay Mills kennen

Für die Verfilmung von Snowdens Lebensgeschichte konnte man sich keinen passenderen Regisseur als Oliver Stone („JFK – Tatort Dallas“) wünschen. Als Vorlage für sein Drehbuch nutzte er das Sachbuch „The Snowden Files“ von Luke Harding und den Roman „Time of the Octopus“ von Anatoli Kutscherena, Snowdens russischem Anwalt. Über Kutscherena nahm der für seine akribischen Recherchen bekannte Stone auch Kontakt zu Snowden auf: Mehrere Male traf der Regisseur den Whistleblower in Moskau.

Das Weltbild eines Patrioten wird zerstört

Was wäre wohl geschehen, wenn der US-Soldat Edward Snowden (Joseph Gordon-Levitt) 2004 nicht bei einem Morgenappell vom Hochbett gesprungen und dabei so unglücklich aufgekommen wäre, dass er sich beide Beine brach und seine Militärkarriere damit vorzeitig an den Nagel hängen musste? Es bleibt eine hypothetische Frage. Der Patriot will dennoch seinem Land dienen. Er bewirbt sich beim CIA, wo sein späterer Ausbilder Corbin O’Brian (Rhys Ifans) Snowdens außergewöhnliches Talent für das Programmieren und die Kryptografie schnell erkennt. Von da aus beginnt sein Aufstieg in die Untiefen der Geheimdiensttechniken, deren Missbrauch letztendlich sein komplettes Weltbild zerstören soll. Aus diesem Grund fällt er ohne das Wissen seiner Freundin Lindsay Mills (Shailene Woodley) eine folgenschwere Entscheidung.

Die von der Dokumentarfilmerin Laura Poitras (Melissa Leo) aufgezeichneten Interviews, welche Snowden mit den Journalisten Glenn Greenwald (Zachary Quinto) und Ewen MacAskill (Tom Wilkinson) im Mira-Hotel in Hongkong unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen führte, bieten die Rahmenhandlung und unterbrechen auch immer wieder die ansonsten chronologisch erzählte Biografie.

Überwachung bis ins Schlafzimmer

Die Interviews lieferten bereits die Grundlage für die höchst, gelungene Oscar-prämierte Doku „Citizenfour“. Wer diese gesehen hat, kann sich „Snowden“ eigentlich sparen. Die Fiktionalisierung des Stoffes kann nicht die Kraft der echten Bilder übertrumpfen. Zudem hat „Snowden“ für Zuschauer, die mit seiner Lebensgeschichte vertraut sind, kaum Überraschungen zu bieten. Das Biopic klappert die einzelnen Stationen nach und nach chronologisch ab. Wie man das besser machen kann, hat zuletzt Danny Boyle mit „Steve Jobs“ gezeigt.

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Corbin O’Brian erkennt Snowdens großes Talent und stellt ihn beim CIA ein

Auch visuell fällt Stone nicht viel ein: Der Einsatz von Aufnahmen aus Überwachungskameras oder anderen Linsen sollen die ständige Beobachtung und Bedrohung Snowdens suggerieren. Dies gipfelt in einer recht plakativen Szene, in der Snowden und Mills Sex haben und er plötzlich innehält: Sein Blick wandert zu dem ausgeschalteten Notebook, welches aufgeklappt auf dem Schreibtisch steht – die Kamera fährt auf die Webcam. Beobachtet gerade jemand die private Zweisamkeit?

Weiter bemüht Stone immer wieder das Bild des kleinen Mannes, der gegen das große System kämpft: Bei einem Videoanruf wird das Bild von Corbin O’Brian vor Snowden übergroß auf eine Wand projiziert. Ja, der große Verschwörungstheoretiker Stone nutzt das Bild von „Big Brother is watching you“ etwas zu häufig.

Blasser Held, starker Darsteller

Nicht falsch verstehen: Stone liefert einen phasenweise spannenden Politthriller ab, der inhaltlich eng am Puls der Zeit pocht und wichtige Fragen aufwirft. Auch als reines Porträt eines Patrioten und Idealisten bietet „Snowden“ gutes Unterhaltungskino. Aber ein großes Problem ist nun mal, dass Snowden ein sehr glatter und schüchterner Held ohne große Ecken und Kanten ist, der im Vergleich zu einem Exzentriker wie etwa Mark Zuckerberg einfach blass rüberkommt – siehe „The Social Network“.

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In einem kleinen Hotelzimmer in Hongkong filmt Laura Poitras Snowdens Enthüllungen

Ganz und gar nicht blass kommen dagegen die beiden Hauptdarsteller daher. Wie schon in dem völlig zu Unrecht an den Kinokassen untergegangenen „The Walk“ verkörpert Joseph Gordon-Levitt mit voller Hingabe erneut eine real existierende Person. Selbst Snowdens Stimme imitiert er genau. Es ist aber auch Shailene Woodleys („Die Bestimmung – Allegiant“) Darstellung der treuen und linksliberalen Mills zu verdanken, dass Snowdens schrittweise Abkehr seiner konservativen Werte und unkritischen Sichtweise auf die US-Regierung überzeugend wirkt.

Eine Überraschung im Ärmel

Oliver Stone hätte man in der Inszenierung dieses hochbrisanten und aktuellen Themas etwas mehr Mut gewünscht. Immerhin holt er gegen Filmende dann doch noch eine Überraschung aus dem Ärmel, die hier aber nicht verraten werden soll.

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Snowden will wichtige Dokumente aus dem hochgesicherten NSA-Gebäude schmuggeln

Und wer weiß – Snowden ist noch jung. Er ist schon jetzt einer der wichtigsten Menschen des 21. Jahrhunderts. Sicher kommt in ein paar Jahren „Snowden 2.0“ mit neuen Enthüllungen aus seinem Leben in die Kinos. Hoffen wir, dass der Whistleblower bis dahin endlich wieder in Freiheit leben darf und sich nicht mehr im Exil verstecken muss. Wer sich jenseits vom bewegten Bild etwas ins Thema einlesen will, dem sei Glenn Greenwalds Buch „Die globale Überwachung – Der Fall Snowden, die amerikanischen Geheimdienste und die Folgen“ ans Herz gelegt.

Alle bei „Die Nacht der lebenden Texte“ berücksichtigten Filme mit Nicolas Cage sind in unserer Rubrik Schauspieler aufgelistet.

Länge: 135 Min.
Altersfreigabe: FSK 6
Originaltitel: Snowden
USA/D 2016
Regie: Oliver Stone
Drehbuch: Kieran Fitzgerald, Oliver Stone
Besetzung: Joseph Gordon-Levitt, Shailene Woodley, Scott Eastwood, Nicolas Cage, Melissa Leo, Zachary Quinto, Tom Wilkinson, Rhys Ifans, Joely Richardson
Verleih: Universum Film

Copyright 2016 by Andreas Eckenfels

Filmplakat, Fotos & Trailer: © 2016 Universum Film

 

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